Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Therapiearten – Nanotechnologie

PeterP schrieb am 8.10.2006:
Seit geraumer Zeit wird an der Charité Berlin unter Beteilgung der Fa. MagForce die Eisen-Nanopartikel Thermo-Therapie in Studien getestet. Unter der Schirmherrschaft der DEBEKA wird nun eine Anwendungsreife Therapie für PCA-Patienten mit lokal begrenztem Karzinom angeboten. Hier eine Kopie des Textes, der unter www.thermo-health-care.de/prostatakarzinom.html neben weiteren detaillierten Infos zur Behandlung des PCa eingesehen werden kann:
Die mit der Debeka gegründete Initiative eines Therapiezentrums zur Thermotherapie Thermo Health Care soll zu einem Meilenstein werden, wie gemeinschaftliches Interesse aus Patienten, Krankenversicherung und Medizinern zu Fortschritten in der Bekämpfung von Krebs führt.
An der Charité Universitätsmedizin Berlin entstand in eineinhalb Jahrzehnten Forschung eine neue, revolutionierende Krebstherapiemethode, die seit mehr als zwei Jahren in klinischen Studien erprobt wird. Die bisherigen Ergebnisse mit unterschiedlichsten Tumorarten haben gezeigt, dass die Methode erfolgreich aus dem Labor in die Klinik umgesetzt werden konnte. Solide Tumore sind in praktisch jeder Körperregion erreichbar und die neue Therapie hat nur wenig – zum Teil sogar keine – Nebenwirkungen. Dies sind Eigenschaften, die keine andere Therapieform zu bieten hat.
Wichtigster Wirkmechanismus ist die kontrollierte Überhitzung des Tumors auf Temperaturen bis zu 45 °C (Hyperthermie) bzw. über 70° (Thermoablation) in frei kombinierbarer Weise. Es handelt sich hierbei um eine Behandlung, die seit Jahrhunderten in der Bekämpfung von Krebs bekannt ist. Und die wissenschaftlich mehrfach belegten biologischen Nachweise zeigen ganz klar, dass Wärme gegen Krebs wirksam ist.
Mit den bisher am Markt erhältlichen Therapiesysthemen ist bis heute der Stellenwert der Wärmetherapie bei Krebs relativ gering geblieben. Mit den konventionellen Wärmetherapiesystemen bleiben oft Tumorareale ausgespart, die eine Ursache erneuten Tumorwachstums sind. Normalgewebe wird fast immer mit aufgeheizt; eine Quelle unerwünschter Nebenwirkungen gerade in der Kombination mit Chemo- und Strahlentherapie.
Mit der neuen Lösung aus der Nanotechnologie, die mit spezifisch beschichteten Nanopartikeln Krebszellen operativ mit "magnetischen Antennen" versieht, wird die Erwärmung ganz gezielt "von innen" auf die Tumorzellen ausgerichtet. Mit Hilfe eines weltweit neuen Therapiegerätes aktivieren hochenergetische magnetische Felder kontaktlos von außen diese Nanopartikel im Tumor des Patienten. Die Nebenwirkungen der konventionellen Wärmetherapie bleiben aus.
Die Liste der möglichen und zum Teil schon klinisch getesteten Indikationen für neue lokoregionale Therapie ist lang: vom bösartigen Hirntumor (Glioblastom) bis zu inoperablen Beckentumoren, Prostatakarzinomen und Lokalrezidiven verschiedenster Art, z. B. bei gynäkologischen Tumoren.
Weshalb dieses Verfahren bisher im Forum noch keine Beachtung gefunden hat, ist mir nicht bekannt. Die Phase-III-Studie lief allerdings auch nur für PCa-Patienten mit nachgewiesenem Rezidiv. In diesem Verfahren dürfte aber aus sehr einleuchtenden Gründen ein ganz erhebliches Potential stecken, u. U. könnte es sogar die bisherigen "Goldstandards" in die Tasche stecken.
Harald schrieb einen Tag später:
In der Tat scheint sich hier eine (neue) und – so wie es auch ausschaut – vielversprechende Therapieart am Markt etablieren zu wollen. Ich wollte ohnehin auch schon darüber berichten.
Health Care ist eher eine Logistikplattform, von der aus die Charité Berlin unterstützt wird. Ich habe bereits seit einiger Zeit meine Befunde bei Prof. Wust als leitendem Oberarzt der Klinik für Strahlenheilkunde und für diese Therapie im Vorfeld verantwortlich eingereicht. Ich bekam die Antwort, dass ich geeignet sei. Des weiteren bin auch mit Dr. Kahmann, absoluter Spezialist für Brachytherapie, in Kontakt. Es soll gerade eine Studie einer Kombinationstherapie dieser zwei Therapien in Gang sein, so Dr. Kahmann. Ich werde in den nächsten Wochen nach Berlin fliegen und mich bei beiden Herren sehr ausführlich informieren.
Soweit im Vorfeld:
1. Das kontrollierte Erhitzen der Zellen, das angeblich längere Zeit nicht so richtig funktionierte, scheint im Griff zu sein.
2. Kosten der Therapie (Angebot liegt schon bei mir) rd. 20.000,- Euro.
3. Eines muss uns klar sein, wir sind Versuchskaninchen und müssen auch noch bezahlen und tragen das gesamte Risiko (Heilung, mittel- und langfristige Nebenwirkungen).
4. Die Therapie kann angeblich mehrmals wiederholt werden (ohne bis jetzt bekannten Nebenwirkungen); dies scheint abgesehen von den Kosten ein Vorteil zu sein, denn wer garantiert uns, dass derTumor zur Gänze zerstört wird, oder es beginnt in einer anderen Drüse alles wieder von vorne.
Dazu schrieb Jörg O. am selben Tag:
Du solltest Dich bei Deiner Krankenkasse informieren, welche Kosten sie übernehmen wird. Auskunftsgemäß übernimmt die Debeka, die dieses Projekt unterstützt, die entsprechenden anteiligen Kosten. Auch mit der Charité solltest Du verhandeln, denn diese Therapie befindet sich noch im Versuchsstadium, und die Charité erhält dafür Fördermittel, die sie an die zu behandelnden Patienten weitergeben könnte.
Vor nicht all zu langer Zeit wurde mir von der Charité mitgeteilt, dass das Erhitzen der Nanopartikel noch Schwierigkeiten bereite. Sind diese tatsächlich ausgeräumt?
Auf Deinen Bericht bin ich sehr gespannt.
Und Dieter aus Husum schrieb:
An Deiner Stelle würde ich mit dem Flug nach Berlin und vor allem mit der Ausgabe von 20.000 Euro noch etwas zuwarten. Grund: Zur Magnetflüssigkeits-Hyperthermie (so nennt man das Verfahren) in Anwendung auf das Prostata- (Primär-) Karzinom wird eine Studie vorbereitet, welche möglicherweise schon in sechs Wochen aktiviert wird. Momentan muss noch die Ethikkommission passiert werden. Danach werden Ein- und Ausschlusskriterien bekanntgegeben, und vielleicht kannst Du da mit hinein.
Fest steht schon jetzt, dass es ein Kombination mit Seeds sein wird. Das erklärt ggf. die Mitwirkung von Dr. Kahmann.
Harald antwortete beiden:
Danke für eure Ratschläge;
1. Ich bin österreichischer Staatsbürger und komme somit nicht in den Genuss möglicher DEBEKA-Leistungen. Unsere Versicherungen in Österreich sind recht knauserig im Umgang mit Leistungen, besonders wenn sie noch nicht "state of art" sind.
2. Der 20.000,-Euro-Vorschlag ist der allgemeine Vorschlag, den sicherlich jeder bekommt; Ihr könnt davon ausgehen, wenn der therapeutische Nutzen mir groß genug erscheint, ich meine Kaninchenhaut so teuer wie möglich verkaufen werde.
3. Es ist richtig, dass Dr. Kahmann bei dieser von Dieter genannten Studie dabei ist, mir wurde mitgeteilt, dass die Ethikkommission bereits passiert sei und die Bedingungen vorliegen (Auskunft kam von Health Care) und sie Interesse hätten, wenn ich mitmachen würde (auch mehrere Gerspräche mir Dr. Kahmann, der mir übrigens einen sehr kompetenten Eindruck hinterließ).
4. Selbstverständlich war auch meine Vorabfrage, ob die Erhitzung der Nanoteilchen ausgereift sei und garantiert werden könne; dies ist ja letztlich für den Erfolg mit hauptentscheidend, die Frage wurde mit einem eindeutigen "ja" beantwortet.

Ruggero1 schrieb am 22.11.2006:

Ich habe mir noch einmal die HP von Thermo Health Care angesehen, die diese Nanotechnologie fördert. Dort klingt alles sehr optimistsich – Beispiel:

"Solide Tumore sind in praktisch jeder Körperregion erreichbar und die neue Therapie hat nur wenig – zum Teil sogar keine – Nebenwirkungen. Dies sind Eigenschaften, die keine andere Therapieform zu bieten hat."

Und weiter:

"Und die Forschung geht weiter: in den kommenden vier bis fünf Jahren werden die Nanopartikel schrittweise in der Lage sein, auch einzelne Tumorzellen zu finden und zu zerstören, beispielsweise in Lymphknoten, so dass die bisher noch direkt in den Tumor einzubringenden Nanopartikel später über Gefäße ihren Zielort erreichen werden."

Auch bei bestimmten Rezidiven soll die Nanotechnologie angeblich bereits wirken; also ich würde zumindest mal nachfragen.


knut.krueger schrieb am 27.11.2006:

Es gab im Forum schon mehrfach den Hinweis auf die Nanotechnologie, und ich hatte mir auch die Seiten angesehen. Es wurde diese in Entwicklung befindende Therapieform schön anhand von Bildern erläutert, aber es fehlten sonstige Hinweise über Erfolg usw. Nun hat mein Sohn mir einen Link geschickt und es gibt einen Artikel, dass bis April dieses Jahres neun Patienten behandelt wurden, und wie es aussieht, mit mäßigem Erfolg. Hier der Link:

http://www.ivanhoe.com/channels/p_channelstory.cfm?storyid=13498&channelid=CHAN-100011

Dazu schrieb Schorschel am 29.11.2006:

Ich finde die Nano-Therapie sehr interessant, und ich bin sehr gespannt auf die Ergebnisse der Studie an der Charité. Mir gehen allerdings zwei Dinge durch den Kopf:

1. In der von Dir zitierten Ivanhoe-Meldung heißt es: „Study results show the nanoparticles were retained in the prostate for several months.” („Die Nanopartikel verblieben für mehrere Monate in der Prostata”).
Ich frage mich, wo sie anschließend sind, denn Nanopartikel sind durchaus gefährlich und können zu Gesundheitsschäden führen, wenn sie durch den Körper wandern. Wenn man bei google die Worte „nanopartikel“ und „gefährlich“ oder „risiko“ eingibt, bekommt man viele interessante und warnende Fundstellen. Ein Thema ist dabei z. B. die Embolie.

2. In den Unterlagen der Gesellschaft, die Dieter eingestellt hat [der Thermo Health Care – Ed], heißt es:
„Am Anfang steht eine besonders gute Diagnostik, um innerhalb der Prostata möglichst genau die Tumorzellverbände aufzuspüren. Die Kenntnis über die Verteilung der Tumorzellen in der Prostata ermöglicht eine bessere Steuerung und individuelle Gestaltung der Lokaltherapie.“

Damit sind wir wieder beim Kernproblem der (nicht ausreichend vorhandenen) Genauigkeit der vorhandenen bildgebenden Verfahren, ohne dass ich dieses Thema an dieser Stelle wieder aufwärmen möchte.

Ich hoffe sehr, dass all das in den Griff zu bekommen ist, denn von der Idee her ist die Nano-Therapie aus meiner Sicht hervorragend. Ansonsten stimme ich Dir zu, dass die bei Ivanhoe zitierten Ergebnisse ("bei sieben von neun Patienten zeigten sich mäßige Rückgänge beim PSA") noch relativ mager sind, wobei man eigentlich das Patientengut noch näher analysieren müsste.


Harald meldete sich am 5.12.2006 wieder:

Wie bereits im Oktober d. J. hier im Forum angekündigt, habe ich am Samstag den 2.12.2006 Prof Wust, leitender Oberarzt der Klinik für Strahlenheilkunde an der Carité und wesentlichen Mitbeteiligter an der Entwicklung der Nanotherapie, und Dr. med. Frank Kahmann, aus meiner Sicht d e r Spezialist für permanente Seed-Implantation im duetschsprachigen Raum, in Berlin getroffen, um nähere Auskünfte über die Nanotherapie in möglicher Zusammenwirkung mit einer anderen Therapieart, z. B. Brachy, zu erhalten.

Es ging u. a. um folgende Fragen:

1. Wenn man Pressemeldungen der letzten Zeit sowie einschlägige Darstellungen auf Internetseiten verfolgt, hier im speziellen jene von Health Care und auch mit den dort erreichbaren Auskunftspersonen spricht, bekommt man den Eindruck, natürlich aus subjektiver Sicht, dass eine neuartige Therapie sich gerade etabliert , wobei die Neuartigkeit in der Präzision und der kontrollierten und nachvollziehbaren flächendeckenden Erwärmung der Prostata auf zumindest 45 Grad liegt, um gesicherte Apoptose zu erreichen.
Antwort Dr. Wust: Die Nanotherapie ist noch nicht so weit, dass gesichert – hier sind natürlich keine Langzeitstudien gemeint – davon ausgegangen werden kann, dass einerseits jene Präzision in Form von Flächendeckung in der Prostata und Erwärmung zumindest auf 45 Grad in der Prostata erreicht werden kann, um die Therapie als Monotherapie anzuwenden. Man ist hier intensiv am Arbeiten, und es scheint ein Zeitraum von drei Jahren realistisch, um diese Ziele zu erreichen. Derzeit können 42° sicher flächendeckend erzielt werden.

2. Es soll gerade eine Studie im Zusammenhang mit PCa in Vorbereitung sein? Was sind die Aufnahmekriterien, die konkreten Ziele und wie lange wird sie dauern? Ist sie schon durch die Ethikkommission bestätigt und genehmigt?
Antwort Dr. Wust: Die Studie ist derzeit bei der Ethikkommission, ein Beginn der Patientenrekrutierung ist für das Frühjahr 2007 geplant. Es werden Patienten mit mittlerem Risiko (Gleason entweder 7 oder PSA >10 oder cT2b) mit der Brachytherapie in Kombination mit Nanoteilchen und Hyperthermie behandelt. Ziel ist die Erhöhung der Effektivität der Seedimplentation durch die Hyperthermie mit Nanoteilchen. Wir erwarten keine Probleme mit der Ethikkommssion.

3. Welchen Nutzen könnte die Therapie in Zukunft bei vermuteten Mikrometastasen stiften; insbesondere wenn man nicht genau weiß, wo verborgene Zellverbände herumschwirren? (Kernproblem nicht ausreichend vorhandener bildgebender Verfahren.)
Antwort Dr. Wust: Die Nanoteilchen werden lokal in der Prostata eingesetzt und können nur dort wirken. Außerhalb der Prostata sind sie nicht effektiv. Ziel ist es, ggf. die Strahlendosis bei gleicher Effektivität reduzieren zu können. Dadurch verspricht man sich, eine Reduktion der Nebenwirkungen oder aber bei gleicher Dosis eine höhere Effizienz zu erzielen.

4. Welche Vorteile könnten PCa-Patienten sofort lukrieren [österreichisch für: Nutzen, Gewinn erzielen – Ed]?
Antwort Dr. Wust: Der Vorteil liegt darin, dass die Nanotherapie als vorgelagerte Therapie zur Monotherapie, z. B. Brachy, zur Anwendung kommen kann und es dadurch bei gleicher Strahlenwirkung zur erhöhten Effizienz kommt, ohne dabei einen Pfeil aus dem Köcher zu verschießen.

5. Sind Nanoteilchen per se als gefährlich anzusehen? Hier sind nicht Herzschrittmacher und sonstiges gemeint, die bereits als K.O.-Kriterien für diese Therapie bekannt sind
Antwort Dr. Wust: Wir erwarten durch die Implantation der Nanoteilchen keine erhöhte Gefährdung für den Patienten. Die Implantation der Nanoteilchen erfolgt während der Seedimplantation. Es kommt somit zu einer Verlängerung der Narkosedauer um 15 bis 30 Minuten. Das Einbringen von Stoffen in den Körper bringt immer allgemeine Risiken wie Blutung oder Infektion. Diese sind bei sachgerechter Einbringung jedoch als sehr gering einzustufen. Die Nanoteilchen bleiben zunächst vor Ort und gefährden den Körper nicht. Langfristig werden sie wieder vom Körper abgebaut und ausgeschieden.

Aus meiner Sicht:

Ergebnis und mittelfristige Aussicht der Nanotherapie mit Schwerpunkt Verhältnis zu etablierten Therapien. Mas muss den derzeitigen Stand der Nanotherapie und deren mittelfristige Aussicht, gemeint sind drei Jahre, sehr vereinfachend wie folgt sehen.

1. Derzeitiger Stand und möglicher Anwendernutzen:

Zur Zeit besteht der Nutzen der Anwendung der Nanotherapie in der Vorschaltung vor eine andere Therapie, wobei hier vor allem die Brachy im Fokus zu stehen scheint; man kann damit rechnen eine Effizienzsteigerung zu erreichen jedoch bei Aufrechterhaltung der Strahlenintensität und somit der Nebenwirkungsproblematik. Bei Metastasen oder gar unentdeckten Tumorzellverbänden dürfte in absehbarer, so wie ich es verstanden habe, mit keinen Vorteilen zu rechnen sein. Man wird aber auch hier intensiv weiterforschen.

2. Mittelfristig könnte sich gerade bei Low-Risk-Patienten eine Monotherapie herauskristallisieren, die alle anderen an Effizienz gleichkommt und bei den Nebenwirkungen die Nase um Längen vorne hat oder zumindest die Dosis bei Strahlentherapien bei Aufrechterhaltung der notwendigen Effizienz soweit reduzieren kann, dass mit einer wesentlichen Reduktion von Nebenwirkungen zu rechnen ist.

PS: Wenn man auch immer wieder hört und liest, dass in der Krebsforschung in den letzten 25 Jahren ein weitgehender Stillstand eingetreten ist, kann man doch in diesem Fall von einem Silberstreifen am Horizont sprechen.


Hutschi schrieb am 5.12.2006:

Am 21.11.2001 las ich im Handelsblatt den Mut machenden Bericht "Nanoteilchen helfen heilen" wie folgt:

Vor wenigen Tagen hat der Arzt bei der jungen Frau einen Gehirntumor festgestellt. Nun wird die Patientin für die Behandlung vorbereitet. Bei ihr liegt die Geschwulst tief im Innern des Gehirns verborgen, ein chirurgischer Eingriff ist deshalb nicht möglich. Dennoch machen ihr die Ärzte Mut: Ein neues Verfahren kann helfen, den versteckten Krebsherd zu bekämpfen.

Zunächst erhält die Patientin eine Spritze mit einer besonderen Flüssigkeit. Darin schwimmen winzige, unsichtbare Partikel. Sie spielen bei der Bekämpfung der unzugänglichen Geschwulst die Rolle eines trojanischen Pferdes, das gezielt in das Tumorgewebe eingeschleust wird, um dort mit den wuchernden Krebszellen gründlich aufzuräumen. Dann wird ein besonderes Gerät an den Kopf der Patientin herangefahren und eingeschaltet. Eine Stunde dauert die Behandlung, die in den folgenden Wochen noch einige Male wiederholt werden muss. Nach einem Monat erfolgt die Kontrolle mit dem Kernspintomografen. Vom Gehirntumor ist nicht mehr zu sehen. Die lebensbedrohliche Wucherung im Kopf der Patientin hat sich vollends zurückgebildet.

Was sich wie ein modernes Märchen anhört, ist eine neue biomedizinische Anwendung der Nanotechnik, von der sich die Forscher einen Durchbruch bei der Krebstherapie erhoffen. Entwickelt hat die Methode, mit der in diesem Jahr erstmals Tumorpatienten behandelt werden sollen, die Arbeitsgruppe "Biomedizinische Nanotechnologie" an der Berliner Charité der Humboldt Universität. Die Forscher machen sich dabei einen seit langem bekannten Effekt zu Nutze. Krebszellen reagieren besonders empfindlich auf eine Überwärmung. Darauf basiert die so genannte Hyperthermie, die kontrollierte Überwärmung des Organismus oder von Körperteilen auf Temperaturen zwischen 42 und 44 Grad Celsius zur Behandlung von Krebs. Das künstliche Fieber, das gesundem Gewebe nicht viel anhaben kann ,schwächt vor allem entartete Zellen. Doch die Sache hatte bislang einen Haken: Die zur Erwärmung eingesetzten elektrischen Felder treffen im Körper aurf unterschiedliche Gewebe mit jeweils anderen elektrischen Eigenschaften. Tief liegende Geschwulste können deshalb nicht mit der nötigen Sicherheit auf die erforderliche Temperatur erwärmt werden. Die Berliner Arbeitsgruppe um den Biologen Andreas Jordan sann jedoch auf Abhilfe.

Die Forscher benutzen winzige magnetisierbare Eisenoxidteilchen, die in einer Flüssigkeit gelöst sind und dem Patienten injiziert werden. Magnetische Wechselfelder führen die nur wenige millionstel Millimeter großen Partikel zielgenau auch an tief liegende Krebsherde im Körper heran und heizen den Tumorzellen kräftig ein Eine Hülle aus vernetzten Zuckermolekülen (Dextran) schützt die Nanopartikel vor Angriffen des Immunsystems. Außer der Tarnkappenfunktion erfüllt die Umhüllug noch einen weiteren wichtigen Zweck. Die Zuckerhaut zieht die bösartigen Zellen magisch an. Sie verleiben sich besonders viele der vermeintlich attraktiven Nanopartikel ein. Mit Hilfe einer besonderen Apparatur, die berührungslos magnetische Wechselfelder erzeugt, werden die Nanoteilchen nach dem Prinzip des Mikrowellenherdes aufgeheizt, bis die Tumorzellen bei 45 Grad Celsius buchstäblich dahinschmelzen. Im Tumor bilden sich dann Zonen aus verflüssigtem Zellmaterial. Darin verteilen sich die Nanopartikel homogen. Der Effekt ist erwünscht, beschleunigt er doch den weiteren Auflösungsprozess der Krebsgeschwulst. Bei Mäusen konnte auf diese Weise ein großer Brusttumor innerhalb von einer halben Stunde völlig eingeschmolzen werden. Eine Narkose ist für die Behandlung nicht nötig. Die besten Ergebnisse haben die Berliner Forscher bislang bei so genannten Glioblastomen erhalten, eine besonders bösartige Nervenzellengeschwulst, die bei Menschen rund die Hälfte aller Hirntumore verursacht.

Nanoteilchen aus Eisenoxid eignen sich für die Krebstherapie nicht nur, weil sie die Energie aus einem magnetischen Wechselfeld auch in den unzugänglichsten Körperregionen in Wärme umsetzen und damit die Krebszellen absterben lassen. Die Berliner Forscher konnten auch nachweisen, dass Krebszellen ganz bestimmte Nanoteilchen weit stärker aufnehmen als gesunde Zellen desselben Gewebetyps. Entscheidend ist dabei die Oberflächenstrukturierung mit Molekülen und die Größe der Teilchen, von denen abhängt, wie viele von ihnen in einer bestimmten Zeit in die Krebszellen gelangen können. Das Prinzip, magnetisierbare Nanopartikel gezielt durch den Organismus zu lenken, hat zu einer weiteren Entwicklung geführt : Ein neuartiges Kontrastmittel macht nun auch krankhafte Veränderungen in Blut- und Lymphgefäßen mit dem Magnet-Resonanztomographen (MRT) deutlich. Bislang war die genaue Darstellung auf diesem Wege nicht möglich. Das neue Kontrastmittel wurde von Forschern am Institut für Radiologie der Berlinder Charité entwickelt.