Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Testosteronersatztherapie
(auch: Hormonersatztherapie)

[Die meisten Urologen würden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen bei dem Gedanken, einem an Prostatakrebs erkrankten Patienten zusätzlich Testosteron zu verabreichen, statt es ihm möglichst vollständig zu entziehen, gilt doch die Lehre, dass das Testosteron den Krebs fördert. Offensichtlich sind die Zusammenhänge aber weitaus komplexer. Der amerikanische Onkologe und PK-Experte Dr. Robert Leibowitz hat sich einmal die Mühe gemacht, die einschlägige Literatur über Erfahrungen mit zusätzlicher Testosterongabe bei PK-Patienten zu durchforsten, und kam zu einem erstaunlichen Ergebnis, das durch einen viel späteren Artikel in der "Ärztezeitung" bestätigt wird.
Die Testosteronersatztherapie (TET) ist allerdings nur bei Patienten mit zu niedrigem Testosteronspiegel indiziert, ist also keineswegs ein Allheilmittel gegen den PK.
Ed]

Christian schrieb am 16.5.2004:
es gibt inzwischen schon mehrere Studien, die belegen, dass höhere Testosteronwerte den Krankheitsverlauf des PK günstig beeinflussen können. Es gibt auch schon in Deutschland Ärzte, die bei niedrigem Testosteronlevel mit Androgel auf die Arme geschmiert, den PK bekämpfen.
Hier ein Zitat:
Trotz jahrzehntelanger Forschung gibt es keinen zwingenden Beleg, dass Testosteron eine ursächliche Rolle bei der Entstehung von Prostatakrebs spielt.
Männer mit höherem Testosteronlevel haben kein höheres Risiko, PK zu entwickeln.
Wenn Testosteron mit zunehmendem Alter abnimmt, erhöht sich das Risiko, PK zu entwickeln.
Rhoden, E.
NEJM, No. 35, Jan 29, 2004 pp. 482-492
Bereits im Jahre 2002 schrieb Dr.Leibowitz folgenden Bericht [Christian hängte den Artikel, zu dem ich hier nur einen Link eingefügt habe, in voller Länge an – Ed].
Andreas ergänzte dies am selben Tag:
ergänzend zu diesem Thema habe ich einen Artikel gefunden, aus dem hervorgeht, dass eine Testosterontherapie offenbar nicht mit einem erhöhten PK-Risiko einhergeht:
http://www.leben-mit-prostatakrebs.de/special/prostatakrebs/cda/page/frame/0,5053,29-15443,00.html.
"Sphinkter" schrieb am 17.5.2004:
mein amerikanischer Prostatakrebs-Spezialist schlägt mir zur Zeit – in genauer Kenntnis des Verlaufs und meiner Ergebnisse seiner sehr erfolgreichen bisherigen Therapie für mich (siehe weiter unten) als Folgetherapie eine TESTOSTERON-ERSATZ-THERAPIE vor, um einen weiteren Therapie-Effekt zu erzielen und gleichzeitig auch möglichst optimal in eine Therapiepause (entsprechend einer intermittierenden Therapie) zu gelangen, Ich zögere verständlicherweise noch etwas davor!
(Wegen meinem – nach radikaler Prostatektomie in 1998 und mehreren intermittierenden Hormonblockaden danach – trotzdem fortgeschrittenen und metastasierten, zumindest teilweise auch hormonresistent gewordenen Prostatakrebs habe ich eine metronomische Niedrig-Dosis-Mehrfach-Chemotherapie mit gleichzeitiger modifizierter DHB mit recht gutem Erfolg hinter mich gebracht. Mein PSA ist bis auf 0,24 runter gegangen).
Ich bitte um Meldungen von „PCa-Kollegen“ die vielleicht die in ähnlicher Situation ebenfalls schon eine TESTOSTERON-ERSATZ-THERAPIE gemacht haben:
Bitte antwortet mir hier: Mit welchen Ergebnissen? - und mit welchem Ausgang?
Oskar fügte am selben Tag kommentarlos die folgende Meldung hinzu:
High Testosterone Levels Linked to Prostate Risk
2004-05-11
WASHINGTON (Reuters) - Men over 50 who have higher levels of testosterone have a higher risk of prostate cancer, U.S. researchers reported on Sunday. The findings may mean that men should be cautious about testosterone replacement therapy.
A study of more than 750 men showed that those with the highest levels of plasma free testosterone were the most likely to have prostate cancer.
"Since testosterone replacement therapy increases the amount of free testosterone in the blood, older men considering or receiving testosterone replacement should be counseled as to the association until data from long-term clinical trials becomes available," said Dr. Kellogg Parsons, a urologist at Johns Hopkins University who led the study, said in a statement.
The association between free testosterone and prostate cancer risk in older men was not affected by height, weight, percent of body fat or muscle mass, Dr. Parsons told a meeting of the American Urological Association in San Francisco.
Dazu schrieb Ralf am 18.5.2004:
über diese Studie erschien am 13.5. auch ein Bericht in unserer Tageszeitung. Hier der volle Text der Meldung:
"Besser über 50 kein Testosteron einnehmen?
Hormon-Ersatztherapie - Auch bei Männern unter Verdacht, Krebsrisiko zu erhöhen
Bei Männern über 50 Jahren steigt das Risiko für Prostatakrebs mit dem Testosteronspiegel. Das zeigt eine Langzeitstudie, deren Ergebnisse amerikanische Urologen am 9. Mai auf einer Fachtagung in San Francisco vorgestellt haben.
Nachdem die Hormonersatztherapie für Frauen in den Wechseljahren nach den Ergebnissen diverser Studien in ernste Zweifel gezogen wurde, sollte nun auch die für Männer einer kritischen Prüfung unterzogen werden, fordern die Forscher. „Da die Testosteron-Ersatztherapie die Menge freien Testosterons im Blut erhöht, sollten ältere Männer, die eine solche Therapie erwägen oder bereits erhalten, über diese Verbindung aufgeklärt werden, bis weitere Daten aus Langzeitstudien vorliegen", sagt Kellogg Parsons von der Johns Hopkins University in Baltimore, Maryland.
Vierzig Jahre lang haben Parsons und Kollegen den Werdegang von 759 Männern verfolgt, von denen 111 an Prostatakrebs erkrankten. Die Datenanalyse zeigte, dass das Erkrankungsrisiko mit dem Spiegel freien Testosterons im Blut stieg. Der Zusammenhang war unabhängig von Größe, Gewicht sowie Fett- beziehungsweise Muskelmasse sowie vom Gesamttestosteron-Spiegel.
Ähnliche Zusammenhänge waren bereits im Falle der Hormonersatztherapie für Frauen in den Wechseljahren nachgewiesen worden. Studienteilnehmerinnen, die Östrogene erhielten, erkrankten deutlich häufiger an Brustkrebs und koronarer Herzkrankheit und erlitten häufiger Schlaganfälle und Thrombosen. Mediziner raten daher, die Vor- und Nachteile einer solchen Therapie kritisch gegeneinander abzuwägen. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe hat sich dieser Empfehlung angeschlossen."
Das gibt natürlich zu denken und scheint auf den ersten Blick ein Widerspruch zu dem zu sein, was Dr. Leibowitz mit einigen ausgewählten Patienten macht.
Ist es aber nicht, meine ich:
1. Leibowitz gibt ersatzweises Testosteron nur Männern, die bereits Prostatakrebs haben, und deren Testosteronspiegel unterhalb des Normalbereichs liegt. Wahrscheinlich wurde bei den wenigsten von ihnen zur Zeit der Krebsdiagnose der Testosteronspiegel gemessen, so dass niemand weiß, ob ihr Spiegel in einem (hohen) Bereich lag, bei dem der Studie zufolge das Erkrankungsrisiko steigt.
2. Warum sie jetzt einen niedrigen Testosteronspiegel haben, weiß man nicht – zu lange Hormonblockade und hohes Alter könnten zwei Gründe sein.
3. Leibowitz beobachtet den Krankheitsverlauf gerade dieser Männer sehr genau, weil er weiß, dass er und sie ein gewisses Risko eingehen. Wenn der Verlauf bei einem Patienten aber nicht wunschgemäß wäre, würde er bei ihm die Hormonersatztherapie sofort abbrechen, da bin ich sicher.
Es scheint mir darum einen Unterschied zu machen, ob ein Mann einen hohen Testosteronspiegel in der Zeit hat, in der sich der Krebs entwickelt, oder ob ihm wieder zu einem hohen T.-Spiegel verholfen wird, wenn er den Krebs schon hat.
Wer Dr. Leibowitz' Abhandlung über die Testosteronersatzbehandlung nachlesen will (sechs Seiten), kann sie hier finden.

Horst MUC stellte am 8.2.2005 den folgenden Artikel ins Forum:
Hormone trotz BPH-Therapie
Testosteronersatz ist auch bei Finasterid-Therapie effektiv
ATLANTA (Rö). Bei älteren Männern mit niedrigem Testosteronspiegel verbessert eine Testosteron-Substitution die körperliche Leistungsfähigkeit und steigert die Muskelkraft im Vergleich zu Placebo. Das hat jetzt eine Studie von US-Forschern des Wesley Woods Health Center in Atlanta erneut bestätigt (Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 30. November 2004, online).
Dieser Effekt besteht auch, wenn die Männer zusätzlich wegen einer benignen Prostatahyperplasie (BPH) Finasterid (Proscar®) einnehmen. Damit ist belegt, daß Dihydrotestosteron, ein Metabolit des Testosterons, an den günstigen Wirkungen der Testosteron-Substitution keinen bedeutenden Anteil hat. Denn dessen Bildung wird ja mit Finasterid gehemmt.
In ihre Placebo-kontrollierte Studie hatten die Wissenschaftler 70 Männer mit Serum-Testosteron unter 12 nmol/l aufgenommen, die über 65 Jahre alt waren. Jeweils ein Drittel von ihnen hatten 200 mg Testosteron-Enantat intramuskulär alle zwei Wochen gespritzt oder das Testosteron plus 5 mg Finasterid täglich erhalten oder nur Placebo bekommen.
QUELLE:
http://www.aerztezeitung.de/docs/2005/02/08/022a0405.asp?cat=/medizin/maennerprobleme

Bernt lieferte am 20.4.2005 den folgenden Beitrag:
habe einen interessanten Artikel in der Ärztezeitung gefunden (Leibowitz lässt grüßen):
"Plädoyer für Testosteron trotz Prostatakarzinom
Behandlung bei Hypogonadismus / US-Urologe sieht Prostata-Ca nicht als absolute Kontraindikation für Androgene
ISTANBUL (ner). Männer mit Hypogonadismus [Unterfunktion der Hoden, die zu niedrigem Testosteronspiegel im Blut führt – Ed] können nach einer kurativen Prostatakarzinom-Therapie mit Androgenen behandelt werden, sagt der US-Urologe Professor Joel M. Kaufman. Bislang gilt ein Prostatakarzinom als absolute Kontraindikation für eine Testosteron-Therapie.
"Mehrere Studien haben ergeben, dass es keinen eindeutigen Zusammenhang gibt zwischen dem Serum-Testosteron-Spiegel und der Wahrscheinlichkeit, an einem Prostatakarzinom zu erkranken", sagte Kaufman beim Europäischen Urologenkongress in Istanbul in der Türkei.
Der Urologe aus Aurora im US-Bundesstaat Colorado verwies auf eine retrospektive Analyse von 25 Studien mit insgesamt knapp 3000 Prostatakarzinom-Patienten, in denen hohe Testosteron-Spiegel nicht mit einer schlechten Prognose einher gingen. In einer weiteren prospektiven Studie mit 759 Männern, von denen 111 im Untersuchungszeitraum ein Prostatakarzinom entwickelten, hatten eugonadale Männer [Männer mit normaler Hodenfunktion – Ed] sogar ein niedrigeres Karzinomrisiko als hypogonadale Männer.
Das spreche für eine Androgen-Therapie hypogonadaler Männer, sobald die Karzinom-Behandlung erfolgreich abgeschlossen ist, sagte Kaufman bei einem vom Unternehmen Jenapharm unterstützten Symposium. Zumal nach der in den USA üblichen Kombination von Androgen-Blockade plus Radiotherapie die Testosteron-Spiegel oft monatelang niedrig blieben. Dies gehe mit einer verminderten Lebensqualität einher.
Der Urologe präsentierte zwei kleine Studien mit insgesamt 17 hypogonadalen Patienten nach Prostatakarzinom und bis zu zweijähriger Nachbeobachtung, in denen die Testosteron-Substitution erfolgreich praktiziert worden ist (J Urol 173, 2005, 533).
Selbst bei Patienten mit prostatischer intraepithelialer Neoplasie (PIN), die ein erhöhtes Prostatakarzinom-Risiko haben, sei die Testosteron-Therapie effektiv und sicher möglich, sagte Kaufman (J Urol 170 (6), 2003, 2348). Er betonte zugleich, dass eugonadale Männer nie mit Androgenen behandelt werden sollten, und zwar unabhängig von der jeweiligen Prostata-Situation."
Dazu schrieb Urologe fs einen Tag später:
in der Tat "weicht die Einstellung der Urologen auf" in Bezug auf eine Testosterontherapie nach PK. Ich selber mache es schon länger und habe bisher noch KEINE Negativerfahrung dabei machen müssen (natürlich ist die Auswahl und die Kontrolle dieser Patienten wichtig).

Urologe fs schrieb am 29.4.2005:
Androgendefizit auch nach geheiltem Prostatakarzinom ausgleichen?
Für hypogonadale Männer mit ausgeprägter Androgenmangel-Symptomatik ist eine Androgenausgleichstherapie indiziert. Ihr Prostatakarzinomrisiko ist hierdurch nicht erhöht. Trotz dieser Erfahrungen aus zahlreichen Studien waren Männer nach geheiltem Prostatakarzinom – selbst bei Vorliegen massiver Beschwerden – bisher von einer Testosteronsubstitution strikt ausgeschlossen. Diese restriktive Einstellung scheint sich gegenwärtig zu lockern. So ist auch für Männer, die den Prostatakrebs geheilt überstanden haben und in der Folge unter den Beschwerden eines Androgendefizits leiden, eine Behandlung mit geeigneten Testosteronpräparaten von Fall zu Fall nicht grundsätzlich auszuschließen. Jedenfalls einigten sich internationale Experten unter dem Vorsitz von Professor Gerald Mickisch (Bremen) auf einem Satellitensymposium des Unternehmens Jenapharm anläßlich des europäischen Urologenkongresses in Istanbul auf diese noch recht vorsichtige Formulierung.
Prostatakrebs in der Anamnese gilt herkömmlicherweise als absolute Kontraindikation für eine Testosteronsubstitutionstherapie. Allerdings gerät dieses Dogma neuerdings ins Wanken. Denn nach radikaler Prostatektomie (RPE) sind Patienten, deren Prostatakarzinom im Frühstadium entdeckt wurde, in vielen Fällen rezidivfrei. Das gilt auch für die zunehmend durchgeführte Strahlentherapie mit vorgeschalteter Gabe von GnRH-Analoga. Aber oft erholt sich nach der Krebstherapie die Gonadenfunktion nur langsam. Die betroffenen Männer leiden über Monate – zum Teil über mehr als ein Jahr – an einer ausgeprägten Androgenmangel-Symptomatik.
„Es gibt keine Beweise dafür, daß die Herstellung eines eugonadalen Hormonstatus nach geheiltem Prostatakarzinom mit einem Risiko verbunden ist“, betonte Professor Joel Kaufmann, Urologe aus Aurora/Colorado. Er selbst behandelt sieben Patienten nach RPE (Gleason Score 6-7, negative Ränder, nicht nachweisbares PSA), die unter ausgeprägten Androgenmangel-Symptomen (T<1 ng/ml) litten.
Mit Testogel® lassen sich Testosteronspiegel im unteren Normbereich konstant einstellen. Diese Darreichungsform bietet zudem die Möglichkeit, die Therapie jederzeit abzubrechen.
Die Langzeit-Testosteronsubstitution von Patienten über 42 Monate erbrachte nach Angaben von Professor Christina Wang Ergebnisse, die in punkto Sicherheit als „beruhigend“ einzustufen sind. Die an der kalifornischen Universität in Los Angeles lehrende Endokrinologin berichtete ferner, daß der PSA-Wert selbst bei Männern mit nachgewiesenen prostatischen intraepithelialen Neoplasien, d. h. jenen mit einem hohem Risiko für die Entwicklung eines Prostatakarzinoms, nicht stärker anstieg als bei den Kontrollen ohne präkanzeröse Läsionen.
Bericht vom Jenapharm-Satelliten-Symposium "The Good, the Bad and the Unknown of Late Onset Hypogonadism: the Urological Perspective" anläßlich des XX. Europäischen Urologenkongresses in Istanbul am 18. März 2005.
Auf eine entsprechende Anfrage fügte Urologe fs einen Tag später hinzu:
Hier findet man(n) Informationen zum Thema Hormonmangel:
http://www.testovital.de/patienten/popup/popup.php?nr=1 bzw. http://www.hormontief.de.

Rudolf schrieb am 9.1.2010 unter dem Betreff "Testosteron-Ersatz-Therapie ( TET ), nächste Runde":
Mit der Veröffentlichung von 91 TET-Fallgeschichten aus der Praxis von Dr. Leibowitz im British Journal of Urology International (BJUI) letzten November sowie einer Phase-I-Studie des Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York mit 12 Patienten letzten April und dem jahrelangen powern von Dr. Morgentaler, meist veröffentlicht in der European Urology (s. den alten Diskussionsfaden), liegt nun derartig viel auf dem Testosteron-Tisch, dass das Umdenken in der deutschen Urologenschaft begonnen hat.
Zwar ist es noch nicht so weit, dass wir Männer in der geeigneten Situation Ärzte empfehlen können, die eine TET machen, aber ich schätze, lange wird es nicht mehr dauern.
Es sollte unsere Aufgabe sein, die mittlerweile nicht mehr zu übersehenden Hinweise, dass die Testosteron-Gabe u.U. eine weitere Therapie-Option gg. den PK darstellt, in jede Uro-Praxis verbreitet werden. So sollten wir dann innerhalb diesen und nächsten Jahres über die Praxis von Dr. Eichhorn hinaus die ersten TET-Erfahrungen berichten können.
Auf zwei Treffen im November und Dezember in Hamburg wurde von Urologen der Martiniklinik auf die sich wandelnde Situation bzgl. des Testosteron-Einsatzes auch bei PK hingewiesen. Frau Dr. Thederan referierte die Veröffentlichungen, kam aber zu dem Schluss, dass sie noch keine Empfehlung geben könne, ohne grössere Studien und Langzeitergebnisse. Prof. Huland hingegen war schon mutiger und sprach von einem "Paradigmenwechsel", der sich da abspiele.
Schaut man sich erneut die Fallgeschichten von Leibowitz an und liest man den fulltext der jüngsten Veröffentlichung (danke, Christian, für die Beschaffung!) und schaut sich auch noch die Darstellung von TET-Fällen in dem Leibowitz-Video vom Mai 2009 an, dann scheint doch schon einiges an Kriterien klar zu sein, wann eine TET sinnvoll und sicher eingesetzt werden könnte.
Im Abstract stehen schon drei Dinge:
"Characteristics associated with continuing TRT were radical prostatectomy as primary management, a low PSA level when starting TRT, and concurrent use of dutasteride" [mit einer durchgängigen TET verbundene Merkmale waren eine Radikale Prostatektomie als Primärtherapie, ein niedriger PSA-Spiegel zu Beginn der TET und der gleichzeitige Einsatz von Dutasterid – Ed].
Die Fallgeschichten liefern die Gründe, wie eine geringer PSA zustande kommen kann: Je nach Lage verschiedene Therapien, die dafür sorgen, dass sich der oder die Tumore / Metastasen zurückbilden und der Tumorstoffwechsel zurückgefahren wird. Leibowitz und sein drei-armiges Vorgehen, Chemo (Taxotere, Emcyt und Carboplatin), HB und Anti-Angiogener Cocktail. Die HB wird aufgehört und die TET beginnt.
Von den veröffentlichten 91 Fällen hatten zwar 41 einen PSA-Progress, aber der spiegelte sich parallel nur bei sieben in einem klinischen Progress wieder. Zudem gingen bei 60 % derjenigen, die dei TET abgesetzt hatten, der PSA wieder runter.
Im Idealfall dürfte nach RP, Radiatio oder HB als Primär-Therapie, wenn PSA und, im HB-Falle, Testo unten sind, die Gabe von Testosteron über die Haut also nicht einen Krebs-Progress bzw. -Rezidiv zur Folge haben, sondern eine Verbesserung der Lebensqualität bei gleichzeitiger Stabilisierung des klinischen Geschehens. Im Falle einer HB dient die Testo-Gabe der Überbrückung desjenigen Serum-Testosteron-Bereiches, von dem angenommen wird, dass er PK-wachstumstreibend ist – irgenwo zwischen Kastrationsbereich und dem unteren Norm-Bereich.
Bei mir ist leider diese Chance im letzten halben Jahr vergeben worden, weil ich immer noch keinen Arzt gefunden hatte ... nun ja, ich hoffe auf die nächste Runde.