Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Rechtliches – Anspruch auf Einsicht in
die eigene Krankenakte



[Relevant für Ihren Anspruch auf Einsicht in Ihre eigene Krankenakte sind vor allem die §§ 809 und 810 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB).
Der § 809 "Besichtigung einer Sache" lautet:
"Wer gegen den Besitzer einer Sache einen Anspruch in Ansehung der Sache hat oder sich Gewissheit verschaffen will, ob ihm ein solcher Anspruch zusteht, kann, wenn die Besichtigung der Sache aus diesem Grunde für ihn von Interesse ist, verlangen, dass der Besitzer ihm die Sache zur Besichtigung vorlegt oder die Besichtigung gestattet."
Der § 810 "Einsicht in Urkunden" lautet:
"Wer ein rechtliches Interesse daran hat, eine in fremdem Besitz befindliche Urkunde einzusehen, kann von dem Besitzer die Gestattung der Einsicht verlangen, wenn die Urkunde in seinem Interesse errichtet oder in der Urkunde ein zwischen ihm und einem anderen bestehendes Rechtsverhältnis beurkundet ist oder wenn die Urkunde Verhandlungen über ein Rechtsgeschäft enthält, die zwischen ihm und einem anderen oder zwischen einem von beiden und einem gemeinschaftlichen Vermittler gepflogen worden sind."
Ed]

Heinz-Michael fragte am 14.3.2002:
ein Jugendfeund von mir liegt z. Zt. in einem Krankenhaus. Gewisse Umstände veranlassen mich, eine Frage an euch zu stellen mit der Bitte um eine ganz konkrete Beantwortung – soweit möglich.
Sachverhalt:
Mein Jugenfreund wurde seit geraumer Zeit auf Prostatitis behandelt. Vor zwei Wochen hatte er sehr viel Blut im Urin und konnte auch kaum noch Wasser lassen.
Diagnose: PE, und außerdem wäre da auch noch ein Tumor in der Blase, der sofort mit entfernt werden müsse.
Soweit, so gut.
""OP"" war am Montag dieser Woche. Als die Ehefrau den Stationsarzt fragte, was denn nun genau gemacht worden sei, sagte dieser, "dass sie nur die Prostata ausgeschält hätten". Und von einem Tumor in der Blase "sei niemals die Rede gewesen"!! Auch meinem Jugenfdfreund verweigern die Ärzte dort offensichtlich die genaue Auskunft.
Nun meine konkrete Frage: Besteht ein Rechtsanspruch auf Einsicht in die EIGENE Krankenakte?? Falls ja, WO STEHT DAS GENAU und wie wäre der Widerstand der Ärzte am besten zu brechen?? Leider ist mein Jugendfreund kein Kämpfertyp; er ist vielmehr der bequeme Patient und für jeden Arzt geradezu ideal, weil er eben alles als gegeben hinnimmt und alles mit sich machen lässt. Er sagte mir am Telefon geradezu naiv: "Die haben ja schließlich studiert und ich gehe davon aus, dass sie das Beste für mich wollen". Mein Freund ist Kassenpatient!
Liebe Forumfreunde; wer unter euch also die Rechtslage bzgl. der "Einsicht in die eigene Krankenakte" genau kennt; bitte bekanntgeben!
Ralf antwortete am selben Tag:
ich habe einfach mal bei Google die Stichwörter "Krankenakte" und "Einsicht" eingegeben und stieß auf die folgende lesenswerte Seite:

http://www.docslaw.de/krankenunterlagen.htm
[leider steht diese Seite nicht mehr zur Verfügung – Ed]

Die liefert zwar keine direkte Antwort auf Deine Frage; der Verfasser, selbst ein Arzt, setzt wohl voraus, dass es darüber gar keine Diskussion gibt. Dafür gibt die Seite ganz brauchbare Tips aus der Erfahrung.

Die Seite

http://www.br-online.de/wissenschaft/ratgeber/20010915_4.html

gibt die von Dir gewünschte Auskunft: §§809-811 BGB!
[leider steht diese Seite nicht mehr zur Verfügung – Ed]

Ich hoffe, das hilft Dir und Deinem Freund weiter.

Urologe fs schrieb zu einem Bericht über einen Arzt, der mit Auskünften äußerst sparsam umging:
vielleicht mag sich der Herr wegen einiger Ungereimtheiten nicht in die Karten schauen lassen. Grundsätzlich hat aber JEDER PATIENT DAS RECHT, VON SEINEN UNTERLAGEN FOTOKOPIEN auf eigene Kosten zu verlagen – bei Weigerung mit Anzeige bei der Ärtzekammer drohen. Danach den Arzt wechseln.

nakreu fragte am 24.11.2011:
Ich bauche einen Rat:
Wir würden für die Planung der Rhenium-188-HEDP-Therapie die Originaldaten vom Knochenszinti brauchen. Leider haben wir nur einen sehr schlechten Ausdruck. Unser Urologe behauptet, dass uns nur der Ausdruck zur Verfügung stehen würde, andere Bilder gibt es nicht! Ich kann das nicht wirklich glauben! Von der Abteilung im Krankenhaus habe ich noch keine Antwort auf meine Anfrage bekommen. Vielleicht hat ja schon jemand Erfahrung mit der Beschaffung der Originalaufnahmen und kann mir einen Tipp geben.
Heribert antwortete am selben Tag:
Inzwischen werden in fast allen Krankenhäusern die Aufnahmen digitalisiert und auf Datenspeicher archiviert. Diese Bilddateien können dan an speziellen Monitoren ausgewertet werden oder auch in einem ganz normalen Bildbetrachter auf dem Computer angesehen werden. Ausdrucke davon sind im allgemeinen von minderer Qualität.
Vielfach ist die Zeit der Archivierung von Röntgenbildern im Folienformat vorbei, weil zu kostenaufwändig.
Lass Dir vom Ersteller des Knochenszintigramms gegen Gebühr eine CD brennen oder die Datei auf eine USB-Stick kopieren.
Und Sunny05 schrieb:
Wir haben auch von der Radiologischen Praxis eine CD bekommen und zwar ungefragt und umsonst.

ganther schrieb am 14.7.2014:
Vor vier Wochen wurde bei mir in der onkologischen Abteilung einer HELIOS-Klinik eine Knochenbiopsie vorgenommen und zwecks Auswertung einer Hämatologie-Praxis in München zugeleitet. Von dort erhielt ich schon am 24.06.2014 die Liquidation. Fernmündlich bat ich um Befund-Übermittlung, die aber abgelehnt wurde.
Da ich den anberaumten Gesprächstermin diesbezüglich in den HELIOS-Kliniken wegen u. a. unfreundlicher Betreuung abgesagt hatte, bat ich auch hier, diesmal schriftlich, um Zuleitung des Befundberichtes und evt. eines Therapieplanes. Leider ohne Erfolg! Muss ich etwa nun ein Befund-Mahnverfahren einleiten?
helmuta.g. riet am selben Tag:
Die Liquidation einfach nicht bezahlen. Eine Dienstleistung etc. ist dann zu liquidieren, wenn diese Leistung auch erbracht wurde und ein Ergebnis, Befund, vorliegt.
Habe ich des öfteren auch so praktiziert. Wenn die Rechnung ohne verherigen Befund etc. kam, habe ich höflich darauf geantwortet, "dass mir kein Nachweis, Befund vorliegt woraus sich für mich erschließen lässt, dass die Rechnungsforderung berechtigt ist.
Funktioniert, sehr schnell sogar...("wenn es um die Kohle geht...").
Und Ralf schrieb:
Helmuts Ratschlag wird vermutlich die gewünschte Wirkung haben. Falls Du schon gezahlt haben solltest, würde ich Dir empfehlen, Dich an das viel zu wenig bekannte Medizinrechts-Beratungsnetz zu wenden, Näheres hier.