Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Therapie-Erfahrungen – Salvage-Prostatektomie

[Die hier geschilderten Therapie-Erfahrungen können keine statistische Aussage über Erfolg oder Misserfolg bei dieser Therapie liefern. Es handelt sich ausschließlich um Einzelerfahrungen.
Eine hervorragende Übersicht über die Erfahrungen zahlreicher Patienten mit diversen Behandlungsformen bietet die Seite myProstate.eu.
Der Begriff "Salvage-Behandlung" oder "Salvage-Therapie" (svw. "Rettungs-", "Auffang-Theapie") ist nicht klar definiert. Es kann ein zweiter oder auch ein letzter Versuch einer wirklichen Heilung (kurativen Therapie) sein nach Versagen einer oder mehrerer vorangegangenen Behandlungen.
Eine "Salvage-Prostatektomie" ist also eine radikale Prostatektomie, der eine andere Behandlung mit "kurativer Intention" (Absicht, zu heilen) vorangegangen ist, meistens eine Form der Bestrahlung, aber zum Beispiel auch eine HIFU-Behandlung.
Ed]

kristian schrieb am 27.11.2011:
Eine Cholin-Pet/CT bei Prof. Reske am 25. Oktober in Ulm ergab: Bei Zustand nach PSA-Anstieg unter Hormonblockade bei Zustand nach HDR-Brachytherapie einer Prostatakarzinoms jetzt Nachweis eines Lokalrezidivs im linken Prostata-Lappen. Kontrollbedürftige,maximal 6 mm messende, sehr diskret Cholin-anreichernde Lymphknoten sowie rechts parailiakal [im Bereich des Darmbeins – Ed].
Von meinem Onkologen sowie von einem namhaften Universitätsprofessor in einem bekannten Uniklinikum bekam ich die nachdrückliche Empfehlung einer lokalen Behandlung: "Als Therapieoptionen kommen bei Ihnen prinzipiell die radikale Salvage-Prostatektomie mit einer pelvinen Lymphadenektomie oder eine weitergehende medikamentöse systemische Therapie in Betracht. Die radikale Salvage-Prostatektomie ist insbesondere unter Berücksichtigung der Tatsache zu favorisieren, dass die weitergehenden systemischen Behandlungsoptionen im Sinne der Applikation von CTL4-Antikörpern oder einer Chemotherapie oftmals nicht zu einer suffizienten Behandlung des lokoregionären Rezidivs führen.....".
Wer von Euch hat persönliche Erfahrungen beizusteuern? Oder er kennt ähnlich gelagerte Fälle, in denen die Salvage-Prostatektomie durchgezogen wurde?
Wo sind die erfahrensten Operateure, denn auf die kommt es ausschließlich an? Die Verlockung einer Heilung ist gewaltig, die Angst vor der OP ebenfalls, obwohl mir beruhigende Statistiken über den Erfolg mit beherrschbaren Nebenwirkungen dargestellt wurden. Da das Zeitfenster für die lokale Behandlung nicht ewig offen steht, fühle ich mich auch etwas unter Zeitdruck.
Für alle hilfreichen Hinweise bin ich sehr sehr dankbar!!
skipper meinte am selben Tag:
Leider befindest du dich in einer schwierigen Entscheidungssituation. Das Risiko einer hochgradigen Inkontinenz ist bei einer Salvage-Prostatektonomie sehr groß, gerade bei Patienten im Renten-/Pensionsalter. Auf der anderen Seite ist lt. Befund von Prof. Bonkhoff dein Rezidivtumor ziemlich aggressiv (4+4), so dass die Wirksamkeit der Hormontherapie nicht bis ans Lebensende greifen wird. An deiner Stelle würde ich mir kurzfristig den Rat von mindestens drei weiteren Spezialisten einholen und dann entscheiden.
Z. B.: Dr.Eichhorn Bad Reichenhall / Martiniklinik HH / Uniklinik Aachen oder Heidelberg. Ein guter Operateur, wenn es denn sein soll, ist Prof.Graefen von der Martiniklinik in HH.
"Strahlentherapeut" Daniel Schmidt war am selben Tag bezüglich der Erfolgsaussichten skeptisch:
Ihr Profil ist etwas unübersichtilich, auch wenn wirklich sehr viele Informationen drin sind.
Wenn ich das richtig verstehe, haben Sie aktuell einen PSA-Anstieg unter Hormontherapie (bzw. bei Testosteron im Kastrationsniveau) und den Befund von einem Lokalrezidiv in der Prostata & Lymphknoten im Becken.
In dieser Situation würde ich beim hormonrefraktären Prostatakarzinom die Finger von einer OP lassen!
Theoretisch ist eine Heilung damit möglich, allerdings äußerst unwahrscheinlich. Aufgrund der vorausgegangenen hochdosierten Strahlentherapie (perkutan & HDR) haben Sie ein massives Risiko für gewaltige Nebenwirkungen im Becken, im Falle einer OP.
Darüber hinaus ist aufgrund des hormonrefraktären Karzinoms das, was man im PET-CT sieht, vermutlich nur "die Spitze des Eisbergs".
kristian erwiderte einen Tag später:
Ja, die Meinungen der Experten sind durchaus geteilt, von den aufgeführten drei weiteren Spezialisten rät Aachen undbedingt zur OP, Martini-Klinik in HH lehnt eine OP-Option rundum ab. Warten wir noch auf Heidelberg.
Auffällig ist, dass in diesem Forum zum Thema Salvage-Prostatektomie keine Hinweise auftauchen. Auch die Meldungen zu meiner Anfrage weisen darauf hin, dass unsere Gemeinde keine Alternative in einer solchen Therapie sieht. Dr. Eichhorn zu konsultieren erübrigt sich, seine grundsätzliche Meinung kenne ich bereits, sie ist auch ablesbar aus der Philosophie der Hormonpäpste.
Es werden ja große Hoffnungen in die neuen Medikamente gesetzt, und mein Urologe sagt mir, dauernd kämen neue Optionen auf den Markt.
Ich habe auch ein Angebot aus Mannheim für eine HIFU-Salvage OP. Keiner weiß nichts genaues.
@Daniel Schmidt: Wo gibt es zu Ihren Hinweisen nachlesbare Informationen? Das könnte für mich ja hilfreich sein.
Am 12.12.2011 schrieb kristian:
Inzwischen habe ich die Meinung von drei anerkannten und hochgeschätzten professoralen Urologen (Leiter der jeweiligen Unikliniken), die ich hier gerne eingebe. Schließlich ist die Salvage Prostaketomie ein interessantes aber auch heißes Eisen:
Meinung 1
Gem. vorgelegten Unterlagen liegt ein intraprostatisches Lokalrezidiv vor, das mit hoher Wahrscheinlichkeit auch lymphogen metastasiert ist.
Rat: dringende Indikation zu einer Salvage radikalen Prostatektomie mit ultra-ausgedehnter Lymphknotenentfernung (> 30 LKs müssen entnommen werden). Nur so erreichen Sie eine optimale therapeutische Ausgangsposition. Ob die Tumorerkrankung noch „endgültig heilbar“ ist, hängt von der Anzahl der positiven Lymphknoten ab.
Alles Weitere kann nur im Gespräch geklärt werden.
Meinung 2
Ich habe mir Ihre Unterlagen angesehen. Leider sehe ich keine Chance, dass durch eine Operation Ihre Situation gebessert werden könnte. Auch wenn das aktuelle PET/CT nur einen Tumor in der Prostata zeigt, ist davon auszugehen, dass sich auch außerhalb der Prostata Tumor befindet, wie ja schon bei der Lymphknotenentfernung 2007 festgestellt wurde. Damit besteht leider keine Chance, mit einer Op den gesamten Tumor zu entfernen. Nur in solchen Fällen wäre eine Op sinnvoll. Ich sehe leider keine Alternative zur medikamentösen Therapie.
Meinung 3
Aufgrund der vorliegenden Befunde zeigt sich bei Ihnen ein Lokalrezidiv des bekannten Prostatakarzinoms. Aufgrund der PSA-Verlaufs unter den bisherigen antihormonellen Therapien muss von einem kastrationsresistenten Wachstum ausgegangen werden. An Therapieoptionen kommen bei Ihnen prinzipiell die radikale Salvage-Prostatektomie mit einer pelvinen Lymphadentektomie oder eine weitergehende medikamentöse systemische Therapie in Betracht. Die radikale Salvage-Prostatektomie ist insbesondere unter Berücksichtigung der Tatsache zu favorisieren, dass die weitergehenden systemischen Behandlungsoptionen im Sinne der Applikation von CTL4 Antikörpern oder einer Chemotherapie oftmals nicht zu einer suffizienten Behandlung des lokoregionären Rezidivs führen. Unsere eigenen Erfahrungen zeigen, dass es trotz weitergehender Systemtherapie bei ca. 25 % der Patienten zu einem lokalen Wachstum des Prostatakarzinoms mit entsprechenden Blasenentleerungsstörungen kommt. Zudem zeigen sich bei 10 bis 20 Prozent der Patienten im Krankheitsverlauf Stauung des oberen Harntrakts. Die radikale Salvage-Prostatektomie wird in unserem Hause sehr fragment durchgeführt. Wir können derzeit die Ergebnisse von ca 160 Patienten überblicken. Die mittlere Operationszeit liegt bei knapp zwei Stunden, der mittlere intraoperative Blutverlust bei 320 ml. Der mittlere stationäre Aufenthalt ist mit ca. einer Woche zu beziffern.
Den beiden Befürwortern der Salvage Prostatektomie habe ich weiterführende Fragen stellen können, die bisherigen Erfolge, aufgetretene üble Nebenwirkungen und Fragen zum Aufenthalt im Krankenhaus ect. betreffen.
Die Meinung Nr. 1 hat persönlich etwa 150 Salvage-Operationen durchgeführt, die Meinung 3 etwa 160 operativ im Hause ausgewertet. Die Ergebnisse erscheinen durchaus positiv, die etwaigen Nebenwirkungen beherrschbar zu sein. Ich war sehr überrascht und erfreut, wie auskunftsbereit und liebenswürdig die Herren waren.
Ich habe mich entschlossen, die Operation zu wagen. Der Zeitpunkt wird gerade noch endgültig abgeklärt weil ich – ebenfalls in recht absehbarer Zeit - eine Aortenklappe austauschen lassen muss.
Am 2.2.2012 meldet kristian sich wieder:
Heute wurde ich aus dem Uniklinikum entlassen: Die OP war ein voller Erfolg, alle mit dieser riskanten Operation verbundenen hoffnungsvollen Erwartungen haben sich erfüllt, meine Frau und ich sind sehr glücklich. Sobald ich den Ergebnisbericht der Klinik vorliegen habe, werde ich interessante Informationen nachliefern.