Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Therapie-Erfahrungen – Sequentielle Androgenblockade
(SAB)

[Die hier geschilderten Therapie-Erfahrungen können keine statistische Aussage über Erfolg oder Misserfolg bei dieser Therapie liefern. Es handelt sich ausschließlich um Einzelerfahrungen.

Eine hervorragende Übersicht über die Erfahrungen zahlreicher Patienten mit diversen Behandlungsformen bietet die Seite myProstate.eu.

Die sequentielle Androgenblockade ist ein selten verwendeter Therapie-Ansatz. In der Regel werden dabei ein Antiandrogen (z B. Bicalutamid oder Flutamid) und ein 5-alpha-Reduktase-Hemmer (Finasterid oder Dutasterid) eingesetzt. Das Konzept wird von dem amerikanischen Hämatologen/Onkologen und Prostatakrebs-Spezialisten Dr. Stephen B. Strum in dem Buch "Ein Ratgeber zum Prostatakrebs" erläutert. Darin schreibt er:

"Die sequentielle Androgenblockade (SAB) ist eine Variante der ADT. Sie beruht auf einem Ansatz mit zwei Medikamenten und dem Ziel, das Wachstum des PK mit Hilfe einer Androgen-Deprivation auf der Ebene der Tumorzellen zu stoppen. Gleichzeitig soll der Testosteronspiegel im Serum im Normalbereich gehalten werden in der Hoffnung, so die sexuellen Funktionen erhalten zu können."

Ed]


conobar schrieb am 27.10.2010:

Auch ich habe mich für die sequentielle Hormontherapie unter 150 mg Bicalutamid und 5 mg Finasterid entschieden, nachdem ich von Bekannten erfahren habe, die diese Therapie bei ähnlichen Ausgangsdaten wie ich schon über zehn Jahre erfolgreich durchführen.

Nach der DHB stieg mein PSA relativ schnell wieder an... (siehe mein Profil).

Eine zweite DHB wollte ich wegen der belastenden Nebenwirkungungen nicht nochmal durchführen. Mein Urologe verordnete mir zunächst nach dem PSA-Anstieg auf 19,5 ng/ml auschließlich 50 mg Bicalutamid. Das PSA fiel spontan auf 4 ng/ml, stieg dann aber bei der nächsten Messung auf ca. 6 ng/ml.

Ich überzeugte dann meinen Urologen die Dosis auf 150 mg Bicalutamid plus 5 mg Finasterid zu erhöhen.

Seitdem fällt mein PSA, langsam, aber ziemlich linear, und steht jetzt auf 0,25 ng/ml. Intermittieren werde ich wenn ein stabiler Nadir erreicht ist.

Seit 2004 ist mein PCa diagnostiziert. Die vorbeugende Bestrahlung zwecks Gynäkomastie-Vorbeugung habe ich hinter mir. Hat allerdings nichts gebracht. Auch die vom Urologen verschriebene Tamoxifen-Salbe...keinerlei Nutzen. Die Brust war unter der Therapie schmerzhaft angeschwollen.

Von meinem Onkologen habe ich dann Tamoxifen-Tabletten verschreiben lassen (Urologe hat sich geweigert, Kosten würden sein Budget überschreiten). Dosierung 10 mg, bei Beschwerden nehme ich jeden Abend eine Halbe. Wenn die Beschwerden abgeklungen sind...aussetzen. Meistens komme ich dann drei bis sechs Wochen ohne Tamoxifen aus.

Die Bedenken meines Onkologen, die Blutwerte würden sich verschlechtern, durch das Absinken des Östroradial Spiegels würde das PSA evtl. steigen , haben sich nicht bestätigt.

Meine Blutwerte sind hervorragend,Testosteronspiegel im Normbereich,der Dihydrotestosteronspiegel ist allerdings erhöht, laut Aussage des Onkologen besteht aber kein "Handlungsbedarf", da der PSA-Wert immer noch fällt.

Hier muss meiner Meinung nach die Forschung ansetzen (und nicht nur hier): Nach meinen Recherchen gibt es kaum einen Betroffenen , bei dem regelmässig der Dihydrotestosteronspiegel, der Östrogen- und Testosteronspiegel unter Hormontherapie kontrolliert werden.

Ich habe erst nach ca. fünf Jahren Therapie die Feststellung der Werte durchsetzen können. Dabei stellt sich die Frage, wie sich der Dihydrotestosteronspiegel senken lässt, der schließlich das PCa "anfeuert", und gleichzeitig der Testosteronspiegel unter der Seq. Hormontherapie stabil gehalten werden kann.

Der Gedanke ist nicht so abwegig, weil junge Männer mit hohem Tesosteronspiegel kein PCa bekommen.

Auch Dr. Leibowitz schreibt von Fällen, in denen er aufgegeben Patienten hohe Dosen Testosteron injiziert hat und den Krankheitsverlauf aufhalten konnte.

Mein Onkologe und mein Urologe konnten mir hier keine plausible Erklärung liefern.

Fazit: Ich bin als "doppelt Gestrafter" ;-) mit Blasen- und Prostatacarzinom bei meiner "selbstgewählten" Therapie auf dem für mich richtigen Weg... es geht mir, abgesehen von meiner psychischen Verfassung, eigentlich sehr gut.

Die unterschiedlichsten Krankheitsverläufe beobachte ich seit sechs Jahren. Dabei habe ich festgestellt: Was wir alle brauchen, ist ein bisschen (viel) Glück... und Ärzte, die auf unserer Seite sind und uns unterstützen..., egal für welche Therapie wir uns auch entscheiden.