Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Nebenwirkungen – Schmerzen aufgrund von Metastasen

Verena fragte am 17.7.2004:
Meinem Opa wurde vor ungefähr drei Jahren Prostatakrebs diagnostiziert. Mittlerweile geht es ihm sehr, sehr schlecht (seit ca. fünf Wochen kann man nun mit zusehen, wie sich sein Zustand verschlechtert). Der Krebs hat sein Endstadium erreicht und hat nun auch bis zum Kopf gestreut. Ihm tun alle Knochen weh und er kann weder aufstehen noch sich drehen. Wir wollen ihm helfen aber haben Angst, ihm wehzutun. KANN MAN DEN IRGENDETWAS TUN DAMIT ER BEIM BEWEGEN KEINE SCHMERZEN HAT ODER NUR EIN BISSCHEN?
Zudem kann er nichts mehr essen oder trinken und man kann sagen er trocknet aus und verhungert. GIBT ES DA IRGENDETWAS WAS ER ESSEN KANN ODER BESSER GESAGT WAS ER BEHÄLT?
Jürg antwortete am selben Tag:
Was man tun könnte, damit Dein Opa wieder Nahrung bei sich behalten kann, das weiß ich leider nicht. Aber hinsichtlich der Schmerzen solltest Du mit den Ärzten Deines Opa Fraktur reden, wie ich das seinerzeit für meine Schwiegermutter tun musste. Es gibt heute Schmerzmittel, die auch in der traurigen Lage, in der sich Dein Opa befindet, noch Linderung bringen können - aber man muss sie anwenden, was leider nicht alle Ärzte begreifen wollen. Trotzdem die Ärztezeitung das Problem schon aufgegriffen hat:
http://www.aerzte-zeitung.de/docs/2004/04/19/071a1302.asp?cat=/medizin/krebs
Und wenn der Hausarzt oder der Uologe oder wer sonst medizinisch die Verantwortung für Deinen Opa trägt, nichts unternimmt, dann würde ich so rasch wie möglich nach einem Spezialisten für Schmerztherapie suchen; je nachdem, wo Dein Opa wohnt, kommt auch ein universitäres Schmerzzentrum in Frage.
Weitere Informationen zu Tumorschmerzen und ihrer Behandlung findest Du bei http://www.schmerzinfos.de/tumor01.php.
Horst MUC, ebenfalls am selben Tag:
Habe in einem Urologen-Vortrag (Internet Astrazeneca - Dozent Prof. Kriegmair, Planegg) gehört, dass unterlassene Hilfe bei Tumorschmerzen den Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung erfüllt. Hier ist der Link zu dem Vortrag:
http://www.uroonkologie.de/password/frameset.asp, dann links Kongressservice - Vorträge online - nach Themen - Prostatakarzinom wählen und Du hast alle thematisch aufgelisteten Vorträge direkt (s. u.).
Metastasiertes Karzinom
Die schmerzhafte Metastasierung Kriegmair M., München-Planegg, AKO
Symposium Prostata- und Blasenkarzinom, Graz, 27.-29. Juni 2003.

Tamara fragte am 11.8.2004:
Was kann man tun gegen starke Metastasenschmerzen (Knochenmetastasen). Mein Freund wird mit der zweifachen Hormonblockade behandelt und kriegt zusätzlich Zometa. Da seine Schmerzen nicht zum Aushalten sind, kriegt er das Schmerzmittel Tramadolor (morphinähnlich, aber weniger Nebenwirkungen). Auch mit diesem Medikament sind die Schmerzen fast unerträglich.
Wer von euch leidet selber darunter und kann mir gute Tipps, Ratschläge oder Erfahrungsberichte geben?
Urologe fs antwortete am selben Tag:
1. ist Tramadolol aus meiner Sicht ein "Mistmedikament" (geringe Wirksamkeit - reichlich Nebenwirkungen, weil es ein partieller Gegenspieler des Morphines ist) UND, weil es ein Gegenspieler ist, werden bei gleichzeitiger Gabe - stärkere Substanzen in ihrer Wirkung blockiert. Also lieber Morphin als Retard - scheuen einige Kollegen, weil sie dann ein BTM-Rezept ausstellen müssten,
2. ist das WHO-Stufenschema zur Schmerzbekämpfung korrekt eingesetzt worden (bzw. was bekommt er noch)?
3. nimmt er die Mittel "bei Bedarf", genannt on-demand? Bei Tumorschmerzen muss man wissen: es braucht eine fast fünf Mal so hohe Dosis den Schmerz zu durchbrechen, denn ihn gar nicht erst entstehen zu lassen.
4. Falls alles erfüllt ist: nuklearmedizinische Therapie mit Samarium, bzw. low-dose Mitomycin (8 mg pro m2 KO/Tag) [KO = Körperoberfläche; eine 1,80 m großer Mann hat ca. 2 m2 Körperoberfläche - Ed].
5. Es fehlen genauere Daten zur exakten Beurteilung der Situation.
Und Jürg schrieb ebenfalls am selben Tag:
Es gibt eine Publikation des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg aus dem Jahr 2003, die über die Schmerzbehandlung bei Tumorerklrankungen recht umfassende Informationen liefert; es können dort auch telefonische Auskünfte eingeholt werden.
Adresse für den Download der Broschüre:
http://www.ksid.de/Materialien/KSID_Schmerzbroschuere.pdf
Nach meinen persönlichen Erfahrungen gibt es immer wieder Ärzte, die in Situationen, wie sie Dein Freund nun erleben muss, mit Schmerzmitteln sehr knauserig sind; falls ein auf die Behandlung von Schmerzen spezialsierter Arzt oder eine Universität mit entsprechender Abteilung in erreichbarer Nähe sind: Ziehe einen solchen Spezialisten bei.
Horst MUC schrieb:
ich muss hier wiederholen: es gibt einen Vortrag von Prof. Kriegmeier (München), in dem er deutlich betont, dass Ärzte, die die Schmerzsymptomatik in so einem Fall nicht ausreichend behandeln, den Tatbestand der VORSÄTZLICHEN KÖRPERVERLETZUNG erfüllen. Den Arzt mal damit konfrontieren?
Und Ralf:
ich habe eine Schmerztherapeuthin, die vor einer Selbsthilfegruppe einen entsprechenden Vortrag hielt, sagen hören, dass niemand unerträgliche Schmerzen haben muss. Die Adressen von spezialisierten Schmerztherapeuthen finden sich unter http://www.schmerztherapeuten.de/. Dort ist eine Suche nach Postleitzahlen möglich.