Der Extrakt aus dem
Prostatakrebs-Forum von KISP
und BPS
Nebenwirkungen
– Ödeme
- Judith
fragte am 19.3.2001:
-
bei
meinem Vater (Jg. 27) wurde vor einem Jahr bösartiger
Prostatakrebs diagnostiziert. Wegen schwerer gesundheitlicher
Beschwerden (Herzschrittmacher) wurde er nicht operiert, sondern
bekommt alle 4 Wochen eine Spritze. Bei der letzter Spritze vor 2,5
Wochen hatte er das Gefühl, dass "es irgendwie anders "
war. Vor 5 Tagen wurden beide Beine oberhalb der Knie sehr dick, und
ihm wurde das als "normale" Nebenwirkung der Spritze
erläutert. Da mein Vater jemand ist, der nie fragt, und ich in
einiger Entfernung von ihm lebe, an Sie die Frage, ob es solche
Nebenwirkungen bei der Spritze gibt. Aufgrund dieser dicken Beine
muss mein Vater starke Entwässerungstabletten nehmen.
-
Wil antwortete am
19.3.2001:
-
Ödeme
(Wasseransammlungen) können vorkommen als Nebenwirkung eines
LHRH-Agonisten (Spritze), und im Allgemeinen, wenn die Hormone ins
Ungleichgewicht gebracht werden (wie z. B. auch mit PC-SPES).
Es kommt jedoch nicht so oft vor, und ist in diesem Sinne nicht eine
"normale Nebenwirkung".
-
Ödeme
durch Hormonungleichgewicht soll man nicht behandeln wie Ödeme
als Folge von Problemen mit Herz, Leber oder Nieren. Wenn der Arzt
festgestellt hat, dass z. B. eine zu schwache Pumpwirkung des
Herzens die Ursache ist (oder auch schlecht funktionierende Nieren),
können Entwässerungstabletten verschrieben werden. Ist
jedoch ein Hormonungleichgewicht die Ursache, dann, so meinen
Spezialisten, sollen die Entwässerungstabletten besser nicht
verschrieben werden. Dr. Robert Schrier, MD, und Vorsitzender der
Abt. Medizin der Univ. von Colorado begründet dieses wie folgt:
Falls ein Hormonungleichgewicht, zu wenig Bewegung, zu viel
Salz oder Alkohol usw. die Ursache ist, und man nimmt dann Diuretics
(Entwässerungstabletten), dann kann ein Zustand eintreten, der
mit Rückprall-Ödemen (rebound enema) bezeichnet wird.
Dieser Zustand sei dann schwierig zu stoppen.
Bei Anwendung von
Diuretics hält der Patient größere Mengen Salz fest
und schaltet auch gewisse Hormone ein, die Wasser festhalten. Wenn
dann die Diuretics-Behandlung gestoppt wird, dann wird der Patient
eine noch noch größere Menge Wasser festhalten, und fängt
der Zyklus wieder von vorne an.
Mein Rat:
Die Sache mit
einem kompetenten Arzt besprechen. In diesem Zusammenhang gibt es
folgende Stichwörter: Mangel an B-12 oder Foliensäure oder
Magnesium, Kalium, im Blut zu messen. Co-Enzym Q10 (Reformhaus)
verstärkt Herzmuskeln. Vitamin B6 (Arzt fragen). Vitamin E als
alpha-tocopherol, 400 bis 600 IE/Tag, falls Ödeme durch
Allergie verursacht. Körperbewegung! Kräutertee und
Petersilientee (3 heiße Tassen/Tag) treiben Wasser ab. -
Ich
muss hier wiederholen: Frag einen Arzt der sich auf diesem Gebiet
gut auskennt.
- Markus
fragte am 22.9.2002:
-
Am
Tag nach der Operation wurden mir, als Thrombose-Prophylaxe,
Kompressionsstrümpfe über die Beine gezogen, die mir
alsbald empfindungslose Füße machten. Auf meine
Intervention bekam ich "etwas weitere" Strümpfe, die
nichts verbesserten: Die Oberseite der Füße und Zehen war
und blieb empfindungslos.
-
Ab
4.Tag schon stand ich von früh bis spät auf den Beinen und
durfte deshalb ab 5.Tag die Strümpfe weglegen. Doch die Füße
blieben taub.
-
Am
12.Tag begannen die Schmerzen als "millionenfache"
Nadelstiche, am schlimmsten bei zartem Streicheln über den
Fußrist. Diverse Salben und Fußbäder brachten keine
Linderung; einzig ein Eisbeutel dämpfte ein wenig den Schmerz.
-
Die
Urologen in der Klinik sind ratlos; ich werde an die Neurologen
weitergereicht. Deren Aussage: Nervenschädigung, verursacht
durch Kompressionsstrümpfe oder Beinlagerung bei der Operation.
-
Die
Regeneration der Nervenfasern liegt bei 2 mm pro Tag, daher
wird der Heilungsprozess 6 bis 8 Wochen dauern.
-
Meine
Laien-Phantasie sieht weitere mögliche (?) Ursachen:
-
-
Könnte "unten" angesammeltes Narkosemittel in den
Füßen eine Anästhesie bzw. Vergiftung bewirkt
haben?
- Vor der Prostatektomie wurden 5 (!) Lymphknoten
entfernt. Sind Fußschmerzen die Folge eines blockierten
Lymphflusses?
- Gibt es so etwas wie ein gestörtes
energetisches Gleichgewicht infolge gewaltsamen Eingriffs ins
Organsystem? -
Meine
Frage: Kennt jemand mein Problem und kann mir zu dessen besserer
Bewältigung einen Tipp geben?
-
Ralf
schrieb am 23.9.2002:
-
ich
bekam nach einigen Monaten DHB Ödeme im rechten Bein und Fuß
und hatte ein ähnliches Empfinden wie Du jetzt schilderst. Mein
Orthopäde verschrieb mir auch erst Salbe, die nichts bewirkte,
und kam erst nach einiger Zeit auf die glorreiche Idee, mir
Lymphdrainage-Behandlungen zu verschreiben. Das ist eine spezielle
Massage, die in Massage-Praxen angeboten wird. Dabei wird aus den
betroffenen Gebieten die Lymphe nach oben massiert, um schließlich
über die Nieren ausgeschieden zu werden (so hat es jedenfalls
der Masseur beschrieben), und bei mir hat es geholfen. Ich habe
allerdings noch Monate danach bis zum Ende der DHB einen
Kompressionsstrumpf getragen. Ließ ich ihn weg, kehrten die
Beschwerden zurück.
-
Ich
würde Dir raten, zu einem Orthopäden zu gehen und Dir
diese Behandlung verschreiben zu lassen. An die geschädigten
Nerven würde ich nicht unbedingt glauben.
-
Uwe
konnte am selben Tag dies berichten:
-
die
gleichen Symptome mit dem Bein habe ich schon von einem Betroffenen
gehört, der mit Roboter laparoskopisch operiert worden ist und
auch acht Stunden in der Narkose lag. Ich glaube, dass der
Hauptgrund die überlange Narkose war. Der Betroffene hat auch
mit Lymphdrüsenmassage, wie Ralf sie empfohlen hat, sein
Problem in den Griff bekommen.
-
Und
Malte hatte das Folgende erlebt, wovon er ebenfalls am 23.9.2002
berichtete:
-
mir
ist vor 17 Jahren die Gallenblase konservativ (17 cm Bauchschnitt)
entfernt worden. Danach hatte ich ca. ein Jahr taube Zehen und eine
taube Oberlippe. Einem Zimmernachbarn aus dem Krankenhaus, den ich
nach einem halben Jahr traf, erging es genauso. Die Ärzte im
Krankenhaus hatten so etwas angeblich noch nicht erlebt. Das
empfinde ich heute als Frechheit. Seitdem gibt es für mich
keine "Routineoperationen" mehr.
- Wolf-Otto
fragte am 2.1.2003:
-
Im
April 2002 RP (PED ohne Lymphknotenentnahme! T3,Nx,Mo), anschließend
HB1-Tr und bis 07.11.02 ST (35x, insgesamt 70 Gey). Eine
Kontrolluntersuchung erfolgte danach nicht.
-
Inzwischen
sind meine beiden Beine angeschwollen und sowohl im Gehen wie im
Liegen als auch bei Druck sehr schmerzhaft. Die Haut zeigt Rötung
und ist "straff" gespannt. Starke Schmerzen sind auch im
Unterbauch (Prostataloge) vorhanden. Der Bauch ist voller Luft,
welche selbst durch Medikamente nicht weicht und erhebliche Atemnot
verursacht. Eine Thrombosegefahr bestünde aufgrund bereits
mehrjähriger Marcumareinnahme (Herz- u. Gefäßerkrankung)
nicht.
-
Die
Strahlenklinik sieht die Beschwerden nicht in Verbindung mit der
Strahlentherapie und sich deshalb auch nicht in der Pflicht. Ich
solle mir Lymphdrainage verordnen lassen, war lediglich die
Auskunft.
-
Wer
hatte ähnliche Beschwerden und was kann / soll ich tun?
-
Ralf
antwortete am selben Tag:
-
dass
Deine Beschwerden von der Bestrahlung herrühren, liegt nahe,
ebenso wie es naheliegt, dass die Strahlenklinik jeden Zusammenhang
mit der Bestrahlung weit von sich weist.
-
Ich
hatte aufgrund einer Hormonblockade Ödeme in einem Bein und
Fuß. Mir hat die Lymphdrainage geholfen, das ist eine
spezielle Massage, die der Orthopäde verschreibt. Zusätzlich
solltest Du Dir vom selben Arzt Kompressionsstrümpfe
verschreiben lassen, deren Größe in einem Sanitätshaus
bestimmt wird. Das solltest Du jetzt in der kühlen bis kalten
Jahreszeit angehen und nicht warten, bis es wieder wärmer wird,
dann sind die Dinger unangenehm zu tragen. Du solltest sie vom
Aufstehen bis zum Schlafengehen tragen.
-
Und
Uwe schrieb:
-
ich
glaube, Du liegst in Deiner Eigenkompetenz schon richtig, Du bist
wohl verstrahlt worden.
-
Du
musst in eine große Strahlenklinik, die, wenn sie gut ist,
natürlich auch weiß, wie man mit verstrahlten Patienten
umzugehen hat. Von Deiner Strahlenklinik wirst Du keine Hilfe
erhalten, die werden abwimmeln so lange es geht. Wegen der
Folgekosten solltest Du Deine Krankenkasse mit ins Boot holen, da ja
die Folgekosten für den Pfusch die Allgemeinheit zahlt. Das
Wichtigste ist aber, dass Du, welche Hilfe auch immer, gegen die
eventuellen Strahlenschäden erhältst.
-
Einen
Tag später schrieb Wil in gewohnter Ausführlichkeit:
-
Wie
Uwe und Ralf schon schrieben ist ein Ödem (Englisch: Edema]
eine der möglichen Nebenwirkungen von Bestrahlung.
-
Darüber
sind viele Artikel mittels PubMed (Medline) zu finden. Siehe z. B.
Literaturangabe [1] unten. Da handelt es sich um 43 Patienten, die
nach einer Prostataentfernung eine Strahlentherapie bekamen. Sieben
(21 %) dieser Patienten bekamen (gratis :>) ein Ödem in
den Beinen (lower extremity) oder Genitalien (genital edema) als
Nebenwirkung der Bestrahlung. Diese Studie kannst du den Radiologen
oder die Direktion des Krankenhauses mal vorzeigen. Die sollen da
nicht lügen.
-
Diese
Nebenwirkung ist auch bei der Brachytherapie möglich, jedoch
dann mehr auf die Prostata und die direkte Umgebung beschränkt.
Man versuchte mal dieser Effekt (Ödem) prophylaktisch zu
verhindern durch eine adjuvante Behandlung mit Dexamethasone.
-
Es
gibt auch Berichte über Erfolge mit Trental (Pentoxifylline),
siehe [2]. Trental könntest du jetzt mit dem Arzt diskutieren,
denn es wird öfters eingesetzt gegen Bestrahlungsschäden.
Dr. Myers, der PK-Onkologe, der selbst PK bekam und bestrahlt wurde,
nahm auch Trental. Er hat einen ganzen Newsletter Trental gewidmet.
-
Ich
nehme übrigens auch Trental auf Anraten von Dr. Strum, weil
Trental auch eine unerwartete Antikrebswirkung hat.
-
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-
PubMed
-
radiation
prostate cancer side effects edema
-
[1]
Int J Radiat Oncol Biol Phys 1986 Feb;12(2):185-9
-
Definitive
radiotherapy following prostatectomy: results and complications.
-
Forman
JD, Wharam MD, Lee DJ, Zinreich ES, Order SE.
-
Thirty-four
patients with carcinoma of the prostate treated by prostatectomy
received postoperative external beam radiation. Sixteen patients
were treated within 4 months of radical prostatectomy (group 1), 12
patients were treated for prostate carcinoma following initial
enucleative prostatectomy for benign hypertrophy (group 2) and 6
patients were treated for palpable local recurrence 4 to 10 years
following radical prostatectomy (group 3). The indications for
postoperative radiotherapy following radical prostatectomy included
extracapsular extension, seminal vesicle invasion, peri-prostatic
soft tissue involvement, positive margins or palpable local
recurrence. Eighty-five percent of the patients received whole
pelvic radiation. All patients then had a 2-week treatment rest
followed by a reduced portal to the prostate bed to a dose of 6500
cGy. The local control rate after radiotherapy was 100% with a
median follow-up of 4 years. The 5-year actuarial survival and
disease-!
-
free
survival rates for all patients were 82 and 72%, respectively. In
group 1, the 5-year actuarial survival and disease-free survival
rates were 100 and 91%, respectively. In group 2, these rates were
77 and 64%. Three of the six patients in group 3 died within 30
months of radiotherapy. Fourteen patients (41%) had mild to moderate
treatment related symptoms including seven patients (21%) with lower
extremity or genital edema, five patients (15%) with urinary stress
incontinence, two patients (6%) with urethral stricture and three
patients (9%) with proctitis. Six of eight patients who were potent
prior to radiation retained potency thereafter. No severe
complications occurred. We conclude that external beam radiation
therapy administered after prostatectomy resulted in an acceptable
therapeutic ratio with 100% local regional control, and an
acceptable complication rate (41%).
-
PMID:
3949568 [PubMed - indexed for MEDLINE]
-
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-
[2]
J Clin Oncol 1999 Oct;17(10):3283-90
-
Striking
regression of chronic radiotherapy damage in a clinical trial of
combined pentoxifylline
and tocopherol.
-
Delanian
S, Balla-Mekias S, Lefaix JL.
-
Service
d'Oncologie-Radiotherapie, Hopital Saint-Louis, Paris, France.
delanian@chu-stlouis.fr
-
PURPOSE:
Radiation-induced fibrosis (RIF) remains the most morbid
complication of radiotherapy because of the absence of spontaneous
regression and the difficulty of patient management. RIF treatment
with combined pentoxifylline (PTX) and tocopherol (Vit E) was
prompted by recent advances in cellular and molecular biology that
have improved researchers' understanding of radiation-induced
late-injury mechanisms and by the excellent results from our
previous human and animal studies.
-
PATIENTS
AND METHODS: Forty-three patients (mean [±
SD] age, 59 ± 10
years) presenting with 50 symptomatic RIF areas involving the skin
and underlying tissues were treated from April 1995 to September
1997. Patients had had radiotherapy for head and neck or breast
cancer a mean period of 8.5 ±
6.5 years previously. RIF developed in the first year after
irradiation and gradually worsened, without spontaneous regression.
The mean measurable surface area of RIF ([S]) at the time of this
study ([S(0)]) was 42 ±
34 cm(2). The initial Subjective Objective Medical management and
Analytic (SOMA) injury evaluation score was 13.2 ±
5.9 and included evidence of edema, plexitis, restricted movement,
and local inflammatory signs. A combination of PTX (800 mg/d) and
Vit E (1,000 IU/d) was administered orally for at least 6 months.
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RESULTS:
Treatment was well tolerated. All assessable injuries exhibited
continuous clinical regression and functional improvement. Mean RIF
surface area and SOMA scores improved significantly (P <.0001)
at 3 months ([S(3)], -39%; [SOMA(3)], -22%), 6 months ([S(6)], -53%;
[SOMA(6)], -35%), and 12 months ([S(12)], -66%; [SOMA(12)], -48%),
and mean linear dimensions ([D]) diminished from the start of the
study ([D(0)], 6.5 ± 2.5 cm) to the end of treatment 12
months later ([D(12)], 4 ± 2 cm). At the time of the
treatment, we did not attempt to achieve the maximum effect, and the
study was continued.
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CONCLUSION:
The PTX-Vit E combination reversed human chronic radiotherapy damage
and, because no other treatment is presently available for RIF,
should be considered as a therapeutic measure.