Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Therapiearten – Strahlentherapien


[Unter http://www.degro.org/links_idx.htm finden Sie die Adressen aller strahlentherapeutischen Einrichtungen in Deutschland – Ed]

Wil schrieb am 17.1.2001:
...Strahlentherapie zusätzlich zur Androgenblockade (AB)? Zusätzliche Strahlentherapie kann sinnvoll sein nach Radikaler Prostatektomie (RP) oder nach Brachytherapie (BP), wenn vermutet wird, dass der primäre Tumor sich bereits zu viel ausgedehnt hat. Eine solche Ausdehnung ist bei einem T1c-Tumor sehr unwahrscheinlich. Wenn man auf eine AB statt eine lokalen Therapie setzt, hat Bestrahlung wenig Sinn. Die AB schafft es schon alleine.
Bei der AB bleiben alle Optionen offen. Diese sind:
  1. Die AB erweitern auf AB3 (3-fache Hormonblockade, DHB).

  2. Nur Casodex eventuell mit Hinzunahme von Proscar.

  3. Nach einiger Zeit die Brachytherapie (BT).

  4. Auch RP und Strahlentherapie bleiben eine Option für später.
Hans schrieb am 8.3.2001:
Alter 58 Jahre, April 97 Prostatektomie mit PSA 50, Biopsie TNM pT3a, pNx, pMx, R1,G2b. PSA-Entwicklung: Tendenz steigend,- von 0,1 ng/ml (6.97) bis 0,18 ng/ml (03.01). Ich war aus einer gewissen Sorglosigkeit bis jetzt mehr auf Grund meines Unwissens mehr oder weniger im Dunkeln! Mein Urologe zur Nachsorge bestätigt mir, ich sollte mir keinerlei Gedanken machen. Bin aber durch differenzierte Beurteilung verschiedener Urologen hellhörig geworden und zu den Schluss gekommen, mich intensiver mit meiner Lage zu befassen! (die Diagnose reicht von 'alles im Normalbereich' bis mögliches lokales Rezidiv oder Streuung von Metastasen'). Durch die Hilfe dieser informativen, excellenten Homepage hatte ich die Gelegenheit, mit Uwe ( dem ich auf diesem Wege nochmals herzlich danken möchte) zu sprechen, und im Forum www.medizin-world.de Prof. Dr. P.Wust der Charité in Berlin mehr über eine Therapie erfahren durfte. Prof. Dr. Wust zieht eine Radiotherapie bei über PSA 0,2 ng/ml in Erwägung mit 'durchaus möglicher Heilung', was mich natürlich motiviert, mehr Einblick in die Sache zu erlangen. Vielleicht hat der eine oder andere Erfahrungen mit einer Strahlenbehandlung gemacht, oder hat sonst irgendwelche Hinweise für eine Behandlung in meinen Werten? Was ist eure Meinung? Ich bin für jede Bereicherung dankbar. Werde weiter mit Prof. Dr. Wust Kontakt halten, um eine eventuelle Entscheidung zu treffen. Werde euch selbstverständlich über Weiteres zur Sache berichten.
Wil antwortete am 8.3.2001:
Es gab eine Studie mit 89 Patienten mit im Duchschnitt einer Gleason Summe von 7, siehe Literatur unten. Alle hatten eine RP. Die 89 Patienten wurden deshalb gewählt, weil sie nach 3 oder 4 Jahre ihr PSA steigen sahen. Alle wurden dann bestrahlt bei einem PSA-Wert unterhalb 1,4. Während der Studienperiode verbesserte sich die Bestrahlungsmethode zur 3D-konformen Bestrahlung. Vier Jahre nach der Bestrahlung mit der alten Methode hatten 59% der Patienten wieder ein steigendes PSA. Mit der neuen Methode waren es wesentlich weniger, doch immerhin noch 39%. Diese Zahlen ließen sich verbessern durch eine Bestrahlungsdosis höher als 6500 Rad. Als ich über die mögliche Komplikationen der Bestrahlung las, wurde ich auch nicht fröhlicher. Die Blase und das Rektum bekommen immer etwas mit, werden dadurch spröde (z. B. eine spätere Biopsie während einer Dickdarmspiegelung kann sich katastrophal auswirken). Auch entzündet sich die Blase leichter, und die Heilungsprozesse dauern sehr lange. Ich weiß nicht, welche Anfangs-PSA-Werte die 89 Patienten in der Studie hatten. Ich denke, keiner hatte ein PSA über 20 und schon gar keine 50. Du hattest PSA 50 und NxMx, also vielleicht Metastasen. Jedoch, bei PSA über 20 gibt es fast immer Metastasen.
Ich schätze deine Chance auf Erfolg (kein steigendes PSA innerhalb 4 Jahren) mit Bestrahlung geringer als 20 %. Und warum dann das Risiko der Nebenwirkungen eingehen? Ich würde eine Hormonblockade empfehlen und diese eventuell nach 13 Monaten absetzen. Dann auf Proscar bleiben und wenn dann später der PSA-Wert unverhofft wieder steigt, die Hormonblockade wieder anfangen (intermittierende Hormonblockade).
Literatur: M.S. Anscher, et al., "Radiotherapy for a rising PSA after RP: the first 10 years" Int J Radiat Oncol Biol Phys 48: 368-75, 2000.

[Auf Anfrage lieferte Wil die folgende Zusammenfassung dieses Artikels nach. - Ed]

1: Int J Radiat Oncol Biol Phys 2000 Sep 1;48(2):369-75
Radiotherapy for a rising prostate-specific antigen after radical prostatectomy: The first 10 years.
Anscher MS, Clough R, Dodge R
Department of Radiation Oncology, Duke University Medical Center, Durham, NC 27710, USA. anscher@radonc.duke.edu
PURPOSE: To determine the results of radiotherapy (RT) to the prostate bed for a presumed local recurrence heralded by a rising prostate-specific antigen (PSA) after radical prostatectomy (RP) for adenocarcinoma of the prostate.
METHODS AND MATERIALS: From 1987 to 1997, 89 patients were treated by the senior author (M.S.A.) with RT to the prostate bed for a rising PSA after RP. No patients had clinical or radiographic evidence of local or distant disease. The RT technique was usually a 4-field box with fields shaped to protect normal tissues. Of the 89 patients, 36 (40 %) were treated using three-dimensional conformal RT (3DRT) using beam's eye view technique; the remaining 53 patients (60 %) were irradiated using a standard two-dimensional approach. The median dose was 66 Gy. Patients were followed at 3- to 6-month intervals after completing RT with a history, physical examination, and PSA. Late normal tissue toxicity was scored using Radiation Therapy Oncology Group (RTOG) criteria. An undetectable PSA was required to be considered free of prostate cancer (NED).
RESULTS: Eighty-seven percent of patients had pathologic stage III/IV disease. Three patients had lymph node involvement. The median PSA prior to RT was 1.4 ng/ml. The median Gleason score was 7. Of the 89 patients, 64 (72 %) became NED. Of these 64 patients, 47 (73 %) remain NED at last follow-up (median follow-up = 48 months). The estimated 4-year disease-free survival (DFS) for all patients is 50 %. The DFS at 4 years was 61 % for the 3DRT patients vs. 41 % for those treated without 3DRT (p = 0.006). Late complications (Grade 1/2 only), however, were significantly more common in the 3DRT group. On multivariate analysis, only dose > 65 Gy predicted for better DFS.
CONCLUSIONS: Pelvic RT may achieve sustained remission of prostate cancer for about half of patients with a rising PSA after RP, at least in the intermediate term. Doses > 65 Gy are recommended. 3DRT may offer improved disease-free survival over non-3D approaches, however, this issue requires further study.
PMID: 10974449
Christian antwortete ebenfalls am 8.3.2001:
Meine Überzeugung: Eine systemische Krankheit kann nicht mit lokalen Therapien sinnvoll angegangen werden, sondern nur systemisch. Bestrahlung ist eine lokale Therapie.
Uwe schrieb am 9.3.2001 dazu:
unsere Urologen lieben es, nach der Bestrahlung, wenn der PSA wieder steigt, sofort zu bestrahlen! Das widerspricht eindeutig den ärztlichen Regeln, erst Diagnostik, dann Therapie! Der PSA kann steigen wegen Metastasen und/oder weil nach der RP etwas übrig geblieben ist. Ich kenne Fälle, wo einfach ohne Bestätigung durch eine Biopsie einfach bestrahlt wurde, und dann war der PSA nach der Bestrahlung dreimal so groß wie vor der Bestrahlung, man hat also gesundes Fleisch an der OP-Narbe zerstört! Konsequenz: Erst bestrahlen lassen, wenn durch eine Biopsie bestätigt ist, dass nach der OP etwas Krebsgewebe übrig geblieben ist. SONST NICHT BLOSS AUS VERDACHT!