Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Rechtliches – Anerkennung des Vorliegens
einer Behinderung bei Prostatakrebs

[Jeder Prostatakrebskranke hat einen Anspruch auf das Anerkennen einer Behinderung und das Ausstellen eines entsprechenden Schwerbehindertenausweises. Der Antrag hierfür ist bei den jeweiligen Landesämtern für Versorgung und Soziales zu stellen. Der behandelnde Arzt wird daraufhin durch dieses Amt um eine Stellungnahme gebeten. Die Anerkennung kann sich über Wochen oder sogar Monate hinziehen, die schließlich anerkannte Behinderung gilt aber ab dem Tage der Antragstellung (in einigen Bundesländern anscheinend sogar ab dem Tag der Biopsie/Krebsdiagnose).
Als Grad der Behinderung wird im Allgemeinen 50 % anerkannt, manchmal auch 60 %, je nach Bundesland und wohl auch Schwere der Erkrankung/Zustand nach der Therapie.
Viele Betroffene scheuen diesen Schritt und möchten nicht als Schwerbehinderte dastehen. Niemand ist gezwungen, irgendwo, z. B. zum Zweck eines Preisnachnachlasses bei einem Museumsbesuch, seinen Behindertenausweis vorzuzeigen. Es gibt hingegen einen guten Grund für die Antragstellung: Einen steuerlichen Freibetrag von derzeit (2003) 570,- € im Jahr bei einem Behinderungsgrad von 50 %.
Viele Betroffene erfahren von ihren Ärzten nie etwas von dieser Möglichkeit einer kleinen finanziellen Entlastung. - Ed]

Willi schrieb am 3.3.2001:
...in Bezug auf o.g. Thematik [Schwerbehinderung - Ed.] könnt Ihr unter www.inkanet.de, und weiter unter Sozialrecht, entsprechend Wissenswertes nachlesen.
Manfred schrieb am 27.5.2001:
jeder Krebskranke hat ein Anrecht für einen Schwerbehindertenausweis!!!
Ich habe mich am Anfang schwer getan, einen solchen Ausweis zu beantragen; ich hatte das Gefühl, dass ich hierfür in einem Rollstuhl sitzen, oder aber den Kopf unter dem Arm tragen müsste. Dem ist aber nicht so.
Im Krankenhaus oder in der AHB wird auf Verlangen der Antrag gestellt.
Vorteile: Bei Personen im Arbeitsleben gibt es einen gewissen Schutz vor Kündigung, der Arbeitnehmer erhält eine größere Anzahl von Urlaubstagen im Jahr, das Finanzamt gewährt einen Freibetrag; die Höhe dieses Freibetrages richtet sich nach dem gewährten Prozentsatz der Behinderung.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, die Auszahlung der Rente ohne Reduzierung vor dem 65. Lebensjahr, wenn gewisse andere Umstände gleichzeitig gelten (ist etwas umständlich, deshalb hierzu keine Erläuterung). Bei mir, geb. 4.9.38, trifft es direkt zu, ich könnte ohne Einschränkungen bereits mit dem 60. Lebensjahr die volle Rente ohne Abzüge erhalten.
Meine Situation: Lymphadenektomie im Jan. 1999, Prostatektomie im Febr. 1999, Anstieg des PSA, Durchführung einer intermittierenden Androgenbehandlung. Antragstellung 18.1.2000 an das Amt für soziale Angelegenheiten in Trier mit allen erforderliche Unterlagen. Ausweis 17.2.2000, rückwirkend geltend ab Febr. 1999. Grad der Behinderung: 60 %. Begründung (Zitat):
1. Prostataentfernung bei Gewebeneubildung in Heilungsbewährung,
2. Bewegungseinschränkung der Hals- und Lendenwirbelsäule
Nicht anerkannt wurde: Leistenhernieoperation, weil hier kein GdB (Grad der Behinderung) von mindestens 10 % bedingt wird.
Wie das bei unseren Freunden in den Niederlanden oder in Österreich gehandhabt wird, weiß ich leider nicht.
Ich stehe bei Rückfragen gern zur Verfügung.
Darauf fragte Dieter am 18.6.2001:
wie ging das so schnell? Ich habe bei ähnlichem Krankheitsverlauf im Jan. 2001 meinen Antrag gestellt und bis heute keinen Bescheid. Gibt es da irgenwelche Möglichkeiten das zu beschleunigen?
Manfred schrieb die Antwort am 3.7.2001:
ich bin ein "Jäger und Sammler" und habe alle Unterlagen, die meine Krankheiten betreffen, bei mir vorliegen. Diese habe ich an das Versorgungsamt geschickt. Ich kann nur vermuten, dass dies der Grund für die schnelle Bearbeitung war.

Dieter schrieb am 27.1.2003:
vergesst bitte nicht, beim Landesamt für soziale Dienste Eure Schwerbehinderteneigenschaft zu beantragen. Es wird ein Grad von 50% anerkannt. Anschliessend beim zuständigen Finanzamt einen Freibetrag in die Lohnsteuerkarte eintragen lassen(570,-). Diese Info besonders für Neuerkrankte!
[Auf eine entsprechende Anfrage fügte er zwei Tage später später hinzu:]
Beim Landesamt für soziale Dienste formlos einen Antrag stellen und die [Anerkennung der – Ed] Schwerbehinderung beantragen. Du bekommst dann einen Fragebogen zugesandt. Nun musst Du Deine Erkrankungen offenlegen und Deine Ärzte benennen. Die Ärzte werden dann vom Landesamt angeschrieben. Dann kommt der Bescheid.
Nach dem Schwerbehindertengesetz gibt es bei einem Prostataca. 50 %, wenn noch andere Erkrankungen vorliegen, entsprechend mehr.
Barbara schrieb dazu am 28.1.2003:
mein Mann hat lediglich die ärztlichen Diagnosen (Ergebnisse von Biopsie und TRUS) eingereicht; daraufhin wurde ein Behinderungsgrad von 60 % anerkannt.
Jutta fragte dazu am 4.2.2003:
Mein Mann hat sowohl die Prostata und Harnröhre als auch die Blase entfernt bekommen und nun ein Urostoma.
Das Antragsformular hat er ausgefüllt und vor ca. 4 Wochen abgesandt. Wie lange dauert so eine Bearbeitung und wie hoch wird wohl der Behinderungsgrad ausfallen??
Ralf antwortete am 4.2.2003:
zur ersten Frage: Das könnte von Bundesland zu Bundesland verschieden sein. Ich wohne in Hessen; bei mir hat es fast vier Monate gedauert, bis ich den Bescheid bekam. Die Anerkennung gilt rückwirkend ab dem Tag der Antragstellung.
Zur zweiten Frage: Bei dieser Schwere der Behinderung wird der anerkannte Grad wohl nicht weit von 100 % entfernt sein, denke ich.
Darauf Uwe am selben Tag:
ich wohne auch in Hessen und habe nach zwei Monaten Rabatz gemacht und dann nach 4 Tagen die Bescheinigung erhalten. Ich meine wie Ralf, dass Dein Mann 100 % erhalten sollte, wenn nicht, Widerspruch einlegen!
Barbara berichtete am 5.2.2003:
wir wohnen in Niedersachsen. Der Antrag meines Mannes vom 24.10. ging am 31.10. ein und wurde am 28.11. rückwirkend ab Antragstellung bewilligt. Der Grad der Behinderung nach dem Sozialgesetzbuch IX wird nach anderen Maßstäben beurteilt als die Berufs- und Erwerbsunfähigkeit sowie die Erwerbsminderung nach dem Rentenversicherungsrecht, teilte man uns mit.

Barbara schrieb am 20.6.2003:
von Zeit zu Zeit fragt einer, ob der Grad der Behinderung richtig eingestuft wurde. Der folgende Link gibt dazu Hilfe (wobei zu beachten ist, dass verschiedene Behinderungen sich nicht kumulieren lassen): http://www.net-art.de/hagobaer/anhalt1.htm.

Helmut II schrieb am 29.4.2004 im BPS-Forum:
Schwerbehindertenausweise werden künftig unbefristet ausgestellt, wenn keine wesentlichen Änderungen das Gesundheitszustandes zu erwarten sind. Bislang galten die Ausweise maximal 5 Jahre. Weiter geht es unter: http://www.vdk.de/de45.
Dazu fragte Werner kurz und bündig am selben Tag:
gilt dies auch nach brachytherapie?
Was Helmut II wie folgt beantwortete:
hast Du schon einen Ausweis oder stellst Du einen neuen Antrag? Von der Brachytherapie steht zwar nichts in den MDE-, GDB-Tabellen. Wenn Dein PC so hoch bewertet wird, dass Du dabei über 50 % der Schwerbehinderung kommst, dann meine ich ja, aber sicher bin ich da nicht. Die ärztliche Einschätzung ist davon abhängig. Du kannst auch einen Text im PDF-Format vom Integrationsamt downloaden, auf den Seiten 167 - 168 kannst selbst nachschauen. Die Web-Site lautet:
http://admin.integrationsaemter.de/uploads/534/Behinderung_Ausweis.pdf, 3,50 MB, 227 Seiten, PDF-Format.

Bernd fragte am 27.7.2004:
ich hätte gern gewußt, ob es Sinn macht, einen Antrag auf einen Behindertenausweis zu stellen.
Dass ich PK habe, ist unbestritten (Gleason 3+4 in zwei von sechs Proben in einem Lappen - je nach Arzt wird der klinische Befund mit T1c oder T2b bezeichnet - tastbar ist er jedenfalls nicht).
Bisher habe ich noch keine Therapie begonnen - das geht aber demnächst, im August, los: höchstwahrscheinlich Brachy-Afterloading in Kombination mit externer Bestrahlung - dabei nur tageweiser Aufenhalt in einer Klinik, ansonsten ambulant, dauert ca. sechs Wochen.
Außer dem Biopsie-Befunden zweier pathologischen Praxen und einem Schreiben meines Urologen an den Strahlenarzt, in dem er um Weiterbehandlung bittet sowie dem Befund des Kernspins habe nicht allzuviele Dokumente aufzuweisen (Skelettszintigramm bietet kein Anlass für Knochenmetastasen - gottseidank).
Ich bin noch berufstätig - deshalb wäre der Behindertenausweis für mich interessant.
Hanns-Jörg antwortete am selben Tag:
der Schwerbehindertenausweis ist sehr wichtig. Bei PK, nicht operiert (bei mir) gibt es eine Einstufung von 50 %! Das reicht erst mal für einen Steuerfreibetrag. Auch der Kündigungsschutz ist damit erweitert. Die weiteren Vorteile erfährst Du beim Sozialverband VDK.
Weiterhin kann der SB-Ausweis für die zukünftige Rente wichtig sein. In unserer SHG sind Betroffene (operiert) mit einem 80prozentigen Behindertengrad.
Also: Alle Krankheiten zusammenkratzen, vom Arzt dokumentieren lassen, und schnellstens den Ausweis beim Versorgungsamt beantragen!
Walter, ebenfalls am selben Tag:
es besteht auch die Möglichkeit, direkt einen Antrag an das zuständige Versorgungsamt zu stellen. Formulare hat auch meist der Hausarzt. Das Versorgungsamt holt dann von den behandelnden Ärzten die Befunde ein. Der jeweilige Grad der Behinderung ist im Sozialgesetzbuch (SGB IX) geregelt.
Wichtig ist alle behandelnden Ärzte und den Grund der Behandlung anzugeben.
Und Manfred, immer noch am 27.7.2004:
ich habe auch nur den Biopsiebefund und Angaben zu den behandelnen Ärzten direkt beim Versorgungsamt eingereicht. Die Formulare findest du im Internet bei den jeweiligen Versorgungsämtern (zumindestens in Schleswig-Holstein) zum Runterladen. Das Versorgungsamt tritt dann mit den Ärzten selber in Kontakt. Ich habe auch erst im Februar 2004 beantragt. Biopsiebefund war September 2003, und das ist auch ab diesem Zeitpunkt bewilligt worden (50 %), was wichtig für den Steuerfreibetrag in 2003 ist.
Und Wolfhard reichte noch eine Warnung nach:
keine eigenen Unterlagen, Arztberichte usw. einreichen. Dann kann es nämlich sein, dass ein Verw.-Beamter nach Aktenlage entscheidet. Immer auf behandelnde Ärzte verweisen.

Volker fragte am 22.1.2005:
mein Schwerbehindertenausweis ist nach fünf Jahren - 100 % bisher, abgelaufen. Ich habe um Verlängerung beim Hess. Versorgungsamt gebeten. Ich habe eine Prostatektomie und eine Orchiektomie, also eine so schwere Behinderung, dass es damals zu 100 % geführt hat. Die Behörde hat meinen Antrag abgelehnt und nur noch 30 % zugebilligt. Ich kann innerhalb eines Monats einen Widerspruch abgeben.
Hat jemand Erfahrung mit solch einem Widerspruch, und was muss ich tun? Gibt es einschlägige Präzedenzfälle?
Gast IV antwortete sehr ausführlich am selben Tag:
genauso wie im Kampf gegen den PK heißt es auch im Kampf gegen den nächsten Übeltäter, die Behörden, hier das Versorgungsamt: zuerst umfassend informieren! Man spart Nerven und viele Enttäuschungen. ...
Die "Anhaltspunkte für die ärztliche Gutachtertätigkeit im sozialen Entschädigungsrecht und nach dem Schwerbehindertenrecht" einschl. der GdB-Tabelle und alles über das Schwerbehindertenrecht findest Du beim Bundesgesundheitsministerium (http://www.bmgs.bund.de/) mit dem zur Zeit besten Download im Bereich Informationsmaterial Behindertenrecht. Übersichtlich und informativ geschriebenes Handbuch im PDF-Format, nicht vergessen: ca. 7 MB Speicherumfang! (Sollte man schon haben!!). Hier die Direktlinks:
http://www.bmgs.bund.de/download/broschueren/K710.pdf
oder
http://www.waldeck-info.de/behindertenrecht/Gdb-Tabelle.pdf
S. auch http://www.bmgs.bund.de/deu/gra/publikationen/p_3.cfm (BMGS-Publikationen zum Bestellen, kommt per Post = kostet was, oder kann kostenlos wahlweise als PDF oder HTML downloaded werden).
Schau' Dir am besten zuerst die private Webseite
http://www.waldeck-info.de/behindertenrecht/gdb-tabelle.htm
an, dort findest Du jede Menge Wissenswertes aus dem Bereich Schwerbehinderten- wie auch Sozialrecht, vom Versorgungsrecht "gesundheitliche Schädigung" bis hin zum abschreibefertigen Beispiel (MUSTERBRIEFE) für einen WIDERSPRUCH gegen den Bescheid vom Versorgungsamt und für eine etwaige KLAGESCHRIFT wegen unangemessener Feststellung der Schwerbehinderteneigenschaft gem. Wiederspruchsbescheid des (Landes)versorgungsamtes soundso, und ebenfalls auch die o. g. GdB-Tabelle.
Die "Anhaltspunkte für die gutachterliche Tätigkeit" nebst der GdB-Tabelle sind auch auf folgender Seite sehr gut behandelt:
http://hagobaer.bei.t-online.de/
bzw.
http://www.h-baer.de/
(letzte Änderung am 12.01.2005)
Ähnliche infos gibt's auch unter:
http://www.uwendler.de/
http://www.global-help.de/exekutive/aerztliche-grundlagen-behindertenrecht-20040608/9/0.htm
http://www.patienten-rechte.org/sgb-9/anhaltspunkte-aerztliche-gutachtertaetigkeit.php
http://www.versorgungsverwaltung.nrw.de/aufgaben/SchwbR/anhaltspunkte/index.php
http://www.integrationsaemter.de/webcom/show_lexikon.php?wc_c=558&wc_id=70
http://www.anhaltspunkte.de/zeitung/zeitung/2003_6.htm
http://www.igmetall.de/behinderte/pra_anhalts.html
http://www.wernerschell.de/Rechtsalmanach/Arbeitsschutz/gutachtertaetigkeit.htm,
meist auch mit PDF-Download.
Nur am Rande sei der VdK erwähnt, weil er Geld sehen will: http://www.anhaltspunkte.de
Weitere ähnliche Seiten kannst Du Dir sicherlich ergoogeln.
Suchmaschinen für medizinischen Bereich :
www.pubmed.de
www.dr-antonius.de
Leider ist es so: In der Regel werden die Erwachsenen-Ausweise (ab 50 GdB) für 5 Jahre, bei von Anfang an unveränderlichen Behinderungen für längstens 15 Jahre ausgestellt. M. E. kannst Du die 100 % (=GdB) - aus Erfahrung her - abschreiben. Nach den o. g. fünf Jahren zählen nur die momentanen Leiden, etwa eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustands / der Krankheit (z.  B. neues Aufkommen von Metastasen und der damit verbundenen NEUEN Schmerzen usw.). Wenn Du "austherapiert" bist und keine neuen Beschwerden infolge der alten Krankheit vorweisen kannst, dürfte der jetzige Bescheid des Versorgungsamtes durchaus rechtens sein.
Wenn Du noch berufstätig bist: Hat das Versorgungsamt bei einer Person lediglich einen Gesamt-GdB von weniger als 50 aber wenigstens 30 % festgestellt, so kann diese auf einen entsprechenden Antrag hin von dem zuständigen Arbeitsamt einem Schwerbehinderten gleichgestellt werden, sofern sie ohne die Gleichstellung einen geeigneten Arbeitsplatz nicht erlangen oder nicht behalten kann. Die Gleichstellung hat zur Folge, dass auf die „Gleichgestellten“ – mit Ausnahme der Regelung über den Zusatzurlaub – die Regeln des 11. Abschnitts des SchwbG anzuwenden sind, also z. B. die Regeln über den Kündigungsschutz, die Befreiung von Mehrarbeit etc. (§ 2 SchwbG). - Achtung: Negative Auswirkungen der Behinderung auf die Arbeitsfähigkeit haben auf die Entscheidung des Versorgungsamts über den GdB keinen Einfluss.
Ich könnte mir folgende Konstruktion vorstellen: Den Widerspruch mit einem "Änderungsantrag" verbinden, in dem Du alle Deine in der letzten Zeit neu dazugekommene Wehwehchen aufzählst und Adressen der Ärzte, die es belegen können, hinzufügst.
Ich habe irgendwann von einem ähnlich Betroffenen unter vier Augen gehört, sein Arzt (man höre und staune!) habe ihm zugeflüstert, dass Depressionen und Fatigue gerade bei PK-Patienten die einzigen Krankheiten seien, die sich medizinisch oder sonstwie NICHT beweisen lassen. Daraus resultiert, dass es lediglich darauf ankommt, wie man sich fühlt und wie glaubhaft man es den Amtsärzten vorzutragen vermag. Solche Geschichten wirst Du natürlich von keinem Rechtsanwalt hören, den wirst Du vielleicht brauchen, wenn das Versorgungsamt sich auch dann quer stellt. Bitte betrachte es nicht als einen Tipp von mir, dazu bin ich nicht in der Lage, es fachlich zu beurteilen - nicht dass es als Anstiftung zur Straftat/Betrug gedeutet wird - das muss jeder für sich selbst entscheiden und nur seinem Gewissen verantworten! Auch Impotenz und Inkontinenz - wie hier jemand schon vor mir zutreffend erwähnte - lassen sich breittreten. Jedenfalls musst Du ein paar Ärzte mobilisieren, die es Dir bestätigen, man musst sich zuerst gründlich von mehreren (Fach-)Ärzten durchchecken lassen (hier tut's weh, da auch..., schon seit Jahren...). Wenn's klappt, ist man fein raus. Mehr als die Briefmarke kostet's nicht, und obendrein tut man auch was für seine Gesundheit, man lässt sich wenigstens einmal im Leben von allen Seiten gründlich untersuchen. Wenn's nicht klappt, passiert nichts, hat man eben Pech, aber des Versuchs ist es jedenfalls wert. Bitte kein falsches Mitleid mit den Kassen... Die eigene Gesundheit geht vor! - Es ist erstaunlich, wieviele Menschen, vor allem die älteren, die verschiedensten gesundheitlichen Leiden mit sich schleppen, oft ohne es zu wissen und ohne die Anerkennung als Schwerbehinderte beantragt zu haben, weil sie damit leben können und es deshalb erst gar nicht zur Kenntnis nehmen. Und wenn man sucht, findet man bestimmt Einiges. Auch wenn jeweils mit einem niedrigen GdB bewertet, die Summe bringt es. Schwerhörigkeit, chronische Bronchitis u. ä. zählen auch mit. Bei Bestrahlungen: Stuhlinkontinenz als Therapiefolge, usw. Wie ist es mit Deinem Rücken? Jeder zweite Mensch über 40 läuft mit Arthrose in der Wirbelsäule, den Hüften oder/und den Knien herum. Hast Du zufällig vielleicht auch Gicht in den Füßen, defekte Schilddrüse etc., ohne dem jemals Bedeutung beigemessen zu haben? Marschiere am besten alle Krankheiten in den "Anhaltspunkten" von A bis Z durch und stelle Dir jeweils die Frage, ob die Beschreibung für Dich wenigstens in etwa zutreffen könnte.
Wird der Widerspruch/Änderungsantrag wieder abgelehnt, musst Du – um den vorgeschriebenen Weg vor der Klage einzuhalten – das für Dein Wohnort zuständiges Landesversorgungsamt als nächsthöhere Behörde zwecks Überprüfung bemühen müssen (Dein Versorgungsamt anrufen und die Adresse abfragen). In NRW ist es z. B.: Bezirksregierung Münster, Abt. Soziales und Arbeit, Landesversorgungsamt, z. Hd. Herrn ........ / Raum ........, Von-Vincke-Straße 23-25, 48143 Münster. Versprich Dir davon bitte aber nicht zu viel, in der Regel gibt das Landesversorgungsamt dem örtlichen Versorgungsamt statt. Man verliert dadurch nur die wertvolle Zeit. Nach einem ablehnenden Bescheid des Landesversorgungsamtes bleibt nur noch der Weg zum Sozialgericht.

Horst MUC machte am 23.5.2005 auf die folgenden Links aufmerksam:
http://www.symposion.com/MediChart/projekt2/index.htm
http://www.symposion.com/MediChart/projekt2/index.htm.

Hartmut berichtete am 20.9.2006:
Ich habe ein Problem und ich hoffe, dass mir einer Rat geben kann. Ich hatte vor fünf Jahren eine Total-Op. der Prostata und einen Antrag auf Schwerbehinderung gestellt und habe auch einen Ausweis mit 80 % bekommen (20 % hatte ich schon durch Hüft-OP.)
Das Problem ist jetzt:
Nach fünf Jahren hat das Versorgungsamt geschrieben, dass der Ausweis eingezogen werden soll. Laut Schreiben vom Urologen an das Versorgungsamt ist der PSA-Wert konstant bei 0,05 bis 0,07 ng/ml, und somit ist der Karzinom beseitigt oder zum Stillstand gekommen. Ich war regelmäßig jedes Vierteljahr beim Urologen und habe eine Untersuchung durchführen lassen.
Das Versorgungsamt geht nur nach dem Bericht des Urologen, und damit ist für sie die Angelegenheit erledigt.
Ich habe folgendes Problem seit der OP: Leichte Harn-Inkontinenz, meine Männlichkeit ist dahin, es hilft weder Pumpe noch Spritzen. Leide dadurch unter seelischen Belastungen und habe Partnerschaftsprobleme nach der Total-OP der Prostata, dies wird überhaupt gar nicht berücksichtigt bei der neuen Ausstellung für die Schwerbehinderung.
Horst 1 schrieb dazu am selben Tag:
bei mir war es ebenso. Nach fünf Jahren wurde mir der Ausweis entzogen und ich auf die vorigen Werte zurückgestuft. Mein Anwalt ist vor das Sozialgericht gegangen. Nun habe ich wieder einen Ausweis, bis an mein Lebensende, und die Kosten durfte auch das Amt zahlen. Du kannst auch ohne Anwalt zum Sozialgericht gehen. Mit Anwalt wirkt es besser.
Oliver meinte:
Du solltest zunächst einmal umgehend gegen den Bescheid des Versorgungsamtes Widerspruch einlegen und dort in einer kurzen Begründung darlegen, dass die von der Prostatektomie herrührenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen, psychischen Belastungen und negativen Auswirkungen auf die Sozialkontakte bei der Aberkennung einer Behinderung im Sinne des § 69 SGB IX nicht hinreichend Berücksichtigung fanden.
Beantrage die Rücknahme des Bescheides, Erteilung eines neuen Bescheides, Anerkennung eines GdB von mindestens 50 sowie Ausstellung eines Ausweises nach § 69 Abs. 5 SGB IX.
Nach meiner Auffassung besteht bei Einlegung eines Widerspruchs durchaus die Chance, dass das Versorgungsamt "einknickt" und Deine Schwerbehinderung doch anerkennt.
Und Rechtsanwalt Kai Mielke, Justitiar des BPS, schrieb einen Tag später:
In der 2. Ausgabe des BPS-Magazins aus dem Jahr 2005 habe ich einen Artikel zum Thema "Prostatakrebs und Schwerbehindertenrecht" geschrieben. Vielleicht ist die eine oder andere darin enthaltene Information hilfreich für Dich. Du kannst Dir das Heft als pdf-Datei hier herunterladen oder anschauen:
http://www.prostatakrebs-bps.de/extern/magazin/BPS_Magazin_02_2005.pdf

oldcopman53 fragte am 7.2.2011:
Im Dezember 2010 wurde ein Antrag auf Neufeststellung der Schwerbehinderung gestellt. Im Januar 2011 wurde diesem entsprochen.
Jetzt meine Frage: Ab wann ist dieser Bescheid gültig? Mit Termin Antragstellung oder aber, wie vom Versorgungsamt festgelegt, ab Datum der Entscheidung im Januar 2011? Ist ja auch für die Steuererklärung 2010 interessant.
Detlev vK antwortete am selben Tag:
Mein Schwerbehindertenausweis ist gültig ab Tag der Antragstellung, der Bescheid und die Ausfertigung kamen bei mir ca. sechs Wochen später.
Und Mattse schrieb, ebenfalls am selben Tag:
Ich habe in dem Antrag das Datum der OP angegeben und beantragt. Dieses wurde auch so in dem Ausweis genannt. Ausstellungsdatum auf der Vorderseite und auf der Rückseite GdB mit Datum der Wirksamkeit. Rein rechtlich hat man lt. Sozialgesetzbuch aber schon Anrecht ab der Feststellung der Krebserkrankung, in dem Fall also der Biopsie, oder?
Hier noch ein Antrag aus NRW mit den Datumsangaben (10.3 Wirksamkeit wegen Steuer/Rente ab __.__.____):
http://www.bezirksregierung-muenster.de/startseite/service/Sozial-und_Familienleistungen/Menschen_mit_Behinderungen/antrag_stellen/SB_5_26a_Stand-2011.pdf
Mattse ergänzte am 9.2.2011:
Bei meiner Antragstellung habe ich das OP-Datum angegeben, welches die ausfertigende Behörde auch angenommen hat. Im Zweifelsfall erstmal Widerspruch einlegen!
Zu den verschiedenen Prozentangaben hier ein Link mit einem Klick:
http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/versmedv/gesamt.pdf
Auf der Seite 46/47 findest du ab Punkt 13.6 rechtlich verbindliche Prozentsätze des Bundesjustizministeriums. Auf vage Angaben reagieren manche Versorgungsämter nur mit Schulterzucken. Da musst Du schon eine genaue Quelle nennen. Noch ein Tip: Der Sozialverband Deutschland macht da auch einen guten Auftritt:
http://www.sovd.de/
Lutz2008 fragte am 26.8.2013:
Hatte 2008 eine nervschonende Prostata-OP. Ich bekam daraufhin 50 % Schwerbehinderung. Jetzt soll ich auf 20 % heruntergestuft werden.
Nun meine Frage dazu: Was kann ich gegen die Rückstufung unternehmen, da ich immer noch vierteljährig zur Untersuchung muss, und ist es
rechtens, was das Versorgungsamt vorhat?
Die Antwort gab am selben Tag Urologe fs:
Wenn Sie keine schwere Inkontinenz oder ein Rezidiv der Erkankung haben, kann nach fünf Jahren "Heilungsbewährung" sogar 0 % gegeben werden, weil sie als "geheilt" gelten. Das steht in den Richtlinien und ist keine besondere Schikane Ihres Versorgungsamtes. Und normalerweise müssen Sie dann krebsbedingt auch nur noch jährlich zur Untersuchung, wenn Sie dennoch häufiger gehen, ist das "Privatvergnügen" des Patienten oder Arztes.
Harald schrieb am 1.1.2017:
Ich hatte am 30.12.2016 meine obligatorischen nephrologischen Tag, sprich 24-Stunden-Urin und die damit verbunden Untersuchungen auch des Blutes. Da ich dies im KH erledigen lasse, war natürlcih auch die abschließende Untersuchungsbesprechung sofort möglich. In dieser hat mir mein Nephrologe eröffnet, das wir uns beim nächsten mal über die Nierenersatztherapie unterhalten MÜSSEN.
Dies definiere ich so, dass meine Werte eben nun doch sich langsam dem Stadium V nähern (bei letzter Untersuchung 17,5 GfR). Scheint zwar noch nicht zwingend zu sein, aber die Möglichkeiten sollte ich mir anscheinend schon mal überdenken (momentan zu Hämodialyse im Heimverfahren tendierend).
Mein PCa betrachte ich persönlich ja als nicht mehr existierend, nur wie sieht es der Mediziner, Arzt oder gar der Gesetzgeber?
Hintergrund:
- ich war im ESP-Programm (zur Nierenempfängnis) als dieses PCa endeckt wurde und flog als Krebserkrankter da natürlich sofort raus,
- sofern ich die Krebsfreiheit nachweisen kann, kann ich wieder rein.
Und das ist nun meine Frage:
- Wie, durch wen und wodurch wird diese Krebsfreiheit attestiert?
- Genügt der PSA-Wert im Nadirbereich?
Natürlich würde ich zu gerne die Dialyse umgehen (das versteht, glaube ich, jeder, zumal mir meine restlichen Gebrechen durchaus genügen), aber solange ich als Krebskranker gelte ist es nichts mit Transplantation.
Hoffe, hier weiß einer Bescheid (mein Nephrologe ist natürlich nicht begeistert von ner Transplantation, warum wohl?).
rolando antwortete am selben Tag:
Wenn Du eine schriftliche Feststellung haben willst, musst Du einen Antrag auf Schwerbehinderung bei dem für Deinen Wohnort zuständigen Versorgungsamt stellen. Den Erstantrag kannst Du auf der Website Deines Landkreises herunterladen, ausfüllen und zusammen mit Deinen ärztlichen Unterlagen ans Versorungsamt senden. Danach erhältst Du, nach einer zum Teil längerer Bearbeitungszeit, einen Bescheid samt Schwerbehinderten-Ausweis, in dem Dein Grad der Behinderung (GdB) festgehalten ist und zusätzlich die Dauer der Heilungsbewährung angegeben wird. In Deinem Fall müsste das ein GdB 80 und eine Heilungsbewährung von 5 Jahren sein – bezogen auf die Prostataerkrankung. Da bei Dir noch andere schwerwiegende Erkrankungen der Lunge und der Nieren vorliegen, hast Du die Option diese Krankheiten ebenfalls in der Berechnung des GdB berücksichtigen zu lassen – dies musst Du aber nicht zwangsläufig tun. In der Regel wird durch die Einbeziehung weiterer Defizite der GdB höher ausfallen.
Mein Bescheid lautete nach Einreichung der prostatarelevanten ärztlichen Unterlagen (T3b R1 N1 L1 Mx) auf GdB 80 und Heilungsbewährung 6 Jahre. Da ich noch weitere Erkrankungen hatte bzw. noch weitere dazugekommen sind, habe ich einen Verschlimmerungsantrag gestellt. Dadurch erhielt ich letzendlich den Status GdB 100 und weiterhin 6 Jahre Heilungsbewährung.
Ob Du einen amtlichen Nachweis in Form eines Schwerbehinderten-Bescheides als Nachweis für die Aufnahme in eine Transplantations-Liste benötigst oder ob die am Auswahlverfahren beteiligten Instanzen andere Kriterien zugrunde legen, entzieht sich meiner Kenntnis. Für Dich wäre es wohl wichtig, eine möglichst kurze Heilungsbewährungs-Einstufung zu erhalten, damit Du schnell wieder auf die Transplantations-Liste gesetzt werden kannst. Die Heilungsbewährungsfristen, welche das Versorgungsamt verwendet, sind eher niedrig bemessen, da beim Antragsteller durch einen positiven Bescheid ein Leistungsanspruch auch gegenüber dem Staat entseht (höherer Steuerfreibetrag, Fahrtkosten PKW zur Arbeit u. privat steuerlich anders bewertet, ggf. frühere Berentung oder Einfluss auf die Bewilligung einer Erwerbsminderungsrente,...). Nach neueren rein medizinischen Erkenntnissen, müsste man die Heilungsbewährung beim Prostatakarzinom - zumindest bei höheren TNM-Stadien, N+ Situationen oder hohen Gleasonwerten – deulich länger ansetzen, da es hier im Zeitraum zwischen 5 und 10 Jahren nach vermeintlich kurativer Therapie - zum Teil noch später – zu zahlreichen Rezidiven kommt.