Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Prostatakrebs und die Psyche

Gerd schrieb am 15.1.2001:
ich hatte neulich in einem E-mail ans Forum erwähnt, dass ich mentale und spirituelle Übungen mache, um meine Selbstheilungskräfte gegen den Krebs zu aktivieren.
Ich wurde daraufhin aus eurem Kreise gefragt, was ich denn unter "mentalen und spirituellen Übungen" verstünde.
Ich habe meine Antwort in die Form meiner Krebs-Geschichte gekleidet und zwar in einer Kurzform und ergänzend in einer ausführlichen Fassung. Ihr findet beide in der Anlage.
Meine PK-Historie:
Dx 1995/6; PSA 82; PVx; T3N0G3;
RP 1995/7; Pelvine Lymphadenektomie; Blasenteilresektion mit Harnleiterneueinpflanzung rechts; PSA 0,2 1995/8
Tx; Strahlentherapie 1995/12 und 1996/1
1. Metastase 1996/4
1IAB 1996/4 vorab Fugerel, dann Enantone
2.+ 3. Metastase 1999/6; Dx: Progress
Tx Alternative Methoden z.B. Psycholog. Kinesiologie, Imaginationsübungen; Steigerung der Achtsamkeit, Meditation.
2000/1 Metastasen verschwunden
Tx Imaginationsübungen; Versöhnung mit dem inneren Kinde; Meditation; Gebete
z.Z 6IAB Fugerel/Enantone PSA 1,9
Meine Krebsgeschichte:
Im Juni 1995 stand die Diagnose endlich fest: Prostatakarzinom. Noch im April hatte mich der Arzt, bei dem ich meine Vorsorgeuntersuchung machen ließ, beglückwünscht, weil seine Untersuchung ohne Befund war.
In das bekannte schwarze Loch konnte ich nicht mehr fallen, denn da war ich schon seit langen Monaten drin; vor fast einem Jahr hatte ich eine ganze Serie von Schicksalsschlägen einstecken müssen, die nicht von schlechten Eltern waren. Jetzt hatte das Kind wenigstens einen Namen. Ich empfand auch eine gewisse Bestätigung und Zufriedenheit mit der Diagnose.
Mit Hilfe von Freunden ermittelte ich einen der besten Chirurgen Deutschlands und ließ mich operieren. Dieses verfluchte Karzinom hatte die Prostatakapsel bereits verlassen und war munter in den gesamten Nachbarbereich eingedrungen. So waren Lymphknoten, Teile meiner Blase und meine sexuelle Potenz nicht mehr zu retten.
Dann fing ich langsam an, mich mit meiner Krebserkrankung vertraut zu machen. Ich tat, was ich immer tue, wenn mich ein mir bisher unbekanntes Gebiet interessiert: Ich führte Gespräche mit Fachleuten und las an Fachliteratur, was ich nur kriegen konnte. (dass die Mediziner häufig meinen, ein Nichtmediziner wäre nicht in der Lage, ihre kluge Literatur zu verstehen, kümmerte mich herzlich wenig.) --- Ergebnis: Krebs ist nicht heilbar; eine Krebspersönlichkeit gibt es nicht. Damit hatte ich mein Todesurteil; nur die Vollstreckung würde noch auf sich warten lassen und zwar möglichst lange, wie ich hoffte.
Ich habe viel Vertrauen in das große Fachgebiet der Psychologie und hatte schon ca. 8 Jahre zuvor ein Buch von O. Carl Simonton, das die Simontonmethode beschreibt, an einen älteren Freund verschenkt, der damals befürchtete, Krebs zu haben. Mit dessen Sohn, der Arzt ist, hatte ich mich über den Wert dieser Methode zerstritten, wobei ich der überzeugte Verteidiger von Simonton und seiner Methode war.
Jetzt aber, wo es mich selbst betraf, folgte ich meiner naturwissenschaftlichen Prägung und entschied für mich, dass die Mediziner recht hätten mit ihrem Urteil, dass Krebs nicht heilbar sei.
Heute weiß ich, dass dieses Urteil in dieser Verabsolutierung falsch ist. Es müsste wohl richtig heißen, dass sie, die Ärzte, Krebs nicht heilen können. Ich will damit sagen, dass der Schluss von n auf n+1 in dieser Anwendung falsch ist, wonach Krebs generell nicht heilbar sein soll, nur weil sie selbst ihn nicht heilen können.
Aber ich muss voll Dankbarkeit anerkennen, dass die Medizin auf dem Wege der symptomatischen Therapie Großes leistet, nur die kausale Therapie schafft sie eben nicht.
Ich verdanke die Tatsache meines Überlebens nach meiner Prostatektomie solchen symptomatischen Therapien: nämlich der Operation selbst, sowie der intermittierenden Androgensuppression.
Ich habe heute den Verdacht, dass die Medizin Krebs schon deshalb nicht heilen können kann, weil ihr diesbezügliches Paradigma falsch ist. --- Mir gefällt die Analogie der folgenden Aussage: „Wenn ein großer Dom erheblich zerstört wäre, dann könnte man in den Bausteinen so lange und so sorgfältig suchen, wie man will. Den Bauplan zum Wiederaufbau dieses monumentalen Kunstwerkes würde man in den Steinen nicht finden.“
Aber zurück zu der Zeit nach meiner Operation: Ich glaubte den Ärzten, und es ging mir schlecht. Ich verfiel in Depressionen, pflegte meine Krankheit, tat mir selbst leid und ging Freunden und Angehörigen auf die Nerven.
Im Januar 1999 nahm ich mit einem Freund, der mich zur Teilnahme bewegt hatte, an einem Seminar zum Thema Sterbevorbereitung teil. (Präsentiert und angewendet wurden Hemisync-Übungen des Monroe Instituts.) Und da ereignete sich für mich die Wende: Da versicherte mir doch glaubhaft eine Heilerin, Krebs sei sehr wohl heilbar und sie selbst habe in mindestens acht Fällen Kranken bei der Selbstheilung geholfen.
So begann ich dann, die von mir vorübergehend verschmähten Imaginationsübungen nach Simonton zu machen.
Allein das Wissen um die Tatsache, dass Heilung möglich ist, dass man dafür die Verantwortung selbst übernehmen muss, und die regelmäßigen Imaginationsübungen veränderten meine Lebensqualität sehr positiv. Ich wollte leben, vertraute auf meine Heilung, und meine depressiven Schübe verschwanden sehr bald. Auch für meine soziale Umwelt wurde ich wieder ein ausgeglichener und lebensbejahender Partner und Freund.
Ich suchte ab jetzt nach alternativen Verfahren, die meine Heilung begünstigen konnten. Befremdlich war, dass genau diese Verfahren der Mehrzahl der Mediziner suspekt sind. Vermutlich, weil ihnen deren Paradigma fremd ist.
Ich folgte der Einladung eines Freundes, der eine Praxis für Psychokinesiologie hat, meinen Problemen mit dem Instrumentarium dieser Disziplin auf den Grund zu gehen. Auf diese Weise konnte ich die folgenden Erfahrungen in mein Bewusstsein heben:
Jetzt, im ersten Halbjahr 1999, erkannte ich durch diesen Bewusstwerdungsprozess, dass ich meinen Krebs durch Lernen selbst erzeugt hatte.
Lernen (ich bin ein Profi in diesem Bereich) ist die Aneignung von Kenntnissen, die Änderung von Denken, Einstellungen und Verhaltensweisen aufgrund von Belehrung oder Erfahrung. --- Ich hatte mir Kenntnisse vom Leben angeeignet und Erfahrungen gemacht, die mein Denken, meine Einstellungen und Verhaltensweisen so verändert hatten, dass sie in ein System von gesundheitlich schädlichen Glaubenssätzen und schließlich in den Wunsch zu sterben mündeten.
Nun erkannte ich aber auch, dass es möglich sein müsste, dieses selbstzerstörerische Denken, diese selbstzerstörerischen Einstellungen und Verhaltensweisen durch Umlernen und Neulernen heilbringend zu verändern.
Wenn diese meine Erkenntnis richtig ist, dann heißt das Paradigma des Krebses LERNEN; ist er doch durch Lernen ermöglicht worden und muss folglich durch Lernen geheilt werden können.
Diese Erkenntnis habe ich selbstverständlich nicht allein aus eigener Kraft gewonnen, sondern ich habe mir vieles davon aus der umfangreichen Literatur angeeignet, die zu diesem Themen- und Wirkungskomplex zugänglich ist. Erwähnt seien insbesondere die faszinierenden Forschungsergebnisse der Psychoneuroimmunologie über belastende und heilsame Gefühle und ihre Wirkung auf die Gesundheit.
Beruflich habe ich mehr als zwanzig Jahre ein Institut geleitet, das darauf spezialisiert war, komplexe Lernprobleme zu lösen. Es war daher nur konsequent, meine beruflichen Kenntnisse und Erfahrungen auf die Lösung meines eigenen Lernproblems anzuwenden. Ich ermittelte daher meinen eigenen Lernbedarf und entwickelte dann ein Lernsystem, das diesen Bedarf deckt; d.h. dass ich meine Lernziele definierte und den Weg plante, diese zu erreichen.
In der Praxis heißt das, dass ich mir bewusst machte, wie ich durch Lernen meine Selbstheilungskräfte aktivieren könnte.
Da ich weiß, dass das wirksamste Lernen ganzheitliches Lernen ist, plante ich also meine Lernaufgaben auch für alle meine Lebensebenen:
Auf der körperlichen Ebene lerne ich durch Üben:
- mich gesund zu ernähren und
- durch sportliche Übungen zu meiner Gesundung beizutragen.
Auf der mentalen Ebene lerne ich durch Üben:
Auf der spirituellen Ebene lerne ich durch Üben:
Ich sehe im Verschwinden meiner Metastasen eine Bestätigung dafür, dass der Weg, über Lernen und Üben zur Heilung zu gelangen, richtig ist.
Wenn ich bedenke, wie viel Zeit ich gebraucht habe, um mich krank zu machen und wie groß meine Lernaufgaben sind, wird mir bewusst, mit welcher Intensität und welcher Dauer ich üben und lernen muss, um meine Heilung zu erreichen.

Gerd schrieb wieder am 12.3.2001:
ich nehme Bezug auf Uwes gestriges Mail, mit dem er uns auf den "Prostatakrebs im Kopf" hinweist. --- Im Anhang findet Ihr die Beschreibung meines diesbezüglichen Konzepts, das sich allerdings in wesentlichen Punkten von Uwes Sichtweise unterscheidet: Soweit ich es erkennen kann, sitzt dieser Krebs nämlich nicht nur im Kopf sondern auch im Herzen und in der Psyche. --- Ich teile auch nicht Uwes Ansicht, dass das einzige, was man gegen diesen Krebs tun kann, der Erwerb von möglichst viel schulmedizinischem Detailwissen ist; sondern ich bin der Überzeugung, dass es eine Reihe von mentalen und spirituellen Übungen gibt, die eine heilsame Wirkung haben und dass wir deshalb sehr viel für uns und damit gegen den Krebs tun können.
Mein Konzept besteht zum einen aus einer Theorie, die beschreibt, wie wir durch Lernen unsere Krebserkrankung selbst ermöglicht haben; zum anderen besteht es aus der Kurzbeschreibung einer Reihe von Übungen, mit deren Hilfe wir versuchen können, durch Neulernen heilsame Wirkungen zu erzeugen und so unserer Erkrankung die Grundlage zu entziehen.
Ich lade Euch dazu ein, an einem zweitägigen Event teilzunehmen, während dem ich Euch diese Übungen vollständig vorstellen und mit Euch einüben möchte; Ihr hättet dadurch Gelegenheit, die Theorie auf ihre Stimmigkeit und die Übungen auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen und vor allem einiges für Eure Heilung zu tun.
Bitte lasst mich wissen, was Ihr von meinem Vorschlag haltet, damit wir gegebenenfalls das weitere Vorgehen verabreden können.

Gerd schrieb am 19.3.2001:
zwei Aussagen in den jüngsten Mails hier im Forum wecken mein besonderes Interesse: Der Spruch von Hackethal: "Siehst Du einen Urologen, lauf so schnell wie Du kannst!" und "Er (ein Urologe) war außer sich, er wollte nichts über anderen Therapiemöglichkeiten hören, da alles dies eine Scharlatanerie ist. "Falls Sie keine Operation möchten, dann kommen Sie nicht mehr zu mir, behandeln Sie dann Ihren Prostatakrebs mit Kräutertees" hatte er mir gesagt. Ich habe somit seine Praxis freiwillig und für immer verlassen."
Nun tue ich etwas, was ich gerne tue, wenn ich ein Phänomen besser verstehen will: Ich versuche die Etymologie zu ermitteln. Dazu finde ich nun im Großen Brockhaus folgende Erläuterung, die mich sehr verblüfft: " ... hat in der Urologie die invasive (chirurgische) Behandlung Vorrang. ...".
Schließlich versuche ich, diesem Phänomen, das sich zwischen Prostatakrebskranken und Urologen nicht sehr selten ereignet, im Bereich der Psyche auf die Spur zu kommen. Dabei fällt mir folgendes auf: Es muss ja einen Grund dafür geben, dass unser Krebs ausgerechnet in unserer Prostata ausgebrochen ist. Auch wenn wir diese Verursachung noch nicht bis ins Detail verstehen, kann man wohl davon ausgehen, dass diese Art Krebs mit unserer Männlichkeit zu tun hat.
Es muss aber auch eine Begründung dafür geben, dass sich ein junger Arzt für das Fachgebiet der Urologie entscheidet, um sich als Facharzt zu spezialisieren. Auch wenn uns diese Gründe im einzelnen unbekannt sind, können wir doch davon ausgehen, dass auch diese Entscheidung mit seiner eigenen Männlichkeit zu tun hat; würde er sich sonst so für die Behandlung des Genitaltrakts interessieren?
Ich denke nun, dass in der Beziehung zwischen prostatakrebskrankem Patienten und Urologen zwei Männlichkeiten aufeinandertreffen und sich sofort ein Revierkampf oder Ähnliches entfaltet. Jetzt ist es logisch, dass der Urologe von uns Unterwerfung fordert. Zu diesen Mitteln zählen (s.o.) invasive (chirurgische) Behandlung und die Verhaltensmuster, die wir ja leider häufig erfahren.
Dies kommentierte Christian am 19.3.2001:
das Einfühlsamste und Intelligenteste im Bereich der Psyche (ich halte verdammt wenig von den Möglichkeiten der Psychologie als Wissenschaft oder gar als Heilkunst), das ich je gelesen habe. Klasse!!! Und Danke!

Gerd schrieb am 16.9.2001:
in der Anlage stelle ich Euch meinen jüngsten Artikel zum Thema „Prostatakrebs und Psyche“ vor. Ich wünsche mir, dass er beim einen oder anderen von Euch auf Interesse stößt.
Gerd Unterstenhöfer
SHG Prostatakrebs und Psyche
Gießener Str. 15
64646 Heppenheim
Tel.: 0 62 52 - 7 27 69
E-Mail: geralem@web.de
www.selbsthilfegruppe-prostatakrebs.de/psyche.htm

Gerd schrieb am 16.1.2002 unter dem Betreff: "Leben verlängert + Lebensqualität erhöht"
Ich habe mein Leben verlängert
und meine Lebensqualität erhöht.
Ich habe Mathematik und Physik studiert, war Manager im Ausbildungsbereich und die letzten 23 Jahre Gesellschafter-Geschäftsführer des Lerntechnologischen Instituts. --- Im Juli 1995 wurde mir die Diagnose eröffnet: „Prostatakrebs; PSA 82; Biopsie: 6 von 8 Stanzungen positiv.“ Das tiefe schwarze Loch, in dem ich schon seit einigen Monaten war, wurde tiefer und größer; und ich lag tief unten darin.
Die Prostataentfernung brachte einen Krebs pT3c, Glllb zu Tage; er hatte die Kapsel bereits verlassen und war in meine Blase eingedrungen, so dass mir etwa 1/3 operativ entfernt werden musste. Die Schnittränder waren positiv.
Im Herbst 95 wurde der Operationsbereich mit einer Gesamtdosis von 56 Gy bestrahlt. Meine Depressionen nahmen an Häufigkeit und Schwere zu. Ich war mir, meinen Angehörigen und Freunden eine Last.
Im März 96 vervielfachte sich mein PSA-Wert. Ich begann mit der einfachen Hormonblockade und zwar intermittierend. Im August 1999 lautete die Diagnose dann: „Fortgeschrittener Prostatakrebs“ (im Progress) und „Knochenmetastasen“.
Doch dann kam die Wende: Ausgerechnet während eines Seminars zur Sterbevorbereitung erfuhr ich von einer Psychotherapeutin, dass mein Zustand gar nicht so hoffnungslos war, wie ich ihn erlebte. Es gab Methoden und Verfahren, die der Stärkung des Immunsystems, der Stressreduktion und der Selbstheilung dienen.
Nun ging ich mit System daran, diese Methoden und Verfahren kennen zu lernen und anzuwenden; dabei konnte ich meine langjährige Berufserfahrung als Lerntechnologe endlich für mich selbst nutzen. --- Inzwischen sind meine Metastasen verschwunden, mein PSA-Wert war vor kurzem auf 1 und mir geht es rundherum gut. Obwohl ich nun schon fast 7 Jahre mit meinem Krebs lebe, war das soeben zuende gegangene Jahr das glücklichste meines bisherigen Lebens.
Seit Ende 2000 habe ich mich in der Selbsthilfe engagiert. --- Ich habe Methoden und Verfahren kennen gelernt, mit deren Anwendung ich mir selbst geholfen habe. Ich bin gerne bereit Mit-Betroffenen diese Verfahren zu vermitteln, damit sie sich auf diesem Wege ebenfalls selbst helfen können.
Christoph schrieb dazu am 18.1.2002:
Der Beitrag von Gerd Unterstenhöfer gibt der gesamten Krebsbehandlung neue Aspekte. In Verbindung mit den neuesten Nachrichten zur Vitamin-Therapie aus den USA scheinen die Möglichkeiten, Krebs - und für uns natürlich in erster Linie Prostatakrebs - ohne schwerste Eingriffe in die körperliche Funktion in den Griff zu bekommen.
Ich selbst, 54 Jahre jung, hatte im November 2001 die Diagnose Prostatakrebs, Anfangsstadium, PSA 8,74; Biopsie: 3 von 10 Gewebeproben positiv, alle innerhalb der linken Seite der Prostata, Gleason Score 3+4. Man wollte mir an der Marburger Uni-Klinik fast die Garantie einer vollständigen Heilung geben, wenn ich sofort dort bleiben und mich einer OP unterziehen würde. Aber ich war nicht gerade erfreut über die unausweichlichen Folgen eines derartigen Eingriffes. Nach Rücksprache mit meiner Frau und intensiven Gedanken im tiefen Inneren entschloss ich mich, noch zu warten und zunächst biologische Methoden zu versuchen. Daraufhin lehnte die Marburger Uni-Klinik die Verantwortung und meine Weiterbehandlung ab (Hippokrates lässt grüßen).
Eine PSA-Bestimmung eine Woche nach der Biopsie hatte das Ergebnis 10,3 bei einem anderen Labor. Schon vorher hatte ich mit Selbstbehandlung mit Vitaminen, Mineralien, Aminosäuren, Spurenelementen und doppelter Menge Noni-Saft begonnen. Ergebnis 5 Wochen nach der dieser Blutentnahme vom November am 27. Dezember 2001: PSA 6,3!! Eine Entzündung (Prostatitis ist aufgrund optimaler sonstiger Blutwerte ausgeschlossen. Eine medizinische Erklärung für diesen schnellen Abfall des PSA-Wertes gibt es nicht. Aber es gibt ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse und Erkenntnisse der so genannten Zellular Medizin, die dieses Zwischenergebnis voraussehen ließen.
Übrigens fühle ich mich augenblicklich so fit wie selten, obwohl ich durch viel Fahrrad Fahren und kleinere sportliche Übungen zwischendurch schon in den letzten Jahren überdurchschnittlich leistungsfähig war.
Durch weitere eigene psychologische "Behandlung" bin ich längst so weit, dass ich so oder so vor Krebs keine Angst mehr habe. Geradezu gelassen gehe ich dem nächsten Ergebnis einer PSA-Bestimmung entgegen, die Ende Januar vorgenommen wird. Ich gehe davon aus, dass mein Wert bis dahin vielleicht schon wieder im Normbereich liegt, "schlimmstenfalls" in der "Warteschleife" zwischen 4 und 10 geblieben sein könnte. Darüber werde ich berichten, sobald ich das konkrete Ergebnis habe. Sollten sich meine eigenen Versuche mit den Ergebnissen von Gerd und vielen amerikanischen "Kollegen" decken, eröffnet sich für die vielen Männer, die in nächster Zeit leider Prostatakrebs bekommen werden, eine neue Möglichkeit, mit dieser Krankheit zu leben, sie vielleicht sogar zu beseitigen, aber auf jeden Fall bei Erhaltung der vollen Lebensqualität weiter leben zu können. Wir werden sehen!
Hansjörg schrieb am selben Tag zu Christophs Stellungnahme:
auch ich meine, dass durchaus ein Zusammenhang zwischen Krebs und Psyche besteht, auch dass ein "gesünderes" Leben (auch im seelischen Sinne) sich bestimmt auf unsere Gesundheit auswirkt. Allerdings sehe ich diese Methoden nicht als Alternative zur Schulmedizin, sondern als ergänzende und unterstützende Maßnahmen.
Und Uwe schrieb am 22.1.2002:
ich kann Euch meinen Freund Gerd nur wärmstens empfehlen.
Gerd hat sich letzten Freitag und Samstag mit mir beschäftigt, ich habe (hatte) ein Problem mit meinem Vater, daß ich selbst so nicht erkannt hatte. Gerd hat mir dabei geholfen. Unsere Psyche und die verdrängten Probleme verdienen es an die Oberfläche gebracht zu werden, um gemeinsam abgebaut zu werden.

Udo (E.) schrieb am 28.1.2004:
kompetente Patienten leben länger. Zur Patientenkompetenz gehört neben der Information über die eigene Krankheit auch die Sensibilität gegenüber Körper und Gefühlen, wobei es Männer schwerer haben als Frauen. Was Psychoonkologen dazu meinen, die es an immer mehr Kliniken gibt, geht aus folgendem Artikel hervor.
"Männer leiden anders"
Krankheitserleben und Verhalten von Männern mit Krebserkrankungen
Dr. med. Monika Keller, Markus Birmele
"Geht keinen etwas an"
Unerschütterlich und tapfer bis zum Heroismus machen sie es ihren Behandlern leicht. Welche Gründe - wenn man nicht Emotionalität zum Dogma erhebt - sprechen also dafür, das Krankheitsverhalten männlicher Tumorpatienten in Frage zu stellen? Ein sicher vereinfachender Erklärungsversuch: weil Männer ihr Herz eben nicht auf der Zunge tragen. Ihre Krankheit möchten sie als Privatangelegenheit verstanden wissen, die "keinen etwas angeht"
"Frauen werden krank und Männer sterben"
Bekannt ist, dass Männer ihre körperliche wie auch psychische Befindlichkeit nicht nur weniger wahrnehmen, sondern auch über weniger Möglichkeiten verfugen, sie auszudrücken und mitzuteilen (Kroenke, 1998; Nathanson, 1997; Verbrugge, 1985). Die Konsequenzen geschlechtsspezifischen Gesundheitsverhaltens auf eine Kurzform gebracht: "women get sick and men die" (Natrianson). Arzte scheinen intuitiv auf die Gefährdung von Männern zu reagieren, wenn sie deren somatische Beschwerden eher ernst nehmen als die von Frauen (Kroenke & Spitzer, 1998).
"Männer leiden anders"
Aus der klinischen Erfahrung ist man nicht selten beeindruckt von der geringen Übereinstimmung zwischen dem Krankheitsverhalten, wie es Männer zunächst typischerweise an den Tag legen, und ihrem psychischen Erleben. Männer laufen Gefahr, mit ihrer seelischen Not übersehen zu werden, wenn man sich ausschließlich an ihrem Verhalten orientiert, ebenso, wenn man die niedrigen Belastungswerte in Fragebogen für die ganze Wahrheit hält. In Anbetracht der völlig unterschiedlichen Wahrnehmung, Äußerung und Kommunikation ist es mehr als fragwürdig, ob Männer und Frauen - in ihrer psychischen Befindlichkeit angesichts einer Krebserkrankung - überhaupt vergleichbar sind. Männer leiden nicht mehr und nicht weniger - sie leiden anders und verhindern gleichzeitig, dass sie mit ihrem Erleben gesehen werden. Deshalb brauchen sie wachsame Ärzte, mit feinem Gespür für scheinbar "Unaussprechliches", das sich hinter einer stoisch-gefassten Haltung verborgen hält.
Ein Irrtum wäre es allerdings zu glauben, dass die Dinge dadurch einfacher würden, wenn man sie nur ausspricht - vielfach erleben Männer Versuche der Einfühlung ausgesprochen zweischneidig - Folge eines ausgeprägten Potenzials an Kränkbarkeit und Beschämung, das man als Behandler nicht aus dem Auge verlieren sollte.
"Entweder stark oder schwach"
Nicht nur ausnahmsweise erleben Männer eine Tumorerkrankung (wie auch andere schwere Erkrankungen), einem Alles-oder-Nichts-Prinzip folgend, als umfassenden Angriff auf ihre Identität, als unverzeihliche Schwäche und Versagen (Meerwein, 1991). Nicht allein die körperliche Integrität ist bedroht, sondern die Integrität der Person. Umso mehr, wenn das Identitätsgefühl eines Mannes ausschließlich durch Stärke, Leistung und Kontrolle in nahezu allen Lebensbereichen determiniert war, und je mehr körperliche und psychosoziale Funktionseinbußen zu verkraften sind, geraten Ich-Ideal und Krankheitsrealität in Konflikt. Empirisch unterstützt findet sich diese Hypothese durch Befunde, die auf prinzipielle Unterschiede im Krankheitserleben von krebskranken Männern und Frauen hinweisen: Bei männlichen Tumorpatienten sind es in erster Linie die psychischen Krankheitsfolgen - Stimmungstiefs, Verlust von Selbstwertgefühl - , die ihre psychische Belastung erklären, während körperliche Beeinträchtigungen, anders als bei Frauen, in geringerem Ausmaß belastungsrelevant sind (Keller et al., 1996).
Dem Ausmaß der Bedrohung persönlicher Identität entsprechend sind alle Strategien, die das Bild von Stärke und Kontrolle aufrecht zu erhalten versprechen, für das psychische Überleben unverzichtbar. In der Kompromisslosigkeit des Erlebens "entweder stark oder schwach" bleibt wenig Spielraum für ein differenzierendes "sowohl als auch" und erschwert es manchem Mann, nicht ausschließlich die (vermeintliche) Schwäche, sondern gleichzeitig die erhaltenen Stärken und Fähigkeiten wahrzunehmen.
Sprachlosigkeit und Beschämung
Nicht selten wird jede Konfrontation mit dem psychischen Erleben als zusätzlich beschämend und peinlich erlebt. Mann fühlt sich wie "ertappt", vom Behandler seiner Angst oder Niedergeschlagenheit überfuhrt. Keinesfalls sollte man mit der Dankbarkeit eines Patienten rechnen, den man "zum Weinen" gebracht hat. Es ist wenig wahrscheinlich, dass er die Entlastung wahrnimmt, viel eher, dass er ein weiteres Mal die Kontrolle, bzw. "das Gesicht verloren" und sich mit seiner beschämenden Schwäche gezeigt zu haben glaubt.
Da jede - noch so wohlmeinende - verbalisierte Einfühlung zweischneidig, mit dem Risiko weiteren Scham-Erlebens erfahren wird, ist es wichtig, dass man als Behandler die Beschämung enttabuisiert, indem man sie von sich aus thematisiert. Versuche, Schamaffekte zu ignorieren, sie als unbegründet zu verharmlosen, oder sie einem Patienten "auszureden", sind in der Regel erfolglos (Menges-Beutel, 1998). Man sollte stattdessen versuchen, dem Patienten zu vermitteln, dass solche Schamgefühle angesichts der aktuellen Bedrohung nachvollziehbar und verständlich sind; dass sie andererseits in einem negativen circulus vitiosus zu Rückzug aus nahen Beziehungen und schließlich zu Isolierung führen können. Gegenüber der vom Patienten vermuteten "Schwäche" kann es notwendig sein, das Ausmaß an realer krankheitsbedingter Verletzung und Belastung zu betonen, das "auch den stärksten Mann umhaut". Potenziell kränkende Äußerungen sollten vermieden werden, so wie sich ein zurückhaltender Umgang mit emotionalen Begrifflichkeiten empfiehlt - anstelle von "Angst" sollte man besser von "Besorgnis" oder "Beunruhigung" sprechen.
"Typische Männer-Krebserkrankung Prostatakarzinom"
Oft geht es um das vorsichtige Suchen nach einer geeigneten Terminologie, die einerseits das Erleben des Patienten zutreffend erfasst und kommunizierbar macht, andererseits nicht mit Schwäche oder Peinlichkeit assoziiert ist. Umso wichtiger ist dies bei den typischen "Männer"-Krebserkrankungen, vor allem beim Prostata-Karzinom, wenn sexuelle Dysfunktionen oder beschämend erlebter Kontrollverlust, etwa in Form von Harninkontinenz zu thematisieren sind. Nicht nur, dass diese ausgesprochen schambesetzten Einbußen und Verluste aktiv von Ärzten anzusprechen sind, weil es Patienten große Überwindung kostet, dies von sich aus zu tun; man sollte auch vermeiden, in Kollusion mit dem Patienten dessen Begrifflichkeit, etwa der "Impotenz", zu übernehmen. Störung oder Verlust der Erektionsfähigkeit ist im Erleben des Patienten oft gleichbedeutend mit dem umfassenden Verlust seiner "Potenz"; umso wichtiger, dass ein Patient von seinem Arzt erfährt, dass er ihn, ohne die schwer wiegende Beeinträchtigung zu ignorieren oder zu verharmlosen, als "ganzen Mann" wahrnimmt. Mit einer Haltung des Behandlers, die unmissverständlich seine Achtung und Wertschätzung dem Patienten gegenüber zum Ausdruck bringt, vermittelt man dem Mann einen Ansatz, der Stärken und Schwächen zu integrieren versucht, anstatt sich wechselseitig auszuschließen. Günstigenfalls ermöglicht man dem Patienten dadurch eine kognitive Dissonanz - zwischen seiner Selbstwahrnehmung und der des Arztes - mit der er seine umfassende Depotenzierung relativieren kann.
Stellvertreter-Emotionen
Ein Beispiel für die häufige Diskrepanz von Krankheitserleben und Verhalten sind Stellvertreter-Emotionen. Mit dem männlichen Selbstbild eher kompatibel sind aversive oder aggressive Reaktionen, die anstatt von schmerzlichen, ängstlichen oder traurigen Gefühlen geäußert werden. Es bedarf daher der ärztlichen Übersetzer-Funktion, um mit dem Patienten zu klären, welche Affekte hinter dessen gereiztem oder aggressivem Verhalten stehen, die er zu verbergen versucht. Um nicht in argumentative oder gar moralisierende Sackgassen zu geraten, sollte aggressive Gereiztheit, die sich nahezu immer in der Familie, kaum gegenüber dem behandelnden Arzt äußert, nicht bewertet oder verurteilt werden. Nahezu immer geht es um schmerzliche oder verzweifelte Gefühle der Schwäche, Ohnmacht und Abhängigkeit, die in aggressiven Auseinandersetzungen, meist auf einem Nebenschauplatz ausgetragen werden. Wenn den Beteiligten die eigentlichen Auslöser und Motive vermittelt werden können, erübrigen sich die Inhalte der Auseinandersetzung meist von allein.
Delegation in der Paarbeziehung
Ein weiteres Beispiel für die Diskrepanz zwischen Krankheitserleben und Verhalten: In scheinbarem Widerspruch zum Bisherigen tendieren Männer mehr als Frauen dazu, Anteile ihres emotionalen Erlebens innerhalb der Paarbeziehung an ihre Partnerinnen zu delegieren. In der Regel entspricht dies der gemeinsamen Rollenverteilung in langjährigen Paarbeziehungen. Männer verlassen sich-mehr oder weniger bewusst - nahezu exklusiv auf die praktische und emotionale Unterstützung ihrer Frauen. Dafür, dass sie existenziell auf diese sorgende Funktion der Frauen angewiesen sind, sprechen die bekannten Befunde einer deutlich erhöhten Morbidität und Mortalität von Männern nach dem Verlust der Lebenspartnerin (Helsing et al., 1981; Martikainen & Valkonen, 1996). In dieselbe Richtung gehen Befunde längerer Überlebenszeiten von krebskranken Männern, die in einer Partnerschaft leben, und effektiverer Schmerzbehandlung, wenn Partnerinnen die Verantwortung für die Medikation übernehmen (Dar et al., 1992).
Männer können die Unterstützung ihrer Frauen auch besser für sich nutzen als kranke Frauen: Krebskranke Männer, die ihre Frauen als emotional hilfreich erleben, sind auch psychisch weniger belastet. Anders als Frauen suchen sie nicht nach weiteren Personen, mit denen sie sich austauschen und von denen sie Unterstützung erfahren (Keller & Henrich, 1999; Keller et al., 1996). Folglich haben Männer, die entweder in keiner oder in konflikthaften, belasteten und wenig supportiven Partnerschaften leben, ein erhöhtes Risiko psychosozialer Morbidität. Männer profitieren von den weiblichen emotionalen Ressourcen; nicht ohne gleichzeitig diese Emotionalität bei ihren Partnerinnen zu bekämpfen und ihre Überfürsorglichkeit oder ängstliche Besorgtheit als unangebracht oder übertrieben zu kommentieren.
Nicht selten erfährt man erst in einem Paargespräch von der Partnerin, wie sehr Selbst- und Fremdwahrnehmung divergieren, wie sich Gefühle von Trauer, Schmerz und unvermeidlich auch Zorn in vorwurfsvollem Verhalten, gereizter Aggressivität, in sozialem Rückzug oder in klagsamer Passivität versteckte Ausdrucksmöglichkeiten, ein Ventil suchen.
Derselbe Patient, der sich dem Arzt gegenüber als zuversichtlich, gefasst und tapfer darstellt, wird von seiner Frau als zutiefst verunsichert, verzweifelt oder gereizt und unleidlich beschrieben. Solche divergierenden Eindrücke sind ihrerseits bestens geeignet, von den Männern als Blamage, entwertende Decouvrierung oder ungerechtfertigte Anschuldigung erlebt zu werden - ein weiteres Feld, in dem Mann sich beschämt und bloßgestellt fühlen wird, wenn es dem Behandler nicht gelingt, die nachvollziehbaren Gründe solchen Verhaltens begreifbar und damit kommunizierbar zu machen - oft sind es tiefgreifende krankheitsbedingte Veränderungen und schwer zu tolerierende Abhängigkeit, die das bisherige Beziehungsgefüge und bewährte Rollenfunktionen auf den Kopf stellen.
Auf einen - fraglos verkürzten - Nenner gebracht: Es nützt tumorkranken Männern, wenn ihr Arzt mit ihnen nach gangbaren Wegen sucht, die aus der Sackgasse der Sprachlosigkeit führen.
FORUM DKG 04/01

Birgit schrieb am 12.1.2005 verzweifelt:
Mein Vater wird in diesem Jahr 59 jahre alt. Die Diagnose PK erhielten wir im August 2004. Eine Operation kam nicht mehr infrage, der PK ist nicht mehr nur auf die Prostata beschränkt und gilt als nicht mehr heilbar.
Metastasen im Becken/Hüftknochen. der Gleason-Score liegt bei 4+5=9. Die PSA-Entwicklung ist mir leider nicht genauer bekannt.
Therapie: Bestrahlung der Prostata und des rechten Beckens. Die genaue Strahlendosis ist mir leider auch nicht bekannt. Anfänglich wurden 30+8 Sitzungen vereinbart, kurz vorher wurde die Dosis runtergesetzt und es wurden weniger Sitzungen durchgeführt. Gleichzeitig erhält mein Vater Drei-Monats-Spritzen und Zometa-Infusionen.
Nebenwirkungen allgemein: Probleme beim Wasserlassen (mehrfaches nächtliches Aufstehen), Schmerzen, Müdigkeit, starkes nächtliches Schwitzen, Gewichtsverlust, starke Entzündung Blase/Harnleiter.
Er nimmt an weiteren Medikamenten: Androcur, Tromadol, Beta-Blocker und auch Antibiotika gegen die Entzündung.
Er hat immer noch einen Katheter im Bauch, da er manchmal Probleme beim Wasserlassen hat.
Die Probleme des Wasserlassen will man mit einer Ausschabung in den Griff bekommen, damit er auch auf den Katheter verzichten kann (Harnleiter etc. soll freigemacht werden) die Ausschabung steht an, sobald das bestrahlte Gewebe sich erholt hat.
Das Ergebnis der Bestrahlung mit einem PSA-Wert von 10 lässt darauf schließen, dass es Metastasen im unbestrahlten Bereich gibt. nun wird das restliche Testosteron aus dem Körper mit Hilfe von hormonhemmenden Medikamenten reduziert.
Evtl. werden später noch vereinzelt Metastasen bestrahlt werden können.
Erstes Ziel ist jedoch, die Lebensqualität meines Vaters wieder hinzubekommen, sprich: die Ausschabung steht an.
Mein Vater spricht mit uns, ist nicht aggressiv oder so. Aber er zieht sich zurück, nimmt meine Mutter nicht mehr mit zum Arzt - geht also allein. Und ist oft niedergeschlagen und zu nachdenklich. Ich mache mir darüber Sorgen. Er kann das nicht allein durchstehen. Darauf angesprochen, sagt er, dass er ja alles erzählt und wir uns keine Sorgen machen sollen. Das er das mit sich allein ausmachen will finde ich furchtbar. Wie soll ich mich verhalten????? Erkennt sich jemand wieder? Wie soll ich mich am besten verhalten ohne meinem Vater zu bedrängen, vor den Kopf zu stoßen, aber ihn nicht allein zu lassen?
Manfred antwortete am selben Tag:
im Prinzip ist Dein Vater mit der Diagnose und seiner Krankheit allein. Mit "zuviel" Fürsorge fühlt er sich möglicherweise überfordert, erstmal bedrängt und mehr verpflichtet, Euch Eure Ängste zu nehmen, wo er doch selbst alle Zweifel der Welt hat.
Ich bin immer allein zu den Ärzten, zur Biopsie, zur Bestrahlung und den Besprechungen gefahren. Ich bin allerdings auch in einer günstigeren Ausgangslage und halte meinen Krebs für beherrschbar (DHB nach Bestrahlung). Im täglichen Zuhause kommt das Thema so auch kaum zur Sprache. Seinerzeit hatte ich auch nicht über ansteigende PSA-Werte gesprochen. Erst als ich zur Biopsie musste, habe ich meine Familie unterrichtet und natürlich einen Schock hinterlassen. Unwissend waren wir ja schließlich alle. Irgendwie fühlte ich eine Leere und habe den ersten Tagen nach der Biopsie das Ergebnis erst mal verdrängt; immer noch unwissend. Bis mein Sohn mich auf dieses Forum im Internet aufmerksam machte und mir fast den ganzen Bereich zu "Uwes Themen" ausdruckte. Seitdem bin ich ständig an Board (aber fast nur lesend). Hier habe ich auch wieder die Zuversicht gewonnen, dass es "gut" gehen könnte.
Du machst Dir wirklich erhebliche Mühe, Deinem Vater zu helfen. Aber wie, ohne ihn zu bedrängen? Vielleicht hat es mein Sohn damals ohne viel zu reden sehr hilfreich gemacht. Geh' mal in "Uwes Themen" und drucke (die meisten!) aus. Dein Vater muss bereit werden, hier dann selbst zu stöbern, vor und zurück, alles in sich aufsaugen.
Wenn Du ihm über Kenntnisse berichtest, die Du gelesen hast, nimmt er dies weniger direkt war. Er muss sich aber selbst ein möglichst zutreffendes Bild über seine Situation machen und so dann selbst abschätzen, was für ihn "sinnvoll" ist. Vielleicht kehrt dann auch die Bereitschaft zu einer stärkeren Kommunikation zurück.
Dies ist mal mein Rat.
Auch Jürg versuchte, einen Rat zu geben:
Zwar erkenne ich mich in Deiner Schilderung nicht direkt wieder, doch kann ich mir sehr gut vorstellen, wie es Deinem Vater zumute ist. Es wäre falsch, sich etwas vorzumachen: Mit der Diagnose „Krebs“ sieht sich der Mensch unweigerlich zuerst einmal seinem Tod gegenüber. Und zwar ziemlich unabhängig von der Frage, wie es denn konkret mit den Lebensaussichten bestellt sei.
Nach diesem Schock teilen sich allerdings die Wege. Wer davon ausgehen darf, geheilt zu werden oder zumindest die Erkrankung einigermassen in den Griff zu bekommen, der wird wieder Mut fassen (auch hier gibt es Ausnahmen, Menschen, die verzweifelt bleiben und nur noch Düsternis sehen), wer schlechte Aussichten hat, der wird sich Gedanken machen und sich innerlich darauf vorbereiten, abtreten zu müssen. Und da gibt es nun komplexe, mitunter sehr komplexe Problemfelder.
Einmal versucht jeder Mensch auf seine eigene Weise, mit seiner Todeserwartung umzugehen. Der eine findet Halt im Glauben, ein anderer im Gespräch mit Vertrauten oder Fremden, ein Dritter unterdrückt das Problem und gibt sich gegen aussen locker – die Aufzählung liesse sich fortsetzen.
Nun lebt aber der Betroffene in der Regel nicht allein, sondern in einer Familie. Also sieht er, wenn er verantwortungsbewusst handelt, eine zusätzliche Aufgabe. Er muss nicht nur versuchen, mit sich selber ins Reine zu kommen, soweit dies möglich ist, sondern er muss auch an seine Familie denken. Und je enger die familiären Bande sind, je grösser das Verantwortungsbewusstsein des betroffenen Menschen ist, desto mehr wird er sich bemühen, seine Umgebung nicht zu belasten, seine eigenen Sorgen und Gedanken möglichst zu verbergen.
Auf der anderen Seite stehen die Angehörigen. Sie möchten, wie auch immer, helfen, finden aber keinen Zugang. Das ist die Situation, in der Du Dich befindest, Birgit.
Wie ist da herauszukommen? Nach meinen Erfahrungen aus meinem engsten Verwandtenkreis (meine Schwiegermutter, mit der ich mich sehr gut verstanden habe, ist an Krebs gestorben) nur mit viel Geduld und Behutsamkeit. Es braucht beim Betroffenen die Erkenntnis, dass das Thema „Sterben“ für die Angehörigen kein Tabu ist, und bei den Angehörigen eine stete, erkennbare, aber unaufdringliche Bereitschaft zum Gespräch. Erzwingen kann man das Gespräch nicht, aber die Voraussetzung dazu schaffen, das sollte möglich sein.
Meine Empfehlung also: Lass Deinen Vater spüren, dass Du da bist – eines Tages wird er froh darum sein. Für Dich allerdings bedeutet das Warten, warten und nochmals warten. Und das ist nicht einfach.

Am 12.1.2005 meldete sich auch Brigitte mit einem gleichartigen Problem wie Birgit unter dem Betreff "ich kann nicht mehr":
ich bin die Ehefrau eines an Prostatakrebs erkrankten Mannes. Vor 4½ Jahren wurde mein Mann, damals 51 Jahre, total operiert und ein Jahr später bestrahlt. Ein halbes Jahr nach Ende der Bestrahlung war der PSA-Wert nicht mehr messbar und dies ist bis heute so.
Nach dem ersten Schock der Diagnose, nach der OP und auch nach der Bestrahlung sah alles so aus, als ob wir wieder zuversichtlich in die Zukunft blicken könnten. Allerdings hat mein Mann die größten Probleme, über seine Ängste zu sprechen. Wenn er seine Tiefs hatte, kam manchmal von ihm der Satz: 'ich bin kein Mann mehr, ich bin nichts mehr wert, in fünf bis spätestens zehn Jahren macht der Krebs weiter'.
Alle Unterstützung und alles Reden meinerseits konnte ihm nicht helfen. Am anderen Morgen hatte er sich wieder gefangen und tat so, als wäre alles in Ordnung.
Seit September 2004 bin ich mir sicher, dass er nach Geschäftsschluss seinen Kummer mit Alkohol bekämpft; er streitet jedoch alles ab, selbst wenn ich aus seinem Auto die leere Sektflasche hole, erfindet er noch irgend eine abenteuerliche Geschichte, wie diese Flasche in sein Auto gekommen ist. Dazu kommt noch, dass seine noch vorhandene Inkontinenz durch den Alkohol verstärkt wird und er mit tropfnasser Hose vor mir steht und mir weismachen will, mit ihm ist alles in Ordnung.
Einen Tag vor Heiligabend hat er dann zum erstenmal zugegeben, dass er Probleme hat und mir versprochen, im neuen Jahr seinen Arzt zu befragen, was für Möglichkeiten es gibt, ihm zu helfen. Ich war selig und dachte, jetzt packen wir es!
Bis zum heutigen Tag ist jedoch in dieser Richtung nichts geschehen, außer dass er wieder an zwei Abenden betrunken nach Hause kam.
Ich weiss, es ist alles ziemlich wirr geschrieben und es ist für mich das erste Mal, dass ich mich so negativ über meinen Mann äußere, aber ich weiss nicht mehr weiter. Ich liebe meinen Mann und will ihn behalten, aber doch nicht so.
Vielleicht weiss jemand Rat.
Der Hilferuf fand ein starkes Echo. Als erstes meldete sich am selben Tag Birgit:
Ich kann - auch wenn nur als Tochter - stark mitempfinden, wie es Dir geht. Mein Vater hatte vor 15 Jahren einen schweren Arbeitsunfall, der ihn zum Frührentner gemacht hat. Es hat Jahre gedauert, bis er sich aus seinem selbstgebauten Schneckenhaus hinausgewagt hat. Es gab Tage, wo er mit meiner Mutter kein Wort gesprochen hat, alles in sich hinein gefressen hat. Alkohol war auch ein Thema. Erst seit fünf Jahren kann ich sagen, gehen meine Eltern wieder "normal" und auch glücklich miteinander um. Meine Mutter hat es hingenommen, so wie sie es aus ihrem Elternhaus kennengelernt hat.
Seit August 2004 wissen wir, dass mein vater einen nun nicht mehr heilbaren PK hat. Er spricht offener über seine täglichen Problemen und Untersuchungen, aber was er denkt und fühlt teilt er niemanden mit. Er spielt uns das blühende Leben vor und leidet aber sichtlich allein.
Wenn Du es nicht schaffst, ihn allein zum Arzt oder zu einem Therapeuten zu bewegen, warum geht Ihr nicht zusammen. okay, ich wüsste, was mein Vater dazu sagen würde... aber nur, wenn du es immer wieder offen, ansprichst kannst Du was erreichen, sich selbst zurückziehen bringt Euch beiden nichts. Kennt er diese Seite, dieses Forum? Vielleicht hilft es ihm zu wissen, dass er nicht allein ist. Lass ihn doch einmal allein hier durchsehen, einfach davor setzen und ihn bewusst werden lassen, nicht immer nur verdrängen.
Josef D. schrieb:
Helfen kann ich Dir leider auch nicht, aber vielleicht sind ein paar Gedanken nicht ganz vergebens.
Als Betroffener weiß ich ungefähr wovon ich rede. Meine OP liegt sieben Jahre zurück. Die Kluft zwischen rationaler Einsicht und der eigenen Gefühlslage ist (zumindest bei mir) bislang nicht überbrückbar. Kann das nicht bei deinem Mann auch so sein?. Dass dieser Aspekt hier im Forum relativ nebenbei abgehandelt wird, wirst du noch feststellen. Denn an dieser Stelle geht es tatsächlich ums Eingemachte und jeder, der sich öffnet, macht seine Schwäche publik. Wahrscheinlich kann Dein Mann sich wildfremden Menschen gegenüber offen äußern, nicht Dir gegenüber. Warum? Der Fremde hört zu oder auch nicht. Er hat keinerlei späteren Rückgriff auf diese Gespäche, wenn es um eine Meinungsverschiedenhat geht. Bei Dir ist das aber anders. Du hast bereits bemerkt, diese Krankheit ist nicht hilfreich in einer Beziehung. Ganz im Gegenteil!!!
Viel einfacher ist es, im Forum über Wirkungen oder Unsinnigkeit der einen oder anderen Behandlungsmethode lang und breit zu diskutieren.
Noch so richtige und gut gemeinte Ratschläge an Deinen Mann prallen an seiner Gefühlslage ab. Das Selbstbewusstsein als Mann ist so im Keller, dass man es nur ersäufen kann; wohl wissend um die Unmöglichkeit. Vielleicht trifft er am Tresen auch den Fremden, der ihm zuhört.
Er wird sich weiter von Dir zurückziehen in seinem Kummer. Bedenke, es ist keine vorübergehende Krankheit. Die Begleiterscheinungen bleiben, auch wenn der PK sich langfristig als kuriert zeigen sollte. Und das ein Leben lang. Deine Lage ist also keineswegs beneidenswert.
Wenn du Glück hast, verrät dir Dein Mann seine (Alp-) Träume, und Du wirst ein blaues Wunder erleben. Ich kann/konnte nur mit der Urologin darüber sprechen. Und die hat immer sehr, sehr geduldig zugehört. Aber helfen konnte sie mir nur durch das Zuhören.
Auch hatte ich ca. 17 Sitzungen bei einer Sexualpsychologin. Gegen ihren Rat habe ich Sitzungen gemeinsam mit meiner Frau abgelehnt. Die Therapie habe ich abgebrochen. Ich sah kein Land.
Dass es beides Frauen sind, war wirklich Zufall, und das war nicht schlecht.
Als nächstes schrieb wieder eine Frau, Hulda:
Das hört sich ja gar nicht gut an. Habt ihr Euch einer Selbsthilfegruppe angeschlossen? Bitte tut das, das ist sehr wichtig! Dort kann Euch geholfen werden, und Ihr könnt Euch austauschen. wir sind auch Betroffen davon. Mein Mann ist auch operiert, und wir sind 55 und 58 Jahre alt. Es ist aber erst ein Vierteljahr her, und wir haben auch Probleme. Es ist gut, dass Du zu deinem Mann hältst und ihm immer wieder Mut machst, aber Du musst jetzt die Initiative ergreifen, weil mann oft feige ist, frau ist offener. Ich muss noch mal fragen, wie sieht es auf sexuellem Gebiet aus? Ist zwar sehr intim, aber das gehört dazu. vielleicht habt ihr da zu wenig getan? Wir versuchen alles, und sagen auch nein beim Arzt, wenn uns was nicht gefällt. Also Kopf hoch!
Dann Elke, auch an Josef D. gewandt:
Mich hat Dein Statement sehr beeindruckt und ich kann Deine Gefühlslage sehr gut nachvollziehen. Es stimmt, dass hier im Forum eher über harte Fakten diskutiert wird als über die vorhandenen Gefühle und Ängste eines jeden. Zukunftsängste haben bestimmt die meisten hier, denn je mehr wir im Forum erfahren, um so deutlicher werden die Realitäten bewusst, die Ärzte gerne verschweigen.
Ich denke, auch die indirekt betroffenen Angehörigen und Partnerinnen haben Ängste und Sorgen, die eine Reaktion ihrer Gefühle auf die Hilflosigkeit sind, der sie ausgesetzt sind und mit denen sie den Erkrankten nicht auch noch zusätzlich belasten wollen. Daher der Hilferuf einer verzweifelten Ehefrau, die nach über vier Jahren Begleitung selbst nicht mehr weiter weiß.
Es ist schwer für Außenstehende eine Veränderung herbeizuführen, besonders wenn sich die Betroffenen in Schweigen hüllen. Das Miteinandersprechen ist der einzige Weg, der zu einer positiven Veränderung führen kann, auch wenn es die realen Umstände nicht beseitigt. Die atmosphärische Schwere der Situation bleibt sonst immer ein fester Bestandteil des Alltags. Die Betäubung durch den Alkohol zu suchen, bedeutet eine Verdrängung der Realität für den Augenblick. Er mag ihm kurzfristig zu einem Trost und zu einer Möglichkeit des Vergessens seiner Situation werden, macht die Sache aber nicht besser. Es entsteht ein zusätzliches Problem, besonders für seine Frau, Brigitte. Ich glaube, sie sollte versuchen, einen anderen, neuen Weg in ihrem Verhalten ihm gegenüber zu beschreiten, damit er sich dadurch veranlasst fühlt, sich ihr gegenüber anderweitig zu öffnen. Ich wünsche ihr damit viel Glück und denke, dieser Hilferuf ist in gewisser Weise ein positiver Anfang.
Jörg O. schrieb:
am 06.07.04 habe ich unter dem Betreff "Impotenz" meine innere Einstellung zu meiner Impotenz beschrieben. Die totale Prostatektomie - man sagt auch radikale Prostatektomie - verstümmelt den Menschen. Das aber stellt man(n) leider erst hinterher mit all seinen Konsequenzen fest.
Bei Deinem Mann kommt sehr erschwerend hinzu, dass er immer noch inkontinent ist und dadurch nahezu stündlich an seine Schwäche erinnert wird. Impotenz und Inkontinenz in so jungen Jahren müssen erst einmal verkraftet werden.
Welche Ratschläge könnte ich Dir neben den bereits geschriebenen noch geben ?
Vielleicht, dass Dein Mann trotz dieser Nachteile das Positive in den Vordergrund stellen sollte, nämlich die Tatsache, dass er durch die radikalen Therapien geheilt zu sein scheint. Das ist nicht bei allen von uns der Fall. Viele von uns müssen neben der Impotenz und Inkontinenz mit der Tatsache leben, dass der Krebs noch immer da ist und unser Leben bedroht.
Auch solltet ihr auf jeden Fall versuchen, die Inkontinenz in den Griff zu bekommen. Ich glaube, dass eine ständige Inkontinenz mehr psychischen Schaden verursacht als eine Impotenz.
Ich wünsche Euch viel Glück.
Urologe Dr. Eichhorn sah Birgits Hilferuf aus ärztlicher Sicht:
Das klingt ganz so als hätte Dein Mann wirklich ein Alkoholproblem. Die Beste Möglichkeit davon wegzukommen gibt es bei einer Selbsthilfegruppe - den anonymen Alkoholikern. Frag' z. B. bei einer Sozialhilfestation nach, wo die nächste Grupee ist und wann sie sich treffen.
Das funktioniert aber nur dann, wenn auch Dein Mann einsieht, dass er ein Problem hat und bereit ist, sich helfen zu lassen.
Armin berichtete über seine Einstellung:
ich bin auch ein Betroffener (Radikal-OP vor fast fünf Jahren) mit den bekannten Folgen. Mit allem, was Ihr schreibt, habt Ihr recht. Es gibt nichts auszusetzen. Bei allem Negativen scheint mir eins zu kurz zu kommen und zwar das (zumindest für mich) Wichtigste:
ICH LEBE NOCH !!! und das hoffentlich noch lange ! Also Kopf hoch und das Machbare genießen!
Ein Gast schrieb:
ich bin "trockener" Alkoholiker (erste Phase vier Jahre trocken - Absturz auf die Dauer von sechs Jahren - zweite Phase sechs Jahre trocken - wieder Absturz auf vier Jahre und jetzt seit zwölf Jahren trocken).
Ich kann nur sagen Alkohol ist die Hölle - schlimmer als die Daignose PCA.
Vor fast einem Jahr wurde mir die Diagnose Prostata-CA um die Ohren gehauen. Es war für mich ein Schock - ich war zuerst wie gelähmt, aber ich bin deshalb nicht in Panik geraten. Meine Hausärztin war auch besorgt, dass ich einen Rückfall zum Alkohol erleiden könne. Sie wollte auch, dass ich meiner Frau die Nachricht nicht gleich übermitteln solle. Ich habe gesagt, das will ich nicht - meine Frau kennt mich und merkt sofort, wenn etwas nicht stimmt. Außerdem hatte sie ja auch die Diagnose POSITIV nach Biopsie befürchtet. Ich habe meine Frau sofort nach meinem Arztbesuch darüber aufgeklärt - auch sie war zunächst starr vor Schreck.
Als erstes habe ich mich mal mit dem PCA befasst. Ich hatte ein sehr gutes Aufklärungsgespräch im Beisein meiner Frau bei einem Urologieprofessor und erfreulicherweise bin ich sehr schnell im Internet auf dieses Forum gestoßen und habe festgestellt, dass ich mit dem PCA nicht allein bin. Ich habe von noch schlimmerem Leid gelesen, als ich es mir für mich vorstellen konnte.
Im Einvernehmen mit meiner Frau haben wir uns (trotz meiner damals 58 Jahre) für die radikale Operation entschieden. Wir führen eine Ehe in Liebe und Harmonie - was wir gerade jetzt als große Erfüllung erfahren - trotz ED. Ich bin ein Mann - auch ohne Erektion.
Die - vor meiner OP - stundenlangen Besuche des Forums haben allerlei Gefühlsformen in mir ausgelöst. Ich fragte mich dann auch - war's das? Wie lange lebst Du noch? Und ich sagte mir - sechs Jahre währen gut, um noch die übliche Ordnung vor meinem Abgang zurückzulassen und alles gut zu regeln. Dann schöpfte ich Hoffnung durch Forumberichte Betroffener, die schon über zurückliegende zehn Jahre und mehr berichteten und sagte mir, 12 bis 14 Jahre wären toll - das würde mir reichen, um mit meiner Frau einen, für uns beide "glücklichen" Lebensabend zu gestalten (so Gott will).
In diese Planung, und auch sonst nicht, passt für mich auf keinen Fall Alkohol. Ich sage, mir - die Zeit, die ich noch habe, will ich "intensiv" erleben. Mit Alkohol würde ich mir die Chance, mein Leben zu "erleben" absolut versauen. Ich weiß aus meiner "nassen" Vergangenheit, dass ich durch Alkohol nicht flüchten kann - es ist nur ein Teufelskreis. Gerade jetzt, mit dieser Krankheit, brauche ich alle Kraft, wenn ich noch leben will. Durch Alkohol aktiviere ich mein Selbstmitleid, das ich wieder am Anfang der PCA-Diagnose erlebt hatte, noch stärker. Diese kräftezehrende Betäubung schwächt mein Immunsystem noch mehr.
Und Gott sei Dank habe ich kein Verlangen nach diesem Teufelszeug.
Gerade heute habe ich erfahren, dass ich ab 31.5.05 arbeitslos bin, da mein Arbeitgeber die Firma schließt. Und wieder sei's Gott gedankt - habe ich ja durch meine Behinderung, die Möglichkeit, ab 1. Mai (mit 10,8 % Abzügen) in Rente zu gehen. Will ich aber nicht - ich versuche erstmal den Renteneintritt hinauszuzögern und bis dahin selbst die Existenz durch eigenes Gewerbe zu sichern.
Ich will leben - und das bei vollem Bewusstsein.
Deinem Mann kann mit seinem Alkoholproblem keiner helfen - nur er selber. Diese Kraft wird natürlich erst recht geschwächt durch die schreckliche Krankheit PCA.
Mitleid ist nicht angebracht - er sollte Deine Stärke spüren. Ich weiß, Du bist sicher auch seelisch schon sehr erschöpft.
Damit Du mit Deinen Kräften haushalten kannst, würde ich auf alle Fälle mal Kontakt mit einer AA- (Anonyme-Alkoholiker-) Gruppe aufnehmen und erst einmal allein dorthin gehen. Dann würde ich als Angehörige beim Hausarzt eine mögliche psycho-onkologische Betreuung beantragen.
Gehen muss Dein Mann selbst - Du kannst ihm nur die Hand reichen und vielleicht den Weg zeigen. Tragen darfst Du ihn nicht. Vielleicht hast Du auch die Möglichkeit, ihm zu vermitteln - wie "schön" und wertvoll das Leben sein kann? Ich wünsche es Dir von Herzen.
Ich hoffe, ich habe mit meinen Zeilen den richtigen Ton getroffen. Eure Situation berührt mich sehr und ich bete für Euch, dass Ihr es schafft.
Ich bin ein aktiver Forumteilnehmer - bitte aber um Verständnis für diesen "anonymen" Beitrag.

Horst MUC verwies am 11.4.2006 auf den nachstehenden Link:
http://idw-online.de/pages/de/news154612

Im Rahmen einer Diskussion über Dr. Ryke Geerd Hamer und seine Thesen zur Krebsentstehung rein durch die Psyche schrieb Carola-Elke am 9.7.2006:
Der Krebsinformationdienst des Krebsforschungsinstituts Heidelberg schreibt über den Zusammenhang zwischen Psyche und Krebsentstehung, bzw. - bewältigung folgendes:
http://www.krebsinformationsdienst.d...ntstehung.html
"Folge, nicht Ursache
Neuere Untersuchungen an Personen, bei denen zwar ein Krebsverdacht bestand, die Diagnose aber noch nicht gestellt war, konnten zeigen, dass die als typisch geltenden Persönlichkeitsmerkmale eine Reaktion auf die Krebserkrankung und nicht ihre Ursache kennzeichnen.
Damit lässt sich die These einer Krebspersönlichkeit nach dem heutigen Wissensstand nicht weiter aufrechterhalten."
"Ebenso sind bestimmte, immer wieder als besonders wichtig angepriesene Formen der Krankheitsbewältigung, etwa ein positives Denken oder die völlige Veränderung der bisherigen Lebenssituation, kein „Muss“ für Patienten."
Es gibt durchaus Menschen, die die von dir in den Raum gestellte These als persönliche Aufforderung, sich der Krebserkrankung gegenüber positiv zu verhalten, ernst nehmen und wenn es ihnen nicht gelingt, dabei geradezu Schuldgefühle entwickeln.
Das sollte dir bewusst sein, denn der Ratschlag entbehrt leider jeder wissenschaftlichen Erkenntnis und ist insofern gefährlich, weil er zu Enttäuschungen führt, wenn sich der Krankheitsverlauf dadurch eben nicht aufhalten lässt. So einfach ist das leider nicht! Damit setzt man kranke Menschen unnötig unter Druck, wenn sie nicht von sich aus das Bedürfnis haben, an ihrer Persönlichkeit zu arbeiten.
Es gibt zahllose junge, glücklich verheiratete Mütter kleiner Kinder, die ihrer Brustkrebserkrankung zum Opfer fallen, obwohl sie bis zum Ende hin absolut optimistisch waren und alles dafür taten, nicht gehen zu müssen.
Mit deiner These gibt man jedem, der den "nötigen Optimismus" nicht aufbringen kann, unbewusst Schuld am Verlauf, den seine Erkrankung nimmt.
Meine Beobachtungen gehen ebenfalls in die Richtung, dass es keinen erkennbaren Zusammenhang zwischen Optimismus und der voranschreitenden Entwicklung des Krebsgeschehens gibt!
Jürg schrieb einen Tag später dazu:
Mit Deinen Beiträgen bin ich in der Regel rundum einverstanden. Diesmal aber möchte ich mir doch ein paar Zeilen gestatten, die Deinen Text nicht etwa in Frage stellen, ihn aber mit einer leicht veränderten Akzentsetzung bestätigen sollen.
Vorweg: Der Krebsinformationsdienst schreibt so ziemlich am Ende der Ausführungen zur Krankheitsbewältigung:
„Es muss nach wie vor als ungeklärt gelten, ob und vor allem wie seelische Faktoren den Krankheitsverlauf und die Überlebenszeit beeinflussen. Unbestritten ist dagegen, dass eine positive Krankheitsverarbeitung im Sinne einer gelungenen Neuorientierung mit einer besseren Lebensqualität einhergeht.“
Zum ersten Satz dieses Zitats:
Das tönt, wie wir uns ja gewohnt sind, nach dem ach so vorsichtigen Grundsatz, alles sei fragwürdig, was nicht mit einer Studie eindeutig als gut oder schlecht qualifiziert worden sei. Ehrlicher wäre es, offen zuzugeben, dass der Einfluss seelischer Faktoren auf Krankheitsverlauf und Überlebenszeit auch mit einer qualitativ bestens angelegten Studie nicht beantwortet werden kann: Wo so viele, ja praktisch ausschliesslich subjektive Faktoren im Spiel sind, da lässt sich nichts messen, da kann keine Antwort als korrekt oder unkorrekt ausgewertet werden.
Dann zum zweiten Satz:
Sicher wäre es absolut falsch, die Meinung zu vertreten, mit „kämpferischer“ Haltung könnte Krebs ernsthaft gehemmt oder gar besiegt werden. Wer solches behauptet, der riskiert wirklich, bei den Betroffenen, denen es nicht gelingt, eine kämpferische Haltung einzunehmen, Schuldgefühle auszulösen. Der Ausdruck „Kampf“ ist also fehl am Platz.
Allerdings muss „Kampf“ ja nicht immer Dreinschlagen mit dem Zweihänder bedeuten. Es gibt ja auch die subtile Art des Floretts, es gibt asiatischen „Kampf“-Sportarten, die eigentlich „Kampfkunst“-Sport heissen sollten, weil den meisten von ihnen nicht die Körperkraft, sondern die Geschicklichkeit im Vordergrund steht. Und hier, meine ich, sollten wir einhängen: Nicht Kampf gegen den Krebs führen, sondern möglichst geschickt mit ihm umgehen. Genau das steht übrigens, wenn auch mit anderen Worten, in diesem zweiten Satz zu lesen.
Geschickt umgehen: Das ist für jeden Betroffenen etwas anderes. Der eine liest sich nächtelang die Augen müde, der andere kapselt sich ab. Der eine blickt gelassen auf die unausweichliche Entwicklung, der andere zittert vor Angst. Das hängt vom Individuum und (manchmal auch) von seiner Umwelt ab. Ob Abkapselung eine „geschickte“ Haltung sei, nun, das erscheint natürlich fragwürdig; es kann aber für den Betroffenen die einzig gangbare Lösung sein, solange es nicht gelingt, ihn mit Hilfe von aussen daraus zu befreien.
Der nächtliche Leser dagegen, der kann profitieren: Er erfährt, mit was er rechnen kann oder sollte, er lernt (hoffentlich!) auch, medizinischen Weizen von Spreu zu unterscheiden, er gewinnt Kenntnisse, die ihm nicht nur bei der Bewältigung seiner Lage, sondern ganz besonders bei der Therapie und den dazugehörigen Gesprächen mit dem medizinischen Therapeuten nützlich sein können. Er kann dank Internet oder in SHG Kontakt mit Mitbetroffenen aufnehmen und Erfahrungen austauschen. Und damit Lebensqualität gewinnen trotz des Wissens darum, dass die Dauer dieses Lebens begrenzt, oft auch sehr begrenzt ist.
Also: Wem es gelingt, trotz Krebs, trotz unheilbarem Krebs, sich von den schlechten Aussichten nicht niederdrücken zu lassen, sondern aktiv am Therapieprozess, aber auch aktiv an seinen anderen Lebensinhalten teilzunehmen, dem gelingt es mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht, seine Lebenszeit zu verlängern. Wohl aber gelingt es ihm, seine ihm verbleibende Lebenszeit so zu gestalten, dass er, wenn auch vielleicht nicht mit seinem Schicksal, so doch wenigstens mit sich selber zufrieden sein darf.
Das soll soll nichts gegen jene Betroffenen sagen, die nicht in der Lage sind, sich mit ihrer Erkrankung aktiv auseinanderzusetzen; sie sind seelisch anders strukturiert und müssen so akzeptiert werden. Sie benötigen meist Hilfe von aussen, und da kann es eine schöne Aufgabe für Mitbetroffene sein, solche Hilfe zu bieten.
Carola-Elke antwortete am selben Tag:
deine Ausführungen sind absolut zutreffend und klingen wirklich motivierend für die Mitstreiter – sie spiegeln sicherlich auch einen Teil deine Art der Krankheitsbewältigung und der persönlichen Auseinandersetzung mit PK wieder. Charakterliche Eigenschaften sind das Eine.
Womit ich nicht einverstanden bin, ist die unbewiesene Aussage, die nicht von dir stammt, doch inzwischen einigen Zuspruch erfuhr : "Eine optimistische Einstellung sei unbedingt förderlich für den Krankheitsverlauf".
Diese überholte Meinung von früher, die einem Mythos ähnelt, ist nicht zeitgemäß und entspricht nicht den Erfahrungen der Psychoonkologie.
Dazu hätte ich definieren sollen, dass für mich der Begriff "Krankheitsverlauf" gleichbedeutend mit "verbleibender Lebenszeit" oder dem "Zeitraum des progressionsfreien Überlebens" ist. Das scheinen manche Leser missinterpretiert zu haben.
Für mich scheint die Frage klärungsbedürftig, ob man überhaupt und mit Bestimmtheit diesen Ratschlag geben sollte oder dürfte, ohne sich der Verantwortung darüber bewusst zu sein, dass diese Aussage gleichzeitig große Verunsicherung auslösen kann.
Dazu sollte man sich doch einmal praktisch vorstellen: Der Patient X hat an Knochenmetastasen, unter Morphium- und Chemotherapie zu leiden, keinen Spass mehr am Essen oder an Bewegung und hört von dieser Behauptung, er müsse nun eine "optimistischere Haltung einnehmen", dann ginge es bestimmt bergauf.
Wenn er diese These ernst nähme, müsste er entweder anfangen an sich zu verzweifeln, weil er keinen Optimismus mehr aufzubringen in der Lage ist, oder aber er besäße übermenschliche psychische Ressourcen, damit ihm diese innerliche Wende hin zum Optimismus gelingt.
Reagiert er aber folgendermaßen: "Wenn ich nicht wieder ein wenig optimistischer nach Vorne blicke, muss ich früher sterben?" - würde das nicht automatisch "Schuldgefühle" oder zusätzliche, unnötige Ängste in ihm hervorrufen, weil er mangels Erfahrung keinen Grund sieht, dieser unbewiesenen Aussage skeptisch gegenüber zu stehen, doch leider gegen seinen körperlichen geschwächten Zustand kein Rezept erhält, das ihm das Leben wieder lebenswerter macht?... das ihm Kraft zum Optimismus gibt?
Wäre dieser Optimismus überhaupt noch gerechtfertigt?
Völlig auf deiner Linie liege ich insofern, als dass du zu Recht betonst, wie wichtig es ist, selbst an der Krankheitsbewältigung zu arbeiten.
Denn nach der Diagnose oder einem Rezidiv verfallen sehr viele Patienten zuerst einmal in ein tiefes dunkles Loch, aus dem sie unbedingt wieder herausfinden sollten – wenn es sein muss, mit Hilfe professioneller Unterstützung oder der intensiven persönlichen Zuwendung von Familienangehörigen und erfahreneren Mitstreitern.
Depressionen und Angst kommen häufig vor, da darf man sich nichts vormachen:
http://www.uroonkologie.de/nachrichten/medizin_details.asp?id=123
http://www.uroonkologie.de/nachrichten/nachrichten_archiv_details.asp?id=72
Wahrscheinlich sprechen die Wenigsten gerne darüber. Es könnte ihnen anfangs die Kraft fehlen...
Die innere Balance zu finden und zu erhalten, fällt schon in gesunden Zeiten vielen Menschen schwer genug. Unangemessene Reaktionen, die einem Zwangsoptimismus ähneln, gehen für mich in die falsche Richtung und könnten den Blick fürs Wesentliche trüben.
Innere Ruhe und Ausgeglichenheit zählen viel mehr.
Hochs und Tiefs, aktive und passive Phasen, Krankheitsbewältigungsstrategien und Freizeit gehören zum Kranksein und dem Leben dazu und sollten zugelassen sein.
Rechtzeitig wichtige Angelegenheiten zu regeln und mit sich selbst im Reinen zu sein, kann sehr beruhigend wirken.
Auf der anderen Seite eine möglichst aktive Haltung der Krankheit gegenüber einzunehmen, so es dem Betroffenen gelingt, schenkt stückweise Lebensqualität zurück, erzeugt günstigstenfalls Erfolgsgefühle, beugt einem negativ besetzten Gefühl des "hilflosen Ausgeliefertseins" vor und kann so insgesamt neue Kraft und Energie schenken.
Dies alles käme deinem Bild der "Kampf-Kunst" nahe, die viele Facetten kennt.
Manche Erkrankte hingegen bemerken, dass sie den Tatsachen lieber nicht direkt ins Auge blicken wollen und können mit medizinischen und wissenschaftlichen Beiträgen nichts anfangen, da sie ihnen ein Gefühl der Unsicherheit vermitteln, weil sie die Informationsflut nicht sortieren und verwerten können. Sie bemerken, dass es ihrer Seele besser bekommt, wenn sie gewisse Themen verdrängen.
Wieder andere verlassen sich tendenziell lieber auf Spirituelles, Magisches und die alleinige gefühlsbetonte Auseinandersetzung mit der Krankheit - das kann man ihnen nicht absprechen, solange sie sich dabei wohlfühlen.
Letztendlich muss jeder seinen persönlichen Weg finden, sich zwischendurch neu orientieren, um im Laufe der Erkrankung auch seine Wertvorstellungen an die Lebensqualität immer wieder neu zu sortieren und auf die sich verändernden Situationen während einer Krankheitskarriere angemessen zu reagieren.
Es gibt so viele verschiedene Formen des Umgangs mit Krankheiten, daher sollte man keine Patentrezepte für jedermann propagieren.

Tochter75 schrieb am 11.9.2008:
Mein Vater ist im Mai 2007 unter sehr dramatischen Umständen mit dem PK konfrontiert worden, akutes Nierenversagen etc. Und er ist ein Fan der Minimal-Therapie, also er macht genau das Gegenteil von dem, was hier propagiert wird, allerdings in Rücksprache mit seinem Urologen.
Bei einem Gleason-Score von 4+5 und einem Ausgangs-PSA von 783, der niemals niedriger als 90 war, disseminierten Knochenmestastasen, die das ganze Skelett durchsetzen, kommt er bei regelmäßiger Zometa-Gabe einmal im Monat, einer Kapsel Ferrosanol und zwei Kapseln Estramustin pro Tag ohne alle anderen Schmerzmittel aus. Und erstaunlicherweise wurde er noch stärker, als meine Mutter an Brustkrebs erkrankte. Er hat z.B. morgens Zometa gekriegt und fuhr nachmittags zu ihr ins Krankenhaus, manchmal sogar zweimal am Tag, er kümmerte sich um alles im Haushalt und kümmert sich auch jetzt während der Chemo um meine Mutter. Seine Laborwerte sind bis auf die Anämie, die bei 11,8 Hb liegt, und einem PSA um 120 vor drei Monaten, gestern neu abgenommen, aktuelles Ergebnis steht noch aus, alle in Ordnung.
Mein Vater selbst ist nicht in diesem Forum, findet es aber o.k., wenn ich über seinen Fall berichte. Er selbst meint nämlich, wenn er sich selbst im Forum aufhalten würde, würde es ihn verrückt machen, wenn man ihm bei jeder Änderung des PSA, auch wenn er sich gar nicht schlechter fühlt, die neuesten Therapien empfehlen würde. Er macht lieber das, was ihm subjektiv gut tut und womit er sich wohl fühlt. Und das klappt seit 16 Monaten erstaunlich gut, sogar unter dem neuen Stress mit der Erkrankung seiner Frau.

Habt ihr auch solche Erfahrungen gemacht? Psychisches Vertrauen in die eigenen Kräfte, sich nicht verrückt machen lassen, sondern leben? Nicht jedem Laborwert hinterher laufen, sondern danach gehen, wie man sich fühlt? Anfangs fand ich es schwierig, denn ich bin auch in den Sog gezogen worden, alles ausprobieren zu wollen, was hier empfohlen wurde, aber mein Vater wollte es nicht. Und es scheint, er ist mit seiner Art, damit umzugehen, auf einem guten Weg.

Ich denke, man kann das sehr kontrovers diskutieren, aber es gab hier ja auch schon mal vor langer Zeit die Frage, warum manch Schwerstbetroffener aus dem Forum verschwindet. Vielleicht hat es auch damit zu tun, sich mit einem "Feind", den man nicht besiegen kann, zu arrangieren, oder den Krebs als Teil von sich selbst zu akzeptieren.
Heribert schrieb dazu am selben Tag:
Es ist beeindruckend zu lesen, wie Dein Vater mit seinem Krebs umgeht. Bestätigt es doch, dass trotz noch so gut gemeinter Empfehlungen der modernen Medizin oder auch vieler guter Ansätze aus der Naturheilkunde, letztlich entscheidend ist, auf seine innere Stimme zu hören. Ich denke, wenn man gedanklich mit sich im Reinen ist, hat der Körper die optimalen Voraussetzungen sich auch gegen einen Krebs noch lange zu wehren, auch wenn aus Sicht vieler Forumnutzer die medikamentöse Einstellung nicht als optimal zu bezeichnen ist.
Und Jürg kommentierte und berichtete:
Ich schliesse mich den Worten von Heribert ohne Vorbehalt an. Selber habe ich vor etwas mehr als vier Jahren an einen Mitbetroffenen geschrieben:
"Auch psychisch geht es mir sehr gut. Ich betrachte den PK als Herausforderung, gegen die zu kämpfen in einem gewissen Sinn faszinierend ist. Tönt komisch, ist aber so. Der Ehrlichkeit halber muss ich aber zugeben, dass auch ich in gelegentlich von einem kleinen "Tiefdruckgebiet" besucht werde; aber warum sollte es mir besser gehen, als Frauen in den Wechseljahren? Und während einigen Tagen mit einer Tablette eines Psychopharmakons, das mir mein Uro vorsichtshalber verschrieben hat, komme ich gut über die Runden. Dabei spielt es - aus meiner Sicht - aber eine grosse Rolle, wie alt man ist. In jungen Jahren ist es viel schwieriger, mit einer Krankheit umzugehen, welche die Sexualität aufs Abstellgleis schiebt und schlimmstenfalls tödlich verlaufen kann, als wenn man, wie ich, 69 Jahre alt ist. In diesem Alter sollte man ohnehin daran denken, dass man eine begrenzte Lebenserwartung hat und über kurz oder lang abtreten muss (oder auch darf). Entscheidend aber scheint es mir zu sein, wie man sich zur Erkrankung einstellt. Wer das Beste daraus zu machen sucht, sich einerseits mit einer gewissen Demut damit abfindet, aber andererseits nicht gewillt ist, sich unterkriegen zu lassen, ist sicher besser dran, als jemand, der nur noch schwarz sieht. Das tönt nun ein wenig nach Pfarrer, ist aber gar nicht so gemeint. Ich habe einfach die Erfahrung gemacht, dass er es mir hilft, mich mit meinem PK auseinanderzusetzen, ihn quasi als gleichwertigen Gegner zu betrachten. In Kürze werden seit meiner Diagnose 4 Jahre vergangen sein, und das Gefecht ist immer noch unentschieden – mit dem Vorteil auf meiner Seite, dass der PK in diesen 4 Jahren kaum echte Fortschritte machen konnte, und dass ich immer noch Kampftruppen in Reserve habe."
Inzwischen bin ich vier Jahre älter geworden, fühle mich gut und werde weiterkämpfen. Wobei ich nicht etwa meine, jeder Betroffene müsse nach meinem System vorgehen; es gibt viele Lösungen, einer schweren Erkrankung zu begegnen.
Diese Kommentare veranlassten Tochter75, immer noch am 11.9.2008, weiter zu berichten:
Ich denke, bei meinem Vater spielen zwei Dinge eine Rolle. Zum einen war er fast 75, als der Krebs entdeckt wurde, zum anderen waren die Umstände so gruselig, dass man danach froh war, dass er überlebt hat, denn der Rettungshubschrauber wartete vor dem Start noch ein EKG unter Defibrillationsbereitschaft ab, weil eine absolute Arrhythmie des Herzens aufgrund des hohen Kaliums vorlag, und zum anderen glaubten die Ärzte am ersten Tag, als sie den Grund für das Nierenversagen noch nicht kannten, dass er lebenslang an der DIalyse bleiben müsste. Tatsächlich genügten zwei Dialysen, dann sprang die Niere wieder an und seither sind seine Kreatininwerte im Normbereich.
Zudem hadert er nicht mit dem Schicksal, nicht zur Vorsorge gegangen zu sein, weil er sich sagt, dann wäre er vielleicht zehn Jahre früher damit belastet worden und er weiß genau, dass er nach dem Wait and See gehandelt hätte und keine OP hätte vornehmen lassen. Insofern meint er, dass ihm dadurch zehn gute Jahre beschieden waren, in denen er keine Inkontinenz etc. hatte. Er hat noch einen suprapubischen Katheter mit Ventil. Eine neue OP, um ihn evt. loszuwerden, lehnt er ab, denn er sagt, das Risiko einer Inkontinenz wäre ihm zu groß und er hat sich damit arrangiert.
Was meinen Vater im Umgang mit seiner Erkrankung am meisten auszeichnet, ist die Tatsache, dass er niemals damit hadert. Das ist so, fertig! Im Rückblick dazu bemerke ich, dass er mir selbst diese Lebenseinstellung von klein auf vermittelt hat. Wir haben in unserer Familie niemals die Frage bei irgendwelchen Situationen gestellt: "Warum ich /wir?", sondern es akzeptiert. Als bei meiner Mutter die Krebsdiagnose im Juni gestellt wurde, war der Schock nicht mehr so groß wie damals beim Krebs meines Vaters. Man lernt, dass es kein unmittelbares Todesurteil ist, sondern das Leben so weiter geht wie bisher und meine Mutter hat die Möglichkeit, mit Hilfe der adjuvanten Chemotherapie komplett geheilt zu werden. Also wird es durchgezogen und Ende nächsten Monats hat sie es überstanden. Erstaunlicherweise fällt ihr der Umgang mit der Erkrankung auch leichter, obwohl sie in jungen Jahren immer Angst davor gehabt hat, seit sie sieht, wie mein Vater mit seiner schweren Erkrankung umgeht. Das ist eben so, wir können es nicht ändern.
Ganz anders wäre die Situation sicher, wenn man so jung ist, wie manch anderes Mitglied hier, wenn noch minderjährige Kinder da sind. Dann wäre die Gelassenheit sicher nicht so einfach zu erlangen, weil die Sorgen um die Familie größer wären.
Mit inzwischen 76 Jahren kann er sich Gelassenheit erlauben. Trotzdem gibt es noch Pläne und er hat sich vorgenommen, trotzdem über 80 zu werden. Mal sehen, ob es klappt. Aber warum eigentlich nicht?

Simmii76 fragte am 17.2.2009:
Was kann man für die Psyche eines Betroffenen (fortgeschrittener Prostatakrebs, keine Chance auf Heilung) tun?
Ist es hilfreich, einen Psychotherapeuten aufzusuchen? Hat jemand Erfahrung damit? Gibt es einen Tipp für ein gutes Buch, was trotz dieser harten Diagnose aufbaut und Mut macht? Wäre die Biomeditation eventuell eine weitere Maßnahme?
Jürg antwortete am selben Tag:
Natürlich kann man etwas tun für die Psyche. So gibt es zum Beispiel in mancher Klinik Spezialisten in Psycho-Onkologie. Wichtig ist es aber, zu wissen, wie sich der Patient zu einer psychotherapeutischen Behandlung stellt. Wer eine solche grundsätzlich ablehnt (und das gibt es), dem ist schwieriger zu helfen. In solchen Fällen kann aber ein guter Hausarzt, zu dem ein Vertrauensverhältnis besteht, auch viel helfen.
Ka-Ha We antwortete am 19.2.2009:
Ich bin in der gleichen Lage (unheilbar) und habe manche Nacht nicht schlafen können, da mir depressive Verstimmungen das Leben schwermachten. Da hatte meine Frau eine wunderbare Idee und schenkte mir einen Pudelwelpen. Seit der kleine Kerl bei uns im Haus ist, hab ich keine Schlaftablette oder Psychopharmaka gebraucht. Klar, dass das Mittel nicht bei jedem taugt, aber bei mir hat's geholfen.
Am selben Tag schrieb helmutS:
Ich lebe seit über elf Jahren mit der Krankheit. Mir haben Meditation und autogenes Training sehr viel geholfen. Mache ich jeden Tag mindestens ½ Std.
Kann das Buch von O. Carl Simonton "Auf dem Wege der Besserung" (ISBN 3-498-06280-8) empfehlen, mit vielen Tipps zur Visualisierung etc. Es gibt auch CD's die man anhören und dabei entspannen kann.
Carl Simonton, einer der bekanntesten Psycho-Onkologen, kommt auch wieder nach Deutschland, und zwar vom 8. bis 10. Mai nach Heidelberg zu einer Veranstaltung der Biologischen Krebsabwehr. Hatte ihn schon mal vor drei Jahren gesehen. Sehr beeindruckend. Werde jetzt auch wieder dort sein.
Und Marcel19 schrieb am 25.2.2009:
Bin in ähnlicher Lage, was den Rat nach psychologischer Hilfe angeht. Ich bin überzeugt, dass es helfen kann, vor allem wenn es Spezialisten/Psycho-Onkologen sind. Versuche gerade, meinen Vater dazu zu bringen, der zur Zeit einen Tiefpunkt durchschreitet. Seine Knochenmetastasen breiten sich leider immer weiter aus und verursachen immer stärkere Schmerzen. Dagegen helfen zwar Schmerzpflaster, aber die machen bei ihm die Verdauung träge bzw. bringen sie zeitweise ganz zum Erliegen. Er befindet sich also in einer Art Falle und kann nur zwischen zwei Übeln wählen und ist daher verständlicherweise ziemlich down. Aber das macht es nur noch schlimmer, glaube ich, und so möchte ich mit professioneller Hilfe ihn gerne aus diesem Tief herausholen, damit er mehr Kraft für die eigentlichen Therapien hat.
Vielleicht geht es Dir und anderen auch so, aber mein Vater ist eher nicht der Typ für psychologische Hilfe, und auch Psychopharmaka hat er bisher abgelehnt, aber ich glaube, er wäre zumindest für ein Versuchsgespräch offen. Daher ist es um so wichtiger, einen guten Psycho-Onkologen zu finden, zu dem man auch ein zweites Mal etc. geht. In DAPO habe ich viele Adressen gefunden. Aber kann darüber hinaus jemand vielleicht einen speziellen Psycho-onkologen (in NRW) empfehlen?
Dir und Deinem Vater, Simone, wünsche ich alles Gute und möchte Euch eine kräftige Portion Optimismus mit auf dem Weg geben! Aussichtslos ist rein gar nichts, bei keinem! Egal wie viele Tiefs wir bisher schon hatten (und so viele waren es gar nicht), es gab danach immer wieder Hochs und neue positive Ansätze, die gilt es mit aller Kraft zu nutzen. Deine Zuversicht und Kraft (und die eurer ganzen Familie) ist durch nichts zu ersetzen, aber bestimmt durch professionelle Hilfe zu ergänzen, wenn es Dein Vater zulässt...

helmut(i) schrieb am 17.5.2012 unter dem Betreff "12 Jahre Prostatakrebs — Gedanken zur psychischen Bewältigung":
Vorwort:
Heute vor zwölf Jahren, am 17.05.2000, erhielt ich die Diagnose Prostatakrebs.
Dieses "Jubiläum" ist für mich Anlass, einen Rückblick auf diesen Zeitraum zu verfassen,der sich jedoch weniger mit Details über Diagnosen, Therapien und Verlauf beschäftigt, sondern vielmehr einen Aspekt in den Vordergrund stellt, der aus meiner Sicht zu wenig beachtet wird.
Es geht um die Psyche des Mannes, die es ihm erschwert, Gefühle zu zeigen; noch weniger gelingt es ihm, Schwächen einzuräumen und zu akzeptieren.
Dies betrifft auch den Umgang mit dem eigenen Körper. Dieser hat zu funktionieren, etwaige Beschwerden werden lange ignoriert. Wozu zum Arzt gehen, etwa gar zu einem Urologen?
Es ist doch (fast!) alles in Ordnung.
Ich habe gelernt, dass es ein wichtiger Bestandteil der Krankheitsbewältigung sein kann, Gefühle zuzulassen und Schwächen zu akzeptieren (und darüber zu reden!), anstatt sie zu verdrängen. Bewusst berichte ich deshalb auch über Emotionen, Zweifel und Rückschläge.
Mein Anliegen ist es, vor allem Neubetroffenen mit diesem sehr persönlichen Bericht etwas Zuversicht und Orientierung zu vermitteln.
Gerade in der Zeit nach der Erstdiagnose wäre klares Denken dringend erforderlich, um die Fülle der wichtigen Informationen zu verarbeiten und in konsequentes Handeln umzusetzen. Dies ist jedoch durch den verständlichen Schock meist deutlich erschwert, bzw. unmöglich.
Die Psyche des Mannes:
Wir Männer sind offensichtlich noch immer in archaischen Vorstellungsmustern gefangen.
Unsere Vorfahren mussten jagen, töten und in ihrer kurzen Lebensspanne möglichst viele Kinder zeugen. Dies waren die Attribute ihrer Stärke, um das Überleben der Sippe und damit den Fortbestand der Menschheit zu sichern.
Leistung wird längst nach ganz anderen Kriterien bewertet, der Existenzkampf findet heute auf völlig anderen Ebenen statt. Er basiert nicht mehr auf physischer Kraft, Robustheit und Fruchtbarkeit, sondern verlangt Wissen, Kreativität und Anpassungsfähigkeit.
Warum ist es so schwierig, diese Eigenschaften auch im Umgang mit der Erkrankung einzusetzen?
Physiologisch-funktionelle Störungen als Begleiterscheinungen von Emotionen und Konflikten werden von der psychosomatischen Medizin längst anerkannt.
Zitat aus Wikipedia:
Ein Stiefkind der psychosomatischen Medizin ist die psychosomatische Urologie. Im Bereich der Uro-Genital-Organe mit der gleichzeitigen Funktion als Ausscheidungs-, Fortpflanzungs- und Lustorgan besteht ein komplexes Geflecht von möglichen funktionellen Störungen und es gibt dort Ansatzpunkte für psychosomatische Störungen und Schmerzsyndrome. Nur relativ wenige Spezialisten befassen sich mit dieser Materie.
Könnte es sein, dass die Diagnose Prostatakrebs einen Mann stärker trifft als viele andere Erkrankungen, weil sie das emotionale und biologische Zentrum seiner Männlichkeit gefährdet?
Ist es nicht verständlich, dass diese Diagnose irrationale Ängste und Spannungen auslöst, welche das weitere Vorgehen z u s ä t z l i c h erschweren?
Besteht andererseits eine Chance darin, den schwierigen Weg besser zu bewältigen, wenn man sich diese Problematik bewusst macht und versucht, sie durch eine andere Bewertung zu entschärfen?
Zwölf Jahre Umgang mit dem Prostatakrebs haben mich zu der Überzeugung gebracht, dass der mentale und psychische Umgang mit der Erkrankung eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt.
Information, Wissen und konsequentes Handeln sind von zentraler Bedeutung, aber auch das „Annehmen“ der Krankheit spielt eine wichtige Rolle. Die Einsicht, dass es sich um eine Schwäche des eigenen Körpers und nicht um den Angriff eines imaginären Feindes handelt, kann von Vorteil sein.
Es sollte dem Mann heute eigentlich möglich sein, etwas aufmerksamer und sensibler mit seinem Körper umzugehen, ohne zu befürchten, deshalb als Schwächling oder Versager zu gelten. Die offene Aussprache mit dem Partner, mit der Familie und mit dem Arzt über Nöte und Ängste würde die Psyche entlasten. In schwierigen Fällen könnte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.
Von großer Bedeutung wäre es auch, dafür Sorge zu tragen, dass sich ein gewisses Umdenken in der Öffentlichkeit durchsetzt. Rechtzeitige Vorsorge könnte viel Leid ersparen.
Sicher gibt es große Unterschiede je nach Mentalität, Alter und Lebens – Situation. Ich bin mir auch der Tatsache bewusst, dass es viele Betroffene gibt, die wesentlich härter getroffen wurden, als es bei mir der Fall war.
Meine Geschichte:
Auch ich war damals ein Vorsorge-Muffel und ging erst auf Drängen meiner Frau zum Urologen. Mein Wissensstand war gleich Null; ich hatte kaum eine Ahnung, welche Funktion die Prostata eigentlich hat.
Ich war 70 Jahre alt, in gutem Allgemeinzustand und bereits seit zehn Jahren in einem erfüllten Ruhestand lebend, ausgefüllt mit Hobbys, vielen Reisen und einer harmonischen Ehe.
Die Diagnose war ein brutaler Schock, der tiefe Verzweiflung und Hilflosigkeit auslöste. Die Intensität unserer Beziehung verstärkte den Schmerz; das sorgenfreie Leben schien zu Ende, die Zukunft zeigte sich düster und drohend. Es gab schlaflose Nächte, Tränen und viele Sorgen; wir landeten in dem berühmten "schwarzen Loch".
Überraschenderweise wandelte sich diese Lähmung nach einiger Zeit in eine erstaunliche Aktivität. Ich wollte „alles“ über die Krankheit und über Therapiemöglichkeiten wissen.
Da ich zu diesem Zeitpunkt noch keinen PC hatte, kaufte ich mir Bücher, besuchte Vorträge und Veranstaltungen und begann eine umfangreiche Arzt–Odyssee.
Drei Monate lang besuchte ich Urologen, Strahlentherapeuten, Radiologen, Internisten, Naturheilkundler und Kliniken, meist mit einem umfangreichen Fragenkatalog, der in einigen Fällen dazu führte, dass ich nach einiger Zeit mehr oder weniger höflich hinauskomplimentiert wurde.
Ich hätte mir wohl etlichen Aufwand und so manche Sorge ersparen können, wenn ich schon damals über mehr Wissen verfügt hätte. Auch bleibt die Frage offen, ob ich die Dreifache Hormontherapie als Ersttherapie gewählt hätte.
Diese verstärkte Form des Hormonentzugs belastete mich stark; ich litt unter extremer Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Kraftverlust, Muskelabbau, Gelenkschmerzen und Gewichtszunahme. Deutliche Auswirkungen gab es auch im mentalen und emotionalen Bereich. Konzentrationsfähigkeit und geistige Aktivität waren deutlich eingeschränkt. Entschlüsse zu fassen, kostete mehr Energie und ihre Umsetzung mehr Zeit. Wahrnehmungs- und Empfindungsvermögen waren gedämpft. Die Gefühle waren flacher geworden und einer gewissen Gleichgültigkeit gewichen. Das Interessenspektrum wurde deutlich kleiner. Hobbys wie Lesen und Musizieren verloren an Bedeutung; Pläne für Reisen, die das Leben vorher ungeheuer bereichert hatten, mussten aufs Eis gelegt werden.
Eines der schönsten Dinge im männlichen Leben, das andere Geschlecht, hatte seinen Reiz verloren. Wenn auch die körperliche Komponente im Alter an Bedeutung verliert, so ist doch gerade in einer guten Beziehung, die wir seit mehr als 40 Jahren praktizierten, die Freude aneinander und miteinander ein äußerst wichtiges und belebendes Element.
Es gab Tiefpunkte (z. B. einen Sturz mit Gesichtsverletzungen), wo ich alles satt hatte und aufgeben wollte. In solchen Situationen fühlte ich mich hilflos, ausgezehrt, leer.
Es ist einfach nicht vorstellbar, wie sich ein Mann ohne Testosteron fühlt!
Doch die Disziplin und die Aussicht auf Besserung nach Beendigung der Therapie siegten; auch hierbei waren mir Gespräche, die liebevolle Anteilnahme meiner Frau und die Taktik, sich den Frust von der Seele zu schreiben, hilfreich.
Die ersehnte Besserung war ein langwieriger Prozess, begleitet von vielen unterstützenden Maßnahmen. ambulante Reha, Feldenkrais, Darmsanierung, häusliche Gymnastik, Fitness-Studio, Sauna, Wandern und Ernährungsdisziplin führten zunehmend wieder zu einem Körpergefühl, Kraftzuwachs und Wohlbefinden.
Auch die Seele erholte sich langsam; ich setzte mich wieder an meinen Flügel, begann wieder zu lesen und sah die Welt – vor allem auch meine Frau (!) – wieder mit anderen Augen.
Die konsequente Verfolgung des Ziels lohnte sich; nach annähernd einem halben Jahr war ich wieder fast „der Alte“.
Leider brachte die Therapie keinen dauerhaften Erfolg.
Rund drei Jahre nach Abschluss der DHB sah ich mich durch steigende PSA-Werte zu erneuter Diagnostik veranlasst. Die Ergebnisse waren deutlich genug, um Handlungsbedarf anzuzeigen. Enttäuschung und Zweifel an der Richtigkeit der ursprünglichen Entscheidung waren die zwangsläufige Folge. Ein leichter Trost war der Gedanke, vier Jahre gewonnen zu haben.
Es war auch nicht zu übersehen, dass die ursprünglichen Prognosen und Erwartungen zu optimistisch waren und in der Zwischenzeit einige Korrekturen erfahren mussten. Auch die Akzeptanz als Primärtherapie durch die Ärzte war sehr mangelhaft. Im BPS-Forum gab es über einen längeren Zeitraum heftige Diskussionen pro und contra DHB.
Denkbare Optionen waren: Zweitzyklus einer Hormonblockade, Operation oder Strahlentherapie.
Eine erneute Hormonblockade wollte ich wegen der beschriebenen Nebenwirkungen vermeiden, eine Operation hatte ich von Anfang an abgelehnt, da eines der relativ häufig auftretenden Folgen (vor allem im fortgeschrittenen Alter) Inkontinenz ist.
So blieb die Strahlentherapie. Da sie in vielen Kombinationen und Modalitäten durchgeführt wird, begann erneut ein schwieriger und aufwändiger Informationsprozess über Standorte, Geräteausstattung, Technik und Erfahrungswerte. Mit dieser Suche war ich fast ein Vierteljahr lang intensiv beschäftigt. Ich korrespondierte und telefonierte mit vielen Kliniken und Therapiezentren; einige davon suchte ich persönlich auf.
In der Zwischenzeit hatte ich trotz meines Alters noch gelernt, PC und Internet zu nutzen, was sich als große Hilfe erwies und heute noch ist.
Schließlich entschied ich mich 2004 für eine intensistätsmodulierte Strahlentherapie im Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Diese Art der Bestrahlung erschien mir als die beste Form, ein Maximum an Erfolgschancen mit einem Minimum an Nebenwirkungen zu erreichen, und im DKFZ hatte man die längste Erfahrung damit.
Über die Technik und die Durchführung habe ich einen ausführlichen Artikel geschrieben, der hier abrufbar ist.
In der Zwischenzeit bin ich 82 Jahre alt und fühle mich relativ wohl. Es gibt einige Beschwerden, die jedoch eindeutig dem Alter geschuldet sind.
Die Rolle des Partners:
Der Partner leidet in einem Maß mit, welches wohl meist nicht genügend gewürdigt wird.
Zunächst war die Diagnose ein brutaler Schock, dann die gemeinsamen Bemühungen um Entscheidungen und die Begleitung der Therapien ein schwieriger Weg.
Einzelne Phasen, so z. B. während der DHB, brachten eine enorme Belastung, gerade in einer guten Beziehung. Meine Frau litt unsagbar darunter, dass ich zum „Neutrum“ wurde. Sie berichtete mir hinterher, dass ich regelrecht durch sie „hindurchgeschaut“ habe. Der tägliche Umgang mit einem Ehemann, der sich so sehr verändert hatte, erforderte unendlich viel Geduld, Kraft und Liebe.
Gleichzeitig erfuhr ich durch meine Frau wertvolle Hilfe in vielen Situationen. Wir führten immer wieder stundenlange Gespräche, die mir Erleichterung brachten und in vielen Fällen das Verständnis und Entscheidungen erleichterten.
Es war eine Selbstverständlichkeit, dass meine Frau mich bei allen wichtigen Terminen begleitete und beim Arzt neben mir saß; dies erleichterte die nachträgliche Rekonstruktion des Gesprächs und ermöglichte es, Missverständnisse zu korrigieren. Auch die neun Wochen Therapiezeit in Heidelberg verbrachten wir gemeinsam.
Für diese Unterstützung in einer schweren Zeit bin ich unendlich dankbar.
Persönliche Bilanz:
In meiner persönlichen Bilanz steht D a n k b a r k e i t an erster Stelle.
Ich bin dankbar…
Natürlich gibt es nie eine endgültige Sicherheit, dass dies für alle Zeit gelungen ist.
Mein Alter lässt mich dies relativ gelassen sehen und ich blicke zufrieden auf ein erfülltes Leben zurück.
Die langjährige Auseinandersetzung mit der Erkrankung, die erlebten Höhen und Tiefen, die Kontakte mit anderen Betroffenen etc. haben in vielen Bereichen das Denken und Empfinden verändert. Schwerpunkte haben sich verlagert, neue Prioritäten haben sich gebildet.
Diese Entwicklung hat u. a. dazu geführt, dass ich mich seit Jahren intensiv um unsere Gesundheit kümmere, soweit dies einem Laien möglich ist. Die Möglichkeiten des Internets und die Unterstützung durch einige gute Ärzte sind und waren mir dabei eine wertvolle Hilfe.
Allgemeines:
PK wächst in der Regel viel langsamer als jede andere Krebsart und die krankheitsbedingte Sterblichkeit ist relativ niedrig. Somit bleibt nach der Erstdiagnose meist ausreichend Zeit für Information und Therapie-Entscheidung.
Eine umfassende Information über diagnostische und therapeutische Möglichkeiten ist unverzichtbare Voraussetzung für eine Erfolg versprechende Strategie. Das Wissen hilft dem Ratsuchenden, zum mündigen Patienten zu werden. Dieser ist imstande, mit dem Arzt auf einer anderen Ebene zu diskutieren, Empfehlungen zu bewerten, Entscheidungen zu treffen und selbst Verantwortung zu übernehmen.
Das Internet ist dabei äußerst hilfreich; auch die Arbeit des BPS und der Forumsbetreiber ist von unschätzbarem Wert. Eine Fülle von Informationen und Kontaktmöglichkeiten ermöglichen es, das eigene Verständnis auszubauen.
Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten wurden in den letzten zehn Jahren deutlich erweitert. So ist es bei entsprechendem Engagement möglich, eine individuelle Therapie-Entscheidung unter Berücksichtigung von Alter, Krankheitsstadium und evtl. Nebenerkrankungen zu treffen.
Bei aller zum Teil berechtigten Kritik an unserem Gesundheitswesen sollten wir anerkennen, dass wir in Deutschland trotzdem eine hervorragende Versorgung haben.
Die Fortschritte der Medizin werden besonders deutlich, wenn wir unsere heutigen Möglichkeiten mit denen unserer Eltern oder Großeltern vergleichen.
Wir sollten unsere Chancen nutzen, indem wir versuchen, auch unser Denken und Handeln diesem Fortschritt anzupassen.

helmut (i) stellte am 18.12.2012 die Frage "Wie intelligent muss ein mündiger Patient sein?":
Schon oft hat mich die Frage beschäftigt, welche Ursachen dafür verantwortlich sind, dass Menschen sich so extrem unterschiedlich im Umgang mit einer ernsten Erkrankung verhalten.
Dabei ist nicht die erste Reaktion nach der Diagnose gemeint; hier sind Schock, Angst und Verzweiflung verständlich. Vielmehr geht es um die Bereitschaft und die Fähigkeit zur weiteren mentalen Verarbeitung, welche dann auch das Handeln bestimmen.
Der "einfache" Patient verfügt über mäßige bis durchschnittliche Bildung und besitzt wenig Eigeninitiative. Er war meist lebenslang in abhängiger Position und ist nicht gewohnt, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Er erkennt nicht die Notwendigkeit der Information und ist weder bereit noch fähig, sich entsprechendes Wissen anzueignen. Er ist völlig auf seinen Therapeuten, dessen Können und Engagement angewiesen. Die Strukturen unseres Gesundheitswesens sind nicht eben geeignet, hierbei bestmögliche Ergebnisse erwarten zu lassen.
Ich habe jedoch in meinem Umfeld eine Reihe von Patienten kennengelernt, welche über eine gute bis hervorragende Bildung verfügen und sich trotzdem kaum anders verhalten. Sie waren beruflich erfolgreich, gewohnt zu planen, Entscheidungen zu treffen und für deren Umsetzung zu sorgen. Im Umgang mit ihrer Erkrankung lassen sie jedoch jegliche Aktivität vermissen. Sie bemühen sich weder um Verständnis noch um Kontakte und überlassen alles ihrem Arzt. Dieser verfügt über das erforderliche Wissen, und der Patient befolgt und erduldet unkritisch alle Maßnahmen, welche angeordnet werden.
Ansonsten ist der Patient beratungsresistent; gutgemeinte Versuche, an diesem Verhalten etwas zu verändern, werden zurückgewiesen. Man läuft damit eher Gefahr, zum Wichtigtuer oder Besserwisser abgestempelt zu werden.
Wo bleibt die Eigeninitiative, die Denk- und Kritikfähigkeit, welche diese Männer in ihrer Persönlichkeit geformt hat?
Kann eine Erkrankung so sehr paralysieren, dass diese Eigenschaften verloren gehen?
Ist es denkbar, dass im Umgang mit dem eigenen Körper andere Maßstäbe gelten?
Mir fehlt das Verständnis....
Mattse kommentierte einen Tag später:
Ein interessanter Beitrag. Auf Deine Fragen gibst Du allerdings meistens selbst schon die Antworten.
Der unterschiedliche Umgang mit Krankheiten liegt in der Verschiedenheit der Betroffenen. Hättest Du mit 61 die gleiche Therapie gemacht?
Auf den Rat der Fachleute ist unabhängig von seiner Intelligenz jeder Betroffene angewiesen. Das ergibt sich schon aus der Vielfalt des Therapieangebotes, welches sich aus den Strukturen des Gesundheitswesens entwickelt hat und sich mit Weiterentwicklung der Möglichkeiten ständig verbessert.
Sich trotz hervorragender Bildung in ungewohntem Terrain zu bewegen, fällt niemandem leicht. Wenn sich jemand unkritisch allen angeordneten Maßnahmen unterwerfen würde, hätte er nicht das Schlamassel der Entscheidungsfindung.
Übernimmst Du für die gutgemeinten "Beratungsversuche" auch die Verantwortung? Jeder muss für sich an Hand der verschiedenen Parameter seine eigene Entscheidung treffen und dafür auch die Verantwortung übernehmen. Und wenn Du Dich der Gefahr, als Wichtigtuer oder Besserwisser abgestempelt zu werden, nicht stellen kannst, ist das eher Dein eigenes Problem. Ich denke schon, dass Ratschläge und Kritikfähigkeit zusammengehören.
Ich denke nicht, dass die Denk- und Kritikfähigkeit der Betroffenen durch die Krankheit paralysiert wird. Eher das Gegenteil ist der Fall, denn wer will bei so einer ernsten Angelegenheit schon etwas falsch machen!
Sicher gelten für jeden Betroffenen andere Massstäbe im Umgang mit der eigenen Gesundheit. Aber für alle gilt:
"Jeder Mensch ist so gebaut, dass der Arsch nicht auf den Boden haut."
Und marsjürg meinte:
Die gleichen Feststellungen und Fragen habe ich mir auch schon häufig gestellt. Ich bin Mitglied in einem Sportverein und habe aus meiner PK-Erkrankung kein Geheimnis gemacht. Im Laufe der letzten neun Jahre seit meiner Erkrankung wurden mehrere Sportkameraden ebenfalls betroffen. Nicht einer der neu Betroffenen hat mich hinsichtlich meiner Erfahrungen angesprochen, geschweige denn einen Rat erbeten oder nach erfolgter Therapie über eigene Erfahrungen berichtet. Es ist auch nicht meine Art ungefragt meine Meinung aufzudrängen, um mich nicht der von Dir beschriebenen Gefahr der Wichtigtuerei auszusetzen. Es geht also nicht um, wie Mattse schreibt den "Schlamassel der Entscheidungsfindung". Den gibt es bei den Genannten eben nicht. Die Entscheidung trifft der Arzt und "das ist auch gut so". Auch die Frage nach der Übernahme von Verantwortung stellt sich nicht, da der Rat über Erfahrungen anderer Betroffener nicht abgefragt wird.
Ich kann mir diese Verhaltensweise nur so erklären, dass man die Diagnose Krebs möglichst für sich behalten möchte. Möglicherweise,weil das als ein persönlicher Mangel empfunden wird. Im Vertrauen auf die ärztliche Erfahrung ist man froh, die Verantwortung an den Arzt abgeben zu können.
Schorschel schrieb am selben Tag:
[ Zitat Zitat von helmut (i)]:
...Ich habe jedoch in meinem Umfeld eine Reihe von Patienten kennengelernt, welche über eine gute bis hervorragende Bildung verfügen und sich trotzdem kaum anders verhalten...
Mir fehlt das Verständnis....
[Zitatende]
Ich glaube, lieber Helmut, dass beim Umgang mit einer schweren Krankheit Angst und Verdrängung die entscheidende Rolle spielen, und die sind intelligenzunabhängig.
Intelligenz und Bildung machen es grundsätzlich sicher leichter, offensiv und selbstbestimmt mit seiner Krankheit umzugehen. Mentale Blockaden, Angststarre und Flucht in Autoritätsgläubikeit verhindern sie aber nicht.
Und skipper:
Da jeder Mensch ein Individuum darstellt, sind die Gründe für das angesprochene Verhalten wahrscheinlich vielfältig.
Wie sagt der Kölner : Jeder Jeck ist anders (oder so ähnlich , die Kölner mögen gnädig sein)
Ich könnte mir vorstellen:
Die enorme Ehrfurcht vor Ärzten/Profs, die weit verbreitet ist und wahrscheinlich schon im Kindesalter gelegt wurde. Dies geht einher mit dem verbreiteten Glaube an Fachleute generell. In einer zunehmend komplexer werdenden Welt , die der einzelne immer weniger begreifen und verstehen kann, ist es plausibel, sich auf den Spezialisten/Fachmann zu verlassen. Ein eigenes Urteil traue ich mir nicht mehr zu – der Spezialist macht schon das Richtige.
In der industriellen Revolution ist das Vertrauen in die eigene Urteilskraft auch für den eigenen Körper, in die eigenen Instinkte (Bauchgefühl) weitgehend verloren gegangen.
Des weiteren ist das Thema Krebs mit Furcht , Schmerz und Tod assoziiert, das Thema PCa zusätzlich mit dem sensiblen Thema Sexualität des Mannes und dem Bild, das die Gesellschaft vom Mann pflegt (erfolgreich,stark, allzeit potent ....).
Da passen natürlich Inkontinenz und Impotenz überhaupt nicht.
(Ein mir gut bekannter RA (62) ließ sich im kurativen Stadium nicht behandeln, da er die Impotenz fürchtete, leider verstarb er nach fünf Jahren am Pca).
Als positiver Ausblick und Ermutigung für alle, die sich bislang nicht trauen, sich offensiver mit dem Thema PC auseinanderzusetzen, möchte ich hier das Nachwort des Buches von Strum/-Ein Ratgeber zu Prostatakrebs- zitieren:
"Sie und ihr Leben werden sich durch den PK verändern. Aber nicht alles ist schlecht. Aus den widrigen Umständen wachsen neue Möglichkeiten, sowohl ihr Leben als auch das Anderer zu verändern. Viele Menschen berichten über positive Auswirkungen, welche die Diagnose Krebs auf ihren weiteren Lebensweg hatte. Für einige wird das Leben kostbarer, Beziehungen verbessern sich, die Freude an einfachen Dingen steigt, die Spiritualität erhöht sich, jeder neue Tag wird voll ausgekostet, alles wird mehr geschätzt und genossen, eine neue Intimität mit dem Partner entsteht, die Sexualität drückt sich auf einer reiferen Ebene aus, neue Freunde und Einstellungen werden gefunden, gesündere Lebensweisen angenommen...... die Liste könnte endlos weiter geführt werden."
Wer sich verschließt, nimmt sich die Möglichkeit, vieles von o. G. für sich zu erleben.

Gerda schrieb sich am 16.2.2013 dies von der Seele:
Ich grüße alle Betroffenen, Angehörigen und andere Interessierte dieses Forums…..
und möchte hier nun beginnen davon zu berichten, wie alles begann. Ich möchte aber auch festhalten, dass ich mich nicht nur unbedingt auf nackte Zahlen und Fakten einlassen mag, sondern eben auch eigene Gedanken wie Meinungen, die ich habe mit einfließen lassen möchte. Manches mag sicherlich – das ist mir bewusst – mitunter auch sehr kontrovers sein.
Aber „kontrovers“ belebt ja auch die Diskussion etwas, sofern daraus eine solche entsteht.
Es liegt aber auch auf der Hand, dass wir nicht alle gleicher Meinung sein können, denn dafür sind wir Menschen zu unterschiedlich. Verzeiht mir, wenn meine Ausführungen etwas langatmig sind, aber in kurzen knappen Worten (ich hab’s probiert, still für mich, auf einem weißen Blatt Papier am PC) geht aber leider nicht.
Kurz vorstellen möchte ich uns denn doch bevor ich mit dem Wesentlichen beginne:
Da gibt es „Theo“ (Betroffner u. mein geliebter Ehemann) der im März gerade mal 52 Jahre wird, meine Wenigkeit – sein ihn liebendes Ehegespenst „Gerda“ und bin acht Jahre älter als mein Mann. Was aber unserer Liebe zueinander bisher noch nie Abbruch getan hat. Daneben gibt es insgesamt fünf Kinder, wovon vier erwachsen sind (aber drei nicht mehr im elterlichen Haushalt leben) und unsere kleine Prinzessin, die sieben Jahre jung ist. Schon allein wegen unserer Kleinen war und ist natürlich schon immer der Herzenswunsch gewesen, sie an ihrem 18. Geburtstag zu erleben, als selbstbewussten jungen erwachsenen Menschen, der ein gutes und selbstbestimmtes Leben führen kann. Ob er dieses ihm gesetzte Ziel noch erreichen kann, steht in den Sternen.
Job und Familie, Probleme und Sorgen des Alltags hatten für meinen Mann bis zur endgültigen Diagnosestellung stets oberste Priorität. Selbst hohes Fieber hielt meinen Mann nicht davon ab, zur Arbeit zu gehen, und er ging auch nur dann zu seiner Hausärztin, wenn sein Vorgesetzter ihn dorthin schickte. Treu, arbeitsam und zuverlässig.
So wie Walter Ulbricht mit Bestimmtheit betonte: "Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten!“ – so haben wir Beide mit keiner Faser unserer Herzen jemals auch nur einen einzigen Gedanken daran verschwendet, dass eine solch schwerwiegende Krankheit unser Leben mit einem Hammerschlag verändern könnte.
Vorsorgeuntersuchungen waren ja nie ein Thema, und ab wann das Übel den Start freigegeben hat um wachsen und gedeihen zu können, darauf kann wohl keiner eine Antwort geben.
Kann ja sein, dass es feucht-fröhlich und vollkommen unbemerkt 10, 15 oder gar 20 Jahre blühte in meinem Mann ehe es sich überhaupt mal bemerkbar machte. Die Wahrscheinlichkeit liegt dazu näher, als dass es nicht so sein könnte. Vor allem: „Wer bitte denkt denn schon in Zeiten, wo es einem weitgehend gut geht daran, er könne schlimm erkranken oder ihn könne einmal Krebs heimsuchen? Wer fragt schon seine Eltern oder Schwiegereltern ganz gezielt danach: „Ob denn innerhalb der Familie es schon mal Krebserkrankungen gegeben hat?“
Ich denke, wenn überhaupt, dann sind diejenigen aber in der Minderheit, die es frühzeitig getan haben oder tun.
Bevor wir letztlich aber der endgültigen Wahrheit ins Auge blicken konnten und durften, gingen 4½ Monate dank einer Fehldiagnose ins Land einerseits und andererseits hat sich schon viel, viel früher gezeigt, dass da was nicht stimmen kann mit meinem Mann.
2008/2009 begann der Spuk mit vermehrten Muskelkrämpfen in den Beinen, es folgte eine Gastritis, die mit Krankenhausaufenthalt und Darmspiegelung endete. Erst zu diesem Zeitpunkt, als ich meine Schwiegermutter darüber informierte, dass ihr Sohn im KH ist und warum, und ich eher beiläufig meinte: „Ich denk mal, es liegen ja wohl keine Krebsrisiken in der Familie vor“. Meine Schwiegermama aber erwiderte: „Doch, – einige aus der Familie sind an Magen-Darm-Krebs verstorben!“ Natürlich habe ich das genau so auch an meinen Mann weitergeben, der ja absolut nichts davon wusste. Doch anstatt sich anderweitig noch untersuchen zu lassen, ging mein Mann wieder arbeiten. Plötzlich passierte und das dauerhaft: mein holder Gatte sitzt vor seinem PC, hält die Maus fest und verfällt von der einen zur nächsten Sekunde in eine Art „Tiefschlaf“. Irgendwann schreckte er daraus wieder hoch um nach einiger Zeit wieder zu erleben, dass er wieder eingeschlafen war. Aber man denkt ja nicht drüber nach, es könnte die Ursache darin liegen, dass der Mensch Krebs hat, selbst mein Mann dachte darüber keine Sekunde nach. Viel mehr sah man die Ursache darin: Täglich 10 Std. arbeiten, oft auch noch viel mehr, 1 Std. hinfahren und 1 Std. wieder nach Hause fahren, man(n) wird ja auch nicht jünger, eventuell wie man es heutzutage nennt, liegt ja Burnout-Sydrom vor.
Hatte er zwar etliche Zeit vorher schon mal Beschwerden, wo er Schmerzen hatte, mal im Rücken, an der Hüfte, im Knie, so schienen ab Oktober 2011 sich die Schmerzen zu halten im Rücken wie der rechten Hüfte und des Knies rechts. Doch erst als mein Mann den Schmerzgrad nicht mehr aushielt, ist er zu seiner Hausärztin, die ihn dann zu einem, seines Zeichen: Orthopäden/Chiropraktiker hin überwies. Der Arzt diagnostizierte: extreme Muskelverspannung, verschrieb ihm Tabletten, es gab eine Spritze und Physiotherapie mittels: morgens Fango – abends Tango. Wobei das mit dem Tango sicher noch gegangen wäre, aber die Fangopackungen, – danach hatte er stets noch mehr Schmerzen als vorher. Also blieben nach sechs Behandlungen Fango weg, aber Tabletten – auch mal andere als die davor – wurden fleißig weiter verordnet. Nach zwei Monaten dann hab ich meinen Mann dann doch mal motiviert, einen anderen Orthopäden aufzusuchen, war doch bis dahin absolut keine Besserung in Sicht.
Endergebnis: der neue Arzt diagnostizierte ebenfalls extreme Muskelverspannung, und man war genau so schlau wie vorher. In 4½ Monaten gab es keine weiteren Untersuchungen, keine Verordnung zu bildgebenden Diagnostiken – nichts, einfach nichts!
Zumindest ging mein Mann trotzdem weiterhin treu und brav zur Arbeit – denn „Mann“ ist ja keine Mimose. In diesem Zeitablauf stellten aber nicht nur ich, sondern auch sein Vorgesetzter und seine Arbeitskollegen fest, dass mein Mann ordentlich an Gewicht verloren hat. Nur, keiner hat gewagt, das Thema anzusprechen, bis ich dann meinen Mann doch mal aufforderte sich auf die Waage zu stellen. Oh Schreck – da waren 15 kg weg!
Kurz darauf stellte sich aus heiterem Himmel Fieber ein. Niemand weiß, woher es kam, aber es war da. 2, 3 Tage war es so und das Fieber ging nicht weg, und so entschied mein Mann dann: „Ich geh nicht zur Arbeit, rufe dort an und gehe zu meiner Hausärztin!“
Woraufhin ich zu ihm meinte: „Dann tu mir auch den Gefallen und berichte deiner Ärztin von deinem extremen Gewichtsverlust!“ Er versprach mir dies zu tun. Er muss es dann wohl auch getan haben, da die Ärztin entschied: „Blutabnahme und auch wenn die Krankenkasse nur so und so viele Tests bezahlt, ich lasse alles machen!“ Was für ein Glück, - sie muss wohl was geahnt haben, sonst hätte sie sich sicher nicht über Vorgaben einer Krankenkasse hinweggesetzt.
28. Februar 2012, das war dann der Tag der Tage, an dem mein Mann dann das Ergebnis der Blutuntersuchung aufgesagt bekam und er mich denn auch gleich danach anrief um mir mitzuteilen: „PSA 188“ und dass seine Ärztin ihn nun erst einmal krankgeschrieben habe, er die Krankmeldung sofort zur Firma bringe.
Hm – PSA? – bis zu diesem Tag habe ich in meinem ganzen Leben noch nichts von PSA gehört oder gar gelesen, geschweige, dass ich gewusst hätte, wozu man es braucht. Doch noch während wir miteinander telefonierten, hab ich PSA 188 eingegeben und schnell war ich im Bilde darüber, was es bedeutet und flott verstanden, wohin der Weg führt und ich gleich ein sehr ungutes Gefühl hatte. Immerhin hatte er ja auch gleich eine Überweisung zum Urologen mitbekommen. Den er auch noch am gleichen Nachmittag aufsuchte, der ihn untersuchte, wie ein Uro es ja tut, ihm fiebersenkendes Mittel und Antibiotika verordnete und ihm gleich eine Überweisung zur Biopsie mit auf den Weg gab, wie auch eine Überweisung zum CT und zur Skelettszintigrafie. Auch diese Wege hat mein Mann denn gleich mitgemacht und sich zumindest schon mal die Termine eingeholt. Nur was nicht so gut war dabei – CT wäre erst Mitte März gemacht worden und Skelettszintigrafie gegen Ende März, was aber dem Urologen so gar nicht gefiel und dieser hat dann relativ zeitnahe Termine ausgehandelt.
So fand dann die Biopsie am 02.032012 statt und Skelettszintigrafie folgte am 03.03.2012, das CT am 09.03.2012.
Bis dann endlich mal alle Befunde am Platz beim Urologen waren und wir den ersten gemeinsamen Gesprächstermin wahrnehmen konnten, darüber ging auch noch Zeit ins Land, und das Fieber war da auch noch nicht ganz besiegt. Vor allem aber fieberten wir den Ergebnissen entgegen und dann endlich nachdem uns die Wartezeit wie eine Ewigkeit vorgekommen war, war’s denn endlich soweit.
Wir saßen also gespannt wie ein Flitzebogen vor dem Urologen und der eröffnete uns:
Der Anfangsverdacht hat sich in allen Untersuchungen bestätigt. Es liegt Prostatakrebs vor mit Metastasen und Knochenmetastasen – da zu spät erkannt keine OP mehr möglich – Gleason-Score 4+5, Prostata rechts total befallen, links schon gut angeschlagen – Hüfte rechts befallen und, und, und – insgesamt sehr aggressiv und schnell wachsend. Der Doc erklärte, dass der Prostatakrebs ja nicht das Problem wäre, aber den Kochenmetastasen sei halt so gut wie nicht beizukommen. Es besteht keine Chance auf Heilung, alles was möglich ist, bewegt sich auf dem palliativen Weg mit dem Versuch, das Krebswachstum zu stoppen, um dadurch eine Lebensverlängerung zu erreichen! Natürlich wurden wir auch über alle möglichen und machbaren Therapiemöglichkeiten aufgeklärt.
Ab dieser Schock-Diasgnose drehte sich unsere kleine Welt andersherum und es brach eine Zeit an, in der man durch die Hölle pur hin und zurück ging.
Ja, wir haben beide geweint, jeder für sich alleine und beide gemeinsam, nahmen uns in die Arme und haben unseren Gefühlen freien Lauf gelassen. Gefühle schlugen wahrhaft Purzelbaum. Es war nichts mehr, wie es vorher gewesen war, und wer nun behaupten mag: „Indianer kennen keinen Schmerz und weinen auch nicht!“, - den würde ich dann gern eines Besseren belehren. Glaube aber kaum, dass hier jemand ist, der es strikt verneinen kann, dass bei einer solchen unseligen Hiobsbotschaft nicht eingebrochen wäre, denn ich kann mir als Frau sehr gut vorstellen, dass hier selbst dem härtesten Manne die Knie weich werden und die Sinne schwinden, er ungeahnte Gefühlswelten durchlebt. Frauen, die ihre Männer lieben, denen ergeht es da nicht anders. Immerhin gibt es in einem solchen Falle einen Betroffenen, und die Frau an dessen Seite ist betroffen. Wo im Mann die Angst vorherrscht, sein Leben flotter verlieren zu können als ihm lieb ist, steht Frau in ähnliche Position, denn sie muss fürchten, schneller als ihr lieb ist den geliebten Menschen zu verlieren, und plötzlich ist der Platz neben ihr leer. Was dann doch wohl erst recht so ist und sein wird, wenn die Prognose so schlecht ausschaut.
Ich dürfte nicht die Frau sein, die ich bin und immer war, ich schätze die Ehrlichkeit und die Offenheit. Deswegen sind mein Mann und ich auch gleich von Anbeginn an in der Sache ehrlich miteinander umgegangen. Ich habe Prinzipien und Grundsätze, von denen ich nicht abweiche, und so waren mir bestimmte Dinge ganz wichtig:
1.) Gilt für mich: „Wer lesen kann, ist immer klar im Vorteil!“ Deswegen habe ich nun fast ein Jahr lang Tag und Nacht recherchiert, gelesen und gegengelesen – rund um dieses eine Thema. Was meinen Horizont im Bezug auf diese Erkrankung doch erheblich erweitert hat.
2.) Ist mir wichtig: „Sich nichts zu verschweigen und das schon gar nicht, wenn die Prognose so ist wie sie ist“. Mir ist wichtig, meinem Mann die Dinge zu vermitteln, die Ärzte – sei es aus Vergesslichkeit, weil sie keine Zeit haben oder aus anderen Gründen – einfach nicht erwähnt haben. Schließlich haben Medikamente oder Therapien gewisse Nebenwirkungen. Man muss sie zwar nicht unbedingt bekommen, aber gänzlich ausschließen kann man es nicht. Gleiches gilt für eventuelle Folge- oder Dauerschäden, die eintreten können. Immerhin ist es der Betroffene, der Patient, der in der Hauptsache die Risiken und deren Folgen zu tragen hat. Also sollte es aus meiner Sicht doch eher heißen: Die Risiken so gering wie möglich zu halten, denn man ist in einem Stadium mit 4+5 bestimmt schon genug geschädigt, da muss nicht unbedingt noch mehr hinzu kommen. Es war mir ungeheuer wichtig, meinen Mann dafür zu sensibilisieren, nicht nur die notwendigen und wichtigen Fragen zu fragen, sondern auch zu hinterfragen. Wachsam und hellhörig zu sein. Wichtig war mir auch, meinen Mann dafür stark zu machen, sich mit seiner Krankheit zu beschäftigen, damit es nicht irgendwann dazu kommt, dass man etwas verheimlichen muss, denn das käme einer Lüge gleich, deren Gerüst irgendwann über kurz oder lang einstürzt. Wie enttäuscht wäre mein Mann von mir, wenn er erkennen müsste, an seinem Ende, Ärzte, Kinder oder ich hätten ihm nur etwas vorgemacht was gar nicht an dem ist. Mein Vater pflegte zu sagen: „Kind, merke dir eines für den Rest deines Lebens – es ist nichts zu fein gesponnen, es kommt alles ans Licht der Sonne!“
3.) Ebenso wichtig erscheint mir: „Die Kommunikation miteinander“. Ich sehe die Quintessenz darin, sich über seine Gedanken, Gefühle, Wünsche, Bedürfnisse, das jeweilige Befinden ect. auszutauschen. So ist jeder stets auf dem Laufenden wie es dem anderen geht und es kann keine Missverständnisse geben. Für mich gilt: „Ein klares Wort zur rechten Zeit, bringt Licht in jede Dunkelheit!“ Was letztlich bewirkt hat, dass wir Beide weder reif sind fürs „Hotel zum schwachen Geist“ noch benötigen wir einen „Seelenklempner!“
4.) Besonderen Wert habe ich darauf gelegt, dass mein Mann mit der Zeit, peu à peu, lernt, seine Krankheit als die seinige anzunehmen und zu akzeptieren. Natürlich geht so etwas nicht von heute auf Mmorgen sondern war ebenso ein langwieriger Prozess. Jetzt, nach fast einem Jahr, hat mein Mann diese Hürde genommen. Zum Glück, und ich bin stolz auf ihn, für ihn! Schließlich und endlich war es auch eine Zeit für mich persönlich, in der ich wachsen und reifen konnte. Vor allem habe ich mir bisher nie wirklich bedachte Erkenntnisse daraus gewonnen. Die ich hier auch gerne zurücklassen möchte:
Ob es nun eine solche oder eine andere Diagnose ist, die so unheilvoll ist, und der Mensch immerfort, so lange er lebt, um sein kostbares Leben bangen muss, so kann doch ein solch gravierendes Ereignis eine Chance sein. Mein Mann, er konnte, als ich dies so aussprach, gar nicht so recht verstehen, bis ich es ihm dann erklärte. Wobei die Erklärung eigentlich ganz simpel ist: „Denn wenn ich über die Straßenseite wechseln muss, weil sich das Geschäft wo ich einkaufen möchte befindet, ein angetrunkener Autofahrer daher kommt, mich anfährt und bin noch am Unfallort verstorben, oder auf dem Weg ins KH, eventuell sogar erst später versterbe, weil alle ärztliche Kunst nichts geholfen hat, dann liegt doch ganz klar ersichtlich auf der Hand – ich habe keinerlei Chance mehr die mir noch wichtigen Dinge zu erledigen. Ich bin nicht mehr in der Lage, mit Menschen, mit denen ich im Clinch liege, Frieden zu schließen, ich habe nicht die Chance mich von meinen Liebsten, in noch relativ guten Zeiten die ich erleben kann, zu verabschieden. All das aber ist eben möglich, lange bevor ich in einen Zustand gerate, wo ich nicht mehr dazu fähig bin! Betrachte man es doch einmal aus einem anderen Blickwinkel: Wir alle kommen auf die Welt, um eine gewisse Zeit auf der Erde in unserem Dasein zu verweilen. Niemand von uns trägt das Gen in sich, ewig zu leben. Wir sind alle vergänglich. Der eine geht früher, der andere später, und kaum einer denkt daran, solange es ihm weitgehend gut geht. Ab und an mögen einen Gedanken daran schweifen, aber ernsthaft verinnerlicht man das kaum. Wenn dann aber dieser schicksalhafte Moment kommt, wo der Arzt vor einem sitzt und einem so niederschmetternde Nachricht verkündet, erkennt man wie vergänglich und verwundbar man ist.
Der weitere Werdegang sah dann wie folgt aus:
Der Urologe empfahl zuerst die AHT wozu ihm ab 4. April 2012 „Firmagon und Zometa“ verabreicht, alle vier Wochen. Anfangs lief das auch gut an, der PSA-Wert fiel und fiel und als er dann bei 46, und angelangt war, begann er nach vier Monaten wieder gehörig zu steigen. Beim Stand von über 60 ng/ml stieg der Urologe in Absprache mit meinem Mann am 28.08.2012 um auf Zoladex. Dreimonatsgabe mit Implantat. Auch das brachte erst einmal eine Weile PSA-Senkung, doch der Wert stieg wieder, da entschied der Urologe, da müsse Bestrahlung gemacht werden. So wurde im Nuklearzentrum, bevor die Bestrahlung begonnen wurde, erst noch ein CT gemacht, wo sich deutlich abzeichnete: Die Metastasen im Brustraum hatten sich vermehr und saßen schon bis unter die Schulterblätter. Die Bestrahlung erfolgte denn auch, zehn an der Zahl an fünf Tagen in der Woche, zwei Wochen lang. Positiv war – wo er vorher nie ohne Schmerzmittel auskam all die Monate, brauchte er ab da doch etwas weniger, aber war dennoch nicht schmerzfrei. Der PSA war wieder gefallen und soweit schien alles gut. Negativ aufgefallen ist durch die Bestrahlung der Nebeneffekt, er hatte lange Zeit mit üblem Durchfall zu kämpfen, welcher dann medikamentös behandelt werden musste, und er konnte eine noch längere Zeit seine Winde nicht mehr kontrollieren. Zudem war dann aber auch der PSA wieder am Steigen und bei über 80 ng/ml gegen Ende November 2012 zückte der Urologe die Schultern und meinte zu meinem Mann: „Da hätte wohl die Chemo viel früher beginnen müssen. Also entschied sich mein Mann nach kurzer Bedenkzeit für die Chemo: Docetaxel mit etlichen Beigaben, jedoch nur unter der Option, dass nach dem 3. Kurs Bild gebende Diagnostik erstellt wird, was dann aber das KH ablehnte mit der Begründung: Das machen wir erst nach dem 6. Zyklus. Verzeiht es mir, aber mich machte das dann doch wütend, denn das zuvor, dass gut neun Monate der kostbaren Zeit, die meinem Mann noch verbleibt, wo gemacht und getan worden ist, aber alles ins Leere lief – jetzt ER als Patient entmündigt werden sollte und gezwungen wird sich sechsmal Gift (was anderes ist ja nicht) verabreichen zu lassen, ohne in der Mitte der Zeit zu kontrollieren, ob das Unterfangen denn überhaupt positive Früchte trägt, konnte und wollte ich so nicht hinnehmen. Zumal – das möchte ich denn auch gleich hier festhalten – ich persönlich mit dem DKFZ wie auch dem ÄrzteZentrum unserer Krankenkasse und dort mit zwei unabhängigen Urologen gesprochen haben, die mir in aller Deutlichkeit erörterten, dass bisherige Verfahren nichts bringen, weil während Chemo darauf eh nichts zu erkennen wäre, sondern wenn schon, dann solle ein F18-Cholin-PET/CT gemacht werden. Auch wenn dann der Urologe erst gar nicht so recht wollte, ich hab mich durchgeboxt und das Ergebnis sehr ihr ja in meinem ersten Beitrag. Das PET wurde gemacht.
Vom Urologen wurde zwar auch im November 2012 Zytiga in der Rede geführt, jedoch kam dies für meinen Man nach Phase-II-Studie ja leider nicht in Frage, weil da ja die Regelung so aussah, dass er es erst hätte bekommen können nach erfolgloser Chemo.
Heutzutage ist er ebenso aus der Nummer Zytiga raus, ist auch nach der Phase-III-Studie, da er seit Dezember ja alle drei Wochen die Chemo bekommt und wie es ausschaut, sie wohl Erfolg bringt. Wobei diese Aussage auf Erfolg lediglich vom Urologen stammt und dieser noch vor dem 4. Kurs meinem Mann wortwörtlich gegenüber bekundet hatte: „Wenn Sie jetzt die Chemo abbrechen, haben Sie nur noch sechs Monate zu leben!“ Was ich dann schon etwas sehr suspekt fand, allein schon ob der Tatsache: Dass am Tage der Diagnosestellung uns gegenüber und auch erneut zu einem späteren Zeitpunkt, dieser Urologe keinerlei Aussage über die Zeit, die meinem Mann - uns eventuell noch verbleibt ….. und jetzt plötzlich in der Lage ist eine genaue Zeitspanne anzugeben wann es mit unserer Zweisamkeit zu Ende sein soll???!!
Zum guten Schluss, damit ich hier auch mal zum Ende komme, aber auch das sollt ihr wissen:
Das Vertrauen zum Urologen ist gen Null geschmolzen und ein Wechsel zu einem Onkologen hat bereits stattgefunden. Erster gemeinsamer Gesprächstermin ist am 21.02.2012. Mein Mann wird vorerst nicht auf Samarium-153-Therapie umsteigen sondern macht die letzten beiden Chemokurse noch. Dann soll, so sagte man, ja erst einmal Pause sein. Obwohl, auch darauf vertrauen wir noch nicht gänzlich, weil auf dem Chemoplan 10 Kurse stehen. Sollte man versuchen, meinem Mann einen 7. geben zu wollen, dann gehe ich auf die Barrikaden. Es sei dem, mich belehrt einer von euch, der mir aufzeigt, dass dies dann eher eine sinnvolle Maßnahme wäre, wenn mein Mann das weiter zulässt. Sicher mag erfreulich sein für uns, dass ab genau der ersten Chemo, mein Mann ab dem achten Tag danach absolut schmerzfrei war und auch bis heute ist. Bis heute brauchte er nicht eine einzige Schmerztablette. Wovon ich vage ausgehe, dass es positiv wirkt. Jedoch, wenn ich dann auf die Nebenwirkungen schaue, wovon nach jedem Kurs – Neues hinzu kam bisher, auch nicht gerade so toll. Was jetzt noch kommt nach der vierten Gabe, abwarten, dauert noch ein paar Tage. Wenn es nur um solche Nebenwirkungen ginge wie: Haarausfall, mein Mann hat demnächst eine Glatze, oder es kann keine geschlechtliche Zweisamkeit mehr stattfinden oder er würde sogar inkontinent, ja also, dann will ich mal sagen, sind das Ergebnisse, über die ich ja noch herzhaft lachen kann. Denn das sind ja noch Dinge, die sich auch wieder in die andere Richtung bewegen könnten. Schrecklich finde ich, dass das Immunsystem so derart in den Keller geht, wobei gerade das doch sehr wichtig ist. Zumal gerade und besonders im Winter. Zumindest war das ganz extrem nach dem ersten Kurs. Nach dem zweiten Kurs hatte mein Mann ganz erhebliche Geh-Einschränkungen, er kam mir vor wie ein 90-jähriger Mann, so gebückt und langsamer als langsam ging er. Seit dem dritten Kurs leidet mein Mann unter Ödemen in den Unterschenkeln, deswegen muss er in Kürze zum Kardiologen.
Über all die vielen Monate habe ich mit Engelszungen auf meinen Mann eingeredet, immer mal das Thema aufgegriffen, wie wichtig es doch sei, sich eine Zweit-, und zur Not auch eine Drittmeinung einzuholen. Stieß ich bis vor kurzem noch auf taube Ohren, möchte er das jetzt. Weshalb ich für ihn einen Termin in Magdeburg im Universitätsklinikum eingeholt habe. Am 4. März 2013 fahren wir dort bewaffnet mit allen Befunden, die ich eh alle kopiert habe. Sollte uns, was wir dort gesagt bekommen, noch nicht ausreichen, dann haben wir immer noch die Martini-Klinik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf auf dem Plan.
Da es sich ja hier nicht um einen dahergelaufenen x-beliebigen Straßenköter handelt, sondern um meinen Mann, unterstütze ich ihn wo ich kann, kämpfe für ihn, und wenn es das Letzte wäre, was ich in meinem Leben für ihn tun kann. Denn immerhin bin ich, Himmel noch mal, verdammt wütend darüber, dass es nicht mich (immerhin bin ich ja ein paar Jährchen älter als mein Mann) sondern ihn so übel erwischt hat, obwohl er es am allerwenigsten verdient hat! Natürlich ist richtig: Es gibt andere, die sind noch viel schlechter dran. Ich vergesse nie, dass auch hinter anderen Türen Schicksale leben, die wesentlich schlimmer sind als das eigene. Doch es ist halt so, dass einem das eigene Schicksal am schlimmsten vorkommt. Verzeiht es mir, und verzeiht es mir auch, dass ich euch nun so lange in Atem gehalten habe. Ihr habt gemerkt, meine Schreibblockade hat sich entladen und bin nun am Ende angekommen und irgendwie hat sich mein innerer Druck in Luft aufgelöst.
Ich schenke euch meinen besonderen „Dank“ für eure überaus große Geduld, mir bis hierhin zu folgen. Seid mir bitte nicht böse, dass mein jetziger Beitrag so ellenlang geworden ist.


LowRoad schrieb am 17.9.2014 unter dem Betreff „Seelenmetastasen“:
Gedanken vor dem Nachsorgetermin
Der Krebs ist noch da
Er war nie weg.
Er hat längst Metastasen gebildet
Dort, wie kein Ultraschall, kein Röntgenstrahl
Sie sehen kann.
Die Metastasen wachsen in meiner Seele,
Wo kein Skalpell, kein Strahl, keine Chemo
Sie erreichen kann.
Einige Zeit sind sie in Remission
Dunkle Klumpen, die dort nicht hingehören.
Manchmal spüre ich sie gar nicht.
Aber dann fangen sie an zu wachsen
und schmerzen so, dass auch mein Körper schmerzt.
Ich habe Angst, sie könnten von der Seele in meinen Körper wachsen.
(Claudila)
Dazu schrieb meni.li. einen Tag später:
Wenn ich nachts jogge bin ich sie los
ich glaub auf den dunklen straßen haben sie angst und denken lasst ihn, der kommt wieder....der spinnt bloß
Komm ich dann heim sind sie verschwunden
wissen ja genau jetzt gibts ne eiskalte dusche und bei den liegestützen "gefühlte" quälende Stunden
auch im schlaf sind sie meistens noch weg
wach ich dann auf, sitzen sie mit tausend Fragen an meinem bett
"WAS WILLST DU TUN ; WIR SIND JETZT DIE STARKEN;
LASS ES UNS SCHÖNREDEN, WIR KÖNNEN WARTEN"
so geht es nun tag für tag, stunde und augenblick
nach vorne schauen ist oft genauso belastend wie der blick zurück...
Vielleicht sollt ich mal wieder in urlaub ohne euch fahrn oder die Sachen
die nur mir Spass machen
genau........... denn mit Bewegung im Körper und Geist da habt ihr ein Problem
Da sag ich Euch dann ..............Dankeschön
Horst1949 fügte am 25.9.2014 hinzu:
Alle drei Monate kommt das Unbehagen auf, so wie heute. Nach 12 Uhr kann ich anrufen und erfahre dann meine gestrigen Werte.
Ich möchte diese Art Metastasen nicht als "Seelen-, eher als Kopfmetastasen" bezeichnen. Was kann ich dagegen tun?
Ihnen nicht zuviel Zeit und Gedanken zukommen lassen. An dem Messintervall von ¼ Jahr will (ja "muss") ich festhalten, also gehört auch die gewisse Bangigkeit vor dem Messergebnis dazu. Aber muss ich jeden Tag hier in dieses Forum hineinschauen und mich damit mit meiner Grunderkrankung und der möglichen Folge ständig konfrontieren? Eigentlich nicht – und das ist jetzt auch mein neues "Projekt", ich werde mich darauf beschränken "nur" noch einmal wöchentlich hier hineinzuschauen.
Neue Entwicklungen werde ich natürlich einstellen, aber ansonsten werde ich mich etwas forumabstinenter verhalten und die Zeiten "draußen" ausdehnen, so mit Radfahren, Wandern etc. Bin übrigens vergangenen Wochenende von meiner 2. Alpenüberquerung mit dem Pedelec binnen eines Jahres (Füssen-Gardasee) zurück gekommen und die Quälerei über den Fernpass empfand ich als persönliche Bereicherung, weil: Da geht noch was, ich werde meine Grenzen weiterhin austesten, ohne sie jemals tatsächlich erreichen zu müssen.
So, nur noch 20 Minuten bis zum Arztgespräch…
Biene7 schrieb am 10.6.2016:
Ich habe mich letztes Jahr in einen Mann verliebt, der Prostatakrebs hat. Unsere Beziehung ist im Laufe des Jahres gewachsen und die Liebe zueinander wird immer grösser. Manchmal sind wir beide fast überrascht davon....unsere Kinder aus früheren Ehen sind inzwischen beste Freunde, wir haben einen gemeinsamen Freundeskreis, ein gemeinsames Hobby, wir geniessen jeden gemeinsamen Tag. Nach früheren Erfahrungen mit Beziehungen hatte ich ehrlich gesagt immer das Gefühl, spätestens nach ein paar Monaten kommt in einer Beziehung der Alltag, man muss sich um die Liebe bemühen und fällt langsam aber sicher von der Wolke 7....und unsere segelt immer weiter, trotz stressigen Jobs bei beiden, trotz der Einschränkungen im Liebesleben durch seine Erkrankung.
Bevor ich ihn kannte, hatte ich nie Berührungspunkt mit Krebs. Durch ihn habe ich natürlich nach und nach mehr darüber erfahren, über seine Krankheitsgeschichte, seine Therapien. Und erlebe es ja auch mit....nun steht nächste Woche die Entscheidung an, ob er die Hormontherapie fortsetzt, die seit einem Jahr läuft oder sie unterbricht....Er spricht mit mir viel darüber. Auch über seine Ängste vor den Blutproben früher, über die OP vor 10 Jahren. Und manchmal habe ich auch selber im Internet gelesen, wollte ihn nicht alles fragen und kam mir sehr ahnungslos vor. Das tue ich ehrlich gesagt immer noch oft.
Er lebt seit 10 Jahren mit dem Krebs und macht Zukunftspläne für mindestens 10 weitere Jahre, ist aktiv, optimistisch und lebensfroh. Und sehr gut informiert, trifft seine Entscheidungen sehr bewusst und in aller Ruhe.
Für mich sind diese Themen trotz allem noch neu. Und manchmal schleicht sich jetzt die Angst ein. Wie sind die Prognosen? Was kommt da noch? Wie berechtigt ist sein Optimismus, den ich aber sicher nicht anzweifeln will? Hoffnung auf Heilung macht er sich nicht, aber auf ein noch sehr langes und beschwerdefreies Leben mit dem Krebs.
Er spricht davon, mit mir alt zu werden.....
Er ist 50, ich Ende 40. OP vor 10 Jahren. Vor einem Jahr zwei kleine Knochenmetastasen, seitdem Hormonbehandlung. Jetzt sind die Werte unter der Nachweisgrenze, er fühlt sich gut, Nebenwirkungen der Therapie sind erträglich, die Ärzte staunen, wie gut er das verträgt. Die Metastasen sind nicht mehr sichtbar.
Meist gelingt es mir, die Zeit mit ihm unbeschwert zu geniessen, unser Hobby und die nächsten Urlaubspläne. Aber manchmal eben, da kommt die Panik....besonders wenn mir ein Fachartikel in die Hände fällt, der von Lebenserwartung von 3-4 Jahren bei Metastasen spricht etc..
Wie gehen andere Partnerinnen mit der Angst um? Wie könnt Ihr Euren Partner unterstützen, wenn sie auch ihn mal wieder überfällt oder neue schlechte Nachrichten kommen? Wie plant Ihr Eure Zukunft miteinander? Wie bewusst setzt Ihr Euch gemeinsam oder allein mit dem Thema auseinander, dass die Krankheit auch siegen könnte?
Georg_ schrieb dazu am selben Tag:
Wie lange die Lebenserwartung ist kann im Moment keiner sagen. Metastasen sind nicht gleich Metastasen, wie viele sind es, wie groß sind sie, wo sind sie? Die veröffentlichten Zahlen basieren auf Auswertungen, die viele Jahre zurückliegen und inzwischen haben sich die Behandlungsmöglichkeiten verbessert. Außerdem leben gut informierte Patienten länger als uninformierte.
Ich selbst mache mir im Moment keine Sorgen über den Tod, man stirbt irgendwann und ob dies dann am Prostatakrebs liegt ist noch die Frage. Man hat ja auch keine Symptome die einem das Leben schwer machen würden. Deinem Freund geht es wahrscheinlich ähnlich. Meine Frau schimpft immer wenn ich sage, "solange werde ich wohl nicht mehr leben" und meint ich solle nicht so einen Unsinn reden. Wir wollten einen Weg vor unserem Haus pflastern lassen und der Pflasterer sagte: "da werden sie noch 40 Jahre Freude dran haben". Ich sagte, wohl nicht, dann bin ich über 100.
Und Muggelino schrieb:
Angst gehört dazu. Auch mal Panik. Ich zittere auch vor jedem PSA-Test und meine Partnerin mit mir. Jede/r findet seinen Weg, damit umzugehen. Oft stellen wir uns auf ein schlechtes Ergebnis ein und können dann nur noch positiv überrascht werden. Einmal kam es allerdings noch schlechter, das hat mich dann doch umgehauen. Dafür darf ich andererseits unerklärliche PSA-Rückgänge erleben, die Glücksgefühle auslösen.
Das Leben intensiviert sich mit einer lebensbedrohlichen Krankheit. Im Bewusstsein der Endlichkeit gewinnt die Gegenwart sehr an Wert. Das betrifft auch die Partnerschaft. Wir streiten kaum noch, die Liebe wächst immer weiter.
Vor 9 Jahren habe ich meine jetzige Partnerin kennengelernt, vor dreieinhalb Jahren bekam ich die Diagnose „aggressiver Prostatakrebs“. Sie hat mir gesagt, dass ich nicht befürchten muss, dass sie mich verlässt. Auch nicht, wenn wir mal heftigen Streit haben sollten. Das trägt mich noch heute. Ich weiss, diese Frau bleibt bei mir bis zum Ende. Sie ist ausgebildete Krankenschwester. Ich wäre in guten, liebevollen Händen bis zum Tod. In den letzten Wochen hat sie ihrem Vater im Hospiz beigestanden, ihren halben Urlaub dafür geopfert. Vor 10 Tagen ist er gestorben.
In 2 Wochen hab ich die nächste PSA-Messung und ich erwarte, dass der Wert sich vervierfacht hat in den letzten 6 Wochen. Aber wer weiss? Alles scheint möglich.
Was für mich wichtig ist: ich kann über alles mit ihr reden. Über den Tod, über Patientenverfügung, Pflegestufen, Schmerzmedikamente, Freitod.
Leid gibt dem Leben Tiefe und Intensität.
Natürlich sind wir auch optimistisch, lachen und vergessen den plöden Krebs! Wär ja noch schöner. Und sch... auf „Fachartikel“! Hier im Forum gibt es eine pdf-Datei „Basiswissen“ oder Erster Rat, daraus möchte ich zitieren:
„Ich kenne einen Betroffenen, bei dem im September 2005 Prostatakrebs festgestellt wurde – mit einem Anfangs-PSA-Wert von 4818 ng/ml, einem Gleason Score von 4 + 5 = 9 und Knochenmetastasen bis unter die Haarwurzeln. Zwei Jahre später nahm er bereits wieder an Marathonläufen teil, im Jahre 2011 (mit 65 Jahren) sogar am Frankfurter Ironman-Triathlon. Sein letzter gemeldeter PSA-Wert beträgt 0,12 ng/ml (Dezember 2015). Er ist nicht geheilt, aber die Krankheit ist seit über zehn Jahren unter Kontrolle.
Ein anderer Betroffener, zu dem ich seit Jahren Kontakt habe, wurde Ende 1998(!) mit einem PSA-Wert von 1232 ng/ml diagnostiziert (Gleason Score unbekannt). Er wurde zunächst mit einer einfachen, ab 2001 mit einer dreifachen Hormonentzugstherapie behandelt (zu beiden im Abschnitt 7.5 mehr). Zum Jahreswechsel 2013/2014 bekam ich wieder Post von ihm; er ist jetzt 84 Jahre alt und schlägt sich inzwischen mit einem ganz anderen gesundheitlichen Problem herum.
Viele Männer in dieser Situation stellen als erstes die Frage „wie lange habe ich noch zu leben?“ Diese Frage kann Ihnen niemand seriös beantworten. Es können auch mit einer bereits metastasierten Erkrankung noch viele Jahre sein; François Mitterrand z. B. lebte mit diesem Stadium ab der Diagnose noch 18 Jahre und war in dieser Zeit Präsident seines Landes.“
Und nicht zu vergessen: Die Wissenschaft macht Fortschritte. Vielleicht ist der PCa in ein paar Jahren zu heilen, wer weiss? Die Hoffnung stirbt zuletzt. Konkrete Pläne für die Zukunft machen wir nicht. Selbst den Urlaub im nächsten Jahr können wir schlecht planen, da niemand weiss, was wann an Untersuchungen nötig sein könnte. Mein einziger Plan ist, 70 zu werden (ich bin jetzt 60 Jahre alt). Dann sehen wir weiter...
Meine Partnerin unterstützt mich, einfach indem sie da ist, an guten wie an schlechten Tagen. Sie hört mir zu, versteht mich, fühlt mit mir. Ich kann weinen an ihrer Seite und dann wieder lachen wir gemeinsam. Und sie passt auf, dass ich nicht nachlässig werde im Kampf gegen den Krebs, dass ich Sport treibe und mich gut ernähre.
Man tut, was man kann, und der Rest liegt bei Gott (ist Schicksal, oder was auch immer).
Ihr schafft das schon! Und sollten euch auch nur einige Jahre gegönnt sein, dann wirst du feststellen, dass sie zu den intensivsten und schönsten und schwersten deines Lebens gehören.