Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Rechtliches – Weitergabe nicht mehr benötigter rezeptpflichtiger Medikamente

[Die zur Behandlung von Prostatakrebs ggf. eingesetzten Medikamente haben Eines gemeinsam: Sie sind durch die Bank sehr teuer. Deshalb widerstrebt es jedem ökonomisch denkenden Menschen, Restbestände, die nicht mehr benötigt werden, einfach wegzuwerfen. Gelegentlich werden solche Restbestände auch im Diskussionsforum angeboten. Viele machen sich nicht klar, dass sie sich ohne das Vorliegen einer dieser beiden Qualifikationen durch das Weitergeben rezeptpflichtiger Medikamente strafbar machen können. Solche Medikamente dürfen in Deutschland nur von Apothekern und Ärzten in den Verkehr gebracht werden. Ich gehe davon aus, dass es in Österreich und der Schweiz nicht anders ist. – Ed]

ganther fragte am 20.3.2012:
Wegen Therapiewechsel könnte ich Casodex, Sortis, Celebrex und Actos weiterleiten! Hat jemand Interesse?
Ralf antworteteam selben Tag:
Du solltest bedenken, dass alle diese Medikamente rezeptpflichtig sind. Bei einer Weitergabe kannst Du Dich u. U. strafbar machen.
Und tom aus lu schrieb:
Du begehst im Moment eine strafbare Handlung! Darüber hinaus kommt dieses Forum in Gefahr, wenn nachweisbar darin illegaler Medikamentenhandel betrieben wird!

Hans76 schrieb am 1.11.2012:
Viele Medikamente bleiben z. B. bei Therapiewechsel übrig und werden entsorgt, gehen verloren. Man könnte durch Anbieten solcher Restbestände einige finanzielle Einsparungen vornehmen oder z. B. auch manchen Patienten, die ein gewisses know-how besitzen und gern etwas experimentieren möchten (und deren behandelnde Ärze aber sehr unflexibel sind und nur stur nach den Leitlinien handeln) eine Möglichkeit verschaffen, an kleinere Mengen solcher Medikamente heranzukommen. Sicher ist ein solcher Gedanke nicht unproblematisch – aber bei relativ harmlosen Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln und kleinen Mengen sollte das machbar sein. Ich würde z. B. gern kleine Mengen an an Avodart, Aromasin, Flutamid, Actos benötigen (für vielleicht vierwöchige Versuche). Abgeben könnte ich zwei Packungen Androcur (noch unangerissen, allerdings Verbrauchsdatum 2/2012). Unter welcher Rubrik allerdings ein solcher kleiner Markt, wenn überhaupt, unterzubringen wäre, müsste geprüft werden von den Zuständigen.
Einen Tag später warnt wieder Heribert:
wenn ihr den Betreiber des Forums nicht in Schwierigkeiten bringen wollt, solltet ihr von der Idee Abstand nehmen.
Die deutschen Arzneimittelgesetze schreiben bei Strafe vor, dass nur durch Ärzte verordnete Arzneimittel ausnahmslos über Apotheker direkt an den Endnutzer abgegeben werden dürfen. Selbst an einen Arzt zurückgegebene Arzneimittel, dürfen nicht mehr an andere Patienten abgegeben werden. Auch das einmal in Umlauf gebrachte Medikament darf der Apotheker nicht zur erneuten Wiederverwendung zurücknehmen, sondern muss es vernichten.
Das ist die Gesetzeslage.
Auch Hansjörg schrieb am selben Tag:
Das ist rechtlich nicht möglich. Privatpersonen dürfen keine verschreibungspflichtigen Medikamente vertreiben, das ist aus gutem Grunde den Apotheken vorbehalten:
http://de.wikipedia.org/wiki/Arzneimittel#Verkehr
Übrig gebliebene Medikamente sind über eine Apotheke zu entsorgen.
[Anm.: Der thread, dem die vorstehenden Beiträge ab dem 1.11.2012 entnommen wurden, wurde aus rechtlichen Gründen im Forum gelöscht. – Ed]

W. Rellok schrieb am 12.11.2012 zu einem ähnlichen Aufruf zu einer Medikamentenspende:
Dispensierrecht - Medikamentenweitergabe
Dispensierrecht
Unter dem Dispensierrecht versteht man die gesetzliche Erlaubnis, Medikamente herzustellen, zu mischen, zu lagern und zu verkaufen. Das Dispensierrecht entspricht damit im Grunde dem Recht zum Führen einer Apotheke.
    Hintergrund
Vor der Medizinalordnung, die 1241 vom Stauferkaiser Friedrich II. erlassen wurde, legte die Medizinalordnung die Trennung von Arzt und Apotheker fest. Zuvor waren Ärzte sowohl für Diagnose und Therapie, als auch für die Herstellung und Abgabe der Arzneimittel zuständig.
In einigen Ländern (z. B. Schweiz und Japan) werden Medikamente nach wie vor auch durch Ärzte abgegeben. Das gleiche trifft in Deutschland für Tierarzneimittel zu - sie dürfen direkt durch den Tierarzt abgegeben werden. Ein zusätzlicher Teil des Studiums der Veterinärmediziner ist daher das Fachgebiet Pharmazeutische Technologie.
Die Verordnung rezeptpflichtiger Arzneimittel ist in Deutschland hingegen Aufgabe des Arztes. In anderen Ländern wie z. B. Großbritannien, dürfen auch leitende Krankenschwestern, Hebammen, Apotheker, Chiropraktiker, Fußpfleger, Physiotherapeuten, Röntgenassistenten und Augenoptiker bestimmte Arzneimittel verschreiben.
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Einige von uns werden sich an die Diskussion vor einigen Jahren erinnern. Heiminsassen hinterlassen nach ihrem Ableben bundesweit tonnenweise Medikamente, die zum Teil noch originalverpackt in den Schränken der Pflegestationen lagern. Der zunächst reizvolle Gedanke, diese Pillen an die Überlebenden zu verteilen, musste in Folge des Dispensierrechtes verworfen werden.
Sinnvoll: wer würde im Streitfall zur Verantwortung gezogen werden? Der das Rezept – für den Verstorbenen – ausstellende Arzt kann ja nicht für die Wirkung beim konsumierenden Nachfolger in Verantwortung genommen werden. So einfach ist das.