Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS
Ruggero1 schrieb am 22.11.2006:
Ich habe mir noch einmal die HP von Thermo Health Care angesehen, die diese Nanotechnologie fördert. Dort klingt alles sehr optimistsich – Beispiel:
"Solide Tumore sind in praktisch jeder Körperregion erreichbar und die neue Therapie hat nur wenig – zum Teil sogar keine – Nebenwirkungen. Dies sind Eigenschaften, die keine andere Therapieform zu bieten hat."
Und weiter:
"Und die Forschung geht weiter: in den kommenden vier bis fünf Jahren werden die Nanopartikel schrittweise in der Lage sein, auch einzelne Tumorzellen zu finden und zu zerstören, beispielsweise in Lymphknoten, so dass die bisher noch direkt in den Tumor einzubringenden Nanopartikel später über Gefäße ihren Zielort erreichen werden."
Auch bei bestimmten Rezidiven soll die Nanotechnologie angeblich bereits wirken; also ich würde zumindest mal nachfragen.
knut.krueger schrieb am 27.11.2006:
Es gab im Forum schon mehrfach den Hinweis auf die Nanotechnologie, und ich hatte mir auch die Seiten angesehen. Es wurde diese in Entwicklung befindende Therapieform schön anhand von Bildern erläutert, aber es fehlten sonstige Hinweise über Erfolg usw. Nun hat mein Sohn mir einen Link geschickt und es gibt einen Artikel, dass bis April dieses Jahres neun Patienten behandelt wurden, und wie es aussieht, mit mäßigem Erfolg. Hier der Link:
http://www.ivanhoe.com/channels/p_channelstory.cfm?storyid=13498&channelid=CHAN-100011
Dazu schrieb Schorschel am 29.11.2006:
Ich finde die Nano-Therapie sehr interessant, und ich bin sehr gespannt auf die Ergebnisse der Studie an der Charité. Mir gehen allerdings zwei Dinge durch den Kopf:
1. In der von Dir
zitierten Ivanhoe-Meldung heißt es: „Study results show
the nanoparticles were retained in the prostate for several months.”
(„Die Nanopartikel verblieben für mehrere Monate in der
Prostata”).
Ich frage mich, wo sie anschließend sind,
denn Nanopartikel sind durchaus gefährlich und können zu
Gesundheitsschäden führen, wenn sie durch den Körper
wandern. Wenn man bei google die Worte „nanopartikel“ und
„gefährlich“ oder „risiko“ eingibt,
bekommt man viele interessante und warnende Fundstellen. Ein Thema
ist dabei z. B. die Embolie.
2. In den
Unterlagen der Gesellschaft, die Dieter eingestellt hat [der
Thermo Health Care – Ed], heißt es:
„Am
Anfang steht eine besonders gute Diagnostik, um innerhalb der
Prostata möglichst genau die Tumorzellverbände aufzuspüren.
Die Kenntnis über die Verteilung der Tumorzellen in der Prostata
ermöglicht eine bessere Steuerung und individuelle Gestaltung
der Lokaltherapie.“
Damit sind wir wieder beim Kernproblem der (nicht ausreichend vorhandenen) Genauigkeit der vorhandenen bildgebenden Verfahren, ohne dass ich dieses Thema an dieser Stelle wieder aufwärmen möchte.
Ich hoffe sehr, dass all das in den Griff zu bekommen ist, denn von der Idee her ist die Nano-Therapie aus meiner Sicht hervorragend. Ansonsten stimme ich Dir zu, dass die bei Ivanhoe zitierten Ergebnisse ("bei sieben von neun Patienten zeigten sich mäßige Rückgänge beim PSA") noch relativ mager sind, wobei man eigentlich das Patientengut noch näher analysieren müsste.
Harald meldete sich am 5.12.2006 wieder:
Wie bereits im Oktober d. J. hier im Forum angekündigt, habe ich am Samstag den 2.12.2006 Prof Wust, leitender Oberarzt der Klinik für Strahlenheilkunde an der Carité und wesentlichen Mitbeteiligter an der Entwicklung der Nanotherapie, und Dr. med. Frank Kahmann, aus meiner Sicht d e r Spezialist für permanente Seed-Implantation im duetschsprachigen Raum, in Berlin getroffen, um nähere Auskünfte über die Nanotherapie in möglicher Zusammenwirkung mit einer anderen Therapieart, z. B. Brachy, zu erhalten.
Es ging u. a. um folgende Fragen:
1. Wenn man
Pressemeldungen der letzten Zeit sowie einschlägige
Darstellungen auf Internetseiten verfolgt, hier im speziellen jene
von Health Care und auch mit den dort erreichbaren Auskunftspersonen
spricht, bekommt man den Eindruck, natürlich aus subjektiver
Sicht, dass eine neuartige Therapie sich gerade etabliert , wobei die
Neuartigkeit in der Präzision und der kontrollierten und
nachvollziehbaren flächendeckenden Erwärmung der Prostata
auf zumindest 45 Grad liegt, um gesicherte Apoptose zu
erreichen.
Antwort Dr. Wust: Die Nanotherapie ist noch
nicht so weit, dass gesichert – hier sind natürlich keine
Langzeitstudien gemeint – davon ausgegangen werden kann, dass
einerseits jene Präzision in Form von Flächendeckung in der
Prostata und Erwärmung zumindest auf 45 Grad in der Prostata
erreicht werden kann, um die Therapie als Monotherapie anzuwenden.
Man ist hier intensiv am Arbeiten, und es scheint ein Zeitraum von
drei Jahren realistisch, um diese Ziele zu erreichen. Derzeit können
42° sicher flächendeckend erzielt werden.
2. Es soll gerade
eine Studie im Zusammenhang mit PCa in Vorbereitung sein? Was sind
die Aufnahmekriterien, die konkreten Ziele und wie lange wird sie
dauern? Ist sie schon durch die Ethikkommission bestätigt und
genehmigt?
Antwort Dr. Wust: Die Studie ist derzeit bei der
Ethikkommission, ein Beginn der Patientenrekrutierung ist für
das Frühjahr 2007 geplant. Es werden Patienten mit mittlerem
Risiko (Gleason entweder 7 oder PSA >10 oder cT2b) mit der
Brachytherapie in Kombination mit Nanoteilchen und Hyperthermie
behandelt. Ziel ist die Erhöhung der Effektivität der
Seedimplentation durch die Hyperthermie mit Nanoteilchen. Wir
erwarten keine Probleme mit der Ethikkommssion.
3. Welchen Nutzen
könnte die Therapie in Zukunft bei vermuteten Mikrometastasen
stiften; insbesondere wenn man nicht genau weiß, wo verborgene
Zellverbände herumschwirren? (Kernproblem nicht ausreichend
vorhandener bildgebender Verfahren.)
Antwort Dr. Wust: Die
Nanoteilchen werden lokal in der Prostata eingesetzt und können
nur dort wirken. Außerhalb der Prostata sind sie nicht
effektiv. Ziel ist es, ggf. die Strahlendosis bei gleicher
Effektivität reduzieren zu können. Dadurch verspricht man
sich, eine Reduktion der Nebenwirkungen oder aber bei gleicher Dosis
eine höhere Effizienz zu erzielen.
4. Welche
Vorteile könnten PCa-Patienten sofort lukrieren [österreichisch
für: Nutzen, Gewinn erzielen – Ed]?
Antwort
Dr. Wust: Der Vorteil liegt darin, dass die Nanotherapie als
vorgelagerte Therapie zur Monotherapie, z. B. Brachy, zur
Anwendung kommen kann und es dadurch bei gleicher Strahlenwirkung zur
erhöhten Effizienz kommt, ohne dabei einen Pfeil aus dem Köcher
zu verschießen.
5. Sind
Nanoteilchen per se als gefährlich anzusehen? Hier sind nicht
Herzschrittmacher und sonstiges gemeint, die bereits als
K.O.-Kriterien für diese Therapie bekannt sind
Antwort Dr.
Wust: Wir erwarten durch die Implantation der Nanoteilchen keine
erhöhte Gefährdung für den Patienten. Die Implantation
der Nanoteilchen erfolgt während der Seedimplantation. Es kommt
somit zu einer Verlängerung der Narkosedauer um 15 bis 30
Minuten. Das Einbringen von Stoffen in den Körper bringt immer
allgemeine Risiken wie Blutung oder Infektion. Diese sind bei
sachgerechter Einbringung jedoch als sehr gering einzustufen. Die
Nanoteilchen bleiben zunächst vor Ort und gefährden den
Körper nicht. Langfristig werden sie wieder vom Körper
abgebaut und ausgeschieden.
Aus meiner Sicht:
Ergebnis und mittelfristige Aussicht der Nanotherapie mit Schwerpunkt Verhältnis zu etablierten Therapien. Mas muss den derzeitigen Stand der Nanotherapie und deren mittelfristige Aussicht, gemeint sind drei Jahre, sehr vereinfachend wie folgt sehen.
1. Derzeitiger
Stand und möglicher Anwendernutzen:
Zur Zeit besteht der
Nutzen der Anwendung der Nanotherapie in der Vorschaltung vor eine
andere Therapie, wobei hier vor allem die Brachy im Fokus zu stehen
scheint; man kann damit rechnen eine Effizienzsteigerung zu erreichen
jedoch bei Aufrechterhaltung der Strahlenintensität und somit
der Nebenwirkungsproblematik. Bei Metastasen oder gar unentdeckten
Tumorzellverbänden dürfte in absehbarer, so wie ich es
verstanden habe, mit keinen Vorteilen zu rechnen sein. Man wird aber
auch hier intensiv weiterforschen.
2. Mittelfristig könnte sich gerade bei Low-Risk-Patienten eine Monotherapie herauskristallisieren, die alle anderen an Effizienz gleichkommt und bei den Nebenwirkungen die Nase um Längen vorne hat oder zumindest die Dosis bei Strahlentherapien bei Aufrechterhaltung der notwendigen Effizienz soweit reduzieren kann, dass mit einer wesentlichen Reduktion von Nebenwirkungen zu rechnen ist.
PS: Wenn man auch immer wieder hört und liest, dass in der Krebsforschung in den letzten 25 Jahren ein weitgehender Stillstand eingetreten ist, kann man doch in diesem Fall von einem Silberstreifen am Horizont sprechen.
Hutschi schrieb am 5.12.2006:
Am 21.11.2001 las ich im Handelsblatt den Mut machenden Bericht "Nanoteilchen helfen heilen" wie folgt:
Vor wenigen Tagen hat der Arzt bei der jungen Frau einen Gehirntumor festgestellt. Nun wird die Patientin für die Behandlung vorbereitet. Bei ihr liegt die Geschwulst tief im Innern des Gehirns verborgen, ein chirurgischer Eingriff ist deshalb nicht möglich. Dennoch machen ihr die Ärzte Mut: Ein neues Verfahren kann helfen, den versteckten Krebsherd zu bekämpfen.
Zunächst erhält die Patientin eine Spritze mit einer besonderen Flüssigkeit. Darin schwimmen winzige, unsichtbare Partikel. Sie spielen bei der Bekämpfung der unzugänglichen Geschwulst die Rolle eines trojanischen Pferdes, das gezielt in das Tumorgewebe eingeschleust wird, um dort mit den wuchernden Krebszellen gründlich aufzuräumen. Dann wird ein besonderes Gerät an den Kopf der Patientin herangefahren und eingeschaltet. Eine Stunde dauert die Behandlung, die in den folgenden Wochen noch einige Male wiederholt werden muss. Nach einem Monat erfolgt die Kontrolle mit dem Kernspintomografen. Vom Gehirntumor ist nicht mehr zu sehen. Die lebensbedrohliche Wucherung im Kopf der Patientin hat sich vollends zurückgebildet.
Was sich wie ein modernes Märchen anhört, ist eine neue biomedizinische Anwendung der Nanotechnik, von der sich die Forscher einen Durchbruch bei der Krebstherapie erhoffen. Entwickelt hat die Methode, mit der in diesem Jahr erstmals Tumorpatienten behandelt werden sollen, die Arbeitsgruppe "Biomedizinische Nanotechnologie" an der Berliner Charité der Humboldt Universität. Die Forscher machen sich dabei einen seit langem bekannten Effekt zu Nutze. Krebszellen reagieren besonders empfindlich auf eine Überwärmung. Darauf basiert die so genannte Hyperthermie, die kontrollierte Überwärmung des Organismus oder von Körperteilen auf Temperaturen zwischen 42 und 44 Grad Celsius zur Behandlung von Krebs. Das künstliche Fieber, das gesundem Gewebe nicht viel anhaben kann ,schwächt vor allem entartete Zellen. Doch die Sache hatte bislang einen Haken: Die zur Erwärmung eingesetzten elektrischen Felder treffen im Körper aurf unterschiedliche Gewebe mit jeweils anderen elektrischen Eigenschaften. Tief liegende Geschwulste können deshalb nicht mit der nötigen Sicherheit auf die erforderliche Temperatur erwärmt werden. Die Berliner Arbeitsgruppe um den Biologen Andreas Jordan sann jedoch auf Abhilfe.
Die Forscher benutzen winzige magnetisierbare Eisenoxidteilchen, die in einer Flüssigkeit gelöst sind und dem Patienten injiziert werden. Magnetische Wechselfelder führen die nur wenige millionstel Millimeter großen Partikel zielgenau auch an tief liegende Krebsherde im Körper heran und heizen den Tumorzellen kräftig ein Eine Hülle aus vernetzten Zuckermolekülen (Dextran) schützt die Nanopartikel vor Angriffen des Immunsystems. Außer der Tarnkappenfunktion erfüllt die Umhüllug noch einen weiteren wichtigen Zweck. Die Zuckerhaut zieht die bösartigen Zellen magisch an. Sie verleiben sich besonders viele der vermeintlich attraktiven Nanopartikel ein. Mit Hilfe einer besonderen Apparatur, die berührungslos magnetische Wechselfelder erzeugt, werden die Nanoteilchen nach dem Prinzip des Mikrowellenherdes aufgeheizt, bis die Tumorzellen bei 45 Grad Celsius buchstäblich dahinschmelzen. Im Tumor bilden sich dann Zonen aus verflüssigtem Zellmaterial. Darin verteilen sich die Nanopartikel homogen. Der Effekt ist erwünscht, beschleunigt er doch den weiteren Auflösungsprozess der Krebsgeschwulst. Bei Mäusen konnte auf diese Weise ein großer Brusttumor innerhalb von einer halben Stunde völlig eingeschmolzen werden. Eine Narkose ist für die Behandlung nicht nötig. Die besten Ergebnisse haben die Berliner Forscher bislang bei so genannten Glioblastomen erhalten, eine besonders bösartige Nervenzellengeschwulst, die bei Menschen rund die Hälfte aller Hirntumore verursacht.
Nanoteilchen aus Eisenoxid eignen sich für die Krebstherapie nicht nur, weil sie die Energie aus einem magnetischen Wechselfeld auch in den unzugänglichsten Körperregionen in Wärme umsetzen und damit die Krebszellen absterben lassen. Die Berliner Forscher konnten auch nachweisen, dass Krebszellen ganz bestimmte Nanoteilchen weit stärker aufnehmen als gesunde Zellen desselben Gewebetyps. Entscheidend ist dabei die Oberflächenstrukturierung mit Molekülen und die Größe der Teilchen, von denen abhängt, wie viele von ihnen in einer bestimmten Zeit in die Krebszellen gelangen können. Das Prinzip, magnetisierbare Nanopartikel gezielt durch den Organismus zu lenken, hat zu einer weiteren Entwicklung geführt : Ein neuartiges Kontrastmittel macht nun auch krankhafte Veränderungen in Blut- und Lymphgefäßen mit dem Magnet-Resonanztomographen (MRT) deutlich. Bislang war die genaue Darstellung auf diesem Wege nicht möglich. Das neue Kontrastmittel wurde von Forschern am Institut für Radiologie der Berlinder Charité entwickelt.