Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Rechtliches – Status von Richtlinien und Leitlinien

rellok, ein im Ruhestand befindlicher Internist, schrieb am 6.1.2014 aus gegebenem Anlass zum rechtlichen Status von Richtlinien und Leitlinien:
Ich erlaube mir eine Bemerkung hinsichtlich der Bedeutung und Bewertung in der Medizin. Gleichsam als eine Leitlinie, mittels der die Betroffenen die angewandten Methoden der naturwissenschaftlich begründeten Medizin gegenüber anderen Methoden erkennen und abgrenzen können. Das gilt für Ärzte, Patienten sowie für die immer wichtiger werdenden Zahler und – für die eine Berechtigung überpüfenden Juristen.
Es ist sinnvoll die Stellungnahme der Bundeärztekammer zu kennen:
Verbindlichkeit von Richtlinien, Leitlinien, Empfehlungen und Stellungnahmen
Die Qualität der ärztlichen Berufsausübung orientiert sich an Maßstäben, die von Experten, insbesondere der Medizin, aber auch der Rechtswissenschaften, der Philosophie, der Ethik und der Theologie, erarbeitet werden. Im deutschen Sprachgebrauch haben sich Begriffe etabliert, deren Verbindlichkeit in der unten genannten Reihenfolge abnimmt:
Richtlinien
Richtlinien sind meist von Institutionen veröffentlichte Regeln des Handelns und Unterlassens, die dem einzelnen Arzt einen geringen Ermessensspielraum einräumen. Ihre Nichtbeachtung kann Sanktionen nach sich ziehen. Eine ähnliche Verbindlichkeit wie Richtlinien haben Standards, die als normative Vorgaben bezüglich der Erfüllung von Qualitätsanforderungen verstanden werden und durch ihre in der Regel exakte Beschreibung einen mehr technisch-imperativen Charakter haben.
Leitlinien
Demgegenüber sind Leitlinien systematisch entwickelte Entscheidungshilfen über angemessene Vorgehensweisen bei speziellen diagnostischen und therapeutischen Problemstellungen. Sie lassen dem Arzt einen Entscheidungsspielraum und "Handlungskorridore", von denen in begründeten Einzelfällen auch abgewichen werden kann.
Empfehlungen und Stellungnahmen
wollen die Aufmerksamkeit der Ärzteschaft und der Öffentlichkeit auf änderungsbedürftige und beachtenswerte Sachverhalte lenken. Ein Memorandum dient mit seinem Inhalt der umfassenden Information und Aufklärung. Seine Inhalte sollen für die Urteilsbildung des Arztes über den aktuellen Stand des Wissens ggf. auch über veraltetes Wissen von Nutzen sein.
Bundesärztekammer, zitiert:
http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=0.7
Ich möchte nicht bestreiten, dass ich in meiner aktiven Zeit als Mediziner nicht selten außerhalb der Leitlinie – quasi aus dem Bauch heraus – entschieden und gehandelt habe. Und dann stell dir mal vor, wie ich vor dem Richtertisch gestanden wäre. Gestopselt hätte ich sicher. Und den Hinterbliebenen hätte ich nicht mehr...