Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Rechtliches – Anspruch auf
das Einholen einer Zweitmeinung

Inna fragte am 20.1.2004:
Mein Vater hat Prostatakrebs. Er ist bereits vor 3 Jahren behandelt worden (Strahlen+HTherapie).Dann war erstmal Ruhe. Aber jetzt vor 3 Monaten ist es wieder soweit. Leider ist der Urologe meines Vaters inzwischen im Ruhestand. Und der neue macht Probleme. Er hat ihn bereits 3 mal zu OP geschickt. Da wollten wir eine zweite Meinung einholen. Und um bei dem Spezialisten, den wir ausgesucht haben, ein Termin zu bekommen braucht mein Vater eine Überweisung von seinem jetzigen Urologen. Der weigert sich aber strickt!! Hat er das Recht dazu?? Was kann ich in der Situation unternehmen. Nach der ganzen Geschichte habe ich kein Vertrauen mehr zu diesem Arzt.
Jürg antwortete am selben Tag:
Der Einfachheit halber zitiere ich aus der Broschüre "Patientenrechte in Deutschland", herausgegeben vom Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherheit und vom Bundesminsterium der Justiz:

"Der Patient hat grundsätzlich das Recht, Arzt und Krankenhaus frei zu wählen und zu wechseln. Der Patient kann eine ärztliche Zweitmeinung einholen. Den begründeten Wunsch, einen weiteren Arzt hinzuzuziehen oder eine Zweitmeinung einzuholen, soll der Arzt nicht ablehnen. Die Behandlungsunterlagen sind dem mitbehandelnden Arzt zu übermitteln. Der Patient sollte sich vorher über eventuelle Kostenfolgen bei dem Arzt oder dem Kostenträger (z. B. gesetzliche Krankenkasse) informieren."

[Jürg verwies auf einen Link auf der Homepage des Bundesministeriums für Justiz (http://www.bmj.bund.de/). Leider existiert dieser Link nicht mehr; die gebotene Information ist veraltet. – Ed]

Und Heinz schrieb, ebenfalls am selben Tag:
wenn der Uro Deines Vaters Probleme macht, sucht einen anderen Uro oder geht zum Hausarzt, der die Überweisung ausstellt, oder nehmt einen anderen Arzt. Prinzipiell kann man sich erst einmal den überweisenden Arzt aussuchen.

Urologe fs schrieb am 17.7.2014 unter dem Betreff "Endlich wird die Zweitmeinung gesetzlich verankert!":
Ein Schritt in die richtige Richtung, aber noch nicht ganz abgeschlossen. Der G-BA arbeitet noch daran.
Vorsichtig wäre ich nur bei den "Online-Zweitmeinungen". Man(n) weiß nie wirklich, wer letztlich die Begutachtung geschrieben und die gut 400 Euro kassiert hat. Auch die Zweitmeinungstelefone der Krankenkassen sind damit überfordert. Denn meistens sitzt EIN Arzt und beantwortet Fragen ALLER Fachrichtungen. Eine Zweitmeinung gehört aber meiner Auffassung nach zu einem TOP-Spezialisten des jeweiligen Faches.
Eine Stunde Zweitmeinung beim niedergelassenen Urologen kostet ca. 120 bis 200 Euro und Sie sitzen von Angesicht zu Angesicht. (persönliche Meinung FS)
Die ärztliche Zweitmeinung
Diese gesetzlichen Änderungen müssen künftig beachtet werden:
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – so heißt es zumindest im Volksmund. Viele Patienten verspüren gerade vor Operationen oder bei schwerwiegenden Diagnosen wie beispiels*weise Krebs das Bedürfnis, eine ärztliche Zweitmeinung einzuholen. Mit der zweiten Meinung soll nicht die Arbeit des Erstbehandlers geschmälert werden – die Patienten suchen einfach Sicherheit in einer schwierigen Entscheidungssituation. Behandelnde Ärzte müssen ihre Patienten künftig über das Recht auf eine Zweitmeinung informieren, konkrete Definitionen des G-BA stehen noch aus.
Die Nachfrage nach ärztlichen Zweitmeinungen steigt immer weiter an. Das zeigen beispielsweise Auswertungen der AOK Baden-Württemberg, wonach innerhalb von nur vier Jahren rund 4.500 Anfragen nach einem ärztlichen Zweitbefund eingegangen sind.1.
Änderungen in der ärztlichen Informationspflicht
Die Notwendigkeit für ärztliche Zweitmeinungen sieht auch die aktuelle Bundesregierung und verankert dies in ihrem Koalitionsvertrag. Nach dem Willen von Union und SPD müssen behandelnde Ärzte ihre Patienten deshalb künftig auch über das Recht, eine weitere ärztliche Meinung einzuholen, informieren – und zwar spätestens zehn Tage vor einer planbaren Behandlung. Auf welche Therapien sich dies konkret beziehen wird, muss der Gemeinsame Bundesausschuss allerdings noch definieren.
Ärztliche Unterlagen müssen ausgehändigt werden
Dabei ist es für Ärzte wichtig zu wissen, dass Patienten grundsätzlich das Recht auf Einsicht in ihre Untersuchungsunterlagen, wie Arztberichte, Blutwerte und Röntgen*aufnahmen haben, falls sie sich damit an einen weiteren Spezialisten wenden möchten. Originalunterlagen muss der erste behandelnde Arzt zwar nicht herausgeben, auf Anfrage ist er jedoch verpflichtet, alle Unterlagen zu kopieren und dem Patienten auszuhändi*gen. Die Kosten hierfür trägt der Patient selbst.
Zweitmeinung – vielfältige Angebote für Patienten
Beim Einholen einer ärztlichen Zweitmeinung gibt es für Patienten vielfältige Möglich*keiten. So bieten immer mehr Krankenkassen einen eigenen "Zweitmeinungsservice" an: vom Teledoktor der Barmer GEK über das persönliche Gespräch mit ausgewiesenen Experten beim Programm "AOK Duo – die ärztliche Zweitmeinung" bis hin zu den Beratungsstellen der Kassenärztlichen Vereinigungen. Andere Krankenkassen verweisen auf Anfrage auf Spezialisten in der Umgebung oder machen bei diesen gleich selbst einen Termin für die Patienten aus. Eine neuartige Alternative für das Erfragen von ärztlichen Zweitmeinungen stellt die Internetplattform "Medizinische Experten Online", kurz „Medexo“, dar. Hier können Patienten seit 2012 online über eine Eingabemaske ihre Beschwerden angeben und ihre Untersuchungsberichte hochladen. Innerhalb von sieben Tagen erhalten sie dann eine schriftliche Zweitmeinung von einem bei Medexo registrierten Arzt. Die Kosten hierfür, die sich auf bis zu 480 Euro belaufen können, übernehmen bislang nur einige wenige Krankenkassen.
Zweitmeinung von Ärzten für Ärzte
Bei einer anderen Form der ärztlichen Zweitmeinung geht die Anfrage nicht vom Patienten, sondern vom Erstbehandler selbst aus. Das am Universitätsklinikum Ulm angesiedelte und unter anderem von der Deutschen Krebsgesellschaft unterstützte Projekt „Zweitmeinung Hodentumor“ bietet dem behandelnden Arzt die Möglichkeit, im Internet eine Zweitmeinung von einem Experten der Deutschen Hodentumorstudiengruppe einzuholen. Innerhalb von 48 Stunden erhält er hier eine Antwort auf seine Therapieanfrage.