Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Ernährung, Nahrungsergänzungen – Resveratrol

WernerT fragte am 30.5.2006:
In der Fachzeitschrift "Journal-Mensch & Krebs", Ausgabe 2/06 vom Humanis-Verlag in 67435 Neustadt/Weinstraße, wurde über eine Therapie mit "Resveratrol" berichtet. Wer kann über Erfahrungen mit der o.a. Therapie berichten? [Die Anfrage blieb ohne konkrete Antwort – Ed]

RuStra stellte am 6.12.2007 den folgenden Text ins Forum:
Toxicol Appl Pharmacol. 2007 November 1; 224(3): 274–283.
Resveratrol: A Review of Pre-clinical Studies for Human Cancer Preventio

Mohammad Athar1, Jung Ho Back1, Xiuwei Tang1, Kwang Ho Kim2, Levy Kopelovich3, David R. Bickers1, and Arianna L. Kim1,*
1Department of Dermatology, College of Physicians and Surgeons, Columbia University, 630 West 168th Street VC15-204, New York, NY
2Department of Dermatology, Hallym University College of Medicine, Korea
3Division of Cancer Prevention, National Cancer Institute, Bethesda, MD
Prostate Cancer
The growth inhibitory effect of resveratrol has been demonstrated in various cultured prostate cancer cells, both hormone-sensitive and hormone-refractory, which mimic the initial or advanced stages of prostate carcinoma, respectively.
These studies have shown that resveratrol substantially modulates the growth of these cells and alters the expression of more than one set of functionally related molecular targets.
Resveratrol can repress different classes of androgen-responsive genes, including prostate-specific antigen (PSA), human glandular kallikrein-2, AR (androgen receptor)-specific coactivator ARA70, and p21WAF1/CIP1 in hormone-responsive cells (Mitchell et al., 1999); activate p53-responsive genes such as PIG7, p300/CBP and Apaf-1 (Narayanan et al., 2003); inhibit PI3K/AKT activation; and increase Bax, Bak, Bid, and Bad (Aziz et al., 2006).
Resveratrol downregulates PSA by a mechanism independent of changes in AR (Hsieh and Wu, 1999; Hsieh and Wu, 2000). No or minimal interaction of resveratrol with AR was detected (Kampa et al., 2000).
Moreover, resveratrol was shown to modulate NO production (Kampa et al., 2000) and prevent the increase in reactive oxygen species (ROS) (Sgambato et al., 2001).
Resveratrol treatment of various prostate cells also accompanied the activation of MAPK signaling and an increase in cellular p53 content, likely due to stabilization by serine-15 phosphorylation (Gao et al., 2004; Lin et al., 2002), ceramide-associated growth inhibition (Sala et al., 2003), and the blockade of Stat3-mediated dysregulation of growth and survival pathways (Kotha et al., 2006a).
Currently no pre-clinical studies have been reported on prostate carcinogenesis.
Übersetzung [durch Ed]:
Prostatakrebs
Die wachstumshemmende Wirkung von Resveratrol ist an mehreren, und zwar sowohl hormonsensitiven als auch hormonrefraktären, Prostatakrebszellkulturen gezeigt worden, die Anfangs- bzw. fortgeschrittenes Krebsstadium widerspiegeln.
Diese Studien haben gezeigt, das Resveratrol das Wachstum dieser Zellen beträchtlich moduliert und die Expression von mehr als einer Menge funktional verwandter molekularer Ziele verändert.
Resveratrol kann unterschiedliche Klassen auf Androgene ansprechender Gene unterdrücken, einschließlich des Prostataspezifischen Antigens (PSA) des humanen glandulären Kallikrein-2, des Androgenrezeptor- (AR-) spezifischen Ko-Aktivators ARA70 und p21WAF1/CIP1 bei hormonsensitiven Zellen (Mitchell et al., 1999); kann p53-sensitive Gene wie PIG7, p300/CBP und Apaf-1 aktivieren (Narayanan et al., 2003), kann die PI3K/AKT-Aktivierung hemmen und Bax, Bak und Bad erhöhen (Aziz et al., 2006).
Resveratrol reguliert das PSA durch einen Mechanismus herunter, der unabhängig von AR-Veränderungen ist (Hsieh and Wu, 1999; Hsieh and Wu, 2000). Es wurden keine oder nur minimale Interaktionen von Resveratrol mit AR festgestellt (Kampa et al., 2000).
Ferner wurde gezeigt, dass Resveratrol die NO- [Stickstoffmonoxid – Anm. d. Übers.] Produktion moduliert (Kampa et al., 2000) und den Anstieg reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) [alte Bezeichnung: Sauerstoffradikale – Anm. d. Übers.] unterbindet (Sgambato et al., 2001).
Die Behandlung unterschiedlicher Prostatazellen mit Resveratrol begleitete auch die Aktivierung der MAPK- [Mitogen-aktiviertes Protein – Anm. d. Übers.] Signaltransduktionund den Anstieg und den Gehalt von zellulärem p53, wahrscheinlich infolge Stabilisierung der Serin-15-Phosphorylierung (Gao et al., 2004; Lin et al., 2002), der Ceramid-assoziierten Wachstumshemung (Sala et al., 2003) und die Blockade der Stat3-vermittelten Dysregulierung von Wachstums- und Überlebenssignalwegen (Kotha et al., 2006a).
Derzeit gibt es zur Prostatakarzinogenese keine Studienberichte.
Gobsch schrieb am 6.12.2007 dazu:
Es gibt ein interessantes Buch von Dr. Norbert Sass "Die komplementäre Therapie am Beispiel des Prostata- und Mamma-Karzinoms unter besonderer Berücksichtigung der Phyto-Substanz "Resveratrol" (Eigenverlag 2004).
Kontakt:
Dr. Norbert Sass
Kutscherstieg 15
21684 Stade
Tel.: 04141/98 14 16
Fax: 04141/98 14 17
Preis + Porto = 21,47 €
Darauf fragte ruggero1 am 22.12.207:
Gibt es Angaben über die Menge an Resveratrol, die mann am besten täglich zu sich nehmen sollte? Ich bin durch die Diskussion im Forum auf dieses Mittel gestoßen und habe mir von Canea Pharma ein Döschen mit 60 Kapseln bestellt, von denen ich jetzt einmal täglich e i n e nehme. Nach den Dosierungsangaben enthalten z w e i Kapseln 10 mg Resveratrol und 5 mg Anthozyane, dazu Vitamin B-Komplex, Vitamin C usw.
...was RuStra am selben Tag zu dem Hinweis veranlasste
Das Tisso-Produkt ProSirtusan enthält in zwei Kapseln 400 mg ! Siehe www.tisso.de.
Klaus(A) berichtete einen Tag später:
Ich selbst nehme seit drei Jahren u. a. auch Resveratrol-Kapseln und habe diesbezüglich intensive Marktforschungen betrieben.
Man findet zahlreiche Untersuchungen, deren Ergebnisse viele Fragen und Zweifel aufkommen lassen. Die Wirkungen in "vivo" (also im menschlichen Körper) sind noch vollkommen unklar; eine 1:1-Übertragung von Laborergebnissen an Tieren oder an Zellkulturen auf den Menschen ist nicht möglich.
Unter
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/sites/en...ubmed_RVDocSum
findet man z. B. eine der vielen Studien; am Ende wird (frei übersetzt) folgende Aussage gemacht:
".......die Ergebnisse lassen Zweifel entstehen über die Gesundheitseffekte von Resveratrol-Einnahme in Diätform (also die Kapseln); die Ergebnisse weisen vielmehr darauf hin, dass die positiven gesundheitlichen Effekte durch Trinken von Rotwein wahrscheinlich durch die Gesamtheit der vielen in Rotwein vorkommenden Anti-oxydanten verursacht werden."
Nun wird bei den meisten Resveratrol-Kapseln noch nicht einmal das Resvertrol aus roten Trauben sondern aus den Wurzeln von Knöterich gewonnen. Also besteht hier nicht die geringste Beziehung zu den evtl. wirksamen Anti-Oxydanten der roten Trauben.
Ich nehme daher seit Jahren zwei Resveratrol-Kapseln pro Tag von "Natures Way", die man auch in Deutschland beziehen kann.
Hier ist der Inhalt folgendermassen:
Ob es was bringt......keine Ahnung. Zumindest schlucke ich Kapseln, die Resveratrol UND Rotwein-Antioxydanten enthalten.
Helmut.2 lieferte am 24.12.2007 diesen Hinweis:
Hier noch eine Website über Resveratrol.
Am selben Tag meldete Wolfgang aus Berlin:
Resveratrol-Kapseln der LEF liegen mit 100 mg Resveratrol bei ca. 20,- € pro 60 Stück.
Und RuStra schrieb am 25.12.207:
Ich komme bei meiner Rechnung sowohl bei LEF als auch bei Tisso auf deutlich unter 20 Euros. Bei Tisso ist aber die doppelte Menge Resveratrol pro Kapsel drin. Außerdem noch weit mehr Zusatzstoffe. Also scheint mir das Tisso-Präparat die Nase vorn zu haben.

Udo E. schrieb am 17.12.2012:
Soweit bekannt, ist der sekundäre Pflanzenstoff Resveratrol aus Lebensmitteln z.B. in der Schale roter Trauben (z.B. ca. 2 mg/Glas Rotwein) unbedenklich. Hoch dosierte Antioxidantien stellen dagegen ein doppelseitiges Schwert dar und können schaden z. B.:
www.aerzteblatt.de/nachrichten/32069
www.aerzteblatt.de/nachrichten/47651
Auch Resveratrol als hoch dosiertes Extrakt in Nahrungsergänzungsmitteln kann schaden (z.B. 400 mg/Kapsel). Einerseits zeigten sich positiven Wirkungen von Resveratrol in Prostatakrebs-Zellkulturen bei Laborexperimenten. Andererseits sind Ergebnisse von Tierstudien (am Mausmodell) widersprüchlich. Und evidenzbasierte (beweisende) klinische Studien mit Prostatakrebspatienten fehlen bisher ganz.
Jetzt warnen die amerikanischen Forscher um Klink, Freedland et al. vor Resveratrol-Extrakt, da es das Überleben von Prostatakrebspatienten verschlechtern könnte. Denn in ihrer großen Tierstudie mit ca. 250 Mäusen mit Tumoren aus implantierten menschlichen lokal fortgeschritten Prostatakrebs-Zellen (LAPC-4) starben im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant mehr Tiere an Prostatakrebs (hier über 50% mehr), wenn sie mit Resveratrol-Extrakt gefüttert wurden (50 mg/kg Ernährung). Resveratrol aktivierte bestimmte krebsfördernde Signalwege, welche die mögliche krebshemmende Wirkung auf andere Prostatakrebs-Zelltypen überwanden. Auf Tumoren aus implantierten Lymphknoten-Prostatakrebs-Zellen (LNCaP) blieb Resveratrol ohne signifikante Wirkung.
Klink et al. (2012) Resveratrol worsens survival…
www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23192356
(We expected to see a benefit of resveratrol and were surprised by our findings that it may be harmful in some cases)…
nearly 250 mice, resveratrol was associated with significantly worse survival with LAPC-4 tumors, but unchanged survival with LNCaP tumors…
the direct stimulatory action of resveratrol on oncogenic pathways may overcome its protective effects in some types of prostate cancer. Based on these preliminary data that resveratrol may be harmful, caution should be advised in using resveratrol for patients)
Bereits eine frühere Studie am Mausmodell zeigte: Resveratrol (100 mg/kg Ernährung) kann die Blutversorgung (Angiogenese) des Prostatakrebstumors fördern und den Untergang der Krebszellen (Apoptose) hemmen.
Wang et al. (2008)
www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18586690
(exposure to resveratrol also led to increased angiogenesis and inhibition of apoptosis)
Zur Sicherheit der Patienten sind dringend klinische Studien mit Menschen erforderlich. Außerhalb von Studien kann der Konsum von Resveratrol-Extrakt für uns Prostatakrebspatienten ein Risiko sein. Im Zweifel sollte man Nahrungsergänzungsmittel, die Resveratrol-Extrakt enthalten, absetzen.
Auch bei anderen Krebsarten gibt es widersprüchliche Forschungsergebnisse, die darauf hinweisen, dass Reveratrol-Extrakt gleichzeitig eine tumorfördernde Wirkung haben könnte.
So zeigte ein Tierexperiment mit Resveratrol (100 mg/kg Ernährung) gefütterten Brustkrebs-Ratten beschleunigtes Tumorwachstum.
Sato et al. (2003)
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed?term=14643443
Ein Laborexperiment zeigte, dass Resveratrol den Östrogenrezeptor der Krebszelle anregen und zum Wachstum des Tumors führen kann.
Gehm et al. (1997) Resveratrol…Agonist for Estrogen Receptor
<<…stimulated the proliferation of estrogen-dependent … breast cancer cells>>
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC28446/pdf/pq014138.pdf
Und bei Melanomen zeigte ein Tierexperiment, dass eine höhere Konzentration an Resveratrol (75 mg/kg Ernährung) das Tumorwachstum eher stimulierte und sein Abbauprodukt Piceatannol die Metastasen vermehrte.
Niles et al. (2006)
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16988123
<< higher levels of resveratrol tended to stimulate tumor growth …
its major metabolite…Piceatannol…significantly stimulated the number of … metastases>>
Hersteller und Händler von frei verkäuflichen Nahrungsergänzungsmitteln haben sich durch unbewiesene Versprechungen einen Milliardenmarkt geschaffen, in den jetzt große Pharmaunternehmen durch Firmenübernahmen einsteigen. Sie sollten verpflichtet werden, ihre Kunden wie bei einem Arzneimittel über die möglichen Risiken zu informieren. D. h. für Resveratrol-Extrakt: nach aktueller Studienlage fehlt ein Nutzennachweis für den Menschen und bei manchen Krebsarten könnte es sogar schaden.