Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Therapie-Erfahrungen – Enzalutamid (MDV3100, Xtandi®)

[Die hier geschilderten Therapie-Erfahrungen können keine statistische Aussage über Erfolg oder Misserfolg bei dieser Therapie liefern. Es handelt sich ausschließlich um Einzelerfahrungen.
Forumsbeiträge zu Enzalutamid (Xtandi®) allgemein wurden hier zusammengestellt.
Eine hervorragende Übersicht über die Erfahrungen zahlreicher Patienten mit diversen Behandlungsformen bietet die Seite myProstate.eu.
Ed]

Demjotsing berichtete am 22.9.2013:
Vielleicht ein kleiner Hoffnungsschimmer. Nach Prostataentfernung, Bestrahlung der Loge und Bestrahlung zweier Knochemetastasen blieb der PSA-Wert nicht konstant. Beim Wert von 5,4 trat ich vor zwei Jahren einer Studie mit MDV3100 an der Klinik Aachen bei. Der PSA-Wert sank stetig und ist seit einem Jahr stets unter 0,1.
LowRoad schrieb am 23.9.2013 unter dem Betreff „Erkennen des Versagens von Zytiga® oder Xtandi®, obwohl der PSA Wert kein Fortschreiten der Krankheit erkennen lässt“:
In der Online-Support-Gruppe zum fortgeschrittenen Prostatakrebs gab es einige Fragen darüber, woher wir wissen, wann Medikamente wie Zytiga® oder Xtandi® ihre Wirkung verloren hätten. Das so schnell wie möglich zu wissen, ist wichtig, so dass man umgehend zur nächsten Behandlungsoption wechseln kann, ohne dem Prostatakrebs Zeit zu geben, sich fortzuentwickeln und damit stärker zu werden. Andererseits wollen wir eine Behandlung nicht vorzeitig abbrechen, ohne damit die mögliche Wirkung, die es haben könnte, voll auszuschöpfen.
In einer vereinfachten und nicht realen Welt würden wir davon ausgehen, dass Veränderungen beim PSA-Wert direkt mit Änderungen beim Fortschreiten der Erkrankung verknüpft sind, wie man dies bildgebend zeigen könnte. Mit anderen Worten, wenn der PSA Wert sinkt, damit auch die Progression der Erkrankung zurückgeht, und in ähnlicher Weise wie der PSA Wert steigt, die Krankheit fortschreitet. Einige Patienten haben aber berichtet, dass während ihr PSA-Wert gesunken ist, und noch weiter rückläufig wäre, die Bildgebung nicht gut aussah, denn die Scans haben weiterhin ein beträchtliches Fortschreiten der Krankheit gezeigt! Die Millionen-Dollar-Frage ist nun, hat ihre Behandlung versagt und sollten sie zur nächste Behandlung wechseln, oder warten Sie weiter ab, und beobachten die Situation?
Dies ist eine schwierige und verwirrende Frage ohne eine einfache Antwort. Ich sprach mit dem Arzt Daniel Petrylak von der Yale University und stellte ihm diese Frage. Seine Antwort war sehr interessant und sehr informativ:
Ganz eindeutig, sagte er mir, dass dies ein Zeichen des Versagens des Medikamentes wäre. Allerdings fügte er hinzu, dass es einige Feinheiten zu beachten gäbe. Er sagte, dass, wenn der Patient nur ein oder zwei neue (Knochen-) Läsionen beim ersten Followup-Scan zeigt, sein Zustand aber ansonsten stabil wäre, würde er wahrscheinlich empfehlen, einen weiteren Followup-Scan in einem oder zwei Monaten durchzuführen, um bestimmen zu können, ob dies nur ein kurzfristiges Flare- (Aufblühen-) Phänomen wäre [was als Heilungsreaktion gewertet werden könnte]. Wenn die neuen Läsionen sich aber in Organen statt Knochen darstellen würden, würde er keinen weiteren Followup-Scan durchführen und den Patienten sofort auf eine neue Behandlung umstellen. Damit das klar ist, Dr. Petrylaks Vorschlag für einen weiteren Scan gilt nur nach dem ersten Scan [nach Zytiga®-/Xtandi®-Einsatz]. Alle progressionsanzeigenden Änderungen in späteren Scans sind eindeutig ein Zeichen des Versagens der Medikamente, egal ob sich die Läsionen im Knochen oder in Organen befinden.
Ich möchte Dr. Petrylak für seine Unterstützung danken...
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[1]: Nowak, Knowing When Zytiga and Xtandi Have Failed Even Though The PSA Is Not Consistent With Disease Progression?
Urologe fs kommentierte am selben Tag:
Und etwas könnte wohl noch in dieser Situation helfen - zirkulierende Tumorzellen - CTC, z. B. Maintrac oder CellSearch. Wobei CellSearch sogar eine FDA- und EMEA-Zulassung beim Prostatakarzinom hat.
Dazu schrieb wieder LowRoad:
Eine CTC- (circulating tumor cells) Analyse wird zukünftig sicher mehr Bedeutung erlangen, da hiermit ein surrogate parameter [Ersatzparameter – Ed] zur Verfügung gestellt wird, der wahrscheinlich deutlich mehr Aussagekraft als der PSA-Wert hat[1]. Die Frage, die sich mir aber noch stellt ist, ob sich auch eine fortschreitende Erkrankung hin zu PSA-negativem Prostatakrebs, also z. B. einer neuroendokrinen Entartung (NE), anhand von CTCs bestimmbar wäre? Interessant wären also nicht nur die Zahl der zirkulierenden Tumorzellen, sondern auch deren Eigenschaften[2].
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[1]: Mike Scott, Survival and CTC data from the abiraterone acterate pivotal trial
[2]: Armstrong, Circulating tumor cells from patients with advanced prostate and breast cancer display both epithelial and mesenchymal markers.
Und – immer noch am 23.9.2013 – wieder Urologe fs:
Da einzelne Tumorzellen LEBEND herausgepickt werden können, können an diesen sogar eine einzelne DNA-Analyse und andere Untersuchungen gemacht werden. Es ist daher auch möglich, eine neuroendokrine Zelle – so vorhanden – zu finden. Man hat dafür sogar schon den Begriff "liquid biopsy" geprägt.
In diesem Bereich wird intensiv an den Möglichkeiten geforscht (z. B. Prof. Pantel – UKE Institut für Tumorbiologie – Schwerpunkt des Instituts vor allem in der Detektion frühzeitig disseminierter Tumorzellen im Knochenmark und Blut von Karzinom-Patienten als Grundlage für zukünftige individualisierte Therapieverfahren).
Und im Transfusionszentrum Bayreuth werden mit Maintrac Tumorzellen aussortiert, kultiviert und dann in vitro den verschiedenen Therapeutika ausgesetzt, um Wirksamkeit vorherzusagen.
Helena schrieb am 18.1.2014 unter Anderem:
Xtandi verursacht ihm [gemeint ist Helenas Mann – Ed] ab und zu leichte Übelkeit und Müdigkeit, aber das versuchen wir auch in den Griff zu kriegen.


Hvielemi schrieb am 11.8.2014 unter dem Betreff „Xtandi - Anfangserfolg!“
Am 30. Juli betrug mein PSA (extrapoliert) 8 ng/ml. Gleichentags begann ich, täglich vier grosse Kapseln Enzalutamid ('Xtandi') runterzuspülen, bisher ohne nennenswerte Nebenwirkungen.
Aber die Wirkung nach neun Tagen ist frappant: Letzen Freitag betrug der PSA grad noch 1,6 ng/ml!
Zitat von Dr. Myers
Kommen wir zurück zur Frage, warum sich nur 2,2 Monate Überlebensvorteil ergeben, obwohl das Fortschreiten der Erkrankung für sehr viel länger aufgehalten werden konnte.
...
Beginnen wir mit Beobachtungen, die wir für praktisch alle Krebserkrankungen machen konnten. Bis auf wenige Ausnahmen, bedeutet es, das eine Teilremission, also eine etwa 50%ige Größenreduktion des Tumors, nur einen geringen Überlebenszeitvorteil generiert. Über alle Tumorerkrankungen hinweg sprechen wir hier von einer Zeitspanne von einem Monat bis max. einem Jahr Überlebenszeitvorteil. Wobei ein Jahr schon ein spektakuläres Ereignis wäre! Ein großer Überlebenszeitvorteil von mehr als einem Jahr bedarf praktisch immer einer kompletten Remission. Bezogen auf Prostatakrebs bedeutet das ein nicht nachweisbarer PSA Wert [<0.01ng/ml], die Knochen-ALP und die Anzahl der zirkulierenden Tumorzellen im Normbereich und per Bildgebung keine nachweisbaren Läsionen. Man braucht also bei den meisten Tumorerkrankungen eine komplette Remission, um einen erheblichen Überlebenszeitvorteil zu generieren.
Zweitens ist es ein Tatsache, zumindest außerhalb von Prostatakrebs, dass es sehr unwahrscheinlich ist, solch ein Ergebnis durch die Behandlung mit nur einem Medikament zu erreichen. Natürlich gibt es Ausnahmen, z.B. GLEEVEC® für die Behandlung der CML, aber diese Ausnahme bestätigt eher die Regel. Für eine komplette Remission bedarf es eigentlich immer einer Kombinationstherapie. Die dabei eingesetzten Medikamente haben unterschiedliche Wirkansätze, so dass der Tumor aus unterschiedlichen Richtungen angegriffen wird. Sie sollten auch unterschiedliche Nebenwirkungen haben, damit das für den Patienten, im Gegensatz zum Tumor, erträglich abläuft.
Drittens kann man beobachten, dass ein großer Überlebensvorteil nach kompletter Remission nur erreichbar ist, wenn die Remission in 3-6 Monaten erreicht wird. Hodgkin's Disease, Non Hodgkin Lymphomas, Hodentumore, Leukemia bei Kindern usw. Bei Prostatakrebs ist die Vorgehensweise aber bisher der sequenzielle Einsatz einzelner Medikamente. Lupron/Eligard alleine, oder XTANDI® alleine, oder Abiraterone [ZYTIGA®] alleine, Taxotere® alleine, Alpharadin alleine, Im Gegensatz zu GLEEVEC® ergibt sich praktisch immer nur eine Teilremission, und der erzielbare Überlebenszeitvorteil ist eher gering.
Der einzige Weg um das Gesamtüberleben bei Prostatakrebs zu erhöhen, ist der Einsatz intelligenter Kombinationstherapien.
Zitatende
Nach diesem schönen Anfangserfolg beobachte ich den PSA weiter, und alle drei Monate gibt es ein MRT. Sollte der PSA nicht auf <0,01 ng/ml fallen UND im MRT noch Metastasen in den Lymphknoten sichtbar sein, wird man wohl nachhelfen müssen, z. B. mit einer PSMA-Radiorezeptorligandentherapie.


Hvielemi schrieb am 11.8.2014 unter des Betreff „Es wirkt!“:
Am 30. Juli betrug mein PSA (extrapoliert) 8 ng/ml. Gleichentags begann ich, täglich vier große Kapseln Enzalutamid ('Xtandi') runterzuspülen, bisher ohne nennenswerte Nebenwirkungen. Aber die Wirkung nach neun Tagen ist frappant: Letzen Freitag betrug der PSA grad noch 1,6 ng/ml!
Dies ergänzte er am 18.8.2014 unter dem Betreff „Es wirkt... und wird bezahlt!“ mit:
Und nun kommt auch noch die Kostengutsprache der Krankenkasse:
Zitat von Krankenkasse:
Die Verordnung von Xtandi (R) is im vorliegenden Fall medizinisch indiziert und ein grosser therapeutischer Nutzen wird erwartet … Diese Therapie wird im Rahmen der Grundversicherung vergütet … Na, dann hoff ich mal, dass der 'grosse therapeutische Nutzen' eintrete, und es freut mich, dass das teure Zeug im Rahmen der Grundversicherung (gesetzliche Krankenversicherung für Alle) bezahlt wird und nicht aus der Privat-Versicherung, die hierzulande [der Schweiz – Ed] lediglich Privilegien sichert wie Einzelzimmer oder Privatkrankenhaus, aber nicht die medizinische Versorgung an sich betrifft.
Die Nebenwirkung scheint nun, nach drei Wochen, vor allem in verstärkter Müdigkeit zu liegen. Aber ob die wirklich von Xtandi komme, ist nicht klar. Morgen wird wohl wieder Blut genommen für die PSA-Bestimmung, doch wirklich spannend wird das nächste MRT.
Am 19.8.2014 schrieb Hvielemi:
Im KSSG [Kantonsspital St. Gallen – Ed] wurde mir heute wieder Blut abgezapft. Schon zwei Stunden später war der Bericht da (wie angenehm, nicht tagelang warten zu müssen!): PSA nur noch 0,32 ng/ml, also grad mal 3 % des (extrapolierten) Wertes von 8 ng/ml bei Beginn der Enzalutamid-Therapie vor drei Wochen. Fantastisch!
Am 8.9.2014 unter dem Betreff „Xtandi - Es wird immer besser!“:
PSA noch einmal kräftig runter auf 0,1, mit einer VZ [(PSA-) Verdoppelungszeit – Ed] von nur -12 Tagen, oder würde man da Halbierungszeit sagen? Der Boden scheint noch lange nicht erreicht, auch wenn in der vorhergehenden Messperiode die VZ gerade mal -5 Tage betrug. Einfach fantastisch, dieses Enzalutamid, und die einzige Nebenwirkung scheint das vermehrte Schwitzen zu sein.


Hvielemi berichtete am 25.4.2015:
Nach ca. acht Monaten wurde der PSA-Nadir von 0,03 ng/ml bestätigt durch einen PSA-Anstieg über zwei Messperioden, zuletzt 0,11 am 9. April 2015. Dies nahmen wir zum Anlass, Xtandi abzusetzen, um mir Gelegenheit zu geben, mich von der mittlerweile vollkommenen Erschöpfung und den Brust-und Rückenschmerzen zu erholen.
Mein Rückblick auf die Zeit mit Xtandi fällt damit nachträglich besser aus, als zwischenzeitlich gedacht. Ein PSA-Rückgang um drei Grössenordnungen und bisher acht Monate radiologischer Stillstand sind eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte eines Medikamentes, das mir die Krankenkasse zu Beginn noch verweigern wollte.
Kommt hinzu, dass es bei der gegenwärtigen Verdoppelungszeit von knapp fünf Wochen nochmals ein gutes halbes Jahr dauern wird, bis der PSA-Wert wieder den Ausgangswert von Juli 2014 erreicht haben wird.