Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Nebenwirkungen – Harninkontinenz

Zu den Möglichkeiten operativer Eingriffe gegen Inkontinenz gibt es in unserer Sammlung interessanter Artikel und Texte eine Abhandlung.
Als möglicherweise hilfreiches Medikament gegen Inkontinenz nach RPE ist Yentreve bekannt geworden.
Ed]

Hermann schrieb am 11.12.2000:
Nachdem mir die Harnröhre wieder freigemacht wurde, sie war zugewachsen, konnte ich kaum noch das Wasser halten. Mein URO verschrieb mir den "Myo-Trainer"; von der Fa. Heise, mit diesem Gerät habe ich die besten Erfahrungen gemacht.
Stucki fragte am 5.3.2001:
"ich bin nicht ganz dicht!" Leider. Meine Radikale Prostatektomie (Bauchschnitt) ist nun schon 2½ Jahre her (Sept. 98). Es ist alles fein: PSA <0,05 ng/ml, keine Nachbehandlung oder sonstige Nachwirkungen, ich kann (fast) alles machen, was ich vorher machte (Sport, große Bergtouren u.ä.), nur - meine Inkontinenz ist noch vorhanden. Ich benötige immer noch 3 - 4 Einlagen pro Tag (Tena Mini Comfort, also etwas größere) und eine nachts (Tena for men, also eine kleine). Fast völlig dicht bin ich im Sitzen und Liegen (nachts, siehe oben), im Stehen und Laufen kann ich halten, ABER nur unter bewusster Anspannung des Beckenbodens. Wenn ich herumlaufe, körperlich arbeite, läuft die Blase innerhalb relativ kurzer Zeit (Minuten) leer. Zwar kann ich auch eine recht volle Blase bewusst halten, aber wer kann die bewusste Anspannung schon stundenlang so nebenbei durchhalten?
Ich habe die übliche AHB [Anschluss-Heilbehandlung – Ed] (eine im Anschluss an das Krankenhaus) mit Beckenboden-Gymnastik usw. gemacht, Elektrostimulation einige Monate und bis heute das übliche Beckenboden-Training. Ich habe mich schon fast damit abgefunden, dass sich das wohl nicht mehr ändert, und kann eigentlich auch damit leben - z. B. letztes Jahr in den Bergen habe ich eben eine Packung Vorlagen (30 Stk.) für eine Woche in den Rucksack gepackt, wiegen ja nicht viel. Soweit Vorgeschichte und Zustand. Jetzt einige konkrete Fragen:
Welche Möglichkeiten gibt's noch, meinen Zustand zu verbessern? Mein Urologe sagte "Beckenboden anspannen, anspannen, anspannen - IMMER dran denken! Das muss ins Kleinhirn wandern."
Weiter warnte er vor der Gefahr einer Schrumpfblase, "dann hält gar nichts mehr!" Er meinte, ein künstlicher Schließmuskel sei ratsam (Ring um die Harnröhre, Energiespeicher im Bauch, manueller Auslöser im Hoden[-sack – Ed]). Schon die Vorstellung eines solchen Apparates im Bauch erregt bei mir üble Vorstellungen. Daher: Wie groß ist die Gefahr einer "Schrumpfblase"? Was ist von einem solchen künstlichen Schließmuskel zu halten?
Heinz-Michael antwortete am 5.3.2001:
Gut, dass Du das Thema ansprichst, Stucki! Geht mir genauso wie Dir! Vor zwei Tagen hatte ich nachts die Einlage vergessen; prompt war der Schlafanzug nass! Mir war das sehr unangenehm und peinlich! Bin deshalb sehr auf Reaktionen aus dem Forum gespannt!
Uwe antwortete am 6.3.2001:
Beckenbodentraining ist nicht gleich Beckenbodentraining. Das Beckenbodentraining kommt von den Frauen, allerdings haben die Frauen einen anderen Beckenboden als wir Männer. Wir haben in Frankfurt eine Gruppe, die nur Beckenbodentraining für Männer macht. Such Dir mal Trainer, die auf Männer spezialisiert sind! Ich habe meine Inkontinenz (9 Monate) durch Radfahren in den Griff bekommen, Beckenbodentraining und Elektrostimulation haben auch bei mir nicht gewirkt. Ich habe nach der Reha mit 10 km jeden zweiten Tag begonnen und habe das auf 32 km durch Feld und Wald und Flur gesteigert mit voller Kraft auf der Pedale. Nach 6 Monaten war ich trocken. Und ich fahre immer noch Rad (ohne Einlage!). Natürlich kannst Du eine Schrumpfblase bekommen, wenn die Blase keine Funktion mehr hat, deshalb solltest Du alles versuchen ihr die Funktion Blase zurückzugeben. Künstlicher Schließmuskel. Kennst Du einen Urologen, der diese seltene Technik wirklich beherrscht? Ich nicht! Vorsicht!
Dazu nahm Hansjörg am selben Tag Stellung:
der Tipp mit dem Radfahren von Uwe ist gut. Ich selbst habe nach der OP meine Inkontinenz-Probleme mit Rollerfahren in den Griff bekommen. Ich habe mir einen Tretroller gekauft - kein so Kinderspielzeug, sondern einen richtigen mit großen Rädern – und bin jeden Tag damit gefahren. Ich hatte auch den Eindruck, dass dadurch der Schließmuskel gekräftigt wurde.
Heute habe ich nur noch gelegentliche Stress-Inkontinenz-Probleme. Ich trage tagsüber sicherheitshalber eine Binde, brauche nachts aber keine mehr.
Stucki schrieb dann noch einmal am 7.3.2001:
besten Dank für Deine Antwort bzgl. Inkontinenz. Dein Wort in Gottes Ohr (wie man so sagt), aber meine Hoffnung ist da nicht so groß. Nach 2½ Jahren wohl kein Wunder. Das soll aber nicht heißen, dass ich die Hoffnung ganz aufgegeben habe. Ich werde Deinen Rat also unmittelbar befolgen und, wenn irgend möglich, täglich eine Spritztour mit dem Fahrrad machen, Hansjörg hat das ja noch unterstrichen. Vielleicht habe ich die Sache etwas zu leicht genommen und ungenügend trainiert, da mich meine Inkontinenz nicht wirklich gestört hat. Ich habe aber mit Sicherheit nicht weniger trainiert als andere, die ich kenne, und die relativ schnell dicht waren! Allgemein wird ja gesagt, dass Sport treibende Leute - zu denen ich mich zähle! - schneller wieder kontinent sind. Woran kann es liegen? Hat der Operateur ein GROSSES Loch in meinen Beckenboden geschnitten? Hat ja auch Vorteile: Man ist sicherer, dass nichts zurückbleibt. Habe ich zu früh mit Leistungstraining angefangen? Während der AHB (fünf bis neun Wochen nach der Op.) in Durbach bin ich viel gewandert (Schwarzwald direkt vor der Tür!). Sechs Wochen nach der Op. bin ich bis an die Grenze meiner Leistung gegangen: Auf den Brandeckkopf (vielleicht kennt den jemand, der in Durbach war), 500 Höhenmeter in einer Stunde., eine Sache, die auch für einen gesunden Menschen an der Obergrenze des Vermögens liegt.
Noch einige Anmerkungen, die vielleicht von allgemeinem Interesse sind. Es ist etwas seltsam mit meiner Blase: Manchmal trinke ich abends wenig oder gar nichts - ich muss nachts raus, die Vorlage ist relativ nass, die Blase ist ziemlich voll. Manchmal trinke ich einen halben Liter Bier oder ein Viertele Wein unmittelbar vor dem Zu-Bett-Gehen - ich schlafe durch, die Vorlage ist morgens noch fast trocken, die Blase randvoll. Das ist aber nicht so signifikant, dass ich eine Regel draus machen könnte. Soll heißen, eine Versuchsreihe, die dann nach strengen statistischen Maßstäben ausgewertet wird, dürfte wohl eher ein Zufallsmuster ergeben. Überhaupt habe ich da wohl eine allgemeine Blasenschwäche: dass mein PK entdeckt wurde, habe ich nur dem Umstand zu verdanken, dass ich nachts immer raus muss (schon Jahrzehnte!). Dem wollte ich endlich mal auf den Grund gehen, bin zum Urologen, der dann sofort einen "Volltreffer" landete. Die übliche jährliche Untersuchung beim Hausarzt – Betasten der Prostata von hinten – hatte nie etwas Auffälliges gezeigt. Natürlich hat der nie den PSA-Wert gemessen! Wofür ich ihm heute noch ziemlich böse bin, wenn ich bedenke, dass das nur 10 DM kostet [40 DM kommt eher hin! – Ed.]. Aber das ist wohl besonders auch eine Frage unserer tollen Gesundheitspolitiker: Eine PSA-Wert-Messung steht nicht im Gesetz, also wird's nicht von den Krankenkassen bezahlt. Es ist ja auch allemal viel, viel billiger, in der Gesundheitswerbung die Männer ab 45 aufzurufen, regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen, als eine Untersuchung des sichersten Indizes für PK zu bezahlen ... Mit der Krankenkasse hatte ich da einige sehr "giftige" Diskussionen! Aber wir werden ja noch an vielen Ecken des täglichen Lebens verhohnepiepelt. Lassen wir das, führt vom Thema ab.

Manfred leitete am 8.12.2001 eine Frage eines Mitgliedes seiner Selbsthilfegruppe weiter:
eine Frage einer Selbsthilfegruppen-Mitgliedes:
Wer hat sich einen künstlichen Schließmuskel herstellen lassen und kann seine Empfindungen und Erfahrungen einem Gruppenmitglied mitteilen. Wenn kein Interesse besteht, dieses im Forum zu erklären, kann ich die Adressen untereinander austauschen.
Stucki war am 9.12.2001 selbst an einer Antwort interessiert:
ein Thema, dass mich auch stark interessiert. Meine Op.: vor drei Jahren, seitdem inkontinent, lebe aber recht gut damit. Da es nicht besser wird, hatte mein Urologe mir das vor einiger Zeit empfohlen. Ich lehne das aber nach einigen Diskussionen - u. a. hier - ab! Solch eine Apparatur im Bauch ist mir nicht geheuer, das Risiko einer Operation in einer recht empfindlichen Körpergegend ist nicht ohne, die Narkose dazu usw. Uwe hatte sich auch schon so ausgedrückt, "kennst Du jemanden, der die Operation beherrscht?" Tja, mehr kann ich im Moment nicht dazu sagen.
Rainer schrieb am 9.12.2001:
Im November hielt Privatdozent Heidenreich von der Uni Marburg einen Vortrag vor der SHG in Frankfurt. Er hat diese Methode angesprochen und klang sehr kompetent. [Dr. med Axel Heidenreich ist mittlerweise Professor sowie Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Aachen. Ed]

Walter leitete am 15.12.2001 in ähnlichem Zusammenhang die nächste Frage weiter:
Einer meiner Teilnehmer hat sich in einer urologischen Praxis eine Spritze in den Schließmuskel geben lassen, wobei er jedoch nicht weiß, was es war. (Das ist in der Eifel, wie ich es erfahren musste, üblich, die Patienten im Unklaren zu lassen. Es werden auch Spritzen - wahrscheinlich ein LH-RH-Analogika auch ohne vorheriges Verabreichen eines Antiandrogens gegeben, zumindest nach Aussage der Beteiligten. Die Patienten erhalten keinen Beipackzettel; sie wundern sich über das Ansteigen ihres Gewichtes, über die bisher unbekannten Hitzewallungen).
Diese Prozedur des Einspritzens hat aber nur wenige Wochen gewirkt, danach hat der Urologe die gleiche Art der Behandlung im Krankenhaus durchgeführt mit negativen Ergebnis. Der Mann ist sehr enttäuscht und fragt sich, ob er an den falschen Arzt geraten ist.
Wer hat ähnliche oder bessere Erfahrungen gemacht. Für eine Antwort bin ich sehr dankbar.
Willi meldete sich am 16.12.2001 mit einer Vermutung, was da gespritzt worden sein könnte:
hier meine Erfahrung mit Verabreichung eines LH-RH-Analogons. Die direkte Gabe eines Analogons ohne Anti-Androgen mit Verordnung mindestens sieben Tage vorher, hat nichts mit Machenschaften in der verträumten Eifel zu tun, auch schlechte Information oder unzureichende Patienetenaufklärung hat nichts mit der geographischen Lage zu tun. Du kannst meine Belehrung gewiss einordnen. ;-).
Mir erging es in der westfälischen Großstadt, mit dem gelb-schwarzen Ballsportverein, genauso. Ich bekam, um dem Karzinom gebührend zu begegnen, sofort nach der Diagnose PK, das LH-RH-Analogon, Enantone. Die Prostatektomie wurde auf 13 Tage später terminiert. Die PSA-Messung am 11. Tag nach der Spritze erbrachte wieder meinen PSA-Basiswert. Gebracht hätte die Gabe des LH-RH-Analogons also in diesem Falle gar nichts. Da ich die OP absagte, hat die Spritze mir auch nicht geschadet. Viel schlimmer wäre es gewesen, hätte ich bereits Knochen-Metastasen gehabt. Das wäre schmerzhaft geworden.
Die Einschätzung, ob entsprechend der Angabe im Beipack von z. B. Enantone, zu verfahren ist, so sicherte mir zumindest der Beratende Arzt des TAKEDA-Forums, www.prostata.de, zu, ist sehr unterschiedlich. Stimmt, dies erfahren wir ja regelmäßig.
Zum Beipack: An dieser Stelle sollten aber auch die Patienten sensibilisiert werden, sich grundsätzlich den Beipackzettel geben zu lassen. Nicht alles, was dort als Nebenwirkungen beschrieben steht, muss ja auch zutreffen. Aber die beschriebenen Situationen mit Hitzewallungen und Gewichtszunahme sind nicht gerade selten. In meinem Fall wäre es natürlich gar nicht dazu gekommen, bei nur einer Spritze und dann OP.
Uwe hatte am 16.12.2001 eine andere Vermutung:
die Collagen-Unterspritzung ist seit einiger Zeit bekannt, allerdings habe ich noch nie gehört, dass sie auch funktioniert. Es ist bekannt, dass die Collagen nach kurzer Zeit ihre Wirkung verlieren. Frage doch mal PD Dr. Heidenreich [Dr. med Axel Heidenreich ist mittlerweise Professor an der Klinik und Poliklinik für Urologie, Universität zu Köln. - Ed], bei seinem Vortrag hatte er erzählt, dass es einen Versuch wert ist.
Hansjörg meldete sich am 20.12.2001 mit weiterer Information:
unser Kassenwart Rudolf Ritz, Am Martinspfad 4e, 67227 Frankenthal, Pfalz, Tel. 06233/53210 hat sich im Klinikum Ludwigshafen einen künstlichen Schließmuskel einsetzen lassen und ist sehr zufrieden damit. Einer der Oberärzte von Prof. Stockamp ist darauf spezialisiert. Also eine Fahrt nach Hamburg ist nicht notwendig. Rudolf ist gerne bereit, anderen Betroffenen über seine Erfahrungen zu berichten. Die Kollagen-Methode wird von den Selbsthilfegruppen für Inkontinenz sehr propagiert. Allerdings mehr für Frauen. Bei Männern sind offensichtlich mehrere Behandlungen und Spritzen bis zum Erfolg notwendig. Also tröste deinen Betroffenen!

Stucki schrieb am 27.4.2002:
Über Ralf habe ich eine Mail von Konrad erhalten, die ich hier beantworte, da es vielleicht von allgemeinem Interesse ist.
Guten Tag Konrad also,
habe Ihre Mail erhalten und mit "Interesse" gelesen. Gehören wir also zu den paar Prozent, bei denen es "schwierig" bleibt mit der Dichtheit. Folgend meine Geschichte, mein Zustand:
Radikale PE Sept. 98, keine Probleme bzgl. ansteigendem PSA-Wert bis heute, keine Homonbehandlung, auch keine sonstigen Probleme, bis auf ... ja eben bis auf die Inkontinenz. Die Vorhersage, dass Sport treibende Menschen schneller wieder "dicht" werden, trifft bei mir leider nicht zu, treibe (leider nur) einmal pro Woche Sport, fahre in den "passablen Jahreszeiten" Fahrrad, mache im Sommer einige große Bergtouren ... aber ohne 3 - 4 Einlagen/Tag läuft nichts. Nachts (also im Liegen) und im Sitzen bin ich praktisch dicht. Uwe Peters hatte den Rat gegeben, stramm Rad zu fahren, 20 - 30 km auf Leistung, 3 - 4 mal pro Woche. Habe ich letztes Jahr gemacht, hat aber nicht viel gebracht. Ich habe mich in gewissem Sinne damit abgefunden und sage mir, "wenn das das Einzige ist, was vom Tumor und der Operation zurückbleibt, dann sei es so ... ".
Mein Urologe (relativ jung) hat schon diverse Vorschläge für eine Operation (künstlicher Schließmuskel, Einbau von Zusatz-Bindegewebe, das aus der Bauchmuskulatur "gewonnen" wird, unter der Blase) gemacht. Da es aber immer auf eine große Bauchoperation hinaus läuft, der Erfolg nicht unbedingt gegeben ist und die langfristigen Konsequenzen auch unklar sind, kommt das für mich auf absehbare Zeit nicht in Frage.
Hansjörg schrieb dazu am 30.4.2002:
wir haben ein Mitglied in unserer SHG, das sehr gute Erfahrungen mit Einspritzen von Silikon (statt Collagen) gemacht hat. Dies wurde von Oberarzt Dr. Hehn am Diakoniekrankenhaus Mannheim durchgeführt. Er war dafür drei Tage im Krankenhaus.
Drei andere Betroffene aus unserer Gruppe haben sich für den künstlichen Schließmuskel entschieden. Alle drei wurden von Oberarzt Dr. Schuster am Klinikum Ludwigshafen (bei Prof. Stockamp) operiert. Einer rief mich 14 Tage nach der OP an und sagte: "Ich bin ein neuer Mensch!".
Auf Wunsch stellen wir gerne den Kontakt her:
Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Rhein-Neckar
Hansjörg Burger
Dillingerstr. 7
68309 Mannheim
Telefon 0621 / 72 14 22
Fax 0621 / 727 30 99
E- Mail: shg.pros.rn@web.de
www.selbsthilfegruppe-prostatakrebs.de

Moni fragte am 23.12.2002:
Mein Vater liegt mit radikaler Prostatektomie im Krankenhaus und überlegt jetzt wirklich, ob er überhaupt zur Reha gehen will. Ich fände es allein wegen den beiden Tabuthemen Inkotinenz umd Impotenz sehr wichtig.
Wer hat Erfahrung und kann mir Argumente liefern?
Dazu kamen widerstreitende Meinungen. Zuerst am selben Tag Uwe:
Dein Vater sollte unbedingt in die Anschluss-Heil-Behandlung (AHB) gehen. Ich bin auch prostatektomiert und mir hat die AHB, wie den meisten Männern, nach der OP sehr gut getan.
Dann Hansjörg:
mir ging es nach der OP wie deinem Vater. Zuerst wollte ich auch nicht zur REHA. Eine resolute Stationsschwester und die Aussicht auf eine REHA-Klinik in einer guten Weingegend konnten mich schließlich dazu überreden. Gottseidank! Zwischenzeitlich war ich schon zum dritten Mal in der REHA. Die REHA ist wichtig für das Beckenbodentraining, die physische und psychische Rekonvaleszenz nach der radikalen Prostataentfernung, die ja kein Spaziergang ist. Ganz wichtig auch das Gespräch mit Gleichbetroffenen zur Verarbeitung der Diagnose Krebs und der Operationsfolgen, die ja für den Mann meist nicht unerheblich sind.
Danach Marco:
ich hatte das gleiche Problem, bin nicht in die AHB gegangen und bin sehr zufrieden damit. Ich konnte mich 4 Wochen bei Sonnenschein auf der Terasse erholen, 3 Wochen nach Klinik kamen die ersten Zeichen der wiederkehrenden Kontinenz, 4 Wochen später war ich zu 99,? % dicht.
Die Übungen auf den diversen Info-Blättern habe ich alle vielfach versucht, aber richtig Erfolg hatte beim Kontinenztraining nur das Anspannen der Bauchmuskeln parallel zum Schnitt mit gedanklicher und realer Fortsetzung der Anspannung bis zum After. Diese Anspannung erlaubt auch bei ungünstigen Situationen (Niesen) eine Dichtheit, sofern die Anspannung ca. eine halbe Sekunde vor dem Nieser einsetzt.
Die Gängelei in den Reha-Kliniken, die fehlende häusliche Umgebung, (Telefon und Rechner und allerlei gewohntes "Spielzeug"), haben mich dazu bewogen, nicht in die AHB zu gehen.

Manfred schrieb am 3.1.2003 in einer direkten E-Mail an einige Forumsteilnehmer:
Ich verbreite einen Tipp, der mir sehr geholfen hat, den ich gerne weitergeben möchte:
Relativ kurzfristig stand eine Kur für mich an. Eine der Maßgaben war jedoch: ins Bad nur mit einer auslaufsicheren Inkontinenzbadehose. Meine Recherche ergab: das gibt's nur nach Maß gefertigt und dann sehr teuer. Ich suchte nach einer anderen Möglichkeit und wurde fündig.
Über die Firma Rolli-Moden geriet ich an die Manfred Sauer GmbH, Hersteller von Kontinenzsystemen, wo man mir zu einem Tropfurinal riet. Dies ist ein Kondom mit einem kurzen Schlauchansatz, das am Penisschaft festgeklebt wird. Das Kondom hat einen Pufferbereich, in dem der Urin aufgefangen wird. Mit dem kleinen Hahn am Schlauchansatz kann man den Urin ablassen. Ist das System korrekt angelegt, kann es nicht zu einem Nässestau kommen. Wichtig ist dennoch, die Haut am Penis genau zu beobachten: Bei Rötungen oder Reizungen bieten sich Alternativen zum Kleber und zur Hautreinigung an. Das Urinal hält auch beim Baden und kann dezent unter einer normalen Badehose getragen werden. Es hat bei mir prima funktioniert!
Auch heute noch nutze ich das Tropfurinal immer mal wieder, wenn ich auf Reisen bin oder mich unsicher fühle - ich kann es mit gutem Gewissen empfehlen.
Toll war die professionelle Beratung der Firma Sauer. Alle Kundenberater sind selbst von Inkontinenz betroffen und können sich daher gut in unsere Situation einfühlen. Es war auch kein Problem, kostenlose Testmuster zu bekommen, um erst einmal auszuprobieren, wie's funktioniert.
Inzwischen habe ich auch gelernt, dass man diese Urinale den ganzen Tag und auch nachts tragen kann. Dann wird am Schlauchansatz einfach ein Urinbeutel befestigt, der am Bein unter der Hose getragen wird. Das ist dezent und sicher.
Die Firma Sauer hat eine homepage (www.manfred-sauer.de), die Kundenberatung ist erreichbar unter 06226 960 106.

Nicole fragte am 30.4.2003 unter dem Betreff "Prostata weg - Inkontinenz da... Binden-Tips?":
Nach reichlichem hin- und her und diversesten Überlegungen und Fragen und Forumsbesuchen u.s.w. wurde meinem Vater am letzten Mittwoch in Berlin die Prostata entfernt. Heute durften meine Mutter und ich ihn am Flughafen abholen und was er uns telefonisch nicht mitteilen wollte - wurde nun zur Wahrheit.- Inkontinenz.
Hat jemand "Bindentips" (Tena for Men ?) bzw. Beckenboden-Tips bzw. gibt es im Bereich Odenwald/Rhein-Main einen Tip zur Reha/Kur für diesen Fall? Wir sind über jeden Tip dankbar !
Herrmann antwortete am selben Tag:
zunächst finde ich Deine Aussage überraschend, dass Dein Vater bereits 4 Tage nach seiner radikalen Prostatektomie (darum hat es sich doch wohl gehandelt?) das Krankenhaus verlassen hat. Die drei- bis vierfache Verweildauer dürfte eher die Regel sein.
Eine sofortige Kontinenz kann man eigentlich nie erwarten. In meinem Fall (OP Ende 1999 mit 71 Jahren) war sie nach 1-2 Monaten vollständig wieder erreicht. Mein "Durchhaltevermögen" ist sogar besser, als in "jungen Jahren". Ich war nicht in einer Reha und haben nur die Beckenbodengymnastik-Anleitung bereits in der Klinik bekommen und ein halbes Jahr ausgeführt.
Das Problem ist einfach, dass der von vorher zweien noch übriggebliebene eine Schließmuskel nun die doppelte Arbeit verreichten muss. Dafür muss er ertüchigt und "ermutigt" werden. In den weitaus allermeisten Fällen ist das auch möglich. Also, nur Mut,- es ist noch viel zu früh für größere Beunruhigung.
Ebenso am selben Tag Fritz:
habe nach meiner OP die gleichen Erfahrungen gemacht wie dein Vater. Die beiden ersten Wochen danach sind echt deprimierent. Habe gleich im Anschluß an den Krankenhausaufenthalt eine 3-wöchige Reha in der Klinik Wildetal in Bad Wildungen-Reinhardshausen erhalten.
Unter Anleitung der dort tätigen Therapeuten hat sich die Inkontinenz täglich verbessert. Vorlagen konnten während der Nacht schon in der Reha-Phase abgesetzt werden. Wichtig ist, weiterhin die Beckenbodengymnastik täglich, wenn auch nur wenige Minuten, durchzuführen.
Bin inzwischen vollständig kontinent und kann auch in Extremsituationen (spiele aktiv Tischtennis) auf Vorlagen verzichten.
Also: nur Mut - mit Ausdauer und Energie ist dieses für den Mann doch sehr ärgerliche Problem in den Griff zu bekommen. Wünsche deinem Vater auf diesem Wege die nötige Geduld und empfehle eine Reha-Maßnahme auch zur Verbesserung der seelischen Situation.

Bettina fragte am 17.2.2004:
meinem Vater wurde am 20.1.04 die Prostata entfernt. Wie erwartet war die Folge daraus eine Inkontinenz, die einen Tag stärker und einen Tag schwächer ist, je nachdem wie konzentriert er ist. Er verwendet Vorlagen in der Größe Midi. Meistens funktioniert es ganz gut mit diesen Vorlagen, aber an manchen Tag war er auch schon komplett nass inklusive des Autositzes. Nun meine Frage: Gibt es irgendeine bessere Lösung als diese Vorlagen ? Irgendetwas, das langer anhält, sicherer ist und nicht so oft gewechselt werden muss?
Hansjörg antwortete am selben Tag:
mein Rat:
  1. stärkere (größere) Vorlagen benutzen,

  2. Vorlagen sollen oft gewechselt werden, weil es sonst leicht Entzündungen an der Vorhaut gibt, die ja nach der OP etwas verlängert ist durch die Penisverkürzung.

Kalle riet am 19.2.2004:
aus eigener Erfahrung kann ich das Befinden Deines Vaters nachfühlen. Auch hier gilt, die Hoffnung nicht aufgeben, es wird besser. Wichtig ist und bleibt ein hartnäckiges Training des Beckenbodens. Die kann aber, wie bei mir, acht Monate dauern. Danach war ich "trocken". Leider musste ich noch eine Bestrahlung nach über einem Jahr auf mich nehmen und bin nun danach wieder leicht inkontinent. Das Leben geht auch hier weiter. Es gilt weiter regelmäßig und konsequent den Beckenboden zu trainieren und mit Vorlagen zu arbeiten.
Ich kann hier von der Firma ABRI-San die Vorlage 18 Mona empfehlen. Die Firma ABRI-San liefert auch Beutel verschiedener Größen (Abri-San Extra), diese müssen aber noch etwas individuell durch Ausschneiden angepasst werden (eigene Erfahrung).
Es gibt noch das Produkt Molimed in verschiedenen Ausführungen. Hier habe ich Erfahrungen mit dem Beutel Molimed -M- mit einem Fassungsvermögen von 210 ml.
Insgesamt ist es ratsam, sich durch ein Sanitätshaus beraten zu lassen. Auch hierbei gilt, die eigene Scheu zu überwinden und offen mit der Inkontinenz umzugehen.
Ich kann auch empfehlen, dass sich Dein Vater an eine regionale Selbsthilfegruppe wendet. Adressen findet Ihr im Internet unter www.prostatakrebs-bps.de.
Jan-Ipke berichtet einen Tag später von seiner Erfahrung:
mein Rat: Bodenbecken-Gymnastik und etwas Geduld. Ich bin 2000 operiert worden und bin nach wie vor sehr stark inkontinent; das muss Euch kein Trost sein. Bekannte von mir waren innerhalb eines halben Jahres trocken.
Ebenso Gerd III am 21.2.2004:
Je nach vorhandenem Restgewebe nach der OP dauert es bei manchen länger bzw. kürzer. Ich bin jetzt nach zwei Jahren soweit, dass nur noch ein paar Tropfen oder manchmal auch nur ein einziger Tropfen beim "Stellungswechsel" z.B. Liegen und dann aufstehen, als störend empfunden werden.
Ich hatte übrigens nur 5-10 Einheiten Beckenbodentraining und keine Reha.
Und Wolfhard fasste am selben Tag zusammen:
die bisherigen Ratschläge kann ich nur unterstreichen: stärkere Vorlagen, häufiger wechseln, Beckenbodentraining und Geduld. ich habe etwas mehr als ein halbes Jahr gerbraucht, um "trocken" zu sein.
Trocken heißt bei mir, bis auf ein zwei Tropfen beim ganz plötzlichem Niesen oder Husten oder in der Entspannungsphase nach einer körperlichen Anstrengung bemerke ich keine Harnverluste.
Übrigens, in meiner Infothek steht ein Ratschlag, wie man dem Harnverlust z. B. beim Husten oder Niesen oder beim Naseputzen entgegenwirken kann.
Als Hilfsmittel gab es 1999 – als ich nach der REP inkontinent war – Gummihöschen in Männergröße, bitte nachfragen im Sanitätsfachhandel. Das würde zumindest bei einer Autofahrt, oder wenn ein Wechsel der Vorlage nicht machbar scheint, hilfreich sein. Doch bitte bedenken: Nicht jeder verträgt eine Gummihose! Es kann sich im Gummihöschen ein entzündungsförderndes Mikroklima bilden.

Gerhard fragte am 25.3.2004 im BPS-Forum:
ein mir bekannter Mann hat mir heute erzählt hat, dass er sich evtl. einen künstlichen Schließmuskel einbauen lassen will. Er hat starke Inkontinenz seit seiner radikalen Prostatektomie letztes Jahr. Kann mir jemand was darüber sagen? Ist jemand da, der sich das schon hat machen lassen?
Wolfgang antwortete am 26.3.2004:
ich habe seit 1999 – etwa ein Jahr nach radikaler Prostatektomie mit praktisch absoluter Harn-Inkontinenz in Folge – einen artifiziellen Sphinkter implantiert erhalten und bin sehr zufrieden damit. Lebensqualität von 20 % wieder auf 85 % gestiegen und auch viele weite Reisen damit gemacht.
[Wolfgang verstarb 75-jährig am 5.11.2012 an Prostatakrebs – Ed]

Markus fragte am 31.3.2004:
Mein Vater hat sich vor zwei Jahren auf Anraten seines Urologen einer radikalen Prostatektomie unterzogen. Seitdem musste er bereits sechs mal wieder ins Krankenhaus, da die Nahtstelle nach einigen Wochen stets wieder zuwächst. Alle bisher befragten Ärzte behaupten, dass dagegen kein Kraut gewachsen ist (außer dem künstlichen Schließmuskel). Ich hoffe, dass ich in diesem Forum jemanden finde, der vielleicht doch einen Rat weiß.
Darüber hinaus leidet mein Vater auch an Inkontinenz, obwohl der Schließmuskel intakt zu sein scheint. Hat jemand gute Erfahrungen mit Physiotherapeuten, Osteopathen oder sonstigen Spezialisten (möglichst im Raum NRW) gemacht?
Josef antwortete am selben Tag:
zu den Operationen kann ich mich nicht äußern.
Zur Physiotherapie: Beckenbodengymnastik speziell für Harninkontinenzler nach PK-OP. Bewirkt laut Berichten (der Betroffenen, nicht der Therapeuten) angeblich nicht besonders viel, aber was anderes kenne ich nicht. Wichtig ist, eisern alleine zu Hause zu üben, je nach Fall auch drei mal täglich - die Übungen unter Aufsicht in der KG-Praxis dienen nur als Anleitung, damit man das richtig macht. Ist auch mühsam und lästig. Es gibt auch einschlägige Broschüren mit Bildchen & Beschreibung drin - im Buchhandel nachfragen. Adressen für Beckenbodengymnastik: Alle auf PK spezialisierte AHB-/Kurkliniken, sonst Branchenbuch sichten und telefonisch abfragen – so würde ich's machen. Ärzte müssten aber auch konkrete Praxen empfehlen/nennen können. Ich selbst kann mit genauen Adressen leider nicht dienen.

Rochus schrieb am 20.4.2004:
Habe heute einen Bericht gelesen - vielleicht von Interesse für jemanden.
Implantat gegen Inkontinenz. Eine Erfindung aus Korneuburg geht um die Welt
Ein Problem, das nach einer Prostataoperation auftreten kann, ist Inkontinenz. Eine "künstlichen Prostata" kann hier Abhilfe schaffen. Erfunden wurde sie am Humanis Klinikum Korneuburg.
Die "Künstliche Prostata" hilft
Mehr als ein Drittel aller Männer über 50 kämpfen mit Prostata-Problemen. In manchen Fällen ist die Entfernung der Prostata die einzige bzw. letzte therapeutische Konsequenz.
Eine häufige und unangenehme Begleiterscheinung dieser Routineoperation ist Inkontinenz. Eine neu entwickelte, unkomplizierte Operation kann den Betroffenen helfen!
Dabei wird eine "künstlichen Prostata" implantiert, und so kann den meisten Betroffenen geholfen werden, wieder in ein normales, beschwerdefreies Leben zurückzufinden. Entwickelt wurde die Methode von Prim. Dr. Wilhelm Hübner vom Humanis Klinikum Korneuburg.
Kontakt:
Prim. Dr. Wilhelm Hübner
Humanis Klinikum Korneuburg
Wiener-Ring 3-5
A-2100 Korneuburg
Tel.: 0043 2262 780-2410
www.kh-korneuburg.co.at

WalterG schrieb am 24.4.2004 im BPS-Forum:
ich habe hier im Forum öfter über Inkontinenz gelesen, jetzt meine Version:
Mai 2000 Op ( Bauchschnitt), zehn Tage später Dichtigkeitsprüfung und Entlassung; natürlich inkontinent; vor der Reha 14 Tage zu Hause auf der Terrasse und im Garten (war ein blödes Gefühl mit "Pampers" zu sitzen). Habe mir jeden Abend ½ Bier mit der Absicht getrunken, mal sehen wie lange es dauert, bis ich zur Toilette muss, dachte mir, dass es auch eine Art von Beckenbodengymnastik ist.
Dann drei Wochen Reha; jeden Abend wieder ein bis drei Bier in einer Runde von Leidensgenossen. Nach acht Tagen war ich auf 15 Minuten bis ich zur Toilette musste. Dann zur Kneipe (800 Meter entfernt), ein Bier, bezahlt und Rückweg.
In der zweiten Rehawoche hatte ich das Gefühl, dass ein Schalter betätigt worden war, denn ich konnte statt 50 ccm mehr als 300 ccm halten. Es folgten die Nächte, in denen ich nicht mehr laufen musste. Seit der Reha habe ich damit keine Probleme mehr.
Achtung: Dies ist nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen, vielleicht gehts statt mit Bier auch alkoholfrei!!! Wichtig war für mich die Zeit, die zwischen Trinken und Laufen vergeht.

Josef fragte am 9.5.2004:
Ich wurde vor drei Wochen operiert. Totale Prostataentfernung. Bin jetzt seit einer Woche zu Hause. Totale Inkontinenz. Benutze Tena Comfort extra Vorlagen. Nur, die sind hinten zu groß. Brauche sie aber wegen der großen Saugfähigkeit. Wer hat einen anderen Tipp? Die Inkontinenz macht mir schwer zu schaffen. Beckenbodentraining wurde im Krankenhaus nur kurz gezeigt und erklärt. Versuche die Übungen zu Hause durchzuführen. Nur weiß ich nicht, ob ich es richtig mache oder noch mehr Schaden anrichte. Kommende Woche muss ich zur AHB nach Bad Wildungen. Wer kann mir Näheres darüber sagen?
Jemand, der seinen Namen nicht nannte, antwortete am selben Tag:
Ich hatte am Anfang auch sehr große Vlies-Windeln, danach Tena for men, mehrmals am Tag zu wechseln.
Das Beckenbodentraining wurde mir bei einem Krankengymnasten im Krankenhaus erläutert. Nach ca. zehn von der Kasse bezahlten Sitzungen mußte ich alleine zurechtkommen. Ich habe mir im Anschluss an die Sitzungen alles genau notiert. Heute etwa 2½ Jahre nach der OP ist nichts mehr festzustellen. Das geht natürlich nur in den Fällen, die nicht zur Reha müssen.
Droste schrieb einen Tag später:
ich kenne dein Problem sehr gut. Vor sechs Jahren wurde ich operiert und war zur AHB ebenfalls in Bad Wildungen. Dort waren damals durchaus Profis am Werk. Trotzdem hatte ich ca. neun Monate mit Inkontinenz zu kämpfen. Alle Mitrekonvaleszenten habe ich beneidet, wenn sie von großen Erfolgen in Bezug auf Verringerung/Verschwinden der Inkontinenz berichteten. Ich kann zwar heute ohne Vorlagen durch die Welt laufen, aber 100-prozentig dicht bin ich immer noch nicht. Bei Stress, Erkältung und erschwerter körperlicher Anstrengung habe ich das Problem nicht voll im Griff.
Ich sage dir voraus, dass mit abnehmender Inkontinenz ein anderes Problem sich stellt. Und gegen Impotenz helfen leider nicht einmal Vorlagen.
Franz, am 10.5.2004:
nun sei bitte nicht so ungeduldig. Fahre erst einmal nach Bad Wildungen und dann sieht die Welt bereits anders aus. Rom wurde auch nicht an einem Tag gebaut.
Deine Inkontinenz kann sich bis zu einem Jahr hinziehen. Also Geduld und noch einmal Geduld.
Walter, ebenfalls am 10.5.2004:
Nicht verzweifeln! War auch bis vor einer Woche in Wildungen im Quellental. Habe viele Kollegen gesehen, denen es am Ende der Kur viel besser ging (mir auch). Du wirst auch viel erfahren, was Dich weiter bringt. Habe bis dahin Geduld. Ich wünsche Dir viel Glück und eine schöne Zeit.
PS.: Man wird Dich fragen, ob Du eine Woche verlängern willst. Bei den meisten hat die vierte Woche am meisten gebracht!
Und Kalle, am selben Tag:
nur nicht den Mut verlieren! Ich wurde 1999 total operiert und war von Mai bis Dezember 1999 inkontinent. Beckenbodentraining in der Klinik war für die "Katz", weil da der Katheter den Muskel hemmt. Während der AHB in der Vogtlandklinik in Bad Elster habe ich viel gelernt und konnte darauf aufbauen. Ich wünsche Dir viel Glück und gute Besserung.

Hannah fragte am 9.5.2004, und löste damit eine weitere Reihe von Erfahrungsberichten aus:
Mein Vater ist nun seit Mittwoch endlich wieder zu Hause. Er war insgesamt 12 Tage nach OP im Krankenhaus. Soweit geht es ihm gut.
Allerdings ist seine Harnröhre noch nicht richtig zugewachsen und er hat noch einen Katheter aus dem Penis und 1 Mini-Schlauch in der Bauchdecke, ist auch ein Urin-Katheter, weiss leider nicht mehr die genaue Bezeichnug dafür.
Bei meinem Vater kommt jedes Mal, wenn er aufsteht vom Liegen oder Sitzen eine Flüssigkeit aus dem Penis. Diese Flüssigkeit ist hellrosa, geruchlos aber es nervt ihn. Was ist das denn? Er hat ständig Tempos um den Schlauch gebunden, damit nichts runtertropft. Auch kommt er mit dem BeinKatheter sehr schlecht zurecht und hat deswegen zu Hause den normalen Katheter. Am Freitag bekommt er wieder eine radiologe Untersuchung, da wollen sie sehen, ob die Harnröhre dicht ist. Wenn nicht, soll er nochmal 1 Woche den Katheter tragen.
Ist das bei den anderen erkrankten Männern auch so abgelaufen? Wie lange hattet ihr denn den Katheter? Kam bei euch eine so eine Flüssigkeit aus dem Penis, trotz des Schlauches?
P.S. Der pathol. Befund des Krebses bei meinem Vater sagte aus, dass es ein sehr schnell wachsender Krebs war und 1 Jahr hätte wären die Knochen gefallen worden. Mein Paps hatte PSA 5,4. Es ist aber alles entfernt und es braucht keine Nachbehandlung.
Friedhelm am 10.5.2004:
Deine Beschreibungen über Deinen Vater sind mir so nicht bekannt. Ich weiß wohl, dass man bei mir auch einen Test gemacht hat, ob die Naht Blase - Harnleiter dicht ist. Der Harnröhrenkatheter wurde noch in der Klinik nach 7 Tagen und der Bauch – Blasenkatheter nach 8 Tagen gezogen.
Andreas am 10.5.2004:
bei mir wurde der Katheter zwar früher entfernt als bei Deinem Vater, aber ich kenne verschiedene Patienten, bei denen der Katheter fallweise über mehrere Wochen drinbleiben musste, bis die Anastomose zusammengewachsen war. Lästig, aber nicht ungewöhnlich. Zwischen Katheter und Harnröhre tritt bei einigen Patienten Urin aus, das war auch bei mir so, mir wurde gesagt, das sei normal, da der Ballon, mit dem der Blasenausgang verschlossen wird, nie ganz dicht anliege. Also nur Geduld, das wird schon werden.
Gerd III am 11.5.2004:
12 Tage ist viel zu wenig. Bei mir waren es 18 Tage u.z. im Krankenhaus und unter ärztlicher Aufsicht. Wer meint, früher heim zu müssen, der muss auch für die Konsequenzen aufkommen. Es kommt natürlich auf den Einzelfall an.
Gerd (ohne Ordnungsnummer) ebenfalls am 11.5.2004:
Im letzten Jahr hatte ich (58) eine Total-OP. Sowohl der Bauch- als auch der Penis-Katheter wurden erst nach sechs Wochen – inkl. Krankenhausaufenthalt – entfernt; wobei noch zu erwähnen ist, dass mein PV [Prostatavolumen – Ed] 125 ccm war; PSA 24 ng/ml.
Bereits nach der OP im Krankenhaus lief mir ebenfalls Flüssigkeit aus dem Penis, trotz Katheter. Ursache ist, dass der Penis-Katheter die Harnröhre nicht vollständig abdichten kann, was nach Auskunft des Arztes vollkommen normal und richtig ist. Ich habe den Penis in "Tena for Men" quer reingelegt, damit sich der Katheter nicht "verklemmt"; so liess sich das Problem einigermaßen in den Griff bekommen.
Drei Wochen nach meiner OP wurde ein PSA-Test vorgenommen. Drei Monate nach meiner OP wurde die Nachsorge durchgeführt: PSA-Test / Ultraschall, Restharn u. Nieren, Tastbefund. Diese Nachsorge wird nun im Abstand von drei Monaten in den nächsten fünf Jahren durchgeführt.
Wichtig: Jeder Patient ist ein Individuum und somit können bestimmte Abläufe schlicht nicht bei allen gleich verlaufen. Es ist wichtig, sich vorher ausgiebig zu informieren, man muss aber seine eigenen Erfahrungen machen, und sich nicht von jedermanns persönlicher Erfahrung beeinflussen lassen.
Herrmann am 12.5.2004:
ich wurde im Alter von 72 Jahren radikal operiert. Da sich der neue Anschluss der Harnröhre an die Blase nicht schließen wollte, musste ich den Katheter einen vollen Monat tragen (einmal gewechselt). Danach war dann aber alles in Ordnung, und nach einem viertel Jahr war ich auch völlig kontinent.
Also: etwas Geduld, es wird schon werden.

Norbert fragte am 1.6.2004:
Nach sechs Wochen bekam ich am Freitag den Peniskatheter gezogen. Hat nicht weh getan, aber nach ein paar Stunden merkte ich, dass ich eine totale Inkontinenz habe. Heute wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen. Dort hatte ich noch flehentlich um einen Reha-Antrag gebeten, denn so kann ich nicht zu Hause leben. Meinem Antrag wurde stattgegeben. Beckenbodengymn. mache ich verzweifelt alle Stunde. Wer kann mir einige Tipps geben?
Winni antwortete am 2.6.2004:
Geduld, Geduld, nach sechs Wochen mit Katheter wird es noch eine ganze Weile dauern, bis die Beckenbodenmuskulatur so gut trainiert ist, dass der Ersatzschließmuskel richtig funktioniert. Bei der Reha wird man dir ein effektives Training schon beibringen. Zusätzlich gibt es noch ein Elektrostimulationsgerät, mit dem man die Muskulatur anregen kann.
Und Klaus B. schrieb:
Du musst Geduld haben. In der Reha solltest Du mindestens erfahren, dass ein Zuviel an Training alles nur schlimmer macht. Ich denke, 3 mal 20 Minuten/Tag sind völlig ausreichend. Am Anfang habe ich auch zuviel gemacht und dadurch alles nur verschlimmert.

Joachim fragte am 2.6.2004:
gestern erzählte mir jemand, dass in einer Uniklinik nach der Prostatektomie nach 9 Tagen garantiert keine Inkontinenz mehr vorhanden ist. Was sagt Ihr dazu?
Wolfhard antwortete am selben Tag:
garantieren wird das wohl kein Arzt. Jedoch, wenn laparoskopisch operiert wird, ist das Problem Inkontinenz weitaus geringer als bei der offenen OP. Mir wurde von der Frau eines Betroffenen berichtet, ihr Mann sei in Leipzig bei Prof. Stolzenburg minimal-invasiv operiert worden und knapp zwei Wochen nach der OP sei ihr Mann wieder kontinent gewesen.
Und "right" schrieb:
Ich wurde 1998 im Klinikum Offenburg über den Damm (= laparoskopisch) operiert und war vom ersten Moment an, nachdem der Katheter abgenommen wurde, ca. 7-8 Tage nach der OP, 100 % kontinent, habe jedoch zur gleichen Zeit in der Klinik mehrere Fälle von starker Inkontinenz beobachtet. Vielleicht habe ich nur Glück gehabt.

Gerd(s) fragte am 18.6.2004:
ich habe folgendes Problem: aufgrund meiner Inkontinenz nach Total-OP verschreibt mir mein Urologe entsprechende Einlagen (nach Hilfsmittelkatalog - 15.25.01.1), welche ein Fassungsvermögen von 600 ml haben. Nicht nur aus hygienischen Gründen finde ich diese als voll mobiler Mensch als unzumutbar und entwürdigend. Deswegen benutze ich Tena for Men 2 (ca. 200 ml) mit Zuzahlung.
Nun habe ich in Erfahrung gebracht, dass mein Urologe mir auch diese, mit einer entsprechenden Verordnung, verschreiben kann. Auf Nachfrage erklärte mir dieser, dass er zwar die Situation verstehe, diese aber nicht ändern könne; eine entsprechende Verordung würde ich nicht bekommen.
Wie regelt Ihr das mit den Einlagen, bzw. bekommt Ihr eine entsprechende Verordnung?
Andreas(S) antwortete am selben Tag:
es ist in der Tat so, dass die Mehrzahl der Kassen Tena for Men nicht erstattet, das war bei mir genauso. Auch ich habe sie dann gegen Zuzahlung kaufen müssen.
Eine Tipp, den ich in einem amerikanischen Forum gefunden habe, hat mir während der stärksten Inkontinenzphase nach der OP wertvolle Dienste geleistet: Da Molimed Maxi ohne weiteres verschrieben wird, habe ich sie einfach in der Mitte auseinandergeschnitten und jede Hälfte mit breitem Transparent-Tesa-Paketband abgeklebt, damit der Inhalt nicht rausrieselt. Das Ergebnis entspricht, auch vom Tragekomfort her, ungefähr zwei Tena 2, ist aber wesentlich billiger.
Einen anderen Tipp hatte sein Namensvetter Andreas(K):
Das Problem mit den Vorlagen kenne ich nur allzugut, ich rede einfach mit meiner Apotheke. Nehme das vom Urologen verschriebene Rezept und habe solange eine Apotheke gesucht, die mir hilft. Ich habe auch bei den Apotheken nach Mustern gefragt, welche die KK übernehmen. Viel Erfolg!!
Und einen weiteren Horst MUC, immer noch am 18.6.2004:
Meine Hausärzting verschreibt mir – auf Empfehlung meiner Hausapotheke – ein Einheitsrezept: 100 anatomisch geformte Einlagen bei Inkontinenz Prostata-Op. Wichtig: OHNE Produkt- oder Markennamen. Von der Apotheke bekomme ich dann zwar nicht 100 Stück – aber preislich umgerechnet die Einlagen, die ich will. Ich bekomme dann 7x 14 Molimed MIDI.
Wenn Dein Uro dazu zu dämlich ist, dann lass Dir das Rp vom Hausarzt ausstellen. Die Apotheke müsste auch mitspielen können, da diese weiß, was man einreichen kann.

Hans-Peter fragte am 29.6.2004:
meine Frage geht dahin, wer hat einen Sphinkter.
Mein Problem: mein Sphinkter ist trotz Doppel-Cuff nicht dicht. Die OP war im März, und im Mai wurde er aktiviert. Wenn ich huste oder mir etwas heftiger die Nase putze, teilweise selbst beim Aufstehen vom Stuhl, verliere ich Urin. Habe schon seltsame Äußerungen von meinem Urologen gehört, die ich hier erst gar nicht wiedergebe.
Habe im Juli eine Blasendruckmessung und danach sollen weitere Entscheidungen fallen.
Urologe fs antwortete am 30.6.2004:
es gibt prinzipiell mehrere Möglichkeiten, warum es bei Dir nicht funktioniert:
1. Der Cuff wurde zu groß gewählt.
2. Die Befüllung des Systems ist zu gering
3. Deine Blase wird nur ungenügend leer (Restharn)
4. Harnwegsinfekt, chronisch, so dass Du ihn nicht als Infekt wahrnimmst.
5. Der Cuff wurde falsch platziert/ist verrutscht/defekt.
Frage: war direkt nach dem Aktivieren alles OK?
Darauf Hans-Peter am selben Tag:
Ich hatte sofort Probleme mit dem Sphinkter. Die erste Antwort auf meine Fragen war: der Cuff muss sich vermutlich erst eingraben. Später; er sitzt vielleicht auf einer Narbe. Meine Frage war dann, es können doch nicht beide auf einer Narbe sitzen, kam keine vernünftige Antwort, sondern es wurde der Termin zur Blasendruckmessung gemacht.
Helmut II schickte am 9.9.2004 die folgende Abhandlung:
Harninkontinenz nach RPE: neues Behandlungskonzept entfacht Kontroverse
Die Jahrestagung der Medizinischen Gesellschaft für Inkontinenzhilfe Österreich war heuer einem Thema von zunehmender Bedeutung gewidmet: der männlichen Harninkontinenz nach radikaler Prostatektomie. Deren Behandlung beinhaltet idealerweise eine Physiotherapie, die in ihrem Ansatz jedoch sehr unterschiedlich sein kann. Denn während die herkömmliche Methode auf eine Kräftigung des Beckenbodens abzielt, ist bei einem neuen aus Deutschland kommenden Konzept die gängige Beckenbodengymnastik geradezu verboten.
Datenlage bestätigt Benefit des Beckenbodentrainings
Die verbesserte Frühdiagnostik des Prostatakarzinoms lässt nicht nur die Zahl der pro Jahr durchgeführten radikalen Prostatektomien ansteigen, sondern rückt damit auch die Stressinkontinenz des Mannes vermehrt in den Vordergrund. „Das Hauptproblem dabei ist die Sphinkterinsuffizienz“, erklärte Prof. Dr. Marijke van Kampen von der Univ.-Klinik Leuven. Ein kräftigendes Beckenbodentraining soll dem entgegenwirken. Dabei lernt der Patienten das unfreiwillige Abgehen von Harn zu verhindern, indem er durch eine Beckenbodenkontraktion intraabdominalen Druckspitzen entgegenwirkt, die bei Änderungen der Körperposition vom Sitzen zum Stehen oder beim Husten und Niesen auftreten“. Das entspricht dem herkömmlichen Behandlungskonzept, wobei in randomisierten, kontrollierten Studien, neben dem Beckenbodentraining auch Elektrostimulation und Biofeedback geprüft wurden. Zur Wirksamkeit der Beckenbodengymnastik liegen insgesamt 13 randomisierte, kontrollierte Studien vor, berichtete van Kampen. In 11 davon gingen die Übungen mit einem eindeutigen Benefit einher. Die Frage, ob ein präoperativer Beginn einen zusätzlichen Benefit bringt, kann anhand der drei vorliegenden Studien derzeit nicht eindeutig beantwortet werden. Zwar zeigte sich in einer Studie ein signifikanter Benefit, in einer anderen Arbeit war ein solcher nach drei Monaten, nicht jedoch nach einem Jahr zu beobachten und in der dritten Studie brachte der präoperative Beginn des Trainings keinen zusätzlichen Vorteil. Was Biofeedback und Elektrostimulation betrifft, blieb der Nutzen in fast allen Studien aus, sodass van Kampen von diesen Maßnahmen eher abriet. Im Unterschied dazu sprach sie sich eindeutig für die Beckenbodengymnastik aus. Allerdings räumte sie ein, dass in Abhängigkeit von der Qualität der Physiotherapie deutliche Unterschiede im Behandlungserfolg bestehen können.
Männer sind anders!
Ein geradezu entgegengesetztes Behandlungskonzept stellte Prof. Dr. Ulrich Otto, Chefarzt der Klinik Birkental, Bad Wildungen, vor. Seinen Ausführungen zufolge dürfe ein Beckenbodentraining wie es für die Stressinkontinenz der Frau entwickelt wurde, keinesfalls kritiklos auf Männer übertragen werden. Otto: „Die Ursachen der Harninkontinenz beim Mann sind völlig anders als bei der Frau, weil die gesamte Anatomie, Physiologie und Pathophysiologie des Harnverschlussapparates der Geschlechter different sind“. Beim Mann umgreift der M. sphincter vesicae den Blasenauslass elliptisch und verschließt die innere Harnröhrenmündung unabhängig von den Lamellen des M. Detrusor. Der M. sphincter urethrae externus ist eine von der umgebenden Beckenbodenmuskulatur unabhängige Struktur und von dieser durch Bindegewebe getrennt. Darüber hinaus scheint der in der Vergangenheit beschriebene M. transversus perinei profundus nach aktuellen anatomischen Studien von Dorschner beim Mann nicht zu existieren. Diesen Gegebenheiten folgt eine wichtiger pathophysiologischer Unterschied: die Stressinkontinenz der Frau beruht hauptsächlich auf einer Beckenbodeninsuffizienz, die des Mannes ist vorwiegend sphinkterbezogen.
Der M. sphincter urethrae externus besteht aus einem glattmuskulären Anteil, der die Harnröhre zirkulär umkreist und einem quergestreiften Anteil, der die Urethra und den Apex der Prostata hufeisenförmig ummantelt. Was die Nervenversorgung angeht, wird der glattmuskuläre Anteil wie üblich vegetativ versorgt. Der quergestreifte Anteil des externen Sphinkters wird aber nicht nur willkürlich, also vom N. pudendus, sondern teilweise auch sympathisch innerviert. Für die Dauerkontinenz ist in erster Linie der glattmuskuläre Anteil des externen Sphinkters verantwortlich, der überwiegend aus slow-twitch-Fasern besteht. Genau dieser Muskelanteil wird bei der radikalen Prostatektomie unweigerlich irritiert. Aufgrund der Überlappung mit dem Apex der Prostata kommt es zu einer mehr oder weniger starken Traumatisierung des Sphinkters, zu einer funktionellen Verkürzung der Urethra, zu einem Ödem zwischen Blasenhals und Anastomose und zu einer Schädigung der N. pelvici. Die Folgen dieser Veränderungen sind die bekannten postoperativen Speicher- und Entleerungsstörungen der Blase.
Leicht wie ein Lidschlag
Das von Otto vorgestellte Behandlungskonzept beruht nun darauf, durch Aktivierung des quergestreiften Sphinkteranteils den glattmuskulären Anteil zu unterstützen und so die Dauerkontinenz zu verbessern. Dementsprechend basiert die Physiotherapie in diesem Behandlungskonzept auf drei Säulen: Die propriozeptive Differenzierung zwischen dem Musculus levator ani und dem externen Harnröhrensphinkter einerseits, der gezielten Aktivierung der slow- und fast-twitch-Fasern andererseits und dem Erkennen agonsitischer, antagonistischer und synergistischer Muskeln. Die Differenzierung des analen und urethralen Sphinkters ist sehr schwierig und meist nur im Rahmen einer videoassistierten Zystoskopie mit optischem Biofeedback erlernbar, berichtete Otto. „Zuerst kontrahieren die Patienten immer den Musculus levator ani. Sie lernen aber rasch um und sind immer sehr erstaunt wie wenig Kraftaufwand die Kontraktion des Harnröhrensphinkters erfordert“. Es wird also viel mit dem Beckenboden gearbeitet, aber nicht im Sinne einer Kräftigung, sondern eher in Richtung Lockerung. Denn die Kontraktion des externen Harnröhrenmuskels ist keine Kraftübung, sie erfordert nur soviel Anstrengung wie ein Lidschlag, erklärte Otto. Zusammenfassend wies er darauf hin, dass die Entspannung des Beckenbodens notwendig sei, damit Patienten nach RPE das feine, differenzierte Spiel des Kontinenzapparates wieder erlernen. Die Physiotherapie sei aber nur ein Teil des Gesamtkonzeptes. Otto: „In Kombination mit medikamentösen Maßnahmen und der Elektrostimulationstherapie, die aber nur bei drittgradiger Inkontinenz zur Anwendung kommt, beenden 80 Prozent unserer RPE-Patienten den Rehabilitationsaufenthalt in kontinentem Zustand. Was unsere wissenschaftlichen Arbeiten betrifft, konnte in all unseren Studien innerhalb von drei bis vier Wochen hochsignifikante Besserungen erzielt werden“.
Bald auch in Österreich?
Den Wortmeldungen österreichischer Urologen war großes Interesse an diesem Konzept zu entnehmen. So etwa zeigte sich Prof. Madersbacher überzeugt, dass es ohne großen Aufwand in die bestehenden Strukturen integriert werden könne, auch wenn es bei uns keine Anschlussheilverfahren nach RPE gibt. Da das mit Harninkontinenz befasste Fachpersonal in Österreich auf hohem Qualitätslevel arbeitet und auch die apparative Ausstattung gewährleistet ist, könne das vorgestellte Konzept auf ambulanter Basis realisiert werden, wo immer dies gewünscht wird, meinte Madersbacher abschließend.
Autor:
Dr. Anita Kreilhuber
Quelle des Artikels Harninkontinenz nach RPE: neues Behandlungskonzept entfacht Kontroverse:
13. Jahrestagung der Medizinischen Gesellschaft für Inkontinenzhilfe Österreich „Der inkontinente Mann“, 24. bis 25. Oktober 2003, Korneuburg
ur060312

Norne fragte am 18.10.2004:
Ich habe vier Monate nach einer PEB trotz Reha in Bad Kissingen,täglicher Beckenbodengymnastik und elektrischer Analstimulation noch immer sehr starke Inkontinenz (4-5 Vorlagen). Jetzt habe ich im Internet von der "Nachjustierbaren Kontinenz-Therapie" des Prof. Dr. Tauber in der Urologie des Barmbeker Krankenhaus in Hamburg gelesen.Hat schon jemand davon gehört oder schon Erfahrung damit?
Urologe fs antwortete am selben Tag:
vier Monate ist noch nicht lange (wohl schon für den, der leidet). Beckenbodengymnastik nicht gleich Beckenbodengymnastik. Nur wenige KGs sind WIRKLICH auf Männer nach RP spezialisiert. Viele machen "nur" einfache Beckenbodengymnastik. Gleiches gilt für die Elektrostimulation. Die Erfolgsraten sind dementsprechend. Hier ist Umhören und Information angesagt und ggf. Wechsel.
Eine der besten Inkontinenz-Behandlungskonzepte mit den höchsten Erfolgssraten – auch, wo andere scheiterten – hat Klinik Wildetal, Bad Wildungen-Reinhardshausen:
http://www.kliniken-hartenstein.de/wildetal/default.htm
Und Güntheran:
Den Hinweis auf die Wildetal-Klinik kann ich nur bestätigen:
Die dortigen Fachleute haben es in Buchform herausgegeben (allerdings recht wissenschaftlich geschrieben): W. Ide u. W. Vahlensieck: Die Harninkontinenz beim Mann, Pflaum-Verlag [ISBN 3-7905-0872-1], wenn ich mich nicht irre 22 Euro, für das schmale Büchlein eigentlich zu viel). Die dort immer wieder hervorgehobene Unterscheidung des quergestreiften und glattgestreiften Schließmuskels ist ausgesprochen zentral. Denn nur die quergestreiften Muskel kann man willentlich beeinflussen, die glattgestreiften sind "autonom" gesteuert. Aber was heißt das praktisch? Ich "durfte" nämlich meine AHB in der von Prof. Otto geleiteten Nachbarklinik (leider!), der Quellental-Klinik, genießen. In der vom selben Träger geführten Nachbarklinik jedoch (jene "Wildetalklinik"), die im übrigen sehr viel angenehmer ausgestattet ist, wäre ich besser aufgehoben gewesen. Ich weiß das deswegen so genau, weil ich einfach rübergegangen bin (300 m) und dort das Konzept sehr viel konkreter vermittelt erlebte als in der von Otto geleiteten "Quellentalklinik". (Dieses Harnkontinenztraining wird in der Regel von den Urologen bzw. PhysiotherapeutInnen NICHT vermittelt bzw. weitergegeben). Wäre ich nicht gewechselt, hätte ich es nicht gelernt! Man muss also das Konzept obendrein auch praktisch richtig vermitteln. - Ich habe übrigens in der ambulanten Arbeit nirgends jemanden gefunden, der annähernd allein anatomisch Bescheid wusste!!
Wie gesagt: es geht NICHT um Beckenbodentraining und/oder -gymnastik!! Sondern darum, den Schließmuskel unabhängig von der Beckenbodenmuskulatur zu üben: "wie mit der Kraft eines Lidschlages"; es stimmt!
Dann gibt es noch eine spezifische, etwas mehr versprechende Beckenbodengymnastik (www.cantienica.com), bei dem die mittlere Ebene der Beckenbodenmuskulatur trainiert wird. Auch das hilft weiter!

Horst MUC sandte am 1.11.2004 den folgenden Bericht ein:
Münchner Urologe setzt auf neue Therapie
Schmerzlose Hilfe für Inkontinenzpatienten
Ein Leben mit Windeln, Einlagen und psychischen Problemen: Inkontinenzkranke leiden chronisch. Tag für Tag. Bisherige konventionelle Therapien, die in erster Linie die erschlafften oder falsch funktionierenden Beckenbodenmuskeln stärken sollen, sind oftmals für die Patienten schmerzhaft – bei der Elektrostimulation wird bei Männern eine Oberflächenelektrode, bei Frauen eine intravaginale Elektrode eingesetzt - und nur mit einem Höchstmaß an Selbstdisziplin durchzuhalten.
Professor Dr. Michael Jordan aus München setzt deshalb auf eine schmerzlose Therapie von Stress-, Drang- oder gemischter Inkontinenz, die er in den USA kennen gelernt und in seiner Münchner Urologenpraxis weiterentwickelt hat.
ExMi (Extracorporal Magnetic Innervation) ist eine Magnetstimulationstherapie, die laut Jordan in jeder deutschen Urologenpraxis mühelos durchgeführt werden könnte. Die Patienten können sich dabei voll bekleidet auf einen NeoControl-Magnetstuhl setzen. Der Stuhl verfügt über einen speziell konstruierten Therapiekopf, der magnetische Impulse erzeugt und fokussiert. Dadurch werden Nervenimpulse ausgelöst, die zur Kontraktion von Becken- und Sphinktermuskeln führt.
20 Sitzungen à 20 Minuten genügten in den meisten Fällen für eine deutliche Besserung der Beschwerden, berichtet Professor Jordan begeistert. Er habe bei seinen Patienten 70 Prozent Erfolge verzeichnet. Einige der Betroffenen seien sogar komplett geheilt, die anderen kämen mit der Hälfte der Einlagen aus, und ihre Blasenkapazität sei wieder gestiegen.
Jordan ist so überzeugt von den Möglichkeiten, die seine schmerzlose ExMi-Methode mithilfe des Magnetstuhls bietet, dass er die Kitalpha Med GmbH gegründet hat, die sich auch mit der Erforschung weiterer Anwendungsgebiete seiner ExMi-Therapie beschäftigt.
Zurzeit werden unter anderem die Möglichkeiten beim Muskelaufbau im Beckenbodenbereich bei Muskelschwund in Multiple-Sklerose-Fällen, der Verhinderung von Inkontinenz nach einer Geburt, bei Ejakulationsschwierigkeiten, Chronischer Prostatitis und Erektiler Dysfunktion bei Männern, Pelvic Pain Syndrom und Orgasmus-Problemen bei Männer und Frauen und etliches mehr klinisch getestet.

Friedhelm fragte am 22.1.2005:
kann mir jemand sagen, ob es gute Videokasetten oder wenn nicht evtl. auch CD's mit Anleitungen zum Beckenbodentraining gibt?
Horst MUC lieferte ihm gleich eine ganze Liste mit einschlägigen Links:
http://www.telegym.de/p_p/09bek_a.php
http://www.bookzilla.de/shop/action/productDetails_artiId_1255716.html
http://www.buch.de/buch/schlagwort/beckenbodengymnastik_buch.html
http://www.50plus.at/beckenboden/beckenbodentraining.htm
http://www.cantienica.com/neu/ausbildung/beckenboden/beckenbodentraining.htm
http://www.dvd-galaxis.de/genre-detail-no-152671-rueckbildungsgymnastik.html
http://www.staudeverlag.de/wencke/rezensionen/0-00-200400-1.htm
http://krone.system-shop.at/kat21.htm
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3333010313
http://beckenbodentraining-fuer-maenner.00c.de/
Helmut 2 verwies auf seinen Beitrag vom 9.9.2004 und fügt hinzu:
Ich selbst war leider in keiner AHB, aber habe anscheinen die richtige Übung nach meiner OP gemacht und wünsche, dass dieser Beitrag vielen von uns weiterhilft.
Kalle II fragte, immer noch am 22.1.2005:
Es ist schön wenn Du die Inkontinenz bzw Kontinenz ohne AHB hinbekommen hast. Verrate uns doch bitte, wie Du es geschafft hast!
Ich war nach der RPE nach ca. acht Monaten wieder "trocken". Habe aber sowohl während der AHB als auch danach fleißig trainiert. Dann kam eine notwendige Bestrahlung und danach eine zunehmende Inkontinenz mit bis zu zwei Vorlagen pro Tag, und dies trotz BeBo-Training. Nun machen wir in einem Verein für Physio-Sport 50 Übungseinheiten unter Anleitung einer versierten Physiotherapeutin (von der Kasse bewilligt). Ein Drittel der Therapien sind vorüber, doch leider bei mir noch keine Besserung (Verwachsungen nach der Bestrahlung?), bei anderen Betroffenen tritt zum Teil schon eine Besserung ein.
Soweit ein kurzer Bericht. Eventuell gibt es noch andere Hinweise, nur ob wir das als BeBo-Training oder auch anders nennen, der Effekt ist sicher gleich. Fest steht, es muss der Muskel um die Harnröhre soweit trainiert werden, dass er in der Lage ist die Blase "abzudichten" und sich nur zu öffnen, wenn er es soll.
Helmut 2 beschrieb es bereitwillig:
eigentlich lächerlich einfach, aber mit sehr viel Geduld.
Nach der OP ist die Blase geschrumpft, und wenn dann noch der Katheter gezogen wurde, muss man natürlich mindestens alle zwei Stunden auf die Toilette! So, und wie ich von meinem damaligen Urologen erfahren habe, fasst die Blase 700 – 900 ml (die Bayern bringen's auf bissel mehr!).
Ich kaufte mir einen Plexiglas-Messbecher mit 600 ml Fassungsvermögen, und nun begann mein Training, Monate aber mit Erfolg!
  1. Ich ging nicht gleich pieseln [bayerisch für "pinkeln" – Ed], wenn ich musste, damit sich die Blase immer etwas mehr dehnt, und beim Wasserlassen hielt ich den Messbecher davor, um nachzusehen, wieviel ich zurückgehalten habe, es wurde immer etwas mehr.
  2. Beim Wasserlassen habe ich immer, wie die kleinen Jungs, mehrere Zwischenstopps eingehalten, also ganz natürlich das Wasser festgehalten und so den Schließmuskel trainiert!
  3. Je größer die Blase durch das Anhalten wurde, wird auch weniger Druck auf den Schließmuskel der Harnröhre aufgebaut, und so wurde ich schließlich DICHT – aber! unbedingt weiter trainieren denn beim Niesen, Lachen, Winde lassen (Furzen) und Aufstehen entkam mir immer mal was weg, und das ist natürlich, wie Ihr wisst, unangenehm, und wenn man auch noch helle Hosen anhat?!

Nach mindestens zwei Jahren war ich völlig dicht. Also, viel, viel Geduld, der Eine schafft es in kürzerer Zeit und der Andere braucht halt etwas länger.
Das ist kein Witz, was ich hier beschrieben habe, daher wünsche ich Euch viel Erfolg.

HWL schrieb am 15.10.2005:
Eine bekannten deutsche Presseagentur brachte in den letzten Tagen eine interessante Meldung. Danach hat der Urologe Prof. Dr. Rudolf Hartung vom Klinikum rechts der Isar, München anläßlich eines kürzlichen Urologen-Kongresses, von einer Neuentwicklung seiner Klinik berichtet. Dabei habe er körpereigene Stammzellen von Patienten zur Heilung oder Verbesserung der Inkontinenz benutzt. Er entnahm aus dem Oberarm seiner Patienten Stammzellen, optimierte sie im Labor und injzierte sie direkt in den Schließmuskel der Harnröhre. Danach hätten sich nach Bericht von Prof. Hartung im Schließmuskel der Patienten neue Muskelfasern gebildet, die den Schließmuskel gestärkt hätten. Nebenwirkungen seien nicht aufgetreten.
Quelle: DIE Welt 14.10.2005
Dazu bemerkte Sepp am selben Tag:
Mit Prof. Hartung hat die Stammzelltherapie wenig zu tun. Entwickelt worden ist sie an der Universitätsklinik in Innsbruck. Die Ärzte am Klinikum rechts der Isar in München haben sie von den Innsbruckern übernommen.
Recht viel mehr weiß ich auch nicht. Wenn starke Vernarbungen (im Bereich des Schließmuskels) bestehen, soll die Therapie nicht so wirkungsvoll sein.

HWL schrieb am 16.10.2005:
Auf der letztjährigen MEDICA Medizin-Messe in Düsseldorf stellte eine kleine Firma aus Frankreich ein Produkt vor, das die Probleme mancher Berufsgruppen und auch vieler PCa-Patienten lösen kann. Es handelt sich um einen länglichen, reißfesten und wasserdichten Beutel (CareBag), versehen mit einem Zugband als Verschluß, der in der Innenseite aus einer Schicht flüssigkeitsaufsaugender Watte gemischt mit sog. Superabsorber besteht.
Dieser Einweg-Beutel ist bestimmt für Personen, die dringend und ohne eine erreichbare Toilette Wasser lassen müssen. Die Absorberschicht des Beutels nimmt maximal 400 ml Flüssigkeit auf und bildet ein Gel analog den bekannten Hygiene-Einlagen. Dabei wird entstehender Geruch desodoriert. Der Beutel wird nach Gebrauch mit dem Band zugezogen und entsorgt. Es ist möglich, den Beutel in gängige Kunststoff-Bettflaschen einzulegen und nach Gebrauch ohne Schwierigkeiten wieder herauszuziehen. Dieses soll häufiges Ausspülen überflüssig machen. Anwender sind vorrangig Lastwagenfahrer, Feuerwehrleute, Segelflugsportler, PKW-Reisende im Stau und Patienten mit z.B. imperativem Harndrang. Kosten in Griechenland 20 Stck. = 12,- Euro.
Die Homepage der französischen Firma CLEANIS, 98 Rue de Rennes. 75006 Paris, www.cleanis.fr, zeigt, dass es in verschiedenen europäischen Ländern bereits Vertretungen gibt. Deutschland ist nicht darunter.
Bevor ich zu der Firma in Frankreich Kontakt aufnehme, meine Frage: ist ein deutscher Vertrieb bekannt?
Am 25.10.2005 gab HWL selbst die Antwort:
Meine Recherche ergab die Herstelleradresse und auf E-Mail-Anfrage die deutsche Verkaufsgesellschaft mit Telefon. Ich erhalte in den nächsten Tagen von dort Informationen, Preisliste und Muster.
Es handelt sich um die RCN Medizin-und Rehatechnik GmbH,
Tel.: 02131-103833; Fax: 02131-101171; eMail: fritz.heerdt@rcn-medizin.de.

Berlin fragte am 9.2.2006:
Ein guter Bekannter, ohne Internetanschluss, bat mich um Hilfe bei der Suche nach seiner Problemlösung:
95-prozentige Inkontinenz. Er kann keinen Tropfen Urin halten, muss nie dieserhalb zur Toilette. In Kürze ist das Wartejahr um, und es muss, es kann, eine Lösung gefunden werden. Man spricht vom künstlichen Schließmuskel.
Ehe er mit seinem Arzt ernsthaft spricht, möchte er sich selbst etwas kundig machen, um mitreden zu können. Er erhofft sich das jetzt eben über mich, bei Euch im Forum.
Über alles was in diesem Zusammenhang steht, haben wir ein offenes Ohr und fragen auch zurück (über das Forum oder Direktmail) wenn Unklarheit besteht.
Helft meinem Bekannten, er leidet sehr unter der Ungewissheit, ob die erneute OP ihm was bringt. Es geht im nämlich grundsätzlich sonst gut. Die sonstigen Werte sind alle im grünen Bereich.
Ralf verwies am selben Tag auf diesen Artikel aus den KISP-"Texten":
Optionen für die Behandlung von Inkontinenz nach Prostatektomie
Bruder Franz schrieb am 11.2.2006:
ich hatte nach meiner OP in 2003 starke Inkontinenzprobleme und wollte mich schon mit meiner Situation abfinden. Eine urodynamische Untersuchung am Klinikum Kassel brachte die Gewissheit, dass meine Inkontinenz nicht gebessert werden kann. Prof. Albers empfahl mir den Einsatz des künstlichen Blasenschließmuskels AMS 800.
Nach einer gewissen Bedenkzeit habe ich mir im Oktober 2005 den Schließmuskel einsetzen lassen und bin bis jetzt sehr zufrieden, vor allem komme ich seitdem ohne Vorlagen aus, d. h. meine Lebensqualität hat sehr gewonnen.
Da die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten bei Vorliegen einer entsprechenden Diagnose komplett übernehmen, kann ich nur zu diesem Schritt raten.
Nicht empfehlenswert ist eine Unterspritzung. Sie kann viele Probleme bereiten, wie ein Mitglied meiner Gruppe erfahren musste.
Sphinkter berichtete am 12.2.2006:
auch ich bin nach meiner extremen RP, 1998, ein Jahr lang durch die Hölle der ABSOLUTEN Harn-Inkontinenz gegangen.
In 1999 habe ich mir dann - nach meiner gründlichen Umsicht - im Klinikum Offenburg - einen AMS 800 implantieren lassen.
Mit diesem lebe ich seither - 6½ Jahre - wieder sehr glücklich und fast normal - ohne Einlagen oder nur mit "kleinem Streifchen" - und habe damit auch ohne Probleme die größten Fernreisen (China, Vietnam, Kambodscha - Nordkap, Südafrika - Brasilien, Kuba u. m.) gemacht! Mit dieser Aufzählung möchte ich aber NICHT angeben - sondern JEDEM MUT DAZU MACHEN, seine diesbezügliche Lebensqualität wieder von 20 auf 90 % zu steigern !
In 2004 war eine kleine Reparatur / eine Woche Krankenhaus /erforderlich, aber auch ohne Probleme.
Auskünfte, Patienten-Infomaterial und Klinikadressen in Deutschland erhält jeder über die deutsche Vertretung des AMS-800-Implantat-Herstellers: American Medical Systems Deutschland, D-10117 Berlin, Kronenstraße 3/ Tel. 0049-30-206 439-0.
AMS ist auch im Internet unter http://americanmedicalsystems.com/home.html zu finden.
Über das "Alternativsystem" ProAKT habe ich leider schon mehrmals von Problemen gehört, von AMS-800 bisher nur 1x, obwohl dies wohl das mit großem Abstand am häufigsten implantierte System sein dürfte! (Einschließlich seiner Vorgängermodelle, durch Herrn Prof. Dr. Schreiter, dem "Sphinkter-Papst" im AKH Harburg seit weit mehr als 20 Jahren! Leider ist er schon seit einigen Jahren im Ruhestand).

erwei fragte am 21.2.2006:
heute hätte ich auch ein Anliegen, da ich momentan nicht weiß, was ich noch tun kann.
Während meines Aufenthaltes in der Reha-Klinik habe ich das Medikament Yentreve zur Unterstützung der üblichen Therapie (Beckenboden-Übung, Myotrainer) erhalten. Nach einer gewissen Zeit habe ich eine Verbesserung verspürt. Nachts brauchte ich nicht mehr aufzustehen und tagsüber war der Harndrang am Nachmittag fast nicht mehr präsent.
Nun wollte ich vom Arzt noch einmal dieses Medikament. Er hat mir stattdessen das Medikament Vesikur verschrieben.
Seit ca. 14 Tagen nehme ich das Medikament ein, ohne sichtlichen Erfolg. Nach meinem Empfinden ist die Harninkontinenz wieder stärker geworden.
Urologe fs antwortete am selben Tag:
Yentreve und Vesikur haben zwei völlig unterschiedliche Wirkmechanismen und können nicht einfach gegeneinander ausgetauscht werden.
Das Problem ist, dass Yentreve NUR für die Inkontinenz der FRAU zugelassen ist. Die Anwendung bei Männern ist "off-label", d. h. in Deutschland nicht zugelassen. Daher hat Ihr Arzt das Medikament gewechselt – hätte es aber dann besser ganz abgesetzt.
Ich würde nochmals mit ihm darüber reden.
Und Karl schrieb:
Ich leide auch schon 19 Monate unter dem gleichen Inkontinenzproblem.
Seit Anfang dieses Monats benutze ich ein EMG-Biofeedbackgerät. Mit diesem kann man beim Beckenbodentraining die Anspannung der Beckenbodenmuskeln genau kontrolliern.
Ich habe den Eindruck, dass es für mich in den wenigen Tagen schon was gebracht hat. Versuche es doch einfach auch, kaputtmachen kannst du dabei nichts, und es wird von den Kassen übernommen.

Horst fragte am 19.4.2006:
aufgrund meiner anhaltenden Inkontinenz nach radikaler Prostatektomie am 12.03.2002, spiele ich mit dem Gedanken, mir einen AMS 800 implantieren zu lassen. Im Vorfeld allerdings suche ich Leidensgenossen, die das haben machen lassen und über ihre Erfahrungen berichten könnten. Was spricht für eine Implantation und was dagegen?
Über jeden Erfahrungsbericht würde ich mich sehr freuen.
Als Erster meldete sich einen Tag später Karl:
da ich auch nun fast zwei Jahre nach radikaler Prostata-OP unter Inkontinenz leide, würden mich die Vor- und Nachteile eines künstlichen Sphinkters auch interessieren.
Habe ab und zu auch an solch eine OP gedacht.
Bei meiner Untersuchung in der Klinik vergangenes Jahr wurde mir dies von dem untersuchenden Arzt (Lt. Oberarzt der Klinik und mein Operateur bei meiner OP) empfohlen.
Seine Assistensärztin, mit der ich zuvor redete, hat mir gesagt, sie würde sich das nicht machen lassen. Da ich recht wenig Vertrauen zu meinem Operateur habe (auf meine Frage wegen meiner Inkontinenz sagte er mir: "Sie können ja den OP-Bericht lesen. Wir haben nichts zu verbergen".) bin ich wieder davon abgekommen.
Mein Urologe hat mir auch schon einen Sphinkter empfohlen, auf meine Frage, ob er sich so was machen lassen würde, zögerte er und sagte dann: "Wenn man so damit leben kann dann nicht".
Seit ich einen Bericht der Deutschen Kontinenz Gesellschaft über "Operative Therapie der Belastungsinkontinenz nach Prostatektomie" gelesen habe, in dem die Risiken aufgeführt waren, weiß ich gar nicht mehr, was ich machen soll.
Wesentlich positiver liest sich Helmuts Bericht, ebenfalls vom 20.4.2006:
bei mir ist im Juni 2005 ein AMS 800 im AK Harburg mit großem Erfolg implantiert worden. Nach zwei Jahren totaler Harninkontinenz war es im August (sechs Wochen Heilung) wie eine Wiedergeburt. Mit einem Mal konnte ich wieder unbeschwert am öffentlichen Leben teilnehmen. Urlaub, Sport und Theater. Radfahren ist allerdings strengstens untersagt, da die implantierten Schläuche im Dammbereich liegen. Die Dichtigkeit liegt bei mir bei 98 %.
Vorher hatte ich einen ProACT™-Ballon im AK Barmbek erhalten, der aber überhaupt keine Besserung der Harninkontinenz brachte. Er wurde bei der OP im AK Harburg entfernt [Barmbek und Harburg sind Stadtteile der Hansestadt Hamburg – Ed].
Horst fragte dazu am 22.4.2006:
Du schreibst, dass Du zu 98 % dicht bist. Das heißt, ganz ohne Vorlagen kommst Du nicht aus, nicht wahr? Ist das Implantat in irgendeiner Situation störend? Merkst Du, dass Du einen Fremdkörper im Unterleib hast, oder kannst Du Dich bewegen wie Du willst, ohne das Ding zu spüren? Wie ist das Handling beim Harndrang? Liegt die Pumpe zwischen den Hoden, oder wird vorher ein Hoden entfernt? Wird die Manschette an der Harnröhre durch das Pumpen wirklich so gelockert, dass problemlos das Wasserlassen möglich ist? Wie lange dauert es, bis sie wieder komplett gefüllt ist und sicher schließt? Vermutlich tritt bis zum vollständigen Verschluss Inkontinenz auf und macht daher schon eine Vorlage erforderlich, nicht wahr? Wie sieht das aus, wenn man mal, aus welchen Gründen auch immer, nicht Herr seiner Sinne, z. B. Koma o. ä. ist, und sich das Wasser in der Blase staut? Ein Rückstau in den Harnleitern bis zu den Nieren ist durchaus lebensbedrohend. In solchen Fällen bist Du doch der Einzige, der von dem Implantat Kenntnis hat, kannst aber nichts sagen.
Du siehst, ich habe eine Menge Fragen zu dem Thema. Und solange nicht alle zu meiner Überzeugung und Zufriedenheit beantwortet sind, werde ich mich dem Eingriff nicht unterziehen.
Das generelle Radfahrverbot würde mich evtl. schon davon abhalten.
Das beantwortete Helmut am 24.4.2006:
Das Implantat stört nicht, weder bei der Arbeit noch beim Sport. Die Pumpe ist rechts im oberen Hodensack, der Ballon für die Ausdehnungsflüssigkeit ist rechts oberhalb der Leiste implantiert. Es wird an den Hoden nichts verändert und nichts entfernt. Wasserlassen ist problemlos. Wenn die Blase voll ist, merkt man es wie im normalen Zustand. Durch mehrmalige Betätigung der Pumpe wird die Flüssigkeit aus der Manschette gedrückt, und der Harn fließt ab. Nach ca. drei Minuten ist die Manschette wieder dicht. Natürlich kann die Manschette nicht so dicht sein wie ein Schraubgewinde, ein Schließmuskel ist es ja auch nicht. Bei Überdruck tröpfelt es dann, vor allem, wenn man auf einer vollen Blase sitzt. Deswegen trage ich ständig eine kleine Vorlage (drei Stück in 24 Stunden).
Radfahren und Reiten ist untersagt, weil die Silikonschläuche im Dammbereich abknicken oder platzen können. Warum also das Risiko eingehen und alles aufs Spiel setzen, wenn man, wie ich, zu 100 % inkontinent war?

Woprala schrieb am 19.8.2006:
Nach langem Suchen bin ich auf eine Methode gestoßen, die in Deutschland noch nicht sehr verbreitet ist.
Es handelt sich hierbei um eine Schlingenumlantation, und zwar das sog. Argussystem, das aus Argentinien kommt. Diese Schlinge wird in Deutschland nach meinem Wissen nur im Fichtelgebirgsklinikum Marktrewitz implantiert (OA Dr. Kugler). Obwohl nicht hundertprozentig trocken, habe ich jedoch eine erhebliche Verbesserung erfahren (Urinverlust ca 10-15 ml/Tag). Endgültiges kann ich allerdings noch nicht sagen, da die Op noch nicht solange zurückliegt. Ich glaube aber, dass ich Ende September wieder Radfahren und Sport treiben kann. Die Veröffentlichung für diese OP habe ich übrigens unter KISP gefunden. sie ist in der Zeitschrift "Journal für Urologie und Urogynälogie", Sonderheft 4/2005 erschienen.
Am 21.8.2006 fügt Woprala nach Gedankenaustausch mit einigen anderen Betroffenen hinzu:
Leider gibt es nach meinem Wissen kaum Veröffenlichungen zum Argus-Schlingensystem. Eine Möglichkeit wäre, Herrn OA Dr. Kugler in der Urologie des Klinikums Fichtelgebirge Marktredwitz direkt anzuschreiben. Eine Verschraubung an den Knochen erfolgt nicht. Auch gibt es die Möglichkeit, die Schlinge nachzustellen. Über ein endgültiges Ergebnis kann ich allerdings noch nicht berichten, da ich mich auf Anraten meines Urologen noch nicht voll belaste. Ich werde hoffentlich im Oktober über Erfolge berichten können. Adresse der Klinik: http://www.klinikum-fichtelgebirge.de.

Ironman schrieb am 29.12.2006:
Ich wurde am 13.12.2006 operiert. Sieben Tage danach wurde der Katheter entfernt. Bis gestern war ich bis auf wenige Tröpfchen kontinent. Gestern Abend beim Spaziergang mit dem Hund ging mir der Urin unkontolliert ab.
Dies war heute den ganzen Tag über beim Stehen und Gehen genauso, nur beim Liegen ist alles dicht. Beckenbodentraining wie von der Klinik empfohlen dreimal am Tag durchgeführt. Habe ich was falsch gemacht oder ist dies normal?
Noch zu erwähnen wäre, dass die Blase sich selbst bei 10 ml (gemessen) stark meldet, also ein Training zum Volumenvergrößern ist kaum möglich.
Urologe fs antwortete am selben Tag:
Das WIEDERauftreten der Inkontinenz mit Drang hat nichts mit dem Schließmuskel zu tun – Sie haben einfach einen Harnwegsinfekt, der behandelt werden muss.
Und Heribert schrieb einen Tag später:
Solche Zwischenfälle sind nach so kurzer postoperativer Zeit immer mal möglich. Die ableitenden Harnwege sind noch nicht ganz verheilt und können sich noch leicht entzünden. Trotz Inkontinenz solltest Du viel trinken und Dich kurzfristig einem Arzt vorstellen, um den Urin untersuchen zu lassen. Das muss nicht unbedingt ein Urologe sein, wenn jetzt am Wochenende keiner verfügbar ist.
Bei mir hat bei der sehr häufigen Miktion ein Spasmolytikum [krampflösendes Medikament – Ed] geholfen, den Harndrang zu mindern (Oxybutynin HCL).

HorstB schrieb am 29.8.2007 unter dem Betreff "Inkontinenz adieu!!":
Ich hatte in diesem Forum Erfahrungsberichte erbeten von Männern, die sich einen von den genannten künstlichen Sphinktern haben implantieren lassen. Leider war die Resonanz sehr spärlich. Durch weiteres intensives Recherchieren im Netz und durch Gespräche mit meinem Urologen habe ich drei Betroffene kennengelernt, die den Schritt getan haben. Diese Drei haben mich mit ihren Berichten so ermutigt, dass mir die Entscheidung, den gleichen Weg zu gehen, nicht mehr schwer fiel. Am 20.06.2007 wurde mir der AMS 800 implantiert und kürzlich, am 24.08.2007, aktiviert.
Ab dem Moment begann für mich ein neues Leben. Ich bin dicht! Das über fünfjährige Wechseln der z. T. übergelaufenen großen Vorlagen gehört der Vergangenheit an. Ich bin momentan noch in der Lernphase, was das Handling angeht. Deswegen trage ich zur Sicherheit über 24 Stunden nur noch eine Minivorlage.
Ich möchte mit diesem Bericht, so kurz nach der Aktivierung, jeden verzweifelten Inkontinenten genauso ermutigen, wie ich ermutigt wurde, den Schritt zu wagen. Die Implantation ist übrigens eine Kassenleistung. Nach einer angemessenen "Einarbeitungszeit" werde ich wieder berichten.
Ausführliche Informationen über das AMS 800 System könnt Ihr über folgende Adresse einholen:
American Medical Systems
AMS Deutschland GmbH
Kronenstr. 3
10117 Berlin
Tel.: 030 20 64 390
Fax: 030 20 643 999
Nicht nur reines Informationsmaterial anfordern, sondern auch gezielt die Bedienungsanweisungen für den künstlichen Blasenschließmuskel AMS 800. Die beschreibt nicht nur ausführlich die Funktion, sondern auch das Handling.
Allen Betroffenen wünsche ich eine „trockene“ Zeit und Mut.

büdika schrieb am 8.6.2008 verzweifelt:
Es ist nun vier Jahre her und es läuft immer noch (ca, 14 Vorlagen am Tag). Ich wollte fragen, gibt es was Neues über ProAct. Wer hat es schon getestet. Ich drehe noch durch, es wird immer schlimmer, es läuft und läuft....
Wenn ihr Zeit habt, so antwortet doch bitte.
HorstB antwortete ihm am 16.6.2008:
Ich kann Dir nur aus meiner Erfahrung den AMS 800 wärmstens empfehlen. Seit fast einem Jahr lebe ich damit und bin sowas von glücklich darüber, den Schritt gewagt zu haben. Meinen Erfahrungsbericht kannst Du unter folgender Adresse nachlesen: http://www.inkontinenz-selbsthilfe.com/html/erfahrungsberichte.html.

tigribznem schrieb am 2.1.2009:
Mein geliebter Vater starb vor bald zwei Jahren an den Folgen des Prostatakrebses.
Nun ist es mein Schwiegervater, der betroffen ist. Der PSA-Wert war nie höher als 3, aber bei der Biopsi traf der Arzt auf Prostatakrebs. Fünf Wochen später erfolgte die Entnahme der Prostata, da noch keine Streuung nachweisbar war. Seit dieser OP im November ist er nun schwer inkontinent und kann lediglich nachts trocken bleiben und morgens zügig mit "zuhalten" die Toilette erreichen. Die AHB trat er kurz vor Weihnachten an, mit dem Ziel gezielte "Trainingseinheiten" zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur zu erhalten. Zusätzlich erhielt er ein Reizstromgerät, dass er zweimal täglich 20 min anlegen soll.
...
Sein größtes Problem zur Zeit ist aber die Inkontinenz selber. Er hat viele verschiedene Vorlagen, Taschen u. ä. ausprobiert, die es auf dem Markt gibt, konnte aber nur feststellen, dass sie nicht richtig sitzen und es regelmäßig passiert, dass Urin am Bein herunterläuft, weil der Penis an der Vorlage vorbei "rutscht". Der Kommentar des Arztes bei der Reha, den er um Rat fragte:"lassen Sie es doch laufen!"
Zur Zeit "bastelt" er sich aus Vorlagen und breitem Leukoplast Taschen, die so groß sind, dass sie den Penis voll aufnehmen können. Zusätzlich verwendet er dann noch eine normale, große Vorlage. Da er wenig trinkt (viel zu wenig, aber die Ermahnungen und Hinweise auf mögliche Folgen stehen für ihn leider in keinem Verhältnis zur Inkontinenz!) benötigt er am Tag "nur" ca. sechs bis acht Vorlagen und Taschen.
Was für Hilfsmittel gibt es, die super saugfähig sind und trotzdem ein mobiles Leben zulassen? Kann die Beckenbodenmuskulatur den Schließmuskel "ersetzen"? Gibt es spezielle Physiotherapien, die er sich verschreiben lassen soll?
christinew schrieb einen Tag später:
Wenn der Penis verrutscht, dann sitzt die Vorlage nicht richtig. Man kann in der Apotheke – wahrscheinlich kann es auch der Urologe verschreiben – Netzhöschen kaufen, die man über der Vorlage tragen kann, dann sitzt sie ganz fest .
Dann sollte Dein Schwiegervater täglich seine Übungen weiter machen, bei meinem Mann hat es insgesamt acht bis neun Monate gedauert, bis die Inkontinenz vorbei war.
Ich weiß, so etwas ist für den Mann sehr belastend, aber nur den Mut und den Glauben nicht verlieren, die OP ist doch gerade mal einige Wochen her!

Am 24.3.2009 meldete büdika sich wieder:
Meine Diagnose in Kurzform:
2004 rad. Prostatektomie pT2 G2 PSA=27
Nach der OP seit fünf Jahren PSA auf <0,01 ng/ml.
Ich war seit meiner OP 2004 bis heute zu 98 % inkontinet. In schlechten Zeiten habe ich bis zu 15 Vorlagen am Tag gebraucht. Ich hatte eine sehr starke Anastomsenstriktur. Ich hatte bis heute 13 OPs, es musste immer wieder Narbengewebe entfernt werden. Mir wurde auch ein Stent eingesetzt, der war aber schon nach ca. vier Monaten wieder zu und musste wieder entfernt werden.
Dann habe ich die Adresse des AK Harburg bekommen. Ich habe mich dort vorgestellt. Man hat mir dort eine Anastomosen-Erneuerung vorgeschlagen. Nur dann könnte man mir einen Sphinkter einsetzen.
Es ist mir sehr gut ergangen in der AK Klink.
Wie waren die Ärzte?
Die Ärzte haben eine sehr gute Beratung gemacht. Eines nehmen die sehr genau, wenn man sich behandeln lassen will, dann auch alle Behandlungen im AK. Ich musste nach 14 Tagen meine Schläuche noch entfernen lassen, die Ärzte lassen dies nur im AK zu. Ich lasse auch keinen anderen mehr ran.
Wie war das Pflegepersonal?
Super, Note 1. Aber, wie überall, nur zu wenig.
Wie war das Essen?
Es war lecker...Aber jeder hat einen anderen Geschmack.
Wie war die Unterbringung?
Es gibt Zwei-Bett- und Drei-Bett-Zimmer. Sie sind überall stark am Umbauen. Ich hatte ein Drei-Bett-Zimmer (es ging, ich war ja nicht im Urlaub).
Was ich nach der Anastomosen-Erneuerung gemerkt habe:
Ich hatte nach der OP keine Schmerzen. Die Anastomose war ganz weit offen, alles geht in die Vorlage. Wenn ich über eine Stunde lag, musste ich zum Toilettengang vorne zuhalten, sonst gehts in die Vorlage und die schafte den Ansturm nicht.
Wenn ich woanders hin musste, nahm ich eine Penisklemme. Das geht sehr gut (aber nicht zu lange..).
Vier Monate nach der Anastomosen-OP war es soweit, der Termin für den Sphinkter stand an. Die OP ist gut verlaufen. Ich war sieben Tage im Krankenhaus. Sie haben einen Dammschnitt und einen Leistenschnitt gemacht. Ich habe den Sphinkter mit zwei Manschetten bekommen. Normalerweise wird es mit nur einer Manschette gemacht ("doppelt hält besser"). Nun musste ich sechs Wochen warten, bis alles gut verheilt war. Dann kam der Tag. Der Sphinkter wurde aktiviert. Ich musste eine Nacht im Krankenhaus bleiben.
Oh Wunder, ich bin dicht. Was ist das für ein Gefühl. Wir sind gleich eine Woche in den Urlaub gefahren.

tigribznem fragte am 21.2.2009 für ihren Schwiegervater:
Mich interessiert folgendes Problem:
Nach radikaler Prostataoperation(Prostatektomie) vor drei Monaten und fast siebenwöchigem Sphinkter- bzw. Schließmuskeltraining als Kontinenztraining zu Hause ist die anfängliche leichte Besserung der Inkontinenz nun wieder fast so wie zu Beginn des Trainings.
Im Forum wird immer wieder mal erwähnt, dass es kontraporduktiv sei, mit der elektrischen Stimulation die umgebenden Muskeln zu kräftigen, wenn doch eigentlich ein Muskel trainiert werden soll, der mit den Worten "wie ein Lidschlag" verglichen wird. Mich interessieren an dieser Stelle noch einmal gezielt die Erfahrungen, die mit bzw. ohne elektrischer Stimulation gemacht wurden.
Ist die gleichzeitige Anwendung einer Elektrischen Muskelstimulation hierbei nützlich,nutzlos oder schädlich?
Theora antwortete am 14.3.2009:
Ich hatte von November 2008 bis Januar 2009, also drei Monate lang, ein Eletrostimmulationsgerät. Bei mir hat es nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Ich habe dieses Gerät in Verbindung mit Schließmuskeltraining (Schließmuskeltraining morgends und abends und Elektrostimmulation, 20 Minuten, mittags) benutzt, und bin zehn Monate nach der OP immer noch inkontinent.
Man muss Geduld haben, und jeder Verlauf ist anders. Nach der Elektrostimmulation hat mein Urologen mir das Mittel Yentreve (am Anfang enorme Nebenwirkungen) verschrieben, und ich komme mit einer Tablette à 20 mg, morgends genommen, mit einer Vorlage am Tag aus. Die Besserung kommt sehr langsam.
Und Heribert schrieb ebenfalls am 14.3.2009:
Mir scheint, Deinem Schwiegerpapa wurden von Anfang an Trainingseinheiten verpasst, die nicht wirklich den unteren Harnröhrenschließmuskel trainiert haben. Sie haben vielmehr zur Überlastung dieses Muskels geführt. Nach einer RPE den Beckenboden des Mannes zu trainieren, ist der falsche Ansatz.
Beim Kontinenztraining ist der wichtigste Faktor, den Unterschied zwischen Analschließmuskel und Harnröhrenschließmuskel zu erkunden. Da helfen auch ungezielte Elektrostimulationen nicht. Unter Umständen könnte ein videoassistiertes Schließmuskeltraining zum Erlernen dieses Gefühls beitragen.
Im "Blauen Ratgeber" Nr. 17 wird am Ende des Heftes ausführlich das Kontinenztraining beschrieben. Wie von vielen Betroffenen schon geschrieben wurde, ist zudem sehr viel Geduld erforderlich, und mit Gewalt und Zwang geht rein gar nichts!
Sollte sich auch nach weiteren zwei Monaten noch nichts grundlegend geändert haben, empfehle ich eine erneute AHB zu beantragen. Hierbei sollte Dein Schwiegerpapa darauf bestehen, die Klinik Quellental in Bad Wildungen-Reinhardshausen als auf Harninkontinenz nach RPE spezialisiert, zu favorisieren. Der dortige Leiter, Prof. Ulrich Otto, hat mit seinen Physiotherapeuten ein ganz spezifisches Training entwickelt, die Harninkontinenz zu beheben.
Vor allem, weil Du schreibst, dass es anfänglich zur leichten Besserung gekommen ist, glaube ich, dass beim Training was falsch läuft und hier eine dringende Überprüfung durch echte Spezialisten erforderlich ist!

Am 23.5.2009 meldete büdika sich wieder:
Nun sind schon zwei Monate vergangen. Ich bin ein neuer Mensch. Ich habe ca. eine Woche gebraucht, bis die Bedienung des Sphinkters rund lief. Ich habe die fünf Jahre schon vergessen. Ich brauche täglich nur eine kleine Vorlage, müsste aber nicht sein. Ich habe auch schon einige Drucktests (Bier) hinter mir. Alles hält, nichts läuft mehr, sogar unter starken Druck. Somit kann ich auf Toilette gehen wann ich will, der Druck hält.
Ich kann nur jedem raten, nicht zu warten. Lasst euch einen Sphinkter einbauen. Ich hatte ja 13 OPs und jeder sagte, lass uns mal versuchen.... Es wurde immer schlimmer.

achim17 schrieb am 2.8.2009:
Ich wurde jetzt vor ca. drei Wochen mit „DaVinci“ in Homburg/Saar operiert. Bin derzeit in der AHB in der Klinik Wildetal (Reinhardshausen bei Bad Wildungen). Mitpatienten berichten mir, dass sie so gut wie dicht sind. Bei mir ist das (noch) nicht der Fall. Im Liegen und Sitzen geht das schon gut, aber sobald ich längere Strecken gehe, dann gibt es erhebliche Probleme. Das schränkt meinen Bewegungsradius stark ein und macht mich irgendwie unzufrieden. Ich finde einfach nicht den Zugang zum Harnröhrenschließmuskel. Mir fällt da die Differenzierung zwischen diesen Muskelgruppen schwer. Gibt es da spezielle Tricks oder Trainingsmethoden? Stellt sich hier ein positives Ergebnis erst nach vielen Wochen ein? Wer kann mir aus eigener Erfahrung helfen?
Helmut.2 antwortete am selben Tag:
Lege Dich ganz entspannt auf den Rücken und drücke mit einem Finger zwischen Hodensack und Anus und dann machst, als ob Du den Urin anhalten wolltest und wieder gehen lässt, das machst Du ein paarmal und tastest die Stelle mehr oder weniger kräftig ab, und du wirst eine kleine Muskelkontraktion spüren, und das ist der Harnröhrenschließmuskel!
Natürlich geht es nicht von heute auf morgen, und in der Klinik, in der Du Dich jetzt befindest, wird darauf ja hingewiesen, wo der Harnröhrenschließmuskel ist, und dass es eventuell erst nach Wochen oder gar nach Monaten – so wie es bei mir war – zu einem befriedigenden Resultat führt.
Bitte hab Geduld und nimm das auf, was die Physiotherapeuten Dich als Aufgaben lehren, denn Du hast ja gute Voraussetzungen hierfür, und es wird – davon bin ich überzeugt – Dir auch gelingen!

Gustav schrieb am 21.10.2009:
Möglicherweise ist Inkontinenz nach einer RPT bei Euch nicht das große Thema. Mich als Betroffenen hat es fast drei Jahre begleitet. Ich habe mich am 5.10.09 In München von Dr. Gozzi operieren lassen (Einsetzen eines AdVance-Bandes) und bin seitdem trocken. Für mich ist es eine Erlösung.

WenerR schrieb am 1.2.2011:
Ich habe über meine Probleme mit der Inkontinenz berichtet. Ich war auf der Suche nach "meiner" Lösung für das Problem – eine Reihe von Forumsteilnehmern haben mir per Mail oder Anruf gute Ratschläge gegeben. Aufgrund der mir zugänglichen Informationen habe ich mich für die Implantation eines Advance-Bandes entschieden (sollte Bedarf bestehen, so kann ich die Gründe für meine Entscheidung erläutern).
Am Mo, dem 24.01.2011 wurde mir im Klinkum Magdeburg (Chefarzt Dr. Hein) ein Advanceband implantiert. Die Op + Narkose war problemlos. Am Frei., dem 28.01.2011 wurde ich kontinent entlassen. Ich habe seit meiner Op keinen Tropfen Urin in die Vorlage verloren – seit gestern habe ich keine Vorlage mehr eingelegt.
Es stellt sich die Frage: Hatte ich "nur" Glück? Ich glaube, nein. Die vorausgehende Blasenspiegelung und der durchgeführte Gozzi-Test zeigten, dass meine Inkontinenz für eine Band-Implantation "geeignet" ist. Das Op-Team in Magdeburg hat inzwischen soviel Erfahrung, dass eine Prognose (natürlich keine Garantie!) möglich ist.
Reicht die Erfahrung von einer Woche aus, um eine endgültige Aussage zu machen? Natürlich nicht. Im Moment bin ich über meinen neuen Zustand sehr froh – was die Zukunft bringt, wird sich zeigen. Nach Aussage der Ärzte wird durch ein Advance-Band für die Zukunft nichts "verbaut", d. h. sollte es notwendig werden, kann später immer noch ein AMS-Sphinkter implantiert werden.
Am 13.7.2011 berichtete WenerR weiter:
Vor sechs Monaten habe ich ein ADVANCE-Band implantiert bekommen – und wie ist der Zustand der Inkontinenz inzwischen?
Ich bin weiterhin trocken, mit einer kleinen Einschränkung: Insbesondere beim Spielen bzw. beim Hochheben meiner Enkelkinder gehen schon vereinzelt ein paar Tropfen ab. Ich trage in diesen Fällen vorbeugend eine Mini-Vorlage. Ansonsten geht es mir sehr gut. Die Zeit, in der ich fünf bis zehn große Vorlagen pro Tag verbrauchte, liegt schon "weit zurück". Ich habe mich drei Monate sehr geschont. Inzwischen gehe ich wieder schwimmen und fahre auch wieder Rad – weitgehend problemfrei.
Jürg wies am 19.8.2011 auf einen Bericht hin:
Wieder einmal ist ein Silberstreifen am Horizont aufgetaucht, und zwar eine verbesserte Operationsmöglichkeit, die die gefürchtete Inkontinenz deutlich zu reduzieren verspricht.
Ich wünsche dem neuen Verfahren vollen Erfolg.
Jürgen Th fragte am 11.1.2012:
Ich habe nach Prostatektonomie 2006 im Jahre 2009 ein AdVance-Band bekommen. Bisher war ich mit dem Ergebnis zufrieden. Seit einigen Monaten steigt meine Inkontinenz leicht (eine Vorlage bei Ausgang). Eine Nachuntersuchung mit Ultraschall zeigte eine Verschiebung der Position des Bandes. Der Urologe begründet es damit , dass das AdVance-Band seit 2007 am Markt ist, und so etwas schon beobachtet wurde. Der Hersteller hat reagiert und die Struktur des Bandes verändert dahingehend, dass es jetzt dreidimensional gewebt ist. Mir wurde eine neue OP mit einem zweiten Band vorgeschlagen. Ich könnte mir überlegen, ob ich mit dem jetzigen Zustand leben könne, ein zweites Band wäre ohne Probleme machbar. Zu beachten ist, dass ich nach dem Einsetzen lange Schmerzen in der rechten Hüftbeuge hatte, und ich glaube, dasss mein Nerv dort seitdem irritiert ist (leichte Lähmungserscheinung nach längerem Sitzen.
Frage: Bin ich eine Ausnahme? Welche Erfahrungen liegen bei anderen Betroffenen vor?
WenerR. antwortete am 16.1.2012:
Mir wurde vor fast genau vor einem Jahr ein AdVance-Band implantiert. Ich war davor stark inkontinent (5 - 10 Vorlagen/Tag). Nach der Op war ich vollständig kontinent. Dies hielt die ersten Monate auch so an. Nach einiger Zeit verlor ich "Tröpfchen" bei besonderen Bewegungen; ich trug deshalb eine "Sicherheitsvorlage". So nach und nach wurde der Zustand langsam wieder schlechter. Meinen jetzigen Zustand kann ich wie folgt beschreiben: Ich trage ständig eine kleine Vorlage, da ich im Laufe des Tages geringe Mengen an Urin verliere. Bin ich körperlich wenig aktiv, reicht eine kleine Vorlage/Tag. Gerade in den letzten Tagen zeigte sich jedoch, dass ich bei größeren Spaziergängen/Wanderungen, beim Toben mit meinen Enkeln, beim Sport usw. etwas größere Mengen verliere. Ich bin deshalb gezwungen, die Vorlage untertags zu wechseln.
Verglichen mit meinem Zustand vor der Implantation des AdVance-Bandes bin immer noch "fast kontinent". Ich werde die weitere Entwicklung abwarten. Von der Option, ein zweites Band sich einsetzen zu lassen, habe ich gelesen. Ernsthaft damit beschäftigen werde ich mich nur dann, wenn die Inkontinenz wieder fortschreiten würde.
Du schreibst von Schmerzen in der Hüftbeuge. Bei mir verliefen die Op und die Zeit danach vollkommen problemlos.
Jürgen Th antwortete am 31.1.2012:
In unserer SHG Trier wird das Thema auch besprochen, es sind aber von den umliegenden Zentren schon negative Aussagen über das Advance Band gekommen. "Sie haben keine so guten Erfahrungen damit gemacht, und empfehlen den künstlichen Schließmuskel."
Da wir das Band nun einmal haben, können wir weiterhin beobachten. Ich habe mich z. Zt. für Vorlagen, eine am Tag, entschieden, und versuche durch Training nach "Ihde Reinhardshausen" [? – Ed] etwas zu erreichen.
WenerR meldete sich am 24.1.2012 wieder:
Heute vor einem Jahr wurde mir im Klinikum Magdeburg ein ADVANCE-Band eingesetzt. Wie versprochen, will ich über meinen Zustand in gewissen Abständen berichten:
Nach der RPE (12/2008) litt ich unter starker Inkontinenz. Das vergangene Jahr (mit ACVANCE-Band) war im Vergleich dazu ein schönes Jahr. Viele Aktivitäten (Sauna, Sport, schwimmen, rumtoben mit den Enkeln) waren wieder problemlos möglich. Wie früher, konnte ich in 2011 auch das Sportabzeichen wieder machen.
Wie ist mein aktueller Zustand? Über ein halbes Jahr war ich konstant kontinent. Dann begann es bei bestimmten Aktivitäten wieder zu tröpfeln. Derzeit trage ich konstant eine kleine Vorlage, die in der Regel für einen Tag reicht. An manchen Tagen ist der Verlust an Urin wieder größer, d. h. ich wechsle die Vorlage untertags einmal. Ich konnte noch nicht klar zuordnen, warum die Verluste unterschiedlich sind. Natürlich führen bestimmte Aktivitäten in der Regel zu mehr Verlust. Manchmal reicht schon ein größerer Spaziergang etc. um die Urinverlust zu erhöhen (dies ist jedoch nicht sicher reproduzierbar).
Zusammenfasung: Durch das ADVANCE-Band bin ich auch nach einem Jahr (fast) kontinent. Die Op war für mich ein großer Erfolg.
PS: Ich schreibe von "fast kontinent", ein Anderer würde meine jetzigen Zustand vielleicht als inkontinent beschreiben. Es hängt immer davon ab, von "welcher Seite" man kommt: von kontinent oder von starker Inkontinenz.
Übrigens: PSA konstant < 0,01 - das ist auch nicht unwichtig!
Dann wieder am 27.2.2013:
Wie versprochen, hier mein jährlicher Bericht zu dem Stand der Inkontinenz nach der Implantation des ADVANCE-Bandes (01/2011):
In dem vergangenen Jahr hat sich mein Zustand minimal verschlechtert; d. h. ich trage weiterhin konstant eine kleine Vorlage, die oftmals für den ganzen Tag reicht. Bei größeren körperlichen Aktivitäten nimmt die Inkontinenz zu. Dies bedeutet gut zu planen; d. h. wenn möglich nach 2-3 Std. die Vorlage wechseln. Für mich ist entscheidend, dass mein derzeitiger Zustand mich nicht hindert, aktiv am Leben teilzunehmen (mit Enkeln toben, wandern, Bergtouren, schwimmen, Sauna usw.).
Quintessenz: Auch nach zwei Jahren ist mein Zustand um Klassen besser als vor der Implantation des ADVANCE - Bandes. Erfreulicherweise ist der PSA - Wert weiterhin bei < 0,01.
LudwigS (Jahre zuvor mit Seeds behandelt) berichtete am 3.6.2013:
Obwohl beide Schließmuskel vorhanden, tropft es bei mir – minimalst – auch nach (Sitzpinkler). Vor Jahren bin ich schon dahinter gekommen, dass ich das nahezu wegkriege, wenn ich vor dem Erheben nochmal mit zwei Fingern unten kurz gegen den Damm drücke. Vielleicht liegt es bei mir auch etwas am erhöhten Bodymaßindex. Dann kommt noch ein kleiner Schwapp - und die Leitung ist leer. Den einen Tropfen muss man dann halt verdunsten.
Zum Thema innerer/äußerer Blasenschließmuskel schrieb Urologe fs am 18.10.2013:
Wenn sorgfältig operiert werden kann, bleiben auch große Teile des "Inneren Schließmuskels = Blasenhalses" stehen. Es gibt verschiedene Techniken, den Auslass auf optimale Größe zu verkleinern – da hat eigentlich jeder Operateur "seine eigene kleine Technik", mit mehr oder minder Erfolg. Die, meiner unmaßgelichen Meinung nach, beste Technik, die ich live demonstriert bekam, hatten Vater und Sohn Praetorius im Klinikum Starnberg. Ich persönlich habe da noch keine Inkontinenz gesehen (wird es sicher aber auch geben), und eine extrem hohe Rate an Spontanerektionen nach RPE.
Bis zum dritten Lebensjahr sind wir AUSSCHLIESSLICH durch den Beckenboden kontinent, der eigentliche Schließmuskel ist noch nicht ausgereit. Das Problem der quergestreiften, willentlich kontrollierten, Beckenbodenmuskulatur ist, dass sie im Gegensatz zur glatten Muskulatur ermüdet bei Dauerbelastung. Ausserdem braucht sie einen "Befehl von oben". Das ist der Grund, warum meistens die Inkontinenz zum Abend zunimmt – das Gehirn ist ermüdet und denkt nicht mehr daran, Befehl zum Anspannen zu erteilen.
Deswegen ist bei Erwachsenen eine vollständige Kontinenz über Beckenboden immer nur für einen begrenzten Zeitraum möglich, der aber ist ähnlich wie ein Marathonlauf trainierbar durch Beckenbodentraining, Elektrostimulation, Biofeedback oder ExMi (Magnetstuhlbehandlung).
Der Schließmuskel selbst kann durch Duloxetin (Yentreve, Cymbalta) über Wirkung auf den Nukleus Onuf gestärkt werden.
diwaldi, dem die Blase hatte entfernt werden müssen und der seitdem unter heftiger Inkontinenz leidet, fragte am 13.3.2014 nach Erfahrungen mit ProACT™-Verfahren.
Harald_1933 verwies am selben Tag auf diese Seite.

norbert177 schrieb am 19.2.2016:

Ich kann die Empfehlungen meiner Reha-Klinik beisteuern: man soll 3- bis 5-mal täglich für 5 bis 8 Minuten Kontinenztraining machen – dann ist man normalerweise nach spätestens 6 bis 9 Monaten "trocken".

Das Training von 20 Minuten am Stück kann (so die Experten der Klinik) den Schließmuskel überfordern, da der klein sei.

Zum einen ist die Zeitspanne von durchaus über einem halben Jahr abschreckend und das mehrmals tägliche Durchführen kann auch schwerfallen. Aber wenn es im Endeffekt hilft....

Ich bin im allgemeinen mit meiner Kontinenz zufrieden. Aber kleine Beeinträchtigungen wie Erkältung, Blasenentzündung oder Kreuzschmerzen wirken sich bei mir negativ aus. Da diese Effekte aber vorübergehen, kann ich damit umgehen.

PeterWo schrieb am 1.1.2017:

Im Oktober 2014 wurde ein AMS 800 implantiert und im Januar 2015 aktiviert. Man gab die Zeit zum Verheilen, doch ich brauchte weiterhin 3-4 Vorlagen. Es folgten sporadische Schmerzem im Bereich der Manschette und die Manschette kam Juli 2015 wieder raus. Bis Oktober 2016 versorgte ich mich mit Kondomurinal und Beutel.

Die Manschette wurde diesmal weiter vorn, aus dem bestrahlten Bereich implantiert. Es wurde auch ein etwas kleiner Umfang gewählt. Am 15.12.16 aktiviert und zur Zeit eine Vorlage am Tag. Zur Zeit echt gut, schwierig ist das Händeln der Trinkmenge wenn man das Haus verläßt. Der Blaseninhalt ist nicht sehr groß und das Gefühl auf die Toilette zu müssen meldet sich viel zu schnell.

Im Moment bin ich """zufrieden""" mit dem Implantat.

nomade schrieb am 16.9.2017:

Ich habe im Krankenhaus nach dem Ziehen des Katheters um Einlagen gebeten und bekam ohne Umstände ein paar in die Hand gedrückt. Für die paar Tage bis zur AHB habe ich mich im Sanitätshaus selber eingedeckt (bekam auch Proben) und in der AHB gab's die nach Bedarf.

Danach brauchte ich kaum noch was und habe mich bei der Ecke für die Damen in der Drogerie versorgt…

Heribert hatte einen anderen Vorschlag:

In den großen Drogeriemärkten gibt es auch für totale Inkontinenz des Mannes wie der Frau Vorlagen, die bis zu 1,5 Liter Flüssigkeit aufnehmen können. Hier ein Beispiel von "dm": Jessa Maxi plus. Der gleiche Markt führt auch Pants [Netzhöschen für die Einlagen – Ed] in den Größen von S bis XL.

Bevor die Versorgung beim Sanitätshaus klappt, ist es kein Problem sich für kleines Geld um die Ecke mit Vorlagen einzudecken.

Bernd57 fragte am 20.11.2017:

Meine OP war 2004. Leider jetzt mit zunehmender Inkontinenz – hauptsächlich Belastungs-Inkontinenz – und mehreren Einlagen pro Tag. Jetzt suche ich nach einer anderen Lösung. Vielleicht mit Urinalkondom. Hat jemand damit Erfahrung und kann mir Ratschläge geben?

Heribert hatte am selben Tag folgende Antwort für ihn:

Das ist eine individuelle Sache, die Du mit einem Pflegeexperten für Kontinenzförderung probieren solltest. Dein Urologe hat im allgemeinen eine Adresse parat, mit der Du dann Kontakt aufnimmst. Der Pflegeexperte macht dann mit Dir einen Termin aus, berät Dich vor Ort zu Hause und wählt das bestmögliche Set. In aller Regel lässt er Dir drei Proben zu Hause. Wenn es was für Dich ist, rufst Du ihn an und er bestellt Dir zunächst für 30 Tage ein Set. Parallel dazu bekommt Dein Urologe eine Rezeptanforderung, die dann je nach Versicherungsstatus abgerechnet wird. Eine Nachbestellung erfolgt dann jeweils von Dir unter Mitwirkung Deines Urologen.

Gut sitzende und sichere Urinalkondome sind immer davon abhängig, ob Du mit dem neuen Gefühl klar kommst.