Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Therapiearten – Hochintensiver fokussierter Ultraschall (HIFU)

[Zu einem für den Kläger (Patienten) günstigen Gerichtsurteil bezüglich der Kostenübernahme einer HIFU-Behandlung siehe hier – Ed]

Gert fragte am 25.5.2002:

im letzten SPIEGEL [Heft 20/13.5.2002, Seite 190 – Ed] wurde der Artikel "Skalpell aus Schall" veröffentlicht, mit dem Untertitel "Ultraschall könnte die Chirurgie revolutionieren. Nutznießer der unblutigen Operationsmethode wären Unfallopfer, Soldaten und Krebspatienten". Daraus folgender Auszug:

Seit 1996 wurden im Krankenhaus München-Harlaching 850 Patienten mit Prostatakrebs mit therapeutischem Ultraschall behandelt. Der Schallkopf wird dabei in den Enddarm eingeführt, der Tumor in vielen Einzelstößen verbrannt. Die in Teilanästhesie durchgeführte Prozedur dauert eineinhalb Stunden. Die Nebenwirkungen sind offenbar gering. "Bisher", beteuert Christian Chaussy, ein Pionier der Prostata-Sonartherapie, "gab es noch keine ernsthaften Komplikationen."

Wurde dieses Thema schon einmal aufgegriffen, und was ist davon zu halten?

Peter antwortete am selben Tag:

recht ausführliche Informationen findest Du unter http://www.prostatakrebs-bps.de/hifu_aufsatz.html

Besonders interessant ist der Textabschnitt: "15. Einwilligungserklärung" ,-)

Und Ralf schrieb am selben Tag:

die Klinik München-Harlaching hat einen diesbezüglichen ausführlichen Text im PDF-Format ins Internet gestellt.

HIFU ist wie die RP und die Bestrahlungsarten eine lokale Therapie. Harlaching gibt selbst an, dass noch keine Langzeitergebnisse vorliegen, das Verfahren wird seit fünf oder sechs Jahren praktiziert und scheint von allen lokalen Therapien die nebenwirkungsärmste zu sein. Alles weitere im Text.

"woistwuppi" fragte am 28.1.2003:

In Heidelberg bietet Dr. Deuster eine Prostata-Behandlung mittels HIFU, d. h. High Intensity Focused Ultrasound, an. Wer weiß etwas darüber zu berichten? Wer hat Erfahrungen damit gemacht?

Marco antwortete am selben Tag:

dies Verfahren wird in der Diskussion in den USA als das unsicherste beschrieben, weil vermutlich durch den intensiven Ultraschall zwar viele Bereiche abgetötet werden, aber wahrscheinlich auch ganze Bereiche nur in die einzelnen Zellen zerlegt werden, ohne die PK-Zellen abzutöten. Nach Zerlegung in viele einzelne Zellen würden diese herumvagabundieren und wenn nur 0,1 Promille davon sich festsetzen, hätte man Millionen neuer Metastasen erzeugt.

Ultraschall hat in Wasser - also auch im Körpergewebe - bei 1 MHz Frequenz eine Wellenlänge von 1,5 mm, bei 10 MHz von 0,15 mm usw. Bei mehr als 30 MHz ist das Körpergewebe undurchsichtig, bei welcher Frequenz arbeitet das HIFU?

Die Bündelung auf einen möglichst scharfen Fleck hoher Intensität funktioniert genauso schlecht wie in der Optik, das heißt mit idealer Fokussierung auf höchstens halbe Wellenlänge. Neben dem Brennfleck gibt es also Bereiche zu niedriger Intensität. Diese werden nicht abgetötet.

Die anderen Verfahren: Strahlung, Hitze, Kälte sollen den Zellverband nicht aufreißen, sondern eher zusammenlassen.

Ob es stimmt weiß ich nicht. Ich würde einen großen Bogen um diese HIFU machen, bis eine, besser mehrere Studien bekannt sind.

Uwe schrieb daraufhin Dr. Deuster in Heidelberg an und bat um eine Stellungnahme. Dr. Deuster schrieb am 30.1.2003:

offensichtlich hat Marco die physikalischen Abläufe, wie sie bei Hifu wirksam sind, nicht richtig verstanden.

Grundsätzlich ist der visuelle Ultraschall vom therapeutischen zu unterscheiden. Letzterer ist als physikalisches Instrument in der Lage genau umschriebene Koagulationszonen in der Prostata zu erzeugen, diese haben eine Größe von etwa 2mm x 12mm. Es kommt also in keiner Weise zur Zerlegung des Gewebes sondern das Gewebe wird wie es ist (in situ) abgetötet. Ein Verschleppen von Zellen ist völlig ausgeschlossen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. J.-E. Deuster

Paul schrieb am 3.2.2003:

lasst mich zur HIFU etwas aufklärend mitwirken:

Grundsätzlich beschreibt HIFU nur den physikalischen Effekt des hochenergetischen fokussierten Ultraschalls.

Nun versuchen schon länger einige Firmen, Forscher und Ärzte diesen in der Medizin nutzbar zu machen. Beim Prostatakrebs ist dies gelungen, seit Januar 2000 ist ein französisches Gerät namens Ablatherm für die HIFU Behandlung des Prostatakarzinoms CE zugelassen.

Von 1996 bis 2000 wurde dieses Gerät in München Harlaching und Regensburg im Rahmen einer europaweiten Studie eingesetzt. Über die Ergebnisse liegen zahlreiche Studien vor. mitterweile wurden mit dem Gerät mehr als 2000 Patienten - davon allein 800 in München behandelt.

Eine TURP vor der HIFU hilft die Nebenwirkungen des Anschwellens der Prostata zu verringern und die Katheterisierungszeit zu verkürzen. Klar dürfte jedem sein, dass eine vollständige Verbrennung in der Größe der Prostata den Urinfluss zunächst hemmt. Dies wurde durch die TURP hervorragend gelöst, die Nebenwirkungsrate deutlich gesenkt.

Nun zu Deuster: Sein "neuestes Gerät" ist nicht für die Behandlung von Prostatakarzinom CE zugelassen. Mich wundert, dass hier das Gewerbeaufsichtsamt so einfach zusieht. Er schreibt und redet zwar über ausbleibende Nebenwirkungen, belegt aber weder dies noch die Ergebnisse mit Studien. Soweit ich informiert bin, wird unter anderem in Wien noch daran gearbeitet, dass sein Gerät irgendwann die ganze Drüse behandeln kann. Allein der von ihm angepriesene Potenzerhalt in "nahezu allen Fällen" belegt, dass er nicht komplett und radikal genug behandelt.

Aber es soll sich ruhig jeder seine eigene Meinung bilden.

Hier noch zwei Websites zur seriösen Information:

www.hifu.de, www.edap-hifu.de

Etwas später am selben Tag outete sich Paul:

ich denke auch, dass aus meinem Beitrag deutlich wurde, aus welcher Ecke ich stamme. Ich bin Applikationsspezialist und habe die Studien in Müchen begleitet. Zur Zeit bin ich primär für das Kundentraining zuständig.

Die Site www.hifu.de stammt von mir, im Impressum findet Ihr auch meine vollständige Anschrift.

Frank schrieb am 30.5.2003 unter dem Betreff "Erfolgreiche HiFu Behandlung":

> Zur Biographie:
> Frank-J.(1948)
> Dx 03.01.2003 aPSA 10 PV normal
> Bx 09.01.2003 T01C N0M0
> Gleason 6 einseitig

Ich habe mich im Februar im Krankenhaus München Harlaching persönlich beraten lassen und am 28.03.2003 eine HIFU Behandlung einseitig durchführen lassen incl. einer TURP, nachdem mein PSA Wert in der Spitze auf 15,8 ng/ml gestiegen war.

Der Krankenhausaufenthalt betrug 6 Tage. Danach mußte ich für 4 Wochen einen Bauchkatheter tragen bis das normale Urinieren wieder funktionierte.Die gesamte Behandlung war quasi schmerzfrei, so dass ich schon 8 Tage nach der OP meine Büroarbeit wieder aufnehmen konnte.

6 Wochen nach der OP wurde die erste Blutuntersuchung mit dem Wert PSA = 0,14 ng/ml durchgeführt.

Alle körperlichen Funktionen sind wieder normal, mit folgenden Änderungen: Der Urinstrahl ist deutlich stärker als vorher, dank der TURP.Der Samenfluss beim Orgasmus geht nicht über die Eichel auswärts, sondern rückwärts in die Blase, weil der Blasenschließmuskel bei der TURP mit abgeschält werden muss und somit diese "Schließfunktion" nicht mehr leisten kann.

Gelegentlich gehen ein, zwei Tröpfchen Urin ab beim Bücken o.ä., ansonsten kein Inkontinenzproblem.

Die einseitige HIFU-Behandlung habe ich mit dem Bewusstsein machen lassen, dass durchaus das Risiko gegeben ist, dass irgendwann auch auf der anderen Seite Zellveränderungen entstehen können. Wenn ja, dann kann man die mit einer erneuten HIFU ebenfallls behandeln. Der Vorteil ist aber für mich, dass die sexuellen Funktionen zumindestens bis zu dem Zeitpunkt erhalten bleiben. Nach 6 und weiteren 12 Monaten werden Kontrollbiopsien gemacht. Die Behandlung wurde ohne Probleme von der Krankenkasse übernommen.

Da ich ähnlich gute Erfahrungen bei Patienten eingeholt habe, die früher die gleiche Behandlung haben durchführen lassen, und da die statistischen Auswertungen der Behandlung in München und Regensburg dieses bestätigen, bin ich mit meinen heutigen Kenntnissen erstaunt darüber, wie wenig Patienten von dieser Behandlungsmöglichkeit Gebrauch machen (und sich mit anderen Verfahren und deren Folgen wie Inkontinenz und Impotenz herumplagen). Oder anders ausgedrückt: Wie wenig die Patienten von Ihren Ärtzten auf diese Behandlungsmöglichkeit aufmerksam gemacht werden. Die HIFU wird in München seit 1996 erfolgreich eingesetzt. Wenn man vielfach argumentiert, dass das Verfahren noch keine Langzeiterfolge nachweisen kann, so sind diese Argumente wenig hilfreich. Langzeiterfolge liegen für die behandelten Patienten in vergleichbarer Höhe wie bei der Seeds-Therapie oder der Prostataentfernung vor, aber eben erst ab 1996. Logischerweise können keine längeren nachgewiesen werde. Aber mit dem Argument kann man ja schnell Patienten abschrecken und kostenträchtigeren Methoden zuführen. Und noch ein Argument pro HIFU für die Pessimisten: Auch nach einer HIFU kann man die Prostata noch entfernen, ohne an operative Probleme zu stoßen, wie sie nach einer Bestrahlung auftreten können.

Jeder muss für sich selbst entscheiden. Ich bin nachträglich froh über meine Entscheidung und bedanke mich bei allen denen, die Beiträge zu diesem Forum verfasst haben. Hier habe ich viel Wissen erlangt und auch das Selbstbewusstsein gestärkt, die Therapie durchführen zu lassen, die ich für mich für richtig erachtete. Nur dadurch bin ich dem Schicksal der Impotenz und Inkontinenz entkommen.

Lutz fragte am 29.7.2004:

ich bin Lutz, 49 Jahre und weiß seit kurzem, daß ich PK habe. Diagnose Ende 06/04: PSA 2,6, Gleason 6 (3+3), 3 von 6 Stanzen positiv (Apex re. 30 % tumorös, Mitte re. 40 % tumorös, Basis re. 30 % tumorös). Lt. Urologe T2c; lt. Arzt im UKE, Hamburg Eppendorf, T1c und N0, M0.

Habe mich ausführlich mit den möglichen Therapien durch diverse Lektüre und Studium der KISP-Homepage beschäftigt.

Während Urologe,UKE und mein Kopf zur Entfernung raten, schlägt mein Herz für HIFU. Würde mich freuen, wen der eine oder andere hierzu seine Meinung sagen würde.

Urologe fs antwortete ihm am selben Tag:

ich würde in Deinem Falle lieber die anderen Therapien der HIFU vorziehen, Gründe:

Ein Prostatalappen scheint (korrekte Biopsie vorausgesetzt) komplett befallen zu sein - damit wäre T2c korrekt.

Die HIFU behandelt vor allem die "Mitte" der Prostata, der (auch Dein) Prostatakrebs liegt aber mehr am "Rand" (Kapsel). Wenn man dort mit der Hifu etwas erreichen will, kommt es häufiger zur Fistel zwischen Prostata und Darm. Ich habe sogar Pat. danach versterben sehen! (aber sicher ein besonderer Fall).

Lies das Forum und, falls Du englisch verstehst, das Buch von Strum und entscheide Dich dann.

Dieter V riet am 30.7.2004:

ich hatte mir vor 3½ Jahren auch überlegt, die HIFU zu machen. Hatte Kontakt mit Dr. Türoff, München. Habe aber letztlich wegen der möglichen Fisteln (siehe Beitrag Urologe fs) und wegen der in München obligatorischen vorherigen Aushobelung (TURP) davon Abstand genommen. Dr. Deuster in heidelberg sagt, er habe das neueste Gerät für die HIFU, da braucht er keine TURP vorweg.

Dennoch ist es vor einer Therapieentscheidung sehr wichtig, zu wissen: welche Ausgangssituation habe ich denn überhaupt? Die leider von vielen Urologen versprochenen 90-%-Heilungschance haben ja die wenigsten!

Dazu kommt, dass vor einer OP meist ein "understaging" erfolgt, weil man es nicht besser weiß. Also ein T2c wird meist nachher als T3 festgestellt, ein GS 6 auch höher...

Deshalb haben wir die Partintabellen (siehe www.prostatakrebs-bps.de => Patientenratgeber "Ich habe Prostatakrebs - was nun?". Downloaden und lesen!). Auf Seite 20 findest du bei T2c und GS 6 die Angaben:

Wahrscheinlichkeit, dass organbegrenzte Erkrankung: 61 %
Wahrscheinlichkeit, dass Kapseldurchbruch: 40 %
Wahrscheinlichkeit, dass Samenblasenbefall: 2 %
Wahrscheinlichkeit, dass Lymphknotenbefall: 3 %

Ich rate dir, durch weitere diagnostische Maßnahmen zuerst ein genaueres Bild deiner Ausgangssituation zu machen, bevor du überhaupt eine Therapieentscheidung triffst.

=> Anforderung eines Zweitbefundes (s. BPS-Website => Diagnostik => Anforderung eines Zweitbefundes) und ebenda => PAP.

Dann empfehle ich dir, den Vortrag von Dr. Leibowitz in Montabaur zu lesen und die übrigen Informationen über die Dreifache Hormonblockade, eine systemisch (= im ganzen Körper) wirkende Therapie. Siehe BPS-Website => Therapien => ganz nach unten scrollen => Dreifache Hormonblockade.

Wie du dann entscheidest, ist deine Sache. Du solltest aber umfassend informiert sein und auch deine Ausgangssituation und damit die Chancen und Risiken der verschiedenen Therapienoptionen gut kennen.

Ich wünsche dir eine gute und informierte Entscheidung. Lass dir hierfür aber genügend Zeit, es besteht bei deinen Werten überhaupt kein Zeitdruck! Besser eine gutüberlegte Therapieentscheidung, von der du überzeugt bist, das für dich Richtige zu tun, als eine schnelle Therapie, die du vielleicht später bereust.

Horst MUC sandte am 12.11.2004 den folgenden Bericht ein:

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung

Helios Research Center GmbH, Torsten Böhmer, 12.11.2004 10:15

Ultraschall zerstört den Prostatakrebs

Borna, 10.11.2004. Ein neues Ultraschallgerät in der HELIOS Klinik Borna erweitert die Therapiemöglichkeiten bei Prostatakrebs. Für manche Betroffene bietet die Zerstörung des Tumors mit hoch intensivem, fokussiertem Ultraschall (HIFU) eine Alternative zur Operation. Bisher ist das Ultraschallgerät erst an drei Klinikstandorten Deutschlands - in Hamburg, Regensburg und München - fest etabliert. Weitere sieben Kliniken betreiben das Gerät mobil.

Dr. Dietmar Schulz, Chefarzt der Urologischen Abteilung der HELIOS Klinik Borna: "Prostatakrebs ist die häufigste Tumorerkrankung bei Männern, ein operativer Eingriff ist oft unumgänglich. Eine offene Operation wäre belastend für den Patienten, er verliert Blut und wird meist impotent. Die minimalinvasive Technik ist dagegen für unsere Patienten besonders schonend. Wir setzen dieses neue Therapieverfahren ein, wenn eine radikale Entfernung der Prostata wegen Begleiterkrankungen, Blutungsrisiko oder wegen des hohen Patientenalters nicht in Frage kommt."

Ultraschall dient in der Medizin vornehmlich diagnostischen Zwecken, um zum Beispiel innere Organe zu beurteilen oder Föten im Mutterleib zu überwachen. Bei der neuen therapeutischen Anwendung werden Schallwellen gebündelt und durch eine Art Hohlspiegel in die Prostata geleitet. So entstehen Temperaturen von 80 Grad Celsius, womit das Gewebe in der Prostata punktgenau thermisch zerstört und praktisch weggeschmolzen wird. Die HIFU-Behandlung erfolgt in einer sogenannten Rückenmarksnarkose und dauert etwa zwei Stunden. Die Ultraschallwellen werden dabei über eine Sonde durch den Enddarm in die Prostata gebracht, so dass kein Schnitt gemacht werden muss. Der Patient spürt so gut wie nichts von der Behandlung und kann die Klinik nach drei Tagen wieder verlassen.

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.helios-kliniken.de.

Urologe fs schrieb am 15.2.2005:

wenn man diesen nachstehenden Artikel aus den urologischen Nachrichten genauer betrachtet, besagt dieser für mich das genaue Gegenteil dessen, was beabsichtigt war; denn der schlechteste ihrer Pat. hätte mit den anderen Verfahren (RP, ST, Brachy) 74 % und der durchschnittliche Pat. >90 % Progressionsfreiheit in der gleichen Zeit gehabt.

D. h. in meinen Augen kann sich die HIFU NICHT mit den Standardverfahren messen und bleibt bestimmten Situationen vorbehalten.

Dies ist eine persönliche Meinung meinerseits und zur Diskussion freigegeben.

HIFU ist die minimal invasive Alternative

Es liegen Erfahrungen aus fünf Jahren mit transrektalem hoch intensivem fokussierten Ultraschall (HIFU) bei der Therapie des lokoregionären Prostatakarzinoms vor. Die Behandlung mit HIFU ist eine neue minimal invasive Behandlungsalternative für Patienten, die aufgrund ihres Alters, entsprechender Komorbidität oder aus Angst vor den potenziellen Nebenwirkungen nicht für eine RPE in Frage kommen. Bei der HIFU-Therapie kommt es durch mechanische (Kavitation) und thermische Effekte zu einer Koagulationsnekrose im geplanten Zielvolumen (Prostata) unter Schonung von dazwischen liegendem Gewebe (Rektumwand). Mit dem Ablatherm-Gerät (EDAP, Lyon, Frankreich) wurden zwischen 1997 und 2002 146 Patienten mit einem histologisch gesicherten Prostatakarzinom (T1–T2N0M0) behandelt.

Einschlusskriterien für die Studie waren ein PSA-Wert von ≤15 ng/ml und ein Gleason-Score ≤7. Drei Monate nach Durchführung der HIFU wurde ein medianer PSA-Nadir von 0,07 (Range 0-5,67) ng/ml sowie nach 22 Monaten ein medianer PSA-Wert von 0,15 ng/ml (Range 0–12,11 ng/ml) ermittelt. Bei 93,4 Prozent aller Patienten fiel die Kontroll-Biopsie negativ aus. In der Kaplan-Meier-Analyse mit den strengen Fehlerkriterien eines PSA-Anstiegs über 0,4 ng/ml und/oder einer positiven Kontrollbiopsie zeigte sich eine Disease-free survival rate von 71,5 Prozent.

Insgesamt zeigte sich eine geringe Nebenwirkungsrate durch HIFU.

A. Blana, B. Walter, S. Rogenhofer, W.F., Wieland,
Klinik für Urologie der Universität Regensburg am Caritas-Krankenhaus St. Josef.
Informationen: EDAP
Judith Johannsen
Norderstr. 4, 24939 Flensburg


"Strahlentherapeut" Daniel Schmidt schrieb am 27.12.2010 in einer Diskussion zur HIFU-Behandlung:

Die HIFU ist keine Bestrahlung. Für die HIFU HIFU gibt es keine Langzeitdaten. Das ist eine experimentelle Therapie, wie z. B. auch die Kryotherapie.

Die evtl. RPE soll dann trotzdem noch als Option bestehen. Sie bleibt aber von der HIFU nicht ünberührt. Eine RPE mit Nervenschonung ist nach HIFU (je nach Tumorsitz) schwierig. Die HIFU macht nämlich auch Vernarbungen in der Prostata und erschwert die OP auch.

Sie dürfen auch die Grenzen der HIFU nicht vergessen. Wenn man HIFU direkt auf den Nerv machen würde, dann würde dieser komplett wegfallen. Deswegen hat man das Problem, dass die HIFU gut die zentralen Anteile der Prostata erfassen kann, in der Peripherie jedoch keine gute Abdeckung anbietet. Das kommt daher, dass in der Peripherie (kapselnah) der Abstand zum Nerven sehr knapp ist und die HIFU daher gefährlich ist.

Vergessen Sie nicht, was Hans-J geschrieben hat als er Ihren Pathologiebericht zitiert hat. Der Tumor weist bereits eine Perineuralscheideninvasion auf. Das heißt, er wächst gerne Richtung Gefäß-Nerven-Bündel. Wenn der HIFU-Behandler versuchen würde, diese Tumoranteile zu erwischen, würde er zwangsweise Ihre Nerven mitverletzen. Sonst muss er einfach diesen Anteil stehen lassen und den Hauptbefund behandeln, was ein Rezidiv angesichts Ihres jungen Alters so gut wie sicher bedeutet.