Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Therapie-Erfahrungen – Intermittierende
Androgenentzugstherapie (IADT)

[Die hier geschilderten Therapie-Erfahrungen können keine statistische Aussage über Erfolg oder Misserfolg bei dieser Therapie liefern. Es handelt sich ausschließlich um Einzelerfahrungen.

Eine hervorragende Übersicht über die Erfahrungen zahlreicher Patienten mit diversen Behandlungsformen bietet die Seite myProstate.eu.

Ed]


Bernt fragte am 24.11.2005:

die intermittierende Hormonblockade ist (noch) eine experimentelle Therapie, für die es keine Leitlinien gibt. Meine Frage: Wie hoch sollte man das PSA in der Therapiepause steigen lassen? Gibt es Anhaltswerte oder Erfahrungswerte? Sollte man bei vorhandenen Metastasen das PSA in der Therapiepause vielleicht nicht so hoch ansteigen lassen wie beim lokal begrenzten PCA? Sollte man den Gleason Score berücksichtigen?

GerdU antwortete am selben Tag:

ich habe meinen Prostatakrebs acht Jahre lang durch die intermittierende Hormonblockade kontrollieren können, und zwar auch, während ich schon osteoblastische Metastasen hatte (diese sind allerdings erfreulicherweise seit ca. vier Jahren inaktiv). Im Regelfalle habe ich während der Pause gewartet, bis das PSA wieder auf 5 ng/ml war. Es ist mir aber auch schon passiert, dass ich erst bei 8 und einmal sogar erst bei 11 wieder angefangen habe zu spritzen.

Als ich 1995 prostatektomiert wurde, war der Gleason Score ungebräuchlich; er wäre aber 9 oder gar 10 gewesen. Logischerweise habe ich deshalb darauf keinerlei Rücksicht genommen.

Jack fragte, an GerdU gerichtet:

Dein Beitrag interessiert mich sehr. Ich habe ebenfalls Metastasen, seit relativer kurzer Zeit in Hormonbehandlung, PSA ging runter mustergültig.

Wie kommst Du drauf, dass Deine Metastasen sich ruhig verhalten?

Ich bin für mich gerade deswegen beunruhigt: Sehr guter PSA, aber mein Körper sagt mir, dass sich wieder – oder immer noch – etwas tut. Ich habe Horror vor einem Knochenbruch, nachdem ich teilgelähmt bin wegen Rückenwirbel-Kompression.

Und GerdU antwortete darauf:

ich lasse im Drei- bis Sechs-Monatsabstand ein Szintigramm und ein CT des Abdomens machen. Beide Verfahren bestätigen mir mit wunderbarer Regelmäßigkeit, dass meine Metastasen weder an Zahl noch an Größe zunehmen.

Ralf antworte, ebenfalls am24.11.2005, auf Bernts ursprüngliche Frage:

es gibt nur Glaubensbekenntnisse, für die Dr. Strum und Dr. Leibowitz stellvertretend für zwei konträre Meinungen stehen.

Dr. Strum vertritt die Meinung, dass man den nächsten Zyklus beginnen solle, wenn das PSA den halben Wert des Ausgangs-PSA erreicht hat (wegen des PSA-Halbierungsfaktors von Proscar und Co.). Dr. Leibowitz sagt: Steigen lassen und beobachten, irgendwann kommt's wieder runter.

Beispiel bei mir: Ausgangs-PSA vor gerade fünf Jahren: 12,2 ng/ml, ADT2/DHB von Dez. 2000 bis März 2002, und jetzt geht's los:

Datum | PSA
11.2004 5,22
03.2005 5,91
04.2005 7,37! Nach Strum hätte hier ein neuer Zyklus beginnen müssen
05.2005 6,13
08.2005 4,06
11.2005 5,43

Ich bin also mit meinem PSA etwa wieder da, wo ich vor einem Jahr war, allerdings habe ich – soweit bekannt – keine Metastasen.

In seinen Vorträgen präsentiert Dr. L. viele solcher Fälle, teilweise mit PSA-Werten über 30, wo es dann plötzlich doch wieder abwärts ging. Es ist aber auch zu berücksichtigen, dass Dr. L. bei Vorliegen mindestens eines Hochrisikofaktors (PSA >20 ng/ml, GS >6, Metastasen oder befallene Lymphknoten) zusätzlich zu DHB auch gleich eine niedrig dosierte Chemotherapie mit Taxotere, Estramustinphosphat und Carboplatin einleitet. Andere tun dies nicht und kommen vielleicht deshalb nicht zu seinen Ergebnissen.

Sein bisheriger Praxispartner Dr. Tucker steht mit seiner Meinung zwischen Leibowitz und Strum: Er sieht keinen bestimmten Wert vor, bei dessen Erreichen der nächste Zyklus einzuleiten ist, er geht aber davon aus, dass irgendwann einer fällig wird. Das Kriterium dafür ist von Fall zu Fall zu entscheiden.

Deutsche Ärzte tendieren eher zu Dr. Strum, sofern sie überhaupt eine Meinung haben, oder nehmen die berühmten 4 ng/ml als Kriterium. Begründung nicht vorhanden.

fs hat schon Recht, die DHB ist nur etwas für Leute mit starken Nerven.