Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Rechtliches – Schmerzensgeld bei
Schaden durch Fehldiagnose

Guy schrieb am 29.9.2001:
OLG Celle 1 U 64/00
Ein Mann, dem nach einer Fehldiagnose die gesunde Prostata entfernt wurde, hat einen Anspruch auf Schmerzensgeld in Höhe von bis zu 100.000 Mark.
Ein Arzt hatte bei einem 61 Jahre alten Patienten nach der Untersuchung einer Gewebeprobe fälschlicherweise Prostatakrebs diagnostiziert. Daraufhin wurde die Drüse "fälschlicherweise völlig unnötig" herausoperiert. Die Richter des OLG Celle urteilten: Der Arzt habe dem Mann "jeglichen weiteren materiellen und immateriellen Schaden, der durch die fehlerhafte Diagnose im August 1998 verursacht worden ist, zu ersetzen" und verurteilte ihn zu Zahlung von 100.000.- Mark Schmerzensgeld. Der Arzt habe den erforderlichen Sorgfaltsmaßstab" missachtet. Der 61-Jährige leide nun an Inkontinenz und Impotenz. Dies beeinträchtige seine berufliche und private Lebensführung. Unter Berücksichtigung des Alters des Klägers sei dies eine "essenzielle Einbuße an Lebensqualität", denn der Mann habe die Familienplanung noch nicht abgeschlossen. Dabei sei auch zu berücksichtigen, dass die durch den unnötigen Eingriff hervorgerufenen Gesundheitsschäden den Kläger nachhaltig bei der Suche nach einer Lebensgefährtin beeinträchtigen.
Wenn ich folgerichtig weiterdenke, heißt das doch, dass die Diagnose durch eine Prostatabiopsie bezüglich ob ich nun Krebs habe oder gesund bin oder vielleicht "nur" Prostatitis oder Hyperplasie habe, zumindest nicht hundertprozentig immer richtig ist! Um eine Fehldiagnose in Zukunft vermeiden zu können, wäre es vielleicht sinnvoll, 3 Pathologen unabhängig voneinander eine Diagnose des Prostatagewebes machen zu lassen?
Uwe kommentierte das am 30.9.2001 wie folgt:
wer weiß schon, wie viele von uns kurativ operiert worden sind und bei denen der PSA < 0,1 ng/ml war, weil wir keinen Prostatakrebs sondern Prostatitis (Entzündung der Prostata) hatten. Das Mediziner-System schützt die Falsch-Diagnose, außer, die Diagnose wird in einem anderen Krankenhaus als die Operation durchgeführt und selbst dann, welch ein Arzt hat schon den Mut zu sagen, wir haben ihnen die Prostata entfernt, sie haben aber keinen Prostatakrebs gehabt? Übrigens, die Gewebeproben müssen 5 Jahre aufbewahrt werden! Vielleicht ist Dein Vorschlag richtig, die Gewebeprobe von einem zweiten Pathologen beurteilen zu lassen.