Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Prostatakrebs und die Psyche

Gerd schrieb am 15.1.2001:
ich hatte neulich in einem E-mail ans Forum erwähnt, dass ich mentale und spirituelle Übungen mache, um meine Selbstheilungskräfte gegen den Krebs zu aktivieren.
Ich wurde daraufhin aus eurem Kreise gefragt, was ich denn unter "mentalen und spirituellen Übungen" verstünde.
Ich habe meine Antwort in die Form meiner Krebs-Geschichte gekleidet und zwar in einer Kurzform und ergänzend in einer ausführlichen Fassung. Ihr findet beide in der Anlage.
Meine PK-Historie:
Dx 1995/6; PSA 82; PVx; T3N0G3;
RP 1995/7; Pelvine Lymphadenektomie; Blasenteilresektion mit Harnleiterneueinpflanzung rechts; PSA 0,2 1995/8
Tx; Strahlentherapie 1995/12 und 1996/1
1. Metastase 1996/4
1IAB 1996/4 vorab Fugerel, dann Enantone
2.+ 3. Metastase 1999/6; Dx: Progress
Tx Alternative Methoden z.B. Psycholog. Kinesiologie, Imaginationsübungen; Steigerung der Achtsamkeit, Meditation.
2000/1 Metastasen verschwunden
Tx Imaginationsübungen; Versöhnung mit dem inneren Kinde; Meditation; Gebete
z.Z 6IAB Fugerel/Enantone PSA 1,9
Meine Krebsgeschichte:
Im Juni 1995 stand die Diagnose endlich fest: Prostatakarzinom. Noch im April hatte mich der Arzt, bei dem ich meine Vorsorgeuntersuchung machen ließ, beglückwünscht, weil seine Untersuchung ohne Befund war.
In das bekannte schwarze Loch konnte ich nicht mehr fallen, denn da war ich schon seit langen Monaten drin; vor fast einem Jahr hatte ich eine ganze Serie von Schicksalsschlägen einstecken müssen, die nicht von schlechten Eltern waren. Jetzt hatte das Kind wenigstens einen Namen. Ich empfand auch eine gewisse Bestätigung und Zufriedenheit mit der Diagnose.
Mit Hilfe von Freunden ermittelte ich einen der besten Chirurgen Deutschlands und ließ mich operieren. Dieses verfluchte Karzinom hatte die Prostatakapsel bereits verlassen und war munter in den gesamten Nachbarbereich eingedrungen. So waren Lymphknoten, Teile meiner Blase und meine sexuelle Potenz nicht mehr zu retten.
Dann fing ich langsam an, mich mit meiner Krebserkrankung vertraut zu machen. Ich tat, was ich immer tue, wenn mich ein mir bisher unbekanntes Gebiet interessiert: Ich führte Gespräche mit Fachleuten und las an Fachliteratur, was ich nur kriegen konnte. (dass die Mediziner häufig meinen, ein Nichtmediziner wäre nicht in der Lage, ihre kluge Literatur zu verstehen, kümmerte mich herzlich wenig.) --- Ergebnis: Krebs ist nicht heilbar; eine Krebspersönlichkeit gibt es nicht. Damit hatte ich mein Todesurteil; nur die Vollstreckung würde noch auf sich warten lassen und zwar möglichst lange, wie ich hoffte.
Ich habe viel Vertrauen in das große Fachgebiet der Psychologie und hatte schon ca. 8 Jahre zuvor ein Buch von O. Carl Simonton, das die Simontonmethode beschreibt, an einen älteren Freund verschenkt, der damals befürchtete, Krebs zu haben. Mit dessen Sohn, der Arzt ist, hatte ich mich über den Wert dieser Methode zerstritten, wobei ich der überzeugte Verteidiger von Simonton und seiner Methode war.
Jetzt aber, wo es mich selbst betraf, folgte ich meiner naturwissenschaftlichen Prägung und entschied für mich, dass die Mediziner recht hätten mit ihrem Urteil, dass Krebs nicht heilbar sei.
Heute weiß ich, dass dieses Urteil in dieser Verabsolutierung falsch ist. Es müsste wohl richtig heißen, dass sie, die Ärzte, Krebs nicht heilen können. Ich will damit sagen, dass der Schluss von n auf n+1 in dieser Anwendung falsch ist, wonach Krebs generell nicht heilbar sein soll, nur weil sie selbst ihn nicht heilen können.
Aber ich muss voll Dankbarkeit anerkennen, dass die Medizin auf dem Wege der symptomatischen Therapie Großes leistet, nur die kausale Therapie schafft sie eben nicht.
Ich verdanke die Tatsache meines Überlebens nach meiner Prostatektomie solchen symptomatischen Therapien: nämlich der Operation selbst, sowie der intermittierenden Androgensuppression.
Ich habe heute den Verdacht, dass die Medizin Krebs schon deshalb nicht heilen können kann, weil ihr diesbezügliches Paradigma falsch ist. --- Mir gefällt die Analogie der folgenden Aussage: „Wenn ein großer Dom erheblich zerstört wäre, dann könnte man in den Bausteinen so lange und so sorgfältig suchen, wie man will. Den Bauplan zum Wiederaufbau dieses monumentalen Kunstwerkes würde man in den Steinen nicht finden.“
Aber zurück zu der Zeit nach meiner Operation: Ich glaubte den Ärzten, und es ging mir schlecht. Ich verfiel in Depressionen, pflegte meine Krankheit, tat mir selbst leid und ging Freunden und Angehörigen auf die Nerven.
Im Januar 1999 nahm ich mit einem Freund, der mich zur Teilnahme bewegt hatte, an einem Seminar zum Thema Sterbevorbereitung teil. (Präsentiert und angewendet wurden Hemisync-Übungen des Monroe Instituts.) Und da ereignete sich für mich die Wende: Da versicherte mir doch glaubhaft eine Heilerin, Krebs sei sehr wohl heilbar und sie selbst habe in mindestens acht Fällen Kranken bei der Selbstheilung geholfen.
So begann ich dann, die von mir vorübergehend verschmähten Imaginationsübungen nach Simonton zu machen.
Allein das Wissen um die Tatsache, dass Heilung möglich ist, dass man dafür die Verantwortung selbst übernehmen muss, und die regelmäßigen Imaginationsübungen veränderten meine Lebensqualität sehr positiv. Ich wollte leben, vertraute auf meine Heilung, und meine depressiven Schübe verschwanden sehr bald. Auch für meine soziale Umwelt wurde ich wieder ein ausgeglichener und lebensbejahender Partner und Freund.
Ich suchte ab jetzt nach alternativen Verfahren, die meine Heilung begünstigen konnten. Befremdlich war, dass genau diese Verfahren der Mehrzahl der Mediziner suspekt sind. Vermutlich, weil ihnen deren Paradigma fremd ist.
Ich folgte der Einladung eines Freundes, der eine Praxis für Psychokinesiologie hat, meinen Problemen mit dem Instrumentarium dieser Disziplin auf den Grund zu gehen. Auf diese Weise konnte ich die folgenden Erfahrungen in mein Bewusstsein heben:
Jetzt, im ersten Halbjahr 1999, erkannte ich durch diesen Bewusstwerdungsprozess, dass ich meinen Krebs durch Lernen selbst erzeugt hatte.
Lernen (ich bin ein Profi in diesem Bereich) ist die Aneignung von Kenntnissen, die Änderung von Denken, Einstellungen und Verhaltensweisen aufgrund von Belehrung oder Erfahrung. --- Ich hatte mir Kenntnisse vom Leben angeeignet und Erfahrungen gemacht, die mein Denken, meine Einstellungen und Verhaltensweisen so verändert hatten, dass sie in ein System von gesundheitlich schädlichen Glaubenssätzen und schließlich in den Wunsch zu sterben mündeten.
Nun erkannte ich aber auch, dass es möglich sein müsste, dieses selbstzerstörerische Denken, diese selbstzerstörerischen Einstellungen und Verhaltensweisen durch Umlernen und Neulernen heilbringend zu verändern.
Wenn diese meine Erkenntnis richtig ist, dann heißt das Paradigma des Krebses LERNEN; ist er doch durch Lernen ermöglicht worden und muss folglich durch Lernen geheilt werden können.
Diese Erkenntnis habe ich selbstverständlich nicht allein aus eigener Kraft gewonnen, sondern ich habe mir vieles davon aus der umfangreichen Literatur angeeignet, die zu diesem Themen- und Wirkungskomplex zugänglich ist. Erwähnt seien insbesondere die faszinierenden Forschungsergebnisse der Psychoneuroimmunologie über belastende und heilsame Gefühle und ihre Wirkung auf die Gesundheit.
Beruflich habe ich mehr als zwanzig Jahre ein Institut geleitet, das darauf spezialisiert war, komplexe Lernprobleme zu lösen. Es war daher nur konsequent, meine beruflichen Kenntnisse und Erfahrungen auf die Lösung meines eigenen Lernproblems anzuwenden. Ich ermittelte daher meinen eigenen Lernbedarf und entwickelte dann ein Lernsystem, das diesen Bedarf deckt; d.h. dass ich meine Lernziele definierte und den Weg plante, diese zu erreichen.
In der Praxis heißt das, dass ich mir bewusst machte, wie ich durch Lernen meine Selbstheilungskräfte aktivieren könnte.
Da ich weiß, dass das wirksamste Lernen ganzheitliches Lernen ist, plante ich also meine Lernaufgaben auch für alle meine Lebensebenen:
Auf der körperlichen Ebene lerne ich durch Üben:
- mich gesund zu ernähren und
- durch sportliche Übungen zu meiner Gesundung beizutragen.
Auf der mentalen Ebene lerne ich durch Üben:
Auf der spirituellen Ebene lerne ich durch Üben:
Ich sehe im Verschwinden meiner Metastasen eine Bestätigung dafür, dass der Weg, über Lernen und Üben zur Heilung zu gelangen, richtig ist.
Wenn ich bedenke, wie viel Zeit ich gebraucht habe, um mich krank zu machen und wie groß meine Lernaufgaben sind, wird mir bewusst, mit welcher Intensität und welcher Dauer ich üben und lernen muss, um meine Heilung zu erreichen.

Gerd schrieb wieder am 12.3.2001:
ich nehme Bezug auf Uwes gestriges Mail, mit dem er uns auf den "Prostatakrebs im Kopf" hinweist. --- Im Anhang findet Ihr die Beschreibung meines diesbezüglichen Konzepts, das sich allerdings in wesentlichen Punkten von Uwes Sichtweise unterscheidet: Soweit ich es erkennen kann, sitzt dieser Krebs nämlich nicht nur im Kopf sondern auch im Herzen und in der Psyche. --- Ich teile auch nicht Uwes Ansicht, dass das einzige, was man gegen diesen Krebs tun kann, der Erwerb von möglichst viel schulmedizinischem Detailwissen ist; sondern ich bin der Überzeugung, dass es eine Reihe von mentalen und spirituellen Übungen gibt, die eine heilsame Wirkung haben und dass wir deshalb sehr viel für uns und damit gegen den Krebs tun können.
Mein Konzept besteht zum einen aus einer Theorie, die beschreibt, wie wir durch Lernen unsere Krebserkrankung selbst ermöglicht haben; zum anderen besteht es aus der Kurzbeschreibung einer Reihe von Übungen, mit deren Hilfe wir versuchen können, durch Neulernen heilsame Wirkungen zu erzeugen und so unserer Erkrankung die Grundlage zu entziehen.
Ich lade Euch dazu ein, an einem zweitägigen Event teilzunehmen, während dem ich Euch diese Übungen vollständig vorstellen und mit Euch einüben möchte; Ihr hättet dadurch Gelegenheit, die Theorie auf ihre Stimmigkeit und die Übungen auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen und vor allem einiges für Eure Heilung zu tun.
Bitte lasst mich wissen, was Ihr von meinem Vorschlag haltet, damit wir gegebenenfalls das weitere Vorgehen verabreden können.

Gerd schrieb am 19.3.2001:
zwei Aussagen in den jüngsten Mails hier im Forum wecken mein besonderes Interesse: Der Spruch von Hackethal: "Siehst Du einen Urologen, lauf so schnell wie Du kannst!" und "Er (ein Urologe) war außer sich, er wollte nichts über anderen Therapiemöglichkeiten hören, da alles dies eine Scharlatanerie ist. "Falls Sie keine Operation möchten, dann kommen Sie nicht mehr zu mir, behandeln Sie dann Ihren Prostatakrebs mit Kräutertees" hatte er mir gesagt. Ich habe somit seine Praxis freiwillig und für immer verlassen."
Nun tue ich etwas, was ich gerne tue, wenn ich ein Phänomen besser verstehen will: Ich versuche die Etymologie zu ermitteln. Dazu finde ich nun im Großen Brockhaus folgende Erläuterung, die mich sehr verblüfft: " ... hat in der Urologie die invasive (chirurgische) Behandlung Vorrang. ...".
Schließlich versuche ich, diesem Phänomen, das sich zwischen Prostatakrebskranken und Urologen nicht sehr selten ereignet, im Bereich der Psyche auf die Spur zu kommen. Dabei fällt mir folgendes auf: Es muss ja einen Grund dafür geben, dass unser Krebs ausgerechnet in unserer Prostata ausgebrochen ist. Auch wenn wir diese Verursachung noch nicht bis ins Detail verstehen, kann man wohl davon ausgehen, dass diese Art Krebs mit unserer Männlichkeit zu tun hat.
Es muss aber auch eine Begründung dafür geben, dass sich ein junger Arzt für das Fachgebiet der Urologie entscheidet, um sich als Facharzt zu spezialisieren. Auch wenn uns diese Gründe im einzelnen unbekannt sind, können wir doch davon ausgehen, dass auch diese Entscheidung mit seiner eigenen Männlichkeit zu tun hat; würde er sich sonst so für die Behandlung des Genitaltrakts interessieren?
Ich denke nun, dass in der Beziehung zwischen prostatakrebskrankem Patienten und Urologen zwei Männlichkeiten aufeinandertreffen und sich sofort ein Revierkampf oder Ähnliches entfaltet. Jetzt ist es logisch, dass der Urologe von uns Unterwerfung fordert. Zu diesen Mitteln zählen (s.o.) invasive (chirurgische) Behandlung und die Verhaltensmuster, die wir ja leider häufig erfahren.
Dies kommentierte Christian am 19.3.2001:
das Einfühlsamste und Intelligenteste im Bereich der Psyche (ich halte verdammt wenig von den Möglichkeiten der Psychologie als Wissenschaft oder gar als Heilkunst), das ich je gelesen habe. Klasse!!! Und Danke!

Gerd schrieb am 16.9.2001:
in der Anlage stelle ich Euch meinen jüngsten Artikel zum Thema „Prostatakrebs und Psyche“ vor. Ich wünsche mir, dass er beim einen oder anderen von Euch auf Interesse stößt.
Gerd Unterstenhöfer
SHG Prostatakrebs und Psyche
Gießener Str. 15
64646 Heppenheim
Tel.: 0 62 52 - 7 27 69
E-Mail: geralem@web.de
www.selbsthilfegruppe-prostatakrebs.de/psyche.htm

Gerd schrieb am 16.1.2002 unter dem Betreff: "Leben verlängert + Lebensqualität erhöht"
Ich habe mein Leben verlängert
und meine Lebensqualität erhöht.
Ich habe Mathematik und Physik studiert, war Manager im Ausbildungsbereich und die letzten 23 Jahre Gesellschafter-Geschäftsführer des Lerntechnologischen Instituts. --- Im Juli 1995 wurde mir die Diagnose eröffnet: „Prostatakrebs; PSA 82; Biopsie: 6 von 8 Stanzungen positiv.“ Das tiefe schwarze Loch, in dem ich schon seit einigen Monaten war, wurde tiefer und größer; und ich lag tief unten darin.
Die Prostataentfernung brachte einen Krebs pT3c, Glllb zu Tage; er hatte die Kapsel bereits verlassen und war in meine Blase eingedrungen, so dass mir etwa 1/3 operativ entfernt werden musste. Die Schnittränder waren positiv.
Im Herbst 95 wurde der Operationsbereich mit einer Gesamtdosis von 56 Gy bestrahlt. Meine Depressionen nahmen an Häufigkeit und Schwere zu. Ich war mir, meinen Angehörigen und Freunden eine Last.
Im März 96 vervielfachte sich mein PSA-Wert. Ich begann mit der einfachen Hormonblockade und zwar intermittierend. Im August 1999 lautete die Diagnose dann: „Fortgeschrittener Prostatakrebs“ (im Progress) und „Knochenmetastasen“.
Doch dann kam die Wende: Ausgerechnet während eines Seminars zur Sterbevorbereitung erfuhr ich von einer Psychotherapeutin, dass mein Zustand gar nicht so hoffnungslos war, wie ich ihn erlebte. Es gab Methoden und Verfahren, die der Stärkung des Immunsystems, der Stressreduktion und der Selbstheilung dienen.
Nun ging ich mit System daran, diese Methoden und Verfahren kennen zu lernen und anzuwenden; dabei konnte ich meine langjährige Berufserfahrung als Lerntechnologe endlich für mich selbst nutzen. --- Inzwischen sind meine Metastasen verschwunden, mein PSA-Wert war vor kurzem auf 1 und mir geht es rundherum gut. Obwohl ich nun schon fast 7 Jahre mit meinem Krebs lebe, war das soeben zuende gegangene Jahr das glücklichste meines bisherigen Lebens.
Seit Ende 2000 habe ich mich in der Selbsthilfe engagiert. --- Ich habe Methoden und Verfahren kennen gelernt, mit deren Anwendung ich mir selbst geholfen habe. Ich bin gerne bereit Mit-Betroffenen diese Verfahren zu vermitteln, damit sie sich auf diesem Wege ebenfalls selbst helfen können.
Christoph schrieb dazu am 18.1.2002:
Der Beitrag von Gerd Unterstenhöfer gibt der gesamten Krebsbehandlung neue Aspekte. In Verbindung mit den neuesten Nachrichten zur Vitamin-Therapie aus den USA scheinen die Möglichkeiten, Krebs - und für uns natürlich in erster Linie Prostatakrebs - ohne schwerste Eingriffe in die körperliche Funktion in den Griff zu bekommen.
Ich selbst, 54 Jahre jung, hatte im November 2001 die Diagnose Prostatakrebs, Anfangsstadium, PSA 8,74; Biopsie: 3 von 10 Gewebeproben positiv, alle innerhalb der linken Seite der Prostata, Gleason Score 3+4. Man wollte mir an der Marburger Uni-Klinik fast die Garantie einer vollständigen Heilung geben, wenn ich sofort dort bleiben und mich einer OP unterziehen würde. Aber ich war nicht gerade erfreut über die unausweichlichen Folgen eines derartigen Eingriffes. Nach Rücksprache mit meiner Frau und intensiven Gedanken im tiefen Inneren entschloss ich mich, noch zu warten und zunächst biologische Methoden zu versuchen. Daraufhin lehnte die Marburger Uni-Klinik die Verantwortung und meine Weiterbehandlung ab (Hippokrates lässt grüßen).
Eine PSA-Bestimmung eine Woche nach der Biopsie hatte das Ergebnis 10,3 bei einem anderen Labor. Schon vorher hatte ich mit Selbstbehandlung mit Vitaminen, Mineralien, Aminosäuren, Spurenelementen und doppelter Menge Noni-Saft begonnen. Ergebnis 5 Wochen nach der dieser Blutentnahme vom November am 27. Dezember 2001: PSA 6,3!! Eine Entzündung (Prostatitis ist aufgrund optimaler sonstiger Blutwerte ausgeschlossen. Eine medizinische Erklärung für diesen schnellen Abfall des PSA-Wertes gibt es nicht. Aber es gibt ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse und Erkenntnisse der so genannten Zellular Medizin, die dieses Zwischenergebnis voraussehen ließen.
Übrigens fühle ich mich augenblicklich so fit wie selten, obwohl ich durch viel Fahrrad Fahren und kleinere sportliche Übungen zwischendurch schon in den letzten Jahren überdurchschnittlich leistungsfähig war.
Durch weitere eigene psychologische "Behandlung" bin ich längst so weit, dass ich so oder so vor Krebs keine Angst mehr habe. Geradezu gelassen gehe ich dem nächsten Ergebnis einer PSA-Bestimmung entgegen, die Ende Januar vorgenommen wird. Ich gehe davon aus, dass mein Wert bis dahin vielleicht schon wieder im Normbereich liegt, "schlimmstenfalls" in der "Warteschleife" zwischen 4 und 10 geblieben sein könnte. Darüber werde ich berichten, sobald ich das konkrete Ergebnis habe. Sollten sich meine eigenen Versuche mit den Ergebnissen von Gerd und vielen amerikanischen "Kollegen" decken, eröffnet sich für die vielen Männer, die in nächster Zeit leider Prostatakrebs bekommen werden, eine neue Möglichkeit, mit dieser Krankheit zu leben, sie vielleicht sogar zu beseitigen, aber auf jeden Fall bei Erhaltung der vollen Lebensqualität weiter leben zu können. Wir werden sehen!
Hansjörg schrieb am selben Tag zu Christophs Stellungnahme:
auch ich meine, dass durchaus ein Zusammenhang zwischen Krebs und Psyche besteht, auch dass ein "gesünderes" Leben (auch im seelischen Sinne) sich bestimmt auf unsere Gesundheit auswirkt. Allerdings sehe ich diese Methoden nicht als Alternative zur Schulmedizin, sondern als ergänzende und unterstützende Maßnahmen.
Und Uwe schrieb am 22.1.2002:
ich kann Euch meinen Freund Gerd nur wärmstens empfehlen.
Gerd hat sich letzten Freitag und Samstag mit mir beschäftigt, ich habe (hatte) ein Problem mit meinem Vater, daß ich selbst so nicht erkannt hatte. Gerd hat mir dabei geholfen. Unsere Psyche und die verdrängten Probleme verdienen es an die Oberfläche gebracht zu werden, um gemeinsam abgebaut zu werden.

Udo (E.) schrieb am 28.1.2004:
kompetente Patienten leben länger. Zur Patientenkompetenz gehört neben der Information über die eigene Krankheit auch die Sensibilität gegenüber Körper und Gefühlen, wobei es Männer schwerer haben als Frauen. Was Psychoonkologen dazu meinen, die es an immer mehr Kliniken gibt, geht aus folgendem Artikel hervor.
"Männer leiden anders"
Krankheitserleben und Verhalten von Männern mit Krebserkrankungen
Dr. med. Monika Keller, Markus Birmele
"Geht keinen etwas an"
Unerschütterlich und tapfer bis zum Heroismus machen sie es ihren Behandlern leicht. Welche Gründe - wenn man nicht Emotionalität zum Dogma erhebt - sprechen also dafür, das Krankheitsverhalten männlicher Tumorpatienten in Frage zu stellen? Ein sicher vereinfachender Erklärungsversuch: weil Männer ihr Herz eben nicht auf der Zunge tragen. Ihre Krankheit möchten sie als Privatangelegenheit verstanden wissen, die "keinen etwas angeht"
"Frauen werden krank und Männer sterben"
Bekannt ist, dass Männer ihre körperliche wie auch psychische Befindlichkeit nicht nur weniger wahrnehmen, sondern auch über weniger Möglichkeiten verfugen, sie auszudrücken und mitzuteilen (Kroenke, 1998; Nathanson, 1997; Verbrugge, 1985). Die Konsequenzen geschlechtsspezifischen Gesundheitsverhaltens auf eine Kurzform gebracht: "women get sick and men die" (Natrianson). Arzte scheinen intuitiv auf die Gefährdung von Männern zu reagieren, wenn sie deren somatische Beschwerden eher ernst nehmen als die von Frauen (Kroenke & Spitzer, 1998).
"Männer leiden anders"
Aus der klinischen Erfahrung ist man nicht selten beeindruckt von der geringen Übereinstimmung zwischen dem Krankheitsverhalten, wie es Männer zunächst typischerweise an den Tag legen, und ihrem psychischen Erleben. Männer laufen Gefahr, mit ihrer seelischen Not übersehen zu werden, wenn man sich ausschließlich an ihrem Verhalten orientiert, ebenso, wenn man die niedrigen Belastungswerte in Fragebogen für die ganze Wahrheit hält. In Anbetracht der völlig unterschiedlichen Wahrnehmung, Äußerung und Kommunikation ist es mehr als fragwürdig, ob Männer und Frauen - in ihrer psychischen Befindlichkeit angesichts einer Krebserkrankung - überhaupt vergleichbar sind. Männer leiden nicht mehr und nicht weniger - sie leiden anders und verhindern gleichzeitig, dass sie mit ihrem Erleben gesehen werden. Deshalb brauchen sie wachsame Ärzte, mit feinem Gespür für scheinbar "Unaussprechliches", das sich hinter einer stoisch-gefassten Haltung verborgen hält.
Ein Irrtum wäre es allerdings zu glauben, dass die Dinge dadurch einfacher würden, wenn man sie nur ausspricht - vielfach erleben Männer Versuche der Einfühlung ausgesprochen zweischneidig - Folge eines ausgeprägten Potenzials an Kränkbarkeit und Beschämung, das man als Behandler nicht aus dem Auge verlieren sollte.
"Entweder stark oder schwach"
Nicht nur ausnahmsweise erleben Männer eine Tumorerkrankung (wie auch andere schwere Erkrankungen), einem Alles-oder-Nichts-Prinzip folgend, als umfassenden Angriff auf ihre Identität, als unverzeihliche Schwäche und Versagen (Meerwein, 1991). Nicht allein die körperliche Integrität ist bedroht, sondern die Integrität der Person. Umso mehr, wenn das Identitätsgefühl eines Mannes ausschließlich durch Stärke, Leistung und Kontrolle in nahezu allen Lebensbereichen determiniert war, und je mehr körperliche und psychosoziale Funktionseinbußen zu verkraften sind, geraten Ich-Ideal und Krankheitsrealität in Konflikt. Empirisch unterstützt findet sich diese Hypothese durch Befunde, die auf prinzipielle Unterschiede im Krankheitserleben von krebskranken Männern und Frauen hinweisen: Bei männlichen Tumorpatienten sind es in erster Linie die psychischen Krankheitsfolgen - Stimmungstiefs, Verlust von Selbstwertgefühl - , die ihre psychische Belastung erklären, während körperliche Beeinträchtigungen, anders als bei Frauen, in geringerem Ausmaß belastungsrelevant sind (Keller et al., 1996).
Dem Ausmaß der Bedrohung persönlicher Identität entsprechend sind alle Strategien, die das Bild von Stärke und Kontrolle aufrecht zu erhalten versprechen, für das psychische Überleben unverzichtbar. In der Kompromisslosigkeit des Erlebens "entweder stark oder schwach" bleibt wenig Spielraum für ein differenzierendes "sowohl als auch" und erschwert es manchem Mann, nicht ausschließlich die (vermeintliche) Schwäche, sondern gleichzeitig die erhaltenen Stärken und Fähigkeiten wahrzunehmen.
Sprachlosigkeit und Beschämung
Nicht selten wird jede Konfrontation mit dem psychischen Erleben als zusätzlich beschämend und peinlich erlebt. Mann fühlt sich wie "ertappt", vom Behandler seiner Angst oder Niedergeschlagenheit überfuhrt. Keinesfalls sollte man mit der Dankbarkeit eines Patienten rechnen, den man "zum Weinen" gebracht hat. Es ist wenig wahrscheinlich, dass er die Entlastung wahrnimmt, viel eher, dass er ein weiteres Mal die Kontrolle, bzw. "das Gesicht verloren" und sich mit seiner beschämenden Schwäche gezeigt zu haben glaubt.
Da jede - noch so wohlmeinende - verbalisierte Einfühlung zweischneidig, mit dem Risiko weiteren Scham-Erlebens erfahren wird, ist es wichtig, dass man als Behandler die Beschämung enttabuisiert, indem man sie von sich aus thematisiert. Versuche, Schamaffekte zu ignorieren, sie als unbegründet zu verharmlosen, oder sie einem Patienten "auszureden", sind in der Regel erfolglos (Menges-Beutel, 1998). Man sollte stattdessen versuchen, dem Patienten zu vermitteln, dass solche Schamgefühle angesichts der aktuellen Bedrohung nachvollziehbar und verständlich sind; dass sie andererseits in einem negativen circulus vitiosus zu Rückzug aus nahen Beziehungen und schließlich zu Isolierung führen können. Gegenüber der vom Patienten vermuteten "Schwäche" kann es notwendig sein, das Ausmaß an realer krankheitsbedingter Verletzung und Belastung zu betonen, das "auch den stärksten Mann umhaut". Potenziell kränkende Äußerungen sollten vermieden werden, so wie sich ein zurückhaltender Umgang mit emotionalen Begrifflichkeiten empfiehlt - anstelle von "Angst" sollte man besser von "Besorgnis" oder "Beunruhigung" sprechen.
"Typische Männer-Krebserkrankung Prostatakarzinom"
Oft geht es um das vorsichtige Suchen nach einer geeigneten Terminologie, die einerseits das Erleben des Patienten zutreffend erfasst und kommunizierbar macht, andererseits nicht mit Schwäche oder Peinlichkeit assoziiert ist. Umso wichtiger ist dies bei den typischen "Männer"-Krebserkrankungen, vor allem beim Prostata-Karzinom, wenn sexuelle Dysfunktionen oder beschämend erlebter Kontrollverlust, etwa in Form von Harninkontinenz zu thematisieren sind. Nicht nur, dass diese ausgesprochen schambesetzten Einbußen und Verluste aktiv von Ärzten anzusprechen sind, weil es Patienten große Überwindung kostet, dies von sich aus zu tun; man sollte auch vermeiden, in Kollusion mit dem Patienten dessen Begrifflichkeit, etwa der "Impotenz", zu übernehmen. Störung oder Verlust der Erektionsfähigkeit ist im Erleben des Patienten oft gleichbedeutend mit dem umfassenden Verlust seiner "Potenz"; umso wichtiger, dass ein Patient von seinem Arzt erfährt, dass er ihn, ohne die schwer wiegende Beeinträchtigung zu ignorieren oder zu verharmlosen, als "ganzen Mann" wahrnimmt. Mit einer Haltung des Behandlers, die unmissverständlich seine Achtung und Wertschätzung dem Patienten gegenüber zum Ausdruck bringt, vermittelt man dem Mann einen Ansatz, der Stärken und Schwächen zu integrieren versucht, anstatt sich wechselseitig auszuschließen. Günstigenfalls ermöglicht man dem Patienten dadurch eine kognitive Dissonanz - zwischen seiner Selbstwahrnehmung und der des Arztes - mit der er seine umfassende Depotenzierung relativieren kann.
Stellvertreter-Emotionen
Ein Beispiel für die häufige Diskrepanz von Krankheitserleben und Verhalten sind Stellvertreter-Emotionen. Mit dem männlichen Selbstbild eher kompatibel sind aversive oder aggressive Reaktionen, die anstatt von schmerzlichen, ängstlichen oder traurigen Gefühlen geäußert werden. Es bedarf daher der ärztlichen Übersetzer-Funktion, um mit dem Patienten zu klären, welche Affekte hinter dessen gereiztem oder aggressivem Verhalten stehen, die er zu verbergen versucht. Um nicht in argumentative oder gar moralisierende Sackgassen zu geraten, sollte aggressive Gereiztheit, die sich nahezu immer in der Familie, kaum gegenüber dem behandelnden Arzt äußert, nicht bewertet oder verurteilt werden. Nahezu immer geht es um schmerzliche oder verzweifelte Gefühle der Schwäche, Ohnmacht und Abhängigkeit, die in aggressiven Auseinandersetzungen, meist auf einem Nebenschauplatz ausgetragen werden. Wenn den Beteiligten die eigentlichen Auslöser und Motive vermittelt werden können, erübrigen sich die Inhalte der Auseinandersetzung meist von allein.
Delegation in der Paarbeziehung
Ein weiteres Beispiel für die Diskrepanz zwischen Krankheitserleben und Verhalten: In scheinbarem Widerspruch zum Bisherigen tendieren Männer mehr als Frauen dazu, Anteile ihres emotionalen Erlebens innerhalb der Paarbeziehung an ihre Partnerinnen zu delegieren. In der Regel entspricht dies der gemeinsamen Rollenverteilung in langjährigen Paarbeziehungen. Männer verlassen sich-mehr oder weniger bewusst - nahezu exklusiv auf die praktische und emotionale Unterstützung ihrer Frauen. Dafür, dass sie existenziell auf diese sorgende Funktion der Frauen angewiesen sind, sprechen die bekannten Befunde einer deutlich erhöhten Morbidität und Mortalität von Männern nach dem Verlust der Lebenspartnerin (Helsing et al., 1981; Martikainen & Valkonen, 1996). In dieselbe Richtung gehen Befunde längerer Überlebenszeiten von krebskranken Männern, die in einer Partnerschaft leben, und effektiverer Schmerzbehandlung, wenn Partnerinnen die Verantwortung für die Medikation übernehmen (Dar et al., 1992).
Männer können die Unterstützung ihrer Frauen auch besser für sich nutzen als kranke Frauen: Krebskranke Männer, die ihre Frauen als emotional hilfreich erleben, sind auch psychisch weniger belastet. Anders als Frauen suchen sie nicht nach weiteren Personen, mit denen sie sich austauschen und von denen sie Unterstützung erfahren (Keller & Henrich, 1999; Keller et al., 1996). Folglich haben Männer, die entweder in keiner oder in konflikthaften, belasteten und wenig supportiven Partnerschaften leben, ein erhöhtes Risiko psychosozialer Morbidität. Männer profitieren von den weiblichen emotionalen Ressourcen; nicht ohne gleichzeitig diese Emotionalität bei ihren Partnerinnen zu bekämpfen und ihre Überfürsorglichkeit oder ängstliche Besorgtheit als unangebracht oder übertrieben zu kommentieren.
Nicht selten erfährt man erst in einem Paargespräch von der Partnerin, wie sehr Selbst- und Fremdwahrnehmung divergieren, wie sich Gefühle von Trauer, Schmerz und unvermeidlich auch Zorn in vorwurfsvollem Verhalten, gereizter Aggressivität, in sozialem Rückzug oder in klagsamer Passivität versteckte Ausdrucksmöglichkeiten, ein Ventil suchen.
Derselbe Patient, der sich dem Arzt gegenüber als zuversichtlich, gefasst und tapfer darstellt, wird von seiner Frau als zutiefst verunsichert, verzweifelt oder gereizt und unleidlich beschrieben. Solche divergierenden Eindrücke sind ihrerseits bestens geeignet, von den Männern als Blamage, entwertende Decouvrierung oder ungerechtfertigte Anschuldigung erlebt zu werden - ein weiteres Feld, in dem Mann sich beschämt und bloßgestellt fühlen wird, wenn es dem Behandler nicht gelingt, die nachvollziehbaren Gründe solchen Verhaltens begreifbar und damit kommunizierbar zu machen - oft sind es tiefgreifende krankheitsbedingte Veränderungen und schwer zu tolerierende Abhängigkeit, die das bisherige Beziehungsgefüge und bewährte Rollenfunktionen auf den Kopf stellen.
Auf einen - fraglos verkürzten - Nenner gebracht: Es nützt tumorkranken Männern, wenn ihr Arzt mit ihnen nach gangbaren Wegen sucht, die aus der Sackgasse der Sprachlosigkeit führen.
FORUM DKG 04/01

Birgit schrieb am 12.1.2005 verzweifelt:
Mein Vater wird in diesem Jahr 59 jahre alt. Die Diagnose PK erhielten wir im August 2004. Eine Operation kam nicht mehr infrage, der PK ist nicht mehr nur auf die Prostata beschränkt und gilt als nicht mehr heilbar.
Metastasen im Becken/Hüftknochen. der Gleason-Score liegt bei 4+5=9. Die PSA-Entwicklung ist mir leider nicht genauer bekannt.
Therapie: Bestrahlung der Prostata und des rechten Beckens. Die genaue Strahlendosis ist mir leider auch nicht bekannt. Anfänglich wurden 30+8 Sitzungen vereinbart, kurz vorher wurde die Dosis runtergesetzt und es wurden weniger Sitzungen durchgeführt. Gleichzeitig erhält mein Vater Drei-Monats-Spritzen und Zometa-Infusionen.
Nebenwirkungen allgemein: Probleme beim Wasserlassen (mehrfaches nächtliches Aufstehen), Schmerzen, Müdigkeit, starkes nächtliches Schwitzen, Gewichtsverlust, starke Entzündung Blase/Harnleiter.
Er nimmt an weiteren Medikamenten: Androcur, Tromadol, Beta-Blocker und auch Antibiotika gegen die Entzündung.
Er hat immer noch einen Katheter im Bauch, da er manchmal Probleme beim Wasserlassen hat.
Die Probleme des Wasserlassen will man mit einer Ausschabung in den Griff bekommen, damit er auch auf den Katheter verzichten kann (Harnleiter etc. soll freigemacht werden) die Ausschabung steht an, sobald das bestrahlte Gewebe sich erholt hat.
Das Ergebnis der Bestrahlung mit einem PSA-Wert von 10 lässt darauf schließen, dass es Metastasen im unbestrahlten Bereich gibt. nun wird das restliche Testosteron aus dem Körper mit Hilfe von hormonhemmenden Medikamenten reduziert.
Evtl. werden später noch vereinzelt Metastasen bestrahlt werden können.
Erstes Ziel ist jedoch, die Lebensqualität meines Vaters wieder hinzubekommen, sprich: die Ausschabung steht an.
Mein Vater spricht mit uns, ist nicht aggressiv oder so. Aber er zieht sich zurück, nimmt meine Mutter nicht mehr mit zum Arzt - geht also allein. Und ist oft niedergeschlagen und zu nachdenklich. Ich mache mir darüber Sorgen. Er kann das nicht allein durchstehen. Darauf angesprochen, sagt er, dass er ja alles erzählt und wir uns keine Sorgen machen sollen. Das er das mit sich allein ausmachen will finde ich furchtbar. Wie soll ich mich verhalten????? Erkennt sich jemand wieder? Wie soll ich mich am besten verhalten ohne meinem Vater zu bedrängen, vor den Kopf zu stoßen, aber ihn nicht allein zu lassen?
Manfred antwortete am selben Tag:
im Prinzip ist Dein Vater mit der Diagnose und seiner Krankheit allein. Mit "zuviel" Fürsorge fühlt er sich möglicherweise überfordert, erstmal bedrängt und mehr verpflichtet, Euch Eure Ängste zu nehmen, wo er doch selbst alle Zweifel der Welt hat.
Ich bin immer allein zu den Ärzten, zur Biopsie, zur Bestrahlung und den Besprechungen gefahren. Ich bin allerdings auch in einer günstigeren Ausgangslage und halte meinen Krebs für beherrschbar (DHB nach Bestrahlung). Im täglichen Zuhause kommt das Thema so auch kaum zur Sprache. Seinerzeit hatte ich auch nicht über ansteigende PSA-Werte gesprochen. Erst als ich zur Biopsie musste, habe ich meine Familie unterrichtet und natürlich einen Schock hinterlassen. Unwissend waren wir ja schließlich alle. Irgendwie fühlte ich eine Leere und habe den ersten Tagen nach der Biopsie das Ergebnis erst mal verdrängt; immer noch unwissend. Bis mein Sohn mich auf dieses Forum im Internet aufmerksam machte und mir fast den ganzen Bereich zu "Uwes Themen" ausdruckte. Seitdem bin ich ständig an Board (aber fast nur lesend). Hier habe ich auch wieder die Zuversicht gewonnen, dass es "gut" gehen könnte.
Du machst Dir wirklich erhebliche Mühe, Deinem Vater zu helfen. Aber wie, ohne ihn zu bedrängen? Vielleicht hat es mein Sohn damals ohne viel zu reden sehr hilfreich gemacht. Geh' mal in "Uwes Themen" und drucke (die meisten!) aus. Dein Vater muss bereit werden, hier dann selbst zu stöbern, vor und zurück, alles in sich aufsaugen.
Wenn Du ihm über Kenntnisse berichtest, die Du gelesen hast, nimmt er dies weniger direkt war. Er muss sich aber selbst ein möglichst zutreffendes Bild über seine Situation machen und so dann selbst abschätzen, was für ihn "sinnvoll" ist. Vielleicht kehrt dann auch die Bereitschaft zu einer stärkeren Kommunikation zurück.
Dies ist mal mein Rat.
Auch Jürg versuchte, einen Rat zu geben:
Zwar erkenne ich mich in Deiner Schilderung nicht direkt wieder, doch kann ich mir sehr gut vorstellen, wie es Deinem Vater zumute ist. Es wäre falsch, sich etwas vorzumachen: Mit der Diagnose „Krebs“ sieht sich der Mensch unweigerlich zuerst einmal seinem Tod gegenüber. Und zwar ziemlich unabhängig von der Frage, wie es denn konkret mit den Lebensaussichten bestellt sei.
Nach diesem Schock teilen sich allerdings die Wege. Wer davon ausgehen darf, geheilt zu werden oder zumindest die Erkrankung einigermassen in den Griff zu bekommen, der wird wieder Mut fassen (auch hier gibt es Ausnahmen, Menschen, die verzweifelt bleiben und nur noch Düsternis sehen), wer schlechte Aussichten hat, der wird sich Gedanken machen und sich innerlich darauf vorbereiten, abtreten zu müssen. Und da gibt es nun komplexe, mitunter sehr komplexe Problemfelder.
Einmal versucht jeder Mensch auf seine eigene Weise, mit seiner Todeserwartung umzugehen. Der eine findet Halt im Glauben, ein anderer im Gespräch mit Vertrauten oder Fremden, ein Dritter unterdrückt das Problem und gibt sich gegen aussen locker – die Aufzählung liesse sich fortsetzen.
Nun lebt aber der Betroffene in der Regel nicht allein, sondern in einer Familie. Also sieht er, wenn er verantwortungsbewusst handelt, eine zusätzliche Aufgabe. Er muss nicht nur versuchen, mit sich selber ins Reine zu kommen, soweit dies möglich ist, sondern er muss auch an seine Familie denken. Und je enger die familiären Bande sind, je grösser das Verantwortungsbewusstsein des betroffenen Menschen ist, desto mehr wird er sich bemühen, seine Umgebung nicht zu belasten, seine eigenen Sorgen und Gedanken möglichst zu verbergen.
Auf der anderen Seite stehen die Angehörigen. Sie möchten, wie auch immer, helfen, finden aber keinen Zugang. Das ist die Situation, in der Du Dich befindest, Birgit.
Wie ist da herauszukommen? Nach meinen Erfahrungen aus meinem engsten Verwandtenkreis (meine Schwiegermutter, mit der ich mich sehr gut verstanden habe, ist an Krebs gestorben) nur mit viel Geduld und Behutsamkeit. Es braucht beim Betroffenen die Erkenntnis, dass das Thema „Sterben“ für die Angehörigen kein Tabu ist, und bei den Angehörigen eine stete, erkennbare, aber unaufdringliche Bereitschaft zum Gespräch. Erzwingen kann man das Gespräch nicht, aber die Voraussetzung dazu schaffen, das sollte möglich sein.
Meine Empfehlung also: Lass Deinen Vater spüren, dass Du da bist – eines Tages wird er froh darum sein. Für Dich allerdings bedeutet das Warten, warten und nochmals warten. Und das ist nicht einfach.

Am 12.1.2005 meldete sich auch Brigitte mit einem gleichartigen Problem wie Birgit unter dem Betreff "ich kann nicht mehr":
ich bin die Ehefrau eines an Prostatakrebs erkrankten Mannes. Vor 4½ Jahren wurde mein Mann, damals 51 Jahre, total operiert und ein Jahr später bestrahlt. Ein halbes Jahr nach Ende der Bestrahlung war der PSA-Wert nicht mehr messbar und dies ist bis heute so.
Nach dem ersten Schock der Diagnose, nach der OP und auch nach der Bestrahlung sah alles so aus, als ob wir wieder zuversichtlich in die Zukunft blicken könnten. Allerdings hat mein Mann die größten Probleme, über seine Ängste zu sprechen. Wenn er seine Tiefs hatte, kam manchmal von ihm der Satz: 'ich bin kein Mann mehr, ich bin nichts mehr wert, in fünf bis spätestens zehn Jahren macht der Krebs weiter'.
Alle Unterstützung und alles Reden meinerseits konnte ihm nicht helfen. Am anderen Morgen hatte er sich wieder gefangen und tat so, als wäre alles in Ordnung.
Seit September 2004 bin ich mir sicher, dass er nach Geschäftsschluss seinen Kummer mit Alkohol bekämpft; er streitet jedoch alles ab, selbst wenn ich aus seinem Auto die leere Sektflasche hole, erfindet er noch irgend eine abenteuerliche Geschichte, wie diese Flasche in sein Auto gekommen ist. Dazu kommt noch, dass seine noch vorhandene Inkontinenz durch den Alkohol verstärkt wird und er mit tropfnasser Hose vor mir steht und mir weismachen will, mit ihm ist alles in Ordnung.
Einen Tag vor Heiligabend hat er dann zum erstenmal zugegeben, dass er Probleme hat und mir versprochen, im neuen Jahr seinen Arzt zu befragen, was für Möglichkeiten es gibt, ihm zu helfen. Ich war selig und dachte, jetzt packen wir es!
Bis zum heutigen Tag ist jedoch in dieser Richtung nichts geschehen, außer dass er wieder an zwei Abenden betrunken nach Hause kam.
Ich weiss, es ist alles ziemlich wirr geschrieben und es ist für mich das erste Mal, dass ich mich so negativ über meinen Mann äußere, aber ich weiss nicht mehr weiter. Ich liebe meinen Mann und will ihn behalten, aber doch nicht so.
Vielleicht weiss jemand Rat.
Der Hilferuf fand ein starkes Echo. Als erstes meldete sich am selben Tag Birgit:
Ich kann - auch wenn nur als Tochter - stark mitempfinden, wie es Dir geht. Mein Vater hatte vor 15 Jahren einen schweren Arbeitsunfall, der ihn zum Frührentner gemacht hat. Es hat Jahre gedauert, bis er sich aus seinem selbstgebauten Schneckenhaus hinausgewagt hat. Es gab Tage, wo er mit meiner Mutter kein Wort gesprochen hat, alles in sich hinein gefressen hat. Alkohol war auch ein Thema. Erst seit fünf Jahren kann ich sagen, gehen meine Eltern wieder "normal" und auch glücklich miteinander um. Meine Mutter hat es hingenommen, so wie sie es aus ihrem Elternhaus kennengelernt hat.
Seit August 2004 wissen wir, dass mein vater einen nun nicht mehr heilbaren PK hat. Er spricht offener über seine täglichen Problemen und Untersuchungen, aber was er denkt und fühlt teilt er niemanden mit. Er spielt uns das blühende Leben vor und leidet aber sichtlich allein.
Wenn Du es nicht schaffst, ihn allein zum Arzt oder zu einem Therapeuten zu bewegen, warum geht Ihr nicht zusammen. okay, ich wüsste, was mein Vater dazu sagen würde... aber nur, wenn du es immer wieder offen, ansprichst kannst Du was erreichen, sich selbst zurückziehen bringt Euch beiden nichts. Kennt er diese Seite, dieses Forum? Vielleicht hilft es ihm zu wissen, dass er nicht allein ist. Lass ihn doch einmal allein hier durchsehen, einfach davor setzen und ihn bewusst werden lassen, nicht immer nur verdrängen.
Josef D. schrieb:
Helfen kann ich Dir leider auch nicht, aber vielleicht sind ein paar Gedanken nicht ganz vergebens.
Als Betroffener weiß ich ungefähr wovon ich rede. Meine OP liegt sieben Jahre zurück. Die Kluft zwischen rationaler Einsicht und der eigenen Gefühlslage ist (zumindest bei mir) bislang nicht überbrückbar. Kann das nicht bei deinem Mann auch so sein?. Dass dieser Aspekt hier im Forum relativ nebenbei abgehandelt wird, wirst du noch feststellen. Denn an dieser Stelle geht es tatsächlich ums Eingemachte und jeder, der sich öffnet, macht seine Schwäche publik. Wahrscheinlich kann Dein Mann sich wildfremden Menschen gegenüber offen äußern, nicht Dir gegenüber. Warum? Der Fremde hört zu oder auch nicht. Er hat keinerlei späteren Rückgriff auf diese Gespäche, wenn es um eine Meinungsverschiedenhat geht. Bei Dir ist das aber anders. Du hast bereits bemerkt, diese Krankheit ist nicht hilfreich in einer Beziehung. Ganz im Gegenteil!!!
Viel einfacher ist es, im Forum über Wirkungen oder Unsinnigkeit der einen oder anderen Behandlungsmethode lang und breit zu diskutieren.
Noch so richtige und gut gemeinte Ratschläge an Deinen Mann prallen an seiner Gefühlslage ab. Das Selbstbewusstsein als Mann ist so im Keller, dass man es nur ersäufen kann; wohl wissend um die Unmöglichkeit. Vielleicht trifft er am Tresen auch den Fremden, der ihm zuhört.
Er wird sich weiter von Dir zurückziehen in seinem Kummer. Bedenke, es ist keine vorübergehende Krankheit. Die Begleiterscheinungen bleiben, auch wenn der PK sich langfristig als kuriert zeigen sollte. Und das ein Leben lang. Deine Lage ist also keineswegs beneidenswert.
Wenn du Glück hast, verrät dir Dein Mann seine (Alp-) Träume, und Du wirst ein blaues Wunder erleben. Ich kann/konnte nur mit der Urologin darüber sprechen. Und die hat immer sehr, sehr geduldig zugehört. Aber helfen konnte sie mir nur durch das Zuhören.
Auch hatte ich ca. 17 Sitzungen bei einer Sexualpsychologin. Gegen ihren Rat habe ich Sitzungen gemeinsam mit meiner Frau abgelehnt. Die Therapie habe ich abgebrochen. Ich sah kein Land.
Dass es beides Frauen sind, war wirklich Zufall, und das war nicht schlecht.
Als nächstes schrieb wieder eine Frau, Hulda:
Das hört sich ja gar nicht gut an. Habt ihr Euch einer Selbsthilfegruppe angeschlossen? Bitte tut das, das ist sehr wichtig! Dort kann Euch geholfen werden, und Ihr könnt Euch austauschen. wir sind auch Betroffen davon. Mein Mann ist auch operiert, und wir sind 55 und 58 Jahre alt. Es ist aber erst ein Vierteljahr her, und wir haben auch Probleme. Es ist gut, dass Du zu deinem Mann hältst und ihm immer wieder Mut machst, aber Du musst jetzt die Initiative ergreifen, weil mann oft feige ist, frau ist offener. Ich muss noch mal fragen, wie sieht es auf sexuellem Gebiet aus? Ist zwar sehr intim, aber das gehört dazu. vielleicht habt ihr da zu wenig getan? Wir versuchen alles, und sagen auch nein beim Arzt, wenn uns was nicht gefällt. Also Kopf hoch!
Dann Elke, auch an Josef D. gewandt:
Mich hat Dein Statement sehr beeindruckt und ich kann Deine Gefühlslage sehr gut nachvollziehen. Es stimmt, dass hier im Forum eher über harte Fakten diskutiert wird als über die vorhandenen Gefühle und Ängste eines jeden. Zukunftsängste haben bestimmt die meisten hier, denn je mehr wir im Forum erfahren, um so deutlicher werden die Realitäten bewusst, die Ärzte gerne verschweigen.
Ich denke, auch die indirekt betroffenen Angehörigen und Partnerinnen haben Ängste und Sorgen, die eine Reaktion ihrer Gefühle auf die Hilflosigkeit sind, der sie ausgesetzt sind und mit denen sie den Erkrankten nicht auch noch zusätzlich belasten wollen. Daher der Hilferuf einer verzweifelten Ehefrau, die nach über vier Jahren Begleitung selbst nicht mehr weiter weiß.
Es ist schwer für Außenstehende eine Veränderung herbeizuführen, besonders wenn sich die Betroffenen in Schweigen hüllen. Das Miteinandersprechen ist der einzige Weg, der zu einer positiven Veränderung führen kann, auch wenn es die realen Umstände nicht beseitigt. Die atmosphärische Schwere der Situation bleibt sonst immer ein fester Bestandteil des Alltags. Die Betäubung durch den Alkohol zu suchen, bedeutet eine Verdrängung der Realität für den Augenblick. Er mag ihm kurzfristig zu einem Trost und zu einer Möglichkeit des Vergessens seiner Situation werden, macht die Sache aber nicht besser. Es entsteht ein zusätzliches Problem, besonders für seine Frau, Brigitte. Ich glaube, sie sollte versuchen, einen anderen, neuen Weg in ihrem Verhalten ihm gegenüber zu beschreiten, damit er sich dadurch veranlasst fühlt, sich ihr gegenüber anderweitig zu öffnen. Ich wünsche ihr damit viel Glück und denke, dieser Hilferuf ist in gewisser Weise ein positiver Anfang.
Jörg O. schrieb:
am 06.07.04 habe ich unter dem Betreff "Impotenz" meine innere Einstellung zu meiner Impotenz beschrieben. Die totale Prostatektomie - man sagt auch radikale Prostatektomie - verstümmelt den Menschen. Das aber stellt man(n) leider erst hinterher mit all seinen Konsequenzen fest.
Bei Deinem Mann kommt sehr erschwerend hinzu, dass er immer noch inkontinent ist und dadurch nahezu stündlich an seine Schwäche erinnert wird. Impotenz und Inkontinenz in so jungen Jahren müssen erst einmal verkraftet werden.
Welche Ratschläge könnte ich Dir neben den bereits geschriebenen noch geben ?
Vielleicht, dass Dein Mann trotz dieser Nachteile das Positive in den Vordergrund stellen sollte, nämlich die Tatsache, dass er durch die radikalen Therapien geheilt zu sein scheint. Das ist nicht bei allen von uns der Fall. Viele von uns müssen neben der Impotenz und Inkontinenz mit der Tatsache leben, dass der Krebs noch immer da ist und unser Leben bedroht.
Auch solltet ihr auf jeden Fall versuchen, die Inkontinenz in den Griff zu bekommen. Ich glaube, dass eine ständige Inkontinenz mehr psychischen Schaden verursacht als eine Impotenz.
Ich wünsche Euch viel Glück.
Urologe Dr. Eichhorn sah Birgits Hilferuf aus ärztlicher Sicht:
Das klingt ganz so als hätte Dein Mann wirklich ein Alkoholproblem. Die Beste Möglichkeit davon wegzukommen gibt es bei einer Selbsthilfegruppe - den anonymen Alkoholikern. Frag' z. B. bei einer Sozialhilfestation nach, wo die nächste Grupee ist und wann sie sich treffen.
Das funktioniert aber nur dann, wenn auch Dein Mann einsieht, dass er ein Problem hat und bereit ist, sich helfen zu lassen.
Armin berichtete über seine Einstellung:
ich bin auch ein Betroffener (Radikal-OP vor fast fünf Jahren) mit den bekannten Folgen. Mit allem, was Ihr schreibt, habt Ihr recht. Es gibt nichts auszusetzen. Bei allem Negativen scheint mir eins zu kurz zu kommen und zwar das (zumindest für mich) Wichtigste:
ICH LEBE NOCH !!! und das hoffentlich noch lange ! Also Kopf hoch und das Machbare genießen!
Ein Gast schrieb:
ich bin "trockener" Alkoholiker (erste Phase vier Jahre trocken - Absturz auf die Dauer von sechs Jahren - zweite Phase sechs Jahre trocken - wieder Absturz auf vier Jahre und jetzt seit zwölf Jahren trocken).
Ich kann nur sagen Alkohol ist die Hölle - schlimmer als die Daignose PCA.
Vor fast einem Jahr wurde mir die Diagnose Prostata-CA um die Ohren gehauen. Es war für mich ein Schock - ich war zuerst wie gelähmt, aber ich bin deshalb nicht in Panik geraten. Meine Hausärztin war auch besorgt, dass ich einen Rückfall zum Alkohol erleiden könne. Sie wollte auch, dass ich meiner Frau die Nachricht nicht gleich übermitteln solle. Ich habe gesagt, das will ich nicht - meine Frau kennt mich und merkt sofort, wenn etwas nicht stimmt. Außerdem hatte sie ja auch die Diagnose POSITIV nach Biopsie befürchtet. Ich habe meine Frau sofort nach meinem Arztbesuch darüber aufgeklärt - auch sie war zunächst starr vor Schreck.
Als erstes habe ich mich mal mit dem PCA befasst. Ich hatte ein sehr gutes Aufklärungsgespräch im Beisein meiner Frau bei einem Urologieprofessor und erfreulicherweise bin ich sehr schnell im Internet auf dieses Forum gestoßen und habe festgestellt, dass ich mit dem PCA nicht allein bin. Ich habe von noch schlimmerem Leid gelesen, als ich es mir für mich vorstellen konnte.
Im Einvernehmen mit meiner Frau haben wir uns (trotz meiner damals 58 Jahre) für die radikale Operation entschieden. Wir führen eine Ehe in Liebe und Harmonie - was wir gerade jetzt als große Erfüllung erfahren - trotz ED. Ich bin ein Mann - auch ohne Erektion.
Die - vor meiner OP - stundenlangen Besuche des Forums haben allerlei Gefühlsformen in mir ausgelöst. Ich fragte mich dann auch - war's das? Wie lange lebst Du noch? Und ich sagte mir - sechs Jahre währen gut, um noch die übliche Ordnung vor meinem Abgang zurückzulassen und alles gut zu regeln. Dann schöpfte ich Hoffnung durch Forumberichte Betroffener, die schon über zurückliegende zehn Jahre und mehr berichteten und sagte mir, 12 bis 14 Jahre wären toll - das würde mir reichen, um mit meiner Frau einen, für uns beide "glücklichen" Lebensabend zu gestalten (so Gott will).
In diese Planung, und auch sonst nicht, passt für mich auf keinen Fall Alkohol. Ich sage, mir - die Zeit, die ich noch habe, will ich "intensiv" erleben. Mit Alkohol würde ich mir die Chance, mein Leben zu "erleben" absolut versauen. Ich weiß aus meiner "nassen" Vergangenheit, dass ich durch Alkohol nicht flüchten kann - es ist nur ein Teufelskreis. Gerade jetzt, mit dieser Krankheit, brauche ich alle Kraft, wenn ich noch leben will. Durch Alkohol aktiviere ich mein Selbstmitleid, das ich wieder am Anfang der PCA-Diagnose erlebt hatte, noch stärker. Diese kräftezehrende Betäubung schwächt mein Immunsystem noch mehr.
Und Gott sei Dank habe ich kein Verlangen nach diesem Teufelszeug.
Gerade heute habe ich erfahren, dass ich ab 31.5.05 arbeitslos bin, da mein Arbeitgeber die Firma schließt. Und wieder sei's Gott gedankt - habe ich ja durch meine Behinderung, die Möglichkeit, ab 1. Mai (mit 10,8 % Abzügen) in Rente zu gehen. Will ich aber nicht - ich versuche erstmal den Renteneintritt hinauszuzögern und bis dahin selbst die Existenz durch eigenes Gewerbe zu sichern.
Ich will leben - und das bei vollem Bewusstsein.
Deinem Mann kann mit seinem Alkoholproblem keiner helfen - nur er selber. Diese Kraft wird natürlich erst recht geschwächt durch die schreckliche Krankheit PCA.
Mitleid ist nicht angebracht - er sollte Deine Stärke spüren. Ich weiß, Du bist sicher auch seelisch schon sehr erschöpft.
Damit Du mit Deinen Kräften haushalten kannst, würde ich auf alle Fälle mal Kontakt mit einer AA- (Anonyme-Alkoholiker-) Gruppe aufnehmen und erst einmal allein dorthin gehen. Dann würde ich als Angehörige beim Hausarzt eine mögliche psycho-onkologische Betreuung beantragen.
Gehen muss Dein Mann selbst - Du kannst ihm nur die Hand reichen und vielleicht den Weg zeigen. Tragen darfst Du ihn nicht. Vielleicht hast Du auch die Möglichkeit, ihm zu vermitteln - wie "schön" und wertvoll das Leben sein kann? Ich wünsche es Dir von Herzen.
Ich hoffe, ich habe mit meinen Zeilen den richtigen Ton getroffen. Eure Situation berührt mich sehr und ich bete für Euch, dass Ihr es schafft.
Ich bin ein aktiver Forumteilnehmer - bitte aber um Verständnis für diesen "anonymen" Beitrag.

Horst MUC verwies am 11.4.2006 auf den nachstehenden Link:
http://idw-online.de/pages/de/news154612

Im Rahmen einer Diskussion über Dr. Ryke Geerd Hamer und seine Thesen zur Krebsentstehung rein durch die Psyche schrieb Carola-Elke am 9.7.2006:
Der Krebsinformationdienst des Krebsforschungsinstituts Heidelberg schreibt über den Zusammenhang zwischen Psyche und Krebsentstehung, bzw. - bewältigung folgendes:
http://www.krebsinformationsdienst.d...ntstehung.html
"Folge, nicht Ursache
Neuere Untersuchungen an Personen, bei denen zwar ein Krebsverdacht bestand, die Diagnose aber noch nicht gestellt war, konnten zeigen, dass die als typisch geltenden Persönlichkeitsmerkmale eine Reaktion auf die Krebserkrankung und nicht ihre Ursache kennzeichnen.
Damit lässt sich die These einer Krebspersönlichkeit nach dem heutigen Wissensstand nicht weiter aufrechterhalten."
"Ebenso sind bestimmte, immer wieder als besonders wichtig angepriesene Formen der Krankheitsbewältigung, etwa ein positives Denken oder die völlige Veränderung der bisherigen Lebenssituation, kein „Muss“ für Patienten."
Es gibt durchaus Menschen, die die von dir in den Raum gestellte These als persönliche Aufforderung, sich der Krebserkrankung gegenüber positiv zu verhalten, ernst nehmen und wenn es ihnen nicht gelingt, dabei geradezu Schuldgefühle entwickeln.
Das sollte dir bewusst sein, denn der Ratschlag entbehrt leider jeder wissenschaftlichen Erkenntnis und ist insofern gefährlich, weil er zu Enttäuschungen führt, wenn sich der Krankheitsverlauf dadurch eben nicht aufhalten lässt. So einfach ist das leider nicht! Damit setzt man kranke Menschen unnötig unter Druck, wenn sie nicht von sich aus das Bedürfnis haben, an ihrer Persönlichkeit zu arbeiten.
Es gibt zahllose junge, glücklich verheiratete Mütter kleiner Kinder, die ihrer Brustkrebserkrankung zum Opfer fallen, obwohl sie bis zum Ende hin absolut optimistisch waren und alles dafür taten, nicht gehen zu müssen.
Mit deiner These gibt man jedem, der den "nötigen Optimismus" nicht aufbringen kann, unbewusst Schuld am Verlauf, den seine Erkrankung nimmt.
Meine Beobachtungen gehen ebenfalls in die Richtung, dass es keinen erkennbaren Zusammenhang zwischen Optimismus und der voranschreitenden Entwicklung des Krebsgeschehens gibt!
Jürg schrieb einen Tag später dazu:
Mit Deinen Beiträgen bin ich in der Regel rundum einverstanden. Diesmal aber möchte ich mir doch ein paar Zeilen gestatten, die Deinen Text nicht etwa in Frage stellen, ihn aber mit einer leicht veränderten Akzentsetzung bestätigen sollen.
Vorweg: Der Krebsinformationsdienst schreibt so ziemlich am Ende der Ausführungen zur Krankheitsbewältigung:
„Es muss nach wie vor als ungeklärt gelten, ob und vor allem wie seelische Faktoren den Krankheitsverlauf und die Überlebenszeit beeinflussen. Unbestritten ist dagegen, dass eine positive Krankheitsverarbeitung im Sinne einer gelungenen Neuorientierung mit einer besseren Lebensqualität einhergeht.“
Zum ersten Satz dieses Zitats:
Das tönt, wie wir uns ja gewohnt sind, nach dem ach so vorsichtigen Grundsatz, alles sei fragwürdig, was nicht mit einer Studie eindeutig als gut oder schlecht qualifiziert worden sei. Ehrlicher wäre es, offen zuzugeben, dass der Einfluss seelischer Faktoren auf Krankheitsverlauf und Überlebenszeit auch mit einer qualitativ bestens angelegten Studie nicht beantwortet werden kann: Wo so viele, ja praktisch ausschliesslich subjektive Faktoren im Spiel sind, da lässt sich nichts messen, da kann keine Antwort als korrekt oder unkorrekt ausgewertet werden.
Dann zum zweiten Satz:
Sicher wäre es absolut falsch, die Meinung zu vertreten, mit „kämpferischer“ Haltung könnte Krebs ernsthaft gehemmt oder gar besiegt werden. Wer solches behauptet, der riskiert wirklich, bei den Betroffenen, denen es nicht gelingt, eine kämpferische Haltung einzunehmen, Schuldgefühle auszulösen. Der Ausdruck „Kampf“ ist also fehl am Platz.
Allerdings muss „Kampf“ ja nicht immer Dreinschlagen mit dem Zweihänder bedeuten. Es gibt ja auch die subtile Art des Floretts, es gibt asiatischen „Kampf“-Sportarten, die eigentlich „Kampfkunst“-Sport heissen sollten, weil den meisten von ihnen nicht die Körperkraft, sondern die Geschicklichkeit im Vordergrund steht. Und hier, meine ich, sollten wir einhängen: Nicht Kampf gegen den Krebs führen, sondern möglichst geschickt mit ihm umgehen. Genau das steht übrigens, wenn auch mit anderen Worten, in diesem zweiten Satz zu lesen.
Geschickt umgehen: Das ist für jeden Betroffenen etwas anderes. Der eine liest sich nächtelang die Augen müde, der andere kapselt sich ab. Der eine blickt gelassen auf die unausweichliche Entwicklung, der andere zittert vor Angst. Das hängt vom Individuum und (manchmal auch) von seiner Umwelt ab. Ob Abkapselung eine „geschickte“ Haltung sei, nun, das erscheint natürlich fragwürdig; es kann aber für den Betroffenen die einzig gangbare Lösung sein, solange es nicht gelingt, ihn mit Hilfe von aussen daraus zu befreien.
Der nächtliche Leser dagegen, der kann profitieren: Er erfährt, mit was er rechnen kann oder sollte, er lernt (hoffentlich!) auch, medizinischen Weizen von Spreu zu unterscheiden, er gewinnt Kenntnisse, die ihm nicht nur bei der Bewältigung seiner Lage, sondern ganz besonders bei der Therapie und den dazugehörigen Gesprächen mit dem medizinischen Therapeuten nützlich sein können. Er kann dank Internet oder in SHG Kontakt mit Mitbetroffenen aufnehmen und Erfahrungen austauschen. Und damit Lebensqualität gewinnen trotz des Wissens darum, dass die Dauer dieses Lebens begrenzt, oft auch sehr begrenzt ist.
Also: Wem es gelingt, trotz Krebs, trotz unheilbarem Krebs, sich von den schlechten Aussichten nicht niederdrücken zu lassen, sondern aktiv am Therapieprozess, aber auch aktiv an seinen anderen Lebensinhalten teilzunehmen, dem gelingt es mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht, seine Lebenszeit zu verlängern. Wohl aber gelingt es ihm, seine ihm verbleibende Lebenszeit so zu gestalten, dass er, wenn auch vielleicht nicht mit seinem Schicksal, so doch wenigstens mit sich selber zufrieden sein darf.
Das soll soll nichts gegen jene Betroffenen sagen, die nicht in der Lage sind, sich mit ihrer Erkrankung aktiv auseinanderzusetzen; sie sind seelisch anders strukturiert und müssen so akzeptiert werden. Sie benötigen meist Hilfe von aussen, und da kann es eine schöne Aufgabe für Mitbetroffene sein, solche Hilfe zu bieten.
Carola-Elke antwortete am selben Tag:
deine Ausführungen sind absolut zutreffend und klingen wirklich motivierend für die Mitstreiter – sie spiegeln sicherlich auch einen Teil deine Art der Krankheitsbewältigung und der persönlichen Auseinandersetzung mit PK wieder. Charakterliche Eigenschaften sind das Eine.
Womit ich nicht einverstanden bin, ist die unbewiesene Aussage, die nicht von dir stammt, doch inzwischen einigen Zuspruch erfuhr : "Eine optimistische Einstellung sei unbedingt förderlich für den Krankheitsverlauf".
Diese überholte Meinung von früher, die einem Mythos ähnelt, ist nicht zeitgemäß und entspricht nicht den Erfahrungen der Psychoonkologie.
Dazu hätte ich definieren sollen, dass für mich der Begriff "Krankheitsverlauf" gleichbedeutend mit "verbleibender Lebenszeit" oder dem "Zeitraum des progressionsfreien Überlebens" ist. Das scheinen manche Leser missinterpretiert zu haben.
Für mich scheint die Frage klärungsbedürftig, ob man überhaupt und mit Bestimmtheit diesen Ratschlag geben sollte oder dürfte, ohne sich der Verantwortung darüber bewusst zu sein, dass diese Aussage gleichzeitig große Verunsicherung auslösen kann.
Dazu sollte man sich doch einmal praktisch vorstellen: Der Patient X hat an Knochenmetastasen, unter Morphium- und Chemotherapie zu leiden, keinen Spass mehr am Essen oder an Bewegung und hört von dieser Behauptung, er müsse nun eine "optimistischere Haltung einnehmen", dann ginge es bestimmt bergauf.
Wenn er diese These ernst nähme, müsste er entweder anfangen an sich zu verzweifeln, weil er keinen Optimismus mehr aufzubringen in der Lage ist, oder aber er besäße übermenschliche psychische Ressourcen, damit ihm diese innerliche Wende hin zum Optimismus gelingt.
Reagiert er aber folgendermaßen: "Wenn ich nicht wieder ein wenig optimistischer nach Vorne blicke, muss ich früher sterben?" - würde das nicht automatisch "Schuldgefühle" oder zusätzliche, unnötige Ängste in ihm hervorrufen, weil er mangels Erfahrung keinen Grund sieht, dieser unbewiesenen Aussage skeptisch gegenüber zu stehen, doch leider gegen seinen körperlichen geschwächten Zustand kein Rezept erhält, das ihm das Leben wieder lebenswerter macht?... das ihm Kraft zum Optimismus gibt?
Wäre dieser Optimismus überhaupt noch gerechtfertigt?
Völlig auf deiner Linie liege ich insofern, als dass du zu Recht betonst, wie wichtig es ist, selbst an der Krankheitsbewältigung zu arbeiten.
Denn nach der Diagnose oder einem Rezidiv verfallen sehr viele Patienten zuerst einmal in ein tiefes dunkles Loch, aus dem sie unbedingt wieder herausfinden sollten – wenn es sein muss, mit Hilfe professioneller Unterstützung oder der intensiven persönlichen Zuwendung von Familienangehörigen und erfahreneren Mitstreitern.
Depressionen und Angst kommen häufig vor, da darf man sich nichts vormachen:
http://www.uroonkologie.de/nachrichten/medizin_details.asp?id=123
http://www.uroonkologie.de/nachrichten/nachrichten_archiv_details.asp?id=72
Wahrscheinlich sprechen die Wenigsten gerne darüber. Es könnte ihnen anfangs die Kraft fehlen...
Die innere Balance zu finden und zu erhalten, fällt schon in gesunden Zeiten vielen Menschen schwer genug. Unangemessene Reaktionen, die einem Zwangsoptimismus ähneln, gehen für mich in die falsche Richtung und könnten den Blick fürs Wesentliche trüben.
Innere Ruhe und Ausgeglichenheit zählen viel mehr.
Hochs und Tiefs, aktive und passive Phasen, Krankheitsbewältigungsstrategien und Freizeit gehören zum Kranksein und dem Leben dazu und sollten zugelassen sein.
Rechtzeitig wichtige Angelegenheiten zu regeln und mit sich selbst im Reinen zu sein, kann sehr beruhigend wirken.
Auf der anderen Seite eine möglichst aktive Haltung der Krankheit gegenüber einzunehmen, so es dem Betroffenen gelingt, schenkt stückweise Lebensqualität zurück, erzeugt günstigstenfalls Erfolgsgefühle, beugt einem negativ besetzten Gefühl des "hilflosen Ausgeliefertseins" vor und kann so insgesamt neue Kraft und Energie schenken.
Dies alles käme deinem Bild der "Kampf-Kunst" nahe, die viele Facetten kennt.
Manche Erkrankte hingegen bemerken, dass sie den Tatsachen lieber nicht direkt ins Auge blicken wollen und können mit medizinischen und wissenschaftlichen Beiträgen nichts anfangen, da sie ihnen ein Gefühl der Unsicherheit vermitteln, weil sie die Informationsflut nicht sortieren und verwerten können. Sie bemerken, dass es ihrer Seele besser bekommt, wenn sie gewisse Themen verdrängen.
Wieder andere verlassen sich tendenziell lieber auf Spirituelles, Magisches und die alleinige gefühlsbetonte Auseinandersetzung mit der Krankheit - das kann man ihnen nicht absprechen, solange sie sich dabei wohlfühlen.
Letztendlich muss jeder seinen persönlichen Weg finden, sich zwischendurch neu orientieren, um im Laufe der Erkrankung auch seine Wertvorstellungen an die Lebensqualität immer wieder neu zu sortieren und auf die sich verändernden Situationen während einer Krankheitskarriere angemessen zu reagieren.
Es gibt so viele verschiedene Formen des Umgangs mit Krankheiten, daher sollte man keine Patentrezepte für jedermann propagieren.

Tochter75 schrieb am 11.9.2008:
Mein Vater ist im Mai 2007 unter sehr dramatischen Umständen mit dem PK konfrontiert worden, akutes Nierenversagen etc. Und er ist ein Fan der Minimal-Therapie, also er macht genau das Gegenteil von dem, was hier propagiert wird, allerdings in Rücksprache mit seinem Urologen.
Bei einem Gleason-Score von 4+5 und einem Ausgangs-PSA von 783, der niemals niedriger als 90 war, disseminierten Knochenmestastasen, die das ganze Skelett durchsetzen, kommt er bei regelmäßiger Zometa-Gabe einmal im Monat, einer Kapsel Ferrosanol und zwei Kapseln Estramustin pro Tag ohne alle anderen Schmerzmittel aus. Und erstaunlicherweise wurde er noch stärker, als meine Mutter an Brustkrebs erkrankte. Er hat z.B. morgens Zometa gekriegt und fuhr nachmittags zu ihr ins Krankenhaus, manchmal sogar zweimal am Tag, er kümmerte sich um alles im Haushalt und kümmert sich auch jetzt während der Chemo um meine Mutter. Seine Laborwerte sind bis auf die Anämie, die bei 11,8 Hb liegt, und einem PSA um 120 vor drei Monaten, gestern neu abgenommen, aktuelles Ergebnis steht noch aus, alle in Ordnung.
Mein Vater selbst ist nicht in diesem Forum, findet es aber o.k., wenn ich über seinen Fall berichte. Er selbst meint nämlich, wenn er sich selbst im Forum aufhalten würde, würde es ihn verrückt machen, wenn man ihm bei jeder Änderung des PSA, auch wenn er sich gar nicht schlechter fühlt, die neuesten Therapien empfehlen würde. Er macht lieber das, was ihm subjektiv gut tut und womit er sich wohl fühlt. Und das klappt seit 16 Monaten erstaunlich gut, sogar unter dem neuen Stress mit der Erkrankung seiner Frau.

Habt ihr auch solche Erfahrungen gemacht? Psychisches Vertrauen in die eigenen Kräfte, sich nicht verrückt machen lassen, sondern leben? Nicht jedem Laborwert hinterher laufen, sondern danach gehen, wie man sich fühlt? Anfangs fand ich es schwierig, denn ich bin auch in den Sog gezogen worden, alles ausprobieren zu wollen, was hier empfohlen wurde, aber mein Vater wollte es nicht. Und es scheint, er ist mit seiner Art, damit umzugehen, auf einem guten Weg.

Ich denke, man kann das sehr kontrovers diskutieren, aber es gab hier ja auch schon mal vor langer Zeit die Frage, warum manch Schwerstbetroffener aus dem Forum verschwindet. Vielleicht hat es auch damit zu tun, sich mit einem "Feind", den man nicht besiegen kann, zu arrangieren, oder den Krebs als Teil von sich selbst zu akzeptieren.
Heribert schrieb dazu am selben Tag:
Es ist beeindruckend zu lesen, wie Dein Vater mit seinem Krebs umgeht. Bestätigt es doch, dass trotz noch so gut gemeinter Empfehlungen der modernen Medizin oder auch vieler guter Ansätze aus der Naturheilkunde, letztlich entscheidend ist, auf seine innere Stimme zu hören. Ich denke, wenn man gedanklich mit sich im Reinen ist, hat der Körper die optimalen Voraussetzungen sich auch gegen einen Krebs noch lange zu wehren, auch wenn aus Sicht vieler Forumnutzer die medikamentöse Einstellung nicht als optimal zu bezeichnen ist.
Und Jürg kommentierte und berichtete:
Ich schliesse mich den Worten von Heribert ohne Vorbehalt an. Selber habe ich vor etwas mehr als vier Jahren an einen Mitbetroffenen geschrieben:
"Auch psychisch geht es mir sehr gut. Ich betrachte den PK als Herausforderung, gegen die zu kämpfen in einem gewissen Sinn faszinierend ist. Tönt komisch, ist aber so. Der Ehrlichkeit halber muss ich aber zugeben, dass auch ich in gelegentlich von einem kleinen "Tiefdruckgebiet" besucht werde; aber warum sollte es mir besser gehen, als Frauen in den Wechseljahren? Und während einigen Tagen mit einer Tablette eines Psychopharmakons, das mir mein Uro vorsichtshalber verschrieben hat, komme ich gut über die Runden. Dabei spielt es - aus meiner Sicht - aber eine grosse Rolle, wie alt man ist. In jungen Jahren ist es viel schwieriger, mit einer Krankheit umzugehen, welche die Sexualität aufs Abstellgleis schiebt und schlimmstenfalls tödlich verlaufen kann, als wenn man, wie ich, 69 Jahre alt ist. In diesem Alter sollte man ohnehin daran denken, dass man eine begrenzte Lebenserwartung hat und über kurz oder lang abtreten muss (oder auch darf). Entscheidend aber scheint es mir zu sein, wie man sich zur Erkrankung einstellt. Wer das Beste daraus zu machen sucht, sich einerseits mit einer gewissen Demut damit abfindet, aber andererseits nicht gewillt ist, sich unterkriegen zu lassen, ist sicher besser dran, als jemand, der nur noch schwarz sieht. Das tönt nun ein wenig nach Pfarrer, ist aber gar nicht so gemeint. Ich habe einfach die Erfahrung gemacht, dass er es mir hilft, mich mit meinem PK auseinanderzusetzen, ihn quasi als gleichwertigen Gegner zu betrachten. In Kürze werden seit meiner Diagnose 4 Jahre vergangen sein, und das Gefecht ist immer noch unentschieden – mit dem Vorteil auf meiner Seite, dass der PK in diesen 4 Jahren kaum echte Fortschritte machen konnte, und dass ich immer noch Kampftruppen in Reserve habe."
Inzwischen bin ich vier Jahre älter geworden, fühle mich gut und werde weiterkämpfen. Wobei ich nicht etwa meine, jeder Betroffene müsse nach meinem System vorgehen; es gibt viele Lösungen, einer schweren Erkrankung zu begegnen.
Diese Kommentare veranlassten Tochter75, immer noch am 11.9.2008, weiter zu berichten:
Ich denke, bei meinem Vater spielen zwei Dinge eine Rolle. Zum einen war er fast 75, als der Krebs entdeckt wurde, zum anderen waren die Umstände so gruselig, dass man danach froh war, dass er überlebt hat, denn der Rettungshubschrauber wartete vor dem Start noch ein EKG unter Defibrillationsbereitschaft ab, weil eine absolute Arrhythmie des Herzens aufgrund des hohen Kaliums vorlag, und zum anderen glaubten die Ärzte am ersten Tag, als sie den Grund für das Nierenversagen noch nicht kannten, dass er lebenslang an der DIalyse bleiben müsste. Tatsächlich genügten zwei Dialysen, dann sprang die Niere wieder an und seither sind seine Kreatininwerte im Normbereich.
Zudem hadert er nicht mit dem Schicksal, nicht zur Vorsorge gegangen zu sein, weil er sich sagt, dann wäre er vielleicht zehn Jahre früher damit belastet worden und er weiß genau, dass er nach dem Wait and See gehandelt hätte und keine OP hätte vornehmen lassen. Insofern meint er, dass ihm dadurch zehn gute Jahre beschieden waren, in denen er keine Inkontinenz etc. hatte. Er hat noch einen suprapubischen Katheter mit Ventil. Eine neue OP, um ihn evt. loszuwerden, lehnt er ab, denn er sagt, das Risiko einer Inkontinenz wäre ihm zu groß und er hat sich damit arrangiert.
Was meinen Vater im Umgang mit seiner Erkrankung am meisten auszeichnet, ist die Tatsache, dass er niemals damit hadert. Das ist so, fertig! Im Rückblick dazu bemerke ich, dass er mir selbst diese Lebenseinstellung von klein auf vermittelt hat. Wir haben in unserer Familie niemals die Frage bei irgendwelchen Situationen gestellt: "Warum ich /wir?", sondern es akzeptiert. Als bei meiner Mutter die Krebsdiagnose im Juni gestellt wurde, war der Schock nicht mehr so groß wie damals beim Krebs meines Vaters. Man lernt, dass es kein unmittelbares Todesurteil ist, sondern das Leben so weiter geht wie bisher und meine Mutter hat die Möglichkeit, mit Hilfe der adjuvanten Chemotherapie komplett geheilt zu werden. Also wird es durchgezogen und Ende nächsten Monats hat sie es überstanden. Erstaunlicherweise fällt ihr der Umgang mit der Erkrankung auch leichter, obwohl sie in jungen Jahren immer Angst davor gehabt hat, seit sie sieht, wie mein Vater mit seiner schweren Erkrankung umgeht. Das ist eben so, wir können es nicht ändern.
Ganz anders wäre die Situation sicher, wenn man so jung ist, wie manch anderes Mitglied hier, wenn noch minderjährige Kinder da sind. Dann wäre die Gelassenheit sicher nicht so einfach zu erlangen, weil die Sorgen um die Familie größer wären.
Mit inzwischen 76 Jahren kann er sich Gelassenheit erlauben. Trotzdem gibt es noch Pläne und er hat sich vorgenommen, trotzdem über 80 zu werden. Mal sehen, ob es klappt. Aber warum eigentlich nicht?

Simmii76 fragte am 17.2.2009:
Was kann man für die Psyche eines Betroffenen (fortgeschrittener Prostatakrebs, keine Chance auf Heilung) tun?
Ist es hilfreich, einen Psychotherapeuten aufzusuchen? Hat jemand Erfahrung damit? Gibt es einen Tipp für ein gutes Buch, was trotz dieser harten Diagnose aufbaut und Mut macht? Wäre die Biomeditation eventuell eine weitere Maßnahme?
Jürg antwortete am selben Tag:
Natürlich kann man etwas tun für die Psyche. So gibt es zum Beispiel in mancher Klinik Spezialisten in Psycho-Onkologie. Wichtig ist es aber, zu wissen, wie sich der Patient zu einer psychotherapeutischen Behandlung stellt. Wer eine solche grundsätzlich ablehnt (und das gibt es), dem ist schwieriger zu helfen. In solchen Fällen kann aber ein guter Hausarzt, zu dem ein Vertrauensverhältnis besteht, auch viel helfen.
Ka-Ha We antwortete am 19.2.2009:
Ich bin in der gleichen Lage (unheilbar) und habe manche Nacht nicht schlafen können, da mir depressive Verstimmungen das Leben schwermachten. Da hatte meine Frau eine wunderbare Idee und schenkte mir einen Pudelwelpen. Seit der kleine Kerl bei uns im Haus ist, hab ich keine Schlaftablette oder Psychopharmaka gebraucht. Klar, dass das Mittel nicht bei jedem taugt, aber bei mir hat's geholfen.
Am selben Tag schrieb helmutS:
Ich lebe seit über elf Jahren mit der Krankheit. Mir haben Meditation und autogenes Training sehr viel geholfen. Mache ich jeden Tag mindestens ½ Std.
Kann das Buch von O. Carl Simonton "Auf dem Wege der Besserung" (ISBN 3-498-06280-8) empfehlen, mit vielen Tipps zur Visualisierung etc. Es gibt auch CD's die man anhören und dabei entspannen kann.
Carl Simonton, einer der bekanntesten Psycho-Onkologen, kommt auch wieder nach Deutschland, und zwar vom 8. bis 10. Mai nach Heidelberg zu einer Veranstaltung der Biologischen Krebsabwehr. Hatte ihn schon mal vor drei Jahren gesehen. Sehr beeindruckend. Werde jetzt auch wieder dort sein.
Und Marcel19 schrieb am 25.2.2009:
Bin in ähnlicher Lage, was den Rat nach psychologischer Hilfe angeht. Ich bin überzeugt, dass es helfen kann, vor allem wenn es Spezialisten/Psycho-Onkologen sind. Versuche gerade, meinen Vater dazu zu bringen, der zur Zeit einen Tiefpunkt durchschreitet. Seine Knochenmetastasen breiten sich leider immer weiter aus und verursachen immer stärkere Schmerzen. Dagegen helfen zwar Schmerzpflaster, aber die machen bei ihm die Verdauung träge bzw. bringen sie zeitweise ganz zum Erliegen. Er befindet sich also in einer Art Falle und kann nur zwischen zwei Übeln wählen und ist daher verständlicherweise ziemlich down. Aber das macht es nur noch schlimmer, glaube ich, und so möchte ich mit professioneller Hilfe ihn gerne aus diesem Tief herausholen, damit er mehr Kraft für die eigentlichen Therapien hat.
Vielleicht geht es Dir und anderen auch so, aber mein Vater ist eher nicht der Typ für psychologische Hilfe, und auch Psychopharmaka hat er bisher abgelehnt, aber ich glaube, er wäre zumindest für ein Versuchsgespräch offen. Daher ist es um so wichtiger, einen guten Psycho-Onkologen zu finden, zu dem man auch ein zweites Mal etc. geht. In DAPO habe ich viele Adressen gefunden. Aber kann darüber hinaus jemand vielleicht einen speziellen Psycho-onkologen (in NRW) empfehlen?
Dir und Deinem Vater, Simone, wünsche ich alles Gute und möchte Euch eine kräftige Portion Optimismus mit auf dem Weg geben! Aussichtslos ist rein gar nichts, bei keinem! Egal wie viele Tiefs wir bisher schon hatten (und so viele waren es gar nicht), es gab danach immer wieder Hochs und neue positive Ansätze, die gilt es mit aller Kraft zu nutzen. Deine Zuversicht und Kraft (und die eurer ganzen Familie) ist durch nichts zu ersetzen, aber bestimmt durch professionelle Hilfe zu ergänzen, wenn es Dein Vater zulässt...