Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Therapiearten – Hyperthermie

Udo schrieb am 5.3.2001:
Ich bin zwar kein Prostatakrebs, allerdings Anghöriger eines Betroffenen. Meine Frage ist, ob irgendwer mir etwas genaueres über den Sinn oder Unsinn von "Hyperthermie" sagen kann. Ist das bei fortgeschrittenem Prostatakarzinom, also inklusive Knochenmetastasen, überhaupt sinnvoll? Gibt es da zuverlässige Statistiken über Erfolgsquoten, oder ist das Ganze einfach nur Humbug? Und wer bezahlt das?
Wil antwortete am 5.3.2001:
Hyperthermie allein ist keine Therapie. Es macht eventuell eine andere Therapie wirkungsvoller. Bei Metastasen wird z. B. eine leichte Chemotherapie gemacht, während der ganze Körper erwärmt wird. Da Tumore eine schlechte Blutdurchströmung haben, werden sie wärmer als das gesunde Gewebe. Ich kannte einen Patienten (USA), der bei St. Georg (Germany) dreimal diese Therapie bekam. Er war im allerletzten PK-Stadium. Die Therapie hat sein Leben um zwei Jahre verlängert, und dies mit guter Qualität. Statistiken? Nein. Nur interne Statistiken.
Uwe antwortete am 6.3.2001:
von einigen Rand-Urologen wird die Hyperthermie immer noch als einzige Methode durchgeführt, obwohl es keinerlei klinischen Beweis für die Wirkung gibt. In der letzten Zeit hat man festgestellt, dass Hyperthermie die Wirkungstiefe bei Bestrahlung und bei Chemo-Therapien vergrößert, allerdings auch ohne klinischen Beweis. Finger weg davon!

Franzy schrieb am 28.8.2003:
ich habe gestern in der Nacht in irgendeiner Nachrichtensendung einen Beitrag über neue Behandlungsmöglichkeiten bei Gehirntumoren gesehen. Wenn ich es richtig verstanden habe, werden Nanopartikel (eisenhaltig) in den Tumor gespritzt. Diese können dann direkt erwärmt werden (Hyperthermie) und sollen dann die Tumorzellen abtöten. Es gibt wohl erste positive Ergebnisse bei Hirntumoren, und man beginnt nun auch in Studien andere Krebsarten damit zu behandeln. Ich nehme an, solide Tumore wie eben auch PK müssten eigentlich damit behandelt werden können.
Weiß irgendjemand Näheres / mehr dazu?
Es geht nicht um herkömmliche Hyperthermie, die wird z. T. ja heute schon eingesetzt, sondern um die Verbindung mit Nanotechnologie.
[Franzys Frage blieb unbeantwortet. - Ed]

Georg 1 schrieb am 5.10.2003 auf eine negative Meinungsäußerung von Uwe zu der von Dr. Douwes angebotenen Hyperthermie:
Lieber Uwe, beraubst Du Dich mit der Abneigung gegen die Hyperthermie nicht einer Chance?
Immerhin wurde die Hyperthermie in den USA von der Bundesgesundheitsbehörde (FDA) als effektive Behandlungsmethode genehmigt.
Neben der lokalen oder transurethralen (bei Prostataleiden) gibt es auch die Systemische Ganzkörperhyperthermie (SGHT). Sie ist geeignet für Patienten mit einem fortgeschrittenen bzw. metastasierenden Tumorleiden und kann mit anderen Therapien wirkungsvoll kombiniert werden.
Wil schrieb am selben Tag:
Bei Ganzkörper-Hypertherapie wird die Temperatur (mit größter Vorsicht) auf Hochfiebertemperatur gebracht, also nicht mehr als etwa 41° C. Dieses ist an sich keine Antikrebstherapie, hilft jedoch die Krebszellen viel empfindlicher für eine (leichte) Chemobehandlung zu machen.
Dr. Douwes hat da wohl die meiste Erfahrung. Ich möchte mal seine Meinung wissen über eine Kombination von dem Protokoll nach Dr. Tomasz Beer (Taxotere und Calcitriol) und seine Ganzkörpertherapie.
Dazu Georg 1:
so ähnlich ist es. Darüber hinaus bleibt der Kopf bei der Ganzkörperhyperthermie wohl "draußen" und wird zusätzlich gekühlt.

GeorgS schrieb am 21.2.2005:
als Monotherapie wird die lokale Hyperthermie meines Wissens nur bei BPH (gutartiger Prostatavergrößerung) angewendet. Auch die Klinik St. Georg, die über langjährige Erfahrung mit der Hyperthermie verfügt, wendet sie im Verbund mit anderen Therapien an und der Behandelte weiß nicht, was letztlich hilfreich war.
Auf der Homepage www.klinik-st-georg.de findet man diese Begründung:
"Durch die thermische Schädigung übersäuert das Tumorgewebe und wichtige Funktionssysteme fallen aus. Dadurch wird die Tumorzelle empfindlicher, weshalb die Dosen einer Strahlen- oder Chemotherapie vielfach reduziert werden können. In Verbindung mit der Hyperthermie potenzieren einige Chemotherapeutika ihre Anitkrebswirkung, ohne dass sich gleichzeitig die Nebenwirkungen verschlimmern."
In Deutschland ist die Hyperthermie umstritten, und die KV bezahlen sie nicht (ca. 1800 Euro).
In den USA wurde die Hyperthermie von der Bundesgesundheitsbehörde (FDA) als effektive Behandlungsmethode genehmigt. Müsste es dann nicht in Amerika wissenschaftliche Studien bzw. Erfahrungsberichte zu dieser Therapie geben? Vielleicht werden unsere Google-Asse fündig.

Erich fragte am 1.9.2005:
wer von Euch hat persönliche Erfahrungen mit Prof. Dr. med. Klaus Maar gemacht? Siehe dazu auch: http://www.krebs-nein-danke.de/.
Rudolf antwortete ihm am selben Tag:
wir hatten in unserer Selbsthilfegruppe einen Kollegen, der inzwischen am PK verstorben ist, der sich auch bei Dr. Maar Rat geholt hat in seiner verzweifelten Situation. Er hat sich dort nicht behandeln lassen mit Hinweis auf die hohen Kosten.
Das Konzept selbst, ein Mischung aus Hyperthermie und Misteltherapie zur Stimulierung des Immunsystems, ist für Männer, die Geld haben, als ergänzende Maßnahmen vielleicht nicht verkehrt, müsste sich aber in die Diskussion, wie überhaupt Immunsystem und Prostatakrebs miteinander zusammenhängen, einordnen lassen.
Mittlerweile gibt es in Sachen Immunstimulanz den Einsatz von Leukinen gegen den PK, aus den USA kommend und dort auch von den Kassen bezahlt, hier leider nicht und deshalb, weil auch teuer, wieder nur für betuchte PK-Kollegen [für Neugierige: Die Wochenration Leukine (Sargramustim®) kostet 960,- € – Ed].
Dr. Maar schreibt auf seiner Homepage:
"Dieses Konzept kann sowohl zu Beginn einer Erkrankung als auch im manifesten Stadium in Ergänzung zu schulmedizinischen Maßnahmen oder nach Therapieversagen eingesetzt werden. Auch bei einem lediglich vermuteten Beginn (z. B. PSA im Grenzbereich) erscheint der Einsatz sinnvoll. .... Bislang wurden mit diesem Verfahren bei 50 Patienten sehr gute Erfahrungen gemacht; die Ergebnisse sollen demnächst detailliert veröffentlicht werden. Die positiven Effekte reichen von einer anhaltenden Senkung des PSA-Wertes (ohne zusätzliche Hormonblockade) bis hin zu in CT oder Kernspin messbaren Rückgängen von Metastasen. Bei drei Patienten konnte das Fortschreiten der Erkrankung allerdings nicht verhindert werden. Das Verfahren wird weiterentwickelt und lässt auf noch positivere Ergebnisse hoffen."
Also warten wir mal auf seine Veröffentlichung.