Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Nebenwirkungen – schmerzende Brustwarzen
unter Androgendeprivationstherapie (ADT)

Oliver fragte am 1.2.2005:

Nach einer Therapiepause von ca. zehn Monaten bin ich jetzt das zweite Mal bei der ADT3 (Enantone/3 x Casodex). Bisher hatte ich relativ wenig Nebenwirkungen, weder beim ersten noch jetzt beim zweiten Zyklus.

Versuchsweise reduzierte ich vor ca. sechs Wochen auf 1 x Casodex. Seitdem habe ich ein deutliches Spannen in der Brust und leicht schmerzhafte Brustwarzen.

Kann das mit der Reduzierung der Casodex-Menge zusammenhängen (ich bin weder operiert noch bestrahlt)?

Helmut II antwortete am selben Tag:

2002 machte ich auch eine Hormonblockade mit Trenantone ¼-jährl. und 1 x Casodex 50 mg tägl. Auch ich bekam eine gespannte Brust und die Brustwarzen schmerzten.

Ein Besuch beim Hautarzt, und er löste das Problem mit einer Spritze. Frag mich bitte jetzt nicht, was in der Spritze war, ich weiß es nicht mehr, aber die Schmerzen ließen nach!

Jürg, ebenfalls am selben Tag:

Ich glaube kaum, dass Deine Schmerzen mit der Reduktion der Menge von Casodex zusammenhängen, sondern vielmehr auf den Einsatz von Casodex als solchen zurückgehen. Ich kann das zwar nicht beweisen, doch schlucke ich meine Casodex 50 einmal täglich nun seit mehr als vier Jahren (im Rahmen einer ADT2) und stelle fest, dass diese - bei mir übrigens harmlosen Schmerzen - kommen und gehen. Interessanterweise tauchten sie in meinem Fall nun schon zum zweiten Mal in der Zeitspanne November / Januar auf und schlugen sich dann wieder in die Büsche.

Oliver schrieb am 2.2.2005 zurück:

herzlichen Dank für Eure Antworten! Interessant ist die Aussage, dass die Schmerzen an den Brustwarzen mit Spannen in der Brust bei Jürg mehrmals im Zeitraum Nov/Jan. aufgetreten sind. Das trifft ja auch bei mir zu.

Ich wusste durch das Forum, dass derartige Nebenwirkungen der ADT3 zu erwarten sind. Ich habe mich in den letzten Wochen aber immer nur gefragt, wieso diese Schmerzen erst jetzt kamen, obwohl ich die intermittierende ADT3 seit Anfang 2001 durchführe.

Die Schmerzen sind übrigens gut aushaltbar und beeinträchtigen die Lebensqualität kaum.


HorstMUC fragte am 9.4.2006:

Was kann ich tun? Nach Beendigung (auch schon vorher) schmerzt mich meine linke Mamille bei leichtem Druck. Soll ich es dabei bewenden oder ärztlich behandeln lassen? Welcher Arzt ist dafür zuständig? Dermatologe? Vor Hormonbehandlung wurde eine Mamillenbestrahlung gemacht.

Hans Martin antwortete am selben Tag:

Hatte die gleichen Probleme wie Du nach meiner DHB; allerdings schmerzten beide Brustwarzen (unbestrahlt vor DHB). Habe mir die Brustdrüsen stationär (zwei Tage Krankenhaus und 20 Minuten Vollnarkose) entfernen lassen und habe nun Ruhe. Gemacht hat´s ein Gynäkologe. Dermatologen machen das auch, aber lokale Betäubung ist da nur was für Hartgesottene. Ich würde es bei einem chirurgisch erfahrenen Gynäkologen machen lassen, m. E. haben die mehr Erfahrung auch in solchen "Männersachen". Ich habe seitdem "a Ruah", und sehen tut man rein gar nix.

Hans schrieb:

Mein Urologe hat einmal etwas Richtiges gemacht: Er hat mich zu einer Bestrahlung der Mamme geschickt. Diese hat bewirkt, dass ich keinerlei Probleme mit Brustwachstum oder Schmerzen durch die Hormonblockade habe.

Bernd2 schrieb am 10.4.2006:

Mir geht es ähnlich wie HorstMUC. Ich habe zwei Wochen nach Beginn der Hormonblockade (vorerst nur die einfache mit Eligard) die Mamillen bestrahlen lassen. Nach Umstellung auf 3-fache HB (zusätzlich nun Casodex 150 mg und Adovart) begann ein gewisses Brustwachstum. Gegen Ende der HB kamen Mamillenschmerzen hinzu. Die HB endete Mitte Juli 2005. Seitdem schmerzen die Mamillen – die vergrößerte Brust ist mir auch geblieben. Das stört mich so, dass ich nicht mehr in öffentliche Bäder gehe.

Östrogen- und Testosteron-Spiegel sind seit ca. drei Monaten wieder im Normbereich. Mein Urologe ist wegen der Mamillenschmerzen ratlos – mein Hausarzt (ein Internist) erwägt eine Mammografie, weil er Brustkrebs befürchtet.

Es ist eben alles nicht so einafch, wie es hier im Forum häufig dargestellt wird.

Dazu schrieb Bernt am 10.4.2006:

ich hatte ähnliche Probleme.

Ich habe mir die Brustdrüsen in Lokalanästhesie entfernen lassen. Ist nur ein kleiner Eingriff ohne Risiko einer Vollnarkose. Die Mamillen bleiben erhalten, man sieht keine Narbe, und die Probleme sind endgültig und auf Dauer gelöst. Durchgeführt wurde das von einem Dermatologen.

Ob dieser Eingriff nach einer Bestrahlung der Mamillen noch möglich ist, kann ich allerdings nicht sagen.


AchimS fragte am 7.11.2007:

Meine DHB ist seit einigen Monaten beendet und ich habe die Nebenwirkungen recht gut weggesteckt.

Als Hobbyläufer hatte ich schon immer mal Probleme mit den Brustwarzen, den sog. "runners nipples", eine Reizung, die nach längeren Laufstrecken durch die Reibung der syntetischen Kleidung auftreten kann. Da gibt es aber ein einfaches Gegenmittel, ein kleines Leukoplastpflaster auf die Brustwarzen geklebt und nichts scheuert mehr. Auch während der DHB hatte ich auf diese Weise keine Probleme beim Laufen.

Nun habe ich seit einigen Wochen permanent Schmerzen in der linken Brustwarze, wenn sie Druck bekommt, z. B. durch Anlehnen oder bewusste Berührung. Diese Schmerzen sind nicht durchs Laufen verursacht. Die Brustwarze ist etwas vergrößert im Vergleich zur anderen Seite und eine kleine Verdickung ist zu tasten. Heute war ich beim Gynäkologen. Der hat eine Viertelstunde mit Ultraschall intensiv beide Seiten abgesucht und keinen Hinweis auf eine entzündliche oder bösartige Veränderung gesehen.

Aber auch im Ultraschall ist die leichte Vergrößerung gegenüber der anderen Seite zu sehen. Er kann sich keinen Reim darauf machen, da eine Östrogendominanz nicht mehr vorhanden ist und eine entzündliche Schwellung nicht sichtbar ist. Voltaren hat er mir verschrieben, glaubt aber auch nicht so recht, daß mir damit geholfen ist.

Hat einer von Euch schonmal ähnliche Probleme gehabt und kann mir einen Hinweis geben, worauf die Schmerzen zurückzuführen sind?

Hutschi antwortete am selben Tag:

das von Dir geschilderte Probleme hatten mehr oder weniger alle DHBler mit ihren Brüsten. Was mich aber bei Dir etwas überrascht ist die Tatsache, dass Du nur bei einer Brust von spürbaren Schmerzen sprichst. Bei mir waren beide Brüste nach Casodex betroffen, d. h. ich hatte nicht nur ganz erhebliche Schmerzen, sondern auch deutlich vergrößerte Brüste. Man kann das nun mit Tamoxifen behandeln lassen oder die Brüste einer Bestrahlung unterziehen. Geh doch mal unter www.google.de und gib bitte wörtkich ein "Brustwachstum nach Casodex". Da bekommst Du in rascher Folge etliche Hinweise. Dabei handelt es sich sogar zum größten Teil um Beiträge aus diesem Forum. Übrigens sind meine Schmerzen nach etwa acht Wochen total abgeklungen, und zwar ohne Medikamente; nur die Brüste sind geblieben und haben sich nur geringfügig zurückgebildet. Ist aber kein Schönheitsfehler.

Ebenso Paul Neuer:

Ich kann das mit der Brustempfindlichkeit auch bestätigen. Ich hatte und habe dieses Problem auch, Stechen in der Brustwarze bei leichten Druck. Bei mir ist es in der DHB auch dazu gekommen. Ist dann wieder verschwunden, nachdem das Testosteron unten war. Die Brust war ab die ganze Zeit nicht oder nur leicht vergrößert.

Jetzt nach elf Monaten Ende der DHB habe ich wieder dasselbe Problem, erst in beiden Brüsten, jetzt nur noch in der rechten Brustwarze. Heute habe ich mit meinem Urologen drüber geredet, er meinte das kann auch beim Wiedereintreffen des Testosterons vorkommen, wird sich aber bestimmt wieder legen.

Bei mir ist das in der linken Brust schon wieder weg und in der rechten wird es schwächer.

Am 20.2.2008 berichtete AchimS dann:

Da die Schmerzen in der linken Brustwarze und die Knotenbildung weitergingen, habe ich im Dezember die tägliche Einnahme von Proscar umgestellt auf Avodart.

Nach einem Monat war ein deutlicher Rückgang der Schmerzen festzustellen, und der Knoten unter der Brustwarze wurde weicher. Inzwischen sind alle geschilderten Symptome verschwunden und alles ist wieder normal.

Ich kann aus diesem "Einzelversuch" natürlich nicht schließen, dass es an der Medikamentenumstellung gelegen hat, aber möglich ist es schon.


hans76 fragte am 30.8.2009:

Ich durchlaufe nach einer 18-monatigen Hormonentzugstherapie eine Auszeit, in der ich nur eine Tablette Finasterid 5 mg täglich einnehme. Jetzt nach 15 Monaten bei wieder angestiegenen Testosteron-und PSA-Werten (6,8 pg/ml und 1,4 ng/ml) habe ich auf beiden Brustseiten Schmerzen bei Berührung.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?

Sollte man auf die weitere Einnahme dieses 5-alpha-Reduktasehemmers verzichten? ( Ein weiterer Zyklus Hormonbehandlung muß ja sowieso in Kürze wieder begonnen werden).

Für Hinweise bin ich dankbar.

Conobar hatte einen Tag später diesen Tipp:

Ich mache zur Zeit die 2. Hormontherapie nach DHB, allerdings mit 150 mg Bicalutamid plus 5 mg Finasterid. (siehe mein Profil).

Sofort zu Beginn begann meine Brust zu schmerzen, obwohl ich zu Anfang der DHB beide Mammae habe bestrahlen lassen. Die vom Urologen verschriebene Tamoxifen-Salbe zeigte kaum Wirkung. Ich habe mir dann Tamoxifen-Tabletten verschreiben lassen, in der Dosierung von 10 mg.

Zunächst tägl. 10 mg, jetzt nur noch alle zwei Tage. Die Schmerzen und das Spannungsgefühl sind verschwunden. Scheint auch keinen Einfluss auf die Tumorprogression zu haben, mein PSA fällt und liegt jetzt bei 0,85 ng/ml.