Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Nebenwirkungen – In der
Androgenblockade

[Vielen der Nebenwirkungen, die während einer Androgenblockade auftreten können, sind eigene Seiten gewidmet. – Ed]

Dieter schrieb am 6.4.2001:
...ich hab ja am 12.2.01 mit der TAB begonnen und war froh, dass ich das Flutamid vertrage. Aber seit drei Wochen wurde es mit Durchfall und ständiger Übelkeit immer schlimmer. Seit gestern nehme ich nun Casodex. Heute geht es mir schon besser.

Wolfgang schrieb am 6.5.2001:
ich habe mit meinem Urologen eine Zytostatika-Therapie begonnen und bin über die Nebenwirkungen überrascht. Nach einer Woche Casodex (1 x täglich) wurde ich mit einem Monatsdepot Enantone gespritzt. Seitdem habe ich einen trockenen Hals, mir ist mal kalt, mal warm, teilweise schlecht, ohne Appetit - der ganze Körper summt und kribbelt und man spürt, dass die Balance verloren gegangen ist. Sind das die Nebenwirkungen, die z. B. Teilnehmer der DHB 13 Monate lang aushalten müssen oder bin ich nur besonders empfindlich. Über Erfahrungen anderer Teilnehmer würde ich gerne etwas im Forum lesen.
Günther antwortete am 6.5.2001:
ich habe nun die DHB 4 Monate hinter mir und habe keine Deiner Nebenwirkungen außer einer etwas trockener Haut in den Handflächen und weniger Barthaare. Außerdem habe ich herausgefunden, dass Alkohol nicht zur Therapie passt, da bekam ich teilweise Magenschmerzen. Ich habe jedoch als Spritze eine 3-Monats-Depot Zoladex und dazu 150 mg Casodex sowie 50 mg Proscar.
Ralf antwortete am 6.5.2001:
ich bekomme seit mehr als vier Monaten Trenantone, eine Drei-Monats-Depotspritze mit meines Wissens demselben Wirkstoff wie in Enantone, dazu 750 mg Flutamid und 5 mg Proscar täglich. Ich kann keine der von Dir beobachteten Nebenwirkungen bestätigen, wohl aber einige der von Günther berichteten: Trockenere Gesichtshaut (früher war sie immer ein bisschen fettig), das ist sogar angenehm, geringerer Bartwuchs, etwas empfindlicherer Magen, der aber gegen ein, zwei kleine Bierchen am Abend nichts einzuwenden hat, seit ca. sechs Wochen, also ca. drei Monate nach Behandlungsbeginn, gelegentliche Hitzewallungen, die aber von relativ kurzer Dauer (10 min) und noch erträglich sind. Dass manche anderen mit Flutamid Probleme haben, ich aber nicht, führe ich auf die leberstabilisierende Wirkung von WIKUTO zurück.
Horst antwortete am 6.5.2001:
...ich bekomme seit zwei Monaten Enantone, Flutamid und Proscar. Meine Nebenwirkungen sind in der letzten Zeit ca. sechs Hitzewallungen für ca. 5 min., etwas trockenere Haut und Haare, ein etwas empfindlicherer Magen und eine geringere Leistungsfähigkeit. Früher konnte ich 10 km ohne Probleme joggen, heute habe ich nach ca. fünf km genug. Außerdem bin ich etwas träger in der Entschlussfreudigkeit geworden. Um im Garten zu arbeiten, muss ich mich erst überwinden. Wenn ich dann dabei bin, habe ich keine Probleme mehr. Für mich halte ich es mit den Worten von Christian: „Was wollt Ihr eigentlich, Ihr habt Krebs, und wenn Ihr in besiegen wollt, dann sind doch diese geringen Nebenwirkungen ohne Probleme zu ertragen.“

Wil hatte auf direktem (E-Mail-) Weg eine Anfrage bekommen und beantwortete sie am 20.6.2001 auch über das Forum:
Wolfgang K. schrieb:
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Herr U. aus Mannheim war so freundlich, mir Ihre E-Mail-Adresse mitzuteilen. Auf Grund eines Adenocarcinoms (G1) rechts Gleason 2 + 2, seinerzeit PSA 3,18 ng/ml. Im April habe ich die 1. Zoladex-Spritze mit Androcur erhalten, die 2. ohne Androcur im Mai. Die 3. wäre in 5 Tagen fällig. In dieser Zeit habe ich eine sehr starke körperliche Schwäche. Können Sie mir ein anderes Mittel (Canonist) empfehlen, welches nicht diese Nebenwirkungen aufweist.
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Bei Hormontherapie wird die Produktion des Testosterons (eines Androgens) blockiert. Bis zu 90 % der Patienten haben dann u.a. eine Blutarmut (Anämie) als Nebenwirkung. Es gibt jedoch verschiedene Arten von Anämien. Eine davon wird also durch Androgen-Entzug verursacht. Bei ungefähr 11 % der Patienten sind dann die Symptome (Kurzatmigkeit, Schwindelgefühle, sehr starke körperliche Schwäche) so stark, dass eine spezielle medizinische Behandlung indiziert sein kann. Der Arzt wird sich vergewissern, was die Ursache der Anämie ist. Bei dir ist im Falle einer Anämie die Ursache höchstwahrscheinlich die Hormontherapie (Androgen-Entzug).
Es wird gemessen:
HEMATOCRIT [36-50 %], normal über 40 %. Bei Hormonblockade liegt der Wert im unteren Bereich, darf nicht zu weit unterhalb 36 % liegen, und/oder HAEMOGLOBIN [12-17 g/dl, 120-170 g/l] Der Wert darf nicht zu weit unterhalb 12 g/dl (= 120 g/l) liegen. Zum Beispiel: Vor Anfang der Hormonblockade 149 g/l. Eine relative Abnahme von bis zu 10 % kommt bei Hormonblockade am meisten vor. Leider kommen auch relative Abnahmen von bis zu 25 % vor. Bei 10-12 % der Patienten treten sehr starke Symptome auf.
Die Anämie und ihre Symptome können ggf. korrigiert werden mittels subcutaner Spritzen von "recombinantes humanes Erythropoietin", Handelsnamen: Procrit und Epogen.
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http://www.prostate-cancer.org/resource/insights.html Hier die folgende Ausgabe der PCRI Insights herunterladen und abdrucken: January 1999, vol. 2, no. 1 und folgendes Artikel lesen: Androgen Deprivation Syndrome (ADS)
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Referenz: p2p-digest V3 #261
Strum SB & Tisman G: Anemia of androgen deprivation(AAD) in patients receiving combination hormonal blockade: response to erythropoietin. Presented at the 6th International Symposium on Supportive Care in Cancer, Abstract O-1, New Orleans, Louisiana, March 2-5, 1994.
Strum SB & Tisman G: Anemia of androgen deprivation(AAD) in patients receiving combination hormonal blockade: response to erythropoietin. Proc Am Soc Clin Oncol 13:238, 1994 (Abstract)
Strum SB, McDermed JE, Scholz MC, et al: Anemia associated with androgen deprivation in prostate cancer (PC) patients on combination hormone blockade (CHB). Abstract submitted but not accepted #1481, AUA 1997.
Strum S, McDermed JE, Scholz MC, Tisman G, Johnson H: Anemia associated with androgen deprivation(AAAD) due to combination hormone blockade (CHB) responds to recombinant human erythropoietin (r hu-EPO). J Urol 157:232A 1997.
Strum SB, McDermed JE, Scholz MC, et al: Anemia associated with androgen deprivation (AAAD) in prostate cancer (PC) patients (PTS) receiving combination hormone blockade (CHB). Proc Amer Soc Clin Oncol 16:345a, 1997. +++Strum SB, McDermed JE, Scholz MC, et al: Anaemia associated with androgen deprivation in patients with prostate cancer receiving combined hormone blockade. Br J Urol 79:933-41, 1997.
Dr. Strum schrieb:
Die dritte Zusammenfassung oben betrifft den Gebrauch von Erythropoetin, um die die durch Androgenunterdrückung verursachte Anämie zu korrigieren. Manche Patienten brauchen nur eine kleine Dosis Procrit, um dies zu korrigieren, z. B. 4.000 Einheiten alle sieben bis 14 Tage, oder weniger. Allerdings verwenden wir Procrit noch danach, um dieses Problem in den Griff zu bekommen, wenn wir alle anderen Ursachen für Anämie ausgeschlossen haben. Wir wissen, dass es zwei Wochen dauert, bevor wir eine Wirkung sehen, und normalerweise etwa vier Wochen, bevor die volle Wirkung des Procrits eintritt. Es ist auch wichtig, den Vorgang der TITRATION der Dosis zu erwähnen [Titration: (immunologisch) quantitative Bestimmung des Titers (Menge eines Antikörpers bzw. Antigens) (nach Pschyrembel – Klinisches Wörterbuch) – Ed]. Der Arzt kann mit 10.000 bis 30.000 Einheiten pro Woche beginnen, und wenn das Hämatokrit oder Hämoglobin (Maße für das Volumen der roten Blutkörperchen) zu steigen beginnt, kann er die Dosis erhöhen, verringern oder unverändert lassen.
Dies ist ein Teil der ärztlichen Kunst, und es ist wie beim Kochen: Als Teil des Prozesses nimmt eine Probe des Ergebnisses und passt die verwendetet Dosis bis zum optimalen Grad an. Bereiche, die man als Ursache einer Anämie ausschließne sollte, sind u. a.: Eisenmangelanämie, ernährungsbedingte Anämie infolge von B12- und Folsäuremangel, medikamentenbedingte Anämie, durch Alkohol verursachte Knochenmarkstoxizität, andere Erkrankungen, die die Produktion der roten Blutkörperchen beeinträchtigen und Befall des Knochenkarks durch den Prostatakrebs. Eisenmangel wird am besten diagnostiziert, indem man das Serumferritins misst und prüft, ob die Werte niedrig sind. Traditionell kann man das Eisen im Serum und die Eisenbindungskapazität ermitteln und das erstere durch das letztere dividieren, um die Transferrinsättigung zu erhalten. Wenn diese Rechnung Eisen/Eisenbindungskapazität <10 % ergibt, besteht die Wahrscheinlichkeit einer Eisenmangelanämie. Ein modernerer Ansatz dieser Diagnose ist, das Serumferritin zu bestimmen, und wenn es >220 ist, sich wegen einer Eisenmangelanämie keine Gedanken zu machen. Wenn sie allerdings <220 ist, den Spiegel der Serumtransferrinrezeptoren zu bestimmen. Damit werden die Transferrinrezeptoren gemessen: Der Rezeptoren, die sich an das verfügbare Eisen binden. Wenn dieser Wert 28 oder größer ist, besteht ein beträchtliches Risiko zu einer Eisenmangelanämie. In solchen Fällen ist es angebracht, es mit oral zu verabreichende Eisenpräparate wie Eisenfumarat oder Eisenglukonat zu versuchen. Wenn dies die Anämie nicht beseitigt, verwenden wir intravenöses Eisen. Die sicherste Form von intravenösem (iv) Eisen ist Ferrlecit. Dies wird in der Arztpraxis einmal wöchentlich verabreicht, und das Hämatokrit wird ermittelt um abzuklären, ob ein Ansprechen eintritt. Ein billigeres iv-Eisen ist Imferon. Diese letztere Eisenform ist mit Dextran gekoppelt. Manche Patienten reagieren mit einer ernsten allergischen Reaktion auf Dextran, und darum MÜSSEN die Patienten insbesondere während der ersten beiden Imferonverabreichungen mit versuchsweisen Dosierungen von je 25 mg engmaschig beobachtet werden. Wenn die zweite Dosis verabreicht worden ist, kann die Dosierung auf 100 mg erhöht werden. Ferrlecit enthält kein Dextran, und diese besondere Besorgnis bezüglich anaphylaktischer Reaktionen ist im wesentlichen vernachlässigbar. Das Problem ist, dass Ferrlecit in den Vereinigten Staaten nicht routinemäßig zugelassen ist.

Gerd J. schrieb am 6.9.2001:
...Im Augenblick benötige ich Ratschläge zur Behandlung von Nebenwirkungen der DHB.
Meine PKG: GERD (41)
DX 02/00 bPSA 13 (9,5 in 95;10 in 99);T3,pN1(3/14),M0 (PET,MRI)
BX 2/00 GS 6, GS IIb ;TX ST 5/00, 72 Gy;AB1 11/00;DHB 5/01
Im November 00 begann ich mit 1 Casodex, nachdem die konformale Bestrahlung der Prostata gescheitert war (Abfall des PSA von 13 auf 6,2 ng/ml; Wiederanstieg auf 15 ng/ml von 8/00 bis 11/00). Die Therapie ist wirksam. Das PSA fiel auf 0,5 in 2/01; 0,24 in 5/01; < 0,1 in 6/01; 7/01; 8/01. Leider steigen die Transaminasen, und ich leide ständig unter Übelkeit. Vermutlich ist die hohe Dosierung von Casodex die Ursache. Wenn sich mein Befinden nicht bessert, werde ich die Casodex-Dosis reduzieren müssen. In einem seiner kürzlichen Postings nannte Wil noch zusätzliche Gründe für eine allmähliche Reduzierung von Casodex.
Ich wollte die DHB 9 Monate (nach 6 Monaten AB1) durchführen, weiß jetzt aber nicht, ob das bei ständiger Leberbelastung möglich ist. Wer hat ähnliche Erfahrungen gemacht? Gibt es Möglichkeiten, die DHB mit geringeren Nebenwirkungen durchzuführen oder die Nebenwirkungen zu verringern?
Wil brachte am selben Tag die Angaben in Tabellenform und schrieb weiter:
JJ/MM|PSA
95/xx| 9.50
99/10|10.0
00/02|13.0 T3M1N0 GS=6 G=IIb
00/05| ST (conform) 72 Gy
00/08| 6.20
00/11|15.0 AB1 (Casodex 50 mg)
01/??| ADT3 (Casodex 150 mg, Enantone?, Proscar 5 mg)
01/02|  0.50
01/05|< 0.1
01/06|< 0.1
01/07|< 0.1
01/08|< 0.1


Transaminasen bedeutet Leberwerte, nehme ich an. Dr. Strum hat mal geraten, vor allem am Anfang einer Hormonblockade mit einem Antiandrogen wie Flutamid und Casodex die Trends der Leberwerte zu verfolgen. Der Arzt soll sich nicht mit "Leberwerte sind Ok" begnügen und dann versäumen, den Trend (Verlauf) zu beobachten. Der Trend soll auch innerhalb des normalen Bereiches beobachtet werden, damit zeitig eine Warnung kommt. Nur wenn die Leberwerte stabil erscheinen, kann man weniger häufig messen.
> Vermutlich ist die hohe Dosierung von Casodex die Ursache. Wenn sich mein Befinden nicht bessert,werde ich die Casodex -Dosis reduzieren müssen.
Ursache steigender Leberwerte: Ja, vermutlich. Ursache der Übelkeit: Weiß ich nicht, ich denke, nicht.
Gegen Übelkeit soll Ingwer helfen. Wurde öfters erwähnt zur Linderung bei Chemotherapie. Hab selbst keine Erfahrung. Ingwer hilft z. B. auch gegen Seekrankheit. Siehe auch den Artikel im vorigen Beitrag: "Kräutermedizin. Potentielle Interaktionen mit Medikamenten". Im Falle von Ingwer aufpassen, wenn blutverdünnende Medizin genommen wird.
> In einem seiner kürzlichen Postings nannte Wil noch zusätzliche Gründe für eine allmähliche Reduzierung von Casodex. Ich wollte die DHB 9 Monate (nach 6 Monaten AB1) durchführen,weiß jetzt aber nicht,ob das bei ständiger Leberbelastung möglich ist.
Wenn PSA undetektierbar geworden ist kann Casodex ggf stufenweise abgesetzt werden. PSA monatlich messen um Effekt zu sehen.
Ralf antwortete am 6.9.2001:
als ich im Dez. 00 mit der DHB anfing (Trenantone, Flutamid und Proscar), merkte ich auch sehr bald, dass mein Magen empfindlich wurde. Ich hatte nachts häufig Sodbrennen. Irgendwo fand ich einen Hinweis, dass Ingwer den Magen beruhigt. Ich nahm dann kandierten Ingwer (gibt's z. B. in Tee- und Gewürzgeschäften) und ich glaube, es hat geholfen. Ingwer schmerkt zwar scharf auf der Zunge, aber den Magen stört das nicht, im Gegenteil. Ich verzichte seitdem auf möglichst alles Saure wie Gewürzgurken, Schwarz- und Roggenbrot und esse als Gebäck vorwiegend helle Brötchen. Sodbrennen habe ich schon lange nicht mehr gehabt, und Ingwer brauche ich auch schon lange nicht mehr. Stattdessen trinke ich Wikuto und schwöre darauf, dass es meinem Magen und meiner Leber gut tut. Jetzt scheint es allerdings, als könne man das nicht unbedingt verallgemeinern (werde dazu auch noch einen Kommentar schreiben).

Paul stellte am 10.10.2001 eine Frage und löste damit einige Reaktionen aus:
Ich bin mit der DHB im 3. Monat und mit der Therapie bis jetzt zufrieden. PSA -19,6 ng/ml war mein Ausgangswert, < 0,03 ng/ml waren nach 1,5 Monaten erreicht . Nebenwirkungen außer leichten Hitzewallungen waren bis jetzt keine. Ich nehme Flutamid, und meine Leberwerte sind immer noch im Grenzbereich.
Jetzt bekomme ich Druckschmerzen und Ziehen im rechten Hoden. Auch eine leichte Schwellung und Verhärtung ist zu tasten. Mein Arzt meinte, eine Entzündung und Vergrößerung in den Nebenhoden festzustellen und verordnete Antibiotika. Auch habe ich Nachts leichtes Nerven-Muskelzucken in den Waden. Meine Frage: Kann das von der Enantone kommen? Wer hat ähnliche Erfahrung ? Oder wer weiß Rat?
Ralf antwortete am selben Tag, und stellte abschließend selbst eine Frage:
interessant, was du da berichtest. Ich bin jetzt im 10. Monat der DHB, mit Trenantone (gleicher Wirkstoff wie Enantone) und Flutamid. Mein bPSA war 12,2 ng/ml, und seit Juni ist überhaupt kein PSA mehr nachweisbar (im März 0,01 ng/ml). Ich verspüre ebenfalls gelegentliche leichte Hitzewallungen, und ich hatte genau die gleichen Symptome am Hoden und Nebenhoden, allerdings auch schon sporadisch lange vor der Behandlung und bevor ich von meiner Erkrankung wusste. Da ich gleichzeitig zur DHB nicht noch mehr Medikamente schlucken wollte, habe ich auf Antibiotika verzichtet, und die Beschwerden sind nach einiger Zeit von selbst wieder verschwunden. Ich denke, dass die DHB nichts damit zu tun hat, und dass die Gleichzeitigkeit Zufall ist.
Muskelzucken und Krämpfe deuten meines Erachtens auf einen Kalzium- und Magnesiummangel hin. Zu Kalzium hat Wil früher schon mal geschrieben ("Informationen" = > "Ernährung" = > "Kupfer, Zink, Magnesium und Kalzium"). Ich nehme prophylaktisch "Magnesium-Calzium-Mineraltabletten" von Abtei. Gibt's bei uns im Supermarkt für wenig Geld in der Abteilung für Nahrungsergänzungen.
Seit Ende August verspüre ich aber immer stärker eine andere erwähnte Nebenwirkung von Trenantone. In der Packungsbeilage von Trenantone steht u. a.: "... Knochenschmerzen... Gelegentlich Auftreten von Gelenk- und Rückenschmerzen, Muskelschwäche...". Ich habe jetzt ständig Beschwerden in den Knie- und Knöchelgelenken, und die Unterschenkelknochen tun gelegentlich weh. Das alles mal mehr, mal weniger. Die Oberarm- und Oberschenkelmuskulatur ist deutlich geschrumpft. Ich fürchte, dass ich da noch einige Monate durch muss.
Und jetzt frage ich: Haben andere, die schon ähnlich lange oder länger in der DHB sind, ähnliche Erfahrungen gemacht?
Ludwig schilderte seine Beobachtungen am 11.1.0.2001:
Hallo, habe auch leichte Gelenkschmerzen, speziell in den Handgelenken und Fußgelenken (Enantone, Flutamid, Proscar, Wikuto, Kalk, Magnesium, Selen, Zink, Vitamin-B-Komplex-Spritze alle 2 Wochen). Zuerst hatte ich das mit der DHB am 1. Juli begonnene, recht exzessive Radfahren in Verdacht. Aber es hat sich nur geringfügig verbessert, nachdem ich nur noch "normal" fahre. "Spüren" kann ich meine Beine immer, vor allem die Füße oben am Spann. Nach der 3. Spritze haben die Waden manchmal nachts wie Feuer gebrannt. Hat sich jetzt nach der 4. Spritze (PSA 0,047 ng/ml, Tendenz noch fallend von bPSA 15,5 ng/ml) wieder leicht verringert, man kann damit leben. Hitzewellen wie gewohnt, vor allem beim Schlafen.
Willi berichtete seine Erfahrungen am 14.10.2001:
wie vermutlich alle, ohne Testosteron, merke auch ich Nebenwirkungen. Dieses sind:
* Impotenz,
* geringes Ziehen in den Brustdrüsen und geringes Wachstum (nur im 2.Monat),
* gut erträgliche Schweißausbrüche. Nehmen inzwischen ab, oder ich habe mich daran gewöhnt.
* Merkbarer Leistungsrückgang, komme aber damit sehr gut zurecht (auch im Beruf). Ist abhängig von der Tagesbelastung.
* Bedarf einer kurzen Tagesruhe meldet sich an (war vorher völlig unbekannt).
* Trockenere Haut als vorher.
* Ab dem 4. Monat zuweilen plötzlich auftretender Harndrang auch bei relativ geringer Urinmenge (200-250 ml; Standard, 300-400 ml).
* Ca. im August (7. Monat) leichtes Ziehen vom rechten Hoden zur Leiste. Danach bis jetzt nicht aufgetreten.
Ich fühle mich ansonsten wohl, treibe Sport, (Waldlauf, Skifahren,Surfen), nur das Radfahren schränke ich deutlich ein. Ob dies besser ist, weiß ich jedoch nicht. Einschränkung zum Waldlauf: Ich war faul in letzter Zeit, nehme aber das Training wieder auf.
Paul selbst meldete sich am 14.10.2001 auf Ralfs Reaktion wieder:
Zur Erklärung und Ergänzung , Ich bin jetzt im 7. Monat mit Enantone,4. Monat mit der DHB Zu den von mir geschilderten Nebenwirkungen, muss ich leider auch die von Dir beschriebenen Nebenwirkungen wie

- Knochenschmerzen
- Gelenkschmerzen besonders in den Knien
- Unterschenkelknochen
- Trockene Haut
- Müdigkeit und starker Leistungsabfall

bestätigen. Die Beschwerden in den Nebenhoden sind nach der Antibiotikaeinnahme deutlich besser geworden. Besonders schlimm sind die Gelenkschmerzen nachts. TIPP VON MIR : Ich klemme nachts ein kleines Kissen zwischen die Knie , um den Punktdruck auf den Knien zu vermeiden. Ich nehme täglich: Kalzium 500 mg , Magnesium 250 mg, Selen 200 mg. Das einzig Positive und sehr Schöne an der ganzen Sache: Impotent bin ich nicht. Der Druck und Drang ist zwar nicht mehr so vorhanden, wenn er aber gefordert wird, geht es immer noch, wenn auch nur trocken.
Und Günther schrieb ebenfalls am 14.10.2001:
ich bin mit meiner DHB im 11 Monat und will im Jänner absetzen. Anscheinend sind Eure Nebenwirkungen auf Enantone zurückzuführen. Ich habe keine dieser Nebenwirkungen. Ich mache die DHB mit Zoladex 3-Monats-Depot, Casodex 150 mg, Proscar 5 mg. Hatte noch nie Wallungen oder andere Schmerzen. Libido und Potenz fehlen, teilweise trockene Handflächen. Bartwuchs auf die Hälfte reduziert. Habe auch keine Ermüdungserscheinungen.
Mein PSA ist nach 2 Monaten unter 0,1 ng/ml gesunken und derzeit schon 3 Monate bei 0,01 ng/ml. Mein bPSA war 7,26 ng/ml, Gleason Score 8 (4+4).
Abschließend schrieb Arnold am 16.10.2001:
Hallo Ralf, Paul und Mitbetroffene,
Eure Schilderung der Nebenwirkungen hat mich wieder einmal zum Nachdenken angeregt mit folgendem Ergebnis: Auch bei mir hat sich seit einem Jahr zeitweise Muskelzucken in den Beinen und Gelenkschmerzen, besonders im Fuß, bemerkbar gemacht. Bei den Füßen war es Anfang 2001 so schlimm, dass ich glaubte, ich müsste mir andere Schuhe kaufen. Ich "dachte" nach und kam zu dem Ergebnis, mit meinem Alter, 71, muss man wohl damit leben. Ich wollte es aber so nicht hinnehmen und wurde zusätzlich aktiv.
Zwischenbemerkung: Im Aug. 2001 hatte ich mich bei Euch mit meiner PKG vorgestellt. DX: 12/11/1998; bPSA 1232 ng/ml; PV 7x7x9; Biopsie: PK. Ich bekomme bis heute Trenantone im 3-Monat-Takt solo und ab 06.2001 durch die unschätzbaren Hinweise in diesem Forum: AB3 mit Trenantone, Flutamid und Proscar, begleitet mit Wikuto, wozu ich mich hier nochmals bei - Wil - vielmals bedanke. Tx: 06/09/2001; PSA 2,1 ng/ml.
Nun wieder Thema: Nebenwirkungen. Ich hatte (wie Ralf) mir Anfang 2001 endlich die Packungsbeilage der Trenantone beschafft und mir daraus die tiefgreifenden Auswirkungen der Spritze auf den Körper (und auf den Geist) erklärt. Was tun?
(1) Ich brauche intensive körperliche Betätigung mit Belastung der Wirbelsäule, Arme, Beine und Füße (in meinem Berufsleben war ich als gegründet von im Büro tätig). Nun als Rentner ging ich verstärkt an die körperliche Betätigung als Aufgaben (!) im Garten und am Haus mit Arbeiten, die ich ohne PK wohl aus Bequemlichkeit nicht alle ausgeführt hätte. Ferner merke ich bei den Arbeiten nicht die häufigen belastenden Hitze- und Schwitz-Attacken, denn ich habe bei den Arbeiten ein leichtes fortwährendes Schwitzen ohne die sonst üblichen Stimmungseinbrüche.
(2) Wandern: Meine Frau und ich machen auch häufig Wanderungen, kein Schlendern aber auch keine Kraftmärsche. Beim Wandern habe ich mir angewöhnt, den jeweiligen Fuß mit der Hacke aufzusetzen und bei der Vorwärtsbewegung des Körpers den betr. Fuß mit Druck nach vorn bis in die Zehenspitzen abzurollen. Dabei werden die Fuß-/Knöchelgelenke und die Zehen intensiv durchgewalkt; diese Beanspruchung geht bis in die Waden und Knie. Heute läuft dieser Vorgang unbewusst ab. Kein Missverständnis, ich bin lediglich ein Autodidakt.
Liebe Mitbetroffene, hoffentlich habe ich Euch nicht gelangweilt mit meiner "Erfahrung", dieser Art von Nebenwirkungen zu begegnen. Ich bin kein Könner und kein Held. Ich habe oft nach den Hitze- und Schwitz-Attacken mit tiefen Stimmungslöchern zu ringen und wundere mich heute, dass ich noch ein zäher Ringer bin. Zum Schluss noch einen Nachsatz zu (1): Arbeiten: Wer kein Haus und keinen großen Garten hat, dem empfehle ich als Ersatz den Besuch in einem Fitness-Center mit "Rudern", wobei die Leistungsvorgabe einstellbar ist und der Konkurrent/das andere Boot im Monitor zu sehen ist. Es werden Wirbelsäule, Arm-, Bein- und Knöchelgelenke sehr gut beansprucht. Ich habe es in einem Sporthotel einmal mitgemacht (mit Vernunft) und war angenehm überrascht.
[Arnold starb am 6. Februar 2017, wenige Wochen vor seinem 87. Geburtstag. Meine Frau und ich nahmen an der Urnenbeisetzung teil. – Ed]