Der Extrakt aus dem
Prostatakrebs-Forum
von KISP
und BPS
Rechtliches
– Kostenerstattung der
PSA-Bestimmung
- Nikolaus
schrieb am 30.1.2001:
-
ich
(46 J) gehöre zu einer Gruppe von Prostatitis-Patienten, also
Männern, die an Prostatitis leiden, also keinen Krebs haben.
Ich möchte nach Ihren Erfahrungen mit der PSA-Diagnose fragen.
Ich war im Dezember mal wieder beim Urologen und wollte eine
PSA-Untersuchung haben, die mir verweigert wurde. Ich las auf einer
Patienteninformation, die mir der Arzt gab, dass Prostatakrebs die
häufigste Todesursache sei, aber die Kassen nicht die
wichtigsten Diagnosen bezahlen. PSA sei wichtig, müsse aber
selbst bezahlt werden. Ich bestand auf dem PSA-Test, musste
unterschreiben, dass es mein ausdrücklicher Wunsch sei und ließ
ein paar ml Blut. Bald kam eine Rechnung in Höhe von 53,70 DM,
die die Kasse nicht übernahm. Ich finde das ein starkes Stück.
Wie ist Ihre Meinung?
-
Uwe antwortete am
selben Tag:
-
1.)
bezahlt die Krankenkasse für die PSA-Bestimmung ca. DM 38,--.
-
2.)
Woher weiß Ihr Urologe, dass die PSA-Erhöhung nur durch
die Prostatitis kommt?
-
3.)
Wenn die Hälfte Ihrer Prostatitis nur für den PSA
verantwortlich ist, dann haben Sie wohl Prostatakrebs.
-
4.)
Wenn Sie Prostatakrebs haben, verklagen Sie Ihren Urologen auf
unterlassene Hilfeleistung!
-
Nikolaus schrieb am
30.1.2001 zurück:
-
Glücklicherweise
war das PSA bei mir nur 0,27 ng/ml. Aber ich denke an die vielen
Männer, die auf ähnliche Weise abgespeist werden. Ich war
übrigens bei einem Urologen in Darmstadt (sogar ein
Standesvertreter). Er sagte mir klar, dass auf diese Weise auch die
meisten seiner hessischen Kollegen verfahren. Von wann stammt Ihre
Information, dass die Kassen diesen Betrag bezahlen? Ich habe mit
meiner Kasse telefoniert und musste mir anhören, PSA-Bestimmung
ist eine sog. Wunschleistung, auf die kein Anspruch besteht.
-
Es
ist zwar schön, dass man hinterher den Arzt verklagen kann,
aber besser wäre eine bessere Prophylaxe!
-
Wil
nahm ebenfalls am 30.1.2001 Stellung:
-
Ja,
das ein starkes Stück. Da scheint etwas nicht zu stimmen.
Besuchen Sie doch mal die drei unten gegebenen Webseiten der
Deutschen Krebshilfe. Einem Mann über 45 eine PSA-Messung zu
verweigern ist glattweg illegal - so wie ich die Sache
interpretiere. Ggf. telefonisch bei der DKH nachfragen. Rufnummer
steht am Ende.
-
http://www.krebshilfe.de/neu/infoangebot/broschueren/ratsam/seite13.html
-
Gesetzliche
Früherkennungsuntersuchungen
-
Allgemeine Regelungen
-
9. Nehmen Sie sich einmal im Jahr die Zeit für diese
unkomplizierten und schmerzlosen Untersuchungen. Die gesetzlichen
Krankenkassen übernehmen die Kosten bei Frauen ab dem 20. und
bei Männern ab dem 45. Lebensjahr. Regelungen in Europa
unterschiedlich.
-
http://www.krebshilfe.de/neu/infoangebot/broschueren/europa/seite03.html
Europa gegen den Krebs 1998 -
Kostenlose
Früherkennungsuntersuchungen nur selten genutzt
-
Weniger als 20 Prozent
der Männer nutzen zur Zeit die kostenlose
Früherkennungsuntersuchung. "Es hat sich gezeigt, dass ein
wichtiger Grund dafür in in einem einseitigen Körperverständnis
der Männer liegt. Viele Männer betrachten ihren Körper
als Leistungsmaschine, die funktionieren muss. Man staunt, wie viele
Männer erst dann Hilfe beanspruchen, wenn der Krebs bereits
weit fortgeschritten ist", kommentiert Prof. Dr. Weißbach,
Chefarzt für Urologie im Krankenhaus am Urban in Berlin. "Sie
fordern ihren Körper, aber tun nicht bewusst etwas für
ihn. Insbesondere in den Altersgruppen, die Früherkennung
wahrnehmen sollten, ist dieses Leistungsdenken sehr ausgeprägt.
Das Körperbewusstsein dieser Männer muss verbessert
werden." Würden Männer die Möglichkeiten zur
Früherkennung regelmäßig - oder sogar überhaupt
- nutzen, dann könnte die durch Krebserkrankungen verursachte
Sterberate wesentlich reduziert werden. Ab dem 45. Lebensjahr sollte
sich jeder Mann einmal jährlich auf folgende Erkrankungen hin
untersuchen lassen: Dickdarm- und Prostatakrebs sowie
Krebserkrankungen des äußeren Genitalbereichs und der
Haut. Besondere Bedeutung haben Früherkennungsuntersuchungen
bei Krebsarten, die im Anfangsstadium der Erkrankung keine
bestimmten Symptome aufweisen oder Schmerzen bereiten und deshalb
oftmals zu spät erkannt werden. Beispielsweise verläuft
das Wachstum eines Prostatakarzinoms im Anfangsstadium meist
schmerzfrei. Erst, wenn das Karzinom eine bestimmte Größenordnung
erreicht, treten typische Symptome wie Schmerzen beim Wasserlassen
auf. "Kleine noch nicht metastasierte Tumoren können mit
hoher Erfolgswahrscheinlichkeit geheilt werden. Frühdiagnose
ist entscheidend!" appelliert Prof. Dr. Siegert vom Virchow
Klinikum der Universitätsklinik in Berlin.
- Hermann fragte am 24.6.2004:
-
Meine Krankenkasse (KKH in Dortmund) lehnt
plötzlich die Erstattung der PSA-Kontrolle ab, die ich nach
meiner Radikalen Prostatektomie erst vierteljährlich, dann
halbjährlich vornehmen lasse. Angeblich würde diese
Kontrolle weder bei der Vor- noch der Nachsorge übernommen.
-
Wer hat ähnliche Erfahrungen gemacht und
wer kennt die Rechtsgründe?
-
Urologe fs antwortete am selben Tag:
-
Vorsorge stimmt, Nachsorge MUSS Kasse zahlen.
Da versucht ein Mitarbeiter, der keine Ahnung hat, Geld zu sparen.
Doc informieren, ggf. den medizinischen Dienst der Krankenkassen,
falls Probleme auftreten - Kasse wechseln.
-
Und Jürgen gab einen Tag später den Tipp:
-
ich bin auch in der KKH versichert und habe
auch nur Ärger mit der KKH. Wende Dich bitte mit einem kurzem
Brief an das für Dich zuständige Bundesversicherungsamt
(das ist die Aufsichtsbehörde der KKH). Die werden das prüfen
und die KKH dann anweisen, weiterhin die Kosten der PSA-Kontrolle zu
übernehmen.
-
Schreibe bitte diesen kurzen Brief, denn ich
habe mittlerweile den Eindruck, dass die KKH gezielt so mit
Versicherten umgeht, denn viele zahlen einfach, wenn sie die
Auskunft der KKH bekommen, sie müssten das selber zahlen.
-
Walter schrieb am 27.6.2004:
-
Da ist von Deiner Seite bzw. von der Deines
Hausarztes etwas schiefgelaufen. Der Hausarzt muß die
PSA-Untersuchung per Laborüberweisungsschein anfordern. Damit
das Budget des Hausarztes damit nicht belastet wird, gibt er auf dem
Überweisungsschein die Kennziffer "4488" ein (gilt
für Bayern, ob bundesweit gültig weiß ich nicht,
wird aber ähnlich sein). Die Kennziffer 4488 besagt, dass es
sich um eine Krebserkrankung handelt. Auf diese Weise kann die
Nachsorge also für den Patienten kostenlos auf Kasse gemacht
werden (nicht aber die Vorsorge). Die KKH muß hier nicht
zustimmen, kann die Kostenübernahme folglich gar nicht
ablehnen.
- Julia S fragte am 10.7.2008:
-
Mein Vater ist seit einiger Zeit an
fortgeschrittenem Prostatakrebs erkrankt. Da es ihm auch aufgrund
seines im letzten Jahr erlittenen Schlaganfalles ziemlich schwer
fällt, seinen behandelnden Urologen aufzusuchen, wurde die
letzte Blutentnahme zur Bestimmung von PSA und Testosteron durch die
Hausärztin durchgeführt. Vom beauftragten Labor wurde uns
nun eine Privatrechnung über ca. 45,00 € zugesandt.
Auf Nachfrage bei der AOK hat man uns erklärt, eine Übernahme
dieser Kosten über die Kassenärztliche Vereinigung und
dann die AOK sei nur dann möglich, wenn sie vom Urologen, NICHT
aber, wenn sie von der Hausärztin in Auftrag gegeben worden
sei, obwohl die PSA-Bestimmung laut Katalog der AOK zu den
Leistungen gehört. Entscheidend ist demnach WER den Auftrag zur
Bestimmung der Werte erteilt.
-
Dies würde für meinen Vater
bedeuten, zusätzlich zu den Besprechungsterminen auch immer
einige Tage davor den für ihn wesentlich beschwerlicheren Weg
zum Urologen in Kauf zu nehmen, anstatt den einfachen Weg zur
Hausärztin (Luftlinie 500 m von seiner Wohnung, kurze
Wartezeit...) gehen zu können, oder aber dafür alle sechs
Wochen 45 € zu zahlen...
-
Hat jemand von Euch ähnliche Erfahrungen
gemacht, oder hat eine Idee, wie eine Übernahme der Kosten
durch die AOK möglich wäre?
-
Urologe antwortete einen Tag später:
-
Also, normal ist der Umgang der Hausärztin
mit Ihnen nicht (und auch nicht Rechtens). Sie hat nur Angst davor,
ihr Budget zu überschreiten und geht deshalb diesen Weg, was
aber nicht korrekt ist! Und bei einer privatärztlichen
Beauftragung stellen sich die meisten Kassen zunächst quer.
Dabei braucht sie doch nur in ihrer Kartei und auf dem Laborauftrag
die Kennziffer 32012 zu schreiben, und schon ist das Thema
für den Urologen oder auch den Hausarzt erledigt!
-
Bei der Diagnose PK ist die PSA-Bestimmung
IMMER KASSENLEISTUNG!!! Leider gibt es aus Unwissenheit der
Kennziffern immer wieder diese Probleme.
-