Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Rechtliches – Anerkennung/Nichtanerkennung des
Vorliegens von Knochenmetastasen durch die GKK

Dieter schrieb am 14.3.2006:
Ich wende mich heute mit einer etwas abstrusen Frage an das Forum.
Bei der Gutachteruntersuchung zur Erwerbsminderungsrente bei der Bundesknappschaft in Siegen bestritt der Gutachter die Diagnose auf Knochenmetastasen, obwohl ein Befund des Knochszintigramms vorlag. Ich habe mich darüber bei dem Sozialmedizinischen Dienst der Knappschaft beschwert.
Daraufhin erhielt ich folgende Antwort:
"In Ihrem konkreten Fall wurden die "Knochenmetastasen" aufgrund von Veränderungen im Vergleich sowie eines PSA-Anstieges als Tochtergeschwüre interpretiert. Die Beurteilung einer Knochenmetastase ist unverändert nach internationalen wissenschaftlichen onkologischen Kriterien nur bei absolut sicherem Nachweis eines bösartigen Wachstums in feingeweblichen Proben (z. B. Gewebsentnahme aus den Knochen) gegeben. Manchmal ist sogar eine 2. Probennahme erforderlich, um absolut sicher zu sein.....
Die Beschreibung des Knochenszintigramm-Befundes kann maximal "als im Sinne von Tochtergeschwülsten" beurteilt werden."
Mich verwirrt das Ganze! Ist die Diagnose Knochenmetastasen von meinem Urologen richtig oder nicht? Wenn Meatastasen angezweifelt werden, bekomme ich dann die richtige Therapie? Hat hier jemand Erfahrung in der Diagnostik und kann mir helfen?
Ich bin sehr verunsichert!
Elke antwortete am selben Tag:
ich bin ziemlich entsetzt über die Interpretation des zur Begutachtung herangezogenen Arztes. Leider wissen wir nicht, welcher Fachrichtung dieser angehört.
Die Knochenmetastasen muss man bestimmt nicht durch eine Knochenbiopsie absichern lassen, wenn der Primärtumor bekannt ist. Siehe Leitlinien Diagnostik: http://www.uni-duesseldorf.de/awmf/ll/033-016.htm.
Wie lautet denn der Befund des beauftragten Radiologen, der die Szintigraphie durchgeführt hat? Mit ihm würde ich mich zuerst kurzschließen.
Ich denke, Du hast Dich zu Recht beschwert und solltest Dich keinesfalls verunsichert lassen – das ist Politik von vielen Ämtern und Institutionen, um möglichst viele Ansprüche von Antragstellern abzuwimmeln. Nicht umsonst sind die Sozialgerichte nach abgelehnten Widersprüchen, die dann in Klagen übergehen, völlig überlaufen.
Du brauchst einen guten Arzt, der Dir 100-prozentig zur Seite steht. Wenn dieser Punkt gesichert ist und Dein Widerspruch keinen Erfolg zeitigt, dann wird wohl als nächster Schritt der Gang zum Rechtsanwalt anstehen. Manchmal hilft es auch, durch eine Mitgliedschaft im VdK rechtlichen Rat und Beistand einzuholen.
Dieter(V), Gesundheitspolitischer Sprecher des BPS, schrieb einen Tag später:
der Gutachter der Knappschaft ist mit Sicherheit kein Prostatakrebsspezialist, eher ein Lungenspezialist.
Elke hat zu Recht auf die Leitlinien hingewisen. Diese solltest du bei deinem weiteren Verfahren vorbringen. Wozu gibt es denn solche Leitlinien? Ich kann dich nur ermuntern, weiter zu kämpfen – gegen solch bornierte "Fachleute" und für deine berechtigten Interessen.
Hilfreich ist hierbei folgende Information:
Bei Fragen zum Medizin- oder Sozialrecht bietet das Medizinrechts-Beratungsnetz eine kostenlose juristische Erstberatung durch die Vertrauensanwälte der Stiftung Gesundheit. Beratungsscheine können unter der gebührenfreien Rufnummer 0800/0 73 24 83 angefordert werden.
Dieser Service ist eine gemeinsame Einrichtung von der Stiftung Gesundheit und dem Medizinrechtsanwälte e. V. Weitere Informationen sowie das Verzeichnis der Vertrauensanwälte gibt es unter www.medizinrechts-beratungsnetz.de.
Dort kannst du von neutralen Rechtsanwälten erfahren, welche Möglichkeiten (Klage, Schiedsverfahren) dir möglich sind und welche Chancen dabei bestehen.
Diese Rechtsanwälte dürfen den Fall selbst nicht übernehmen, insofern sind sie neutral, plädieren also nicht zu eigenen Gunsten (juristische Vertretung = Folgegeschäft). Sollte ein Rechtsanwalt dann nötig sein – hast du eine Rechtsschutzversicherung? – dann sollte dies ein Fachanwalt in Medizinrecht sein (ggf bei der BPS-Geschäftstelle nachfragen). Der BPS unterstützt auch sozialrechtliche Interessen von Prostatakrebs-Betroffenen.
Weiterhin viel Mut und Kraft, aber auch Erfolg beim Kämpfen!