Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Therapie-Erfahrungen – Irreversible Electroporation (IRE)

[Die hier geschilderten Therapie-Erfahrungen können keine statistische Aussage über Erfolg oder Misserfolg bei dieser Therapie liefern. Es handelt sich ausschließlich um Einzelerfahrungen.
Die Irreversible Electroporation ist ein experimentelles Verfahren zur lokalen Therapie u. a. eines Prostatakarzinoms. Sie wird beworben als "eine neuartige Methode zur selektiven Zerstörung von Zellen durch starke lokale elektrische Felder. Durch die elektrischen Felder von mehreren tausend Volt werden die Zellmembranen geöffnet, bis die Zelle platzt. Dieser Vorgang entspricht einer induzierten Apoptose (natürlichem Zelltod)." Das Verfahren wird auch als "NanoKnife" beworben. Es gibt zur Zeit keine klinischen Studien, und es liegen keine Langzeitergebnisse vor.
Eine Zusammenfassung des bisherigen Erkenntnisstandes finden Sie hier.
Eine hervorragende Übersicht über die Erfahrungen zahlreicher Patienten mit diversen Behandlungsformen bietet die Seite myProstate.eu.
Ed]

Am 7.4.2016 schrieb werner m:
jetzt sind es 7 Wochen nach dem Eingriff.

Das subjektive Gesundheitsgefühl ist normal gesund. Im Detail sieht es doch anders aus. Die Schmerzen am Darmausgang waren nicht Schmerzen des Darmausganges, sonder rührten vom Eingriff in der Prostata her.
Selbst heute spüre ich etwas, wenn ich mich aufrecht auf etwas Hartes setze. Ist aber harmlos. Das eigentliche Problem ist immer noch eine gewisse Inkontinenz, verursacht durch den Dauerkatheter. Es ist teilweise schlimmer als zu Beginn. Ich verliere manchmal Tropfen beim Gehen, Bücken, Husten oder auch nur beim Stehen. Das war zu Beginn nicht so. Wenn wirklich Harndrang kommt, muss ich laufen, sonst kommt schon vorher etwas heraus. Das dies so lange anhält, verwundert mich. Da frage ich mich ernsthaft, warum man nicht wesentlich dünnere Katheter einsetzt. Sollten diese durch irgendwelche festeren Bestandteile verstopfen, würde man das schnell
bemerken und könnte mit einer 10-ml-Spritze den Katheter leersaugen.
Na ja, ich hoffe das hört bald auf. In den verlorenen Tropfen sind allem Anschein nach auch Schleim/Blutbestandteile aus der Prostata dabei.
Das ist gut so, damit das zerstörte Gewebe schneller entsorgt wird.
werner m schrieb am 28.2.2016:
Vor elf Tagen wurde mit IRE mein Prostatakrebs entfernt. Hoffentlich dauerhaft.
Wie geht es mir:
Direkt am Folgetag war das subjektive Gesundheitsgefühl absolut normal. Der Dauerkatheter schmerzte je nach Lage. Bei mir konnte der Katheter am zweiten Tag gezogen werden. Leider konnte ich den Urin nur sehr kurz halten. Am dritten Tag Entlassung. Absetzung aller Medikamente.
Danach hatte ich am 4. und 5. Tag die ersten Ansätze einer nächtlichen Erektion.
Tage 6-8 fühlte ich mich schlapp mit leichtem Fieber von bis zu 37,7 Grad. Mein Darmausgang schmerzt leicht vom Einführen der Ultraschallsonde.
Heute, Tag 11 immer noch spüre ich meinen Darmausgang und ich muss bei Harndrang sofort und schnell zur Toilette.
Ich kann es kaum verhalten und trage deshalb vorläufig Binden als Vorlage. Es ist auch noch etwas Blut im Urin.
Sonst geht es mir gefühlt normal. Das Haus kann ich für ca 60 bis 90 min verlassen, damit ich rechtzeitig eine Toilette sofort erreichen kann.
Ich werde hier in Abständen weiter berichten.
[Der thread zieht sich über viele Beiträge hinweg, die bei Interesse hier nachgelesen werden können – Ed]
werner m meldete sich am 17.1.2018 wieder und schrieb:
Für alle, die an der IRE interressiert sind, möchte ich berichten, was der OP-Bericht einer offenen radikalen Prostataentfernung nach vorangegangener IRE offenbarte.
Meinen Bericht nach der IRE findet Ihr unter dem thread "mein Krebs ist weg durch IRE".
Die IRE erfolgte damals im rechten Lappen. Dieser zeigte sich während der offenen OP ziemlich "aufgebraucht sowie deutlich narbig verwachsen mit narbig verwachsenem Beckenboden". Damit wurde die Präparation erschwert und musste überwiegend scharf erfolgen. Die Narbenplatte zieht sich bis an den Apex prostatae und um die Urethra, deren Präparation ebenfalls erschwert war.
MartinWK schrieb am 30.1.2018:
Führend in der Behandlung sind ... die Offenbacher, die, wie ich gerade, sehe ihre Website professionalisiert haben: https://vitusprostate.com/de/.
Die IRE ist ein nicht-thermisches Verfahren. HIFU hat u. a. den Nachteil, bei Wahl eines ausreichenden Sicherheitsabstandes umliegendes Gewebe mit zu "zerkochen". IRE ist wesentlich randschärfer, und wenn Nerven beschädigt werden, können die sich anhand der erhalten gebliebenen Struktur regenerieren.
Dies kommentierte rolando am selben Tag:
Auf der Website steht nichts anderes als seither schon – lediglich etwas umsortiert in neuer Aufmachung und nach wie vor mit zahlreichen unbewiesenen Annahmen und Behauptungen gespickt. Für mich persönlich weiterhin in Teilen unseriös.
Dazu wiederum schrieb LowRoad einen Tag später:
Dem kann ich nur zustimmen! Das ist eine reine Marketingseite, die mit unseriösen Mitteln versucht, Patienten zu rekrutieren.
Prof. Dr. Stehling erklärt warum die Prostatektomie den Prostatakrebs nicht heilen kann. Wer so was behauptet ist unseriös!
Weder ist die IRE ein neues Verfahren, noch hat sie erkennbar weniger Nebenwirkungen. Und ob sie wirklich irgendeinen Vorteil gegenüber Operation oder Bestrahlung hat halte ich für unbelegt bis nicht gegeben. Dass beispielsweise nicht behandeltes Gewebe verschont bleibt ist falsch! Es wird sehr stark in Mitleidenschaft gezogen, weit mehr als bei einer RT, wie man auch hier lesen kann:
[Aus dem Beitrag von werner m vom 17.1.2018 – Ed:] … aufgebraucht sowie deutlich narbig verwachsen mit narbig verwachsenem Beckenboden". Damit wurde die Präparation erschwert und musste überwiegend scharf erfolgen. Die Narbenplatte zieht sich bis an den Apex prostatae und um die Urethra deren Präparation ebenfalls erschwert war…
Und dabei handelte es sich nur um eine fokale Therapie, es wurde also nur ein Teil der Prostata behandelt.
Ich selbst habe die IRE als Salvage Therapie nach RT gemacht und kann nur sagen: grauenhaft, definitiv eine Fehlentscheidung!
ErnstW war am selben Tag derselben Meinung:
Kann ich leider nur bestätigen. Rezidivbehandlung mit dem Ergebnis 100 % Inkontinenz, PSA nach kurzem Einknicken wieder mit dem gleichen Anstieg wie vorher. Ich werde diese Fehlentscheidung bis an mein Lebensende bereuen und warne jeden vor experimentellen Methoden.