Der Extrakt aus dem
Prostatakrebs-Forum von KISP
und BPS
Therapiearten
– Hormontherapien allgemein
- Udo
(E) schrieb am 19.8.2004:
-
erstmals
ist in einer randomisierten 5-Jahres-Studie nachgewiesen worden,
dass eine Hormonblockade von unter zwei Jahren (als neoadjuvante
Begleitbehandlung zur Strahlentherapie) das Leben verlängert
und gleichzeitig die dauerhaften Nebenwirkungen des Hormonentzugs
vermeidet.
-
So
stieg die 5-Jahres-Gesamtüberlebensrate der Hochrisikopatienten
(bPSA > 10, GS > 7, >T2) um 10 %, das tumorfreie
Überleben um 25 %, und kein einziger verstarb am Tumor.
-
Dagegen
gab es bei Strahlentherapie allein (70 y 3D-CRT, zwei Monate)
ca. 6 % karzinombedingte Sterbefälle und ca. 6 % mehr
andere Todesursachen, also insgesamt mindestens 12 % mehr Tote
bereits nach fünf Jahren.
-
D. h.
bereits eine 6-monatige Androgen Suppressions Therapie/AST halbiert
das Todesrisiko. Damit werden wohl auch die intermittierende
Hormonblockade wie z. B. ADT3 bzw. DHB bestätigt.
-
Postatakarzinom:
Hormontherapie verbessert Überleben nach Strahlentherapie
-
BOSTON.
Bereits eine sechsmonatige hormonelle Androgenblockade verbessert
bei Patienten mit lokalisiertem Hochrisiko-Prostata-Karzinom die
Überlebenschancen. Dies konnte jetzt erstmals in einer
randomisierten klinischen Studie gezeigt werden, die im
Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2004; 292: 821-827) publiziert
wurde.
-
Ein
hoher PSA-Wert (über 10 ng/ml), eine ungünstige
Histologie (Gleason-Score 7 oder höher) oder der radiologische
Nachweis, dass der Tumor die Organgrenze überschritten hat,
zeigt bei einem lokalisierten Prostatakarzinom eine ungünstige
Prognose an.
-
Viele
Patienten werden langfristig trotz Operation oder Radiotherapie an
ihrem Tumor sterben.
-
Die
beste Therapie ist unklar.
-
Zur
Auswahl stehen eine radikale Prostatektomie oder eine Radiotherapie.
-
Die
Radiotherapie wurde in den letzten Jahren deutlich verbessert. Ein
modernes Verfahren ist die dreidimensional geplante und konformal
durchgeführte Radiotherapie (3D-CRT), bei der eine hohe
Strahlendosis (70 Gray) gezielt auf die Prostata abgegeben und das
umgebende Gewebe geschont wird. Bei Hoch-Risiko-Patienten führt
die 3D-CRT zu 5-Jahresüberlebensraten von etwa 80 Prozent.
-
Seit
einigen Jahren wird versucht, die Ergebnisse durch eine
anschließende Hormonbehandlung weiter zu verbessern. Das
Prinzip dieser “andauernden medikamentösen
Androgenblockade” (AST) besteht darin, die männlichen
Geschlechtshormone auszuschalten, welche das Wachstum von
Tumorzellen stimulieren, die der Strahlentherapie standgehalten
haben könnten. Bisher wurde hier eine recht belastende
dreijährige Behandlung angestrebt. Sie konnte in früheren
Studien auch die Überlebenszeiten verlängern. Es kam
jedoch zu einer Reihe von schweren Nebenwirkungen wie Osteoporose,
Gedächtnisstörungen, Anämie, Gynäkomastie,
Hitzewallungen und Impotenz, die ein hoher Preis für eine
vielleicht nur kurzfristige Lebensverlängerung sind.
-
Deshalb
wurde in einer Studie der Harvard-Universität in Boston
untersucht, ob eine Verkürzung der Hormonbehandlung möglich
ist. An der Studie nahmen 206 Patienten teil, von denen die Hälfte
neben der 3D-CRT eine sechsmonatige AST erhielt, die anderen wurden
nur bestrahlt.
-
Nach
einer Beobachtungszeit von median 4,5 Jahren zeichnet sich eine
Überlegenheit der Hormonbehandlung ab. Die errechnete
5-Jahres-Überlebensrate stieg von 78 Prozent auf 88 Prozent und
das tumorfreie Überleben (keine Notwendigkeit für eine
Salvage-Hormonbehandlung) nach 5 Jahren stieg von 57 Prozent auf 82
Prozent. Bislang ist kein Patient nach der Kombinations-Therapie an
einem Prostatakarzinom gestorben. Zwölf Patienten starben
aufgrund anderer Ursachen.
-
Nach
einer alleinigen Radiotherapie erlagen 6 Patienten ihrem
Prostatakarzinom plus 17 Todesfälle aus anderer Ursache.
-
Der
größere Unterschied im tumorfreien Überleben deutet
an, dass eine Nachbeobachtungszeit von fünf Jahren beim
lokalisierten Hoch-Risiko-Prostatakarzinom noch nicht ausreicht, um
den Wert einer Therapie endgültig beurteilen zu können.
Außerdem ging das Design der Studie am eigentlichen Ziel
vorbei. Es müsste untersucht werden, ob die sechsmonatige
“Kurz”-Therapie der längeren dreijährigen
Therapie gleichwertig ist.
-
Genau
dies ist nach Angaben der Autoren Gegenstand einer größeren
europäischen Studie, die demnächst publiziert werden soll.
Erst dann wird man, auch nach Ansicht von Theodore DeWeese von der
Johns Hopkins Universität in Baltimore (JAMA 2004; 292:
864-866), beurteilen können, ob die Kurztherapie der neue
Behandlungsstandard nach Radiotherapie sein wird./rme 18. August
2004
-
http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=17251
-
Abstract:
http://jama.ama-assn.org/cgi/content/short/292/7/821 -
Press:
www.dfci.harvard.edu/abo/news/press/081704b.asp -
Leitlinie:
Radiotherapie des Prostatakarzinoms (Stand:
1998):
www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/rado-r14.htm -
Udo
(E) ergänzte am selben Tag:
-
warum
wurde die experimentelle intermittierende Hormonblockade bisher
trotz erkennbarer Erfolge bisher noch nicht allgemein empfohlen?
-
Ein
interessanter Übersichts-Artikel von Dr. Walter Albrecht im
Journal für Urologie weist u. a auf das Problem fehlender
Phase-III–Studien hin.
-
Journal
für Urologie und Urogynäkologie 2004; 11(Sonderheft
2)(Ausgabe für Österreich), 5-7
-
Dr.
Walter Albrecht, Wien
-
AKTUELLE
ASPEKTE DER HORMONTHERAPIE DES PROSTATAKARZINOMS
-
Kontinuierliche
Testosteron-Ablation über längere Zeit führt
einerseits zur Entwicklung hormonunabhängiger
Prostatakarzinom-Zellen, andererseits zu einer Beeinträchtigung
der Lebensqualität durch Hitzewallungen, Libido- und
Potenzverlust, sowie zu den Langzeitfolgen Osteoporose,
Muskelschwund, Antriebslosigkeit und Depression.
-
Diese
Tatsache hat neben Überlegungen zur idealen Patienten-Selektion
und dem optimalen Zeitpunkt des Therapiebeginns einer
Hormonmanipulation auch zur Entwicklung von Therapieformen geführt,
welche die Rückbildung der unterdrückten
Testosteron-Produktion zulassen sollen, wie die intermittierende
Androgenblockade.
-
Der
Wunsch, die Entstehung des Prostatakarzinoms durch geeignete
Lebensführung, Ernährung, Einnahme von
Nahrungsergänzungsstoffen oder Medikamenten zu verhindern,
steht im Blickpunkt der Öffentlichkeit.
-
Deshalb
beschäftigt sich der zweite Teil dieser Übersicht mit den
kürzlich publizierten Ergebnissen der Prostate Cancer
Prevention Study.
-
INTERMITTIERENDE
ANDROGENBLOCKADE
-
Die
Idee der intermittierenden Androgenblockade(IAS) ist nicht neu.
-
Noble
hat schon im Jahr 1977, basierend auf der Erkenntnis, dass der
Verlust der Androgenabhängigkeit zu einer Verschlechterung der
Prognose führt, die Frage gestellt, ob es nicht möglich
wäre, das Ansprechen auf Androgene zu verlängern [1].
-
Experimente
an Ratten mit dem Dunning- R3327H-Tumor im Jahr 1987 ergaben keinen
Vorteil für die intermittierende Anwendung: Sowohl Trachtenberg
als auch Russo zeigten, daß die intermittierende
Androgenblockade entweder eine signifikant schlechtere Prognose als
die Kastration aufwies [2], oder dass das Überleben unter
intermittierender Therapie dem einer unbehandelten Kontrollgruppe
gleichkommt[3].
-
Beim
Shionogi-Maus-Tumor, einem hormonabhängigen Mammakarzinom,
beobachtete Bruchovsky eine Verdreifachung der Zeit, bis der Tumor
hormonrefraktär wurde (150 vs. 50 Tage) [4].
-
Buhler
zeigte in seinen Experimenten mit dem LuCaP-Tumor, der auch PSA
produziert, einen vergleichbaren Effekt von IAS und maximaler
Androgenblockade [5].
-
Die
Androgenabhängigkeit dieser experimentellen Tumormodelle ist
allerdings nicht vollends mit der eines menschlichen
Prostatakarzinoms zu vergleichen.
-
Es
folgten zahlreiche Phase II-Studien mit unterschiedlichen
Substanzen:
-
Das
Therapieschema bestand zunächst aus einer sechs- bis
achtmonatigen kontinuierlichen Androgenblockade. Bei Patienten, bei
denen das PSA unter 4 ng/ml sank, wurde die Hormontherapie
ausgesetzt und erst bei einem Wiederanstieg des PSA-Wertes auf 10
bis 20 ng/ml erneut gegeben.
-
Die
Tabelle 1 gibt einen Überblick über einige
Phase-II-Studien mit kombinierter Androgenblokkade aus den Jahren
2000 bis 2003. Die durchschnittliche Dauer des therapiefreien
Intervalls beträgt um die 50 %, wird aber von Zyklus zu
Zyklus kürzer, bis das PSA nicht mehr fällt und der
Patient als „hormonunabhängig“ gilt und die Studie
verlässt.
-
Ein
wichtiges Argument für die intermittierende Androgenblockade
ist die Verbesserung der Lebensqualität und die Wiedererlangung
der Potenz. Ein entscheidender Faktor ist daher die Zeit bis zur
Normalisierung des Testosteronwertes. Nejat [15] hat sich mit dieser
Frage beschäftigt:
-
Etwa
3 Monate nach Absetzen eines LHRH-Analogons wiesen nur 28 % der
Patienten Testosteronspiegel im Normalbereich auf, nach einem halben
Jahr 48 %, nach einem Jahr 74 % und nach 2 Jahren 85 %.
-
Auch
die Therapiedauer ist von Bedeutung: Nach einer bis zu 4-monatigen
Therapiedauer konnten nach weiteren 4 Monaten wieder normale
Testosteronspiegel erhoben werden, hingegen lag nach einer mehr als
4-monatigen Therapiedauer der Testosteronspiegel erst 9 Monate nach
Absetzen der Therapie im Normalbereich. Nach einer 2 Jahre dauernden
LHRH-Therapie war eine Normalisierung des Testosteronspiegels nicht
mehr zu beobachten.
-
Zusätzlich
spielt in diesem Zusammenhang auch das Alter eine Rolle: Je jünger
der Patient, desto höher die Wahrscheinlichkeit, einen normalen
Testosteronspiegel wiederzuerlangen. Diese Daten [15], wenngleich an
einer kleinen Patientengruppe erhoben,lassen die Spekulation zu,
dass der
Effekt der IAS zu einem Teil auf langanhaltender
Androgen-Deprivation beruht. Daher ist die regelmäßige
Bestimmung des Serum-Testosterons wichtig, die in fast allen
publizierten Studien fehlt.
-
Bei
der Beurteilung der Überlebenszeit in einzelnen Studien muss
auch beachtet werden, wie viele Patienten im Verlauf als
„hormonunabhängig“ ausgeschlossen wurden und ob
diese Patienten in die Ergebnisse mit eingeschlossen sind.
Naturgemäß fallen jene Patienten, die schlecht oder nicht
auf eine IAS ansprechen, früher aus einer Studie, so daß
es zu einer positiven Selektion kommt. Um einen objektiven Vergleich
mit kontinuierlicher Androgenblockade zu ermöglichen, müssen
jeweils alle für die jeweilige Therapieform ausgewählten
Patienten analysiert werden (Intention to treat-Methode).
-
Nur
eine Phase-III-Studie kann den Stellenwert der intermittierenden
Androgenblockade demonstrieren, wie die interkontinentale Studie der
EORTC/ECOG/CALBG/NCIC, in die bis jetzt etwa 900 Patienten
eingeschlossen sind.
-
1500
Patienten mit Metastasen sollen rekrutiert werden, Ergebnisse sind
allerdings nicht vor dem Jahr 2010 zu erwarten. Lediglich ein
Kongreßbericht einer Phase-III-Studie von Calais an 626
Patienten mit lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Karzinomen
zeigt einen Vorteil der IAS in Hinblick auf die sexuelle Aktivität
(40 % gegen 25 %). Allerdings wurde ein Trend zu gehäuftem
Auftreten einer subjektiven oder objektiven Progression bei den
IAS-Patienten (41,1 % vs 28,5 %)bei gleichem Überleben
(22,9 % vs 22,1 %) beobachtet [16]. Auch diese Studie ist
noch nicht abgeschlossen.
-
Aufgrund
der Heterogenität der Studienprotokolle und dem Fehlen von
abgeschlossenen Phase-III-Studien ist es zum jetzigen Zeitpunkt
nicht möglich, eine verbindliche Beurteilung zu geben. Die
intermittierende Therapie ist daher noch immer als experimentell zu
werten und ihre Anwendung kann nicht generell empfohlen werden.
-
PRÄVENTION
DES PROSTATAKARZINOMS DURCH 5α-REDUKTASE-HEMMER?
-
Das
Anwendungsgebiet dieser Substanzen liegt derzeit in der Therapie der
benignen Prostatahyperplasie. Finasterid reduziert das
Dehydro-Aldosteron, das wirksamste Androgen, um 90 %, was zu
einer Reduktion des Prostatavolumens um etwa 30 % führt.
Gegen histologisch verifizierte PIN und Karzinome ist es
wahrscheinlich wirkungslos [17].
-
Der
PSA-Wert sinkt bei der Prostatahyperplasie unter der Therapie mit
Finasterid um mindestens 50 %, bei vorhandenem Karzinom um etwa
25 % [18].
-
An
3040 Patienten mit Prostatahyperplasie wurde der Einfluss von
Finasterid oder Placebo auf die Sexualfunktion untersucht: Bei den
im Mittel 64 Jahre alten Patienten bestanden bereits vor
Therapiebeginn in 46 % Sexualstörungen (Libido-,
Erektions-, Ejakulationsstörungen). Im ersten Jahr traten in
der Finasterid-Gruppe weitere 15 %, hingegen in der
Placebo-Gruppe nur 7 % Sexualstörungen auf. In der
weiteren Nachbeobachtung bis zum vierten Jahr war die Zunahme der
Störungen in beiden Gruppen vergleichbar.
-
Insgesamt
wurden 29,5 % bzw. 16,7 % Sexualstörungen beobachtet,
der Unterschied war in allen Parametern signifikant zum Nachteil von
Finasterid.
-
Nach
Absetzen der Therapie bildeten sich 12 % der
Finasterid-bedingten Störungen zurück, in der
Placebo-Gruppe verbesserten sich 19 % [19].
-
Das
Ziel der Gruppe um Thompson war es, herauszufinden, ob die
Möglichkeit einer medikamentösen Prophylaxe mit dem
5α-Reduktasehemmer Finasterid besteht.
-
In
der Prostate Cancer Prevention Study [20] an 18.882 Patienten
erhielt eine Hälfte der Patienten Finasterid 5 mg und die
andere ein Placebo. Eingeschlossen wurden über 55jährige
Männer mit einem PSA unter 3 ng/ml. Am Ende der Therapie
oder bei Auftreten eines pathologischen Rektalbefundes war eine
Prostata-Biopsie vorgesehen, nicht aber vor dem Einschluss in die
Studie. Von Autopsie-Studien weiß man, daß die Prävalenz
des Prostatakarzinoms bei über 50jährigen 30–40 %
beträgt.Im Rahmen von Screeningprogrammen werden allerdings nur
3–8 % Karzinome gefunden. Das Lifetime-Risiko für
eine klinisch fassbare Erkrankung beträgt etwa 17 %.
-
Die
Methodik und die Ergebnisse der Prostate Cancer Prevention Study
sollten im Detail kritisch betrachtet werden, was allerdings den
Rahmen dieses Überblicks sprengen würde. Zwei Aspekte
verdienen eine nähere Betrachtung:
-
Erstens
wurden interessanterweise weit mehr Karzinome als bei
Screeningmaßnahmen entdeckt, nämlich 18 % in der
Finasterid-Gruppe und 24 % in der Placebo-Gruppe. Das Risiko, an
einem Prostatakarzinom zu erkranken, wurde somit in dieser Studie
durch Finasterid signifikant gesenkt. Warum insgesamt mehr
Karzinomfälle entdeckt wurden, bleibt offen. Es kann aber
angenommen werden, dass überproportional viele Karzinome
entdeckt wurden, deren Therapie nie notwendig gewesen wäre.
-
Zweitens
zeigt die Histologie der entdeckten Karzinome ein weiteres
bemerkenswertes, wenngleich auch verwirrendes Ergebnis. In der
Finasterid-Gruppe gab es eine statistisch signifikant höhere
Anzahl an Karzinomen mit Gleason-Score 7–10 (ungefähr
gleich WHO-Grad 3) als in der Placebo-Gruppe (6,4 % vs. 5,1 %;
RR: 1,27). Es fanden sich also in der Finasterid-Gruppe um 27 %
mehr undifferenzierte Karzinome, die bekanntermaßen eine
deutlich schlechtere Prognose haben als Tumoren mit Gleason-Score
2–6. Möglicherweise wurden durch die Senkung des
Testosterons androgeninsensible Zellen bevorzugt, wodurch es zur
Erhöhung undifferenzierter Stadien kam. Es könnte aber
auch sein, dass die Karzinom-Zellen durch die Therapie so stark
verändert wurden, dass die histologische Beurteilung
beeinträchtigt war.
-
Die
Qualitätskontrolle der Histologie war nicht kontinuierlich, da
der Referenz-Pathologe während der Studie verstorben ist.
-
Weitere
Untersuchungen werden benötigt, um diese Ergebnisse beurteilen
zu können. Letztendlich wird der klinische Verlauf der
betroffenen Patienten, im besonderen deren Überlebenszeit,
abzuwarten sein, um beurteilen zu können, ob
5α-Reduktase-Hemmer geeignete Substanzen für die
Prävention des Prostatakarzinoms sind. Eine generelle Anwendung
von Finasterid in dieser Indikation ist somit derzeit nicht
gerechtfertigt.
-
Die
Ergebnisse der Prostate Cancer Prevention Study rechtfertigen auch
keinen Abbruch der Finasterid-Therapie bei Patienten, die wegen
Prostatahypertrophie behandelt werden, sie sollten aber über
das beobachtete Phänomen informiert werden.
-
-

-
Literatur:
-
1.
Noble RL. Hormonal control of growth and progression in tumors of Nb
rats and a theory of action. Cancer Res 1977; 37: 82–94.
-
2.
Trachtenberg J. Experimental treatment of prostatic cancer by
intermittent hormonal therapy. J Urol 1987; 137: 785–8.
-
3.
Russo P, Liguori G, Heston WD, Huryk R, Yang CR, Fair WR, Whitmore
WF, Herr HW. Effects of intermittent diethylstilbestrol diphosphate
administration on the R3327 rat prostatic carcinoma. Cancer Res
1987; 47: 5967–70.
-
4.
Bruchovsky N, Rennie PS, Coldman AJ, Goldenberg SL, To M, Lawson D.
Effects of androgen withdrawal on the stem cell composition of the
Shionogi carcinoma. Cancer Res 1990; 50: 2275–82.
-
5.
Buhler KR, Santucci RA, Royai RA, Whitney SC, Vassella RL, Lange PH,
Ellis WJ. Intermittent androgen suppression in the LuCaP 23.12
prostate cancer xenograph model. Prostate 2000; 43: 63–70.
-
6.
Bouchot O, Lenormand L, Karam G, Prunet D, Gaschignard N, Malinovsky
JM, Buzelin JM. Intermittent androgen suppression in the treatment
of metastatic prostate cancer. Eur Urol 2000; 38: 543–9.
-
7.
Egawa S, Takashima R, Matsumoto K, Mizoguchi H, Kuwao S, Baba S. A
pilot study of intermittent androgen ablation in advanced prostate
cancer in Japanese men. Jpn J Clin Oncol 2000; 30: 21–6.
-
8.
Strum SB, Scholz MC, McDermed JE. Intermittent androgen deprivation
in prostate cancer patients: factors predictive of prolonged time
off therapy. Oncologist 2000; 5: 45–52.
-
9.
Grossfeld GD, Chaudhary UB, Reese DM, Carroll PR, Small EJ.
Intermittent androgen deprivation: update of cycling characteristics
in patients without clinically apparent metastatic prostate cancer.
Urology 2001; 58: 240–5.
-
10.
Leibowitz RL, Tucker SJ. Treatment of localized prostate cancer with
intermittent triple androgen blockade: preliminary results in 110
consecutive patients. Oncologist 2001; 6: 177–82.
-
11.
Pether M, Goldenberg SL, Bhagirath K, Gleave M. Intermittent
androgen suppression in prostate cancer: an update of the Vancouver
experience. Can J Urol 2003; 10: 1809–14.
-
12.
De La Taille A, Zerbib M, Conquy S, Amsellem-Ouazana D, Thiounn N,
Flam TA, Debre B. Intermittent androgen suppression in patients with
prostate cancer. BJU Int 2003; 91: 18–22.
-
13.
Prapotnich D, Fizazi K, Escudier B, Mombet A, Cathala N, Vallancien
G. A 10-year clinical experience with intermittent hormonal therapy
for prostate cancer. Eur Urol 2003; 43: 233–9.
-
14.
Albrecht W, Collette L, Fava C, Kariakine OB, Whelan P, Studer UE,
De Reijke TM, Kil PJ, Rea LA. Intermittent Maximal Androgen Blockade
in Patients with Metastatic Prostate Cancer – An EORTC
Feasibility Study. Eur Urol 2003; 44: 505–11.
-
15.
Nejat RJ, Rashid HH, Bagiella E, Katz AE, Benson MC. A prospective
analysis of time to normalization of serum testosterone after
withdrawal of androgen deprivation therapy. J Urol 2000; 164:
1891–4.
-
16.
Calais F, Bono A, Whelan P, Queimadelos M, Portillo J, Kirkali Z,
Robertson C. Phase III study of intermittent MAB versus continous
MAB international cooperative study. Eur Urol 2002; (suppl 1): A531.
-
17.
Cote RJ, Skinner EC, Salem CE, Mertes SJ, Stanczyk FZ, Henderson BE,
Pike MC, Ross RK. The effect of finasteride on the prostate gland in
men with elevated serum prostatespecific antigen levels. Br J Cancer
1998; 78: 413–8.
-
18.
Tarle M, Kraus O, Trnski D, Reljic A, Ruzic B, Katusic J, Spajic B,
Kusic Z. Early diagnosis of prostate cancer in finasteride treated
BPH patients. Anticancer Res 2003; 23: 693–6.
-
19.
Wessells H, Roy J, Bannow J, Grayhack J, Matsumoto AM, Tenover L,
Herlihy R, Fitch W, Labasky R, Auerbach S, Parra R, Rajfer J,
Culbertson J, Lee M, Bach MA, Waldstreicher J; LESS Study Group.
Incidence and severity of sexual adverse experiences in finasteride
and placebo-treated men with benign prostatic hyperplasia. Urology
2003; 61: 579–84.
-
20.
Thompson IM, Goodman PJ, Tangen CM, Lucia MS, Miller GJ, Ford LG,
Lieber MM, Cespedes RD, Atkins JN, Lippman SM, Carlin SM, Ryan A,
Szczepanek CM, Crowley JJ, Coltman CA Jr. The influence of
finasteride on the development of prostate cancer. N Engl J Med
2003; 349: 215–24.
-
Dr.
Walter Albrecht
Urologische Abteilung, Rudolfstiftung
A-1030
Wien, Juchgasse 25
E-mail:
support@wienkavat
http://www.kup.at/kup/pdf/4216.pdf -
Am 23.8.2004
äußerte sich Reinardo noch einmal ausführlich zu
beiden Studien:
-
Die von Udo und
zunächst auch von mir vermutete Empfehlung der
intermittierenden Hormonblockade in den von Udo am 19.8.
eingestellten Beiträgen hat sich nach näherer Durchsicht
leider nicht bestätigt.
-
Zunächst ein
Kommentar zur Harvard-Studie von D'AMICO.
-
Die Studie bestätigt
zunächst die These, dass eine Hormontherapie zusätzlich
zur Strahlentherapie die Überlebenschancen signifikant
verbessert. Es ist in der Zeit der Nachbeobachtung kein Patient
verstorben, wohingegen von den Patienten, die nur Strahlentherapie
erhielten, sechs an ihrem Krebs gestorben sind.
-
Man muss bei dieser
Studie aber sehen, dass die Grenzen sehr eng gezogen sind und die
Aussage deshalb dürftig ist. Einbezogen wurden nur sog.
Hochrisiko-Patienten (PSA >10, Gleason ab 7, T2+), also kein
Anfangskrebs und auch keine Patienten mit Metastasen. Bemerkenswert
auch eine Hormonblockade von nur sechs Monaten, eine Nachbeobachtung
von nur 4,5 Jahren und keine Angaben, ob und warum wieviele
Patienten außer Todesfall die Studie verlassen haben.
-
Was die Studie
aussagt, haben wir eigentlich schon gewusst: dass eine (jede!)
adjuvante Hormonbehandlung die Ergebnisse der Bestrahlungstherapie
signifikant verbessert und dass eine 'Kurztherapie' von 6 Monaten
dies schon bewirkt.
-
Wesentliche Fragen
bleiben unbeantwortet: die optimale Dauer der Hormonbehandlung,
Vergleich zur kontinuierlichen Hormonblockade, Behandlungsergebnisse
bei Anfangskrebs, schließlich die Frage, ob nicht auch die
gleichen Ergebnisse hätten erzielt werden können, wenn man
die Patienten gar nicht bestrahlt, sondern nur mit Hormonblockade
behandelt hätte.
-
Nun zum Artikel von
Dr.Walter Albrecht, Wien.
-
Dr. Albrecht gibt
zunächst einen guten Überblick über die historische
Entwicklung und die Intentionen zur intermittierenden Hormonblockade
und beschreibt in den Phase-II-Studien, wie man mit
intermittierenden Kurztherapien die Patienten so lange behandelt,
bis ihr Krebs hormonresistent ist und sie 'die Studie verlassen'.
Informativ auch seine Darstellung, wie lange es dauert, bis der
normale Testosteronspiegel wieder erreicht ist und dass dies
abhängig ist vom Alter und von der Dauer der Therapie.
-
Auch seine Hinweise
bzgl. der Einnahme von Proscar sind beachtlich und sollten gesondert
diskutiert werden.
-
Zur intermittierende
Hormonblockade kommt er aber letztendlich zu dem Schluss, dass
'aufgrund der Heterogenität der Studienprotokolle und dem
Fehlen von abgeschlossenen Phase-III-Studien es zum jetzigen
Zeitpunkt nicht möglich ist, eine verbindliche Beurteilung zu
geben'. Die intermittierende Therapie müsse daher noch immer
als experimentell zu werten sein und ihre Anwendung könne nicht
generell empfohlen werden.
-
Nachdem Dr. Albrecht
die Vorteile der intermittierenden Hormonblockade klar erkennt,
finde ich es ärmlich und auch feige, mit solchen Stellungnamen
vor die Öffentlichkeit zu treten. Wer denn sonst wenn nicht
Leute seines Standes sollten sich Gedanken über neue
Therapieansätze machen und konkret umsetzbare Vorschläge
machen, von denen die in der Jetztzeit Neubetroffenen noch etwas
haben. Phase-III-Langzeitstudien, die erst in zehn Jahren Ergebnisse
bringen und dann auch noch eine lange, lange Zeit brauchen, bis sie
ihren Weg in die urologischen Praxen finden, sind für uns doch
wertlos. Auf lange Sicht sind wir alle tot.
-
Selbst ein so
erzkonservativer Urologe wie Dr.Catalona empfiehlt in seiner Quest
For Answers Website die intermittierende Hormonblockade.
-
Da liegen doch Welten
zwischen Dr. Walter Albrecht und Kollegen, die sich hinter fehlenden
Phase-III-Studien verschanzen und nichts tun und anderen
Urologen/Onkologen, die das Zellverhalten studieren, Fragen stellen,
Thesen aufstellen, Therapieergebnisse beobachten, dazulernen, auch
mal experimentieren, ihre Ergebnisse publizieren. Dazu braucht es
keiner kostspieligen Langzeitstudien. Das kann schon in einer
urologischen Stadtpraxis vonstatten gehen.
- Günter
schrieb am 21.9.2006:
-
dieser Bericht von der
Oregon Health & Science University ist mir heute im Internet
begegnet, und ich habe ihn übersetzt zur Information für
Männer mit lokalem PCa und Interesse an der Hormonblockade:
-
Wissenschaftler der
Oregon Health & Science University wollten feststellen, ob das
Vorenthalten von Testosteron, Männern mit lokalem PCa die
Ausbreitung des Krebses tatsächlich erspart. Sie fanden heraus,
daß Männer mit lokalem PCa und bestimmten
Hochrisikomerkmalen trotz einer Hormonblockade an diesem Krebs
versterben können.
-
"Die
Feststellung, dass die Hormonblockade den Krebs in der Kapsel halten
könne, erwies sich als nicht durchgängig korrekt",
sagte Dr. Tomasz Beer, Direktor des Prostatakrebs
Forschungsprogrammes des Krebszentrums der Oregon Health &
Science University.
-
Diese Aussage wird
besonders wichtig vor dem Hintergrund der Tatsache, dass zunehmend
mehr Ärzte die Hormonblockade anwenden für solche Männer,
deren Krebs sich noch nicht über die Kapsel der Prostata hinaus
ausgebreitet hat.
-
Die Hormonblockade ist
der "Goldstandard" für Männer deren
Prostatakrebs im fortgeschrittenen Stadium ist und andere
Körperareale befallen hat. Diese Therapie unterdrückt
männliche Hormone, vor allem Testosteron, welches den
Prostatakrebs fördern kann und diese Nebenwirkungen haben kann
- erektile Dysfunktion, Hitzewallungen, Osteoporose, hohe
Cholesterinwerte, Blutarmut, Vergesslichkeit und Schlaflosigkeit.
-
Da nur wenig ist
bekannt über den Effekt der Hormonblockade bei Männern
deren Prostatakrebs sich nicht über die Prostata ausbreitet,
beschlossen Dr. Beer und Kollegen, Daten von der Prostate Cancer
Outcome Study (PCOS) zu überprüfen.
-
In dieser
retrospektiven Studie prüften sie Daten hinsichtlich
demographischer, sozio-ökonomischer Faktoren und der Tumor
Biologie im Verhältnis zum Gesamtüberleben und dem
krebsspezifischen Überleben für eine Untergruppe von 276
Studienteilnehmern (PCOS Studie), die mit lokalem PCa eine
Hormonblockade als Haupttherapie erhalten hatten. Zwischen 1994 und
1995 waren insgesamt 3.486 Männer in der PCOS Studie
aufgenommen worden, innerhalb von sechs Monaten nach ihrer Diagnose.
-
Die Analyse ergab,
dass von allen berücksichtigten Faktoren nur das Alter und
bestimmten Merkmalen des Krebses das Gesamtüberleben
bestimmten. Nur der Gleasonwert war ein unabhängiger
Prognosefaktor für das krebsspezifische Überleben. Die
Tumorgröße ausgedrückt durch das PSA erreichte nicht
ganz statistische Signifikanz als Prognosefaktor. Nahezu 10 %
der Männer verstarben innerhalb von fünf Jahren
Hormontherapie.
-
"Unsere Studie
deutet an, dass Krebs ein bedeutsamer Faktor der Gesamtsterblichkeit
ist für diese Männer, besonders für jene mit hohem
Gleason- und PSA Wert", sagte Dr. Beer. Diese Daten werden
hilfreich sein für Männer mit lokal begrenztem PCa, bei
ihrer Entscheidung zwischen aggressiven Therapien, wie Op. oder
Bestrahlung und der Hormonblockade.
-
In einer älteren
Studie dieses Krebszentrums über die Effektivität der
Hormonblockade als Haupttherapie bei lokalem PCa hatte man
festgestellt, dass vor allem jüngere Männer mit
höhergradigen Tumoren eher eine Krankheitsprogression erfahren.
Ebenso wurde dabei deutlich, dass Männer mit lokalem PCa und
Hormonblockade ein höheres Risiko für Knochenbrüche
hatten, wegen der therapiebezogenen Osteoporose.
-
Dr. Beer folgerte:
"Wir müssen mehr wissen über die Vor- und Nachteile
der Hormonblockade, bevor wir sie Patienten mit lokalisiertem
Prostatakrebs empfehlen".
-
Quelle: Oregon Health
& Science University, 2006
-
Reinardo schrieb
dazu am selben Tag:
-
Der Irrtum in dieser
Studie scheint mir schon in der Fragestellung zu liegen. Ob
Hormontherapie (welche Art Hormontherapie?) als einzige Therapie bei
sog. Anfangskrebs (= auf die Kapsel beschränkt) das
Tumorwachstum stoppen kann, ist einzig und allein durch der
Aggressivität bestimmt. Das ist doch gesichertes Wissen und
bedarf keiner Studien.
-
Übrigens: Auch
wenn der Krebs lokal bereits fortgeschritten ist, kann eine richtig
geplante Hormonblockade diesen anhalten und zum Regress bringen,
niedriggradige Entdifferenzierung vorausgesetzt. Vgl. Schriften von
Al-Abadi, Berlin.
-
Ich finde, derartige
"Studien" sind eine Desinformation.
- Jürgen
M wies am 14.11.2006 auf eine Pressenotiz der Firma Astra Zeneca
hin:
-
http://www.presseportal.de/story.htx?nr=899931
-
Da wir nicht wissen
können, wie lange diese Notiz zugänglich ist, geben wir
sie hier auszugsweise wieder:
-
13.11.2006 - 11:19
Uhr, AstraZeneca
Macclesfield, England, November 13
(ots/PRNewswire) - -
Die Ergebnisse
stellen die bisherigen Annahmen und derzeitigen Richtlinien zur
Behandlung nicht metastasierenden Prostatakrebses mit schlechter
Prognose mit adjuvanten LHRH-Antagonisten in Frage.
-
Die neuen, heute auf
dem 28. Kongress der Société Internationale d'Urologie
(SIU) in Kapstadt in Südafrika vorgestellten
Forschungsergebnisse zeigen, dass mit einer adjuvanten
Androgendeprivationstherapie mit ZOLADEX (Goserelin) Prostatakrebs
auf Dauer unter Kontrolle gehalten werden kann, sodass die Patienten
ihre Krankheit überleben [1]. Die Wissenschaftler ziehen daraus
den Schluss, dass adjuvant verabreichtes Goserelin neu als
Behandlung mit kurativer Absicht bei Männern mit nicht
metastasierendem Prostatakrebs und schlechter Prognose eingestuft
werden sollte und rufen dazu auf, dass diese Tatsache auch in den
derzeitigen klinischen Behandlungsrichtlinien berücksichtigt
wird.
-
In den
Forschungsergebnissen werden auch andere Krebstherapien vorgestellt,
die neu als "kurativ" eingestuft worden sind, so z. B.
Cisplatin-basierte Chemotherapien, die die Behandlung von Hodenkrebs
revolutioniert haben, sodass diese Krankheit bei einem
beträchtlichen Teil der betroffenen Männer ausgerottet
werden kann, sowie die Langzeitergebnisse mit Tamoxifen nach einer
Brustkrebsoperation bei Frauen, die dazu führten, dass der
Wirkstoff als Behandlung mit kurativer Absicht neu eingestuft wurde.
-
Dr. Neil Fleshner von
der Urologieabteilung des Princess Margaret Krankenhauses in
Toronto, Kanada, der die Ergebnisse vorstellte, erklärte: "Die
Auswertung von vier Langzeitstudien zeigt deutlich, dass die
adjuvante Behandlung mit Goserelin nicht metastasierenden
Prostatakrebs mit schlechter Prognose langfristig unter Kontrolle
halten kann, sodass ein Grossteil der betroffenen Männer die
Krankheit überlebt. Bisher galten LHRH-Antagonisten als
palliative Behandlung bei metastasierendem Prostatakrebs und viele
Ärzte betrachten die adjuvante Hormontherapie, trotz der Zahl
der Studien, die positive Überlebensergebnisse bei nicht
metastasierendem Prostatakrebs mit schlechter Prognose aufweisen,
auch heute noch als eine palliative Behandlungsoption. Die neuen
Ergebnisse stellen die bisherigen Erkenntnisse grundsätzlich in
Frage. Dies ist für den Kliniker und die betroffenen Männer
gleichermassen von grosser Bedeutung, da es zeigt, dass unsere Sicht
und der bisherige Einsatz dieses Wirkstoffes veraltet sind und dass
eventuell einige Männer derzeit nicht von den besten
Heilungschancen profitieren können".
-
Der Begriff der
"Heilung" bei Krebs
-
Der Begriff der
"Heilung" ist in der Onkologie gefühlsbeladen und
sehr schwierig, denn derzeit gibt es kein diagnostisches Verfahren,
dass es dem Arzt ermöglichen würde festzustellen, ob alle
Krebszellen vernichtet worden sind. Aus diesem Grunde benutzen
Onkologen den Begriff "Heilung" nur sehr zögerlich.
Eine Definition der Krebsheilung wurde erstmals in den 70er Jahren
vorgenommen. Sie besagte, dass eine Heilung bei gesunden
Überlebenden dann vorliegt, wenn ihre Gesamtüberlebensrate
der der Gesamtbevölkerung gleichen Alters und gleichen
Geschlechts entspricht [2]. Dieses Konzept führte zu den
Fünfjahres-Überlebensraten, die als Kriterium für
eine erfolgreiche Krebsbehandlung weitgehend akzeptiert sind.
-
Doch haben die
modernen Behandlungsmethoden, die Früherkennung und die
zunehmende internationale Zusammenarbeit und der Datenaustausch dazu
geführt, dass der Begriff des Fünfjahres-Überlebens
bei vielen Krebsarten hinfällig wurde. Die Auswertung anderer
urogenitaler Krebsarten (Blasenkrebs, Hodenkrebs und Nierenkrebs)
durch die Forscher zeigt, dass die Heilungschance von der Tumorart
und vom Krankheitsstadium abhängt. So stellte sich z.B. bei
einer fünfjährigen Beobachtung von Patienten mit
muskelinvasivem Übergangszellkarzinom der Blase heraus, das die
Behandlung mit einer Kombination aus Chemotherapie und Bestrahlung
bzw. Operation nicht ausreicht, da die Überlebenskurve nicht
abflachte und aufgrund der Zunahme des invasiven Blasenkrebses ein
Beobachtungszeitraum von mehr als fünf Jahren nötig war,
um die Heilung zu bewerten [3].
-
Ist es überhaupt
möglich, Patienten zu "heilen", die unter einem nicht
metastasierendem Prostatakrebs mit schlechter Prognose leiden?
-
Die Forscher sichteten
die Überlebensdaten von vier klinischen, randomisierten und
kontrollierten Langzeitstudien bei Männern mit nicht
metastasierendem Prostatakrebs mit schlechter Prognose, die nach der
Erstbehandlung (radikale Prostatektomie bzw. Bestrahlung) eine
adjuvante Hormontherapie mit Goserelin erhielten [4],[5],[6],[7].
Die Wissenschaftler betrachteten Goserelin, da es sich um den am
besten untersuchten LHRH-Antagonisten handelt, der als einziger
LHRH-Antagonist als adjuvante Therapie in einer Reihe
randomisierter, kontrollierter Überlebensstudien mit einer
Nachbeobachtung von über fünf Jahren untersucht wurde.
Anhand dieser Ergebnisse schätzten die Forscher ein, ob das
Heilungspotenzial gemäss einer spezifisch für
Prostatakrebs geänderten Definition der Heilung erreicht wurde.
Diese Definition besagt, dass Heilung vorliegt wenn 1. die
Überlebenskurve ohne Krankheit nach 10 bis 15 Jahren nach der
Behandlung abflacht und 2. die Gesamtüberlebensrate sich der
der gesunden altersentsprechenden männlichen Bevölkerung
annähert [1]. Die Ergebnisse zeigen dass:
-
in allen vier Studien
bei einem beträchtlichen Teil der Männer mit nicht
metastasierendem Prostatakrebs mit schlechter Prognose (d.h. u.a.
PSA-Werte > 20 ng/ml und Gleason-Score > 8), die adjuvant mit
Goserelin behandelt wurden, die Krankheit langfristig unter
Kontrolle war,
-
die krankheitsfreie
Überlebenskurve (nach Kaplan-Meier) im Laufe der
Langzeitbeobachtung abflacht, was zeigt, dass viele Männer
keinen Rückfall erlitten,
-
die
Gesamtüberlebenskurven insbesondere zeigen, dass die Patienten
keine signifikante zusätzliche Mortalität im Zusammenhang
mit Nebenwirkungen der Langzeiteinnahme von Goserelin aufwiesen.
- Veraltete
Richtlinien
-
In die Zukunft
blickend, erklärte Dr. Fleshner: "Die
Behandlungsrichtlinien der European Association of Urology und der
American Society of Clinical Oncology betrachten derzeit die
adjuvante Hormontherapie nicht als potenziell kurative Behandlung.
Es ist jedoch anzumerken, dass insgesamt ähnliche
Langzeitergebnisse mit Tamoxifen als adjuvante Behandlung nach
chirurgischem Eingriff bei Frauen mit Brustkrebs dazu führte,
dass dieser Wirkstoff als Behandlung mit kurativer Absicht neu
eingestuft wurde. Wir sind der Meinung, dass adjuvant verabreichtes
Goserelin bei Patienten mit nicht metastasierendem Prostatakrebs mit
schlechter Prognose als Behandlung mit kurativer Absicht neu
eingestuft werden sollte".
-
Quellenhinweise:
-
[1] N. Fleshner et al.
Adjuvant androgen deprivation therapy augments cure and long-term
cancer control in men with poor prognosis, nonmetastatic prostate
cancer. Presented at SIU, Cape Town, November 2006.
-
[2] Frei III E, Gehan
EA. Definition of cure for Hodgkin's disease. Cancer Res 1971; 31:
1828-33.
-
[3] Fellin G, Graffer
U, Bolner A, Ambrosini G, Caffo O, Luciani L. Combined chemotherapy
and radiation with selective organ preservation for muscle-invasive
bladder carcinoma. A single-institution phase II study. Br J Urol
1997; 80: 44-9.
-
[4] Messing EM et al.
Immediate versus deferred androgen deprivation treatment in patients
with node-positive prostate cancer after radical prostatectomy and
pelvic lymphadenectomy. Lancet Oncol 2006: 7; 472-79.
-
[5] Pilepich MV,
Winter K, Lawton CA et al. Androgen suppression adjuvant to
definitive radiotherapy in carcinomas of the prostate – long
term results of phase III RTOG 85-31. Int J Radiat Oncol Biol Phys
2005; 61: 1285-90.
-
[6] Bolla M, Collette
L, Blank L et al. Long-term results with immediate androgen
suppression and external irradiation in patients with locally
advanced prostate cancer (an EORTC study): a phase III randomised
trial. Lancet 2002; 360: 103-8.
-
[7] Hanks GE, Pajak
TF, Porter A et al. Phase III trial of long-term adjuvant androgen
deprivation after neoadjuvant hormonal cytoreduction and
radiotherapy in locally advanced carcinoma of the prostate: the
Radiation Therapy Oncology Group Protocol 92-02. J Clin Oncol 2003;
21: 3972-8.
-