Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Nebenwirkungen – Hitzewallungen, Schweißausbrüche

[Hitzewallungen sind die wahrscheinlich häufigste Nebenwirkung bei einer Androgenentzugstherapie. Sie werden durch den Entzug des Testosterons verursacht. Daraus folgt, dass sie sowohl bei allen LHRH-Analoga als auch den GnRH-Antagonisten auftreten. Trotzdem werden Sie von den Betroffenen unterschiedlich störend wahrgenommen. Einige Betroffene müssen nachts mehrmals den durchgeschwitzten Pyjama wechseln, anderen bereiten andere Nebenwirkungen viel mehr Probleme. – Ed]
Uwe schrieb am 29.1.2002:
Die Spritzen unterbrechen die Testosteron-Produktion der Leydigzellen in den Hoden (siehe auch Anlage: "Testosteron"). Da der Körper aus Testosteron das höherwertige Östrogen produziert, sinkt auch der Östrogengehalt im Körper. Damit kommen wir ins männliche Klimakterium mit Schweißausbrüchen, Energielosigkeit, depressiv usw. wie die Frauen beim weiblichen Klimakterium in der Menopause.
1.) Selen und morgens und abends je 400 Einheiten Vitamin E (lt. Wil).
wenn das nicht hilft,
2.) Zuerst sollte im Blut der Östradiolwert gemessen werden, unsere Normalwerte sind 50 bis 100 pg/ml. So bei 20 bis 30 pg/ml liegen die Problem-Werte.
Dann Tabletten Estrifam 1 mg/Tag, je eine Häfte morgens und eine Hälfte abends. Jeden Monat Östradiolwert messen, nicht über 50 pg/ml gehen lassen. Sollte 1 mg/Tag nicht helfen, dann 2 mg/Tag, aber immer unter Östradiolwertkontrolle. Sollte es wirken, langsam wieder runterfahren. Wir wissen nicht, ob nicht eventuell die hormonabhängigen Prostatakrebszellen, wenn sie kein Testosteron bekommen, Östrogen zur Zellteilung nehmen. Das ist ein Risiko, aber was ist schon ohne Risiko, Lebensqualität und nicht mehr schwitzen ist nach meiner Meinung viel wichtiger!

Walter schrieb am 14.2.2002:
ich wende mich an Euch, da Ihr meines Erachtens die gesamte Materie kennt und vor allem über die DHB Bescheid wisst. Ich mache die DHB seit 10 Monaten, und im März beginnt der elfte Monat. Angefangen habe ich mit einem Malignitätsgrad IIa,Gleason Score 3+3= mein PSA Wert lag bei 7,6 ng/ml. Seit mehreren Monaten habe ich einen PSA Wert von 0,05-0,07 ng/ml, und einen Testosteronwert von 0,2. Nun denke ich daran, meine Therapie abzubrechen, da ich mich teilweise sehr schlecht fühle. Da ich eine Dreimonatsspritze Trenantone im Januar bekommen habe, wirkt die ja sowieso bis Anfang April, wo ich dann die DHB auslaufen lassen möchte. Meine Frage an Euch: Kann ich es verantworten, zwei Monate vorzeitig aufzuhören, oder würde das alles in Frage stellen. Und wenn ja, höre ich gleichzeitig mit Casodex auf oder mache ich damit noch für 2 Wochen weiter, um dann nur noch Proscar zu nehmen.
[Auf Anfrage von mehreren Forumsteilnehmern, worin denn seine Probleme bestünden, teilte Walter am 17.2.2002 noch das Folgende mit: - Ed]
Mein Hauptproblem ist, dass ich hauptsächlich nachts so starke Hitze- und Schweißausbrüche bekomme, so dass ich denke, meine letzte Stunde ist gekommen. Es ist nicht die Hitze oder der Schweiß, der mich fertig macht, sondern ein furchtbares Gefühl in meinem Körper, das ich nicht beschreiben kann. Nach diesen Hitzeattacken werde ich von so heftigen Schüttelfrösten heimgesucht, dass ich mich mit allem, was mir zur Verfügung steht, zudecken muss, um wieder langsam in den Normalzustand zu kommen.. Das geht jede Nacht bis zu 10 Mal so dahin, oft auch in umgekehrter Reihenfolge. Natürlich leide ich auch unter Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Schwächezuständen...
[Aufgrund dieser Information bat Ralf Manfred zur Stellungnahme, von dem er wusste, dass er einschlägige Erfahrung mit diesem Problem hatte. Manfred schrieb: - Ed]
wenn man schon so angesprochen wird, muss man je antworten, wenn man auch keine erschöpfende Auskunft geben kann. Walter macht eine DHB und nimmt wahrscheinlich bereits die Mittel, die die Hitzewallungen reduzieren und hier liegt die Betonung auf "reduzieren" und nicht auf verhindern. Ich bearbeite meinen Krebs nach der Prostatektomie mit der zweifachen, intermittierenden Hormonablation und nehme Trenantone/Enantone und Androcur (z. Zt. 1 Tabl./d). Ein wichtiger Punkt ist jedoch, dass ich meinen Krebs akzeptiert habe, mit ihm lebe und nicht an ihm verzweifele. Ich möchte Dir, lieber Walter, nicht unterstellen, dass Du an dem Krebs verzweifelst, aber vielleicht täte etwas Gelassenheit gut. Ich, für mein Teil habe diese Einstellung durch die Foren, durch Uwe und Christian und vor allem durch das Teilnehmen an SHG-Treffen gefunden. Auch die Liebe meiner Frau hat mir sehr geholfen. All das hat mir die Kraft gegeben, eine eigene Selbsthilfegruppe zu gründen.
Meine Hitzewallungen kann ich ertragen; sie kommen manchmal am Morgen beim Frühstück, mal in der Nacht, so dass der Schlafanzug klatschnass ist. Die stärksten Hitzewallungen hatte ich jedoch nach dem Absetzen der Hormonbehandlung mit dem Ansteigen des Testosteronspiegels. Ich glaube aber auch, dass jeder Mensch anders ist und anders empfindet. Aus einer Aufstellung, ich glaube sie ist von der Takeda, gehen folgende Mittel hervor, die die Hitzewallungen reduzieren:
Therapie der Hitzewallungen unter Hormonentzugsbehandlung – Präparate und Therapiekosten


Präparat

Dosierung (lt. Literatur)

Warenzeichen

Therapiekosten (Euro)


Clonidin

0,9 mg/d

Catapresan®
Clonistada®

0,77 €


Östrogene





Polyestradiol-phosphat

80 – 160 mg i. m./Monat

Estradurin®

0,69-1,39


Östradiol

2 Pflaster/Wo
0,05 - 0,1 mg/d
transdermal

Estraderm® TTS
Menorest® 50
Dermestil® 100

0,40-0,56



Oder
1 Pflaster/Wo

Cutanum®,
Fem® 7

0,05


Gestagene





Cyproteron-acetat

100 – 300 mg/d p.o.

Adrocur®
Virilit®

3,22-8,52


Medroxypro-gesteronacetat

2 * 5 mg/d p.o.

Clinofem® 5
G-Farlutal®

0,67


Megestrol-acetat

2 * 20 mg/d p.o.

Megestat® 40

2,52



Preise: Stand Lauer-Taxe 08/97 (genannt werden das Originalpräparat sowie, wo möglich, das preiswerteste Generikum)
[Achtung, diese Preise haben sich wahrscheinlich am 1.1.2004 geändert! – Ed ]
Im Allgemeinen werden die Begleiterschienungen des Hormonentzugs durch den Patienten gut toleriert. Wenn sie als belastend empfunden werden, stehen effektive Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. In der täglichen Praxis empfiehlt es sich, zunächst mit einer möglichst niedrigen Dosis anzufangen und entsprechend dem Ansprechen die Dosis anzupassen. Abschrift einer Tabelle (lt. Takeda?)

Uwe schrieb am 19.5.2002:
Ich war eine Woche im männlichen Klimakterium, mit nicht schlafen können, dem Schwitzen in der Nacht. Vorvorgestern habe ich mein altes Hausmittel benutzt, das Östrogen Estrifam 1 mg, die Tabette geviertelt und ein Viertel Morgens und ein Viertel Abends. Östrogene sollten nur unter Kontrolle des Östradiol-Spiegels eingenommen werden. Der Wert sollte nie über 50 pg/ml gehen. Es gibt nur das Risiko, dass die Krebszelle Rezeptoren für Östrogene hat und damit die Zellteilung beim HAPK [hormonabhängigen Prostatakrebs – Ed] fortschreitet, deshalb nicht einfach Östrogene schlucken, immer unter Kontrolle. Bei mir hat es wieder wunderbar gewirkt, ich habe zwei Nächte ohne Schwitzen hinter mir, wunderbar geschlafen und fühle mich wieder sehr gut.
Wil riet allerdings am selben Tag:
Ich finde es keine gute Idee, dass du Östrogen nimmst, ohne zu wissen, ob es für dich nicht schädlich ist. Es könnte sein, dass du gerade das Gegenteil brauchst, ein Anti-Östrogen, z. B. Tamoxifen. Was zutrifft, kann in Homburg (siehe unten) gemessen werden. Du brauchst hier den Rat deines Onkologen. Vielleicht schlägt er vor, es ein paar Wochen mit Tamoxifen zu versuchen. Könntest du ihm die beiden untenstehenden Abstracts zufaxen, um zu hören, was er davon hält, dass du Östrogen nimmst? [die angesprochenen Abstracts sind als .pdf-Datei hinterlegt. Zum Lesen von .pdf-Dateien ist der kostenfrei erhältliche Acrobat Reader erforderlich. - Ed]
Ist das Schwitzen wirklich schlimmer als in deiner geliebte Sauna?
Sehr wichtig für dich erscheint mir, endlich mal mit Zometa anzufangen. Es hat eine nachgewiesene Antikrebswirkung OHNE nennenswerte Nebenwirkungen. So eine Chance dürfen wir doch nicht verpassen.

Gregor fragte am 25.8.2002:
Mein Vater bekommt seit ca 1 Jahr Hormonspritzen. Angefangen mit Enantone, jetzt vor kurzer Zeit hat er seine zweite Trenantonespritze bekommen. Anfänglich hatte er nur 2-3 mal pro Tag, mittlerweile alle 10 Minuten, eine Hitzewallung. Vom Urologen hat er ein Medikament namens Remifemin, das aber leider nicht wirkt, bekommen. Kennt jemand ein besseres Medikament ? Für einen Rat wäre ich sehr dankbar.
Wil antwortete am selben Tag:
Remifemin ist ein natürliches Produkt. Es hat keine hormonale Wirkungen. Es ist unbekannt, wie Remifemin wirkt gegen Hitzewallungen, in den Fällen wo es wirkt.
Gegen Hitzewallungen und nächtliches Schwitzen als Folge von Testosteronblockade hilft bei vielen Patienten folgendes:
Zweimal am Tag eine Kapsel Vitamin E 400 IE, jeweils beim Essen einnehmen. Nicht mehr als insgesamt 800 IE pro Tag nehmen, da man sonst leichter blutet. Auch hier ist unbekannt, wie es gegen Hitzewallungen wirkt. Das beste Vitamin E ist als natürliches Produkt in der Form von Succinat oder Carbonat, in beiden Fällen als Pulver in einer Kapsel. Dieses Pulver ist wasserlöslich und wird am besten in dem Blutstrom aufgenommen. Wenn nicht erhältlich, dann kaufe die Vitamine-E-Kapseln mit dem braungelblichen Sojaöl. Vitamin E hat auch eine Antikrebswirkung. Selen und Vitamin E verstärken sich gegenseitig. Es wird deshalb empfohlen, jeden Tag auch 200 µg Selen zu nehmen.

Julius fragte am 15.2.2003:
Seit Oktober 2002 mache ich (bisher erfolgreich) die dreifache Hormonblockade (DHB) nach Dr. B.Leibowitz; zusätzlich läuft als Knochen-Therapie gegen Knochenmetastasen die Infusion mit Zometa.
Von schwerwiegenden Nebenwirkungen bin ich bislang verschont geblieben, bis auf die sog. Hitzewallungen mit Schweißausbruch infolge der Hormonbehandlung.
Auch wenn ich nachts nicht 5-mal den Schlafanzug voll Schweiß wechseln muss, so wie kürzlich ein Betroffener in der Selbsthilfe-Gruppe erzählte, sind diese überfallartige Schweißausbrüche doch mehr als lästig.
Wer kann mir Tipps geben, mit welchem Medikament diese bekämpft bzw. erfolgreich beseitigt werden können?
Malte antwortete am selben Tag:
ich habe nicht gleich mit so scharfen Geschützen geschossen. Mir hat Menoflavon, insbesondere gegen Schlaflosigkeit und Hitzewallungen geholfen. Ein Extrakt aus Rotklee. Rezeptfrei in der Apotheke zu beziehen. Wir sind während der DHB ähnlich betroffen wie Frauen in den Wechseljahren.
Ausnahmsweise der komplette Text:
Dr. Felix Stonek, Prof. Dr. Markus Metka, Dr. Anna Maria Riedl und Prof. DDr. Johannes C. Huber
Phytohormone, wie z. B. aus dem Rotklee, treten als sanfte Alternative zur herkömmlichen Hormonsubstitution immer mehr in den Vordergrund.
Eine Nutzpflanze als Pharmatherapeutikum
Rotklee und Phytohormone
Meno- und Andropause. Die Bedeutung der Phytohormone geht mittlerweile weit über deren Ernährungsphysiologie hinaus. Intensive Forschungen zeigen mehr und mehr auf, dass Nahrungsergänzungsstoffe in entsprechender Dosierung auch pharmakologische Effekte aufweisen und somit der herkömmlichen Schulmedizin durchaus die Stirn bieten können.
Zahlreiche Studien belegen den hohen Stellenwert der Phytohormone in der Prävention und Therapie meno- und andropausaler Beschwerden (1).
Dass Asiaten seltener an kardiovaskulären Erkrankungen leiden und die Inzidenz für Karzinome hier besonders niedrig ist, ist vor allem der besonderen Ernährung zuzuschreiben (2).
Dr. Felix Stonek
Unter dem Begriff Phytohormone kann man jene aus Pflanzen stammenden Verbindungen zusammenfassen, die im menschlichen Organismus hormonähnliche Effekte auslösen. Bislang haben vor allem Phytoöstrogene Beachtung gefunden, da sie aufgrund ihrer Strukturähnlichkeit zum endogenen Substrat 17Beta-Östradiol auch am entsprechenden Hormonrezeptor binden (3). Darüber hinaus gibt es aber eine Reihe von Naturstoffen, die an anderen Stellen des Hormonhaushaltes angreifen, also indirekt Hormoneffekte auslösen. Hierzu gehören z.B. Flavonoide (4), die Enzyme des Hormonmetabolismus inhibieren, oder bestimmte Aminosäuremischungen (5), die die Sekretion von Hormonen stimulieren. Phytoöstrogene sind durch ihren direkten Angriff am Rezeptor eher zur Substitution bei einem Hormondefizit indiziert, während den Hormonmetabolismus stimulierende Naturstoffe zum »Feintuning« von leicht schwankendem Hormonspiegel eingesetzt werden können. Je nachdem, welches Sexualhormon beeinflusst wird, kann man Phytoöstrogene, Phytogestagene und Phytoandrogene unterscheiden. Naturstoffe, die den Metabolismus der Sexualhormone beeinflussen oder stimulierende Effekte aufweisen, sollten eher allgemein unter dem Begriff Phytohormone zusammengefasst werden.
Phytoöstrogene
Phytoöstrogene sind im klassischen Sinne Pflanzeninhaltsstoffe mit östrogener Wirkung (1). Über den östrogenen Effekt hinaus wurden für Phytoöstrogene eine Reihe weiterer Wirkungsmechanismen beschrieben, wie antiöstrogene Effekte, die inhibitorische Aktivität auf verschiedenste Enzymsysteme und die antioxidative Wirkung (3).
Zu den Phytoöstrogenen werden Isoflavone, Lignane und Coumestane gerechnet (Abb. 1), die insbesondere in Frucht und Blattanteil verschiedener Pflanzen, wie Soja, Rotklee* und Lein enthalten sind (6). Insbesondere die asiatische Ernährung zeichnet sich durch einen hohen Phytoöstrogengehalt aus, der unter anderem der Zufuhr von Sojaprodukten zugeschrieben werden kann. Eine bedeutende Rolle in der westlichen Ernährung spielen die östrogen aktiven Lignane Enterodiol und Enterolacton, die metabolisch aus den in der Aleuronschicht von Getreidekörnern lokalisierten Secoisolariciresinol und Matairesinol entstehen (7). Die wesentlichen Quellen für Phytoöstrogene sind also Nahrungsmittel wie Gemüse, Beeren, Getreide, Hülsenfrüchte und Samen.
Isoflavone sind in der Pflanze glykosidisch gebunden, sind aber in dieser Form nicht östrogen wirksam. Sie werden erst durch die Spaltung zu den Aglyka aktiv. Isoflavone werden durch die Bakterienflora im Magen-Darm-Trakt deglycosidiert und in der Folge oxidiert. Die Metabolite werden resorbiert und durch Phase II Enzyme der Leber sulfatiert und glucuronidiert. Diese Metabolite unterliegen dem enterohepatischen Kreislauf und werden schlussendlich biliär bzw. mit dem Harn ausgeschieden (Abb. 2). Die Absorption der Isoflavone erfolgt nur im dekonjugierten Zustand (7). Interessant ist, dass auch die Metabolite per se östrogene Effekte aufweisen.
Zahlreiche internationale Studien belegen die Aktivität der Phytoöstrogene zur Behandlung menopausaler Beschwerden und zur Prävention der Osteoporose, von Herzkreislauferkrankungen und Krebs. Dies ist nicht zuletzt der Strukturähnlichkeit der diphenolischen Phytoöstrogene zum Östrogen zuzuschreiben (7). Diese Strukturanalogie bedingt deren Affinität zum Östrogenrezeptor (8).
Bisher wurden zwei Subtypen des Östrogenrezeptors – Alpha und Beta – identifiziert, die sich in der Bindungsstelle für Östrogen unterscheiden. Alpha-Rezeptoren sind vor allem an den Fortpflanzungsorganen und im Brustgewebe lokalisiert, während Beta-Rezeptoren vorwiegend im Knochengewebe, im Herzkreislaufsystem und im Gehirn zu finden sind.
Phytoöstrogene und insbesondere Isoflavone binden mit deutlich höherer Affinität an den Beta-Rezeptor (9) und können daher als SERMs (Selective estrogen receptor modulator) bezeichnet werden. SERMs zeichnen sich durch positive Effekte auf Knochen, Herz und Kreislauf aus, während Brust und Uterus nicht betroffen sind (10). Dies ist ein eindeutiger Vorteil gegenüber der herkömmlichen HRT, bei der aufgrund der unspezifischen Rezeptorbindung mit unterschiedlichsten Nebenwirkungen gerechnet werden muss. In höheren Konzentrationen können Phytoöstrogene aber auch antiöstrogene Effekte auslösen, indem sie das endogene Substrat vom Rezeptor kompetitiv verdrängen (11). Darüber hinaus inhibieren Isoflavone Enzyme, wie die Tyrosinkinase bzw. die DNA-Topoisomerase (12) und entfalten so canceroprotektive Eigenschaften. Die tyrosinspezifische Proteinkinase induziert die Zellproliferation durch Wirkung auf die Wachstumsfaktor-stimulierte Signaltransduktion. Insbesondere Genistein inhibiert dosisabhängig die Zellproliferation in humanen Leukämie- und Melanomzellen durch Hemmung der Tyrosinkinase (13). Auch für Biochanin A sind cytotoxische Effekte auf Krebszellen beschrieben (14). Der schon lange für Flavonoide beschriebene antioxidative Effekt trägt durch Hemmung der Superoxidanionen-Bildung zum Zellschutz bei und verzögert so die Apoptose (15). Gleichzeitig induziert Genistein die Aktivität der Enzyme Catalase, Superoxiddismutase und Glutathionperoxidase, die ihrerseits als Radikalfänger fungieren. Darüber hinaus inhibieren Isoflavone die Lipoxygenase und reduzieren so das atherosklerotische Risiko. Isoflavone agieren als Antioxidantien entweder durch direkte Hemmung von Enzymen bzw. Induktion der Aktivität von protektiven Enzymen.
Rotklee-Isoflavone in der Behandlung klimakterischer Beschwerden
Die Abnahme der Östradiolspiegel verursacht bei der Frau ab 45 unterschiedliche physiologische Veränderungen, die sich in Symptomen wie Hitzewallungen, psychologischen Störungen, atropher Vaginitis und trockenen Schleimhäuten äußern und zur Entwicklung von Osteoporose und Herzkreislauferkrankungen beitragen. Exogene Zufuhr von Östrogenen kann die Symptome lindern.
Rotklee ist Soja hinsichtlich der Isoflavone sowohl quantitativ als auch qualitativ überlegen. Während Soja nur Genistein und Daidzein in signifikanten Konzentrationen enthält, findet man in Rotklee zusätzlich Formononetin und Biochanin A. Diese Isoflavone stellen ihrerseits methylierte Vorstufen von Genistein und Daidzein dar (Abb. 3) und tragen selbst auch zur Wirkung von Rotklee bei. Daidzein wird weiter zu den aktiven Metaboliten Equol und O-Desmethylangiolensin metabolisiert (16).
Ziel einer erstmals mit einem standardisierten Rotklee-Extrakt durchgeführten randomisierten, placebokontrollierten Doppelblind-Studie am Wiener AKH an 63 postmenopausalen Frauen mit klimakterischen Beschwerden war eine genaue Evaluierung der subjektiven Befindlichkeit unter Rotklee-Extrakt. Dabei wurden 46 Frauen mit 40 mg Rotklee-Extrakt (Menoflavon®) durch drei Monate behandelt, 17 Frauen erhielten ein Placebo. Beide Gruppen wurden vor und nach der Behandlung über ihr Befinden befragt und in einem standardisierten Kuppermann-Index klassifiziert. Dabei zeigte sich deutlich, dass klimakterische Beschwerden unter Menoflavon®-Medikation signifikant niedriger waren als in der Placebo-Gruppe (Abb. 4). Ebenso gab es bei Frauen unter 3-monatiger Menoflavon®-Therapie eine signifikante Verringerung des Gesamtcholesterinspiegels im Blut; ein Effekt, der von Sojaisoflavonen schon lange bekannt ist und mit ein Grund für die kardioprotektive Wirkung von Isoflavonen sein dürfte. Diese ersten Ergebnisse bestätigen auch epidemiologische Daten aus Asien, dass eine phytoöstrogenreiche Ernährung zu einer geringeren Inzidenz menopausaler Beschwerden führt. Hitzewallungen treten bei asiatischen Frauen signifikant weniger häufig auf als bei Frauen westlicher Nationen. Internationale Studien mit postmenopausalen Frauen belegen, dass Isoflavone die Häufigkeit der Hitzewallungen reduzieren können (17). Auch weitere menopausale Symptome nahmen während der Zufuhr von Phytoöstrogenen deutlich ab.
Jüngste Untersuchungen mit Isoflavonen eines speziellen Rotklee-Extraktes zeigten, dass deren Affinität zum Beta-Rezeptor um ein Vielfaches höher ist als die zum Alpha-Rezeptor (Abb. 5). Mehr noch, die Summe dieser spezifischen Aktivität der einzelnen Isoflavone ist niedriger als die des Gesamtextraktes. Diese Beobachtung unterstützt die Hypothese, dass weitere, noch nicht identifizierte Inhaltsstoffe an dem Effekt mitbeteiligt sind (18). Rotklee kann daher als hochselektiver SERM bezeichnet werden.
Fazit
Epidemiologische Erhebungen und international durchgeführte Studien belegen, dass Phytohormone, also vor allem Phytoöstrogene, aber auch Phytogestagene und Phytoandrogene verschiedenste Hormon-abhängige Beschwerden reduzieren bzw. vorbeugen, wie menopausale oder andropausale Symptome, Herz-Kreislauferkrankungen, Osteoporose und Krebs. Dabei hat sich herauskristallisiert, dass insbesondere Isoflavone auch für phytogestagene und phytoandrogene Mechanismen verantwortlich sind. Die zugrunde liegenden Mechanismen sind vielschichtig. Einerseits wirken Phytoöstrogene via direkter Bindung am Rezeptor sowohl östrogen als auch, in höherer Konzentration, antiöstrogen, andererseits können Phytohormone auch durch Hemmung enzymatischer Reaktionen bzw. durch Stimulation der Hormonsekretion Effekte im Hormonhaushalt auslösen. Letzt genannte inhibitorische bzw. stimulative Reaktionen werden auch durch andere Naturstoffe als die klassischen Phytoöstrogene, nämlich durch Flavonoide, Sterine, bestimmte Gerbstoffe und Saponine ausgelöst.
Der Vorteil der »natürlichen« Therapeutika gegenüber isolierten natürlichen oder synthetischen Substanzen ist das physiologische Milieu des Extraktes und seine Komplexizität, die die Absorption, Bioverfügbarkeit und Wirksamkeit der aktiven Inhaltsstoffe erhöhen.
Phytohormone spielen eine entscheidende Rolle in der Prävention so genannter Zivilisationskrankheiten und nehmen eine immer wichtigere Stellung in der heutigen Ernährung bzw. Nahrungssubstitution ein.
Abstrakt
Epidemologische Daten zeigen, dass eine Phytoöstrogen-reiche Ernährung einen positiven Einfluss auf verschiedene chronische Erkrankungen wie Osteoporose, Herz-Kreislauf- und Hormon-abhängige Krebserkrankungen hat. Die zu den Phytoöstrogenen zählenden Isoflavone üben diese Wirkung aber nicht nur durch unmittelbare Interaktion mit dem Östrogenrezeptor aus, sondern auch durch inhibitorische Effekte auf bestimmte Enzyme des Hormonmetabolismus, auf die DNA-Topoisomerase und Tyrosinkinase, bzw. durch Stimulation der Proliferation und Differenzierung von speziellen Zellsystemen z. B. Osteoblasten. Phytohormone sind also alle natürlichen Verbindungen, die hormonähnliche Effekte auslösen. Rotklee ist besonders reich und vielfältig an verschiedensten Phytoöstrogenen. Erste klinische Untersuchungen mit einem standardisierten Rotklee-Extrakt (Menoflavon®) an postmenopausalen Frauen zeigen eine signifikante Reduktion menopausaler Beschwerden im Vergleich zur Placebogruppe. Laboruntersuchungen belegen eindrucksvoll, dass Rotklee-Isoflavone besonders selektiv am Östrogenrezeptor beta wirken und damit Herz/Kreislauf und Knochen schützen. Aus den bis dato vorliegenden Daten lässt sich schließen, dass Rotklee-Extrakt ein potentes Substrat zur Behandlung postmenopausaler Beschwerden sein dürfte.
Anschrift der Autoren:
Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Sterilitätsbehandlung, Universität Wien, AKH, Währinger Gürtel 18–20, A-1090 Wien, Österreich
Korrespondenzadresse: w.o., Dr. Felix Stonek, Tel: 01/40400–7828, Fax: –7842, E-Mail: felix.stonek@akh-wien.ac.at

Urologe fs schrieb am 2.8.2004 auf eine entsprechende Anfrage:
Gegen die Hitzewallungen empfehle ich, 2 x 1 Remifemin plus zu probieren.
Dazu lieferte Horst MUC am 6.8.2004 gleich einen Erfahrungsbericht:
ich nehme auch Remifemin plus. Anfangs nur remifemin - hatte nach einer Woche deutlich weniger Hitzewallungen. Jetzt treten sie wieder öfter auf. Daraufhin habe ich die Empfehlung von unserem Uro "fs" übernommen und bin seit vier Tagen auf "Remifemin plus" gewechselt.
Hier der Waschzettel:
Die Wirkung von Remifemin plus Dragées tritt bei Beschwerden in den Wechseljahren nicht sofort ein.
Erste Behandlungsergebnisse zeigen sich, wie bei den meisten pflanzlichen Arzneimitteln, nach 2 bis 4 Wochen und verbessern sich bei längerer Anwendungsdauer. Um jedoch andere Krankheiten nicht zu übersehen, sollte nach 6 Mon. ein Arzt aufgesucht werden (Originalzitat vom Beipackzettel).
-------------------------------------------------------------------------
Remifemin® plus, Dragees
Kombipräparat
Schaper & Brümmer
------------------------------------------------------------------------
Zusammensetzung:
- 1 Dragée enthält: Johanniskraut-Trockenextrakt entsprechend Gesamthypericin (standardisiert) = 0,25 mg, Cimicifugawurzelstock-Trockenextrakt entsprechend Triterpenglykoside ber. als 27-Deoxyactein (standardisiert) = 1,0 mg. Hilfsstoffe: Mikrokristalline Cellulose, Glycerolalkonat, Glycerolbehenat, Kartoffelstärke, Lactose, Macrogol, Magnesiumstearat, Methylhydroxypropylcellulose, hochdisp. Siliciumdioxid, Talkum. Farbst.: E 132, E 172.
Anwendung:
Beschw. im Klimakterium wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche, depressive Verstimmungszustände u. psychovegetat. Stör. wie Niedergeschlagenheit, innere Anspannung, Reizbarkeit, Konzentrationsschwäche, Schlaflosigk., Angst u./od. nervöse Unruhe, prämenstruelle psychovegetative Beschwerden
Nebenwirkungen:
Eine Photosensibilisierung ist möglich, bes. bei hellhäutigen Personen.
Wechselwirkungen:
In Einzelfällen: abgeschwächte Wirkung von Antikoagulantien v. Cumarintyp (z. B. Phenprocoumon); daher Kontrolle der Blutgerinnung empfehlenswert. In Einzelfällen Abnahme des Ciclosporinspiegels. Wechselwirkungen mit ähnlich metabolisierten AM nicht auszuschließen.
Dosierung:
2x tgl. 1 Dragée, bei Bedarf 2x tgl. 2 Dragées. Die Einnahme sollte morgens und abends unzerkaut mit Flüssigkeit erfolgen.

pebe fragte am 20.1.2005:
mein Freund (60 J.) macht seit ca. sechs Monaten die DHB. Seine Werte sind sehr gut – habe sie momentan leider nicht zur Hand. Leider leidet er sehr stark unter Hitzewallungen. Meine Frage ist: wie geht es nach der Therapie weiter? Wer von Euch hat die DHB (als Ersttherapie) schon hinter sich? Wie erging es Euch? Habt Ihr, wie auch mein Freund, kaum noch eine Nacht durchgeschlafen wegen der Hitzewallungen? Ich weiß, so viele Fragen auf einmal! Sorry! Wäre Euch dankbar um einige Informationen.
Horst MUC konnte am selben Tag eine Empfehlung geben:
ich bekomme seit Mai 2004 Trenantone und nehme seit Anfang November Flutamid und Avodart zusätzlich als DHB.
Am Anfang hatte ich auch sehr unter den Hitzewallungen zu leiden. Manchmal tagsüber sogar alle 15 Minuten, und vor allem nachts in Schweiß gebadet.
Ich nehme nach Empfehlungen aus dem Forum das Präparat Klimadynon Uno und habe nur noch ganz selten Wallungen – über den Tag verteilt vielleicht zweimal – aber nachts überhaupt nicht mehr.
Klimadynon hilft nicht sofort – die Wirkung tritt ca. drei Wochen nach regelmäßiger Einnahme ein. Ich kann dieses Präparat nur empfehlen – aber, vor allem auf die Stärke UNO achten.

Sven B. fragte am 29.4.2005, an Urologen fs gewandt:
meinem Freund wurde empfohlen, gegen Hitzewallungen "Farlutal®" einzunehmen (er macht DHB seit Juli 2004). Kann dies helfen? Bin besorgt bezüglich der Nebenwirkungen dieses Medikamentes.
Urologe fs antwortete einen Tag später:
prinzipiell ist die Progesterongabe eine der Möglichkeiten, die Hitzewallungen zu behandeln. Ich wüsste aber gern, wie hoch der Testosteronspiegel derzeit ist. Außerdem ist die DHB bald vorbei.
Ich würde daher zu milderen Mitteln greifen, wie z. B. Remifemin plus 2 x 1, um die Zeit zu überbrücken bis zum Wiedereinsetzen der Testosteronproduktion.

Jack fragte am 30.1.2006:
Seit Juni 05 bekomme ich monatlich Zometa-Infusion und dreimonatlich Zoladex-Injektionen. Ich habe immer häufiger Hitzewellen mit Schweißausbrüchen, daher oft Probleme mit dem Einschlafen. Der Urloge sagt das komme vor, weiß aber kein Remedium. Weiß jemand um ein Mittel, das Erleichterung schafft?
Horst MUC antwortete am selben Tag:
mir hilft sehr gut Klimadynon von bionorica. Nehme täglich zwei Tabletten. Hinweis für Neulinge: Helfen nicht sofort, sondern nach ca. zwei Wochen – das Warten ist es wert.
Julius P. schrieb, ebenfalls am selben Tag:
Bei mir hat merklich geholfen:
Remifemin Plus...................1-0-1 ------ 2 Tabletten pro Tag
Cefasel 300 µg (Selen.........1-0-1 -------2 Tabletten pro Tag
Vitamin E (Gamma od. Succinate)---------2 Tabletten pro Tag, 400 IU pro Kapsel
Letztendlich muss man es aber selber ausprobieren. Was bei Einem wirkt, muss nicht unbedingt beim Anderen auch wirken.

Boerland schrieb am 4.2.2008:
Ich habe meine Hitzewallungen relativ gut im Griff dank Progestogel. Diesen Tipp bekam ich von Günter Feick.
Progestogel ist einfach anzuwenden. Einen Tropfen, 1 x täglich je nach Bedarf, auf dem Oberarm verreiben und nach ein paar Tagen ist die Wirkung zu spüren. Progestogel ist verschreibungspflichtig.
Weiter kann ich täglichen Hopfentee empfehlen, immer nen kleinen Anteil zum normalen Tee.
Hvielemi schrieb am 25.1.2014:
Nachdem meine Brustdrüsen wg. Casodex bestrahlt worden sind, gibt es keine Gründe mehr, mir nicht wenigstens geringdosiertes Estradiol zu geben.
Mit einem Pflästerchen 'Systen 25mg' am Abend hatte ich erstmals seit Jahren eine Nacht frei von Hitzewallungen. Die Schlafstörungen durch mehrfaches Wasserlassen sind ohne nachfolgende Wallungen sehr viel weniger störend, und morgens in trockenen Tüchern aufzuwachen, ist eine Wohltat. Nun gelang auch die zweite Nacht gut.
Das kleine Pflästerchen am Hintern stört nicht im Geringsten. Es übersteht das Duschen ohne Probleme und soll 2 x wöchentlich ersetzt werden.

herbi278 fragte am 18.8.2014:

Habe eine Hormontherapie gemacht. Mein PSA-Wert liegt bei 0,05 und mein Testosteron-Wert bei weniger als 0,1 pg/ml. Fühle mich,im Gegensatz zu Wochen vorher, in letzter Zeit sehr müde und antriebslos und habe auch Hitzewallungen. Bestehen da Abhängigkeiten oder sind es PC-Auswirkungen? Bin 85 Jahre alt, aber diese Erscheinungen hatte ich früher nicht.

Urologe antwortete einen Tag später:

Eventuell hilft es, zusätzlich ein Östrogenpflaster zu nehmen.