Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Rechtliches – Beratung Betroffener durch Nicht-Mediziner

RA Kai Mielke schrieb am 2.11.2007 aus gegebenem Anlass:
Ich habe an anderer Stelle schon einmal kurz dargelegt, worauf man bei der Beratung Betroffener achten sollte, um juristisch auf der sicheren Seite zu bleiben. Aus gegebenem Anlass will ich es hier gerne noch einmal wiederholen:
Die Beratung von Betroffenen durch Betroffene ist unkritisch, solange man nicht den Eindruck erweckt, man würde mit seinem Rat zum individuellen Heilerfolg des Betroffenen beitragen können. Denn dies wäre eine unzulässige bzw. Laien verbotene Ausübung der Heilkunde im Sinne des Heilpraktikergesetzes. Faustregel für unsere Praxis daher: Keine konkreten Diagnose- oder Therapieempfehlungen abgeben, sondern vielmehr aus dem eigenen Wissens- und Erfahrungsschatz als Betroffener schöpfen und sich mit Hinweisen und Anregungen begnügen.
Im Rahmen eines BPS-Kommunikationsseminars haben die Teilnehmer und ich diesbezüglich übrigens mal einen Textbaustein erarbeitet, den man so, in ähnlicher Form oder jedenfalls sinngemäß zu Beginn eines telefonischen Beratungsgesprächs einflechten sollte:
„Sie wissen, ich bin kein Arzt, sondern ein Betroffener wie Sie. Was Sie von mir erwarten können, sind daher keine konkreten Behandlungsempfehlungen oder eine Art ärztliche Zweitmeinung, sondern lediglich Informationen und Einschätzungen, die ich aus eigener Erfahrung oder aufgrund des Austausches mit anderen Betroffenen gewonnen habe. Das, was wir hier besprechen, ersetzt also keine ärztliche Beratung, sondern kann diese nur ergänzen und Ihnen bestenfalls wertvolle Anregungen oder Hinweise geben. Dabei kann und wird es wahrscheinlich passieren, dass das, was Sie von mir hören, neu für Sie ist oder im Widerspruch zu etwas steht, was Sie bereits von anderer Seite gehört haben. Das ist jedoch völlig normal und kann Ihnen grundsätzlich auch passieren, wenn Sie unterschiedliche Ärzte konsultieren. Die Mühe, sich in Zweifelsfragen selber schlau zu machen und sich eine eigene Meinung zu bilden, wird Ihnen letztlich also niemand ersparen können. Ich kann Ihnen lediglich anbieten, Ihnen hierbei mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.“