Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Therapie-Erfahrungen –
Impfung mit dendritischen Zellen

[Die hier geschilderten Therapierfahrungen können keine statistische Aussage über Erfolg oder Misserfolg bei dieser Therapie liefern. Es handelt sich ausschließlich um Einzelerfahrungen.

Eine hervorragende Übersicht über die Erfahrungen zahlreicher Patienten mit diversen Behandlungsformen bietet die Seite myProstate.eu.

Dendritische Zellen sind Zellen des Immunsystems, die sich je nach Typ aus Monozyten bzw. Vorläufern der T-Zellen entwickeln. Ihre Funktion ist die Antigenprozessierung und Antigenpräsentation vorher als fremdartig erkannter und intrazellulär aufgenommener Strukturen wie z. B. Mikroorganismen und deren Bestandteile. Durch Ausschüttung entsprechender Cytokine und Expression bestimmter Zelloberflächen-Rezeptoren beeinflussen sie T-Zellen und verstärken so die spezifische zelluläre Immunabwehr.

Dendritische Zellen werden dazu benutzt, um gegen bereits vorhandene Tumoren zu impfen. Dabei werden isolierte dendritische Zellen mit Tumorantigenen beladen, mittels Cytokinen stimuliert und dem Patienten zurücktransfundiert. Die dendritischen Zellen sollen dem Immunsystem den bereits im Körper vorhandenen, aber meist vom Immunsystem nicht erkannten oder nicht bekämpften Tumor zeigen und damit die Immunabwehr auf den Tumor „hetzen“. Diese Krebsimpfung mit Dendritischen Zellen (Immuntherapie, Krebsvakzination) beginnt sich als Therapieform langsam zu etablieren. (Text aus Wikipedia)

Ed]


erwinR schrieb am 7.1.2012:

Nachdem viel über den Einsatz mit dendritischen Zellen spekuliert wird, möchte ich hier meine Erfahrungen bekannt machen:

Wie Ihr in meinem Profil seht, hatte ich von 8/2010 bis 1/2011 eine Therapie mit dendritischen Zellen (zwei Impfungen), newcastle disease virus und regionaler (Bauch-) Hyperthermie. Zu Behandlungsbeginn hatte ich einen PSA-Wert von 0,65 ng/ml, am Ende 2,5 ng/ml. Ein Anstieg von ca. 2,0 ng/ml innerhalb von ca. fünf Monaten, nachdem der PSA-Wert vorher von 11/2008 PSA 0,07 bis 7/2010 0,65ng/ml, also ca. 0,5 in ca. 20 Monaten gestiegen war. Bevor ich die Behandlung abgebrochen habe, stieg der PSA- Wert um 0,5 ng/ml in einer Woche!

Was war passiert? Nachdem in diesem Zeitraum keine weitere Therapie durchgeführt wurde, ist der PSA-Anstieg allein dieser Behandlung zuzuschreiben. Auf meine Frage, warum bin ich nicht über die Möglichkeit der Aktivierung des Krebsgeschehen aufgeklärt worden, erhielt ich die Antwort, das ist bei uns noch nie passiert. Im Nachhinein habe ich versucht zu verstehen, warum es zu dieser Aktivierung gekommen ist.

Durch die Gabe von dendritischen Zellen wird das Immunsystem beeinflusst, das ist der Sinn. Die durch die dendritischen Zellen im Lymphknoten auf die Oberflächenmerkmale der Krebszellen geschulten T-Zellen sollen die Krebszellen besser markieren, damit diese von den herbeigerufenen Fresszellen eliminiert werden können. Es kommt also zu einer Aktivierung des Immunsystems. Das Immunsystem hat aber auch bremsende Zellen, die eine Überreaktion des Systems verhindern sollen (siehe Autoimmunkrankheiten). Diese Zellen, regulatorische T-Zellen, können sich aber auch überproportional vermehren, so dass der dämpfende Einfluss auf das Immunsystem überwiegt, dann kommt es zu einer Situation wie bei mir. Ein Immunsystem, das vorher die Krebszellen etwas bekämpft hat = langsam steigender PSA-Wert stellt durch die Runterregulation den Kampf weitgehend ein = stark steigender PSA-Wert. In der Literatur ist das beschrieben als TH2-shift. Man versucht in diesem Fall, durch verschiedene Thymuspräparate den Bremser zu bremsen. Das ist bei mir versäumt worden, erst der Nachbehandler setzte verschiedene Thymusextrakte, Ganzkörperhyperthermie, Vit. C-Hochdosisinfusionen ein. Damit ließ sich der PSA-Wert zunächst etwas stabilisieren, stieg letztendlich aber immer weiter an. Zur Zeit mache ich eine SAB [sequentielle Androgenblockade – Ed] mit 150 mg Casodex und 0,5 g Avodart.

Ziel der Therapie mit dendritischen Zellen war natürlich, die Krebszellen zu beseitigen, was mir als günstigste Variante in Aussicht gestellt wurde, oder doch die Anzahl zu verringern. Im schlechtesten Fall hätte ich keine Wirkung. Von einer AKTIVIERUNG des Krebsgeschehen hat mir vorher keiner was gesagt. Die Kosten beliefen sich inklusive der Laborleistungen auf ca. 25.000,- EUR, den größten Teil hat davon meine private Krankenversicherung getragen. Als Nachwirkung der mehrmaligen Hyperthermie des Bauchraums trat mehrmals eine Makrohämaturie [mit bloßem Auge erkennbares Vorhandensein von Blut im Urin – Ed] auf, vielleicht hat sie durch die frühere Bestrahlung schon angegriffene Gefäße in der Blasenschleimhaut lädiert. Jedenfalls brachte mir dies zwei Blasenspiegelungen ein, eine mit Darstellung der ableitenden Harnwege inklusive Niere, um ein Blasenkarzinom auszuschließen. Da weder vorher noch danach bei mir Blut im Urin aufgetreten ist, sehe ich einen ursächlichen Zusammenhang mit der regionalen Hyperthermie. Im Nachhinein wäre es sicher besser gewesen, jegliche komplementäre Behandlung nach dem Ende der Strahlentherapie mit Ausnahme der orthomolekularen Therapie zu unterlassen, zuzuwarten bis der langsam steigende PSA-Wert 5 ng/ml erreicht ist und dann mit der Hormonentzugstherapie zu beginnen. Das hätte viel (Gedanken-) Zeit und Kosten gespart, und bei weiter gleichartigem PSA-Verlauf hätte ich noch einige Zeit zuwarten können. Dies ist meine persönliche Meinung, ich bin weder Urologe noch Onkologe, jeder muss für sich selber entscheiden, ob ihm die Therapie mit dendritischen Zellen etwas bringt. Dass auch eine Aktivierung des Krebsgeschehen möglich ist, wurde jedenfalls mir verschwiegen.