Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS
[Die hier geschilderten Therapie-Erfahrungen können keine statistische Aussage über Erfolg oder Misserfolg bei dieser Therapie liefern. Es handelt sich ausschließlich um Einzelerfahrungen.
Eine hervorragende Übersicht über die Erfahrungen zahlreicher Patienten mit diversen Behandlungsformen bietet die Seite myProstate.eu.
Es gibt mehre Möglichkeiten, nach einer Radikalen Prostatektomie, bei der die Erektionsnerven beschädigt wurden, doch noch Erektionen zu erlangen. Was nicht funktioniert, sind Viagra & Co., weil diese Wirkstoffe auf das Funktionieren dieser Nerven angewiesen sind. Das wahrscheinlich und nach Berichten Betroffener am ehesten zufriedenstellende Verfahren ist das Implantieren künstlicher Schwellkörper in den Penis, die "bei Bedarf" mittels einer im Skrotum (Hodensack) untergebrachten handbetriebenen kleinen Pumpe mit einer Flüssigkeit gefüllt werden, die nach "Benutzung" wieder in den Vorratsbehälter abgelassen werden kann.
Am bekanntesten ist das Schwellkörperimplantat AMS 700 der Firma American Medical Systems (AMS; auf deren Web-Präsenz auch weitere Informationen). Die Firma stellt auf Ihrer Webseite für Deutschland und Österreich eine nach Postleitzahlen geordnete Suchfunktion für Kliniken und ärztlichen Praxen zur Verfügung, die mit diesen Implantationen Erfahrung haben und sie anbieten.
– Ed]
SunTzu schrieb am 21.2.2010:
Im Juli hatte ich mich entschlossen, ein Schwellkörperimplantat einsetzen zu lassen, im Oktober war es so weit und jetzt, gute vier Monate später, kann ich nur Positives berichten. Warum werden in Deutschland nur so wenige eingesetzt, es ist problemlos und funktioniert spontan, so spontan wie früher.
Männer habt Mut, es war eine mutige und die beste Entscheidung die ich getroffen habe.
Dazu schrieb Jürgen am 13.3.2010:
Zu deinem Entschluss und zu deiner Zufriedenheit gratuliere ich sehr herzlich. Du hast die richtige Entscheidung getroffen! Es gibt nichts Besseres. Seit drei Jahren habe ich das Schwellkörperimplantat AMS 700. Es funktioniert sehr gut. Ich möchte es nicht mehr missen!!!
Falls sich Männer noch nicht endgültig entscheiden können - Leute nehmt Euren Mut zusammen. Ihr gewinnt wieder ein Stück Lebensqualität dazu. Das Leben ist so kurz - genießt es.
gsimons fragte am 17.4.2010:
Meine Prostata wurde einseitig nervschonend entfernt, aber mit der Potenz ist es doch nicht so, wie ich es erwartet habe. Cialis und Co. helfen auch nicht, und mit der Skatspritze [SKAT = Schwellkörper-Autoinjektions-Therapie, dabei wird ein Wirkstoff mittels einer sehr feinen Injektionsnadel direkt in den Schwellkörper injiziert und bewirkt eine Erektion – Ed] hatte ich auch Probleme. Ein Ausweg wäre auch bei mir ein Schwellkörperimplantat, doch wie hoch sind die Kosten und/oder würde die Krankenkasse einen Teil der Kosten übernehmen?
BurgerH konnte am selben Tag Antwort geben:
Bei gesetzlich Versicherten werden Schwellkörperimplantat und die Op von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Wegen der aufwändigen OP verlangen manche Kliniken auch vom Kassenpatienten eine Zuzahlung. Deshalb vor der OP bei der Klinik nach der Zuzahlung fragen, und noch ein Tipp: Erkundigen Sie sich danach, wie oft der Operateur bereist Penisimplantate eingesetzt hat, denn dazu gehört Erfahrung.
Ich weiß nicht, wie lange Ihre OP zurückliegt. An ein Penisimplantat sollte man frühestens nach einem Jahr denken, denn bis dahin können sich unter Umständen die Erektionsnerven regenerieren.
Wie wichtig die Wahl des Operateurs ist, lässt sich der Leidensgeschichte von enrico21 entnehmen, der am 25.1.2012 schrieb:
Ich habe mir im Juni 2010 eine AMS-700-Prothese im UMM [Universitätsmedizin (= Universitätsklinikum) Mannheim – Ed] einbauen lassen. Habe seither nur Probleme, obwohl ich vorher absolut fit war. Nach der Operation war der OP-Bereich stark vereitert, musste danach noch einmal in die Klinik und wude mit Antibiotika vollgepumpt. Die Prothese ist so eingebaut, dass die spitzen Enden im aufgepumpen Zustand in den Bereich links und rechts des Schließmuskels stechen, was zur Folge hat, dass sich der Schließmuskel mit enzündet bis hin zu heftigen Blutungen. An einen Verkehr ist nicht zu denken. Also extreme Vorsicht bei der Auswahl des Operateurs!
Dazu schrieb Jürgen am 25.1.2012:
Was du von Dir und der Schwellkörperimplantation berichtest, hört sich NICHT gut an. Was du in dieser Zeit mitgemacht und überstanden hast, kann ich sehr gut nachvollziehen. Es tut mir sehr leid, dass du mit dem Ergenis nicht zufrieden bist.
Von mir aus kann ich sagen, dass die ersten zwei Wochen auch kein "Zuckerschlecken" waren. Ich wusste es und ließ mich darauf ein.
Es ist eine recht komplizierte Operation, die das höchste "Handwerksgeschick" dem oprierenden Arztes abverlangt. Bis zur Aktivierung des Implantates gab es auch den einen oder anderen Tag, an dem ich Schmerzen im Penis bzw. im Hodensack hatte.
Danach war ich fast schmerzfrei und konnte die "neu gewonnene Männlichkeit" nutzen und genießen. Nun ist es bereits fast fünf Jahre her und ich bin immer noch SEHR zufrieden.
Ich ließ mich im UKE – Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf bei Professor Sommer operieren.
Zu Gast war in der Woche ein Gastprofessor aus den USA – Professor Wilson, der den dortigen Ärzten eine neue Methode dieser OP vorführte.
Das Ergebnis ist hervorragend. Ich möchte es nicht mehr missen. Es kommt sehr häufig zum "Einsatz". Meine Frau und ich sind rundum zufrieden. Ich würde diese Operation jederzeit wieder machen lassen.
enrico21 berichtete am 26.1.2012 weiter:
So hatte ich mir das auch vorgestellt. Seit nunmehr sechs Monaten habe ich nichts als Schmerzen. An eine Benutzung der Prothese ist nicht zu denken, da es anschließend starke Schmerzen im Analbereich gibt. Habe die Operation extra vom Professor der Urologie beim UMM durchführen lassen. War der Überzeugung, ich wäre in guten Händen, aber weit gefehlt. Habe jetzt eine MRT an den Ansprechpartner von AMS, Herrn Prof. Sohn, in Frankfurt gesendet und bin auf dessen Antwort gespannt. Mir wurde auch vor der OP nicht gesagt das eine neue Art der Pumpe gibt. Ich hatte einige Zeit vor der OP noch die alte Pumpe gesehen. Die neue Pumpe ist ein richtiges Klotz. In Frankfurt verwendet man diese Pumpe wegen der Probleme schon seit einiger Zeit nicht mehr.
Jürgen antwortete am selben Tag:
Zu der Pumpe noch ein Wort: Bei mir wurde vor fünf Jahren bereits diese neue Pumpe eingesetzt. Sie ist fast wie ein Klotz, sehr gut zu bedienen und im Hodensack NICHT störend. Auch beim Hinsetzen oder beim Sitzen sowie beim Radfahren stört sie in keinster Weise. Auch das Ablassen der Flüssigkeit aus den Schwellkörpern bereitet keine Schwierigkeiten. Ich bin mit allem rundum zufrieden.
Verstehen kann ich nicht, dass du eine veraltete Pumpe bekommen hast. Deine OP ist eineinhalb Jahre her – du bekamst das alte Modell. Meine OP ist fünf Jahre her, ich bekam das neue Modell?! Da stimmt doch was nicht!!!
Und enrico21 antwortete am 27.1.2012:
Meine OP ist jetzt gerade sechs Monate her. Bei Prof. Sohn in Frankfurt/M. erklärte man mir, dass diese Pumpe immer Probleme mit dem Rückstellknopf hatte und man nun seit mehr als einem Jahr ein Nachfolgemodel benutzt. Es kommt auch immer darauf an, wie voll das Reservor gemacht wird. Bei mir wurden 60 ml eingefüllt, und der Druck auf die Pumpe ist deshalb immer stark. Wenn die die Prothesen entleere, dann dauert es ca. eine Stunde, bis diese sich wieder bis zu einem bestimmten Level gefüllt haben. Die Pumpe wird dann knallhart, und ich muss mit aller Gewalt eine Delle reindrücken und dann den Rückstellknopf bestätigen, dann füllt sich die Pumpe wieder. Wenn ich das 2- bis 3-mal gemacht habe, dann merke ich, wie das Ventil wieder schaltet, und ich kann die Prothese füllen. Man erklärte mir, dass bei den Operationen ein Vertreter von AMS mit einer Auswahl an Prothesen dabei wäre und in Verbindung mit dem Operateur die richtige Prothese aussucht. Das war bei mir nicht der Fall, und eine Prothese aus dem Lager, vielleicht ein Ladenhüter, wurde verwendet. Auf dem letzte Woche gemachten MRT sieht man deutlich, wie die Prothese im hinteren Teil geknickt ist. Die Spitzen der Prothesenenden stechen direkt, wenn sie gefüllt werden, in das umliegende Fleisch, was zur Folge hat, dass sich dies entzündet. Im Extremfall war es jetzt zweimal so, dass sich der Schließmuskel mit enzündete. Einmal sogar so stark, dass er stark blutete. Ich dachte schon, ich hätte mir eine Hämorrhoide eingefangen, was sich aber bei einer proktologischen Untersuchung [Untersuchung des Enddarms – Ed] als negativ herausstellte.
Jürgen schrieb am 29.1.2012:
Wenn ich lese, was dir passiert ist, überkommt mich ein Schaudern. Das kann doch wohl alles nicht wahr sein!!!!! Ich nehme an, dass dein Implantat zu groß ist. Es wurde nicht richtig angepasst. Dadurch knickt es ein, und die Enden stoßen an und in das umliegende Gewebe. Dadurch ist dein Implantat so gut wie unbrauchbar.
Bei mir dauert das Aufpumpen ein paar wenige Sekunden. Fünf bis sechs Pumpschübe und die Erektion ist super fest. Das Ablassen dauert nicht länger. Ein paar Sekunden, und die Erektion ist wieder weg, der Penis wieder in seiner Ausgangslage.
Dieses fragte mich einmal jemand, dem genau diese Zeit sehr wichtig war. Ich habe sie gemessen. Zum Aufpumpen brauchte ich 12-15 Sekunden. Das Ablassen war auch innerhalb dieser Zeit möglich.
Aus der Erinnerung weiß ich, dass es drei Größen gibt. 15 - 17 - 19 cm Länge der Schwellkörperimplantate. Ich bekam das 17 cm lange. Dieses wurde während der Operation genau an meine körperlichen Verhältnisse angepasst.
Bei dem Vorgespräch sagte ich scherzhaft zum Operateur, dass er das größte Implantat verwenden soll. Er erklärte mir genau das, was du bei dir erlebst.
UND NUN??? Was soll geschehen? So ist es kein Dauerzustand. Es muss nachoperiert werden!!!!
Am selben Tag schrieb Ralf:
Meiner Meinung nach ist hier ganz eindeutig ein ärztlicher Kunstfehler begangen worden. Wende Dich doch einmal an das Medizinrechts-Beratungsnetz, Näheres dazu hier.
Am 1.2.2012 schrieb enrico21 zurück:
Habe heute den Beratungsschein für eine Fachanwältin erhalten. Danke. Gestern wurde festgestellt, dass beide Schwellkörperprothesen nicht nur geknickt, sondern auch verdreht sind. Meine Schmerzen seit der OP kommen von der Spitze der Prothese, welche sich ins Fleisch drückt. Zwei Urologen sprachen auch von Ärztepfusch, der in der Universitätsmedizin Mannheim gemacht wurde.
[Ich meine, dass diese Geschichte nicht gegen das Schwelkörper-Implantat spricht, sondern dafür, dass man sich seinen Operateur sorgfältig aussuchen und in der örtlichen Selbsthilfegruppe nachfragen sollte, welche Erfahrungen mit diesem Operatuer vorliegen - Ed]