Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Nebenwirkungen – Fatigue (Erschöpfung, Ermattung)

Jürg schrieb am 16.8.2004:
Am 6. Juli hat "unser" Urologe fs darauf hingewiesen, dass RITALIN gegen Fatigue (massive Erscheinungen von Mattigkeit bei Krebserkrankungen und ihrer Behandlung mit bestimmten Therapien) ein nützliches Medikament sein könnte, und ich habe in Aussicht genommen, den Erfahrungsbericht zu diesem Thema von Dr. Wharton, einem amerikanischen Kinderarzt, ins Deutsche zu übersetzen. Die Übersetzung liegt nun vor und steht zur Verfügung. Auf der Homepage aus der Liste links auf dem Bildschirm TEXTE anklicken und dann in den Artikeln, die alphabetisch geordnet sind, bis zu WHARTON scrollen.
Elke schrieb am selben Tag:
... Ein anderer, deutscher Vorschlag wäre es, das gute alte Johanniskraut zu versuchen – es wirkt gegen leichte bis mittelschwere Depressionen und Müdigkeit. Verschreiben sogar die Ärzte hierzulande.

Franz fragte am 23.8.2004:
ich leide seit meheren Jahren an PK und habe mich 2000 einer Operation unterzogen. Leider ist mein PK sehr resistent was Therapieformen angeht, weswegen ich nach der letzten Chemotherapie mit Taxotere nicht mehr viel Hoffnung auf Besserung habe. Metastasen haben sich bei mir in Beckenboden und in den Rippen gezeigt und machen aber schmerzlich gesehen noch nicht wirklich Probleme.
Probleme bereitet mir im Moment eine Schlappheit und Trägheit die mich am Nachmittag überkommt. Wodurch es für mich schwer ist meinen gewohnten Tagesablauf zu verfolgen. Liege dann meistens auf dem Sofa und schlafe viel. Dazu habe ich am Morgen und am Abend auch immer sehr wenig Appetit. Andere Tage bin ich wieder fit wie ein "Turnschuh" und kann Gartenarbeit leisten, Fahrrad fahren usw. Allerdings macht es mir wirklich zu schaffen, dass mein Wohlbefinden so abwechselnd ist. Hat jemand ähnliche Probleme bzw. weiß jemand einen Rat, was ich dagegen machen kann. Ich wäre sehr dankbar, einige Antworten zu bekommen, damit ich weiter gegen den mächtigen Gegener PK ankämpfen kann...
Elke antwortete am selben Tag:
vielleicht hilft Dir gedanklich der Beitrag von Jürg vom 16.08.04 aus dem Forum zum Thema Fatigue bei Krebserkrankungen etwas weiter.
Hans aus Südtirol schrieb:
da bist Du nicht allein. Mir geht es ähnlich, aber schon seit langem und lange bevor bei mir der PK diagnostiziert wurde. Und seit ich die DHB mache, geht es mir natürlich nicht besser. Aber es ist im Grunde auszuhalten. Am meisten zu schaffen macht mir die Schlaflosigkeit in der Nacht, wenn ich aufwache, was meistens der Fall ist, dann habe ich Probleme wieder einzuschlafen, Und morgens bekomme ich dann die Rechnung, und ich bin platt... Einer geregelten Arbeit nachzugehen, ist für mich praktisch unmöglich. So spiele ich halt den Hausmann für meine Kinder, recht und schlecht.
Horst 1:
dieses Problem ist warscheinlich FATIGUE. Die meisten Ärzte in Deutschland kennen die Krankheit nicht, oder meinen sie nicht behandeln zu müssen.
Ich habe einen Beitrag im Fernsehen gesehen, in dem das Medikament RITALIN ( von Novartis ) ( Methylphenidat-Hydrochlorid ) empfohlen wird. Es hat aber nur eine kurze Wirkungsdauer ( ca. 4 - 6 Std).
Besser soll CONCERTA (von Janssen-Cilag ) sein, denn es hält länger vor. Sprich doch mal deinen Onkologen darauf an, denn er wird dir das Medikament wohl verschreiben. Ein Uro oder Hausarzt hat wohl Probleme mit den Kosten.
Einen anderen Rat hatte Marco, immer noch am 23.8.2004:
es sieht so aus als ob diese Erfahrung immer wieder gemacht wird, daher hier das Rezept, das mir geholfen hat (ich hatte nach RP, Hormonblockade und Bestrahlung mit den Folgen in Form Antriebslosigkeit und Müdigkeit nicht nur zu kämpfen, sondern war mehr oder minder platt).
1. Blutbild. Nur bei einigermaßen erträglicher Sauerstoff-Versorgung kann man aktiv sein, also sollten ausreichend rote Blutkörperchen vorhanden sein.
2. Selen. Nur zufällig hatte ich davon erfahren, folgte der Empfehlung des Arztes und nahm 300 µg/d. Nach zehn Tagen war die Besserung markant. Daraufhin nahm ich einen Monat später die doppelte Dosis (nach vorheriger Information, damit noch um den Faktor 7 bis 8 von der chronisch giftigen Dosis entfernt zu sein), es ging mir bei der doppelten Dosis nochmals viel besser also habe ich auch das Dreifache, nämlich 900 µg/d ausprobiert und wechsele seitdem zwischen 600 und 900 µg/d nach Gefühl.
Die ab und zu gemachten Messungen von Se im Blut zeigen keine deutlich erhöhten Werte, also brauche ich offensichtlich soviel.
3. Diät nach Barry Sears. The Omega-Rx Zone (Original) oder: Die Wohlfühl Diät (Econ Verlag).
A.:Wenig Kohlenhydrate (schaffe ich nicht solange es frische Früchte gibt).
B.:Viel Fett, aber nur in Form von Olivenöl, auch Nüsse und Avocados. Aber sehr wenig sonstiges Fett.
C.:Viel Eiweiss (Nieren kontrollieren) aber wenig rotes Fleisch, keine Innereien, kein Gelbei, reichlich Quark (bei mir Käse, auch wenn ich gegen das Milchfettverbot sündige), auch reichlich Geflügel und Fisch.
Fisch wegen der Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren möglichst nur als Kaltwasserfisch und kein Zuchtfisch (die Fette aus dem Fischfutter finden sich in den Fischen wieder, daher haben nur fette Kaltwasserfische ausreichend Omega-3-Fettsäuren). (Kaltwasserfisch gibt es auch in südlichen Breiten an Stellen wo die polaren Ströme aus der Tiefe nach kreisen um die Meere der Ursprungsgebiete oder unterqueren des Äquators wieder auftauchen).
Selbst aus Kaltwasserfisch kann man heute aber den Bedarf an den Omega-3-Fettsäuren nicht decken (im Gegensatz zu früher, wo der Lebertran zwar scheußlich war aber nicht in größerer Menge schädlich durch PCB und Quecksilbergehalt wie heute).
Daher zusätzlich Omega-3-Fettsäuren nehmen, Barry Sears empfiehlt natürlich seines, das infolge Vakuumdestillation extrem gut gereinigt ist. Für Gesunde werden 3 g/Tag empfohlen, bei Zusatzbelastungen (PK oder auch andere Ärgernisse) auch mehr. Kriterium für optimalen Zustand ist: morgens quietschfidel aufwachen auch wenn man wenig geschlafen hat.
Messbares Kriterium ist: das Verhältnis von Triglyzeriden zu HDL (den high density Lipoproteinen) soll bei 1,5 liegen.
Nach nur 4 Wochen dieser Diät war mein viel zu hoher Triglyceridspiegel von 280 auf 110 gesunken!
Zum Erreichen der idealen Werte brauche ich 7 bis 9 g/d von dem Searslab-Fischöl.
D.: Sehr viel grünes Blattgemüse als vierte wichtige Komponente dieser Diät. (Erbsen, Karotten, Bohnen sind stark kohlenhydrathaltig und müssen in die Kohlenhydratmenge eingerechnet werden!).
Da ich Kohl nur roh richtig vertrage, bleiben fast nur Sellerieblätter für mich übrig. Auch Wirsing im Winter.
Fazit: Es funktioniert, ich hätte es nie geglaubt. Viel Erfolg beim Ausprobieren!