Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Therapie-Erfahrungen – Intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT)

[Die hier geschilderten Therapie-Erfahrungen können keine statistische Aussage über Erfolg oder Misserfolg bei dieser Therapie liefern. Es handelt sich ausschließlich um Einzelerfahrungen.

Eine hervorragende Übersicht über die Erfahrungen zahlreicher Patienten mit diversen Behandlungsformen bietet die Seite myProstate.eu.

Ed]


Helmut (I) schrieb am 4.2.2005:

In der neuesten Ausgabe des Magazins "Stern" (Nr. 6/2005) ist als Titelthema eine Reportage zum Thema "Neue Waffen gegen den Krebs" veröffentlicht.

Auf Seite 64 sind unter dem Titel "Die sanften Strahlen" Ausschnitte aus einem Interview aufgeführt, welches ein Sternreporter mit mir während meines therapiebedingten Aufenthalts im Deutschen Krebsforschungszentrum vor einigen Wochen geführt hat.

Wie in unserer Medienwelt heute üblich, ist die Aussage in ihrer Kürze oberflächlich und wenig informativ. Es ist verständlich, dass ein einstündiges Interview gewaltig gekürzt werden muss und dabei Details aus dem Zusammenhang gerissen werden. Umso wichtiger wäre es, die eigentliche Botschaft zu betonen und richtig darzustellen.

Es ist mir ein Anliegen, einige Details klarzustellen, wobei es nicht um meine Person, sondern um die Sache geht. Das Interview sollte die Präzision und die Vorteile der intensitätsmodulierten Strahlentherapie, wie sie in Heidelberg praktiziert wird, darstellen. Dem wird die Wiedergabe aber überhaupt nicht gerecht.

Schon die Überschrift "Sanfte Strahlen" erzeugt die falsche Vorstellung, es würde mit geringerer Dosis bestrahlt. Genau das Gegenteil ist der Fall. Die Gesamtdosis (76 Gy) liegt höher als bei der konventionellen 3D-konformalen Bestrahlung, ist also nicht "sanfter", sondern aggressiver, bezogen auf die Tumor-Areale.

Würde die Dosis für einige Krebs-Areale, in deren Nachbarschaft Risiko-Organe liegen, "heruntergefahren" – wie im Bericht dargestellt – so wären die Heilungs-Chancen nicht verbessert, sondern verschlechtert.

Die Schonung der Nachbarorgane gelingt vielmehr durch unterschiedliche Intensitäten aus sieben verschiedenen Einstrahl-Richtungen. Dies wird ermöglicht durch ein Steuerelement (Kollimator) mit 80 einzelnen Lamellen, die computergesteuert dafür sorgen, dass sich die Strahlung aus jeder Richtung den Konturen des Zielorgans anpasst. Die einzelnen Strahlenfelder überlagern sich teilweise und addieren sich im Zielgebiet auf die Höchstdosis.

Dies setzt sorgfältige Diagnostik, einen unvorstellbaren Rechneraufwand sowie äußerste Präzision bei der Planung und Durchführung voraus.

Für die präzise Durchführung ist auch eine gleichbleibende Lagerung erforderlich. Hierfür wird – wie korrekt erwähnt – ein enormer Aufwand betrieben. Meine Bemerkung, die Bewegungslosigkeit sei für mich der unangenehmste Nebeneffekt, ist aus dem Zusammenhang gerissen. Sie erfolgte im Zusammenhang mit einem Gespräch über die Nebenwirkungen allgemein und war natürlich flapsig gemeint, um zu demonstrieren, wie gering die NW insgesamt sind.

Ich bin mit hohen Erwartungen nach Heidelberg gefahren; sie wurden in der Realität noch übertroffen. Deshalb ist mir eine objektive Darstellung sehr wichtig. Ich bin dabei, einen ausführlichen Bericht über die intensitätsmodulierte Strahlentherapie zu schreiben. Gerne beantworte ich etwaige Fragen zu diesem Thema.


spertel berichtete am 28.8.2010:

Ich bin von August bis Oktober 2009 mit IMRT-Technik bestrahlt worden; mein PSA-Wert betrug zu diesem Zeitpunkt 0,1 ng/ml. Eine Aussage der Praxismitarbeiterin, mein Wert wäre auf 0,13 ng/ml angestiegen, stellte sich im Nachhinein als falsch heraus.

Ob der Schließmuskel bei der Bestrahlung etwas abbekommt kann ich nur vermuten; ich schätze mal ja.

Meine Nebenwirkungen während der Strahlentherapie waren relativ moderat, es stellte sich im Verlauf ein verstärkter Harn-und Stuhldrang ein, der die Bewältigung des Altages jedoch kaum beeinflußte. Am Anus traten verstärkt Reizungen auf, die ab der 30. Sitzung an zwei Tagen recht schmerzhaft, aber auszuhalten waren. Durchfall war zu keiner Zeit zu beklagen.

Zur Linderung habe ich einfache Nivea-Creme benutzt,was deutliche Erleichterung brachte.

Zur vermeintlichen "Pflege der Darmschleimhaut", vielleicht war´s Einbildung, habe ich Haferflocken mit Milch verzehrt; möglicherweise hat dies einiges bewirkt, da 70,2 Gy doch eine recht heftige Dosis waren. Übrigens erfolgte diese Dosiserhöhung von 66,6 Gy auf 70,2 Gy auf meinen ausdrücklichen Wunsch !!

Bereits unmittelbar nach Beendigung der Strahlentherapie sind die geschilderten Nebenwirkungen vollständig abgeklungen, lediglich ein häufiger Harndrang ist geblieben.

Die Potenz hat sich im Vergleich zur Zeit vor der Therapie eigentlich nicht nenneswert verschlechtert.

Die 1. Kontrollmessung, ob die Strahlentherapie den erwünschten Erfolg gebracht hat, ergab im Januar <0,04 ng/ml. (4,5 Jahre nach erfolgter OP).

Das war sie offensichtlich; weitere Messungen erfolgen nur noch jährlich, da beide kurativen Chancen bereits ausgereizt sind und mögliche Anstiege innerhalb von 12 Monate (wahrscheinlich) keine Größenordnungen erreichen können, die ein sofortiges Intervenieren in Form einer Hormontherapie erfordern würde.