Der Extrakt aus dem
Prostatakrebs-Forum
von KISP
und BPS
Nebenwirkungen
– Osteonekrose
- [Die
Osteonekrose (Knochenzerstörung) ist eine ganz üble
potenzielle Nebenwirkung, die – im Zusammenhang mit
Prostatakrebs – bei Patienten auftreten kann
(nicht
muss),
die wegen Knochenmetastasen, Osteoporose oder prophylaktisch mit
Bisphosphonaten (namentlich Aredia®, Zometa®,
Fosamax®
und
Actonel®)
behandelt werden. Bei solchen Patienten sind anlässlich von
Zahn- und Kieferbehandlungen nicht heilende Extraktionswunden oder
freiliegende Kieferknochen eingetreten, die kaum zu behandeln waren
(der nachstehenden Hinweis zu Biaxin® ist
die einzige bisher bekannt gewordene Behandlungsmöglichkeit.
Der entsprechende Wirkstoff ist Clarithromycin).
-
Das
untenstehende Bild seiner eigenen Kiefernekrose stellte mir ein
Betroffener freundlicherweise zwecks Anschauung zur Verfügung.
Die
Inzidenz dieser Nebenwirkung ist allerdings glücklicherweise
sehr niedrig, sie liegt nach bisherigem Wissen im Promille-Bereich.
Dies ist natürlich kein Trost für diejenigen, die davon
betroffen sind. -

Zur
Osteonekrose bzw. Kiefernekrose gab es Berichte z. B. im
"BPS-Magazin",
1/2005, "Medical
Journal of America" und in "USA
Today". -
Es
wurden eine Reihe von Bisphosphonaten entwickelt, die in ihrer
angestrebten knochenschützenden Wirkung unterschiedlich potent
sind und bei denen das Risiko, eine Kiefernekrose zu entwickeln,
unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Die nachstehende Tabelle
(nach Piesold JU, Al-Nawas B, Grötz KA: Osteonecrosis of the
jaws by long term therapy with bisphosphonates. Mund Kiefer
Gesichtschir 2006; 10: 287, wiedergegeben in Knut A. Groetz,
"Kiefernekrose unter Bisphosphonattherapie – eine
Standortbestimmung", Expertenworkshop „Supportivtherapie
in der Onkologie“, Rottach-Egern, 12. - 14.01.2007) gibt
darüber Aufschluss:
-

-
Aredia®
und Zometa®
bringen demnach das höchste Risiko mit sich, dass der Patient
nach längerer Behandlung eine Kiefernekrose entwickelt.
-
Es
ist deshalb dringend angeraten, vor Beginn einer Behandlung mit
einem dieser Präparate eine gründliche Zahnsanierung
vornehmen zu lassen!
-
Ähnlich
der "Interdisziplinären Leitlinie der Qualität S3 zur
Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien
des Prostatakarzinoms" gibt es die Leitlinie
"Bisphosphonat-assoziierte Kiefernekrose (BP-ONJ) und andere
Medikamenten-assoziierte Kiefernekrosen". Sie kann als
PDF-Datei hier
heruntergeladen
werden.
-
Einige
Kliniken haben sich auf das Behandeln von Patienten mit
Bisphosphonat-assoziierter Kiefernekrose spezialisiert bzw. haben
bereits viele derartige Patienten behandelt und damit entsprechende
Erfahrung gesammelt. Hier
können Sie eine ständig ergänzte Liste solcher
Kliniken herunterladen (PDF-Format). Sie können auch per E-Mail
weitere, bisher nicht aufgeführte Kliniken melden.
-
– Ed]
-
Guy
schrieb am 25.10.2004:
-
Hierbei
ein Artikel über eventuell auftretende Nebenwirkungen von
Bisphosphonaten, die jeder kennen sollte (vor allem Zahnärzte),
deshalb stelle ich den folgenden Artikel ins Forum.
-
http://www.akdae.de/20/20/20040802.html
-
Osteonekrosen
des Kiefers unter Bisphosphonaten (UAW-News - International)
-
Bisphosphonate
werden zunehmend eingesetzt zur Therapie der Osteoporose, bei
osteolytischen Knochenmetastasen von soliden Tumoren bzw. Osteolysen
bei multiplen Myelomen oder bei Hyperkalzämie im Rahmen
maligner Erkrankungen. In einer New Yorker Klinik für Mund- und
Kieferchirurgie fiel jetzt eine Gruppe von Patienten mit
nekrotischen Läsionen des Kiefers auf, denen eine klinische
Eigenschaft gemeinsam war: sie hatten alle eine Dauertherapie mit
den auch in Deutschland zugelassenen Bisphosphonaten Pamidronat,
Zoledronat oder Alendronat erhalten.
-
Deutsches
Ärzteblatt, Jg. 101, Heft 31-32, 02.08.2004
-
Osteonekrosen
des Kiefers unter Bisphosphonaten
-
Die
AkdÄ möchte Sie im Folgenden über Publikationen und
Meldungen aus dem internationalen Raum informieren und hofft, Ihnen
damit nützliche Hinweise auch für den Praxisalltag geben
zu können.
-
Bisphosphonate
werden zunehmend eingesetzt zur Therapie der Osteoporose, bei
osteolytischen Knochenmetastasen von soliden Tumoren bzw. Osteolysen
bei multiplen Myelomen oder bei Hyperkalzämie im Rahmen
maligner Erkrankungen. In einer New Yorker Klinik für Mund- und
Kieferchirurgie fiel jetzt eine Gruppe von Patienten mit
nekrotischen Läsionen des Kiefers auf, denen eine klinische
Eigenschaft gemeinsam war: sie hatten alle eine Dauertherapie mit
den auch in Deutschland zugelassenen Bisphosphonaten Pamidronat
(Aredia®), Zoledronat (Zometa®) oder Alendronat (Fosamax®)
erhalten (1; 2). Eine retrospektive Analyse aller Patienten zwischen
Februar 2001 und November 2003 mit refraktärer Osteomyelitis
und anamnestisch einer Therapie mit Bisphosphonaten ergab 63
Patienten mit einer solchen Vorgeschichte. Von den 63 Patienten
hatten 56 eine intravenöse Therapie für mindestens ein
Jahr erhalten, und sieben Patienten erhielten eine orale
Langzeittherapie. Die Grunderkrankungen waren in 44 Prozent multiple
Myelome, 32 Prozent Mammakarzinome, 13 Prozent Osteoporose, 5
Prozent Prostatakarzinome und 6 Prozent andere Erkrankungen. Die
Läsionen waren typischerweise nicht heilende Extraktionswunden
oder ein freiliegender Kieferknochen,jeweils refraktär
gegenüber konservativem Debridement oder antibiotischer
Therapie. Eine australische (3) und eine amerikanische Publikation
(4) hatten im Jahre 2003 erstmals (Letter) auf die Problematik
hingewiesen.
-
Osteonekrosen
des Kiefers (avaskuläre Nekrosen) sind gekennzeichnet durch
Verlust oder Zerstörung des Knochens unter den Zähnen. Die
Biopsien ergaben keinen Hinweis auf Metastasen beziehungsweise
Osteolysen, wie man es bei den entsprechenden Grundkrankheiten
differenzialdiagnostisch annehmen könnte. Klinisch imponierten
die Nekrosen wie dentale Abszesse, "Zahnschmerzen" oder
wunde Stellen im Bereich des Zahnfleisches. Zahnextraktionen stehen
häufig am Beginn der Episoden dieser nichtheilenden Nekrosen.
Der Kausalzusammenhang der Osteonekrosen des Kiefers mit
Bisphosphonaten ist nicht gesichert. Andere Faktoren, wie
Begleittherapien (Chemotherapie, Radiatio, Corticosteroide) oder
patientenseitige Faktoren (Anämie, Infektionen, vorbestehende
kieferchirurgische Erkrankungen) können eine Rolle spielen.
-
Die
amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat bereits für
Pamidronsäure (Aredia®) und Zoledronsäure (Zometa®)
diese bislang unbekannte unerwünschte Arzneimittelwirkung (UAW)
in die Gebrauchsinformationen aufnehmen lassen. Die Autoren der New
Yorker Studie weisen darauf hin, dass Ärzte angesichts der
steigenden Verordnungen von Bisphosphonaten verstärkt auf
derartige UAW achten sollten. Ein Problem dabei scheint zu sein,
dass sich betroffene Patienten möglicherweise nicht an den die
Bisphosphonate verordnenden Arzt, sondern an den Zahnarzt
beziehungsweise Kieferchirurgen wenden und die unerwünschten
Arzneimittelwirkungen auf diese Weise nicht als solche erkannt
werden. Zahnärzte bzw. Kieferchirurgen sind deshalb besonders
zur Aufmerksamkeit gegenüber diesen UAW aufgefordert.
-
Bitte
teilen Sie der AkdÄ alle beobachteten Nebenwirkungen (auch
Verdachtsfälle) mit. Sie können dafür den in
regelmäßigen Abständen im Deutschen Ärzteblatt
auf de vorletzten Umschlagseite abgedruckten Berichtsbogen verwenden
oder diesen unter der AkdÄ-Internetpräsenz www.akdae.de
abrufen.
-
Literatur
-
1.
Ruggiero SL, Mehrotra B, Rosenberg TJ, Engroff SL: Osteonecrosis of
the jawsassociated with the use of bisphosphonates: a review of 63
cases. J Oral MaxillofacSurg 2004; 62: 527-534.
-
2.
Schwartz HC: Osteonecrosis and bisphosphonates: correlation versus
causation. J Oral Maxillofac Surg 2004; 62: 763-764.
-
3.
Carter GD, Goss AN: Bisphosphonates and avascular necrosis of the
jaws. Aust Dent J 2003; 48: 268.
-
4.
Marx RE: Pamidronate (Aredia) and zoledronate (Zometa) induced
avascularnecrosis of the jaws: a growing epidemic. J Oral Maxillofac
Surg 2003; 61: 1115-1117.
-
Arzneimittelkommission
der deutschen Ärzteschaft
Geschäftsführer Prof.
Dr. med. H. Berthold
Herbert-Lewin-Platz 1 (Wegelystr.)
10623
Berlin
Postfach 12 08 64
10598 Berlin
Tel.: +49
30-400456-500
Fax: +49 30-400456-555
E-Mail: info@akdaede
- Ralf
schrieb am 7.5.2005:
-
In
der neuesten Ausgabe des BPS-Magazins (Heft 1/2005, Eurer SHG-Leiter
sollte es für Euch haben) ist unter dem Titel OSTEONEKROSEN DES
KIEFERS UNTER THERAPIE MIT BISPHOSPHONATEN ein Artikel
zu einem Problem erschienen, das anscheinend noch wenig
Aufmerksamkeit erregt hat, aber jeden betrifft, dem ein
Bisphosphonat wie Aredia oder Zometa verabreicht wird. Es wurde
bereits im Forum darüber berichtet (Forumextrakt =>
Medikamente => Bisphosphonate).
-
Heute
bekam ich eine Anfrage von einer Patientin, der seit Jahren
regelmäßig Aredia verabreicht wird, die sich kürzlich
einer Zahnbehandlung unterziehen musste und bei der sich prompt dies
beschönigend als "unerwünschte Arzneimittelwirkung"
(UAW) bezeichnete Phänomen einstellte.
-
Der
Artikel im BPS-Magazin gibt leider keinerlei Ratschlag, was getan
werden kann, wenn der Schaden erst einmal eingetreten ist. Ich
entsann mich, dass ich auf der Seite von Drs. Leibowitz und Tucker
(ich nenne sie hier, auch wenn die Namen für den einen oder den
anderen von Euch ein rotes Tuch sind) einen Artikel hierzu gesehen
hatte, der bisher noch unübersetzt ist (er stammt vom Februar
2004). Ich habe für die Antwort an die Patientin zwei Aussagen
aus dem Artikel herausgezogen und kurz übersetzt, hier sind
sie:
-
1.
We strongly recommend that any of our patients who are being treated
with Aredia or Zometa not allow any dental extraction without
discussing it with us. Our usual recommendation is to have a root
canal procedure done, and then just let the tooth fall out
naturally. If one of our patients develops osteonecrosis, we almost
always have to recommend temporarily or permanently discontinuing
their Aredia or Zometa.
Wir empfehlen nachdrücklich, dass
keiner unserer Patienten, die mit Aredia oder Zometa behandelt
werden, einer Zahnextraktion zustimmt, ohne zuvor mit uns darüber
gesprochen zu haben. Gewöhnlich empfehlen wir, eine
Zahnwurzelkanalbehandlung durchführen zu lassen und dann den
Zahn auf natürlichem Wege herausfallen zu lassen. Wenn einer
unserer Patienten eine Osteonekrose entwickelt, müssen wir fast
immer empfehlen, Aredia oder Zometa zeitweilig oder dauerhaft
abzusetzen. -
2.
In February 2004, Dr. Berenson told us that anecdotally he has found
that some patients respond to Biaxin XL 500, one twice a day
for 14 days. We are trying this approach with or without other
antibiotics.
Im Februar 2004 erzählte Dr. Berenson uns, dass
er festgestellt hat, dass einige Patienten auf Biaxin XL 500
ansprechen, zweimal täglich eine Tablette, 14 Tage lang. Wir
probieren das jetzt mit oder ohne andere Antibiotika aus. -
Ich
schrieb dann weiter an diese Patientin:
-
"Dieser
Artikel ist jetzt über ein Jahr alt und wurde bisher nicht
aktualisiert. Da mich die Sache jetzt auch interessiert (ich
fürchte, ich werde in Zukunft weitere Anfragen zu diesem
Problem bekommen), werde ich Dr. Tucker anschreiben (ich war im März
bei ihm in LA) und ihn fragen, ob es neuere Erkenntnisse gibt. Ich
kann natürlich nicht garantieren, dass er antworten wird, da er
und Dr. Leibowitz vielbeschäftigte Männer sind.
-
Vielleicht
sollten Sie und Ihr Zahnarzt oder der Arzt, von dem Sie das Aredia
erhalten, dem Hinweis mit dem Biaxin XL 500 nachgehen. Ich habe dazu
gegoogelt, und es scheint, dass dies in Deutschland nicht im Handel
ist, nur Tabletten mit 250 mg. Davon müssten dann wohl zweimal
täglich zwei genommen werden.
-
In
einem Vortrag, den Dr. Leibowitz einmal vor einer
PK-Selbsthilfegruppe in Kalifornien hielt, sagte er über Biaxin
folgendes:
-
'Irgendwann
einmal hatte jemand eine sehr schlimme Infektion der oberen
Atemwege, und der Arzt behandelte ihn mit Biaxin, einem
Antibiotikum, zweimal täglich. Und dieser Patient, ich weiß
nicht, ob Mann oder Frau, hatte ein multiples Myelom, schreckliche
Knochenschmerzen, nahm Thalidomid und Decadron™
[=
Dexamethason – Ed],
was nicht wirkte, die Schmerzen wurden schlimmer, er nahm Biaxin,
und die Schmerzen waren weg!'"
-
Jeder,
der Aredia oder Zometa bekommt, sollte an das Osteonekrose-Problem
denken, wenn er zum Zahnarzt geht. Kein Zahnarzt wird seinen
Patienten fragen, ob ihm zufällig Bisphosphonate verabreicht
werden, bevor er ihm einen Zahn zieht. Kein Uro- oder Onkologe, der
einem Patienten ein Bisphosphonat verabreicht, wird auf absehbare
Zeit daran denken, ihn vor Zahnarztbesuchen zu warnen. Wenn Ihr
nicht selbst daran denkt und zu denen gehört, bei denen sich
diese UAW einstellt, seid Ihr verratzt.
-
Bernt
ergänzte am selben Tag:
-
Biaxin
enthält das Antibiotikum Clarithromycin. 500-mg-Tabletten sind
in Deutschland unter "Klacid forte" erhältlich.
-
Und
Dieter V. am 9.5.2005:
-
Ich
habe in der gelben Liste nachgesehen und folgende Medikamente
gefunden:
-
Präparate
(lt. Gelbe Liste)
-
Clarithromycin
-
Medikament Hersteller Packungen AVP
Klacid®
Forte 500 mg Filmtbl. (Rp) Abbott 14
Forte Filmtbl.
N1 46,30 €
Clarithromycin-1A Pharma 20
Filmtbl. 500 mg
N2 44,60 €
Clarithromycin HEXAL® 20
Filmtbl. 500 mg N2
44,67 €
Biaxin® HP 20
Filmtbl. 500 mg N2 90,41 € -
Udo
E. recherchierte weiter und schrieb, ebenfalls am 9.5.2005:
-
Sollte
man weiter Bisphosphonate nehmen?
-
Nicht
wenige Privatatienten kommen in den zweifelhaften Genuss einer
Übertherapie mit Zometa oder Aredia und ihrer möglichen
Nebenwirkungen, wenn sie sich bereits bei einem vermutlich nur mäßig
aggressiven PK (z. B. Gleason Score 6) und organbegrenztem
Stadium T2 spritzen lassen.
-
Anders
liegt der Fall z. B. ab Gleason 4+3, (d. h. nach
Partin-Tabelle nicht mehr organbegrenzt sondern Mikrometasen) und
geringer Knochendichte vor Hormonentzugstherapie.
-
Anbei
Meldungen u. a. aus dem Arznei-Telegramm zur Nebenwirkung
Osteonekrose des Kiefers. Danach soll ein Zehntel der untersuchten
Nekrosefälle von Fosamax und Actonel verursacht sein.
-
Bemerkenswertes
Zitat:
-
"Bisphosphonate
verweilen Monate bis Jahre, eventuell lebenslang im Knochen und
werden nicht verstoffwechselt. Ausbildung weiterer Nekrosen trotz
Absetzens ist beschrieben."
-
KIEFER-NEKROSEN
UNTER BISPHOSPHONATEN
-
Auszug
aus arznei-telegramm 8.2.05, www.arznei-telegramm.de
-
Nach
der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft1 warnt nun
auch das BfArM vor Knochennekrosen des Kiefers in Verbindung mit
Bisphosphonaten, vor allem Pamidronat (AREDIA) und Zoledronat
(ZOMETA).
-
Die
schwer therapierbaren Defekte treten häufig nach
zahnmedizinischen Eingriffen auf und imponieren klinisch
beispielsweise als lokale Entzündung mit freiliegendem
Kieferknochen oder Osteomyelitis [Knochenmarkentzündung
– Ed].
-
Wie
angesichts der Anwendungsgebiete von Pamidronat und Zolendronat zu
erwarten, bestehen bei vielen Betroffenen weitere Risikofaktoren wie
Krebserkrankung, Chemo- und Strahlentherapie oder Steroidgebrauch.
-
Gegen
ein zufälliges Zusammentreffen spricht jedoch die Beobachtung
von Ärzten einer New Yorker Klinik für Mund- und
Kieferchirurgie:
-
Ihnen
fällt eine Häufung von Patienten mit hartnäckigen
Knochenentzündungen und -nekrosen auf, die klinisch und
radiologisch einem Krankheitsbild nach Bestrahlung des Kiefers
gleichen.
-
Während
sie diese so genannten Osteoradionekrosen mit ein bis zwei Personen
pro Jahr weiterhin selten beobachten, dokumentieren sie nach einer
retrospektiven Auswertung innerhalb von zweieinhalb Jahren 63
Patienten, die unter Bisphosphonaten eine Knochennekrose des Kiefers
entwickelt haben, ohne dort zuvor bestrahlt worden zu sein.
-
Bei
allen wurde eine Osteolyse [Auflösung
und Abbau von Knochengewebe – Ed] bioptisch [durch
Biopsie – Ed] ausgeschlossen.
-
Ursächlich
für die Knochennekrosen könnten eine Hemmung des
physiologischen Knochenumbaus sowie antiangiogene Eigenschaften
sein.
-
Bisphosphonate
verweilen Monate bis Jahre, eventuell lebenslang im Knochen und
werden nicht verstoffwechselt. Ausbildung weiterer Nekrosen trotz
Absetzens ist beschrieben.
-
Das
BfArM empfiehlt jetzt eine zahnärztliche Untersuchung vor
Therapiebeginn. Unter der Behandlung sind zahnmedizinische Eingriffe
„auf das erforderliche Minimum” zu begrenzen. Die
Fachinformationen von Pamidronat und Zoledronat werden entsprechend
angepasst. Ein Hinweis fehlt jedoch bei Alendronat (FOSAMAX)4 und
Risedronat (ACTONEL).
-
In
der retrospektiven Auswertung der New Yorker Ärzte haben jedoch
7 der 63 Patienten wegen Osteoporose Alendronat (6) oder Risedronat
(1) eingenommen.
-
Arzneimittelkommission
der deutschen Ärzteschaft
Bisphosphonate und
Knochennekrosen
Arzneimittelschnellinformation (ASI)
BfArM,
ASI 1/05 -
Bisphosphonate
werden mit zunehmender Häufigkeit zur Behandlung der
Osteoporose verordnet. Darüber hinaus finden sie Anwendung bei
Osteolysen infolge von Knochenmetastasen solider Tumoren oder
hämatologischer Neoplasien, bei tumorinduzierter Hyperkalzämie
und beim M. Paget.
-
Im
Jahr 2003 wurde in einer US-amerikanischen Publikation erstmals der
Verdacht auf einen Zusammenhang zwischen der Anwendung von
Bisphosphonaten und Osteonekrosen des Kiefers geäußert.
-
Der
Autor berichtete von 36 Patienten, die, zumeist wegen eines
Multiplen Myeloms oder eines metastasierten Mamma-Karzinoms, mit
Bisphosphonaten behandelt wurden und Osteonekrosen des Kiefers
entwickelten. Klinisch bot sich typischerweise das Bild
schmerzhafter, nicht heilender Läsionen mit freiliegendem
Unter- oder seltener Oberkieferknochen.
-
Konservative
oder chirurgische Maßnahmen führten meist nicht zu einer
dauerhaften Sanierung oder verschlechterten den Lokalbefund weiter
(1).
-
In
der Folge berichteten Autoren aus den USA und Australien über
weitere Fälle (2, 3). Das klinische Bild ähnelte dabei
stark einer Berufserkrankung, die früher bei Arbeitern auftrat,
die in der Streichholzproduktion weißem Phosphor ausgesetzt
waren (4).
-
Hinsichtlich
der Pathogenese verweisen einige der Autoren neben der hemmenden
Wirkung auf den physiologischen Knochenumbau auf die
anti-angiogenetische Wirkung der Bisphosphonate.
-
Dem
BfArM wurden bisher 63 Verdachtsfälle von Knochennekrosen des
Kiefers unter Anwendung von Bisphosphonaten gemeldet. Alle Meldungen
stammen aus den Jahren 2004 und 2005 und wurden vermutlich durch die
genannten Publikationen und einen entsprechenden Hinweis der
Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (5) ausgelöst.
-
Kritiker
des vermuteten Kausalzusammenhangs weisen darauf hin, dass die
überwiegende Mehrheit der betroffenen Patienten an malignen
soliden Tumoren mit Knochenmetastasen oder an einem Multiplen Myelom
litten und eine Chemo-, Radio- oder Steroidtherapie erhielten. Diese
Faktoren erhöhen jedoch selbst das Risiko für die
Entwicklung von Knochennekrosen.
-
Darüber
hinaus betrafen fast alle publizierten oder dem BfArM gemeldeten
Fälle die Bisphosphonate Pamidronat (u. a. Aredia®)
und Zoledronat (Zometa®). Diese intravenös zu
applizierenden Arzneimittel werden entsprechend ihres zugelassenen
Anwendungsgebiets vornehmlich bei Tumorpatienten mit
Knochenmetastasen eingesetzt.
-
Nur
wenige Berichte betreffen Patienten, die andere Bisphosphonate
erhielten oder aufgrund einer Osteoporose behandelt wurden. In einem
großen Teil der Fälle ging dem Auftreten der
Knochennekrose ein zahnmedizinischer Eingriff, wie z. B. eine
Zahnextraktion voraus.
-
Insgesamt
ist ein kausaler Zusammenhang zwischen der Anwendung von
Bisphosphonaten und dem Auftreten von Osteonekrosen des Kiefers
nicht gesichert. Möglicherweise tritt der Effekt bevorzugt bei
Patienten auf, die durch Tumorerkrankungen oder durch Chemo-, Radio-
und Steroidtherapien eine Prädisposition [Zustand,
der eine Krankheit begünstigt – Ed] für
Osteonekrosen haben, wobei ein zahnmedizinischer Eingriff als
Auslöser fungieren kann.
-
Für
Pamidronat (u. a. Aredia®) und Zoledronat (Zometa®)
wird seit kurzem in den Fach- und Gebrauchsinformationen auf den
möglichen Zusammenhang hingewiesen. Zum jetzigen Zeitpunkt kann
jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass andere Bisphosphonate, die
vorwiegend zur oralen Therapie bei Osteoporose eingesetzt werden,
ebenfalls zu der beschriebenen unerwünschten Wirkung führen.
-
Betroffene
Patienten wenden sich häufig nicht an den das Bisphosphonat
verordnenden Arzt, sondern den Zahnarzt oder
Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgen, dem die bestehende Medikation nicht
bekannt ist.
-
Wir
bitten daher alle Ärzte und Zahnärzte um besondere
Aufmerksamkeit für die beschriebene mögliche unerwünschte
Arzneimittelwirkung.
-
Bei
Patienten, die Bisphosphonate erhalten, insbesondere wenn
zusätzliche Risikofaktoren wie Tumorerkrankungen, Chemo-,
Radio- oder Steroidtherapie bestehen, sollten zahnmedizinische
Eingriffe auf das erforderliche Minimum begrenzt werden.
Gegebenenfalls sollte vor Beginn einer Bisphosphonat-Therapie eine
zahnärztliche Untersuchung erfolgen und eine notwendige
zahnärztliche Behandlung abgeschlossen werden.
-
Literatur
-
1.
Marx, R.E., Pamidronate (Aredia) and zoledronate (Zometa) induced
avascular necrosis of the jaws: a growing epidemic. J Oral
Maxillofac Surg, 2003. 61(9): p. 1115-7.
-
2.
Migliorati, C.A., Bisphosphonates and oral cavity avascular bone
necrosis. J Clin Oncol, 2003. 21(22): p. 4253-4.
-
3.
Carter, G.D. and A.N. Goss, Bisphosphonates and avascular necrosis
of the jaws. Aust Dent J, 2003. 48(4): p. 268.
-
4.
Berthold HK, Diel IJ, Gouni-Berthold I: "Phossy Jaw"
revisited - do bisphosphonates cause "bisphossy jaws".
Drug Safety 2004; 27: 920
-
5.
AkdÄ, Osteonekrosen des Kiefers unter Bisphosphonaten.
Deutsches Ärzteblatt, 2004. 101(31-32): p. A 2203.
-
Arzneimittelkommission
der deutschen Ärzteschaft
Geschäftsführer Prof.
Dr. med. H. Berthold
Herbert-Lewin-Platz 1 (Wegelystr.)
10623
Berlin
http://www.akdae.de/20/10/961_20050210.html
- glenewinkel
fragte am 20.3.2006:
-
Hallo,
wer hat Erfahrungen mit der Einnahme von Zometa und der Nebenwirkung
von Kieferveränderungen? Suche insbesondere Herrn Gerd U., der
selbst im September vergangenen Jahres an der Uniklinik Mainz (Prof.
Wagner) operiert wurde. Wäre super nett, wenn ich erfahren
könnte, ob der Kiefer nun wieder geheilt werden konnte.
Wichtige Frage auch, musste deshalb die Zometa Behandlung gestoppt
werden?
-
Der angesprochene
Gerd U schrieb am selben Tag:
-
Das
nekrotische Gewebe ist durch die Operation aus meinem Unterkiefer
entfernt worden und ich bin jetzt frei von Beschwerden. Allerdings
hat mir ein Oberarzt der Uniklinik, Mainz in Aussicht gestellt, dass
ich in spätestens zwei Jahren mit einem Rezidiv rechnen müsse.
-
Ich
bekomme seit September vergangenen Jahres kein Zometa mehr.
-
Außerdem
berichtete Julius P.:
-
Am
07.02.2006 ist bei mir die Kiefer-Nekrose erfolgreich operiert
worden. Die Zometa-Infusionen habe ich bereits im April 2005
abgesetzt, wobei die Wirkung von Zometa in den Knochen noch Jahre
anhalten soll, bei manchen sogar ein Leben lang, was in unserem Fall
nicht vorteilhaft ist.
-
Die
OP-Fäden wurden gezogen, die OP-Wunden sind verheilt, heute war
die Endkontrolle durch Prof. Dr. Weingart im Katharinenhospital
Stuttgart. Die OP erfolgte unter Vollnarkose, der stationäre
Aufenthalt betrug fünf Tage. Zometa werde ich nicht mehr
anwenden, da die Gefahr einer weiteren neuen Nekrose im Kiefer nicht
ausgeschlossen werden kann. Medikation war: Isocillin und Klacid
forte 500 mg. Eine Nahrungs-Sonde nach der OP war bei mir nicht
nötig, denn ich konnte nach einem Tag bereits weiche und
flüssige Nahrung zu mir nehmen.
-
Die
Operation sollte man nicht auf die lange Bank schieben, sondern bald
durchführen, denn die Nekrose vergrößert sich
zunehmend.
- Hansjörg
schrieb am 7.2.2007:
-
Erst gestern Abend bei
dem Treffen unserer Selbsthilfegruppe saß ich einem
Betroffenen gegenüber, der Zometa einnahm, während der
Zometa-Behandlung sich einen Zahn ziehen ließ, und daraufhin
eine Kiefernekrose erlitt.
-
Das scheint eine
scheußliche Angelegenheit zu sein, und er musste sich in der
Uni-Klinik Mainz einer komplizierten Operation unterziehen.
-
Das ist nun schon der
zweite Fall in unserer Gruppe.
-
Als Rat:
-
Während der
Zometa-Einnahme sollte eine extreme Mundhygiene gemacht werden, so 5
x am Tag die Zähne putzen.
- Klausel
schrieb am 14.8.2007 unter dem Betreff "Bisphosphonat ein
Kuckucksei? Kiefer-Osteonekrose, ein Erfahrungsbericht":
-
1.Vorgeschichte
-
Als PCa-Betroffener,
der sich mit einer HB3 und anschließender Radiotherapie
behandeln ließ, habe ich seit Januar 2001 das (BP)
Bisphosphonat Actonel zur Vermeidung einer Osteoporose für
insgesamt fünf Jahre oral eingenommen.
-
Mit Actonel wollte ich
auch einen gewissen Knochenschutz bzw. -versiegelung gegenüber
Absiedelungen von Metastasen im Knochen erreichen. Um diesen
wirkungsvoller zu gestalten, habe ich mir eine Zometa-Infusion, 2 mg
geben lassen. Die Zometa-Infusionen musste ich aber sofort aufgeben,
da ich ein Herzkammerflattern bekommen hatte. Daraufhin setzte ich
auch Actonel für rund ein Jahr ab.
-
Zu Beginn 2007 bekam
ich plötzlich Zahnschmerzen mit gleichzeitigem, intensiven
Mundgeruch. Da ich die Zahnschmerzen selbst nicht in den Griff
bekam, suchte ich, ausgerüstet mit dem BPS-Merkblatt
"Osteonekrose" aus "Texten und Aufsätzen",
den Zahnarzt auf, der an Hand einer Kiefer-Panoramaaufnahme drei
eitrige Zähne im Unterkiefer diagnostizierte.
-
Da ich befürchtete,
dass die Infektionsherde der drei eitrigen Zähne im Unterkiefer
selbst eine Kiefer-Osteonekrose auslösen könnten –
dies war die Schlussfolgerung aus den beiden nachfolgend genannten
Merkblättern – mussten die eitrigen Zähne bald
gezogen werden. Ein Hinausschieben gab keinen Sinn.
-
Unter den beiden
Web-Adressen findet Ihr die zwei weiteren, ausführlicheren
Merkblätter, nach deren Lektüre ein Zahnarzt Euch nur noch
mit größter Vorsicht behandeln wird, wenn er überhaupt
noch mit einer Behandlung beginnt.
-
http://www.multiplesmyelom.at/uploads/media/Merkblatt_Osteonekrose.pdf
http://www.multiplesmyelom.at/64.html -
Mein Zahnarzt, der
aufgrund der Informationen der Merkblätter meine Behandlung
ablehnte, gab mir die Adressen von zwei niedergelassenen
Kieferchirurgen und wünschte mir alles Gute.
-
Was war nun zu tun?
-
Mit meinen
nachstehenden Ausführungen berichte ich über meinen Weg,
der es mir ermöglichte zu erkennen, dass ich den richtigen
Kieferchirurgen gefunden hatte:
-
Am 05.01.07 hatte
Michael einen Bericht über "Bisphosphonat-assoziierte
Osteonekrose der Maxilla/Oberkiefer" ins Forum gestellt.
Hiernach gehörte ich mit meinem Fall zu den Patienten mit
niedrigem Risiko, da ich eine orale BP-Therapie ohne zusätzliche
Chemo- und Kortison-Präperate gemacht hatte. Doch nach Auskunft
des mich jetzt behandelnden Mund-Kiefer-Gesichts-(MKG-) Chirurgen im
Klinikum der Universität Regensburg sind Patienten mit oral
verabreichten BP zu den Risikopatienten zu rechnen, wenn die
Einnahme länger als fünf Jahre vor dem chirurgischem
Eingriff bestand. Da meine Kieferknochen sehr verdichtet sind,
vermutlich auch, weil ich seit meiner Jugend ein Zahnknirscher bin,
wurde ich als Risikopatient eingestuft.
-
2. Maßnahmen
vor der OP
-
Am 26.02.07 setzte ich
wegen des anti-angiogenen Effektes der BP das Actonel ab, um eine
bessere Ausheilung der Zahnextraktionswunden zu erreichen.
Entsprechend der Empfehlung der Merkblätter war es mein Ziel,
nach dem Absetzen von Actonel den OP-Termin um vier Monate
hinauszuschieben. Verschiedentlich wird auch eine Pause von
mindestens sechs bis neun Monaten vorgeschlagen, was wohl bei einer
hoch dosierten, langjährigen Zometa-Infusion notwendig sein
dürfte.
-
Meine bestehenden
Zahnschmerzen bekam ich mit einer intensiven Mundpflege in den
Griff.
-
Da ich mit dem Rücken
zur Wand stand, bin ich noch einer Empfehlung meines
naturheilkundlich-orientierten Nachbarn nachgekommen und habe
morgens und abends mit einem Esslöffel Bio Sonnenblumenöl
fünf bis zehn Minuten die Mundhöhle gespült. Ich
wollte damit die bakterielle Flora im Mundraum für den
OP-Eingriff verbessern. Dies ist mir sicher auch insoweit gelungen,
als der Eiter eines Zahnes, den ich beim Zähneputzen immer
wieder schmeckte, zusammen mit dem intensiven Mundgeruch nach rund
vier Wochen verschwand. Mit der intensiven Mundpflege konnte ich den
OP-Termin für Anfang Juli planen, womit ich eine viermonatige
BP-Pause vor der OP einhalten konnte.
-
3. Kriterien für
eine OP-Behandlung einer BP-assozierten Kiefer-Osteonekrose
-
Aus dem Internet habe
ich die nachstehenden Empfehlungen für eine kieferchirugische
Behandlung von Kiefer-Osteonekrosen zusammengetragen. Sie gelten
auch für die Durchführung "kleinerer"
chirurgischer Eingriffe.
-
-
● Behandlung
in einer MKG-Klinik mit der Möglichkeit, den Eingriff auch
unter Vollnarkose mit anschließender stationärer
Betreuung durchzuführen.
-
● Der
chirurgische Eingriff hat mit einer möglichst atraumatischen
Operationstechnik zu erfolgen, d. h. die Verletzungen der
Mundschleimhaut müssen so gering wie möglich gehalten
werden.
-
● Gebildetes,
nekrotisches Gewebe ist vollständig und schonend zu entfernen.
Hier bestehen nach meiner Kenntnis zwei Möglichkeiten:
-
- "Abschaben"
des nekrotischen Knochengewebes bis sich frisch blutender Knochen
zeigt.
-
- Vorbehandlung
des Kieferknochens mit fluoreszierendem Tetrazyklin. Unter
spezieller Beleuchtung erscheint das abgestorbene Knochengewebe
schwarz, gesunder Knochen fluoresziert. Diese Behandlung erfolgt
voraussichtlich innerhalb einer Studie ab Ende diesen Jahres.
-
● Die
Eingriffswunden sind unter spannungsfreier Mobilisierung
ausreichender Weichgewebe, mit einer sicheren Abdeckung zu
verschließen, um zu verhindern, dass parodontale Infektionen
zur Infektion des Kiefers führen.
-
● Es ist
für einen ausreichenden antibiotischen Schutz zu sorgen, der am
Tag vor der OP beginnt und bis zur Entfernung der Nahtfäden
(nicht vor dem zehnten postoperativen Tag) fortgeführt werden
muss.
-
● Das
Operationsgebiet ist sauber zu halten, durch eine künstliche
Ernährung über eine Nasensonde sowie durch 3-maliges
Spülen der Mundhöhle mit einer chlorhexidinhaltigen
Lösung.
-
4. Chirurgischer
Eingriff in der MKG-Klinik der Universität Regensburg
-
4.1 MKG-Klinik in
M.
-
Zunächst suchte
ich eine MKG-Klinik in M. auf, um mich über den Ablauf des
kieferchirurgischen Eingriffes zu informieren.
-
Der konsultierte Arzt
hielt es bei mir für notwendig, allein aufgrund der vorgelegten
Kiefer-Panoramaaufnahme und meiner dokumentierten Krankengeschichte
alle Zähne im Unter- als auch im Oberkiefer zu entfernen!!
Meine zögernde Frage, ob es nicht sinnvoll wäre, zunächst
den Unterkiefer mit den eitrigen Zähnen zu behandeln,
quittierte der Arzt mit der Bemerkung, "das müssen sie
schon uns überlassen". Als ich mich dann noch nach den
Möglichkeiten der späteren Zahnversorgung erkundigte,
erhielt ich zur Antwort, dass ich froh sein sollte, wenn ich den
Kiefer nicht verliere!! Zur Bekräftigung erzählte mir der
Arzt einen Fall eines Patienten, bei dem es so gelaufen war.
-
Mein erster Gedanke
nach dem Gespräch war, wie werden Kassenpatienten behandelt,
die sich vorher nicht gründlich informiert haben? Ich hatte
mich informiert. Vielleicht lag hier das Problem des Arztes.
-
Der Arzt hielt es noch
nicht einmal für erforderlich, in den Mund zu schauen und sich
über meine Zahnsituation selbst ein Bild zu machen. Da ich
einen schriftlichen Behandlungsvorschlag wollte, wurde nach dem
Gespräch, wie in alten Zeiten, von jedem Zahn ein einzelnes
Röntgenbild gemacht. Eine Panorama-Aufnahme, von der ich eine
CD-Kopie haben wollte, konnte mangels einer geeigneten Ausrüstung
nicht gemacht werden.
-
Aufgrund meiner vorher
gesammelten Informationen wusste ich, dass die Beratungsempfehlung
eklatant dem Erfordernis einer möglichst atraumatischen
OP-Technik widersprach. Die Entfernung aller Zähne hätte
für mich zu einem erhöhten Komplikationsrisiko geführt.
-
4.2 MKG-Klinik der
Universität Regensburg
-
Nach meinem
Desaster-Gespräch in M. suchte ich aufgrund der Empfehlung des
Zahnarztes meiner Frau die MKG-Klinik der Universität
Regensburg auf.
-
Auf meine Frage nach
dem zu erwartenden Behandlungsablauf untersuchte der Leiter der
MKG-Klinik meine Zähne, verglich seinen Befund mit der
vorgelegten Panoramaaufnahme und schilderte dann Punkt für
Punkt den vorstehenden, unter Ziffer 3 zusammengestellten
Behandlungsablauf, wobei er diesen gleich schriftlich festlegte.
-
Mir war, als würde
mir ein roter Teppich ausgerollt. Dieses Gefühl der
Erleichterung, was ich bei schwierigen Entscheidungen schon öfter
kennen gelernt hatte, gab mir augenblicklich die Sicherheit, den
richtigen Kieferchirurgen gefunden zu haben. Was ich grundsätzlich
sonst nicht tue, ich vereinbarte bei diesem ersten Gespräch
gleich meinen verbindlichen OP-Termin für den 03.07.07.
-
Ergänzen möchte
ich noch, dass der Leiter der MKG-Klinik in Regensburg ausgesprochen
sympathisch ist. Er selbst ist Mitglied einer Kommission, die zur
Zeit die Empfehlungen für die Behandlung manifester
Kiefer-Osteonekrosen erarbeitet.
-
Nach der Festlegung
des OP-Termins wurde der Unterkiefer für die Herstellung einer
Verbandsplatte abgeformt. Mit der Verbandsplatte sollten die
Extraktionswunden weitgehend gegen den Speichel abgedeckt werden, da
der Speichel aufgrund seiner gerinnungsauflösenden Wirkung die
ungestörte Wundheilung behindert.
-
Ich hatte bei dem
operativen Eingriff keinerlei Schmerzen!! Für die Überleitung
aus der Narkose in den Wachzustand erhielt ich eine Infusionsflasche
mit einem Kreislaufmittel und Novalgin gegen Schmerzen angehängt,
mit der ich nach der OP auf mein Zimmer zurückgebracht wurde.
-
Von neun möglichen
Zähnen wurden mir im Unterkiefer nur vier!! gezogen. Die
verbliebenen fünf Zähne sind nicht mehr als sehr gut zu
bezeichnen. Sie reichen aber aus, um daran über eine
Teleskopverankerung eine Teilprothese zu befestigen, die nicht auf
der operierten Mundschleimhaut aufliegt!!
-
Die Verbandsplatte kam
bei mir nicht zum Einsatz, vermutlich weil ein Zahn weniger entfernt
wurde als beim Erstgespräch angenommen wurde. Ich hatte
natürlich diese Entscheidung dem Operateur überlassen.
Mein Wunsch war nur, im vertretbaren Rahmen den Eingriff möglichst
atraumatisch durchzuführen. Wie bei der nerverhaltenden
OP-Technik können auch hier zurück-bleibende
Entzündungsherde eine Kiefer-Osteonekrosen wieder auslösen.
-
Am Tag der OP und den
beiden darauf folgenden Tagen legte man mir eine Kühlmaske an,
die ich auch nachts im Gesicht trug, um die Schwellung des
OP-Gebietes klein zu halten.
-
Mit Erfolg.
-
Für den
antibiotischen Schutz erhielt ich am Abend vor der OP 1 Tab.
Amoxicillin 500 mg+Clavulansäure 125 mg, zusätzlich
1 Tab. Tranxilium und ab dem OP-Tag bis zur Entlassung aus der
Klinik 3x tägl. 1 Infusion mit Augmentan i.v. 2,2 g.
-
Als künstliche
Ernährung bekam ich täglich 3 x 500 ml Fresubin,
isokalorische, ballaststoffreiche Standard-Sondennahrung der Fa.
Fresenius Kabi. (Zuckergehalt: 1 g auf 100 ml)
-
Am 01.08.07 wurden die
Fäden gezogen. Es war alles "wunderbar" verheilt.
Meine Sprechfunktion hat etwas gelitten. Meine Kaufunktion ist
gestört bis zum Einsetzen der neuen Teilprothese. Bis dahin
muss mein Essen breiartig zerkleinert werden.
-
Bei meinem zweiten
Kontolltermin, vier Wochen nach der OP, habe ich grünes Licht
für die Anfertigung meiner Teilprothese bekommen. Wenn nach der
Empfehlung des Arztes in M. alle Zähne gezogen worden wären,
hätte es zwei bis drei Monate gebraucht, bis die
Mundschleimhaut mit einer Totalprothese hätte belastet werden
können!!
-
5. Ausblick
-
Ich bin mir natürlich
darüber im klaren, dass die gut gelungene OP erst ein wichtiger
Etappensieg ist.
-
Mit großer
Erwartung schaue ich jetzt auf den dritten Kontrolltermin am
14.11.07, bei dem überprüft wird, ob die nach der
Zahnextraktion entstandenen Alveolen sich langsam wieder mit einer
Knochenmatrix auffüllen, wie es bei gesunden Kieferknochen der
Fall ist. Bei einer ausbleibenden oder verminderten Neoangiogenese
kommt es zu einer Störung der ordnungsgemäßen
Neubildung der Knochen-Mikrostruktur. Implantate lassen sich dann im
Knochen nicht mehr fest verankern. Grundsätzlich wird heute
davon ausgegangen, dass nach einer längeren intravenös
verabreichten BP-Therapie eine Implantatversorgung kontraindiziert
ist.
-
Ich werde bis auf
weiteres kein Actonel mehr nehmen, sondern nur noch täglich
Kalk, 1200 mg plus Vitamin D3, 1000 I.E. Da ich beim Absetzen des
Actonels die Knochendichte bestimmen ließ, werde ich dies nach
einem Jahr BP-Pause wiederholen und entscheiden, wie es weiter geht.
-
Da in der Mundhöhle
ein erhöhtes Risiko für bakterielle Infektionen und
Pilzinfekte besteht, werde ich jetzt die Mundhygiene intensivieren
und vorerst alle sechs Monate zur zahnärztlichen Kontrolle
gehen. Die täglichen Spülungen der Mundhöhle mit
einer Chlorhexidin-Lösung vertrage ich nicht so gut,
statt-dessen spüle ich wieder mit Bio-Sonnenblumenöl.
-
Bei der noch
bevorstehenden Parodontitis-Behandlung muss wieder auf einen
antibiotischen Schutz (Amoxicillin 500 mg + Clavulansäure
125 mg) geachtet werden, um nicht wiederum ein erhöhtes
Risiko für eine Kiefer-Osteonekrosen zu bekommen. Dies gilt
generell für alle zahnärztlichen Behandlungen, bei denen
die Mundschleimhaut verletzt werden kann.
-
Ich bin aufgrund des
guten OP-Verlaufes sehr zuversichtlich, dass sich bei mir innerhalb
von sechs Monaten nach der OP keine Kiefer-Osteonekrose mehr bildet,
so wie es verschiedentlich beobachtet wurde.
-
Ich habe mir noch die
Frage gestellt, warum es bei mir gleichzeitig zu drei eitrigen
Zähnen an verschiedenen Stellen gekommen ist. Es kann davon
ausgegangen werden, dass die BP mit ihrer anti-angiogenen Wirkung in
der Mundschleimhaut Entzündungsprozesse in der Mundhöhle
unterstützen. Während meiner fünfjährigen
BP-Therapie habe ich des öfteren Zahnfleisch-Entzündungen
gehabt. Diese häufigen Entzündungen während der
BP-Therapie können zu Keimeintrittspforten für infektiöse
Erreger geworden sein, die zu den drei eitrigen Zähnen führten.
-
Hieraus folgt für
eine langzeitige BP-Therapie die Notwendigkeit einer regelmäßigen
zahnärztlichen Kontrolle in kürzeren Abständen, um
akute Krankheitsprozesse rechtzeitig zu erkennen. Dies gilt umso
mehr, wenn es sich um intravenös verabreichtes, höher
dosiertes BP handelt und gleichzeitig, wie bei der PCa-Erkrankung
häufig, die Immunabwehr durch eine Chemo- und Kortison-Therapie
weiter geschwächt wurde.
- Briele
fragte am 28.10.2007:
-
Mein
Mann hatte 2005 ein Rezidiv, nach der fünfwöchigen
Bestrahlung war der PSA-Wert auf 19 ng/ml gestiegen,
Knochenmetastasen wurden leider erst danach festgestellt. Seither
hat er folgende Therapie: alle drei Monate Trenantone-Spritze,
täglich Casodex 50 mg, alle sechs Wochen eine
Zometainfusion.
-
Es
geht ihm – trotz einiger Nebenkriegsschauplätze –
(Bandscheibenvorfall, kaputte Knie, etc., ) gut. Nieren und
Leberwerte sind in Ordnung.
-
Seit
Beginn der Therapie ist seine große Sorge eine Kiefernekrose.
Er ist sehr genau bei der Zahnhygiene, auch oft bei seinem Zahnarzt
für zusätzliche Zahnreinigungen mit Vector. Dem Zahnarzt
war dieses Thema neu. Auch in der Ambulanz des UKE
(Universitätsskrankenhaus) war die Ärztin uninformiert.
-
Wir
beziehen unsere Kenntnisse aus dem Internet, und bei meinem Mann
verhärtet sich der Eindruck, dass die Gefahr einer
Kiefernekrose bei Zometa nunmehr höher eingeschätzt wird
als vor ein bis zwei Jahren.
-
Hat
jemand von Euch wegen eventueller Kiefernekrose von Zometa auf
Bondronat gewechselt?
-
Günter
antwortete am selben Tag:
-
Ich habe selber keine
Erfahrungen mit Bisphosphonaten. Über beobachtete,
unterschiedliche Kieferknochenschädigungen durch bestimmete
Bisphosphonate hat das Universitätsklinikum Bonn, Medizinische
Klinik und Poliklinik I, Direktor: Prof. Dr. T. Sauerbruch
http://www.meb.uni-bonn.de/innere-medizin
ein Merkblatt für Patienten herausgegeben:
-
"Kieferknochenschädigung
(Osteonekrose) unter Therapie mit Bisphosphonaten".
-
Solltest Du die Bonner
Info noch nicht gelesen haben, dann bitte siehe weiter unten eine
Passage aus dem Merkblatt.
-
Passage aus dem
Merkblatt
-
„Eine
wesentliche Ursache für das Auftreten von Kiefernekrosen
besteht zum einen vermutlich darin, dass Bisphosphonate die Wirkung
der Osteoklasten (Zellen für den Knochenabbau) hemmen.
Osteoklasten bewirken einen regelmäßigen Knochenabbau
alten Knochens, was wiederum die Knochenneubildung durch
Osteobalsten stimuliert. Dadurch tragen sie effektiv zu Vorgängen
des Knochenumbaus und der Knochenerneuerung bei. Bisphosphonate
verfügen außerdem über einen antangiogenetischen
Effekt. Dies bedeutet, dass die Neubildung von Blutgefäßen
durch diese Substanzen gehemmt wird. Hierdurch kann es insbesondere
in stark beanspruchten Knochen wie z. B. den Kieferknochen zu
einer mangelhaften Durchblutung kommen, was wiederum zu Nekrosen,
also Knochenzerstörungen führen kann.
-
Ein besonders
gehäuftes Auftreten dieser Nebenwirkung wurde bei dem Präparat
Zoledronat (Zometa®) beobachtet, unter Pamidronat
(Aredia®) traten ebenfalls des öfteren
Kiefernekrosen auf, jedoch seltener als bei Zoledronat. Unter
Ibandronat- (Bondronat®-) Therapie waren
Kiefer-Osteonekrosen als Komplikation bisher selten zu finden, und
bei Patienten, die Clodronat (Ostac®) erhielten,
wurden bisher keine Kiefer-Osteonekrosen beobachtet.
-
Außerdem möchten
wir noch darauf hinweisen, dass andere Medikamente, die Sie
möglicherweise ebenfalls im Rahmen Ihrer Therapie einnehmen,
ähnliche Effekte auf die Knochenstabilität haben wie
Bisphosphonate und daher die gleichzeitige Einnahme dieser
Medikamente mit Bisphosphonaten die Entstehung von
Kiefer-Osteonekrosen begünstigen kann. Daher sollte die
Einnahme von Medikamenten mit hemmender Wirkung auf Osteoklasten
oder auf die Neubildung von Blutgefäßen nach Möglichkeit
vermieden werden.
-
PD Dr. A.
Glasmacher
Dr. K. Orlopp
Medizinische Klinik
I
Universitätsklinikum Bonn“
- Jürg
berichtete am 25.6.2008:
-
Meine Onkologin macht
Gedanken über die Möglichkeit, dass Zometa eine
Kieferknochennekrose auslösen könnte. Sie schlug mir
deshalb vor einigen Monaten vor, Zometainfusionen nur noch alle zwei
Monate statt monatlich durchzuführen. Ich akzeptierte das, ohne
von der Lösung begeistert zu sein.
-
Bei der letzten
Kontrolle mit MRI Mitte Mai zeigte sich, dass sich zwei neue, etwa
reiskorngrosse Knochenmetastasen entwickelt hatten (falls sie nicht
schon länger da waren und mit den soeben ersetzten Geräten
meiner Klinik nur nicht entdeckt wurden!). So oder so stellte mir
meine Onkologin die Frage nach dem „wie weiter“, und ich
entschied mich ohne Bedenken für die Wiederaufnahme der
monatlichen Infusionen. Gezählt habe ich sie übrigens
nicht, aber es dürften um die 30 sein.
-
Dann aber führte
ich ein Gespräch mit meiner Zahnärztin und stellte mit
Vergnügen fest, dass diese über das Problem der
Kieferknochennekrose bestens im Bild war. Nach ihren Informationen
und Erfahrungen entsteht sie immer nur ausgehend von einer
Entzündung. Sie behandelt daher Patienten und Patientinnen, die
unter Zometa stehen, und sich zum Beispiel einen Zahn ziehen lassen
müssen, grundsätzlich mit Antibiotika und überwacht
den Heilungsprozess engmaschig. Wir haben vereinbart, künftig
meine Zähne (sie sind in gutem Zustand) halbjährlich zu
kontrollieren, wobei Kronen und Stiftzähne besonders überwacht
werden, da sich dort unvermerkt Entzündungen entwickeln
könnten. Bei Zahnfleischentzündungen müsste ich mich
so rasch wie möglich bei ihr melden, um eine Therapie einleiten
zu können.
- PeterP
schrieb am 25.2.2012:
-
Vor drei Monaten hat
sich eine Stelle im Unterkiefer, bei der ich zuerst an eine kleine
Zahnfleischverletzung dachte, als Kiefernekrose herausgestellt. Nach
ca. dreijähriger regelmäßiger Zometa-Therapie
besteht offenbar doch ein deutlich höheres Risiko, als es meist
verharmlosend dargestellt wird. Der Verband der Kieferchirugen
spricht ebenfalls von einem erheblich höheren Risiko.
-
Die Sache bescherte
mir einen zweiwöchigen stationären Krankenhausaufenthalt
mit zwei Kieferoperationen. Jetzt, gut acht Wochen danach drückt
sich wieder der scharfkantige Kiefernochenrand, wo ein Backenzahn
gezogen und nekrotische Knochenmasse entfernt wurde, durch die
transplantierte Mundschleimhaut durch.
-
D. h. ich muß
die Prozedur nochmals durchlaufen, falls es überhaupt noch
einmal gemacht werden kann. Kiefernekrosen werden chirugisch als
nahezu unheilbare Krankheiten angesehen und bedeuten für die
Betroffenen ein ganz erhebliches Übel.
-
Der Hinweis auf gute
Zahnpflege und regelmäßige Zahnkontrolle ist schön
und gut, aber meist entwickelt sich ein kariöser Befall unter
einer Füllung oder Krone unbemerkt und dann ist es zu spät,
wenn es festgestellt wird!
-
Die
Knochenkrebshemmende Eigenschaft von Bisphosphonat beruht ja auf der
"Versiegelung" der Knochenoberfläche, durch die die
Durchblutung der Knochenoberfläche aber deutlich reduziert
wird. Da Krebszellen bekanntlich eine Blutversorgung benötigen,
wird der schützende Effekt plausibel. Durch die reduzierte
Durchblutung wird aber auch das Risiko einer Infektion deutlich
erhöht.
-
Eine weitere fatale
Sache ist, das diese "Versiegelung" sehr dauerhaft auf dem
Knochen verbleibt. Es sind bisher keine Halbwertszeiten bekannt.
-
D.h. unbedingt nötige
Zahnbehandlungen erfordern höchste Sicherheitsmaßnahmen,
auch Implantate sind nicht mehr möglich.
-
Vor diesem Hintergrund
ist zu überlegen, ob eine monatliche Verabreichung überhaupt
erforderlich ist und nicht in erster Linie der Gesundheit des
Herstellers dient. Es gibt Untersuchungen mit betroffenen
Brustkrebspatientinnen, in denen ein vorbeugender Schutz mit
sechsmonatiger Verabreichung, und im Falle bereits vorhandener
Knochenmetastasen bei dreimonatiger Behandlung der
Krankheitsfortschritt durch Verkürzung der Intervalle nicht
verringert werden konnte.
-
Ein gewisser Trost ist
daher, dass das neuere (und wirksamere) Präparat Denosumab im
Knochen wieder abgebaut wird. Das Risiko der Knochen-Nekrose ist
allerding bei Denosumab gleich hoch.
-
Hans-J. schrieb am
selben Tag:
-
Gut, dass du dich
diesem Thema zuwendest. Auch ich hatte eine beginnende Kiefernekrose
unter Zometa. Die frühzeitige, seitliche Öffnung am
Zahnknochen konnte Schlimmeres verhindern. Jedoch die vielen
Arztbesuche waren lästig, denn der Befall wurde trockengelegt
und mehrfach gereinigt. Nach Abheilen erst endgültig
verschlossen.
-
Das war vor zwei
Jahren. Bisher habe ich keine weiteren Probleme mehr erfahren. Nach
der Sache jedoch auf Bondronat gewechselt.
-
Gesamt also zwei Jahre
Zometa, 1,5 Jahre Bondronat, 0,5 Jahre Denosumab.
-
Etwas Verunsichert
durch meine verminderten Erythrozytenzellmasse, sowie B-Zellen,
welche in Abhängigkeit des Knochenmarks für die
Blutbildung maßgeblich sind, bin ich nun auch soweit, mir über
die Folgen von Bisphonaten/Denosumab - im Zeitablauf - Gedanken zu
machen.
-
Dieses wird auch beim
nächsten Onkologenbesuch eine Rolle spielen, evtl. statt
monatlich auf zweimonatlich mir die Spritze geben zu lassen. Auch
einer Überlegung wert wäre die Halbierung, da wir ja einen
bestimmten Level an den Knochen als Schutz schon aufgebaut haben.
-
Ob die Versiegelung
bei den Bisphosphonaten zu Beeinträchtigungen der Blutbildung
führen können, gehört aus meiner Sicht abgeklärt.
-
Dazu schrieb
PeterP:
-
Mir ist kein
Zusammenhang bekannt zwischen Bisphosphonat und Blutbildung.
Allerdings leide ich auch unter starker Blutarmut, Erytrozyten und
Hämoglobin sind stark vermindert.
-
Und Jürg
schrieb:
-
recht ausführliche
Informationen finden sich z. B. hier:
http://www.aerzteblatt.de/archiv/53506.
-
LowRoad schrieb am
27.2.2012:
-
Kiefernekrose ist eine
leider immer wieder auftretende Komplikation bei langfristiger
Bisphosphonat- oder Denosumab-Therapie. Die beschriebenen Raten
liegen bei etwa 5 % der Patienten. Ich habe schon öfters
auf das Problem und die Bedeutung der Zahnpflege und der Vermeidung
von weiteren Risiken wie z. B. Rauchen oder Cortisontherapien
hingewiesen.
-
Durch regelmäßigen
Besuch einer Bisphosphonat-Sprechstunde lässt sich das Problem
evtl. auch schon im Ansatz angehen. Denosumab hat gegen
Bisphosphonat den Vorteil, dass es, kurzfristig abgesetzt, relativ
schnell wieder aus dem Körper verschwindet, wogegen die
üblichen Bisphosphonate eine Halbwertszeit von bis zu sechs
Jahren haben. Zusätzliche Maßnahmen wie z. B.
optimaler Vitamin-D- (30-70 ng/ml) und Kalziumspiegel wären
sicher nützlich.
-
Als weitere Maßnahme
möchte ich hier noch auf Strontium hinweisen. Nicht das
radioaktive Strontium, sondern das ganz normale Stromtium-88.
-
Einführend ein
kleine Anekdote:
-
"In a 10-year
study, the United States Navy Dental Service examined the teeth of
about 270,000 naval recruits. Of those, only 360 were found to be
completely free of cavities. Curiously, 10 percent of those 360
individuals came from a small area around Rossburg, Ohio, where the
water contains unusually high concentrations of strontium.
Epidemiologic studies have shown that strontium concentrations of 6
to 10 mg/liter in the water supply are associated with a
reduced incidence of cavities..."
-
"In einer
10-Jahres-Studie untersuchte der United States Navy Dental-Service,
die Zähne von etwa 270.000 Marine-Rekruten. Davon erwiesen sich
nur 360 als vollständig frei von Löchern in den Zähnen.
Seltsamerweise kamen 10 Prozent jener 360 Personen aus einem kleinen
Bereich um Rossburg, Ohio, wo das Wasser ungewöhnlich hohe
Konzentrationen von Strontium enthält. Epidemiologische Studien
haben gezeigt, dass Strontium-Konzentrationen von 6 bis 10 mg/Liter
in der Wasserversorgung mit einer geringeren Häufigkeit der
Zahn-Hohlräumen verbunden ist..."
-
Ein ähnliches
Ergebnis existiert für zwei unterschiedliche Orte in
Griechenland. Strontium ist als Osteoporose-Medikament
(Strontiumranelat) zugelassen, wobei bis zu 2 g/Tag eingesetzt
wird. Übliche Ergänzungdosen von 100...300 mg/Tag
erscheinen mir deshalb sicher. Strontium sollte aber nicht zusammen
mit Kalzium eingenommen werden! Ob es auch gegen ONJ [osteonecrosis
of the jaw = Kiefernekrose – Ed]
wirksam ist, bleibt
natürlich offen, aber schaden wird's wohl nicht..
-
Und PeterP
antwortete am 29.2.2012:
-
Danke für Deinen
Beitrag, es ist keine einfache Sache, die wirklich notwendige
Vorsorge durchzuführen. Dazu kommt noch die Schocksituation,
wenn man mit der Diagnose Knochenmetastasen konfrontiert wird.
-
Man denkt dann zuerst
an die mögliche Therapie, bevor man an seine Zähne denkt.
Zumal das Risiko leider verharmlost wird:
-
Hier ein Beitrag zu
diesem Thema von der Internetseite der Kiefer- und Gesichts-Chirugie
des Campus Innenstadt der Uniklinik München:
-
"Die
Bisphosphonat-assoziierte Knochennekrose der Kiefer (im Folgenden
BAK genannt). Seit der Erstbeschreibung hat sich die BAK zu einem
ernsthaften medizinischen Problem entwickelt, insbesondere bei
Patienten, die aufgrund einer Krebserkrankung stickstoffhaltige
Derivate (sog. Aminobisphosphonate) intravenös verabreicht
bekommen. In dieser Patientengruppe wurden Prävalenzen der BAK
von über 18 % beschrieben. Aber auch bei Patienten mit oraler
Bisphosphonateinnahme ohne maligne Grunderkrankung, wie z.B. der
Osteoporose, tritt diese Erkrankung auf, allerdings mit einer
deutlich geringeren Wahrscheinlichkeit von ca. 0,1 %."
-
Diese Zahlen sprechen
für sich. Wahrscheinlich beruhen andere Prozentangaben auf
Mittelwertbildungen.
-
Reinardo fragte am
3.3.2012:
-
Kann jemand sagen,
warum es ausgerechnet die Kieferknochen sind, bei denen die Nekrose
auftritt? Warum nicht Knochen an anderen Körperteilen, wo dann
auch leichter zu therapieren wäre?
-
Nachdem ich in
Unwissenheit um dieses Problem zehn Jahre lang ein orales
Bisphosphonat (Fosamax) streng nach Vorschrift zur Vorbeugung gegen
Knochenmetastasen eingenommen hatte, habe ich dieses nach Lesen der
Ausführungen von Lowroad sofort abgesetzt und mir ein Rezept
für Denosumab besorgt. Da finde ich aber auch den Hinweis auf
das Risiko von Nekrosen und zögere mit dem Spritzen.
-
Was kann und sollte
ich tun?
-
jürgvw
kommentierte am selben Tag:
-
Anscheinend
kennt man die Ursachen der Kiefernekrosen immer noch nicht:
http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/krebs/mamma-karzinom/default.aspx?sid=806643&cm_mmc=Newsletter-_-Newsletter-C-_-20120303-_-Mamma-Karzinom
-
PeterP versuchte,
ebenfalls am 3.3.2012, eine Erklärung auf Reinardos Frage:
-
Die genauen Vorgänge
konnten zwar noch nicht geklärt werden, doch deutet die
Tatsache, dass es in erster Linie die Kiefernochen befällt, auf
bakterielle Ursachen hin. Die Zähne stellen da ein potentielles
Risiko dar. Der Unterkiefer ist dabei noch häufiger betroffen,
möglicherweise ist er schlechter durchblutet.
-
Denosumab hat eben den
Vorteil, dass es schnell abgebaut wird. Vermutlich ergeben sich
dadurch bessere Heilungschancen, auch wenn das nur ein kleiner Trost
ist.
-
Ebenso Hvielemi
einen Tag später:
-
Das scheint mir ganz
einfach: Die Kiefer sind die einzigen Knochen, in die Material
eingebunden ist, das direkten Kontakt zur Umwelt hat.
-
Karies, gebrochene
Zähne, Kronen, Brücken, Wurzelfüllungen und
Implantaten bilden direkte Zugänge für Fremdstoffe und
Bakterien aller Art zum Knochen. Eiterherde an den Wurzeln
behandelter und kranker Zähnen sind ja keine Seltenheit. So was
gibt es an anderen Knochen nicht.
-
Wer Schrauben,
Platten, Nägel und anderes osteosynthetische Material trägt,
ist wohl auch an den betroffenen Knochen nekrosegefährdet.
Weniger als am Kiefer, denn die direkte Pforte nach draußen
fehlt dort zumeist.
-
Deshalb wird ja auch
empfohlen, alle wurzelgefüllten oder sonstwie kranken Zähne
zu sanieren – im Klartext: zu ziehen -, bevor
Biphosphonate eingesetzt werden (diese drastische Maßnahme
wird auch mit Erfolg angewendet gegen chronische Müdigkeit
(CFS), multiple Chemikaliensensitivität (MCS) und andere
Umwelterkrankungen).
-
http://www.cgg-mannheim.de/resources/downloads/Bisphosphonate2.pdf
-
Je nun: Lieber die
Zähne ziehen lassen, als den Kiefer demontieren, siehe
Abbildung 2 auf Seite 4 in obigem Link.
-
Ausführlich
antwortete LowRoad am 5.3.2012 auf Reinardos Frage:
-
Da gibt es Hypothesen,
sicher ist man sich nicht.
-
"Der
Kieferknochen entwickelt sich, ebenso wie die übrigen
Skelettknochen aus dem 3. Keimblatt (Mesoderm). Der Kieferknochen,
wie auch die Schädelkalotte und die lateralen Teile der
Claviculae, ist desmalen Ursprungs, also durch direkte
Differenzierung von Vorläuferzellen in Osteoblasten entstanden.
Im Gegensatz hierzu entsteht das übrige Skelett über den
Weg der enchondralen Ossifikation, indem zunächst eine
knorpelige Anlage entsteht, die dann in Knochen umgewandelt wird.
Grundsätzlich scheinen die metabolischen Regelmechanismen
identisch zu sein, der unterschiedliche Entstehungsmechanismus, wie
auch Krankheits-spezifische Ausprägungen (z.B. Cherubismus)
deuten darauf hin, dass der Kieferknochen speziellen regulatorischen
Mechanismen unterliegt. Hieraus können unterschiedliche
Reaktionen auf bestimmte Therapeutika abgeleitet werden. Was
tatsächlich diesen Unterschied unter einer BP-Therapie ausmacht
ist unklar..." [Felsenberg, Charité Berlin, 2004]
-
Tatsächlich ist
der Kieferknochen sehr selten bis gar nicht von Metastasen des
Prostatakarzinoms betroffen. Ob daran die "speziellen
regulatorischen Mechanismen" ursächlich sind, oder nur die
Tatsache, dass sich der Kieferknochen seltener umbaut, ist ungewiss.
Wie auch schon erwähnt, braucht es aber wohl eines Anstosses,
dass es zu Kiefernekrosen kommt:
-
"...Der Kiefer
ist die einzige Stelle im Körper, in der mit hoher Inzidenz
Keimkollonisierungen, auch ohne Epitheldeckendefekt durch dentogene
Infektionen (..), stattfinden können..." [Ingo Diel, Im
Focus Onkologie 3, 2005]
-
Obwohl die Mundhöhle
durch den Speichel eine erhebliche antibakterielle Abwehrlage
besitzt, kann es besonders beim Zusammentreffen von weiteren
Faktoren zur Ausbildung von Kiefernekrosen kommen:
-
"…
-
enossaler Infektion /
Keimbesiedlung (dentogene periradikuläre oder marginale
Infektionen) und/oder
-
Weichteil-Knochen-Wunden
(Extraktionen, chir. Eingriffe, Druckstellen, Mikrotrauma) und/oder
-
Kopf-Hals-Strahlentherapie
und/oder
-
Osseodestruktion durch
enossale Metastasen im Kiefer und/oder
-
systemische
Chemotherapie und/oder
-
Immuntherapie und/oder
-
Kortison-Langzeittherapie
- muss
als Risiko-Konstellation unterschiedlicher Ausprägung für
eine Kiefernekrose angesehen werden…“ [Diel, s.o.]
-
So ist auch klar,
warum Rauchen zu den Faktoren zählt, die Kiefernekrosen unter
BP Therapie wahrscheinlicher machen.
-
ADT als Kofaktor:
-
Selbstverständlich,
denn ADT drückt nicht nur das Testosteron in den
Kastrationsbereich, sondern damit verbunden auch das Estradiol,
welches für den Knochenaufbau wichtig ist. Der Knochenumbau
wird gehemmt, was ja eigentlich auch gewollt ist. Sind noch keine
Knochenmetastasen vorhanden, wird empfohlen, Östrogenergänzung
zur ADT einzusetzen, um den Knochenabbau zu verlangsamen. Weiter
oben hatte ich Strontium aus gleichem Grunde empfohlen. Sind
Knochenmetastasen vorhanden, muss das individuell betrachtet werden,
einfache 08/15-Rezepte gibt es nicht. Ich, z. B. beobachte
genau die Knochenumbaumarker und verwende DENOSUMAB
nur so viel, dass diese nicht ansteigen. Und während der ADT
bzw. in der Off-Phase wird unterschiedlich vorgegangen... alles
experimentell, versteht sich!
-