Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Nebenwirkungen – Lymphödeme

[Ein Lymphödem ist eine Stauung der Lymphe (Lymphflüssigkeit), bei der die Flüssigkeit nicht mehr ausreichend über die Lymphgefäße abtransportiert werden kann. Dies führt zu einem Rückstau und zur Ansammlung von Flüssigkeit in den Zellzwischenräumen. Anders als Lymphozelen werden Lymphödeme nicht durch eine Schädigung von Lymphgefäßen (-knoten) verursacht. Lymphödeme können als Nebenwirkung einer Androgenentzugstherapie auftreten und können von speziell hierfür ausgebildeten Physiotherapeuten durch Lympdrainage (eine besondere Massage) behandelt werden. – Ed]


wernert fragte am 4.6.2010:
Stimmt es, dass man beim fortgeschrittenen PCa mit Metastasen und steigendem PSA keine Lymphdrainage machen soll. Warum eigentlich nicht?
"Strahlentherapeut" Daniel Schmidt meinte dazu:
Eine Lymphdrainage sollte gemacht werden, wenn es einen Bedarf dazu gibt. Die Empfehlung, Lymphdrainagen nicht zu machen, weil dadurch Tumorzellen weiter in den Körper verbreitet werden könnten, ist nicht evidenzbasiert, sondern nur eine theoretische Überlegung. Ich persönlich halte nichts davon. Und wenn sowieso Metastasen da sind, kann man das eh abhaken.
HorstK wies auf eine etwas abweichende Meinung des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg hin:
Ein Zusammenhang zwischen Massage, Lymphdrainage und Metastasierung ist nicht bewiesen. Trotzdem gehen ausgebildete Fachkräfte bei Krebspatienten nur mit Vorsicht vor:
http://www.krebsinformationsdienst.de/leben/alltag/thermalkuren-massage-sauna.php

PattiPuh fragte am 7.12.2010:
Ich bräuchte dringend eine Info. Mein Vater ist vor einigen Wochen operiert wurden. Prostatakrebs bösartig, wurde komplett entfernt. Nach einer Woche kam er wieder nach Hause. Erst war alles gut, dann kam er mit dem Notarzt zurück in die Klinik, weil sich die Lymphflüssigkeit angesammelt hatte. Er bekam zwei Ablaufschläuche mit Beutel. Dann wurde täglich ein Klebstoff gespritzt, damit die Lymphflüssigkeit wieder normal ablaufen kann. Zwei Wochen später noch mehr Probleme Ausschlag, Blutergüsse in den Venen Händen. Kortison verabreicht. Keine Besserung. Jetzt soll er erneut operiert werden, ein Lochfenster in den Bauch für die Flüssigkeit.
Was genau muss ich mir darunter vorstellen? Mein Vater war ein gesunder Mann und es geht ihm jetzt immer schlechter. Bitte helft mir. Danke.
OP steht jetzt fest. Am Freitag soll eine Fensterdrainage in den Bauchraum verlegt werden. Was genau ist das?
SAGI00 antwortete am selben Tag:
Ähnliche Erfahrung habe ich auch hinter mir! Allerdings musste bei mir nicht ''gefenstert'' werden. Dies ist ein kleiner Eingriff, dei dem ins Bauchfell ein Fenster gemacht wird, damit der Körper die Lymphe selbst ''entsorgen'' kann.
Ich habe auch mehrere Wochen nach der OP einen Beutel am Knie getragen, dort wurde die Lymphe gesammelt. Mein Lymphfluss ist so nach und nach zurückgegangen.
Problematisch war der Lymphfluss nur psychisch. Ich habe in der Zeit wo der Lymphfluss war, ''viel Ruhe gegeben'' keine Spaziergänge, viel im Fernsehsessel gelegen und mir immer einen versiegenden Wasserhahn vorgestellt. Und es hat funktioniert!!
Heribert hatte am selben Tag noch einen Hinweis für PattiPuh:
Eine Beschreibung eines solchen Eingriffs findest Du hier...
Antonia fragte am 30.3.2011:
Mein Mann ist in der dritten Woche im Krankenhaus. Zuerst auf der Strahlenabteilung und jetzt seit Anfang der Woche in der Urologie. Eine zunächst auf 10 Sitzungen geplante Strahlenbehandlung ( Verringerung der Knochenmetastasen im Becken- Schmerzmittelreduzierung) wurde aufgrund von Blutungen aus der Blase abgebrochen. Es folgten Gaben von Blutkonserven und mehrere Tage Spülungen. Dann wurde das rechte Bein meines Mannes dick. Es schwoll auf das doppelte an. Knie, Bein, alles ganz prall angeschwollen. (...) Er bekommt jetzt seit zwei Tagen Lymphdrainage. Ergebnis: Verteilung der Masse auf beide Beine und Unterleib.
Konkrete Frage: Kann das Lymphoedem Folge der Strahlenbehandlung (1 Sitzung) sein?
"Strahlentherapeut Daniel Schmidt" antwortete am selben Tag:
Nein. Ein Lymphöden nach Strahlentherapie tritt erst bei hohen Dosen und verzögert (meistens Jahre) nach der Therapie auf. Die Mehrheit der Patienten mit Lympödemen nach Strahlentherapie wurde vorher operiert und lymphadenektomiert, selten führt eine Strahlenbehandlung alleine zu Lymphödemen in den unteren Extremitäten.
Als Ursache für die Beinschwellung ist vermutlich ein Tumorwachstum im Beckenbereich mit Druck auf die Lymphbahnen. Man sieht so etwas öfters, genauso auch bei großen Lymphknotenmetastasen.
Ralf schrieb am 3.4.2011:
Auf der Webpräsenz der dänischen Prostatakrebs-Selbsthilfeorganisation PROPA fand ich gerade in einer längeren Abhandlung über Palliation [der dänische Originaltext ist nicht mehr online – Ed] auch einen Abschnitt über Lymphödeme, den ich hier nachstehend übersetzt habe:
"Lymphansammlungen, typischerweise in beiden Beinen, sind sehr störend und können zu Beschwerden beim Laufen und zu Wundsein führen. Abhilfe ist möglich durch tägliche vorsichtige Hautpflege und Schutz vor Sonne und Wärme. Elastische Stützbinden, die nachts abgenommen werden, können auch nützlich sein, ebenso wie eine Matratze (oder ein Lattenrost) mit anhebbarem Fußteil. Manchmal können wassertreibende Medikamente helfen, primär allerdings, wenn eine Wasseransammlung mit im Spiel ist. Nebennierenrindenhormone (Corticosteroide) können den Tumordruck vermindern und damit den Durchgang durch die blockierten Lymphbahnen verbessern. Sofern dies nicht genügt, kann eine eigentliche Lymphombehandlung angedacht werden. Sie wird, eventuell zu Hause, von einem speziell ausgebildeten Physiotherapeuten vorgenommen und besteht aus einer sanfen, angenehmen Massage die durch Übungen, Hautpflege sowie Bandagierung ergänzt wird. Die Behandlung ist sehr wirksam zum Verringern von Schmerzen und Spannungsgefühlen."
Vielleicht sind Teile dieser Ratschläge nützlich für Deinen Mann.


Reinhold2 fragte am 18.9.2014:
Nach meiner RPE hatte ich stark geschwollenen Genitalbereich. Durch Hochlagerung und Kühlung verschwand der Stau nach ca. einer Woche. Jetzt, acht Monate danach, habe ich ein stark geschwollenes Schambein und einen leicht geschwollenen Oberschenkel. Wahrscheinlich ausgelöst durch zu starke körperliche Belastung bei Wanderungen.
Eine CT, die der Urologe mir verschrieben hat, brachte keine neuen Erkenntnisse. Der Radiologe: "Sie haben eine Schwellung am Schambein". Ja natürlich, dafür brauche ich keine CT, das sehe ich wenn ich an mir runtergucke.
Was gibts an neuem Wissen, bzw. was empfiehlt ihr mir?
tomblr antwortete am selben Tag:
Wenn die Sache länger anhält, definitiv ein Besuch bei einem Lymphologen. Lymphabflussprobleme sind ernst zu nehmen und sollten konsequent behandelt werden.
In Deutschland führend auf diesem Gebiet ist übrigens u. a. die Földiklinik im Schwarzwald.