Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Therapiearten – Salvage-Therapie nach Versagen
der Prostatektomie

[Steigt nach einer "definiven" Therapie der PSA-Wert wieder an, dann muss danach ausgegangen werden, dass noch irgendwo im Körper Krebszellen übriggeblieben sind. Die "Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms" sagt bezüglich der Definition eines Rezidivs aus: "Nach radikaler Prostatektomie kennzeichnet ein in mindestens zwei Messungen bestätigter PSA-Wert auf > 0,2 ng/ml ein biochemisches Rezidiv."
Man wird dann mit einer weiteren "definitiven" Therapie versuchen, auch diese Krebsreste zu vernichten. Eine solche Zweittherapie "mit kurativer Intention" wird allgemein als "Salvage-Therapie" bezeichnet, was so viel wie "Rettungstherapie" bedeutet.
Auf der vorliegenden Seite geht es um mögliche Salvage-Therapien nach einer Prostatektomie.
Ed]
ka-he-g fragte am 13.4.2014:
Bin hier in Thailand manchmal mit einer Gruppe zusammen die alle die Prostata operativ entfernt haben. Wir haben über die Hyperthermie gesprochen. Annahme bei einem lokalen Rezidiv in der Prostataloge (Nachweis mit PET/CT), ist es da nicht möglich das Rezidiv mit Hyperthermie zu vernichten? Die absterbenden Zellen werden so auch vom körpereigenem Immunsystem erkannt und bekämpft.
Frage 1: Welche Art von Behandlung ist bei einem lokalen Rezidiv die noch verbleibende Möglichkeit einer Heilung?
Frage 2: Für welche Art von Postata-Rezidiv würde die Hyperthermie in Frage kommen?
Ralf antwortete am selben Tag:
Die Standard-Zweit- ("Salvage"-) Therapie bei einem Lokalrezidiv ist die externe Bestrahlung, die heutzutage mit IMRT/IGRT-Geräten oder Weiterentwicklungen davon durchgeführt wird; eine Zusammenfassung der heute verfügbaren Bestrahlungsverfahren findest Du hier. Nur – wenn das PET/CT bereits etwas anzeigt – also in der Regel bei PSA-Werten von >2 ng/ml – kann es für eine Bestrahlung bereits zu spät sein, wie Du diesem Artikel der Martini-Klinik in Hamburg entnehmen kannst.
Der Hyperthermie stehe ich skeptisch gegenüber, weil ich niemanden kenne, der – außer Ebbe auf seinem Bankkonto – etwas davon gehabt hätte. Du kannst trotzdem hier und hier etwas zur Hyperthermie nachlesen.
Eine andere denkbare Therapie bei einem Lokalrezidiv ist die Kryotherapie, die allerdings auch in Deutschland von nur wenigen Kliniken angeboten wird, siehe hier (diese Liste ist sicher nicht mehr auf dem neuesten Stand, aber ich habe keine aktuellere).
ka-he-g schrieb zurück:
Eines ist für mich unverständlich, bin ich unter 2,0 ng/ml weiss man nicht, wo das Rezidiv steckt. Ich lasse also etwas bestrahlen das es vielleicht gar nicht gibt. Das ist für mich Horror und ich habe nachher wahrscheinlich Nebenwirkungen, die mein Leben unerträglich gestalten. Wie ich viele Male gelesen habe, ist der PSA-Wert auch nicht unbedingt das Gelbe vom Ei. Normal hat man ja einen PSA-Wert zwischen 1,0 und 3,0 ng/ml. Warum sollte dann ein Anstieg bis 2,0 ng/ml zu spät sein. Das ist doch immerhin die Natur des Körpers.
Worauf Ralf schrieb:
Das ist in der Tat ein zur Zeit nicht lösbares Dilemma, weil bei den für eine erfolgreiche Bestrahlung in Betracht kommenden PSA-Werten von unter 0,5 ng/ml kein derzeit verfügbares bildgebendes Diagnoseverfahren etwas anzeigt. Man muss sich in dieser Situation auf gut Glück bestrahlen lassen. Es lässt sich in gewissem Rahmen nur aus dem Tempo des PSA-Anstiegs nach der RP folgern, ob es sich um ein Lokal- oder ein Fernrezidiv einschließlich befallener und bei der RP nicht entfernter Lymphknoten handelt. Ist nach der RP zunächst einige Zeit (mehr als ein Jahr) "PSA-Ruhe", darf man hoffen, dass es sich um ein nachbehandelbares Lokalrezidiv handelt. Ist der PSA-Wert gleich nach der RP schon messbar, dann muss man davon ausgehen, dass es eine Metastase ist, die es erstmal zu lokalisieren gilt. Es kann natürlich auch beides sein, Lokalrezidiv plus Fernmetastase.
Dein Horror vor einer Bestrahlung und Deine Vorstellung von ihr stammt wahrscheinlich aus der Zeit von vor 20 und mehr Jahren, als man mit einer Kobaltbombe draufhielt und erstmal alles verbrannte, was auf dem Weg zum Zielvolumen im Weg war. Gerade die Strahlentherapien haben aber in den letzten zehn Jahren enorme Fortschritte gemacht im Hinblick auf Präzision und Schonung gesunden Gewebes. Wenn Du Dir eine Klinik aussuchst, die moderne Gerätschaft einsetzt, dann brauchst Du etwaige Nebenwirkungen kaum zu fürchten. Lies hier, Kapitel 6.2!
Und Heribert schrieb:
Die Drüsenzellen der Prostata produzieren PSA (Prostata-spezifischens Antigen). Ist die Prostata entfernt, so wie bei Dir, wird kein PSA mehr produziert. Also PSA = 0,000x ng/ml. Es sei denn, einige der Prostatazellen oder der Prostatatumorzellen wurden nicht vollständig entfernt oder hatten sich bereits aus der Prostata ausgesiedelt. Dann wird aus dem recht unzuverlässigen PSA-Wert ein relativ zuverlässiger Tumormarker, der ein Rezidiv ankündigt, welches man in möglichst frühem Stadium einer Salvagetherapie zuführen sollte.
Es hat sich gezeigt, dass bei sehr langsamem Anstieg des PSA bereits ab 0,2 ng/ml eine (blinde) Bestrahlung der Prostataloge, eine noch günstige Entwicklung auf Heilung ergeben hat.
Am 13.4.2014 schrieb auch Hvielemi:
Zitat: "Normal hat man ja einen PSA-Wert zwischen 1.0 bis 3.0 ng. Warum sollte dann ein Anstieg bis 2.0 ng zu spät sein. Das ist doch immerhin die Natur des Körpers."
Das WAR mal die Natur des Körpers, doch nach der RPE sollte der PSA-Wert auf Null fallen, da die Prostata einzige Quelle des PSA im gesunden Körper war. Steigt der PSA-Wert nach RPE wieder, bedeutet das meist, dass Prostata-Krebszellen wachsen. Ein langsamer Anstieg deutet auf ein Lokalrezidiv, ein rascher Anstieg eher auf Metastasen. Die frühe Salvage-Bestrahlung ist natürlich eine Lotterie, weil man ja das Ziel nicht darstellen kann, aber als Gewinn lockt die Heilung.
So ist das nun mal in diesem Prostatakrebs-Business: Gewinngarantien gibt es keine, aber wer nichts unternimmt, verliert sicher.
Strahlentherapeut Daniel Schmidt schrieb am 14.4.2014:
Zitat: "Ich lasse also etwas bestrahlen das es vielleicht gar nicht gibt. Das ist für mich Horror und ich habe nachher wahrscheinlich Nebenwirkungen die mein Leben unerträglich gestalten."
Und stattdessen denken Sie über eine Hyperthermie nach?
Ich verstehe.
Also lassen Sie lieber etwas "verkochen", das es vielleicht nicht gibt, anstatt es zu bestrahlen? Ob das wohl weniger Nebenwirkungen macht?
Die Hyperthermie ist weiterhin eine experimentelle Methode zur Behandlung von Krebs. Es gibt einige Studien, die eine gewisse Wirksamkeit zeigen. Allerdings war in allen diesen Studien die Hyperthermie nicht das alleinige Therapieverfahren, sondern sie wurde mit Chemo- oder Strahlentherapie zusammen durchgeführt. Man weiss nämlich, dass beide diese Therapien bei Erhöhung der Temperatur besser wirken. Die übliche Hyperthermie ist zu schwach, um Tumor zu vernichten, da sie die Temperatur nur um einige Grad Celsium erhöht, so bis 42-43 °C. Das ist der Grund, warum auch kein Fieber zum Tumorzerfall führt, sonst würde man einfach alle krebskranken Patienten mit dem Grippevirus infizieren, und gut wär's dann auch.
Man müsste das Gewebe deutlich mehr erhitzen, um einen Effekt zu haben. Tut man das in der Prostataloge, "verkocht" man dabei auch die Harnröhre.