Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Nebenwirkungen – Lymphozelen
(Stau der Lymphflüssigkeit)

[Müssen bei einer Prostatektomie eine große Anzahl von Lymph­knoten entfernt werden, so kann es zu einem vorübergehenden oder länger andauern­den Stau der Lymphflüssigkeit in aus­ge­weiteten Lymph­ge­fäßen oder in einem anato­misch dafür nicht vor­ge­sehenen Gewebs­hohl­raum kommen, zu „Lymphozelen“ (Einzahl: die Lymphozele). Die Lymphflüssigkeit findet dann keine Ab­fluss­wege mehr, ein für den Pati­en­ten un­an­genehmer Zustand, in dem es zum An­schwel­len von Gliedern (auch des Gliedes) und Orga­nen kommen kann.
Ärzte, die sich auf das Behandeln von Erkran­kungen des lymphatischen Systems spezialisiert haben, sind die (allgemein wenig bekannten) Lympho­lo­gen. An so einen Arzt sollten Sie sich wenden, wenn Sie anhaltende Probleme mit Lympho­ze­len haben. Die Deutsche Gesellschaft für Lym­phologie (DGL) bietet auf der Seite
http://www.dglymph.de/kontaktlisten/
eine Such­funktion zu Fachärzten und lympholo­gi­schen Fachkliniken an.
Weitere Adressen sind hier zusammengestellt: http://www.prostatakrebse.de/informationen/pdf/Lymphologenliste.pdf.
Der Lymphologe wird vielleicht eine Anzahl von Sitzungen bei einem Physiotherapeuten verschreiben, der eine dies­be­züglichen Zu­satzausbildung hat und dann eine „Lymphdrainage“ vornimmt, das ist eine spe­zi­elle Massage mit dem Ziel, die Lymphe dort­hin (nämlich über den Blutkreislauf zu den Nieren) zu befördern, wo sie vom Körper ent­sorgt werden kann.
Manche Ärzte (z. B. Allgemeinmediziner, Urolo­gen) ver­schreiben in dieser Situation Ent­wässe­rungs­tabletten (ein „Diuretikum“). Das ist hier eine völ­lig un­ge­eignete Medikation, denn sie kann der gestauten Lymphe keine neuen Ab­fluss­wege schaffen. Der Arzt weiß es halt nicht besser.
Ed]


PattiPuh fragte am 7.12.2010:
Ich bräuchte dringend eine Info. Mein Vater ist vor einigen Wochen operiert wurden. Prostatakrebs bösartig, wurde komplett entfernt. Nach einer Woche kam er wieder nach Hause. Erst war alles gut, dann kam er mit dem Notarzt zurück in die Klinik, weil sich die Lymphflüssigkeit angesammelt hatte. Er bekam zwei Ablaufschläuche mit Beutel. Dann wurde täglich ein Klebstoff gespritzt, damit die Lymphflüssigkeit wieder normal ablaufen kann. Zwei Wochen später noch mehr Probleme Ausschlag, Blutergüsse in den Venen Händen. Kortison verabreicht. Keine Besserung. Jetzt soll er erneut operiert werden, ein Lochfenster in den Bauch für die Flüssigkeit.
Was genau muss ich mir darunter vorstellen? Mein Vater war ein gesunder Mann und es geht ihm jetzt immer schlechter. Bitte helft mir. Danke.
OP steht jetzt fest. Am Freitag soll eine Fensterdrainage in den Bauchraum verlegt werden. Was genau ist das?
SAGI00 antwortete am selben Tag:
Ähnliche Erfahrung habe ich auch hinter mir! Allerdings musste bei mir nicht ''gefenstert'' werden. Dies ist ein kleiner Eingriff, dei dem ins Bauchfell ein Fenster gemacht wird, damit der Körper die Lymphe selbst ''entsorgen'' kann.
Ich habe auch mehrere Wochen nach der OP einen Beutel am Knie getragen, dort wurde die Lymphe gesammelt. Mein Lymphfluss ist so nach und nach zurückgegangen.
Problematisch war der Lymphfluss nur psychisch. Ich habe in der Zeit wo der Lymphfluss war, ''viel Ruhe gegeben'' keine Spaziergänge, viel im Fernsehsessel gelegen und mir immer einen versiegenden Wasserhahn vorgestellt. Und es hat funktioniert!!
Heribert hatte am selben Tag noch einen Hinweis für PattiPuh:
Eine Beschreibung eines solchen Eingriffs findest Du hier...
MaikDotcom fragte am 20.11.2013 unter dem Betreff "Lymphdrainage nach Prostatektomie und Lymphadenektomie":
Fast drei Wochen ist die Operation her und ich trage immer noch diesen Plastikbeutel für die Lymphflüssigkeit. Die Tagesmenge ist bestimmt ca. 200 ml und wird einfach nicht weniger. Erst wenn ich eine Tagesmenge von weniger als 50 ml habe, könnte man dieses Ding entfernen. So langsam werde ich ungeduldig. Hat jemand Erfahrungen damit gemacht?
W. Werner antwortete am selben Tag:
Zwar wurden bei mir die beiden Drainagen recht schnell nach der RPE entfernt, da sich nur noch wenig dort ansammelte. Dafür hat sich dann eine Lymphozele gebildet (ca. 400 ml), der auch mit Drainagen und Verklebung nicht bezukommen war. Direkt geholfen hat dann eine Bauchfellfensterung. Details hier.
Ebenso SAGI00:
Auch ich hatte dieses Problem, jedoch mit viel Ruhe, Geduld, Entspannung hat sich der Lymphfluss reduziert bis zum Versiegen! Wichtig ist, keinerlei Anstrengung, kein Treppensteigen etc.
Und UlliHD schrieb einen Tag später:
Bei mir sind ca. zwei Wochen nach der RPE ebenfalls Lymphozelen aufgetreten. Der Chirurg hatte mich vorher auf diese mögliche Nebenwirkung hingewiesen. Ursache war die Entnahme von 25 Lymphknoten neben den zugehörigen Lymphbahnen.
Einen permanenten Abfluss-Beutel hatte ich nur in den ersten Tagen. In der rund dreimonatigen Folgezeit sind ca. 16 Liter Lymphe durch den Katheter abgeflossen. Es reichte, wenn ich ihn mehrfach am Tag entleerte. Das war lediglich vom Handling her etwas einschränkend.
Natürlich habe ich die üblichen Tipps (Beine hoch, viel Ruhe, keine übertriebenen Bewegungen) befolgt, aber keine besonderen Erfolge einer bestimmten Verhaltensform festgestellt. Als die Ärzte und ich schon fast die Geduld verloren hatten und eine Fensterung machen/zulassen wollten, versiegte der Lymphfluss vollends. Ich hatte fortan keinerlei Probleme - auch nicht mit geschwollenen Beinen.
Die Lymphozelen hatten zwei Konsequenzen:
- Sie drückten am Anfang auf die Blase, so dass die anfängliche Inkontinenz sehr hoch war. Das legte sich mit der Rückbildung der Lymphozelen.
- Ich bin erst vier Monate nach OP in die Reha gegangen.
So war es letztlich eine Frage der Geduld. Hätte ich zu Beginn die dreimonatige Dauer gekannt, hätte ich vielleicht einer Fensterung zugestimmt. Durch mein Abwarten ging es langsamer und ohne zusätzlichen Eingriff.
Wie gesagt: Die Einschränkung durch den Katheter war gering. Die wöchentlichen Kontrolltermine waren zeitaufwändig und somit lästig.