Der Extrakt aus dem
Prostatakrebs-Forum
von KISP
und BPS
Nebenwirkungen
– Osteonekrose
- [Die
Osteonekrose (Knochenzerstörung) ist eine ganz üble
potenzielle Nebenwirkung, die – im Zusammenhang mit
Prostatakrebs – bei Patienten auftreten kann
(nicht muss),
die wegen Knochenmetastasen, Osteoporose oder prophylaktisch mit
Bisphosphonaten (namentlich Aredia®, Zometa®, Fosamax®
und Actonel®) behandelt werden. Bei solchen Patienten sind
anlässlich von Zahn- und Kieferbehandlungen nicht heilende
Extraktionswunden oder freiliegende Kieferknochen eingetreten, die
kaum zu behandeln waren (der nachstehenden Hinweis
zu Biaxin® ist die einzige bisher bekannt gewordene
Behandlungsmöglichkeit. Der entsprechende Wirkstoff ist
Clarithromycin).
-
Das nebenstehende Bild seiner eigenen
Kiefernekrose stellte mir ein Betroffener freundlicherweise zwecks
Anschauung zur Verfügung.
Die Inzidenz dieser Nebenwirkung
ist allerdings glücklicherweise sehr niedrig, sie liegt nach
bisherigem Wissen im Promille-Bereich. Dies ist natürlich kein
Trost für diejenigen, die davon betroffen sind.
Zur
Osteonekrose bzw. Kiefernekrose gab es Berichte z. B. im
"BPS-Magazin",
1/2005, "Medical
Journal of America" und in "USA
Today". -
-
– Ed]
-
Guy
schrieb am 25.10.2004:
-
Hierbei
ein Artikel über eventuell auftretende Nebenwirkungen von
Bisphosphonaten, die jeder kennen sollte (vor allem Zahnärzte),
deshalb stelle ich den folgenden Artikel ins Forum.
-
http://www.akdae.de/20/20/20040802.html
-
Osteonekrosen
des Kiefers unter Bisphosphonaten (UAW-News - International)
-
Bisphosphonate
werden zunehmend eingesetzt zur Therapie der Osteoporose, bei
osteolytischen Knochenmetastasen von soliden Tumoren bzw. Osteolysen
bei multiplen Myelomen oder bei Hyperkalzämie im Rahmen
maligner Erkrankungen. In einer New Yorker Klinik für Mund- und
Kieferchirurgie fiel jetzt eine Gruppe von Patienten mit
nekrotischen Läsionen des Kiefers auf, denen eine klinische
Eigenschaft gemeinsam war: sie hatten alle eine Dauertherapie mit
den auch in Deutschland zugelassenen Bisphosphonaten Pamidronat,
Zoledronat oder Alendronat erhalten.
-
Deutsches
Ärzteblatt, Jg. 101, Heft 31-32, 02.08.2004
-
Osteonekrosen
des Kiefers unter Bisphosphonaten
-
Die
AkdÄ möchte Sie im Folgenden über Publikationen und
Meldungen aus dem internationalen Raum informieren und hofft, Ihnen
damit nützliche Hinweise auch für den Praxisalltag geben
zu können.
-
Bisphosphonate
werden zunehmend eingesetzt zur Therapie der Osteoporose, bei
osteolytischen Knochenmetastasen von soliden Tumoren bzw. Osteolysen
bei multiplen Myelomen oder bei Hyperkalzämie im Rahmen
maligner Erkrankungen. In einer New Yorker Klinik für Mund- und
Kieferchirurgie fiel jetzt eine Gruppe von Patienten mit
nekrotischen Läsionen des Kiefers auf, denen eine klinische
Eigenschaft gemeinsam war: sie hatten alle eine Dauertherapie mit
den auch in Deutschland zugelassenen Bisphosphonaten Pamidronat
(Aredia®), Zoledronat (Zometa®) oder Alendronat (Fosamax®)
erhalten (1; 2). Eine retrospektive Analyse aller Patienten zwischen
Februar 2001 und November 2003 mit refraktärer Osteomyelitis
und anamnestisch einer Therapie mit Bisphosphonaten ergab 63
Patienten mit einer solchen Vorgeschichte. Von den 63 Patienten
hatten 56 eine intravenöse Therapie für mindestens ein
Jahr erhalten, und sieben Patienten erhielten eine orale
Langzeittherapie. Die Grunderkrankungen waren in 44 Prozent multiple
Myelome, 32 Prozent Mammakarzinome, 13 Prozent Osteoporose, 5
Prozent Prostatakarzinome und 6 Prozent andere Erkrankungen. Die
Läsionen waren typischerweise nicht heilende Extraktionswunden
oder ein freiliegender Kieferknochen,jeweils refraktär
gegenüber konservativem Debridement oder antibiotischer
Therapie. Eine australische (3) und eine amerikanische Publikation
(4) hatten im Jahre 2003 erstmals (Letter) auf die Problematik
hingewiesen.
-
Osteonekrosen
des Kiefers (avaskuläre Nekrosen) sind gekennzeichnet durch
Verlust oder Zerstörung des Knochens unter den Zähnen. Die
Biopsien ergaben keinen Hinweis auf Metastasen beziehungsweise
Osteolysen, wie man es bei den entsprechenden Grundkrankheiten
differenzialdiagnostisch annehmen könnte. Klinisch imponierten
die Nekrosen wie dentale Abszesse, "Zahnschmerzen" oder
wunde Stellen im Bereich des Zahnfleisches. Zahnextraktionen stehen
häufig am Beginn der Episoden dieser nichtheilenden Nekrosen.
Der Kausalzusammenhang der Osteonekrosen des Kiefers mit
Bisphosphonaten ist nicht gesichert. Andere Faktoren, wie
Begleittherapien (Chemotherapie, Radiatio, Corticosteroide) oder
patientenseitige Faktoren (Anämie, Infektionen, vorbestehende
kieferchirurgische Erkrankungen) können eine Rolle spielen.
-
Die
amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat bereits für
Pamidronsäure (Aredia®) und Zoledronsäure (Zometa®)
diese bislang unbekannte unerwünschte Arzneimittelwirkung (UAW)
in die Gebrauchsinformationen aufnehmen lassen. Die Autoren der New
Yorker Studie weisen darauf hin, dass Ärzte angesichts der
steigenden Verordnungen von Bisphosphonaten verstärkt auf
derartige UAW achten sollten. Ein Problem dabei scheint zu sein,
dass sich betroffene Patienten möglicherweise nicht an den die
Bisphosphonate verordnenden Arzt, sondern an den Zahnarzt
beziehungsweise Kieferchirurgen wenden und die unerwünschten
Arzneimittelwirkungen auf diese Weise nicht als solche erkannt
werden. Zahnärzte bzw. Kieferchirurgen sind deshalb besonders
zur Aufmerksamkeit gegenüber diesen UAW aufgefordert.
-
Bitte teilen Sie der AkdÄ alle
beobachteten Nebenwirkungen (auch Verdachtsfälle) mit. Sie
können dafür den in regelmäßigen Abständen
im Deutschen Ärzteblatt auf de vorletzten Umschlagseite
abgedruckten Berichtsbogen verwenden oder diesen unter der
AkdÄ-Internetpräsenz www.akdae.de
abrufen.
-
Literatur
-
1.
Ruggiero SL, Mehrotra B, Rosenberg TJ, Engroff SL: Osteonecrosis of
the jawsassociated with the use of bisphosphonates: a review of 63
cases. J Oral MaxillofacSurg 2004; 62: 527-534.
-
2.
Schwartz HC: Osteonecrosis and bisphosphonates: correlation versus
causation. J Oral Maxillofac Surg 2004; 62: 763-764.
-
3.
Carter GD, Goss AN: Bisphosphonates and avascular necrosis of the
jaws. Aust Dent J 2003; 48: 268.
-
4.
Marx RE: Pamidronate (Aredia) and zoledronate (Zometa) induced
avascularnecrosis of the jaws: a growing epidemic. J Oral Maxillofac
Surg 2003; 61: 1115-1117.
-
Arzneimittelkommission der deutschen
Ärzteschaft
Geschäftsführer Prof. Dr. med. H.
Berthold
Herbert-Lewin-Platz 1 (Wegelystr.)
10623
Berlin
Postfach 12 08 64
10598 Berlin
Tel.: +49
30-400456-500
Fax: +49 30-400456-555
E-Mail: info@akdaede
- Ralf schrieb am 7.5.2005:
-
In der neuesten Ausgabe des BPS-Magazins (Heft
1/2005, Eurer SHG-Leiter sollte es für Euch haben) ist unter
dem Titel OSTEONEKROSEN DES KIEFERS UNTER THERAPIE MIT
BISPHOSPHONATEN ein Artikel zu
einem Problem erschienen, das anscheinend noch wenig Aufmerksamkeit
erregt hat, aber jeden betrifft, dem ein Bisphosphonat wie Aredia
oder Zometa verabreicht wird. Es wurde bereits im Forum darüber
berichtet (Forumextrakt => Medikamente => Bisphosphonate).
-
Heute
bekam ich eine Anfrage von einer Patientin, der seit Jahren
regelmäßig Aredia verabreicht wird, die sich kürzlich
einer Zahnbehandlung unterziehen musste und bei der sich prompt dies
beschönigend als "unerwünschte Arzneimittelwirkung"
(UAW) bezeichnete Phänomen einstellte.
-
Der
Artikel im BPS-Magazin gibt leider keinerlei Ratschlag, was getan
werden kann, wenn der Schaden erst einmal eingetreten ist. Ich
entsann mich, dass ich auf der Seite von Drs. Leibowitz und Tucker
(ich nenne sie hier, auch wenn die Namen für den einen oder den
anderen von Euch ein rotes Tuch sind) einen Artikel hierzu gesehen
hatte, der bisher noch unübersetzt ist (er stammt vom Februar
2004). Ich habe für die Antwort an die Patientin zwei Aussagen
aus dem Artikel herausgezogen und kurz übersetzt, hier sind
sie:
-
1.
We strongly recommend that any of our patients who are being treated
with Aredia or Zometa not allow any dental extraction without
discussing it with us. Our usual recommendation is to have a root
canal procedure done, and then just let the tooth fall out
naturally. If one of our patients develops osteonecrosis, we almost
always have to recommend temporarily or permanently discontinuing
their Aredia or Zometa.
Wir empfehlen nachdrücklich, dass
keiner unserer Patienten, die mit Aredia oder Zometa behandelt
werden, einer Zahnextraktion zustimmt, ohne zuvor mit uns darüber
gesprochen zu haben. Gewöhnlich empfehlen wir, eine
Zahnwurzelkanalbehandlung durchführen zu lassen und dann den
Zahn auf natürlichem Wege herausfallen zu lassen. Wenn einer
unserer Patienten eine Osteonekrose entwickelt, müssen wir fast
immer empfehlen, Aredia oder Zometa zeitweilig oder dauerhaft
abzusetzen. -
2.
In February 2004, Dr. Berenson told us that anecdotally he has found
that some patients respond to Biaxin XL 500, one twice a day for 14
days. We are trying this approach with or without other
antibiotics.
Im Februar 2004 erzählte Dr. Berenson uns, dass
er festgestellt hat, dass einige Patienten auf Biaxin XL 500
ansprechen, zweimal täglich eine Tablette, 14 Tage lang. Wir
probieren das jetzt mit oder ohne andere Antibiotica aus. -
Ich
schrieb dann weiter an diese Patientin:
-
"Dieser
Artikel ist jetzt über ein Jahr alt und wurde bisher nicht
aktualisiert. Da mich die Sache jetzt auch interessiert (ich
fürchte, ich werde in Zukunft weitere Anfragen zu diesem
Problem bekommen), werde ich Dr. Tucker anschreiben (ich war im März
bei ihm in LA) und ihn fragen, ob es neuere Erkenntnisse gibt. Ich
kann natürlich nicht garantieren, dass er antworten wird, da er
und Dr. Leibowitz vielbeschäftigte Männer sind.
-
Vielleicht
sollten Sie und Ihr Zahnarzt oder der Arzt, von dem Sie das Aredia
erhalten, dem Hinweis mit dem Biaxin XL 500 nachgehen. Ich habe dazu
gegoogelt, und es scheint, dass dies in Deutschland nicht im Handel
ist, nur Tabletten mit 250 mg. Davon müssten dann wohl zweimal
täglich zwei genommen werden.
-
In
einem Vortrag, den Dr. Leibowitz einmal vor einer
PK-Selbsthilfegruppe in Kalifornien hielt, sagte er über Biaxin
folgendes:
-
'Irgendwann einmal hatte jemand eine sehr
schlimme Infektion der oberen Atemwege, und der Arzt behandelte ihn
mit Biaxin, einem Antibiotikum, zweimal täglich. Und dieser
Patient, ich weiß nicht, ob Mann oder Frau, hatte ein
multiples Myelom, schreckliche Knochenschmerzen, nahm
Thalidomid und Decadron, was nicht wirkte, die Schmerzen wurden
schlimmer, nahm Biaxin, und die Schmerzen waren weg!'"
(KISP-"Texte"
Nr. 31)
-
Jeder,
der Aredia oder Zometa bekommt, sollte an das Osteonekrose-Problem
denken, wenn er zum Zahnarzt geht. Kein Zahnarzt wird seinen
Patienten fragen, ob ihm zufällig Bisphosphonate verabreicht
werden, bevor er ihm einen Zahn zieht. Kein Uro- oder Onkologe, der
einem Patienten ein Bisphosphonat verabreicht, wird auf absehbare
Zeit daran denken, ihn vor Zahnarztbesuchen zu warnen. Wenn Ihr
nicht selbst daran denkt und zu denen gehört, bei denen sich
diese UAW einstellt, seid Ihr verratzt.
-
Bernt
ergänzte am selben Tag:
-
Biaxin
enthält das Antibiotikum Clarithromycin. 500-mg-Tabletten sind
in Deutschland unter "Klacid forte" erhältlich.
-
Und
Dieter V. am 9.5.2005:
-
Ich
habe in der gelben Liste nachgesehen und folgende Medikamente
gefunden:
-
Präparate
(lt. Gelbe Liste)
-
Clarithromycin
-
Medikament Hersteller Packungen AVP
Klacid®
Forte 500 mg Filmtbl. (Rp) Abbott 14
Forte Filmtbl.
N1 46,30 €
Clarithromycin-1A Pharma 20
Filmtbl. 500 mg
N2 44,60 €
Clarithromycin HEXAL® 20
Filmtbl. 500 mg N2
44,67 €
Biaxin® HP 20
Filmtbl. 500 mg N2 90,41 € -
Udo
E. recherchierte weiter und schrieb, ebenfalls am 9.5.2005:
-
Sollte
man weiter Bisphosphonate nehmen?
-
Nicht
wenige Privatatienten kommen in den zweifelhaften Genuss einer
Übertherapie mit Zometa oder Aredia und ihrer möglichen
Nebenwirkungen, wenn sie sich bereits bei einem vermutlich nur mäßig
aggressiven PK (z. B. Gleason Score 6) und organbegrenztem
Stadium T2 spritzen lassen.
-
Anders
liegt der Fall z. B. ab Gleason 4+3, (d. h. nach
Partin-Tabelle nicht mehr organbegrenzt sondern Mikrometasen) und
geringer Knochendichte vor Hormonentzugstherapie.
-
Anbei
Meldungen u. a. aus dem Arznei-Telegramm zur Nebenwirkung
Osteonekrose des Kiefers. Danach soll ein Zehntel der untersuchten
Nekrosefälle von Fosamax und Actonel verursacht sein.
-
Bemerkenswertes
Zitat:
-
"Bisphosphonate
verweilen Monate bis Jahre, eventuell lebenslang im Knochen und
werden nicht verstoffwechselt. Ausbildung weiterer Nekrosen trotz
Absetzens ist beschrieben."
-
KIEFER-NEKROSEN
UNTER BISPHOSPHONATEN
-
Auszug aus arznei-telegramm 8.2.05,
www.arznei-telegramm.de
-
Nach
der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft1 warnt nun
auch das BfArM vor Knochennekrosen des Kiefers in Verbindung mit
Bisphosphonaten, vor allem Pamidronat (AREDIA) und Zoledronat
(ZOMETA).
-
Die
schwer therapierbaren Defekte treten häufig nach
zahnmedizinischen Eingriffen auf und imponieren klinisch
beispielsweise als lokale Entzündung mit freiliegendem
Kieferknochen oder Osteomyelitis [Knochenmarkentzündung
– Ed].
-
Wie
angesichts der Anwendungsgebiete von Pamidronat und Zolendronat zu
erwarten, bestehen bei vielen Betroffenen weitere Risikofaktoren wie
Krebserkrankung, Chemo- und Strahlentherapie oder Steroidgebrauch.
-
Gegen
ein zufälliges Zusammentreffen spricht jedoch die Beobachtung
von Ärzten einer New Yorker Klinik für Mund- und
Kieferchirurgie:
-
Ihnen
fällt eine Häufung von Patienten mit hartnäckigen
Knochenentzündungen und -nekrosen auf, die klinisch und
radiologisch einem Krankheitsbild nach Bestrahlung des Kiefers
gleichen.
-
Während
sie diese so genannten Osteoradionekrosen mit ein bis zwei Personen
pro Jahr weiterhin selten beobachten, dokumentieren sie nach einer
retrospektiven Auswertung innerhalb von zweieinhalb Jahren 63
Patienten, die unter Bisphosphonaten eine Knochennekrose des Kiefers
entwickelt haben, ohne dort zuvor bestrahlt worden zu sein.
-
Bei
allen wurde eine Osteolyse [Auflösung
und Abbau von Knochengewebe – Ed] bioptisch [durch
Biopsie – Ed] ausgeschlossen.
-
Ursächlich
für die Knochennekrosen könnten eine Hemmung des
physiologischen Knochenumbaus sowie antiangiogene Eigenschaften
sein.
-
Bisphosphonate
verweilen Monate bis Jahre, eventuell lebenslang im Knochen und
werden nicht verstoffwechselt. Ausbildung weiterer Nekrosen trotz
Absetzens ist beschrieben.
-
Das
BfArM empfiehlt jetzt eine zahnärztliche Untersuchung vor
Therapiebeginn. Unter der Behandlung sind zahnmedizinische Eingriffe
„auf das erforderliche Minimum” zu begrenzen. Die
Fachinformationen von Pamidronat und Zoledronat werden entsprechend
angepasst. Ein Hinweis fehlt jedoch bei Alendronat (FOSAMAX)4 und
Risedronat (ACTONEL).
-
In
der retrospektiven Auswertung der New Yorker Ärzte haben jedoch
7 der 63 Patienten wegen Osteoporose Alendronat (6) oder Risedronat
(1) eingenommen.
-
Arzneimittelkommission
der deutschen Ärzteschaft
Bisphosphonate und
Knochennekrosen
Arzneimittelschnellinformation (ASI)
BfArM,
ASI 1/05 -
Bisphosphonate
werden mit zunehmender Häufigkeit zur Behandlung der
Osteoporose verordnet. Darüber hinaus finden sie Anwendung bei
Osteolysen infolge von Knochenmetastasen solider Tumoren oder
hämatologischer Neoplasien, bei tumorinduzierter Hyperkalzämie
und beim M. Paget.
-
Im
Jahr 2003 wurde in einer US-amerikanischen Publikation erstmals der
Verdacht auf einen Zusammenhang zwischen der Anwendung von
Bisphosphonaten und Osteonekrosen des Kiefers geäußert.
-
Der
Autor berichtete von 36 Patienten, die, zumeist wegen eines
Multiplen Myeloms oder eines metastasierten Mamma-Karzinoms, mit
Bisphosphonaten behandelt wurden und Osteonekrosen des Kiefers
entwickelten. Klinisch bot sich typischerweise das Bild
schmerzhafter, nicht heilender Läsionen mit freiliegendem
Unter- oder seltener Oberkieferknochen.
-
Konservative
oder chirurgische Maßnahmen führten meist nicht zu einer
dauerhaften Sanierung oder verschlechterten den Lokalbefund weiter
(1).
-
In
der Folge berichteten Autoren aus den USA und Australien über
weitere Fälle (2, 3). Das klinische Bild ähnelte dabei
stark einer Berufserkrankung, die früher bei Arbeitern auftrat,
die in der Streichholzproduktion weißem Phosphor ausgesetzt
waren (4).
-
Hinsichtlich
der Pathogenese verweisen einige der Autoren neben der hemmenden
Wirkung auf den physiologischen Knochenumbau auf die
anti-angiogenetische Wirkung der Bisphosphonate.
-
Dem
BfArM wurden bisher 63 Verdachtsfälle von Knochennekrosen des
Kiefers unter Anwendung von Bisphosphonaten gemeldet. Alle Meldungen
stammen aus den Jahren 2004 und 2005 und wurden vermutlich durch die
genannten Publikationen und einen entsprechenden Hinweis der
Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (5) ausgelöst.
-
Kritiker
des vermuteten Kausalzusammenhangs weisen darauf hin, dass die
überwiegende Mehrheit der betroffenen Patienten an malignen
soliden Tumoren mit Knochenmetastasen oder an einem Multiplen Myelom
litten und eine Chemo-, Radio- oder Steroidtherapie erhielten. Diese
Faktoren erhöhen jedoch selbst das Risiko für die
Entwicklung von Knochennekrosen.
-
Darüber
hinaus betrafen fast alle publizierten oder dem BfArM gemeldeten
Fälle die Bisphosphonate Pamidronat (u. a. Aredia®)
und Zoledronat (Zometa®). Diese intravenös zu
applizierenden Arzneimittel werden entsprechend ihres zugelassenen
Anwendungsgebiets vornehmlich bei Tumorpatienten mit
Knochenmetastasen eingesetzt.
-
Nur
wenige Berichte betreffen Patienten, die andere Bisphosphonate
erhielten oder aufgrund einer Osteoporose behandelt wurden. In einem
großen Teil der Fälle ging dem Auftreten der
Knochennekrose ein zahnmedizinischer Eingriff, wie z. B. eine
Zahnextraktion voraus.
-
Insgesamt
ist ein kausaler Zusammenhang zwischen der Anwendung von
Bisphosphonaten und dem Auftreten von Osteonekrosen des Kiefers
nicht gesichert. Möglicherweise tritt der Effekt bevorzugt bei
Patienten auf, die durch Tumorerkrankungen oder durch Chemo-, Radio-
und Steroidtherapien eine Prädisposition [Zustand,
der eine Krankheit begünstigt – Ed] für
Osteonekrosen haben, wobei ein zahnmedizinischer Eingriff als
Auslöser fungieren kann.
-
Für
Pamidronat (u. a. Aredia®) und Zoledronat (Zometa®)
wird seit kurzem in den Fach- und Gebrauchsinformationen auf den
möglichen Zusammenhang hingewiesen. Zum jetzigen Zeitpunkt kann
jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass andere Bisphosphonate, die
vorwiegend zur oralen Therapie bei Osteoporose eingesetzt werden,
ebenfalls zu der beschriebenen unerwünschten Wirkung führen.
-
Betroffene
Patienten wenden sich häufig nicht an den das Bisphosphonat
verordnenden Arzt, sondern den Zahnarzt oder
Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgen, dem die bestehende Medikation nicht
bekannt ist.
-
Wir
bitten daher alle Ärzte und Zahnärzte um besondere
Aufmerksamkeit für die beschriebene mögliche unerwünschte
Arzneimittelwirkung.
-
Bei
Patienten, die Bisphosphonate erhalten, insbesondere wenn
zusätzliche Risikofaktoren wie Tumorerkrankungen, Chemo-,
Radio- oder Steroidtherapie bestehen, sollten zahnmedizinische
Eingriffe auf das erforderliche Minimum begrenzt werden.
Gegebenenfalls sollte vor Beginn einer Bisphosphonat-Therapie eine
zahnärztliche Untersuchung erfolgen und eine notwendige
zahnärztliche Behandlung abgeschlossen werden.
-
Literatur
-
1.
Marx, R.E., Pamidronate (Aredia) and zoledronate (Zometa) induced
avascular necrosis of the jaws: a growing epidemic. J Oral
Maxillofac Surg, 2003. 61(9): p. 1115-7.
-
2.
Migliorati, C.A., Bisphosphonates and oral cavity avascular bone
necrosis. J Clin Oncol, 2003. 21(22): p. 4253-4.
-
3.
Carter, G.D. and A.N. Goss, Bisphosphonates and avascular necrosis
of the jaws. Aust Dent J, 2003. 48(4): p. 268.
-
4.
Berthold HK, Diel IJ, Gouni-Berthold I: "Phossy Jaw"
revisited - do bisphosphonates cause "bisphossy jaws".
Drug Safety 2004; 27: 920
-
5.
AkdÄ, Osteonekrosen des Kiefers unter Bisphosphonaten.
Deutsches Ärzteblatt, 2004. 101(31-32): p. A 2203.
-
Arzneimittelkommission der deutschen
Ärzteschaft
Geschäftsführer Prof. Dr. med. H.
Berthold
Herbert-Lewin-Platz 1 (Wegelystr.)
10623
Berlin
http://www.akdae.de/20/10/961_20050210.html
- glenewinkel fragte am
20.3.2006:
-
Hallo, wer hat Erfahrungen mit der Einnahme
von Zometa und der Nebenwirkung von Kieferveränderungen? Suche
insbesondere Herrn Gerd U., der selbst im September vergangenen
Jahres an der Uniklinik Mainz (Prof. Wagner) operiert wurde. Wäre
super nett, wenn ich erfahren könnte, ob der Kiefer nun wieder
geheilt werden konnte. Wichtige Frage auch, musste deshalb die
Zometa Behandlung gestoppt werden?
-
Der angesprochene Gerd U schrieb am selben Tag:
-
Das nekrotische Gewebe ist durch die Operation
aus meinem Unterkiefer entfernt worden und ich bin jetzt frei von
Beschwerden. Allerdings hat mir ein Oberarzt der Uniklinik, Mainz in
Aussicht gestellt, dass ich in spätestens zwei Jahren mit einem
Rezidiv rechnen müsse.
-
Ich bekomme seit September vergangenen Jahres
kein Zometa mehr.
-
Außerdem berichtete Julius P.:
-
Am 07.02.2006 ist bei mir die Kiefer-Nekrose
erfolgreich operiert worden. Die Zometa-Infusionen habe ich bereits
im April 2005 abgesetzt, wobei die Wirkung von Zometa in den Knochen
noch Jahre anhalten soll, bei manchen sogar ein Leben lang, was in
unserem Fall nicht vorteilhaft ist.
-
Die OP-Fäden wurden gezogen, die
OP-Wunden sind verheilt, heute war die Endkontrolle durch Prof. Dr.
Weingart im Katharinenhospital Stuttgart. Die OP erfolgte unter
Vollnarkose, der stationäre Aufenthalt betrug fünf Tage.
Zometa werde ich nicht mehr anwenden, da die Gefahr einer weiteren
neuen Nekrose im Kiefer nicht ausgeschlossen werden kann. Medikation
war: Isocillin und Klacid forte 500 mg. Eine Nahrungs-Sonde nach der
OP war bei mir nicht nötig, denn ich konnte nach einem Tag
bereits weiche und flüssige Nahrung zu mir nehmen.
-
Die Operation sollte man nicht auf die lange
Bank schieben, sondern bald durchführen, denn die Nekrose
vergrößert sich zunehmend.
- Hansjörg schrieb am 7.2.2007:
-
Erst gestern Abend bei dem Treffen unserer Selbsthilfegruppe saß
ich einem Betroffenen gegenüber, der Zometa einnahm, während
der Zometa-Behandlung sich einen Zahn ziehen ließ, und
daraufhin eine Kiefernekrose erlitt.
-
Das scheint eine scheußliche Angelegenheit zu sein, und er
musste sich in der Uni-Klinik Mainz einer komplizierten Operation
unterziehen.
-
Das ist nun schon der zweite Fall in unserer Gruppe.
-
Als Rat:
-
Während der Zometa-Einnahme sollte eine extreme Mundhygiene
gemacht werden, so 5 x am Tag die Zähne putzen.
- Klausel schrieb am 14.8.2007 unter dem
Betreff "Bisphosphonat ein Kuckucksei? Kiefer-Osteonekrose, ein
Erfahrungsbericht":
-
1.Vorgeschichte
-
Als PCa-Betroffener, der sich mit einer HB3 und anschließender
Radiotherapie behandeln ließ, habe ich seit Januar 2001 das
(BP) Bisphosphonat Actonel zur Vermeidung einer Osteoporose für
insgesamt fünf Jahre oral eingenommen.
-
Mit Actonel wollte ich auch einen gewissen Knochenschutz bzw.
-versiegelung gegenüber Absiedelungen von Metastasen im Knochen
erreichen. Um diesen wirkungsvoller zu gestalten, habe ich mir eine
Zometa-Infusion, 2 mg geben lassen. Die Zometa-Infusionen
musste ich aber sofort aufgeben, da ich ein Herzkammerflattern
bekommen hatte. Daraufhin setzte ich auch Actonel für rund ein
Jahr ab.
-
Zu Beginn 2007 bekam ich plötzlich Zahnschmerzen mit
gleichzeitigem, intensiven Mundgeruch. Da ich die Zahnschmerzen
selbst nicht in den Griff bekam, suchte ich, ausgerüstet mit
dem BPS-Merkblatt "Osteonekrose" aus "Texten und
Aufsätzen", den Zahnarzt auf, der an Hand einer
Kiefer-Panoramaaufnahme drei eitrige Zähne im Unterkiefer
diagnostizierte.
-
Da ich befürchtete, dass die Infektionsherde der drei eitrigen
Zähne im Unterkiefer selbst eine Kiefer-Osteonekrose auslösen
könnten – dies war die Schlussfolgerung aus den beiden
nachfolgend genannten Merkblättern – mussten die eitrigen
Zähne bald gezogen werden. Ein Hinausschieben gab keinen Sinn.
-
Unter den beiden Web-Adressen findet Ihr die zwei weiteren,
ausführlicheren Merkblätter, nach deren Lektüre ein
Zahnarzt Euch nur noch mit größter Vorsicht behandeln
wird, wenn er überhaupt noch mit einer Behandlung beginnt.
-
http://www.multiplesmyelom.at/uploads/media/Merkblatt_Osteonekrose.pdf
http://www.multiplesmyelom.at/64.html -
Mein Zahnarzt, der aufgrund der Informationen der Merkblätter
meine Behandlung ablehnte, gab mir die Adressen von zwei
niedergelassenen Kieferchirurgen und wünschte mir alles Gute.
-
Was war nun zu tun?
-
Mit meinen nachstehenden Ausführungen berichte ich über
meinen Weg, der es mir ermöglichte zu erkennen, dass ich den
richtigen Kieferchirurgen gefunden hatte:
-
Am 05.01.07 hatte Michael einen Bericht über
"Bisphosphonat-assoziierte Osteonekrose der Maxilla/Oberkiefer"
ins Forum gestellt. Hiernach gehörte ich mit meinem Fall zu den
Patienten mit niedrigem Risiko, da ich eine orale BP-Therapie ohne
zusätzliche Chemo- und Kortison-Präperate gemacht hatte.
Doch nach Auskunft des mich jetzt behandelnden
Mund-Kiefer-Gesichts-(MKG-) Chirurgen im Klinikum der Universität
Regensburg sind Patienten mit oral verabreichten BP zu den
Risikopatienten zu rechnen, wenn die Einnahme länger als fünf
Jahre vor dem chirurgischem Eingriff bestand. Da meine Kieferknochen
sehr verdichtet sind, vermutlich auch, weil ich seit meiner Jugend
ein Zahnknirscher bin, wurde ich als Risikopatient eingestuft.
-
2. Maßnahmen vor der OP
-
Am 26.02.07 setzte ich wegen des anti-angiogenen Effektes der BP das
Actonel ab, um eine bessere Ausheilung der Zahnextraktionswunden zu
erreichen. Entsprechend der Empfehlung der Merkblätter war es
mein Ziel, nach dem Absetzen von Actonel den OP-Termin um vier
Monate hinauszuschieben. Verschiedentlich wird auch eine Pause von
mindestens sechs bis neun Monaten vorgeschlagen, was wohl bei einer
hoch dosierten, langjährigen Zometa-Infusion notwendig sein
dürfte.
-
Meine bestehenden Zahnschmerzen bekam ich mit einer intensiven
Mundpflege in den Griff.
-
Da ich mit dem Rücken zur Wand stand, bin ich noch einer
Empfehlung meines naturheilkundlich-orientierten Nachbarn
nachgekommen und habe morgens und abends mit einem Esslöffel
Bio Sonnenblumenöl fünf bis zehn Minuten die Mundhöhle
gespült. Ich wollte damit die bakterielle Flora im Mundraum für
den OP-Eingriff verbessern. Dies ist mir sicher auch insoweit
gelungen, als der Eiter eines Zahnes, den ich beim Zähneputzen
immer wieder schmeckte, zusammen mit dem intensiven Mundgeruch nach
rund vier Wochen verschwand. Mit der intensiven Mundpflege konnte
ich den OP-Termin für Anfang Juli planen, womit ich eine
viermonatige BP-Pause vor der OP einhalten konnte.
-
3. Kriterien für eine OP-Behandlung einer BP-assozierten
Kiefer-Osteonekrose
-
Aus dem Internet habe ich die nachstehenden Empfehlungen für
eine kieferchirugische Behandlung von Kiefer-Osteonekrosen
zusammengetragen. Sie gelten auch für die Durchführung
"kleinerer" chirurgischer Eingriffe.
-
-
● Behandlung in einer
MKG-Klinik mit der Möglichkeit, den Eingriff auch unter
Vollnarkose mit anschließender stationärer Betreuung
durchzuführen.
-
● Der chirurgische
Eingriff hat mit einer möglichst atraumatischen
Operationstechnik zu erfolgen, d. h. die Verletzungen der
Mundschleimhaut müssen so gering wie möglich gehalten
werden.
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● Gebildetes,
nekrotisches Gewebe ist vollständig und schonend zu entfernen.
Hier bestehen nach meiner Kenntnis zwei Möglichkeiten:
-
- "Abschaben"
des nekrotischen Knochengewebes bis sich frisch blutender Knochen
zeigt.
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- Vorbehandlung
des Kieferknochens mit fluoreszierendem Tetrazyklin. Unter
spezieller Beleuchtung erscheint das abgestorbene Knochengewebe
schwarz, gesunder Knochen fluoresziert. Diese Behandlung erfolgt
voraussichtlich innerhalb einer Studie ab Ende diesen Jahres.
-
● Die Eingriffswunden
sind unter spannungsfreier Mobilisierung ausreichender Weichgewebe,
mit einer sicheren Abdeckung zu verschließen, um zu
verhindern, dass parodontale Infektionen zur Infektion des Kiefers
führen.
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● Es ist für einen
ausreichenden antibiotischen Schutz zu sorgen, der am Tag vor der OP
beginnt und bis zur Entfernung der Nahtfäden (nicht vor dem
zehnten postoperativen Tag) fortgeführt werden muss.
-
● Das Operationsgebiet
ist sauber zu halten, durch eine künstliche Ernährung über
eine Nasensonde sowie durch 3-maliges Spülen der Mundhöhle
mit einer chlorhexidinhaltigen Lösung.
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4. Chirurgischer Eingriff in der MKG-Klinik der Universität
Regensburg
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4.1 MKG-Klinik in M.
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Zunächst suchte ich eine MKG-Klinik in M. auf, um mich über
den Ablauf des kieferchirurgischen Eingriffes zu informieren.
-
Der konsultierte Arzt hielt es bei mir für notwendig, allein
aufgrund der vorgelegten Kiefer-Panoramaaufnahme und meiner
dokumentierten Krankengeschichte alle Zähne im Unter- als auch
im Oberkiefer zu entfernen!! Meine zögernde Frage, ob es nicht
sinnvoll wäre, zunächst den Unterkiefer mit den eitrigen
Zähnen zu behandeln, quittierte der Arzt mit der Bemerkung,
"das müssen sie schon uns überlassen". Als ich
mich dann noch nach den Möglichkeiten der späteren
Zahnversorgung erkundigte, erhielt ich zur Antwort, dass ich froh
sein sollte, wenn ich den Kiefer nicht verliere!! Zur Bekräftigung
erzählte mir der Arzt einen Fall eines Patienten, bei dem es so
gelaufen war.
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Mein erster Gedanke nach dem Gespräch war, wie werden
Kassenpatienten behandelt, die sich vorher nicht gründlich
informiert haben? Ich hatte mich informiert. Vielleicht lag hier das
Problem des Arztes.
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Der Arzt hielt es noch nicht einmal für erforderlich, in den
Mund zu schauen und sich über meine Zahnsituation selbst ein
Bild zu machen. Da ich einen schriftlichen Behandlungsvorschlag
wollte, wurde nach dem Gespräch, wie in alten Zeiten, von jedem
Zahn ein einzelnes Röntgenbild gemacht. Eine Panorama-Aufnahme,
von der ich eine CD-Kopie haben wollte, konnte mangels einer
geeigneten Ausrüstung nicht gemacht werden.
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Aufgrund meiner vorher gesammelten Informationen wusste ich, dass
die Beratungsempfehlung eklatant dem Erfordernis einer möglichst
atraumatischen OP-Technik widersprach. Die Entfernung aller Zähne
hätte für mich zu einem erhöhten Komplikationsrisiko
geführt.
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4.2 MKG-Klinik der Universität Regensburg
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Nach meinem Desaster-Gespräch in M. suchte ich aufgrund der
Empfehlung des Zahnarztes meiner Frau die MKG-Klinik der Universität
Regensburg auf.
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Auf meine Frage nach dem zu erwartenden Behandlungsablauf
untersuchte der Leiter der MKG-Klinik meine Zähne, verglich
seinen Befund mit der vorgelegten Panoramaaufnahme und schilderte
dann Punkt für Punkt den vorstehenden, unter Ziffer 3
zusammengestellten Behandlungsablauf, wobei er diesen gleich
schriftlich festlegte.
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Mir war, als würde mir ein roter Teppich ausgerollt. Dieses
Gefühl der Erleichterung, was ich bei schwierigen
Entscheidungen schon öfter kennen gelernt hatte, gab mir
augenblicklich die Sicherheit, den richtigen Kieferchirurgen
gefunden zu haben. Was ich grundsätzlich sonst nicht tue, ich
vereinbarte bei diesem ersten Gespräch gleich meinen
verbindlichen OP-Termin für den 03.07.07.
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Ergänzen möchte ich noch, dass der Leiter der MKG-Klinik
in Regensburg ausgesprochen sympathisch ist. Er selbst ist Mitglied
einer Kommission, die zur Zeit die Empfehlungen für die
Behandlung manifester Kiefer-Osteonekrosen erarbeitet.
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Nach der Festlegung des OP-Termins wurde der Unterkiefer für
die Herstellung einer Verbandsplatte abgeformt. Mit der
Verbandsplatte sollten die Extraktionswunden weitgehend gegen den
Speichel abgedeckt werden, da der Speichel aufgrund seiner
gerinnungsauflösenden Wirkung die ungestörte Wundheilung
behindert.
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Ich hatte bei dem operativen Eingriff keinerlei Schmerzen!! Für
die Überleitung aus der Narkose in den Wachzustand erhielt ich
eine Infusionsflasche mit einem Kreislaufmittel und Novalgin gegen
Schmerzen angehängt, mit der ich nach der OP auf mein Zimmer
zurückgebracht wurde.
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Von neun möglichen Zähnen wurden mir im Unterkiefer nur
vier!! gezogen. Die verbliebenen fünf Zähne sind nicht
mehr als sehr gut zu bezeichnen. Sie reichen aber aus, um daran über
eine Teleskopverankerung eine Teilprothese zu befestigen, die nicht
auf der operierten Mundschleimhaut aufliegt!!
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Die Verbandsplatte kam bei mir nicht zum Einsatz, vermutlich weil
ein Zahn weniger entfernt wurde als beim Erstgespräch
angenommen wurde. Ich hatte natürlich diese Entscheidung dem
Operateur überlassen. Mein Wunsch war nur, im vertretbaren
Rahmen den Eingriff möglichst atraumatisch durchzuführen.
Wie bei der nerverhaltenden OP-Technik können auch hier
zurück-bleibende Entzündungsherde eine
Kiefer-Osteonekrosen wieder auslösen.
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Am Tag der OP und den beiden darauf folgenden Tagen legte man mir
eine Kühlmaske an, die ich auch nachts im Gesicht trug, um die
Schwellung des OP-Gebietes klein zu halten.
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Mit Erfolg.
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Für den antibiotischen Schutz erhielt ich am Abend vor der OP 1
Tab. Amoxicillin 500 mg+Clavulansäure 125 mg,
zusätzlich 1 Tab. Tranxilium und ab dem OP-Tag bis zur
Entlassung aus der Klinik 3x tägl. 1 Infusion mit Augmentan
i.v. 2,2 g.
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Als künstliche Ernährung bekam ich täglich 3 x 500 ml
Fresubin, isokalorische, ballaststoffreiche Standard-Sondennahrung
der Fa. Fresenius Kabi. (Zuckergehalt: 1 g auf 100 ml)
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Am 01.08.07 wurden die Fäden gezogen. Es war alles "wunderbar"
verheilt. Meine Sprechfunktion hat etwas gelitten. Meine Kaufunktion
ist gestört bis zum Einsetzen der neuen Teilprothese. Bis dahin
muss mein Essen breiartig zerkleinert werden.
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Bei meinem zweiten Kontolltermin, vier Wochen nach der OP, habe ich
grünes Licht für die Anfertigung meiner Teilprothese
bekommen. Wenn nach der Empfehlung des Arztes in M. alle Zähne
gezogen worden wären, hätte es zwei bis drei Monate
gebraucht, bis die Mundschleimhaut mit einer Totalprothese hätte
belastet werden können!!
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5. Ausblick
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Ich bin mir natürlich darüber im klaren, dass die gut
gelungene OP erst ein wichtiger Etappensieg ist.
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Mit großer Erwartung schaue ich jetzt auf den dritten
Kontrolltermin am 14.11.07, bei dem überprüft wird, ob die
nach der Zahnextraktion entstandenen Alveolen sich langsam wieder
mit einer Knochenmatrix auffüllen, wie es bei gesunden
Kieferknochen der Fall ist. Bei einer ausbleibenden oder
verminderten Neoangiogenese kommt es zu einer Störung der
ordnungsgemäßen Neubildung der Knochen-Mikrostruktur.
Implantate lassen sich dann im Knochen nicht mehr fest verankern.
Grundsätzlich wird heute davon ausgegangen, dass nach einer
längeren intravenös verabreichten BP-Therapie eine
Implantatversorgung kontraindiziert ist.
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Ich werde bis auf weiteres kein Actonel mehr nehmen, sondern nur
noch täglich Kalk, 1200 mg plus Vitamin D3, 1000 I.E. Da ich
beim Absetzen des Actonels die Knochendichte bestimmen ließ,
werde ich dies nach einem Jahr BP-Pause wiederholen und entscheiden,
wie es weiter geht.
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Da in der Mundhöhle ein erhöhtes Risiko für
bakterielle Infektionen und Pilzinfekte besteht, werde ich jetzt die
Mundhygiene intensivieren und vorerst alle sechs Monate zur
zahnärztlichen Kontrolle gehen. Die täglichen Spülungen
der Mundhöhle mit einer Chlorhexidin-Lösung vertrage ich
nicht so gut, statt-dessen spüle ich wieder mit
Bio-Sonnenblumenöl.
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Bei der noch bevorstehenden Parodontitis-Behandlung muss wieder auf
einen antibiotischen Schutz (Amoxicillin 500 mg + Clavulansäure
125 mg) geachtet werden, um nicht wiederum ein erhöhtes
Risiko für eine Kiefer-Osteonekrosen zu bekommen. Dies gilt
generell für alle zahnärztlichen Behandlungen, bei denen
die Mundschleimhaut verletzt werden kann.
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Ich bin aufgrund des guten OP-Verlaufes sehr zuversichtlich, dass
sich bei mir innerhalb von sechs Monaten nach der OP keine
Kiefer-Osteonekrose mehr bildet, so wie es verschiedentlich
beobachtet wurde.
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Ich habe mir noch die Frage gestellt, warum es bei mir gleichzeitig
zu drei eitrigen Zähnen an verschiedenen Stellen gekommen ist.
Es kann davon ausgegangen werden, dass die BP mit ihrer
anti-angiogenen Wirkung in der Mundschleimhaut Entzündungsprozesse
in der Mundhöhle unterstützen. Während meiner
fünfjährigen BP-Therapie habe ich des öfteren
Zahnfleisch-Entzündungen gehabt. Diese häufigen
Entzündungen während der BP-Therapie können zu
Keimeintrittspforten für infektiöse Erreger geworden sein,
die zu den drei eitrigen Zähnen führten.
-
Hieraus folgt für eine langzeitige BP-Therapie die
Notwendigkeit einer regelmäßigen zahnärztlichen
Kontrolle in kürzeren Abständen, um akute
Krankheitsprozesse rechtzeitig zu erkennen. Dies gilt umso mehr,
wenn es sich um intravenös verabreichtes, höher dosiertes
BP handelt und gleichzeitig, wie bei der PCa-Erkrankung häufig,
die Immunabwehr durch eine Chemo- und Kortison-Therapie weiter
geschwächt wurde.
- Briele fragte am 28.10.2007:
-
Mein Mann hatte 2005 ein Rezidiv, nach der
fünfwöchigen Bestrahlung war der PSA-Wert auf 19 ng/ml
gestiegen, Knochenmetastasen wurden leider erst danach festgestellt.
Seither hat er folgende Therapie: alle drei Monate
Trenantone-Spritze, täglich Casodex 50 mg, alle sechs
Wochen eine Zometainfusion.
-
Es geht ihm – trotz einiger
Nebenkriegsschauplätze – (Bandscheibenvorfall, kaputte
Knie, etc., ) gut. Nieren und Leberwerte sind in Ordnung.
-
Seit Beginn der Therapie ist seine große
Sorge eine Kiefernekrose. Er ist sehr genau bei der Zahnhygiene,
auch oft bei seinem Zahnarzt für zusätzliche
Zahnreinigungen mit Vector. Dem Zahnarzt war dieses Thema neu. Auch
in der Ambulanz des UKE (Universitätsskrankenhaus) war die
Ärztin uninformiert.
-
Wir beziehen unsere Kenntnisse aus dem
Internet, und bei meinem Mann verhärtet sich der Eindruck, dass
die Gefahr einer Kiefernekrose bei Zometa nunmehr höher
eingeschätzt wird als vor ein bis zwei Jahren.
-
Hat jemand von Euch wegen eventueller
Kiefernekrose von Zometa auf Bondronat gewechselt?
-
Günter antwortete am selben Tag:
-
Ich habe selber keine Erfahrungen
mit Bisphosphonaten. Über beobachtete, unterschiedliche
Kieferknochenschädigungen durch bestimmete Bisphosphonate hat
das Universitätsklinikum Bonn, Medizinische Klinik und
Poliklinik I, Direktor: Prof. Dr. T. Sauerbruch
http://www.meb.uni-bonn.de/innere-medizin
ein Merkblatt für Patienten herausgegeben:
-
"Kieferknochenschädigung (Osteonekrose) unter Therapie mit
Bisphosphonaten".
-
Solltest Du die Bonner Info noch nicht gelesen haben, dann bitte
siehe weiter unten eine Passage aus dem Merkblatt.
-
Passage aus dem Merkblatt
-
„Eine wesentliche Ursache
für das Auftreten von Kiefernekrosen besteht zum einen
vermutlich darin, dass Bisphosphonate die Wirkung der Osteoklasten
(Zellen für den Knochenabbau) hemmen. Osteoklasten bewirken
einen regelmäßigen Knochenabbau alten Knochens, was
wiederum die Knochenneubildung durch Osteobalsten stimuliert.
Dadurch tragen sie effektiv zu Vorgängen des Knochenumbaus und
der Knochenerneuerung bei. Bisphosphonate verfügen außerdem
über einen antangiogenetischen Effekt. Dies bedeutet, dass die
Neubildung von Blutgefäßen durch diese Substanzen gehemmt
wird. Hierdurch kann es insbesondere in stark beanspruchten Knochen
wie z. B. den Kieferknochen zu einer mangelhaften Durchblutung
kommen, was wiederum zu Nekrosen, also Knochenzerstörungen
führen kann.
-
Ein besonders gehäuftes Auftreten dieser Nebenwirkung wurde bei
dem Präparat Zoledronat (Zometa®) beobachtet,
unter Pamidronat (Aredia®) traten ebenfalls des
öfteren Kiefernekrosen auf, jedoch seltener als bei Zoledronat.
Unter Ibandronat- (Bondronat®-) Therapie waren
Kiefer-Osteonekrosen als Komplikation bisher selten zu finden, und
bei Patienten, die Clodronat (Ostac®) erhielten,
wurden bisher keine Kiefer-Osteonekrosen beobachtet.
-
Außerdem möchten wir noch darauf hinweisen, dass andere
Medikamente, die Sie möglicherweise ebenfalls im Rahmen Ihrer
Therapie einnehmen, ähnliche Effekte auf die Knochenstabilität
haben wie Bisphosphonate und daher die gleichzeitige Einnahme dieser
Medikamente mit Bisphosphonaten die Entstehung von
Kiefer-Osteonekrosen begünstigen kann. Daher sollte die
Einnahme von Medikamenten mit hemmender Wirkung auf Osteoklasten
oder auf die Neubildung von Blutgefäßen nach Möglichkeit
vermieden werden.
-
PD Dr. A. Glasmacher
Dr. K. Orlopp
Medizinische Klinik
I
Universitätsklinikum Bonn“
- Jürg berichtete am 25.6.2008:
-
Meine Onkologin macht Gedanken über die Möglichkeit, dass
Zometa eine Kieferknochennekrose auslösen könnte. Sie
schlug mir deshalb vor einigen Monaten vor, Zometainfusionen nur
noch alle zwei Monate statt monatlich durchzuführen. Ich
akzeptierte das, ohne von der Lösung begeistert zu sein.
-
Bei der letzten Kontrolle mit MRI Mitte Mai zeigte sich, dass sich
zwei neue, etwa reiskorngrosse Knochenmetastasen entwickelt hatten
(falls sie nicht schon länger da waren und mit den soeben
ersetzten Geräten meiner Klinik nur nicht entdeckt wurden!). So
oder so stellte mir meine Onkologin die Frage nach dem „wie
weiter“, und ich entschied mich ohne Bedenken für die
Wiederaufnahme der monatlichen Infusionen. Gezählt habe ich sie
übrigens nicht, aber es dürften um die 30 sein.
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Dann aber führte ich ein Gespräch mit meiner Zahnärztin
und stellte mit Vergnügen fest, dass diese über das
Problem der Kieferknochennekrose bestens im Bild war. Nach ihren
Informationen und Erfahrungen entsteht sie immer nur ausgehend von
einer Entzündung. Sie behandelt daher Patienten und
Patientinnen, die unter Zometa stehen, und sich zum Beispiel einen
Zahn ziehen lassen müssen, grundsätzlich mit Antibiotika
und überwacht den Heilungsprozess engmaschig. Wir haben
vereinbart, künftig meine Zähne (sie sind in gutem
Zustand) halbjährlich zu kontrollieren, wobei Kronen und
Stiftzähne besonders überwacht werden, da sich dort
unvermerkt Entzündungen entwickeln könnten. Bei
Zahnfleischentzündungen müsste ich mich so rasch wie
möglich bei ihr melden, um eine Therapie einleiten zu können.
-