Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Therapiearten – Kryotherapie (Kältetherapie)

[Die Kryotherapie (Kältetherapie) wird verhältnismäßig selten angesprochen. Dabei wird die Prostata durch eingebrachte Sonden schockgefroren und wieder aufgetaut. Dieser Vorgang wird im allgemeinen einmal wiederholt, was wirkungsvoller ist als ein nur einmaliges Gefrieren. Die betroffenen Zellen (gesunde wie Tumorzellen) werden dadurch abgetöt. Die Übergangszone der Kryoläsion (= des durch die Kältebehandlung zerstörten Gewebes) ist nur einige Zellen dick, also gegen das unbehandelte Gewebe sehr scharf abgegrenzt. Prostatazellen sind fast einzigartig unempfindlich gegenüber Hitze. Unterschiedliche Typen von Körperzellen reagieren auf die Kältebehandlung sehr unterschiedlich, hormonunabhängige Zellen sind unempfindlicher als hormonabhängige. Es gibt – anders als zum Beispiel bei der Seeds-Behandlung – bei der Kryotherapie keine Größenbeschränkung der Prostata.

Hier ist eine Liste von Kliniken in Deutschland, die die Kryotherapie anbieten, und hier bietet eine dieser Kliniken eine informative Webseite zu dem Thema.

Ed]


Urologe fs schrieb am 29.12.2006 unter dem Betreff "Männliche 'Lumpektomie' am besten bei Prostatakarzinom":

CHICAGO (EGMN) - Eine fokale Kryoablation führt zu einer besseren lokalen Kontrolle des Prostatakarzinoms als andere Standardbehandlungen, berichtete Dr. Gary Onik auf der Jahrestagung der Radiological Society of North America.

Da nur das kanzeröse Gewebe der Prostata zerstört wird, führt eine "männliche Lumpektomie" [Entfernen einer Verhärtung, von engl. lump = Knoten, Verhärtung – Ed] zu höheren Potenzraten und begrenzt andere Komplikationen, insbesondere Inkontinenz, ohne die Krebskontrolle zu beeinträchtigen. "Diese Behandlung ist sehr aggressiv, auch wenn sie fokal ist", erklärte Dr. Onik, Director of Surgical Imaging, Celebration Health/Florida Hospital in Celebration, Florida, USA.

Das Grundprinzip der männlichen Lumpektomie bei Prostatakarzinom beruht auf dem entscheidenden Einfluss, den Lumpektomien auf die Behandlung des Mammakarzinoms hatten. Bisher ging man davon aus, dass ein Prostatakarzinom multifokal sei und daher nicht durch einen fokalen Behandlungsansatz beseitigt werden könne. Aber die pathologische Literatur deutet darauf hin, dass bis zu 25 Prozent der Prostatakarzinome unifokal sind und dass 80 Prozent der Fälle für eine Lumpektomie in Frage kämen, erklärte Dr. Onik.

"Sie scheint ein vernünftiger Mittelweg zwischen beobachtendem Abwarten und Behandlungen der gesamten Prostata zu sein", die mit signifikanter Morbidität assoziiert sind. Eine sorgfältige Überwachung und die Möglichkeit einer erneuten Behandlung bieten zusätzliche Sicherheit bei diesem Eingriff.

Dr. Onik führte eine fokale Kryoablation bei 96 Patienten mit Prostatakarzinom durch und erhielt Daten zu 55 Patienten mit mindestens einem Jahr Nachbeobachtungszeit (Bereich: ein Jahr bis zehn Jahre). Prostataspezifische Antigentests (PSA) wurden zwei Jahre lang alle drei Monate durchgeführt, anschließend alle sechs Monate. Bei den ersten 26 Patienten wurden Routinebiopsien entnommen, die alle negativ waren.

Nach einem durchschnittlichen Nachbeobachtungszeitraum von 3,5 Jahren hatten 52 (94,5 Prozent) der 55 Patienten stabile PSA-Spiegel und waren nach den ASTRO-Kriterien (American Society for Therapeutic Radiology and Oncology) krankheitsfrei. Es mussten zwar vier Patienten erneut behandelt werden, nachdem ein Karzinom in einem anderen Areal der Prostata festgestellt worden war, aber in den behandelten Arealen traten keine Rezidive auf. Diese Ergebnisse sind besonders beachtenswert, da 29 der 55 Patienten ein mittleres bis hohes Rezidivrisiko hatten, so Dr. Onik

Vor dem Eingriff waren 51 Männer potent. Nach der Lumpektomie waren 44 (86 Prozent) dieser 51 Männer mit ihrer Potenz zufrieden. Alle Patienten waren sofort kontinent.

Mögliche Kandidaten für eine Lumpektomie sind Patienten mit einem unifokalen Tumor oder einem großen Indextumor und einem weiteren kleinen Tumor unter fünf Millimeter Durchmesser. Der Eingriff ist für Patienten mit diffuser Erkrankung nicht zu empfehlen.

Auf Nachfrage der Zuhörer, ob es eine Tumorgröße gäbe, die er nicht behandeln würde, antwortete Dr. Onik, dass der entscheidende Punkt sei, dass die Erkrankung fokal sein sollte. Er ergänzte jedoch, dass eine von zehn der derzeitigen Prostatabehandlungen bei extrakapsulärer Ausbreitung durchgeführt wird, bei der die gesamte Prostataseite beteiligt ist.

Der Schlüssel für eine erfolgreiche Kryoablation der Prostata ist eine exakte Diagnose von Karzinomstadium, -grad und -lokalisierung. Die Ergebnisse von Bildgebungsverfahren oder standardmäßiger TRUS-Biopsie haben keine ausreichende Sensitivität, so Dr. Onik. Daher hat er zwischenzeitlich zu einem neuen, auf 3D-Mapping beruhenden Biopsieverfahren gewechselt, bei dem er alle fünf Millimeter eine Gewebeprobe transperineal entnimmt und jede Probe entsprechend ihrer Lokalisierung testet.

Eine bessere Identifizierung der Krankheit ermöglicht eine zuverlässige Entfernung des kanzerösen Gewebes durch die fokale Kryoablation, ohne dass gesundes Umgebungsgewebe zerstört wird, was bei einer konventionellen Kryoablation oder Bestrahlung vorkommen kann.

"Bildgebungsverfahren zeigen uns nicht das gesamte Ausmaß der Krankheit -- sie kommen nicht einmal in die Nähe davon. Daher haben wir zur Mapping-Biopsie gewechselt", erklärte Dr. Onik.

Quelle: Univadis