Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Nebenwirkungen – Chemotherapie


Ralf schrieb am 28.2.2004:
wie manche von Euch vielleicht noch wissen, nahm Uwe kurz vor seinem Tod einen neuen Text in seine Themenliste auf, "Chemo-Therapie", geschrieben von Frau Prof. Elke Jäger vom Krankenhaus Nordwest in Frankfurt/M. Er bereitete noch eine weitere Seite über Nebenwirkungen (Uwe bevorzugte den Ausdruck "Negativwirkungen") solcher Chemotherapien vor, den ihm PD Dr. Eckhart Weidmann, Oberarzt bei Frau Prof. Jäger, schreiben wollte. Ich fand diese vorbereitete Seite in Uwes Nachlass.
Auf meine Bitte hin (weitergeleitet durch Gerd U.) hat Herr Dr. Weidmann diesen Beitrag jetzt geschrieben. Ich habe ihn in die vorbereitete Seite eingearbeitet und heute auf den Server hochgeladen. Er ist zu finden im fünften Block von Uwes Themenliste.
Dazu schrieb Erika am selben Tag:
Die Ausführungen von Dr. Weidmann sind auch am Krankenhaus Nordwest Theorie wie ich bei meinem kürzlich verstorbenen Mann erfahren musste. Er wurde nacheinander mit 5FU, Taxol, Novantron, Estramustin behandelt – ohne jeden Erfolg. Aber mit der Negativwirkung einer ausgeprägten Tumorkachexie [tumorbedingte Auszehrung – Ed], die von den Ärzten lange Zeit völlig übersehen wurde und ihm in seinen letzten Monaten mehr zu schaffen machte als die Krebserkrankung. Meine Empfehlung: auf ganz präzise Information bestehen und bei Nebenwirkungen energisch darauf hinweisen. Aber, wer ist dazu in der Lagen, wenn es ihm ohnehin schlecht geht?
Jörg (O) fragte am 29.2.2004:
Ist es aber nicht üblich, dass vor Beginn einer Chemotherapie auch eine Chemosensitivitätsprüfung vorgenommen werden sollte, mit der festgestellt werden könnte, ob der Patient überhaupt auf die ins Auge gefassten Chemotherapeutika anspricht?
Erika beantwortete die Frage am 13.3.2004:
Es gibt diesen Sensitivitätstest. Er wird aber nicht regelmäßig gemacht. Das Labor von Prof. Dr. med. Michael Giesing in Recklinghausen führt diesen Test anhand einer Blutprobe durch. Er kostet ca. 800 Euro und lohnt sich nur, wenn der behandelnde Onkologe bereit ist, den Test, der noch viele weitere Parameter über den Stand der Erkrankung umfasst, auch auszuwerten und zu berücksichtigen, was keineswegs selbstverständlich ist.
Prof. Giesing hat die Telefonnr. 02361/30000, fax 02361/72288, email:labor@relab.de

ChristineW fragte am 7.9.2006:
Nach erfolgreichem Kampf [gegen die widerspenstige Krankenkasse – Ed] hat mein Mann nun am vergangenen Montag die 1. Chemo (Taxotere 160 mg) erhalten, beim nächsten Mal, 25.9., gibt es auch Zometa, seit gestern hat er gewaltige Magenschmerzen und sehr roten Urin. Legalon für die Leber habe ich schon vermerkt, der Arztbesuch steht morgen an. Was kann man für den Magen tun?
Jürg antwortete am selben Tag:
Die heftigen Folgen, die Dein Mann verspüren muss, wecken in mir den Verdacht, dass die Taxotere-Infusion nicht genügend gegen Nebenwirkungen abgesichert war. Vielleicht liege ich ja falsch, doch kannst Du einmal vergleichen, ob die Therapie, die ich bekomme (allerdings low dose 35 mg/m2, dreimal im Abstand einer Woche, gefolgt von einer Woche Therapiepause), mit jener Deines Mannes vergleichbar ist.
12 Stunden vor der Infusion muss ich zwei Dexamethason-Tabletten (je 5 mg) schlucken. Die eigentliche Therapie beginnt mit einer Blutentnahme, die im Labor der Onkologin sofort untersucht wird; die Resultate liegen nach etwa zehn Minuten vor. Die Infusion erfolgt nur, wenn die Werte in Ordnung sind, was bei mir zum Glück bis jetzt immer zutraf. Als nächstes bekomme ich NaCl, dann gleich drei kleine Infusionen gleichzeitig als sog. Praemedikation: Navoban (Wirkstoff Tropisetron gegen Brechreiz und Übelkeit), Tavegyl (Wirkstoff Clamestin gegen allergische Reaktionen) und Ranitidin (Wirkstoff Ranitidin zur vorübergehenden Unterdrückung der Magensäure-Sekretion). Dann folgt die Taxotere-Infusion, die knapp eine Stunde dauert und mit NaCl beendet wird; gegen Haarausfall (habe noch kein Haar verloren) bekomme ich eine Eiskappe aufgesetzt (eine herrliche Sache bei heißem Wetter), die jeweils nach etwa 20 Minuten ersetzt wird. Das Ganze endet mit einer weiteren Dexamethason-Tablette am nächsten Mittag.
Begleitet wird die Therapie durch zwei Tabletten Prednison 5 mg/Tag als Dauermedikation. Einmal alle vier Wochen kommt noch Zometa dazu.
Bekommt Dein Mann eine vergleichbare Unterstützung seiner Grundtherapie, dann wäre mit dem Onkologen nach Lösungen zu suchen, ihn noch besser gegen Nebenwirkungen abzuschirmen. Nach der Fachinformation zu Taxotere, die eine imponierend lange Liste möglicher unerwünschter Wirkungen aufzählt, kann die Infusion durchaus auch Blutungen und Magenbeschwerden zur Folge haben, und vielleicht lässt sich dagegen etwas vorkehren, wenn man nur weiß, wo das Problem liegt.
Hoffentlich geht es bei der nächsten Infusion besser!