Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Nebenwirkungen einer Bestrahlung

Gerd fragte am am 6.11.2002:
Habe mich vor etwa dreieinhalb Jahren einer Prostataoperation unterziehen müssen. Bei jetzt wieder ansteigendem PSA-Wert wurde mir zu einer Bestrahlung geraten. Da ich begeisterter Reiter bin, stellt sich mir die Frage, ob mögliche Nebenwirkungen dauerhaften Einfluss auf meine Leidenschaft haben können. Wer hat bereits Erfahrungen damit gemacht?
Klaus antwortete am selben Tag:
hatte über 6 Jahre nach Operation allmählichen PSA-Anstieg; Ärzte vermuteten Lokalrezidiv in Prostataloge; folgte deren Empfehlung und hatte im Nov/Dez letzten Jahres "nicht-konformale" Bestrahlung (36 Sitzungen, insgesamt eine Dosis von 63 Gy); hatte keinerlei Nebenwirkungen, noch nicht mal Hautrötungen; PSA-Anstieg nach 2 Jahren gestoppt; ist das ganze Jahr konstant geblieben (0.65 – 0.70).
Und Uwe schrieb am selben Tag:
sieh Dir die Seite http://www.prostatakrebse.de/themen/0025.htm an [Uwe hatte leider die Angewohnheit, seine Dateinamen von Zeit zu Zeit zu ändern, so dass ich nicht sicher bin, ob er diesen hier meinte. – Ed]. Eine Bestrahlung kann positiv, aber auch sinnlos sein; Du solltest erst einmal versuchen herauszubekommen, wo der Herd für Dein PSA sitzt.

Michael S schrieb am 18.6.2004:
Habe gestern die 31. Bestrahlung (wegen der positiven Ränder nach einer totalen Prostatektomie im Februar 2004) gehabt. Muss noch fünfmal hin (gesamt 64 Gy).
Die schlimmsten Nebenwirkungen begannen nach 10 Bestrahlungen, Darmbeschwerden, Durchfälle, was mit Colina-Pulver einigermaßen zu ertragen ist. Ansonsten ein wenig Schlappheit, allerdings keine Kontinenzprobleme, was oft berichtet wird. Muss sagen, habe mit Schlimmerem gerechnet.Vielleicht liegt das aber auch an meinem relativ jungen Alter (52 J.) und daran, dass ich sechs Wochen nach der schweren OP voll arbeiten musste (selbständig), ohne eine Reha in Anspruch nehmen zu können. Ich kann´s mir vorstellen, dass es im zunehmenden Alter etwas mehr Komplikationen gibt. Außerdem bin ich noch nicht ganz fertig.

manne1 fragte am 27.12.2006:
Ich wurde vergangenen Sommer 33-mal bestrahlt. Ein Jahr zuvor hatte ich eine Total-OP, nerverhaltend. Kontinent bin ich zu 99 %, und auch nach der Bestrahlung hat sich das nicht geändert.
Schon in der Mitte der Bestrahlungszeit stellten sich allerdings sehr heftige Schmerzen bei der Miktion [Entleerung der Harnblase – Ed] ein, die bis heute leider anhalten und mich sehr stark beeinträchtigen (regelrecht quälen). Ich bekomme EMSELEX retard 15 mg, aber richtig helfen diese Tabletten nicht. Mein Urologe hat schon die Blase und und "Dichtigkeit" untersucht und für ok befunden.
Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht .....wenn ja, was hat ggf. geholfen?
Heribert antwortete am selben Tag:
Die Emselex 15 nehme ich auch, habe allerdings den Eindruck, dass die Wirkung gegenüber anderen Mitteln weniger gut ist. Lyrinel uno 10 mg hat bei mir deutlich besser gewirkt. Leider habe ich Lyrinel nach 14 Tagen wegen erheblicher Magenbeschwerden absetzen müssen. Auch das nach Pflasterunverträglichkeit abgesetzte Oxybutynin-Pflaster hatte bessere spasmolytische [krampflösende – Ed] Wirkung auf die ableitenden Harnwege.

gunther01 fragte am 31.12.2008:
Ich stelle hier im Namen meines Vaters die Frage, was kann man tun um die Nebenwirkungen (wie z. B. Durchfall, Brennen beim Wasserlassen) der Strahlentherapie zu senken? Die Strahlentherapie geht im Februar los, 40 Stück. Eine Hormonspritze hat mein Vater im Dezember bekommen, wie ist es mit dem Duschen, Pudern während der Behandlung?? Wie habt ihr das geregelt mit der vollen Blase vor der Strahlentherapie, eine halbe Stunde vorher ein großes Glas Wasser getrunken?? Mein Vater macht sich Gedanken, wie er es hinkriegen soll mit der vollen Blase, weil er nicht lange aushalten kann.
Monika.I antwortete am selben Tag:
Mein Papa bekommt auch Strahlentherapie und verträgt sie sehr gut,er darf aber nicht duschen,Pudern muss er sich nicht,er hat bisher noch keine Probleme beim Stuhlgang,merkt aber ,das das Wasser lassen wieder deutlich länger brauch.Das mit der vollen Blase ist auch bei ihm ein Problem,denn er hat meistens um 8Uhr früh schon einen Termin,steht dann um sechs auf,geht dann auf Toilette und dann nicht mehr.
Patrick antwortete am 1.1.2009:
Die Nebenwirkungen bei der Bestrahlung sind in der Heftigkeit sehr unterschiedlich und auch ansonsten sehr individuell.
Das Thema "volle Blase" gab es bei meiner Bestrahlung nicht, d. h. es hat niemand von mir verlangt, dass ich mich mit voller Blase unter den Linearbeschleuniger legen sollte, deshalb kann ich hierzu nichts sagen.
Bei mir hielten sich die Nebenwirkungen in ganz engen Grenzen. Eine war häufiger Harndrang, gerade Nachts sehr lästig. Habe dann mit meinem Arzt darüber gesprochen, der hat mir ein Medikament verschrieben und damit war die Sache dann erledigt.
Zum Abschluss der Bestrahlung etwas häufiger Durchfälle die aber auch sofort nach Beendigung der Bestrahlung aufhörten.
Duschen ging nicht, wegen der Anzeichnungen. Ich habe mich immer in die Wanne gelegt, nur gering Wasser einlaufen lassen und so klappte es auch mit der Körperreinigung.
Alles in allem muss ich sagen, das ich mir die Strahlentherapie und Nebenwirkungen erheblich schlimmer (heftiger) vorgestellt hatte. Heute kann ich sagen, eine Zahnreinigung beim Zahnarzt ist schlimmer!
Wie du meinem Profil entnehmen kannst, habe ich sogar nach der Bestrahlung noch halbtags gearbeitet (normal wäre eine Krankschreibung über den kompletten Bestrahlungszyklus ).
Dein Vater sollte nur, wenn er irgendwelche Beschwerden hat, sofort mit den Ärzten reden, damit diese auch reagieren und ihm helfen können.
Bernhard A. schrieb am selben Tag:
Ich habe sogar während der Bestrahlung normal weiter geduscht. Einfach auf den Markierungen ohne Seife waschen. Die Markierungen werden wöchentlich nachgezeichnet.
Im Gegensatz zu Patrick habe ich nur 25 Bestrahlungen bekommen. Du könntest die Ärzte fragen lassen, ob nicht durch ein zusätzliches Afterloading die Bestrahlung bei Deinem Vater, wie bei mir auf 50,4 Gy veringert werden kann. Die Nebenwirkungen sind beim Afterloading geringer als bei der äußeren Bestrahlung, und die Behandlung ist trotzdem wesentlich effektiver.
Und Hutschi schrieb, ebenfalls am 1.1.2009:
Nach einigen mündlichen Empfehlungen über die von mir besuchte Selbsthilfegruppe kaufte ich Babypuder und stellte mich auf noch häufigeren Wäschewechsel wegen der täglichen Bestrahlungen ein. Das Puder hatte ich nur am ersten Tag prophylaktisch auf den Intimbereich aufgetragen. Es erübrigte sich dann tatsächlich für den weiteren Ablauf. Um die Markierungsareale herum habe ich mich vorsichtig auch täglich so geduscht, dass genügend Hinweise für den Betreuer des Bestrahlungsgerätes sichtbar blieben. Die Damen haben aber bei Erfordernis auch nachgezeichnet. Sehr vorteilhaft sind allerdings eine möglichst gefüllte Blase und ein entleeerter Darm. Man sollte das wohl einige Tage vorher trainieren, um nicht, was einem lieben Mitstreiter passiert ist, plötzlich während der Bestrahlung aufspringen zu müssen, um Wasser zu lassen. Im Nachhinein kann ich nur bestäigen, was schon von ebenfalls bestrahlten Forumsbenutzern berichtet wurde, dass mich die ganze Prozedur nicht sonderlich belastet hat. Ich wünsche Deinem Vater einen ebenso nebenwirkungsarmen Verlauf.

Hvielemi fragte am 17.3.2012:
Kürzlich bin ich über eine Notiz gestolpert, die ich leider nicht mehr finde, die mich aber trotzdem sehr beschäftigt: In etwa besagte die, dass bei Tumorbestrahlung heftige Histaminausschüttungen entstehen, sowohl während der Bestrahlung, als auch in einem längeren Zeitraum danach.
Da ich auf Histamin sehr heftig reagiere (Erschöpfung, Depression, Durchfall und Hautausschläge), interessiert mich das natürlich. Ich hatte mich ja intensiv mit der Frage einer Strahlentherapie auseinandergesetzt (Nach RPE und Androgenblokade steigt PSA), dies dann aber vorläufig bleiben lassen, auch ohne diesen Aspekt zu kennen.
Könnte es sein, dass mit einer Bestrahlung nachhaltig erhöhte Histaminausschüttungen provoziert würden? Gibt es dazu Erfahrungen oder/und gesicherte Informationen?
frankonia antwortete am selben Tag:
Mein Vater wurde nach RPE letztes Jahr im Sommer auch noch bestrahlt und hatte mit ziemlich heftigen Darm-Nebenwirkungen zu kämpfen (die mittlerweile langsam, aber stetig abklingen). Daher hat sein Heilpraktiker kurz nach der Bestrahlung alles Mögliche durchgetestet und eine Histamin-Unverträglichkeit festgestellt, was uns sehr seltsam vorkam, weil mein Vater vorher nie Probleme bei histaminhaltigen Lebensmitteln hatte. Wir haben dann versucht, diese ganzen Lebensmittel wegzulassen, was aber auch nicht wirklich geholfen hat. Wir haben dann auch noch auf eine temporäre Laktose-Intoleranz getippt, was wohl bei starker Schädigung des Darms auch vorkommen kann, aber auch das war es wohl nicht. Mein Fazit: die im Labor erkennbare Histamin-Intoleranz könnte irgendwie mit der Bestrahlung zusammenhängen, das konnten wir aber praktisch nicht feststellen. Ob das jetzt eine für Dich und Deine ja schon bekannte Intoleranz eine wertvolle Erkenntnis ist, wage ich zu bezweifeln, aber zumindest sind wir im Zusammenhang mit Strahlentherapie schon einmal über dieses Thema gestolpert.
Und Strahlentherapeut Daniel Schmidt schrieb:
Ich denke nicht, dass die Histamin-Ausschüttung so heftig sein wird, dass Sie Probleme haben sollten.