Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Testosteronersatztherapie
(auch: Hormonersatztherapie)

[Die meisten Urologen würden wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen bei dem Gedanken, einem an Prostatakrebs erkrankten Patienten zusätzlich Testosteron zu verabreichen, statt es ihm möglichst vollständig zu entziehen, gilt doch die Lehre, dass das Testosteron den Krebs fördert. Offensichtlich sind die Zusammenhänge aber weitaus komplexer. Der amerikanische Onkologe und PK-Experte Dr. Robert Leibowitz hat sich einmal die Mühe gemacht, die einschlägige Literatur über Erfahrungen mit zusätzlicher Testosterongabe bei PK-Patienten zu durchforsten, und kam zu einem erstaunlichen Ergebnis, das durch einen viel späteren Artikel in der "Ärztezeitung" bestätigt wird.
Die Testosteronersatztherapie (TET) ist allerdings nur bei Patienten mit zu niedrigem Testosteronspiegel indiziert, ist also keineswegs ein Allheilmittel gegen den PK.
Ed]

Christian schrieb am 16.5.2004:
es gibt inzwischen schon mehrere Studien, die belegen, dass höhere Testosteronwerte den Krankheitsverlauf des PK günstig beeinflussen können. Es gibt auch schon in Deutschland Ärzte, die bei niedrigem Testosteronlevel mit Androgel auf die Arme geschmiert, den PK bekämpfen.
Hier ein Zitat:
Trotz jahrzehntelanger Forschung gibt es keinen zwingenden Beleg, dass Testosteron eine ursächliche Rolle bei der Entstehung von Prostatakrebs spielt.
Männer mit höherem Testosteronlevel haben kein höheres Risiko, PK zu entwickeln.
Wenn Testosteron mit zunehmendem Alter abnimmt, erhöht sich das Risiko, PK zu entwickeln.
Rhoden, E.
NEJM, No. 35, Jan 29, 2004 pp. 482-492
Bereits im Jahre 2002 schrieb Dr.Leibowitz folgenden Bericht [Christian hängte den Artikel, zu dem ich hier nur einen Link eingefügt habe, in voller Länge an – Ed].
Andreas ergänzte dies am selben Tag:
ergänzend zu diesem Thema habe ich einen Artikel gefunden, aus dem hervorgeht, dass eine Testosterontherapie offenbar nicht mit einem erhöhten PK-Risiko einhergeht:
http://www.leben-mit-prostatakrebs.de/special/prostatakrebs/cda/page/frame/0,5053,29-15443,00.html.
"Sphinkter" schrieb am 17.5.2004:
mein amerikanischer Prostatakrebs-Spezialist schlägt mir zur Zeit – in genauer Kenntnis des Verlaufs und meiner Ergebnisse seiner sehr erfolgreichen bisherigen Therapie für mich (siehe weiter unten) als Folgetherapie eine TESTOSTERON-ERSATZ-THERAPIE vor, um einen weiteren Therapie-Effekt zu erzielen und gleichzeitig auch möglichst optimal in eine Therapiepause (entsprechend einer intermittierenden Therapie) zu gelangen, Ich zögere verständlicherweise noch etwas davor!
(Wegen meinem – nach radikaler Prostatektomie in 1998 und mehreren intermittierenden Hormonblockaden danach – trotzdem fortgeschrittenen und metastasierten, zumindest teilweise auch hormonresistent gewordenen Prostatakrebs habe ich eine metronomische Niedrig-Dosis-Mehrfach-Chemotherapie mit gleichzeitiger modifizierter DHB mit recht gutem Erfolg hinter mich gebracht. Mein PSA ist bis auf 0,24 runter gegangen).
Ich bitte um Meldungen von „PCa-Kollegen“ die vielleicht die in ähnlicher Situation ebenfalls schon eine TESTOSTERON-ERSATZ-THERAPIE gemacht haben:
Bitte antwortet mir hier: Mit welchen Ergebnissen? - und mit welchem Ausgang?
Oskar fügte am selben Tag kommentarlos die folgende Meldung hinzu:
High Testosterone Levels Linked to Prostate Risk
2004-05-11
WASHINGTON (Reuters) - Men over 50 who have higher levels of testosterone have a higher risk of prostate cancer, U.S. researchers reported on Sunday. The findings may mean that men should be cautious about testosterone replacement therapy.
A study of more than 750 men showed that those with the highest levels of plasma free testosterone were the most likely to have prostate cancer.
"Since testosterone replacement therapy increases the amount of free testosterone in the blood, older men considering or receiving testosterone replacement should be counseled as to the association until data from long-term clinical trials becomes available," said Dr. Kellogg Parsons, a urologist at Johns Hopkins University who led the study, said in a statement.
The association between free testosterone and prostate cancer risk in older men was not affected by height, weight, percent of body fat or muscle mass, Dr. Parsons told a meeting of the American Urological Association in San Francisco.
Dazu schrieb Ralf am 18.5.2004:
über diese Studie erschien am 13.5. auch ein Bericht in unserer Tageszeitung. Hier der volle Text der Meldung:
"Besser über 50 kein Testosteron einnehmen?
Hormon-Ersatztherapie - Auch bei Männern unter Verdacht, Krebsrisiko zu erhöhen
Bei Männern über 50 Jahren steigt das Risiko für Prostatakrebs mit dem Testosteronspiegel. Das zeigt eine Langzeitstudie, deren Ergebnisse amerikanische Urologen am 9. Mai auf einer Fachtagung in San Francisco vorgestellt haben.
Nachdem die Hormonersatztherapie für Frauen in den Wechseljahren nach den Ergebnissen diverser Studien in ernste Zweifel gezogen wurde, sollte nun auch die für Männer einer kritischen Prüfung unterzogen werden, fordern die Forscher. „Da die Testosteron-Ersatztherapie die Menge freien Testosterons im Blut erhöht, sollten ältere Männer, die eine solche Therapie erwägen oder bereits erhalten, über diese Verbindung aufgeklärt werden, bis weitere Daten aus Langzeitstudien vorliegen", sagt Kellogg Parsons von der Johns Hopkins University in Baltimore, Maryland.
Vierzig Jahre lang haben Parsons und Kollegen den Werdegang von 759 Männern verfolgt, von denen 111 an Prostatakrebs erkrankten. Die Datenanalyse zeigte, dass das Erkrankungsrisiko mit dem Spiegel freien Testosterons im Blut stieg. Der Zusammenhang war unabhängig von Größe, Gewicht sowie Fett- beziehungsweise Muskelmasse sowie vom Gesamttestosteron-Spiegel.
Ähnliche Zusammenhänge waren bereits im Falle der Hormonersatztherapie für Frauen in den Wechseljahren nachgewiesen worden. Studienteilnehmerinnen, die Östrogene erhielten, erkrankten deutlich häufiger an Brustkrebs und koronarer Herzkrankheit und erlitten häufiger Schlaganfälle und Thrombosen. Mediziner raten daher, die Vor- und Nachteile einer solchen Therapie kritisch gegeneinander abzuwägen. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe hat sich dieser Empfehlung angeschlossen."
Das gibt natürlich zu denken und scheint auf den ersten Blick ein Widerspruch zu dem zu sein, was Dr. Leibowitz mit einigen ausgewählten Patienten macht.
Ist es aber nicht, meine ich:
1. Leibowitz gibt ersatzweises Testosteron nur Männern, die bereits Prostatakrebs haben, und deren Testosteronspiegel unterhalb des Normalbereichs liegt. Wahrscheinlich wurde bei den wenigsten von ihnen zur Zeit der Krebsdiagnose der Testosteronspiegel gemessen, so dass niemand weiß, ob ihr Spiegel in einem (hohen) Bereich lag, bei dem der Studie zufolge das Erkrankungsrisiko steigt.
2. Warum sie jetzt einen niedrigen Testosteronspiegel haben, weiß man nicht – zu lange Hormonblockade und hohes Alter könnten zwei Gründe sein.
3. Leibowitz beobachtet den Krankheitsverlauf gerade dieser Männer sehr genau, weil er weiß, dass er und sie ein gewisses Risko eingehen. Wenn der Verlauf bei einem Patienten aber nicht wunschgemäß wäre, würde er bei ihm die Hormonersatztherapie sofort abbrechen, da bin ich sicher.
Es scheint mir darum einen Unterschied zu machen, ob ein Mann einen hohen Testosteronspiegel in der Zeit hat, in der sich der Krebs entwickelt, oder ob ihm wieder zu einem hohen T.-Spiegel verholfen wird, wenn er den Krebs schon hat.
Wer Dr. Leibowitz' Abhandlung über die Testosteronersatzbehandlung nachlesen will (sechs Seiten), kann sie hier finden.

Horst MUC stellte am 8.2.2005 den folgenden Artikel ins Forum:
Hormone trotz BPH-Therapie
Testosteronersatz ist auch bei Finasterid-Therapie effektiv
ATLANTA (Rö). Bei älteren Männern mit niedrigem Testosteronspiegel verbessert eine Testosteron-Substitution die körperliche Leistungsfähigkeit und steigert die Muskelkraft im Vergleich zu Placebo. Das hat jetzt eine Studie von US-Forschern des Wesley Woods Health Center in Atlanta erneut bestätigt (Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 30. November 2004, online).
Dieser Effekt besteht auch, wenn die Männer zusätzlich wegen einer benignen Prostatahyperplasie (BPH) Finasterid (Proscar®) einnehmen. Damit ist belegt, daß Dihydrotestosteron, ein Metabolit des Testosterons, an den günstigen Wirkungen der Testosteron-Substitution keinen bedeutenden Anteil hat. Denn dessen Bildung wird ja mit Finasterid gehemmt.
In ihre Placebo-kontrollierte Studie hatten die Wissenschaftler 70 Männer mit Serum-Testosteron unter 12 nmol/l aufgenommen, die über 65 Jahre alt waren. Jeweils ein Drittel von ihnen hatten 200 mg Testosteron-Enantat intramuskulär alle zwei Wochen gespritzt oder das Testosteron plus 5 mg Finasterid täglich erhalten oder nur Placebo bekommen.
QUELLE:
http://www.aerztezeitung.de/docs/2005/02/08/022a0405.asp?cat=/medizin/maennerprobleme

Bernt lieferte am 20.4.2005 den folgenden Beitrag:
habe einen interessanten Artikel in der Ärztezeitung gefunden (Leibowitz lässt grüßen):
"Plädoyer für Testosteron trotz Prostatakarzinom
Behandlung bei Hypogonadismus / US-Urologe sieht Prostata-Ca nicht als absolute Kontraindikation für Androgene
ISTANBUL (ner). Männer mit Hypogonadismus [Unterfunktion der Hoden, die zu niedrigem Testosteronspiegel im Blut führt – Ed] können nach einer kurativen Prostatakarzinom-Therapie mit Androgenen behandelt werden, sagt der US-Urologe Professor Joel M. Kaufman. Bislang gilt ein Prostatakarzinom als absolute Kontraindikation für eine Testosteron-Therapie.
"Mehrere Studien haben ergeben, dass es keinen eindeutigen Zusammenhang gibt zwischen dem Serum-Testosteron-Spiegel und der Wahrscheinlichkeit, an einem Prostatakarzinom zu erkranken", sagte Kaufman beim Europäischen Urologenkongress in Istanbul in der Türkei.
Der Urologe aus Aurora im US-Bundesstaat Colorado verwies auf eine retrospektive Analyse von 25 Studien mit insgesamt knapp 3000 Prostatakarzinom-Patienten, in denen hohe Testosteron-Spiegel nicht mit einer schlechten Prognose einher gingen. In einer weiteren prospektiven Studie mit 759 Männern, von denen 111 im Untersuchungszeitraum ein Prostatakarzinom entwickelten, hatten eugonadale Männer [Männer mit normaler Hodenfunktion – Ed] sogar ein niedrigeres Karzinomrisiko als hypogonadale Männer.
Das spreche für eine Androgen-Therapie hypogonadaler Männer, sobald die Karzinom-Behandlung erfolgreich abgeschlossen ist, sagte Kaufman bei einem vom Unternehmen Jenapharm unterstützten Symposium. Zumal nach der in den USA üblichen Kombination von Androgen-Blockade plus Radiotherapie die Testosteron-Spiegel oft monatelang niedrig blieben. Dies gehe mit einer verminderten Lebensqualität einher.
Der Urologe präsentierte zwei kleine Studien mit insgesamt 17 hypogonadalen Patienten nach Prostatakarzinom und bis zu zweijähriger Nachbeobachtung, in denen die Testosteron-Substitution erfolgreich praktiziert worden ist (J Urol 173, 2005, 533).
Selbst bei Patienten mit prostatischer intraepithelialer Neoplasie (PIN), die ein erhöhtes Prostatakarzinom-Risiko haben, sei die Testosteron-Therapie effektiv und sicher möglich, sagte Kaufman (J Urol 170 (6), 2003, 2348). Er betonte zugleich, dass eugonadale Männer nie mit Androgenen behandelt werden sollten, und zwar unabhängig von der jeweiligen Prostata-Situation."
Dazu schrieb Urologe fs einen Tag später:
in der Tat "weicht die Einstellung der Urologen auf" in Bezug auf eine Testosterontherapie nach PK. Ich selber mache es schon länger und habe bisher noch KEINE Negativerfahrung dabei machen müssen (natürlich ist die Auswahl und die Kontrolle dieser Patienten wichtig).

Urologe fs schrieb am 29.4.2005:
Androgendefizit auch nach geheiltem Prostatakarzinom ausgleichen?
Für hypogonadale Männer mit ausgeprägter Androgenmangel-Symptomatik ist eine Androgenausgleichstherapie indiziert. Ihr Prostatakarzinomrisiko ist hierdurch nicht erhöht. Trotz dieser Erfahrungen aus zahlreichen Studien waren Männer nach geheiltem Prostatakarzinom – selbst bei Vorliegen massiver Beschwerden – bisher von einer Testosteronsubstitution strikt ausgeschlossen. Diese restriktive Einstellung scheint sich gegenwärtig zu lockern. So ist auch für Männer, die den Prostatakrebs geheilt überstanden haben und in der Folge unter den Beschwerden eines Androgendefizits leiden, eine Behandlung mit geeigneten Testosteronpräparaten von Fall zu Fall nicht grundsätzlich auszuschließen. Jedenfalls einigten sich internationale Experten unter dem Vorsitz von Professor Gerald Mickisch (Bremen) auf einem Satellitensymposium des Unternehmens Jenapharm anläßlich des europäischen Urologenkongresses in Istanbul auf diese noch recht vorsichtige Formulierung.
Prostatakrebs in der Anamnese gilt herkömmlicherweise als absolute Kontraindikation für eine Testosteronsubstitutionstherapie. Allerdings gerät dieses Dogma neuerdings ins Wanken. Denn nach radikaler Prostatektomie (RPE) sind Patienten, deren Prostatakarzinom im Frühstadium entdeckt wurde, in vielen Fällen rezidivfrei. Das gilt auch für die zunehmend durchgeführte Strahlentherapie mit vorgeschalteter Gabe von GnRH-Analoga. Aber oft erholt sich nach der Krebstherapie die Gonadenfunktion nur langsam. Die betroffenen Männer leiden über Monate – zum Teil über mehr als ein Jahr – an einer ausgeprägten Androgenmangel-Symptomatik.
„Es gibt keine Beweise dafür, daß die Herstellung eines eugonadalen Hormonstatus nach geheiltem Prostatakarzinom mit einem Risiko verbunden ist“, betonte Professor Joel Kaufmann, Urologe aus Aurora/Colorado. Er selbst behandelt sieben Patienten nach RPE (Gleason Score 6-7, negative Ränder, nicht nachweisbares PSA), die unter ausgeprägten Androgenmangel-Symptomen (T<1 ng/ml) litten.
Mit Testogel® lassen sich Testosteronspiegel im unteren Normbereich konstant einstellen. Diese Darreichungsform bietet zudem die Möglichkeit, die Therapie jederzeit abzubrechen.
Die Langzeit-Testosteronsubstitution von Patienten über 42 Monate erbrachte nach Angaben von Professor Christina Wang Ergebnisse, die in punkto Sicherheit als „beruhigend“ einzustufen sind. Die an der kalifornischen Universität in Los Angeles lehrende Endokrinologin berichtete ferner, daß der PSA-Wert selbst bei Männern mit nachgewiesenen prostatischen intraepithelialen Neoplasien, d. h. jenen mit einem hohem Risiko für die Entwicklung eines Prostatakarzinoms, nicht stärker anstieg als bei den Kontrollen ohne präkanzeröse Läsionen.
Bericht vom Jenapharm-Satelliten-Symposium "The Good, the Bad and the Unknown of Late Onset Hypogonadism: the Urological Perspective" anläßlich des XX. Europäischen Urologenkongresses in Istanbul am 18. März 2005.
Auf eine entsprechende Anfrage fügte Urologe fs einen Tag später hinzu:
Hier findet man(n) Informationen zum Thema Hormonmangel:
http://www.testovital.de/patienten/popup/popup.php?nr=1 bzw. http://www.hormontief.de.

Rudolf schrieb am 9.1.2010 unter dem Betreff "Testosteron-Ersatz-Therapie ( TET ), nächste Runde":
Mit der Veröffentlichung von 91 TET-Fallgeschichten aus der Praxis von Dr. Leibowitz im British Journal of Urology International (BJUI) letzten November sowie einer Phase-I-Studie des Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York mit 12 Patienten letzten April und dem jahrelangen powern von Dr. Morgentaler, meist veröffentlicht in der European Urology (s. den alten Diskussionsfaden), liegt nun derartig viel auf dem Testosteron-Tisch, dass das Umdenken in der deutschen Urologenschaft begonnen hat.
Zwar ist es noch nicht so weit, dass wir Männer in der geeigneten Situation Ärzte empfehlen können, die eine TET machen, aber ich schätze, lange wird es nicht mehr dauern.
Es sollte unsere Aufgabe sein, die mittlerweile nicht mehr zu übersehenden Hinweise, dass die Testosteron-Gabe u.U. eine weitere Therapie-Option gg. den PK darstellt, in jede Uro-Praxis verbreitet werden. So sollten wir dann innerhalb diesen und nächsten Jahres über die Praxis von Dr. Eichhorn hinaus die ersten TET-Erfahrungen berichten können.
Auf zwei Treffen im November und Dezember in Hamburg wurde von Urologen der Martiniklinik auf die sich wandelnde Situation bzgl. des Testosteron-Einsatzes auch bei PK hingewiesen. Frau Dr. Thederan referierte die Veröffentlichungen, kam aber zu dem Schluss, dass sie noch keine Empfehlung geben könne, ohne grössere Studien und Langzeitergebnisse. Prof. Huland hingegen war schon mutiger und sprach von einem "Paradigmenwechsel", der sich da abspiele.
Schaut man sich erneut die Fallgeschichten von Leibowitz an und liest man den fulltext der jüngsten Veröffentlichung (danke, Christian, für die Beschaffung!) und schaut sich auch noch die Darstellung von TET-Fällen in dem Leibowitz-Video vom Mai 2009 an, dann scheint doch schon einiges an Kriterien klar zu sein, wann eine TET sinnvoll und sicher eingesetzt werden könnte.
Im Abstract stehen schon drei Dinge:
"Characteristics associated with continuing TRT were radical prostatectomy as primary management, a low PSA level when starting TRT, and concurrent use of dutasteride" [mit einer durchgängigen TET verbundene Merkmale waren eine Radikale Prostatektomie als Primärtherapie, ein niedriger PSA-Spiegel zu Beginn der TET und der gleichzeitige Einsatz von Dutasterid – Ed].
Die Fallgeschichten liefern die Gründe, wie eine geringer PSA zustande kommen kann: Je nach Lage verschiedene Therapien, die dafür sorgen, dass sich der oder die Tumore / Metastasen zurückbilden und der Tumorstoffwechsel zurückgefahren wird. Leibowitz und sein drei-armiges Vorgehen, Chemo (Taxotere, Emcyt und Carboplatin), HB und Anti-Angiogener Cocktail. Die HB wird aufgehört und die TET beginnt.
Von den veröffentlichten 91 Fällen hatten zwar 41 einen PSA-Progress, aber der spiegelte sich parallel nur bei sieben in einem klinischen Progress wieder. Zudem gingen bei 60 % derjenigen, die dei TET abgesetzt hatten, der PSA wieder runter.
Im Idealfall dürfte nach RP, Radiatio oder HB als Primär-Therapie, wenn PSA und, im HB-Falle, Testo unten sind, die Gabe von Testosteron über die Haut also nicht einen Krebs-Progress bzw. -Rezidiv zur Folge haben, sondern eine Verbesserung der Lebensqualität bei gleichzeitiger Stabilisierung des klinischen Geschehens. Im Falle einer HB dient die Testo-Gabe der Überbrückung desjenigen Serum-Testosteron-Bereiches, von dem angenommen wird, dass er PK-wachstumstreibend ist – irgenwo zwischen Kastrationsbereich und dem unteren Norm-Bereich.
Bei mir ist leider diese Chance im letzten halben Jahr vergeben worden, weil ich immer noch keinen Arzt gefunden hatte ... nun ja, ich hoffe auf die nächste Runde.
RuStra schrieb am 14.8.2013:
Hier ein Buch-Tipp:
"The New Testosterone Treatment - How You and Your Doctor can fight Breast Cancer, Prostate Cancer and Alzheimer's" von Ed Friedman. Kann man bei amazon bestellen, was auch schon ein paar gemacht haben …
Mal ein für dieses Forum eher ungewöhnlicher Lese-Appetit-Happen, ein Auszug aus dem Kapitel über ALZHEIMER übersetzt:
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"The New Testosterone Treatment – How You and Your Doctor can fight Breast Cancer, Prostate Cancer and Alzheimer's"
von Ed Friedman.
Chapter 14, S. 247
A new protocol for curing early-state alzheimer's and for halting late-stage alzheimer's
Ein neues Protokoll für die Heilung von Alzheimer im Anfangs-Stadium und für das Stoppen von Alzheimer im Spät-Stadium
Mit all der mannigfaltigen Evidenz, die auf Hormone zeigen, ist es keine Überraschung, dass ich die Anwendung von Hormonen für die Behandlung von Alzheimer empfehle. Die wirkliche Frage ist, wieso ich der einzige Wissenschaftler bin, der dieses Behandlungs-Protokoll empfiehlt? Die Antwort ist ganz einfach. Ich bin NICHT der erste Wissenschaftler, der mitbekommen hat, dass Hormone die Antwort auf Alzheimer sind!
Ich darf Sie an einen Auszug aus einem PNAS-Artikel von 2002 erinnern: "Wenn man Testosteron älteren Männern gibt oder Östradial postmenopausalen Frauen, so hat das wahrscheinlich bei der Vorbeugung / Behandlung von Alzheimer Vorteile." [ s. Anhang 1 ]
Es ist klar, dass auch andere Forscher den Wert von Testosteron erkannt haben, wenn es darum geht, Alzheimer zu bekämpfen. Allerdings bin ich wohl der erste Wissenschaftler, der realisiert hat, dass Aromatase-Hemmer, wenn sie zusammen mit der Gabe von Testosteron eingesetzt werden, Brust- und Prostatakrebs verhindern und dass sie gleichermaßen auch den Effekt von Testosteron im Einsatz gg. Alzheimer verstärken. Und ich bin wohl auch der erste, der bemerkt hat, dass der Östrogen-Rezeptor beta (ER-beta) bei Alzheimer schützend wirkt (was bedeutet, dass Alzheimer zurückgeht, wenn dieser Rezeptor aktiviert wird durch irgendwas, das an ihn bindet) und dass Estriol effektiver sein sollte als Estradiol[3]. Das kommt daher, dass Estriol im Gegensatzu zu Estradiol vorzugsweise am ER-beta bindet [4].
Während die meisten Ärzte, selbst Anti-Aging-Ärzte, eine Philosophie haben, so wenig Hormone wie möglich einzusetzen und für eine so kurze Zeit wie möglich, ist meine Philosophie, dass es innerhalb gewisser Grenzen sicherer ist, höhere Hormon-Level als niedrigere zu haben, mit der Ausnahme von Estradiol und Estron.
Nachdem eine Reihe von Wissenschaftlern nun wissen, dass Hormone die Antwort auf Alzheimer sind, warum sind keine klinischen Tests gemacht worden, um diesen Behandlungs-Ansatz zu überprüfen?
Bei Frauen haben die Ärzte immer gedacht, dass die Studie von 2002, Women’s Health Initiative (WHI) der definitive klinische Test gewesen sei, um zu zeigen, dass Hormonersatztherapie sowohl das Risiko von Brustkrebs als auch das von Alzheimer steigen lässt. Damals aber bestand keinerlei Möglichkeit, all die schlechten Resultate durch den Fakt erklären zu können, dass synthetische Progestine fast vollständig die Androgenrezeptoren blocken (wie im Kapitel 3 diskutiert). Bis auf den heutigen Tag haben nur sehr wenige Ärzte diesen Fakt zur Kenntnis genommen, was zum großen Teil darauf zurückzuführen ist, das der entsprechende Artikel zu den Problemen mit Progestinen in einer biologischen Zeitschrift publiziert wurde, nicht in einer medizinischen [5].
Bei Männern ist es eine andere Geschichte. Es gibt keinen Zweifel, dass Ärzte an den medizinischen Hochschulen haben lernen müssen, dass Testosteron gefährlich ist. Während ich an diesem Buch arbeitete, hatte ich eine interessante Konversation mit einem pensionierten Kardiologen. Er schien an meiner Arbeit zu Alzheimer Interesse zu haben. Als er allerdings realisierte, dass mein Behandlungs-Vorschlag die Verabreichung hoher Mengen Testosteron beinhaltete, sagte er: „Das können Sie nicht machen. Das wird bei diesen Männern Prostatakrebs auslösen.“ An diesem Punkt erklärte ich ihm meine Arbeit zum Prostatakrebs und wie Testosteron Prostatakrebs ausschließlich dann verursacht, wenn es in Estradiol umgewandelt wird. Seine Antwort war: „Lassen Sie es mich wissen, wenn Ihr Buch fertig ist.“
Diese Angst vor Prostatakrebs findet auch oft ihren Niederschlag in der wissenschaftlichen Literatur. Hier sind zwei Zitate aus einer Veröffentlichung aus dem Jahre 2000 in den Proceedings of the National Academy of Sciens (PNAS), in der die Möglichkeit diskutiert wird, Testosteron zur Verhinderung von Alzheimer bei Männern einzusetzen:
Unsere Ergebniss legen nahe, dass Androgen-Supplementierung bei älteren Männern … für die Entwicklung von Alzheimer schützend sein kann.“
Diese möglichen Vorteile müssen abgewogen werden mit den möglichen negativen Wirkungen von Testosteron, einschließlich der Entwicklung eines Prostatakarzinoms.“
Sowohl für Männer wie für Frauen ist klar, dass bei Alzheimer Hirnzellen wegsterben. Es gibt keine Behandlung dafür, tote Zellen wieder zum Leben zu erwecken. Das bedeutet, dass das Beste, was jegliche Behandlung tun kann, das Stoppen von weiterem Nervenzelltod ist. Allerdings ist es so, dass Menschen mit Alzheimer oder anderen Formen von Demenz auch Tage haben, an denen es ihnen besser geht als sonst. Wenn man sich das vor Augen führt, könnte das beste Szenario sein, den Geisteszustand so wiederherzustellen, wie er an den besseren Tagen ist, und die Erinnerung so zu stabilisieren, dass die Person vieles von dem wieder zurücklernen kann, das schon vergessen war.
[ S. 249 ]
Behandlung von Alzheimer bei Männern
[S. 251 ]
Behandlung von Alzheimer bei Frauen
[ S. 253 ]
Schlussfolgerungen
Meine eigenen Forschungen und meine Besuche auf Websites für Alzheimer-Patienten zeigen mir, dass eine Reihe von Betroffenen die Supplemente nehmen, von denen ich oben gesprochen habe [das waren: Niacinamid, Curcumin, Rosmarin, Salbei], sowie auch Kokosnuss-Öl. Leider berichtet keiner, dass das zu einer Heilung geführt hat, obwohl manch einer glaubt, dass ihr Ernährungs-Regime den Progress der Erkrankung verlangsamt hat. Ich bin nicht überrascht, dass keine Heilung durch diese Supplementierung erreicht werden konnte, da die Hormon-Level nun mal im Zuge des Alterungsprozesses heruntergehen und das wiederum all die biochemischen Marker steigen lässt, die mit Alzheimer assoziiert sind. Selbst wenn also einige symptomatische Besserung erzielt werden kann durch Supplementierung und Ernährungsumstellung, so ist doch der einzige Weg den Progress zu stoppen, den Abfall der Hormon-Level zu verhindern.
Um es für Männer zusammenzufassen: Kein Rauchen, hohe Level von Vitamin D3 und von freiem Testosteron, dazu Aromatase-Hemmer und Estriol – hiervon kann man erwarten, dass damit Alzheimer der Garaus gemacht werden kann. Falls nicht, sollten die Supplemente, die ich für Frauen aufgelistet habe, hinzugenommen werden. Schließlich, falls nichts dergleichen wirkt, sollte man ernsthaft erwägen, Testosteron über das maximale physiologische Level hinaus zu treiben genauso wie Estriol.
Für Frauen: Kein Rauchen, hohe Level von Vitamin D3 und von freiem Testosteron, dazu Aromatase-Hemmer und Estriol, jeden Monat zehn Tage mit hohem Progesteron, zusätzlich die diskutierten Supplemente. Wenn dieser Behandlungsplan nicht funktioniert, dann sollten höhere Level von freiem Testosteron, Progesteron und Estriol erwogen werden.
Christian schrieb am 2.11.2013:
Liebe Mitkämpfer,
jetzt geht es zur Sache.
Vorgeschichte: Seit knapp 15 Jahren stehe ich mit Dr. Leibowitz in ständiger Verbindung. Meine Ausgangslage: Am 28. Oktober 1998 wurde ich erstmalig mit einem schwerwiegenden Prostatakrebs diagnostiziert: aPSA 32 ng/ml, Gleason 7, 4 von 8 Stanzen waren zu 100 % befallen. Seitens der Urologen erhielt ich damals nur zwei dringende Empfehlungen: Operation oder Bestrahlung. Da ich aber persönlich von einer systemischen Erkrankung innerlich überzeugt war, hielt ich eine lokale Therapie nicht für zielführend. An Heilung habe ich bei der schwierigen Ausgangslage damals sowieso nicht geglaubt, nur an eine sehr lange Zeit einer Krankheit, die bei guter Lebensqualität in Schach gehalten werden kann. Nach intensiver wissenschaftlicher Suche nach anderen Lösungen, für die ich mich auch an Dr. Leibowitz gewandt hatte, entschied ich mich auf sein Anraten hin nacheinander bzw. parallel für die Dreifache Hormonblockade, für den antiangiogenen Cocktail, für eine gering dosierte Chemotherapie und dann für einen zweiten Zyklus der Hormonblockade. All dies hat mich insgesamt mehr als 14 Jahre "über die Runden" gebracht. Alle Empfehlungen kamen von Dr. Bob. Ab Mitte März 2013 stieg der PSA-Wert weiter. Zur Zeit wende ich die Testosteron-Ersatztherapie an und habe alle zwei Monate mit Dr. Bob oder seinen Mitarbeitern, die mich seit 1999 betreuen, per Telefon eine Besprechung bzw. fahre einmal pro Jahr nach Los Angeles in die Praxis. Fragen und Zweifel versuche ich jeweils per E-Mail aufzuklären bzw. auszuräumen.
Ich habe es mir nicht leicht gemacht, diese Testosteron-Ersatz-Therapie (Replacement Therapy) anzuwenden. Ein Prinzip für alle meine Therapien brauchte ich dabei nicht umzuwerfen: nämlich nur solche Therapien an mich heranzulassen, die bei weit über 100 Patienten bereits zum Erfolg geführt hatten und die meinem Verständnis einer Therapie für eine systemische Erkrankung (ganz sicher nicht mehr lokal) widersprochen hätten. Dazu gehörten bei meiner risikobehafteten Ausgangslage und nach fast 15 Jhren weiterer Krankheitsentwicklung weder die Operation noch die Bestrahlung.
Die Testosteron-Replacement Therapy erschien mir als der beste Ratschlag von Dr. Bob. Seit Mitte März diesen Jahres, also bereits mehr als sieben Monate, wende ich diese Therapie an
Zu mehr Informationen zur TRT bitte ich gegebenenfalls die Website von Dr. Leibowitz: www.compassionateoncology.com einzusehen.
Vor einigen Tagen erhielt ich einen Brief von Dr. Bob, den ich hier anhänge:
21. Oktober 2013
Lieber Christian,
Ich war sehr erfreut zu hören, dass Ihr PSA-Wert bis auf 7 ng/ml abgefallen ist. Gratulation!
Ihre positive Reaktion auf Etinil Estradiol (EE) war jedoch überhaupt nicht überraschend, unerwartet oder ungewöhnlich. Mehr als 90 % unserer Patienten mit hoch dosiertem TRT, die auch begonnen haben, 1 mg/Tag EE einzunehmen, erfuhren einen sehr signifikanten PSA-Abfall und zwar in den meisten Fällen innerhalb der ersten 1 bis 2 Wochen; deren Testosteronwerte fielen jedoch niemals ab während dieser Zeit.
Ich erinnere mich, dass ich Sie in der Vergangenheit zu überzeugen versuchte, die hoch dosierte Testosteron-Ersatz-Therapie anzuwenden. Jedoch fast jeder schrie auf, dass das kontroindiziert sei und sich so auswirken würde, als wenn man Öl in ein Feuer gießen würde. Ich konnte daher niemals eine zu starke Empfehlung aussprechen. Jedoch vertrete ich seit langem die Meinung, dass jeder Monat, an dem ein Patient die Hormonblockade anwendet, seine Lebensdauer verkürzt, da dies ihn um einen Monat näher an den CRPC (kastrationsresistenten Prostatakrebs) heranführt, während jeder Monat, in dem ein Mann einen normalen (oder gar viel besseren) pharmakologischen Testosteronlevel hält, bedeutet, dass er einen extra Monat zu seiner Überlebenszeit hinzufügt. Wie Sie wissen, ist es mein angestrebtes Ziel, einen Testosteronlevel von 1800 bis 3000 ng/dl einzuhalten [entspricht 18 bis 30 ng/mlEd].
Darüber hinaus extrapolierte ich unabhängig davon aus Studien von Nick Bruchowsky [Dr. Nick Bruchowski war einer der ersten Ärzte in den USA, die sich mit der Behandlung von Prostatakrebs durch komplexere Androgendeprivationstherapien und mit der "intermittierenden Hormonblockade" beschäftigten – Ed], dass Testosteronersatz vorzugsweise hormonsensible Zellen wieder zum Wachsen bringt und zwar auf Kosten von hormonresistenten Zellen (meine persönliche, jedoch sehr starke Überzeugung).
Und ich glaube, dass Männer, die so auf unsere Therapie reagiert haben, wie Sie dies zur Zeit tun, fast immer einen dramatischen und schnellen PSA-Abfall erfahren, falls die Testosteronersatztherapie in der Zukunft gestoppt werden muss, weil die Erkrankung stärker wird.
Schlussendlich, in der Folge von neun Monaten Hormonblockade, antiangiogenem Cocktail und abhängig von einer Anzahl von Variablen ± 15 Dosisgaben einer Chemotherapie können Patienten einen weiteren Zyklus TRT beginnen. Und anders als bei einer intermittierende Hormonblockade, bei der jeder darauf folgende intermittierende Zyklus der HB eine längere “An”-Zeit und eine immer kürzere “Aus”-Zeit erfordert, wobei jeweils höhere “PSA-Nadir-Werte” gemessen werden, die wiederum einen wachsenden CRPC bestätigen, ist es nicht ungewöhnlich bei unseren TRT Patieten, dass aufeinander folgende ”TRT-Zyklen” länger andauern als die vorher gegebenen.
Natürlich können wir nichts garantieren, aber wir haben dies lange genug beobachtet, so dass ein solches Verhalten als weit entfernt von “selten” einzuordnen ist.
So, Christian, erfreuen Sie sich an dem kontinuierlichen Erfolg, wir freuen uns mit Ihnen.
Auch sei es Ihnen freigestellt, Ihre kontinuierlich positive Reaktion auf unsere Therapiebehandlungen, insbesondere die TRT und Estrogen, in deutsch oder englisch im Internet zu veröffentlichen. Ich bin überzeugt, die meisten Ärzte und auch Patienten werden schockiert sein, wenn sie feststellen, dass eine solche Option bereits jetzt zur Verfügung steht. Patienten in Deutschland und überall auf der Welt haben die Gelegenheit, Qualität und Quantität ihrer Lebenszeit dramatisch zu verbessern, während sie sich einer Remission des Prostatakrebses erfreuen.
Wir akzeptieren zur Zeit alle Prostatakrebspatienten in unserer Praxis; oder auch PC-Patienten, die sich wegen einer Behandlung an uns wenden.
Christian, es sei Ihnen freigestellt, alle Informationen in diesem Brief zur Veröffentlichung zu nutzen einschließlich Ihrer eigenen Ergebnisse.
Be happy,
Be well,
Live long and prosper
Dr. Bob”
LowRoad schrieb am 4.2.2014:
In einer aktuellen Studie über die Nebenwirkungen einer Testosteron-Ergänzung bei älteren Männern, veröffentlicht in PLOS-ONE [1], kommen die Autoren zu interessanten Ergebnissen. Untersucht wurde die Häufigkeit eines nicht tödlichen Herzinfarkts innerhalb von 90 Tagen nach Beginn einer Testosteronergänzungs-Therapie.
War das Risiko für einen Herzinfarkt in der Gruppe der jüngeren Männer (<55 Jahre) praktisch identisch, lag es bei Männern älter als 65 Jahre schon bei etwa 2. Bei Männern älter als 75 Jahre vervierfachte sich das Risiko sogar! Diese Kohorten-Analyse ist aber nicht vergleichbar mit einer prospektiven Studie!
Nun ist es zwar schön, über einen jugendlichen Testosteronwert zu verfügen, aber man müsste ihn halt auch erleben können. Die entsprechende Risikogruppe sollte darüber aufgeklärt werden, und es sollte eine entsprechende Prävention mitlaufen!
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[1]: William D. Finkle & Kollegen; Increased Risk of Non-Fatal Myocardial Infarction Following Testosterone Therapy Prescription in Men


helmut (i) schrieb am 8.1.2015 unter dem Betreff „Testosteron - Substitution mit 85???“:
Eine seit langem bestehende Polyneuropathie, verstärkt durch altersbedingte Abbauprozesse, führten zu massivem Muskelabbau, extremer Schwäche und Koordinationsstörungen, vor allem in den Beinen. Stand- und Gangunsicherheit sowie ein erhöhtes Sturzrisiko sind die Folge. An manchen Tagen habe ich Schwierigkeiten, mich auf den Beinen zu halten. Meinen ersten Sturz – erfreulicherweise ohne große Folgen – habe ich vor wenigen Tagen absolviert, eine Wiederholung ist programmiert. Die Schwäche schreitet weiter fort, erschwert die Bewältigung des Alltags und macht einfachste Verrichtungen zum Problem.
Maßnahmen wie Fitness-Studio, häusliches Training, Krankengymnastik, Eiweißzufuhr etc. konnten die Entwicklung vermutlich verzögern, jedoch trotz konsequenter Durchführung nicht verhindern. Ob und inwieweit das PK bzw. die durchgeführten Therapien mitursächlich beteiligt waren, ist nicht nachvollziehbar.
14 Jahre nach meiner PK-Diagnose mit anschließender DHB und 10 Jahre nach Durchführung einer intensitätsmodulierten RT liegt mein aktueller PSA-Wert bei 9,78 ng/dl. Die VZ beträgt im Schnitt 39 Monate ab Nadir (01/06) und 24 Monate ab Rezidiv (03/11). Aufgrund meines Alters und der mäßigen Progression habe ich mich für das abwartende Beobachten entschieden, u. a. weil mir ein Minimum an Lebensqualität wichtiger ist als Lebensverlängerung.
Dieses Minimum an LQ wird jedoch durch die geschilderten Umstände massiv eingeschränkt, und ich suche verzweifelt nach Möglichkeiten, den weiteren Abbau zu verzögern. In diesem Zusammenhang spiele ich mit dem Gedanken an eine Testosteron-Substitution, um mein Befinden zu verbessern.
Trotz aller Recherchen ist es jedoch nicht möglich, eindeutige Aussagen zur Frage zu finden, ob eine T-Zufuhr bei PK kontraproduktiv ist oder nicht.
Ich lese von Experten wie Morgentaler, Friedmann und Marks, dass die Gabe von T. den Spiegel nur im Blut ansteigen lässt, nicht dagegen in der Prostata, da diese auch bei niedrigem T. eine Sättigungsgrenze aufweist. Angeblich sei es noch nie gelungen, nachzuweisen, dass die Gabe von T. das Krebsrisiko – auch bei bereits bestehendem Krebs – fördert.
Auch von Prof. Schostak kenne ich die Aussage: "Für mich ein wichtiger Punkt ist der Unterschied von Gewebekonzentration und Blutkonzentration. Es gibt so gut wie keine Arbeiten, die tatsächlich T oder DHT im Gewebe untersuchen".
Es ist für mich unverständlich, dass die Forschung in so elementar wichtigen Fragen keine klareren Erkenntnisse hat!
Ich gehe davon aus, dass das damit verbundene Risiko in meinem Alter überschaubar ist.
Selbstverständlich würde die Substitution unter laufender PSA-Kontrolle stattfinden und könnte ggf. jederzeit wieder abgebrochen werden.
Für Meinungen bzw. Erfahrungen zu diesem Thema bedanke ich mich herzlich.
Am selben Tag teilte Bentron seine Erfahrungen mit:
Wie Du in meinen Daten auf http://de.myprostate.eu/?req=user&id=506 erkennen kannst, führe ich seit nahezu einem Jahr eine zyklische Hochtestosteron-Therapie in Anlehnung an die Vorstellungen von Friedman bzw. die Therapien von Leibowitz durch.
Bei Beginn der Hochtestosteronphase erhöht sich mein PSA-Wert unmittelbar um mindestens 50 %, nach Ende sinkt er aber wieder zurück auf nahezu den alten Pegel. Der plötzliche Anstieg verursacht natürlich große Zweifel, ob man wirklich auf dem richtigen Weg ist.
Falls Du den Versuch wagst, solltest Du also einen ersten PSA-Anstieg nicht bewerten, sondern die VZ erst wieder bestimmen, wenn ein konstanter Testosteronpegel erreicht wurde.
Wahrscheinlich ist der PSA-Wert stark mit dem Testosteronwert korreliert.
Ich konnte mit meiner experimentellen und umstrittenen Therapie meine VZ von ca. sechs Monaten auf ca. zwei Jahre erhöhen und hoffe, damit den Beginn der Hormonunterdrückungs-Therapie noch einige Zeit hinausschieben zu können. Leider kenne ich bisher keine Leidensgenossen, die Ähnliches versuchen.
Am 10.1.2015 schrieb Benton weiter:
Zitat:
Deinem Bericht auf www.myprostate.eu entnehme ich, dass die Therapie durch weitere Medikamente (Avodart und Arimidex) begleitet wird. Nach meinem Verständnis (und eigenen Erfahrungen) macht 5AR-Hemmung eine Verlaufskontrolle des PSA - Wertes schwierig bis unmöglich.
Lange vor der Hochtestosteron-Therapie habe ich bereits mit der Einnahme von Dutasterid begonnen. Der Einfluss auf den PSA-Verlauf war bei mir minimal, die Verdopplungszeit zeigte nach wenigen Monaten wieder genau den gleichen Wert wie vor der Einnahme von Dutasterid.
Nach Friedman sollten sich Niedrig-DHT-Phasen und Hoch-DHT-Phasen abwechseln. Das funktioniert mit Dutasterid (Avodart) bei den angegebene Halbwertszeiten nicht, Friedman schlägt deshalb den Einsatz von Finasterid (Proscar) mit seiner sehr niedrigen Halbwertszeit vor. Ich benutze deshalb in jüngster Zeit ebenfalls Finasterid.
Ich nehme Arimidex, um den Estradiol-Wert in einem niedrigen "normalen" Bereich zu halten. Infolge des zugeführten Testosterons steigt ohne Arimidex der Estradiolspiegel stark an. Während der Testosteronpause muss dagegen die Einnahme von Arimidex auf einen geringen Wert reduziert werden, bei 1 Tablette/Tag fällt Estradiol sofort unter die Nachweisgrenze.
Ich wollte zunächst mit dem hohen Testosteronpegel den Anstieg des PSA-Wertes entsprechend den Patientenbeispielen von Leibowitz und den theoretischen Vorstellungen von Friedman bremsen. Das scheint für einige Monate gut zu funktionieren, wie sich in den Patientendaten von Leibowitz und an dem Verlauf meiner PSA-Werte deutlich zeigt. Leider kommt es nach ca. 3 Monaten bei unveränderten Bedingungen wieder zu einem neuen Anstieg. Leibowitz setzt in diesem Augenblick erfolgreich Ethinylestradiol (und weitere Medikamente) ein, Friedman schlägt vor, das Dihydrotestosteron (DHT) hochzufahren, also Finasterid abzusetzen.
Da Ethinylestradiol schlecht verfügbar ist, habe ich einfach nur die Testosterongabe und die Einnahme von Proscar und Avodart unterbrochen und nach sechs Wochen wieder aufgenommen. Bei meinen bisherigen Versuchen war diese Unterbrechung wirksam genug, um unter praktisch gleichen Anfangsbedingungen, d. h. nahezu denselben PSA-Werten wie zu Beginn der Therapie, einen neuen Hochtestosteronzyklus beginnen zu können.
Die engmaschige Verlaufskontrolle habe ich eingesetzt, um bei einem unerwarteten Anstieg des PSA-Werts schnell eingreifen und das Experiment stoppen zu können.
Auswirkungen auf mein körperliches Allgemeinbefinden sind so klein, dass ich sie nicht wahrnehme. Eventuell kommt es zu einer vermehrten Wassereinlagerung im Gewebe (Beine) am Abend.
Worauf helmut (i) am selben Tag antwortete:
Danke für Deine ausführliche Stellungnahme, die mir zeigt, dass Du bestens informiert bist und eine sehr komplexe Strategie verfolgst, um den Beginn einer Hormonblockade zu verzögern oder zu vermeiden. Dazu wünsche ich Dir viel Glück.
Mein Anliegen beschränkt sich auf die Frage, ob ich durch T-Substitution meinen altersbedingten Kräftemangel verbessern kann, ohne ein nennenswertes Risiko einzugehen.
Nach wie vor bin ich verwundert, dass diese Frage, die doch über meine persönlichen Belange hinaus für viele von Bedeutung sein könnte, so wenig klare Antworten findet.
Hormonblockade hat sich weltweit etabliert und ihre Wirkungsweise ist durch Studien und zahllose Veröffentlichungen bekannt. Hormonzufuhr dagegen ist mit unendlichen Zweifeln, Zurückhaltung und offensichtlicher Unwissenheit verbunden, obwohl es doch um die gleichen biologischen Mechanismen geht.
Warum gibt es so wenig Klarheit über so elementare Fragen wie z. B. den Unterschied in der T- und DHT-Konzentration in Prostata und Blut?
(Ein laienhafter Gedanke: Müsste es nicht bei jeder RPE ohne großen Aufwand möglich sein, diese Werte aktuell zu bestimmen?)
Ein bekannter "Fitness-Papst" schreibt:
Den sensationellen Paradigmenwechsel verdanken wir dem Harvard-Professor H. Morgentaler. Ein Urologe, dem auffiel, dass jedenfalls seine Patienten immer mehr Prostatakrebs bekamen, je tiefer ihr Testosteronspiegel war. Und dass in allen Folgestudien seit 1941 es nie mehr gelang, nachzuweisen, dass die Gabe von Testosteron ein Krebsrisiko förderte. Auch nicht bei Patienten, die bereits Prostatakrebs gehabt hatten. Und auch nicht bei Patienten, die Prostatakrebs sogar mit Knochenmetastasen hatten: Die Gabe von Testosteron förderte auch den bestehenden Krebs nicht. Das war der Stand schon 2004.
Des Rätsels Lösung wurde publiziert 2006 von L. Marks. Der hat gemessen, dass nach Gabe von Testosteron der Testosteronspiegel im Blut selbstverständlich ansteigt.
Aber eben nicht in der Prostata. Das war's.
Auch bei tiefem Testosteron ist die Prostata immer abgesättigt. Eine weitere Gabe des Hormons spürt die Prostatazelle nicht. Und damit auch die Tumorzelle nicht.
Warum überlässt man so klare Aussagen der Anti-Aging-Szene, wenn ein Gegenbeweis möglich ist?