Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Nebenwirkungen – Darmbeschwerden nach Bestrahlung

dire fragte am 14.3.2006:

Ich hatte vor einem Jahr eine Strahlentherapie (Afterloading) in Köln. Alles sehr zu empfehlen. PSA derzeit unter 0,1. Hormonbehandlung wurde bereits abgesetzt. Hierzu kann ich gerne noch Informationen geben: Strahlentherapie, Kostenübernahme, Depressionen usw.

Einziges Problem sind Darmbeschwerden. Diese habe ich heute noch. Kennt sich hier jemand aus?

dieterdo antwortete am 18.3.2006:

hab meine Darmbeschwerden mit Sauerkraut aus dem Reformhaus und Sauerkrautsaft in den Griff bekommen. Die Beschwerden waren aber auch nicht sehr heftig. Vielleicht hilft Dir das ja auch.


vinozette fragte am 4.6.2007:

Mein Mann hat im Dezember 2006 eine Bestrahlung im Beckenbereich (erst breit gefächert, dann lokal auf die Lymphknoten) über sieben Wochen erhalten.

Seit Mitte April treten nun täglich Krämpfe im Darm und Stuhldrang (ohne Stuhl zu haben) auf. Ausgelöst werden die Krämpfe zumeist beim Stuhlgang. Außerdem fühlt er sich körperlich erschöpft und müde.

Momentan nimmt er Schmerzmittel, die er für seinen Rücken verschrieben bekommen hat (Diclac). Aber das kann keine Dauerlösung sein.

1) Wer kennt sich damit aus? Geht das von allein weg (wenn ja, wann?)?

2) Zu welchem Arzt geht man am Besten (sein Proktologe meint, da könne man nix machen, ist vielleicht "SCHUPPENFLECHTE"!!!!!!!!!!!!!!)

Die Strahlentherapie sagt: KANN NICHT VON DER BESTRAHLUNG SEIN, es ist zu lange her.

Ist das zu fassen??!

Mein Mann meint: Wohin soll ich denn noch gehen, ich war doch schon überall.

3) Drum meld ich mich bei Euch. Kennt jemand Therapiemöglichkeiten (damit man den Ärzten bissi auf die Sprünge helfen kann)?

Carola-Elke antwortete am selben Tag:

Als ersten medikamentösen Therapievorschlag, auf den Du ja Euren Arzt hinweisen kannst, weil es ein "klassisches" Medikament gegen Darmkrämpfe ist, würde ich "Buscopan" empfehlen. Es ist sehr wirkam, wenn die Darmkrämpfe akut eintreten und sehr schmerzhaft sind.

http://de.wikipedia.org/wiki/Butylscopolamin

Ein zweiter medikamentöser Versuch wären alternativ "Paspertin" oder "MCP-Tropfen", die die Darmmotorik ebenfalls regulieren können – auch wenn in den Nebenwirkungen das Gegenteil angegeben wird, zeigt sich in der Praxis meistens, dass sie eine gute Harmonisierung der Magen-Darm-Motorik bewirken.

http://de.wikipedia.org/wiki/Metoclopramid

Versucht es einmal - ich wünsche Deinem Mann viel Erfolg dabei.


Helmut (i) fragte am 8.6.2011:

Ich suche einen Rat für meinen Bruder, dessen Erkrankung von Anfang an einen ungünstigen Verlauf hatte. (Wiederholte negative Biopsien, späte Diagnose bei TURP, Prostatektomie, Strahlentherapie nach Rezidiv, nach Beendigung PSA 1,3 bei laufender HB).

Die RT (normale 3D) war im Oktober 10 beendet. Nach einiger Zeit traten Probleme im Verdauungstrakt auf: Heftigste Blähungen, die sich explosionsartig entladen, wobei Schleim und Blut austritt.Diese Symptome wurden zunächst als Nebenwirkung der RT eingeordnet und medikamentös behandelt. Nachdem der Zustand bis heute unverändert fortbesteht,entstanden Bedenken hinsichtlich einer eigenständigen Erkrankung und es sollte eine Darmspiegelung gemacht werden. Der Internist lehnte diese ab, weil bei einem entzündeten Darm das Risiko von Verletzungen deutlich erhöht sei. Es wurde ihm empfohlen, eine CT machen zu lassen, die keinen Befund erbrachte. Schließlich landete er bei einem Proktologen, der eine Endoskopie des Enddarms durchführte und die Symptome als Strahlenschäden einordnete und seine Diagnose dahingehend ergänzte, dass dies bis zu zwei Jahre dauern kann, der Patient sich aber hinsichtlich einer sonstigen Darmerkrankung keine Sorge zu machen brauche.

Ich selbst habe mit meiner Strahlentherapie (allerdings IMRT) beste Erfahrungen gemacht und kann nicht nachvollziehen, dass diese Aussage überzeugend sein kann. Weder erscheint es mir glaubhaft, dass eine Schleimhautreizung des Darms zwei Jahre zum Abheilen benötigen soll noch wäre ich mit dem Ausschluss einer anderen Ursache zufrieden.

Wer hat entsprechende Erfahrungen bzw. Informationen?

Heribert antwortete am selben Tag:

Wenn der Proktologe das gesamte Sigma einsehen konnte, müsste er eine Strahlenproktitis eindeutig beurteilen können. Was natürlich eine Blutungsquelle im Kolon nicht ausschließt. Das sicher zu ermitteln geht letztlich nur mit einer hohen Koloskopie.

Wegen der erheblichen Darmmotorik kann man evtl. mit einer sehr schonenden Kapselendoskopie mehr erfahren. Lies bitte hier... Das Verfahren ist für die Beurteilung des Kolon kaum geeignet, wie die Seite des Link erklärt.

Durch bestimmte rektal zu applizierende Medikamente kann die Strahlenproktitis aber erheblich gemildert werden. Ggf. könnte auch über eine Argon-Plasma-Koagulation nachgedacht werden. Siehe dazu hier...

Als letzten Hinweis würde ich die regelmäßige Einnahme von indischen Flohsamenschalen z.B. von AURICA nicht unterschätzen. Ich selbst nehme das Zeug täglich, weil es sowohl harte Stühle als auch zu weiche Stühle sehr gut reguliert.

Und der Strahlentherapeut Daniel Schmidt schrieb:

Darmnebenwirkungen nach Radiotherapie sind oft vorhanden und hängen meistens von der applizierten Dosis (und weniger von der Technik, z.B. IMRT vs. 3D) ab.

Schwere Nebenwirkungen, wie hier beschrieben, sind bei etwa 3 % aller Patienten zu finden und werden mit verschiedenen Behandlungen angegangen. Sie brauchen lange Zeit (Jahre) bis sie abheilen, wenn sie das überhaupt tun.

Ich denke, dass Ihr Bruder sicherlich einen Experten (Gastroenterologen) mit Erfahrung bei der Betreuung solcher Patienten bräuchte. Dazu würde ich an Ihrer Stelle bei der Strahlentherapiepraxis/-abteilung fragen, wo Ihr Bruder behandelt wurde. Neben medikamentösen Ansätzen mit Einläufen, Salben, etc. sind auch lokale endoskopische Verfahren möglich zur Linderung/Besserung der Beschwerden.