Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Ernährung, Nahrungsergänzungen – Selen

[Eine frühere Studie kam zu dem Ergebnis, dass Selen eine vorbeugende Wirkung gegen Prostata- und Brustkrebs hat. Wer entsprechend erblich vorbelastet ist, tut möglicherweise gut daran, Selen als Nahrungsergänzung einzunehmen, aber Vorsicht, in höheren Dosen, etwa ab 1000 µg/Tag, ist Selen giftig! Neuere in den USA durchgeführte Studien kamen allerdings zu dem Ergebnis, dass Selen keinerlei vorbeugende Wirkung gegen den Prostatakrebs hat, siehe diesen Beitrag von guntermann. Wie so oft auf dem Gebiet der Ernährung und der Nahrungsergänzungen ist die Studienlage also zumindest widersprüchlich.
Deutschland ist ein Selenmangelland. Die auch von gesunden Menschen eigentlich benötigte Selenmenge kann allein über die Nahrung nicht aufgenommen werden, allerdings ist man sich nicht sicher, welche Selenmenge der Körper tatsächlich täglich benötigt.
Als Referenzwert für das Selen im Serum wird eine Spanne von 74 bis 139 µg/l bzw. 0,94 bis 1,77 µmol/l als optimaler Wert angegeben.
Eine Aussage aus einer Webseite, die inzwischen nicht mehr verfügbar ist: "Selen wird im oberen Dünndarm aufgenommen, wobei die Absorption mit ca. 95 % erstaunlich hoch ist, so der Experte. Es gelangt in Leber und Nieren, der größte Selenspeicher ist jedoch die Muskulatur. Dabei kann der Körper nur Selenocystein verwerten. Selenomethionin, das meist in den im Handel angebotenen Selenhefen enthalten ist, wird zwar in den Organen angereichert, steht dem Körper biologisch aber gar nicht zur Verfügung".
Wichtig ist die Angabe, dass Natriumselenit (die in vielen einschlägigen Nahrungsergänzungsmitteln enthaltene Form von anorganischem Selen) und Vitamin C sich gegenseitig neutralisieren. Wer auch zusätzlich Vitamin C einnimmt, der sollte zwischen den Einnahmen von Vitamin C (oder auch Vitamin-C-haltigem Obst) und Selen mindestens zwei bis drei Stunden Abstand einhalten. Organisch gebundenes Selen kann dagegen zusammen mit Vitamin C eingenommen werden.
Siehe zum Thema Selen auch die Seite zum verschreibungspflichtigen Cefasel®Ed]

Günther fragte am 13.9.2001:
An Wil, Du bist unser Spezialist.
Es wird immer wieder von Selen gesprochen und mit dem Immunsystem in Verbindung gebracht. Man kann doch nicht einfach Selen in irgendeiner Form und Menge zu sich nehmen ohne zu wissen ob man nicht genug selbst im Körper hat. Wie kann man Selen im eigenen Körper feststellen bzw. messen? Welche Mengen und in welcher Form soll oder darf man pro Tag zu sich nehmen?
Und Wil antwortete einen Tag später in gewohnter Ausführlichkeit
Der normale Bereich von Selen im Blut ist 110 - 160 Mikrogramm/Liter (µg/l [in der amerikanischen Literatur: mcg/L – Ed]). Dieser Bereich gilt für die Mehrheit einer Bevölkerung [der USA, nehme ich an]. Dr. Charles (Snuffy) E. Myers meint jedoch, dass die Mehrheit der USA-Bevölkerung einen zu niedrigen Selen-Blutspiegel hat mit Ausnahme der "Northern Great Plains". Man solle einen Blutspiegel von 200 µg/l anstreben. Bei diesem Wert ist die Prostatakrebs-Inzidenz um 64 % geringer, während die Mortalität aller Arten von Krebs mit 50 % abnimmt. Diese Ergebnisse folgten aus einer klinische Studie von Prof. Dr. Larry Clark (Arizona). Übrigens, ich bin heute noch dankbar, dass Larry mir in 1998 in privaten E-Mails ein paar wertvolle Tipps gegeben hat, als ich nach 4,5 Jahre Enantone Herzrhythmusstörungen bekam. Leider ist Larry 1999 im Alter von 46 Jahren an einem sehr aggressiven Prostatakrebs gestorben. God bless Larry. Dr. Myers hat eine spezielle Ausgabe seines "Prostate Forum Newsletter" über Selen Larry Clark gewidmet. Siehe http://www.prostateforum.com/, wo man sich auf seinen Newsletter abonnieren kann (ratsam, falls man Englisch lesen kann). In dieser Ausgabe wird auch auf den starken Einfluss des Selens auf das Immunsystem eingegangen. Dr. Myers ist Prostatakrebs-Onkologe und Forscher. Er hat viel über Nahrung und Ergänzungsmittel (speziell bei Prostatakrebs) geschrieben, und selbst an diesbezügliche Forschungen beigetragen.
Ich habe auch irgendwo gelesen, dass aus einer Studie folgte, dass bei ausreichend hohem Selen-Blutspiegel weniger Metastasen auftreten.
Selengehalt im Blut kann mit OES-ICP gemessen werden. OES-ICP = Optical Emission Spectrometry - Inductively Coupled Plasma. Mit dieser Technik bin ich selbst gut bekannt (habe auch die Entwicklung miterlebt). OES-ICP findet man in den meisten medizinischen Laboratorien nicht. Ich denke jedoch, dass Uni-Kliniken diese Technik zur Verfügung haben. Die Messung hat nur einen Sinn, wenn man in einer Gegend wohnt, wo der Selengehalt im Boden überdurchschnittlich hoch ist. Ich kenne so eine Gegend in Europa nicht. Der Selengehalt im Boden ist am niedrigsten in Dänemark, wo der Boden ausgelaugt ist. Es fiel auf, dass die Krebsinzidenz in Dänemark hoch war, und dann ist jemand darauf gekommen, dass ein Selendefizit in der Nahrung die Ursache sein könnte. Und dieser Zusammenhang hat dann gestimmt.
Langfristig 200 µg/l Selen pro Tag ist, denke ich, allen in Westeuropa zu empfehlen. Die maximal empfohlene tägliche Dosis ist 600 µg/l.
Ein PK-Freund, Will Henderson in USA, berichtete, dass er täglich 400 µg/l Selen nahm. Selen im Blut stieg an bis 413 µg/l. Daraufhin ist er auf täglich 200 µg/l Selen heruntergegangen.
Selen aus Nahrung ist problematisch. Den höchsten Gehalt haben brasilianische Nüsse [= Paranüsse – Ed], 254 µg/l Selen pro 100 Gramm. Alleine schon wegen der Kalorien könnte man auf der Dauer nicht genug Nüsse essen. Deswegen werden die Selenkapseln angeraten.
Barbara schrieb am 24.9.2001:
Bei Halima Neumann, "Stop Krebs MS Aids" finde ich zu Selen folgende Angaben, die in Bezug auf die Dosierung ein wenig abweichen von dem, was Wil recherchiert hat; natürlich kann ich die Richtigkeit nicht beurteilen:
"Selen mobilisiert das Immunsystem, wirkt der Schwermetallvergiftung entgegen und unterstützt die Ausleitung des gefährlichen Nervengiftes Quecksilber (Amalgam enthält 53 % Quecksilber). Das Spurenelement Selen schleust Krebsgifte wie z. B. Aflatoxine aus der Leber und bindet hochgiftige Nitrosamine, die im Magen Krebs auslösen können. Dosierung: Im akuten Stadium sind 80 bis 200 Mikrogramm [µg] als Tagesdosis für 4 bis 6 Wochen ratsam (hefefreies Selen aus Spirulina-Extrakt von Sanatur), dann vier Wochen pausieren und wieder erneut den Einnahmerhythmus beginnen. Die Überdosierung ab 200 µg Selen als Dauertherapie kann toxisch wirken. Selen sollte wegen der antagonistischen Wirkung nicht gleichzeitig mit Vitamin C eingenommen werden, seine Wirksamkeit ist jedoch in Verbindung mit Vitamin E verstärkt. Natürliche Selenquellen: Rotkorndinkel, Sesam angekeimt oder frisch gemahlen, Spirulina-Alge, Kokosmilch und -fruchtfleisch."

Udo schrieb am 11.11.2003 im BPS-Forum:
zu schön um war zu sein, denn es müsste noch durch eine Zweitstudie bestätigt werden:
Ein Selen-Niveau ab 70 µg/l im Blutserum steigert die 10-Jahres-Überlebenszeit bei mindestens der Hälfte der Darmkrebs-Patienten drastisch, soll aus einer neubewerteten Studie der 90er Jahre zu entnehmen sein.
Verlängerte Lebenszeit bei Kolon-Ca mit Selenwerten ab 70 µg/l
Studie aus den 90er Jahren erhält neue Beachtung
BADEN-BADEN (bwa).
Bei Selenwerten von weniger als 70 µg/l im Serum nimmt die Überlebensrate von Patienten mit Kolonkarzinom drastisch ab. Dies gelte sowohl für Patienten mit den Tumorstadien T1/T2 als auch mit T3/T4, betonte Professor Claus-Peter Siegers vom Universitätsklinikum Lübeck bei der 37. Medizinischen Woche in Baden-Baden. Er empfahl daher, bei solchen Selen-Serumwerten unbedingt das Spurenelement zu substituieren.
Nach den Ergebnissen einer Studie aus den 90er Jahren sind höhere Selenwerte von über 70 µg/l direkt assoziiert mit einer Steigerung der 10-Jahres-Überlebenszeit, wie Siegers bei einer vom Unternehmen biosyn unterstützten Veranstaltung berichtete. In diese Studie waren 45 Patienten mit T1/T2 Tumoren und 56 Patienten mit T3/T4 Tumoren aufgenommen worden. Selenwerte unterhalb von 70 µg/l hatten fünf Patienten der ersten und zehn Patienten der zweiten Gruppe. Von diesen Patienten lebte nach zehn Jahren keiner mehr. Von den Patienten mit Selenwerten über 70 µg/l lebten in der ersten Gruppe nach dieser Zeit noch 61 Prozent, in der T3/T4-Gruppe noch 48 Prozent.
Diese Studie erhalte derzeit durch die aktuelle Selenforschung neue Beachtung, so Sieger. Mittlerweile gilt es als gesichert, dass nicht der Selenmangel zu der Tumorerkrankung führt, sondern dass der Tumor selbst den Selenmangel auslöst.
"Da aber Selen Bestandteil von vielen antioxidativ wirkenden Enzymen wie etwa der Glutathion-Peroxidase ist, ist es dazu fähig, die Tumorproliferation abzufangen", erläuterte Siegers. Selen ist daher wichtig, um ein Neuwachstum oder eine Metastasierung des Tumors zu verhindern.
Siegers empfiehlt Selen in Form von Natriumselenit – vom Unternehmen als Selenase® angeboten –, da es in dieser anorganisch gebundenen Form schnell in die Selenoproteine eingebaut wird. Vor einer Selensubstitution müssten aber Selen- und Glutathionwerte im Serum bestimmt werden, was Kollegen in den Hausarztpraxen veranlassen könnten.
Ärzte Zeitung, 10.11.2003

Christian schrieb am 2.8.2004:
alte Füchse wissen es schon länger: Selen beugt nicht nur Prostatakrebs vor, sondern ist auch sehr empfohlen, wenn man ihn schon hat. Wenn hier wieder mal über Zusatzernährungen gesprochen wird, dann passt der folgende Artikel aus der Deutschen Ärztezeitung gut hier hin.
Auch die Dosierung aus Dr. Bobs und Dr. Stevens Vitaminliste wird hier wieder bestätigt: Selen: 200 µg, Vitamin E 400 bis 600 mg.
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Ärzte Zeitung, 02.08.2004
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Männer mit niedrigen Serum-Selen-Werten haben ein deutlich erhöhtes Risiko, ein Prostata-Ca zu bekommen.
NEU-ISENBURG (mut). Je höher der Selen-Plasmaspiegel, desto geringer ist das Risiko, Prostata-Krebs zu bekommen - das legen Daten eine Meta-Analyse von 35 Studien nahe. Mit einer großen Interventionsstudie soll jetzt geklärt werden, ob das Spurenelement tatsächlich vor der Krebserkrankung schützt.
Bisher gibt es Hinweise auf eine Schutzwirkung von Selen aus Fall-Kontroll-Studien oder kleineren Interventionsstudien. So erhielten in einer Untersuchung 1300 Patienten, die bereits einmal Hautkrebs hatten, täglich 200 µg Selen oder Placebo.
Nach 4½ Jahren war zwar die Inzidenz von erneutem Hautkrebs in beiden Gruppen gleich hoch, jedoch war die Prostata-Krebsrate in der Selen-Gruppe um den Faktor zwei Drittel geringer, berichten US-Forscher (Journal of Urology 171, 2004, S50). Die Schutzwirkung war für die Männer am größten, die zu Beginn der Studie die niedrigsten Serum-Selen-Werte hatten.
Auch Daten aus Fall-Kontrollstudien sprechen für Selen: In der Health Professionals Studie, bei der über 47 000 US-Ärzte zwölf Jahre beobachtet wurden, war die Prostata-Ca-Rate bei Männern, die hohe Selen-Konzentrationen in ihren Zehennägeln hatten, um etwa 60 Prozent geringer als bei Männer mit niedriger Konzentration. Verglichen wurden dabei die Quintilen mit den höchsten und den niedrigsten Konzentrationen.
Und in einer Studie, in der knapp 10 000 aus Japan stammende US-Amerikaner über zwölf Jahre beobachtet wurden, war die Rate von Prostata-Karzinomen in der Quartile mit den niedrigsten Serum-Selen-Werten doppelt so hoch wie in der Quartile mit den höchsten Werten.
Mehr Klarheit über die Schutzwirkung von Selen soll die SELECT-Studie (Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial) liefern: Die Teilnehmer bekommen täglich entweder 200 µg Selen, 400 mg Vitamin E, eine Kombination aus beidem oder Placebo. Die Studie, die 2001 begonnen hat, dauert zwölf Jahre. Teilnehmer sind Männer über 55 Jahre, die bisher keinen Prostata-Ca-Befund haben.
Marco schrieb am 3.8.2004 zur Dosierung von Selen:
ich hatte nach einer Lernphase nach Selen gesucht und folgendes gefunden:
Man kennt typische Selen-Mangelkrankheiten bei deutlich unter 50 µg/d und Selen-Überdosierungskrankheiten bei über 3 mg/d. (1000 µg ist 1 mg).
Da in den europäischen Böden sehr wenig Selen vorhanden ist, wird allgemein 50 bis 100 µg/d empfohlen.
Da wir offensichtlich mehr brauchen, habe ich mit der Dosierung gespielt und gemerkt - nach jeweils 10 bis 14 Tagen nach Wechsel der eingenommenen täglichen Menge - dass ich mit 0,3 mg/d noch lustlos, antriebsarm und träge bin, bei 0,6 mg/d diese Symptome weitgehend verschwinden und ich mich putzmunter fühle (zusammen mit der kohlenhydratarmen Diät nach B. Sears, aber großzügig gehandhabt), und bei 0,9 mg/d etwas zu aufgedreht bin.
Außerdem scheint der Testosteronspiegel (bei ADT3) etwas mit der Seleneinnahme hochzugehen.
Die Selenwerte im Blut schwanken bei mir um mehr als den Faktor 2 (von einem Monat zum nächsten, falls nicht die Labormessung ab und zu spinnt).
Es wird immer empfohlen, Selen (da als Verbindung oft Natrium-Selenit genommen) nicht zusammen mit Vitamin C zu nehmen, da das Vitamin C als Reduktionsmittel daraus elementares Selen mache und dieses nicht mehr aufgenommen wird.
Da genauso das Gegenteil behauptet wird, vermute ich, dass, falls dies eintritt, das entstehende elementare Selen so fein verteilt ist, dass es dennoch löslich ist.
Probiert es selbst, das völlig veränderte Lebensgefühl ist es schon wert, die nicht direkt fühlbaren Wirkungen kommen dazu als Wachstumsbremse gegen die Krebszellen.
Wem die Kasse die Kosten nicht erstattet, möge sich bei einem gutartigen Apotheker zeigen lassen wie man so kleine Mengen sorgfältig und gleichmäßig dosiert.
Das Rohmaterial als Pulver (Natrium-Selenit) kostet im Chemiekalienhandel ca. 200 EUR/kg, das reicht für 5 Millionen Portionen zu 0,2 mg!!!!!!!
Dazu schrieb Melina einen Tag später:
Dosierungen sind immer abhängig von der Bioverfügbarkeit! Leider sind I.E. [IE, internationale Einheiten - Ed] oder I.U. [IU, international units - Ed] sehr selten angegeben. Die Grammzahl kann im Verhältnis zur Bioverfügbarkeit je nach Beschaffenheit des Selens differieren (gilt für alle Vitalstoffe).
Das Handbuch der Orthomolekularmedizin stuft Selen als lebensnotwendig ein. Dosierung zur Bedarfsdeckung in g: Diätverordnung: 0,07-0,2 mg (70 µg-200 µg), Deutsche Gesellschaft für Ernährung: 0,02 -0,1 mg (20-100 µg).
Manche Wissenschaftler sehen als optimale Aufnahme 250-300 µg.
Bis 2000 µg (2 mg) wurden beim Menschen keine Nebenwirkungen beobachtet. Auf Dauer sollte die Selenzufuhr aus Sicherheitsgründen 400 µg (0,4 mg) nicht überschreiten. Kurzfristig können jedoch bis zu 1000 µg (1 mg)/Tag gegeben werden.
HINWEIS: Die Gabe von Selen in anorganischer Form, nämlich Natriumselenit ist NICHT sinnvoll. Natriumselenit reagiert bei pH-Werten von unter 4 mit Vitamin C zu elementarem Selen, das nicht mehr resorbiert wird (unabhängig davon, daß der Körper eh nur organische Mineralien aufnehmen kann). Da sich das Vorhandensein von geringen Mengen Vitamin C im Magen-Darm-Trakt nie ganz ausschließen lässt (und die Gabe von Vitamin C essentiell für die Behandlung einer Krebserkrankung ist), sollte Selen nicht in Form des (in der Natur nicht vorkommenden!) Natriumselenits verabreicht werden. Wird Selen in seiner organischen Form (z. B. in Hefen) aufgenommen, tritt KEINE Reaktion mit Vitamin C auf und Selen wird gut resorbiert.
NaturVital Selen enthält pro Tablette 100 µg organisch gebundenes Selen in einem für Candida sensitive ungefährlichen Hefekomplex von insg. 200 mg.
Zitat: "Auch bei konservativster Deutung der vorliegenden Daten muss daraus geschlossen werden, dass die Selenversorgung des gesunden Bundesbürgers nur knapp oberhalb des Mangelniveaus liegt"... "Durch die Gabe von Selen werden die Nebenwirkungen von Krebs-Chemotherapeutika herabgesetzt, ohne dass gleichzeitig ihre Wirkung vermindert wird."
Es wurde im Handbuch der Orthomolekularmedizin übrigends ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine Gabe eines Antioxidativen Gemisches mit mehreren Vitalstoffen eine deutliche höhere Wirkung (Synergieeffekte) hat, als die Einzelgabe von Selen.

Günter Feick schrieb am 27.8.2004:
weil immer mal wieder ein Erfahrungsaustausch über die schützende Wirkung des Selen und seine beste Darreichungsform (Selenocystein oder Selenomethionin) im Forum stattfindet, möchte ich aus einem Gespräch mit Herrn Dr. Lutz Schomburg vom Institut für Experimentelle Endokrinologie der Charité Berlin dessen persönliche Einschätzung hierzu weitergeben. Leiter des Instituts ist Prof. Köhrle, vormals Uniklinikum Würzburg.
Nach jetzigem Wissensstand hat der Körper effektive Mechanismen zur Aufnahme und Verwertung des Spurenelementes Selen entwickelt. Das heißt, jede zugeführte Form von Selen ist bioverfügbar. Allerdings gibt es Rangordnungen zwischen den Organen. Das bedeutet, dass die essentielle Versorgung von Gehirn, Schilddrüse, und anderen endokrinen Geweben Vorrang vor z. B. der Leber, dem Plasma oder dem Muskel hat. Zur Prostata selbst gibt es noch keine gezielten Daten. Die eigentliche Präventionsstudie (Clark, JAMA 1996) benutzte Selenhefe mit dem Hauptbestandteil Selenomethionin mit allerdings noch zahlreichen schlecht charakterisierten selenhaltigen Nebenbestandteilen. Die jetzige SELECT-Studie wird mit gereinigtem Selenomethionin durchgeführt, ein Vorgehen, das zu heftiger Kritik führte. Nach der Einschätzung Dr. Schomburgs allerdings ein Versuch auf gut fundierter Basis.
Vom Standpunkt der Sicherheit erscheint zur Zeit das Selenomethionin als die beste Supplementationsform, da es anstelle von Methionin statistisch zunächst in alle möglichen Proteine ungerichtet eingebaut werden kann, und dadurch einen effektiven Langzeitspeicher aufbaut.
Zum Abschluss der Kommunkation machte mich Herr Dr. Schomburg auf einen in Kürze erscheinenden Beitrag in der Apotheker Zeitung zum Thema protektive Wirkung des Selen aufmerksam.
Mein persönliches Fazit aus dem Erfahrenen – Supplementation mit Selenmethionin ja, Stärke bis 200 µg/Tag als unterstützende Maßnahme ohne zeitliche Begrenzung in Ordnung. Forschungsergebnisse zu der Wirkung des Selens auf die Prostata müssten schneller verfügbar sein als durch die SELECT Studie, welche in 10 Jahren beendet sein wird.
Daraufhin schrieb Udo (E.) am 28.8.2004:
vielleicht überschätzen wir alle die Wirkung des Selens, sind leicht zur Überdosierung verführbar, lassen uns das Geld aus der Tasche ziehen und bekommen evtl. Nebenwirkungen, die wir zuerst gar nicht auf das Selen zurückführen. Deshalb zusammenfassend auch einige kritische Aspekte:
1. Obwohl in den USA durchschnittlich 3X mehr Selen durch die Nahrung aufgenommen wird (Selen-haltige Böden), sterben dort genauso viel Männer an PK wie in Deutschland (3%). Möglicherweise liegt das Problem nicht nur in der Selen-Aufnahme, sondern auch in seiner Verwertung. D. h., auch organisch gebundenes Selen (z. B. –methionin) garantiert nicht seine Bioverfügbarkeit.
2. Wirklich deutlich war in der klinisch-plazebo-kontrollierten NPC-Studie nur der PK-präventive Effekt bei Männern mit niedrigem Selen-Blutplasma (unter 123 ng/ml) und „normalem“ PSA unter 4 ng/ml.
3. Toxische Wirkungen können bereits bei einer täglichen Selenzufuhr von 400-1000 µg/Tag auftreten. Bei Einnahme von mehr als 3000 µg/Tag über mehrere Monate sind gastrointestinale Störungen, Kopfschmerzen und Haarausfall beschrieben.“ (s. u.).
4. Eine brasilianische Paranuss enthält bereits die von der DGE empfohlenen tägliche Zufuhrmenge (30-70 µg). Um auf die 200 µg der NPC-Studie zu kommen, reichen also ca. 5 Paranüsse pro Tag. Vielleicht eine Alternative für PK-Patienten, die Selen nicht von der Kasse bezahlt bekommen und nicht bereit sind, die überhöhten Preise zu bezahlen.
5. Erst die Ergebnisse der SELECT-Studie werden in einigen Jahren mit ausreichender Sicherheit die Wirkung von Selen belegen.
Abschließend ein Auszug aus dem zitierten Artikel dazu:
Selen
Selen ist ein essenzielles Spurenelement und kommt als Selenocystein in ungefähr 30 verschiedenen Proteinen vor. Die am besten charakterisierten und bekanntesten endogenen Selenproteine sind die Glutathionperoxidasen (GPx) und die Thvroxin-5'-Dejodasen (5' DI).
Die GPx sind wichtige Bestandteile des endogenen enzymatischen antioxidativen Systems und reduzieren (entgiften) reaktive Sauerstoff- und Stickstoff-Spezies wie Wasserstoffperoxid, Eipidhydroperoxide und Peroxynitrit, die für die Tumorigenese vermutlich eine wichtige Rolle spielen.
5' DI überführt Thyroxin in das biologisch aktive Schilddrüsenhormon Trijodthyronin, das in der Regularion von verschiedenen physiologischen Prozessen eine wichtige Rolle spielt.
Als weitere Selenverbindungen mit potenzieller Schutzwirkung werden auch Selenit- oder Selenomethionin-Metabolite wie Methylselenocystein, Methylselenol oder Methylselenigsäure diskutiert.
Eine Vielzahl von Zeilkulturexpenmenten mit verschiedenen Krebszelllinien zeigen deutliche antikarzinogene Wirkung von Selenit oder Selenomethionin (Hemmung des Zellwachstums, Auslösung des programmierten Zelltodes (Apoptose)).
Auch zahlreiche Tierexperimente weisen eine Schutzwirkung vor Krebs bei Selensupplementation auf.
Epidemiologische Studien zeigen ebenfalls eine inverse Korrelation zwischen der Selenaufnahme bzw. der Gewebe-Selenkonzentration und der Krebsinzidenz.
Eine Selenkonzentration im Serum unter 0,14 µg/ml geht mit einem erhöhten Risiko für Prostatakrebs einher.
Zwei randomisierte Interventionsstudien konnten zeigen, dass in China, wo eine Selenmangelsituation herrscht, durch Selensupplementation die Gesamtkrebsrate und Krebsrate für Magen- und Oesophaguskrebs verringert werden konnte (6).
Bei einer klinischen placebo-kontrollierten Interventionsstudie (Nutritional Prevention of Cancer, NPC) in den USA wurden 1312 Probanden mit Hautkrebs mit 200 µg/Tag Selen als Selenhefe oder Placebo supplementiert (7).
Es wurde eine leichte Erhöhung des Risikos an Hautkrebs zu erkranken beobachtet, die Inzidenz für Prostata-, Lungen- und Dickdarmkrebs wurde jedoch reduziert.
Am deutlichsten war die Wirkung auf das Prostatakrebsrisiko insbesondere bei den Probanden mit niedriger Selen-Plasma-Konzentration (<123 ng/ml) und normalen Plasma-Werten (<4 ng/ml) des prostataspezifischen Antigens (PSA) zu Beginn der Studie.
Die SELECT-Studie mit 200 µg/Tag Selen (1-Selenomethionin) soll nun die Ergebnisse der NPC Studie überprüfen.
Die durchschnittliche tägliche Selenaufname beträgt in den USA 80-120 µg und in Deutschland 30-40 µg. Selenreiche Nahrungsmittel sind Seefisch, Fleisch, Eier sowie Getreideprodukte aus Nordamerika.
Selenreich sind auch Paranüsse, wobei bereits eine NUSS die tägliche empfohlene Zufuhrmenge liefert. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine tägliche Selenzufuhr von 30-70 µg. Die in der NPS- Studie eingesetzte Selendosis (200 µg/Tag) liegt daher deutlich höher.
Im Vergleich zu anderen Spurenelementen hat Selen eine relativ geringe therapeutische Breite. Toxische Wirkungen können bereits bei einer täglichen Selenzufuhr von 400-1000 µg/Tag auftreten. Bei Einnahme von mehr als 3000 µg/Tag über mehrere Monate sind gastrointestinale Störungen, Kopfschmerzen und Haarausfall beschrieben. Nach Absetzen der Selenzufuhr verschwinden diese Symptome nach 1—2 Wochen.
Vitamin C kann möglicherweise die Aufnahme von anorganischem Selen (Selenit oder Selenat) hemmen. Daher werden meist organische Formen aus Hefe- bzw. Pflanzenquellen (Selenomethionin) bevorzugt.
Obwohl viele Fragen unbeantwortet bleiben, wie z. B. Art des Supplementes (anorganisch oder organisch), Dosis, Mechanismus der Antikrebswirkung sowie Bedeutung selenhaltiger Enzyme/Metabolite/Wirkstoffe (GPX, 5'DI, andere Selenoprorcine oder niedermolekulare selenhaltige Metabolite), und einiger kontroverser Ergebnisse, ist eine prostata-krebspräventative Supplementation von Selen für bestimmte Gruppen als vielversprechend anzusehen.
aus: Sind Nahrungsergänzungsmittel hilfreich?, FORUM DKG 6/03
(7) Duffield-Lillico AJ, Dalkin BL, Reid ME, Turnbull BW, Slate EH, Jacobs ET, Marshall JR, Clark LC (1003) Selenium supplementation, baseline plasma selenium Status and incidence of prostate cancer: an analysis of the complete treatment period of the Nutritional Prevention of Cancer Trial. RJIJ Int. 91, 608-612. BJU Int. 2003 May;91(7):608-12.
http://www.blackwell-synergy.com/openurl?genre=article&sid=nlm:pubmed&issn=1464-4096&date=2003&volume=91&issue=7&spage=608

Oscar CH fragte am 25.5.2006:
Gleichzeitig mit meiner letzten PSA-Bestimmung habe ich auch das Selen im Serum bestimmen lassen. Dabei habe ich den Wert von 79 μg/l erhalten welcher als "suboptimal" bezeichnet wurde. Nachdem ich mich nun etwas informiert habe glaube ich, dass es zweckmäßig wäre, das Selen zu substituieren. Ich habe an mehreren Stellen gelesen, dass eine Substitution von 200 μg/Tag angezeigt wär,e und zwar mit einem anorganischen Selen. (Natriumseleni)t .Leider finde ich kein entsprechendes Präparat und ich möchte deshalb hier fragen, ob jemand unter Euch ein entsprechendes Präparat kennt.
Es empfahlen:
WinfriedW:
SELENASE 100 peroral Trinkampullen
Berntt:
Cefasel Tbl
Horst MUC schrieb:
Cefasel 300 (Tabletten) – zahlt bei mir die Kasse – nehme tgl. 600 µg und fühle mich sauwohl. WICHTIG: bis zu einer Stunde Abstand keine Vit. C einnehmen, da es Natriumselenit ist und in Verbindung mit Vitamin C seine Wirkung verliert.
Selen in Verbindung mit Vit. E haut noch besser rein.
Hajoke am 26.5.2006:
Ich nehme täglich eine Kapsel von Cuvital, die u.a. 50 µg Selen enthält und Selen in Form von Natriumselenat gebunden ist.
Astral am 27.5.2006:
Ich nahm bis vor kurzem CFASEL 300. Bei der letzten Nachsorge nahm sich mein behandelnder Prof. Prof. eine halbe Stunde Zeit, mir diabetische Maßnahmen zur Vorbeugung eines Rezidivs zu geben.
Unter Anderem empfahl er mir anstelle SELEN täglich eine Hand voll naturbelassenener (ohne Salz – ungeröstet) Nüsse, je nach Jahreszeit verschiedenster Art, zu essen. Diese hätten den gleichen Anteil an Selen und zusätzlich Kalzium. Eine Überdosierung ist damit nicht möglich. Er sagte zudem, dass er Patienten habe, welche bei Überdosierung mit Selen Empfindungsstörungen in den Beinen hätten.
Oscar CH schrieb am 28.5.2006 zurück:
Besten Dank für Deine Info. Mit ein paar Nüssen ist es, wie ich meine, wohl kaum getan. Um auf die empfohlene Tagesdosis von 200 µg zu kommen, müsste ich jeden Tag 200 g Paranüsse kauen, was meiner Figur wohl nicht gerade zustatten käme.

Lebensmittel

Selengehalt (µg/100g)

Steinpilze

184

Paranüsse

100

Heringe

55

Hühnerleber

55

Weizenmehl (Type 2000)

55

Kalbsnieren

40

Rinderfilet

35

Austern

28

Kabeljau

27

Weizenmehl (Type 405)

19

Naturreis

11

Speisequark (20 % Fett i.Tr.)

5

Weißkohl

3

Kuhmilch, Rohmilch

1

Apfelsinen

1



Und Carola-Elke schloss am 29.5.2006 die Diskussion ab mit:
Hallo an Alle, die sich fragen, welche Form des Selens sie denn am besten zu sich nehmen sollten. Die derzeit zur Verfügung stehenden Daten gehen in folgende Richtung:
Als Prophylaxe wird den noch Gesunden „organisches Selenomethionin“ als antioxidativer Schutz vor Krankheiten empfohlen. Frauen scheinen es ohnehin besser zu resorbieren.
In der Therapie wird dem „anorganischen Selenit“ ein Vorzug gegeben. Dieses sollte man in rel. hohen Mengen einnehmen, jedoch nicht gleichzeitig mit Vit. C zusammen.
http://www.webmed.ch/docs/selen/Selen_Teil_IV.htm unten steht zu lesen:
Bei der Behandlung von Krebspatienten hat sich Natrium-Selenit bewährt, während hier Selenomethionin nur äußerst geringe bis keine Wirkung entfaltete.“ Diese Aussage deckt sich mit verschiedenen anderen, die ich in diesem Zusammenhang fand.
Mehr Klarheit über die Schutzwirkung von Selen und Vitamin E soll die SELECT-Studie (Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial) liefern: Die Teilnehmer bekommen täglich entweder 200 µg Selen, 400 mg Vitamin E, eine Kombination aus beidem oder Placebo. Die Studie hat 2001 begonnen und dauert zwölf Jahre. In dieser Studie wird das organische Selenomethionin eingesetzt.
Ulrich hatte am 14.7.2006 nach einer Quelle zu Carola-Elkes Aussage bezüglich Selenit vs. Selenomethionin gefragt. Carola-Elke antwortete am selben Tag:
die Quellenangaben zu der Selenmethionin- und Selenitdiskussion findest du u. a. hier:
http://www.webmed.ch/docs/selen/Selen_Teil_IV.htm
http://www.webmed.ch/docs/selen/Selen_Teil_V.htm
Im Krebskompass fand ich identische Aussagen von Betroffenen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen.
Hier im Forum gab es u.a. diesen Faden:
http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?t=197&page=2&highlight=selen

Heinz Kurt schrieb am 12.5.2007 unter dem Betreff "Selen in der Primärprävention":
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung v. 3.5.07
Betr.: Übersicht von Studien zum Effekt einzelner Vitamine und Mineralstoffe in der Primärprävention
Assoziation: Selen und Krebserkrankungen
Studientyp: Beobachtungsstudien
Inverser Zusammenhang zwischen Selenzufuhr und dem Auftreten von Krebserkrankungen, insbesondere der Verdauungsorgane und der Prostata (Hülsmann et al. 2005; Brinkmann et al. 2006)
Interventionsstudien:
Selensupplements (200 µg/Tag) senkt die Gesamtsterblichkeit an Krebs um 50 %, das Auftreten von Prostatakrebs um 63 %, das von Dick- bzw. Lungenkrebs um 58 % bzw. 46 % (Clark et al. 2006)
Metaanalyse: Kohortenstudien:
Hohe Selenaufnahme über die Nahrung vermindert das Risiko für Prostatatumoren um 28 % im Vergleich zu einer niedrigen Zufuhr. (Etminan et al. 2005)
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Veröffentlichter Leserbrief in der Deutschen Apotheker-Zeitung v. 16.09.04 zum Thema Nahrungsergänzung:
In dem Beitrag "Selen in Arznei- und Nahrungsergänzugsmitteln" von Frau Albers-Goebel und Herrn Prof. Schwendt, DAZ v. 22.07.04, wird der Eindruck erweckt, Präparate mit Selenhefe wären nutzlos. Dem muß klar widersprochen werden. Selenhefe enthält Selen überwiegend in Form von Selenomethionin. An Methionin ist das Selen relativ fest gebunden, wie die Autoren selbst anmerken. Der Körper resorbiert deshalb die Verbindung Selenomethionin als solche. Erst im Stoffwechsel, also nach der Resorption, wird das Selen bioverfügbar [1]. Deshalb ist für die Einschätzung der Bioverfügbarkeit die hier gewählte Methode einer vitro-Freisetzung nicht geeignet. In vivo-Studien zeigten keinen Unterschied in der Bioverfügbarkeit von Selenit oder Selenat im Vergleich zu Selen aus Selenhefe [2,3] bzw. sogar eine höhere Bioverfügbarkeit für Selen aus Selenhefe [4]. Aufgrund der langsamen Verstoffwechselung sind bei Selenomenthionin keine sofortigen Wirkungen zu erwarten. Jedoch ist diese Selenverbindung zu präventiven und längerfristigen Supplementierung geeignet, da keine akut-toxischen Effekte auftreten [1]. Darüber hinaus ist Selenomethionin die hauptsächliche Selenverbindung in der Nahrung. Aus diesen Gründen ist es prädestiniert, für den Einsatz in Nahrungsergänzugsmitteln [5]. Die Bioverfügbarkeit, Wirksamkeit und Sicherheit von Selenomentionin ist wissenschaftlich hervorragend dokumentiert [5,6]. Auch eine aufsehenerregende Studie, in der Selensupplementierung das Auftreten verschiedener Tumorarten signifikant reduzierte, wurde mit Selenhefe durchgeführt [7]. Die Anmerkung zum Ende o.g. Beitrags, in der Literatur wäre bereits auf die Problematik von Selenhefepräparaten hingewiesen worden, kann im übrigen nicht nachvollzogen werden. In der zitierten Publikation wird diese Aussage nicht getroffen. Hier ging es um die Alge Spirulina als Selenquelle, dessen Selen sich als schlechter bioverfügbar erwies als Selenit oder Selenometionin [8]. Dr. Anton Kraus, Diplom-Ökotrophologe.

Hutschi schrieb am 10.1.2008:
Ich habe ... vom Vortrag in Mannheim erfahren, dass man z. B. zu hohe Selen- und Zinkwerte im Blut vermeiden sollte. Das wäre eher schädlich.
Und auf eine Anfrage nach den Grenzwerten ergänzte Heribert diese Meldung am selben Tag:
Jeweils im Serum:
Calzium(Ca) = 2,02 – 2,60 mmol/l
Selen = 74 – 139 µg/l
Zink(Zn) = 70-120 µg/dl
Einige Werte lassen sich je nach Erfordernis auch im 24-Stunden-Urin bestimmen, dann aber andere Zahlen:
Calzium = <7,5 mmol/die
Selen = 5-30 µg/l/die

Am 30.9.2008 schrieb Hutschi unter dem Betreff „Selen in der Gesundheitsvorsorge“:
Selen zählt zu den Spurenelementen und spielt eine wichtige Rolle im Immunsystem. Die Spurenelemente stellen Schlüsselsubstanzen zur Aktivierung wichtiger Enzyme sowie Hormone dar und sind für viele Körperfunktionen wichtig. Selen wird in Deutschland oft nicht in ausreichender Menge mit der Nahrung aufgenommen, da unsere Böden und damit das Getreide relativ selenarm sind. Außer mangelnde Zufuhr mit der Nahrung fuhrt möglicherweise mangelnde Aufnahme vom Körper zur Unterversorgung. Auch verschiedene Erkrankungen können zu einem Selendefizit führen. Andererseits können Stress und Schadstoffbelastungen den Selenbedarf erhöhen. Da sehr wichtige Enzyme im Bereich der Entgiftung wie auch Zellteilung ohne Selen nicht arbeiten können, führt ein relativer oder absoluter Mangel zu diversen Funktionsstörungen. Diese lassen sich heute wissenschaftlich beweisen. Es wird nicht nur die Körperabwehr geschwächt. Auch in unterschiedlichen Untersuchungen wurde aufgezeigt, dass die Entstehungsrate bösartiger Erkrankungen bei Selenmangel zunimmt.
In den Jahren 1980 bis etwa 2000 ergaben sich in großen Studien mit mehr als 10.000 Personen Hinweise, dass ein niedriger Selenspiegel im Blut mit einem erhöhten Risiko für verschiedene Krebsarten einhergeht. In einer doppelblind-Placebo-kontrollierten Intensivstudie testeten Forscher des Arizona Cancer Center (USA), ob sich durch eine Selen-Zuführung das Risiko für das Auftreten von Karzinomen reduzieren lässt. An 1312 Personen wurde diese Studie durchgeführt: eine Schutzwirkung muss eindeutig angenommen werden.
Insgesamt gab es 63 % weniger Prostatakarzinome, 58 % weniger Darmkrebse und 46 % weniger Lungenkarzinome. Auf Hautkrebse war kein Einfluss feststellbar, jedoch wurde die Gesamtsterblichkeit um 50 % gemindert. Aus diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen können gesicherte Empfehlungen abgeleitet werden, in welcher Konzentration Selen im Organismus vorliegen sollte, damit die betroffenen Enzyme im Bereich Körperabwehr, Krankheitsabwehr und Entgiftung optimal arbeiten können.
Eine Bestimmung des Serum-Selen-Spiegels ist labortechnisch zwar aufwendig, aber heute unproblematisch möglich. Wichtig erscheint uns die Beobachtung, dass der Selenspiegel mit dem Alter absinkt. Dieser sollte deshalb bei jungen Patienten alle 10 Jahre, ab dem 50. Lebensjahr alle fünf Jahre bestimmt werden. Bei bestehenden chronischen oder anderen schweren Erkrankungen mit Erfordernis von Chemotherapie. Bestrahlung etc. können auch kurzfristigere Bestimmungen sinnvoll und erforderlich sein. Für alle Altersklassen gilt: Ein Selenspiegel unter 108 µg/l sollte vermieden werden Bei Werten unter 108 µg/l sollte eine zusätzliche Selenzufuhr vorgenommen werden, z.B. 50- 100 µg pro Tag. Zum Teil ist Selen in Multivitamin-plus-Spurenelement-Präparaten enthalten (meistens in einer Konzentration von 20 – 25 µg). Es sollte dann sechs Monate nach Beginn der Selenzuführung eine weitere Laboranalyse erfolgen, um eventuelle Dosisanpassungen vorzunehmen.

znieha fragte am 12.11.2008:
Habe nur die Frage, ob das Medikament (Selenase 100 Trinkampullen 2 ml) bei Prostatakrebs verschrieben werden kann (auf Kassenrezept)?
Schorschel antwortete am selben Tag:
Meines Wissens sind die verschreibungspflichtig, d. h. ohne Rezept bekommst Du die Ampullen in der Apotheke gar nicht. Trotz der Verschreibungspflicht hat aber meine (private) Krankenkasse die Erstattung verweigert. Selen sei nicht erstattungsfähig...
Und VThorsten schieb:
Selenase per Oral 100 geht auf Kassenrezept. Bin auch Kassenpatient( Barmer) und bekomme Selenase perOral 100 Trinkampullen, 2/0/0 Einnahme verschrieben. Hatte vorher bei der Kasse nachgefragt und bekam diese Antwort: Wenn Ihr Arzt dies für notwendig hält dann erstatten wir dies. Viele Ärzte allerdings verschreiben es nur privat, ist für Sie wohl einfacher, oder??

guntermann schrieb am 20.6.2009:
Interessant ist vielleicht in diesem Zusammenhang, dass Bayer Healthcare in den USA mit einer Klage rechnen muss, wenn in der Werbung die Behauptung, dass Selen das Prostatakrebsrisiko reduziere, nicht aufgegeben wird.
Siehe hierzu:
www.medicalnewstoday.com/articles/154598.php
Bayer Healthcare bewirbt seine Vitamin Pillen "One A Day" in den USA unter anderem mit dem Hinweis, dass das darin enthaltene Selen gegen Prostatakrebs wirksam sei.
Die in den USA recht bekannte Verbraucherschutzorganisation Center for Science in the Public Interest (CSPI) will jetzt Klage einreichen, wenn diese Werbung von Bayer nicht sofort aufgegeben wird. Zwei große Studien, einmal die durch das National Institutes of Health mit 118 Millionen US-$ finanzierte Studie und zum anderen die SELECT Studie hätten ganz eindeutig gezeigt, dass Selen keine Wirkung im Hinblick auf eine Redzierung des Prostatakrebsrisikos hat. Jede andere Behauptung sei Täuschung von Verbrauchern und Patienten.
Die SELECT Studie zeige zudem die Gefahr auf, dass durch die Einnahme von Selen Diabetes gefördert werden kann. Das eindeutige Ergebnis der SELECT Studie sei, dass Ärzte Selen und Vitamin E zur Prostatakrebsprävention nicht empfehlen sollen.


Urologe schrieb am 10.2.2015 unter dem Betreff „Neue Studie bestätigt für Selen ein erhöhtes Risiko, an PCA zu versterben“:
Die neue Analyse ergab bei 140 μg Selen pro Tag ein 2,5-faches Risiko an dem Prostatakrebs zu versterben. Untersucht wurden NICHT-metastasierte Patienten, die zusätzlich Selen einnahmen. Immerhin wurden über 4000 Männer z. T. mehr als 20 Jahre nachbeobachtet!
http://jnci.oxfordjournals.org/content/107/1/dju360.abstract?sid=1f76117d-d664-441c-9050-cffda06863d3
Dazu schrieb kopro am 11.2.2015:
Diese Studie sehe ich sehr skeptisch. Wir haben in Europa, hier vor allem in Deutschland, ein deutliches Nord-Süd-Gefälle im Selengehalt der Ackerböden, während in Nordamerika die Böden sehr selenhaltig sind und somit Nahrungspflanzen die in den USA, Kanada usw. aufwachsen, höhere Selengehalte aufweisen als in Deutschland (Europa). Gebunden und somit nicht pflanzenverfügbar wird Selen durch die intensive Düngung mit mineralischen Düngern, Ammoniumverbindungen stehen mit an erster Stelle. Ich bin der Meinung, dass wir in Deutschland einen gravierenden Mangel an Selen haben und daher moderat (nach Bestimmung des Spiegels) Selen einnehmen sollten.
Auch Hans-J. äußerte am 5.2.2015 Zweifel an dieser Studie und verwies dazu auf eine andere:
http://www.agepal.org/index.php/forschung/128-selen-prostatakrebs-vorbeugung