Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Therapie-Erfahrungen –
Focal One®

[Focal One® ist eine Weiterentwicklung des HIFU-Verfahrens und stammt von der bereits seit Lan­gem mit HIFU-Technik auf dem Markt eta­blierten französi­schen Firma EDAP TMS. Das Verfahren umfasst u. a. eine voran­gehende dreidimensionale MRT-Bildgebung der Prostata, was ein präzises Be­strahlen des Ziel­volumens möglich macht, und eine compu­ter­gesteuerte (der Hersteller spricht von „robo­ter­assistierter“) Sonde mit dem Schall­kopf.
Eine Kurzbeschreibung des Verfahrens mitsamt einem YouTube-Videoclip fand ich hier:
http://3d-magazin.eu/medizin/kampf-gegen-prostatakrebs-mittels-3d
Ed]

Udo E. schrieb am 30.3.2015:
Ich gebe nachfolgend einen Erfahrungsbericht eines SHG-Mitglieds, das langjährig Active Surveillance gemacht hatte und sich jetzt entschied zur Ersttherapie mit "Focal One" Hoch-Intensiv Fokussiertem Ultraschall.
Als „junger“ Patient mit 54 Jahren erhielt er 2005 die Diagnose niedrig aggressives Prostatakarzinom (T1c, PSA kleiner 5 ng/ml, Gleason Score 3+3=6, 2 von 6 Stanzen mit wenigen mm Krebs). Er hatte keinerlei Beschwerden und eine positive Prognose. Seine Urologe empfahl ihm trotzdem sofortige Radikaloperation. Er wollte sich jedoch Potenz und Kontinenz sicher erhalten und informierte sich in unsere SHG. Danach entschied er sich für aktive Überwachung.
Bis 2014, d. h. nach knapp zehn Jahren, stieg sein PSA-Wert langsam und schwankend auf ca. 15 ng/ml an. Die Rebiopsie ergab ein leichtes Upgrading des Gleason Scores von 3+3 (6) auf 3+4 (7a). Er schickte seine Proben zur pathologische Zweitmeinung mit DNA-Bild-Zythometrie, die einen frühen mittelagressiven Tumor (peri-tetraploid) bestätigte. Der Kernspin der Prostata (MRT) zeigte einen kleinen einseitigen Tumor innerhalb der Kapsel.
Wegen des moderaten Progresses suchte er jetzt nach einer minimal-invasiven Therapie, die seine Lebensqualität erhält. Er hatte von dem neuen roboter-assistierten HIFU-Gerät „Focal One“ in Magdeburg erfahren, welches präziser operiert und die Nebenwirkungen früherer HIFU-Verfahren (u. a. Impotenz, Inkontinenz) minimieren soll. Dreidimensional fusionierte MRT wird zur Therapieplanung sowie -steuerung eingesetzt. Durch dynamische Fokussierung kann die Therapiezone dem Zielgebiet genauer angepasst werden. Auch können z. B. kleinste Prostata- oder Darmschleimhautbewegungen automatisch ausgeglichen werden. Er wandte sich an Prof. Schostak und wurde nach eingehender Untersuchung in eine Studie aufgenommen.
Im Oktober 2014 wurde er von Dr. Baumunk in Magdeburg behandelt. Er bekam Vollnarkose und einen Katheter durch die Harnröhre, der nach wenigen Tagen gezogen wurde. Da er keine zusätzliche gutartige Prostatavergrößerung hatte, erübrigte sich eine vorherige Abhobelung mittels TUR-P. Die Sonde mit dem Ultraschall für Bildgebung und Behandlung wurde in den Enddarm eingeführt. Nach der Therapieplanung setzt der Focal One Apparat die Vorgaben robotisch um. Die gebündelten Ultraschallwellen zerstörten den Tumor durch Hitze von über 80° C im Planungsgebiet. Die Operation soll ca. eine Stunde gedauert haben. Am Tag danach war er noch sehr müde wegen der Narkose. Alternativ wäre Rückenmarksnarkose (Spinalanästhesie) möglich gewesen. Am vierten Tag fuhr er mit dem Auto nach Hause. Bis zu zwei Wochen lang spülten sich kleine nekrotisierte Gewebeteile, die aus der halbseitig z. T. ausgehöhlten Prostata stammten, mit dem Urin aus. Danach ging er wieder arbeiten.
Im Dezember, also ca. zwei Monate nach der Behandlung, war das PSA auf unter 5 ng/ml gefallen. Er hatte keine Operationsnarbe, brauchte keine Inkontinenzeinlagen, d. h. er war sofort kontinent und bald wieder sexuell aktiv. Auch die Ejakulationsfähigkeit blieb erhalten, allerdings verminderte sich das Ejakulat auf etwa die Hälfte. Fünf Monate später im März 2015 war das PSA auf unter 2 ng/ml gefallen.
Das sind für eine fokale Therapie, bei der i. d. R nur der sog. Indextumor entfernt wird, optimale Werte. Sollte es irgendwann zu einem erneuten PSA-Anstieg kommen, könnten immer noch die Reste eines evtl. mutlifokalen Tumors mit Focal One HIFU nachbehandelt werden. Und bei wiederholtem PSA-Rezidiv stünden immer noch radikalere Optionen wie Prostatektomie und Strahlentherapie offen.
Die Nachuntersuchung erfolgt zunächst jedes Vierteljahr. Eine erneute MRT und Biopsie findet nach einem Jahr statt. Begleitend werden Fragebögen zur Erfassung von Lebensqualität und Nebenwirkungen zugeschickt.
Sollten sich derartig positive Erfahrungen in mehrjähriger Studie bestätigen, könnte dieses Verfahren eine Option bei lokalem Prostatakrebs mit einseitigen Tumoren von niedrigem bis mittlerem Risiko darstellen, falls Active Surveillance nicht infrage kommt. Damit könnte eine Lücke zwischen Übertherapie und Abwartendem Vorgehen geschlossen werden.