Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Therapie-Erfahrungen – Zytiga®
(Abirateronacetat)

[Die hier geschilderten Therapie-Erfahrungen können keine statistische Aussage über Erfolg oder Misserfolg bei dieser Therapie liefern. Es handelt sich ausschließlich um Einzelerfahrungen.
Eine hervorragende Übersicht über die Erfahrungen zahlreicher Patienten mit diversen Behandlungsformen bietet die Seite myProstate.eu.
Zytiga(Wirkstoff: Abirateronacetat) wurde am 28. April 2011 von der US-amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde FDA in Kombination mit Prednison für die Behandlung von metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakrebs zugelassen. Damit wurde in Deutschland eine im Januar 2011 eingeführte Härtefallregelung für den Einsatz von Abirateron wieder zurückgezogen.
Ed]

Ulla schrieb am 2.7.2011:
Ich würde gerne den Pfad für einen Erfahrungsaustausch zu ABIRATERON eröffnen.
Es wäre interessant von den Betroffenen – die in der Härtefallregelung sind – zu hören, welchen Erfolg Abirateron (...allein oder in Kombination mit ??) bislang hatte.
weinreich antwortete am 3.7.2011:
Ich nehme am Härtefall-programm teil. Martini-Klinik, Hamburg. Bin sehr zufrieden. Ich gehe kurz auf das Anschlagen der Arznei ein. In unser Gruppe...SHG Promann-Hamburg nehmen an der Abi-Forschung vier Personen teil...alle zufrieden...
Zum Anschlagen.. es kursiert ein Wert, dass nur ca. 70 Prozent der Arznei anschägt. Warum es so ist, ist unbekannt.
Hansjörg berichtete am 4.7.2011:
In einem Vortrag berichtete Prof. Heidenreich, dass mit Abiraterone oft eine PSA-Erhöhung erfolgt. Zumindest temporär. Das sei aber kein schlechtes Zeichen, sonderen der Beleg dafür, dass Tumorzellen vernichtet werden, die bei Ihrer Zerstörung erhöht PSA ausscheiden.
Ebenso LowRoad:
Ich bin kein Anwender von Abiraterone/Zytiga - das vorweg! Berichten möchte ich Dir, was ich aus der US Community bisher als Erfahrung erkennen konnte.
1. Ansprechrate ist nicht besonders hoch. Etwa 1/3 sprechen sehr gut an, etwa 1/3 haben eine relative kurzfristige Verlangsamung ihrer PSADTs und bei dem letzen Drittel geht der PSA Wert unvermindert hoch.
2. Es kommt in etwa der Hälfte der Fälle, die auf Zytiga ansprechen zu einem PSA Flare. Das kann bis zu 12 Wochen dauern bis der PSA Wert dann anfängt zu fallen.
3. Verschiedentlich wird, wenn Zytiga nicht zum Erfolg führt, zusätzlich LHRH-Analoga verabreicht, da Abiraterone den LH Wert ansteigen lässt.
Sicher nicht repräsentativ, da sich vermehrt Therapieversager in den Foren wiederfinden!
Und poseidon:
Ich nehme Abirateron seit Februar 2011, bei der 1. Kontrolle starker PSA-Abfall, aber seitdem kontinuierlicher Anstieg von zu Beginn 10 bis jetzt 64 ng/ml, starker Anstieg der Alkalischen Phosphatase von unter 100 auf jetzt 550 ng/ml.
Die Verdopplungszeit des PSA hat sich aber reduziert von vor der Therapie "14 Tage" auf jetzt "2 Monate". Dies werte ich als Teilerfolg, zumal ich keinerlei Nebenwirkungen verspüre.
WernerS berichtete am 8.7.2011:
Im Rahmen des Härtefallprogramms nehme ich seit dem 4.5.2011 Abiraterone. Leider hat sich bei mir bisher kein Erfolg eingestellt. Das Gegenteil ist der Fall. Mein PSA-Wert stieg von 37,6 ng/ml auf 58,9 am 1.7.2011.
Der Einfachheit halber zitiere ich nachfolgend aus meinem Bericht in myprostate.eu:
04.05.11 Ich falle unter das Härtefallprogramm Abirateron. Heute Beginn der Einnahme bei PSA 37,6.
03.06.11 PSA nach 4 Wochen leicht gestiegen auf 37,8.
01.07.11 PSA nach 8 Wochen 58,9!!! Außerdem Nebenwirkungen wie bei Hormonblockade beschrieben: Blutdruck ist erhöht, Herzrhythmusstörungen und Schweißausbrüche. Ich lasse meinen LH (Lutropin)-Wert im Serum feststellen. Er ist mit 9,4 IU/l über dem Grenzwert (1,7 - 8,6). Da ich seit über einem Jahr kein LHRH-Analogon mehr nehme, ist m. E. folgende Situation entstanden: LH möchte die Testosteronproduktion anstossen, Abirateron unterbindet das.
07.07.11 LHRH Eligard 22,5 mg verabreicht. Es ergeben sich weitere Fragen: NSE-Wert steigt: Hinweis auf neuroendokrine bzw. nichtandrogenabhängige Entwicklung? Alkalische Phosphatase bzw. Ostase steigt: Vermehrter Abbau von Knochenmaterial durch die vorhandenen, zahlreichen Metastasen? Nierenwerte (Kreatinin und GFR) haben sich verschlechtert. Siehe dazu grafische Darstellungen in myprostate:“
http://www.myprostate.eu/?req=user&id=197&page=graphic
Zwei weitere Links wurden mir von Dr. FE empfohlen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21456071
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16697805
Am 18.7.2011 meldete WernerS sich wieder:
Ich habe einen neuen PSA-Wert: 61,1 ng/ml am 14.7. Die LHRH-Gabe vor einer Woche hat bereits gewirkt. Der starke Anstieg der vergangenen Wochen scheint abgebremst zu sein.

Hansjörg schrieb am 26.9.2011, und berichtete danach immer wieder:
Eine Schwalbe macht zwar noch keinen Sommer, aber mein schwerkranker Freund hat nach dem Beginn der Abiraterone-Behandlung ein erfreuliches Ergebnis zu verzeichnen:
31.8.2011 PSA 1.221
22.9.2011 PSA 628 (!)
Zu Abiraterone nimmt er begleitend Prednision und erhält weiterhin den LHRH-Hemmer Enantone gespritzt. Dieser PSA-Abfall geschah bereits nach 14 Tagen der Einnahme von Abiraterone.
7.10.2011:
Die zweite "Schwalbe" kam geflogen. Nach weiteren 14 Tagen der Abiraterone-Einnahme sank der PSA-Wert von 628,5 auf 348,9! Zu beachten ist, dass Abiraterone (Zytiga) zusammen mit Prednison und einem LHRH-Hemmer "Enantone" verabreicht wird!
Ute fragte am 8.10.2011:
Schöne Nachrichten! Wie viele Zyklen Chemo hatte Ihr Freund im Voraus?
Und Hansjörg antwortete einen Tag später:
Mein Freund hatte in den Jahren 2007 - 2010 fünf Zyklen Chemotherapie mit jeweils 13 - 20 Infusionen, bis er Anfang 2011 chemorestistent wurde, das derzeit eine der Bedingungen für den Einsatz von Abiraterone ist.
24.11.2011:
Der PSA-Abfall hält an, er ist heute bei 303 bei einem Ausgangswert von über 1.200 vor fast drei Monaten!
Am 22.1.2012 fragte hvielemi:
Wie steht es mit den Nebenwirkungen bzw. dem Rückgang von Beschwerden?
Hansjörg einen Tag später:
Nebenwirkungen hat er durch Abiraterone so gut wie keine. Die derzeitigen Nebenwirkungen wie Geschmacksverlust und Polyneuropathien rühren noch von den vorausgegangenen Chemotherapien her. Als vor einem Jahr die Chemotherapie nicht mehr wirkte, hatten wir sehr Angst um ihn. Jetzt ist er aber wieder putzmunter, schreibt an einem Buch über seine Erkrankung und plant vier Reisen in der nächsten Zeit.
16.2.2012:
Der PSA-Abfall unter Zytiga (Abiraterone) setzt sich fort: Heute ist das PSA auf 209 gesunken! Und das bei einem Ausgangswert am 31.8.2011 von 1.221!

ManfredP schrieb am 4.2.2012:
Am 20.06.2011 fing ich mit PSA 76,44 ng/ml an, jetzt am 30.01.2012 ist mein PSA auf 18,92 ng/ml gefallen. Dafür sind meine Nebenwirkungen erheblich: Schweißausbrüche, Schwindelgefühle, Atemnot beim Treppensteigen, Herzklopfen, Hitzewallungen,Taubheit in Händen und Füßen. Man sagte mir, dass die Symptome ähnlich wie bei der Chemo sind. Hoffe, dass,, die Quälerei sich lohnt und der PSA weiter fällt.

chrislin schrieb am 15.2.2012:
Ich bin zwar nicht im Härtefallprogramm, bekomme Abiraterone aber seit dem 22.9.2011 von meinem Urologen verschrieben. Der PSA ist zunächst rasant gefallen, von 713 am 28.7.2011 auf 3,63 am 15.11.2011. Seither steigt er wieder an: 27.12.2011: 11,7; 24.1.2012: 28,2. Ich warte die weitere Entwicklung ab, bevor ich mich entscheide, wieder eine Chemotherapie, evtl. mit Cabazitaxel zu machen. Im übrigen nehme ich noch Zometa und Plenaxis (LHRH-Antagonist).

klaymen schrieb am 30.3.2012:
Ich habe vor langer Zeit schon mal gepostet über die Erfahrungen mit Abiraterone bei meinem Vater (Jahrgang 1931); seine genauere Verlaufsgeschichte finder ihr unter http://www.myprostate.eu/?req=user&id=364. Ausgangssituation vor der Abiraterone Therapie und nach Taxol war ein PSA von 1350 ng/ml im Januar 2011; dieser sank dann innert drei Monaten auf 190, stieg dann zuerst relativ langsam wieder an, und seit Oktober 2011 (mit PSA 500) deutlich schneller. Letzte Messung war Ende Februar 2012, PSA 866 ng/ml. Immerhin über ein Jahr nach Start der Behandlung, so dass man wohl von einem Erfolg mit zwölf guten Monaten sprechen kann. Mein Vater konnte sogar seinen Stock weglegen, leider benötigt er ihn jetzt wieder. Nebenwirkung vom Abi gab es keine.
Die grosse Frage ist jetzt natürlich für uns, wie weiter – die stark steigenden Werte und auch das wieder tiefe Hämoglobin sowie die auch wieder steigende Phosphatase (usprünglich 400 ng/ml, Minimum 150 ng/ml im November 2011, jetzt wieder 220 ng/ml) legen eine Änderung der Therapie nahe. Schmerzen hat mein Vater keine (nimmt aber regelmässig Durogesic-Schmerzpflaster), aber er ist sehr müde und in den Bewegungsabläufen unsicher. Wie Viele warten wir auf MDV 3100 oder Cabozantinib, aber wahrscheinlich wird das nicht rechtzeitig kommen. Der Arzt meinte, er wolle es wahrscheinlich demnächst mit einer niedrig dosierten Jevtana-Therapie versuchen (anscheinend kann diese doch auch tiefer dosiert wirksam sein).
Wir haben seit dieser Woche auch die Standard Abiraterone Therapie (im Einverständnig mit dem Onkologen) dahingehend modifiziert, dass mein Vater jetzt nur noch eine Tablette nimmt, dafür abends mit dem Essen, wie das hier im Thread ja auch diskutiert wurde. In zwei Wochen gibts dann einen Zwischencheck. Die Idee ist auch, dass man so die letzte Packung Abiraterone (welche die Krankenkasse nach Start einer neuen Chemotherapie wohl nicht mehr bezahlen würde) etwas strecken und zumindest überlappend zur Chemo geben kann. Vielleicht hilft die höhere aufgenommene Dosis ja auch noch etwas. Viel Schlaueres kommt uns im Moment nicht in den Sinn. Wir haben auch die Variante besprochen, zur Chemo hochdosiertes EpiGalloCatechin-3-Galat zu nehmen, aber leider können wir dazu keine Bezugsquelle (Schweiz) finden.
Trotz Allem, für uns war Abiraterone ein grosser Erfolg, auch wenn wir vielleicht eine Ausnahme waren. Mit gut einem Jahr Gewinn liegen wir wahrscheinlich über dem Schnitt. Wenn es nur nicht immer wieder diese Resistenzen gäbe – aber das Problem kennt ihr ja alle.

katharina schrieb am 16.5.2012 unter der Frage "Wirkt Abiraterone noch ein zweites Mal?"
Diese Frage stellten wir uns nach 8 Monaten Dauerchemo Docetaxel-Carboplatin nach dem Nachlassen der Wirksamkeit von Abiraterone im Härtefallprogramm September 2011. Bei meinem Mann hatte Abiraterone sehr gut angeschlagen und ihm drei gute Monate und noch 1-2 halbwegs gute beschert, bevor bei ihm die Knochenschmerzen wieder heftig zunahmen. Durch die Chemo wurde der Progress einigermaßen aufgehalten, der PSA blieb relativ stabil, jedoch nahmen zum Ende hin die Nebenwirkungen derart zu, dass wir eine Pause und einen erneuten Versuch mit Abiraterone befürworteten.
Leider wirkte zumindest bei meinem Mann Zytiga kein zweites Mal Wunder. Nach einer Woche mit PSA-Abfall und Steigerung des Befindens stellten sich heftige Knochenschmerzen ein, die durch die bisherige Schmerzmedikation nicht in den Griff zu bekommen sind. Wir kämpfen noch um Rückgewinnung von Stabilität. Wie es weiter gehen kann, ist noch nicht ganz klar. Der PSA ist übrigens inzwischen um denselben Betrag wieder angestiegen wie er anfangs abgefallen war, er liegt jetzt noch etwas höher als nach Ende der Chemo.
Dies kann ein Einzelfall sein, obwohl uns inzwischen zwei weitere Fälle bekannt sind, wo es unter einem zweiten Versuch mit Abiraterone Probleme gab und/oder ebenfalls keine Wirkung mehr festzustellen war. Da es aufgrund der Tatsache, dass es wohl noch nicht allzu viele Patienten gibt, die über einen zweiten Versuch nachdenken können, auch keine Erfahrungswerte (auch nicht für die Ärzte) dazu gibt, möchten wir zumindest unsere Erfahrungen mit euch teilen.

Volker berichtete am 19.5.2012:
meine Blütenträume von Abirateronacetat (Zytiga) sind ziemlich verrauscht. Ich bin sofort nach der Freigabe ab 21.9.2011 Anwender von Zytiga geworden. Nachfolgend habe ich die wichtigen Messwerte aufgeführt. Testosteron durchgängig bei allen Messungen <0,03 ng/ml, also unmessbar.
Datum
PSA
AP
LDH
04.08.11

21,2

373

403

01.09.11

31,7

482

421

29.09.11

29,2

653

331

13.10.11

37,4

734

367

27.10.11

41,6

918

357

10.11.11

43,8

1172

448

24.11.11

41,4

1546

386



Schmerzen im Beckenraum, daher Bestrahlung vom Becken und LWK's ab 12.12.2011 mit wöchentlicher Fraktionierung von 5x2 Gy Gesamtdosis 40 Gy. Bestrahlungsende 10.01.2012. Nach der dritten Bestrahlung Taubheit im rechten kleinen Zeh.
Datum
PSA
AP
LDH
22.12.11

49,1

1663

281

19.01.12

75,6

641

254

16.02.12

42,7

508

328

15.03.12

37

562

362

12.04.12

34,2

862

401

10.05.12

49,3

1132

515



Seit Anfang April 2012 zunehmende Taubheit im rechten Fuß plus Kraftlosigkeit im rechten Bein plus Schmerzen im Becken. Sowie Schmerzen unterschiedlich auftretend im ganzen Skelettbereich. Außerdem Schwäche im linken Arm. Die Wirbelsäule wurde komplett mittels MRT und CT überprüft, ohne Befund. Sind es vielleicht schon die äußerst selten bei Prostatakrebs auftauchenden Hirnmetastasen?
Ich fühle mich auf jeden Fall beschissen und überlege permanent, was das Abiraterone mit den Knochen macht. Denn die wahnsinnig steigenden Alkalische-Phosphatase-Werte passen nicht zum PSA.