Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Ernährung, Nahrungsergänzungen – Petersilie

Guy schrieb am 20.3.2002
Es ist unglaublich aber wahr. Die heimische Petersilie besitzt einen Wirkstoff Apigenin, welcher die Teilungsrate und die Wanderung von Darmkrebszellen in künstlichem Gewebe hemmt.
Mit Mimosin, einem Stoff aus den Blättern und Samen des in Asien, Süd- und Mittelamerika sowie dem Pazifischem Raum vorkommenden Wunderbaums, reduzierte sie die Wanderung um 50 Prozent und konnte die Teilung fast ganz stoppen. Besser als Mimosin kann es zur Zeit nur noch das Apigenin - eine Substanz aus der heimischen Petersilie. Apigenin trifft die Zelle in ihrem kritischsten Moment: Im Augenblick nach der Verdopplung der DNA, aber noch vor ihrer endgültigen Teilung. Was bei Darmkrebszellen funktionierte müsste doch auch bei Prostatakrebszellen den selben Effekt haben.
30.07.2001 Am besten kann es die Petersilie
Britta S. Kubens vom Institut für Immunologie der Universität Witten/Herdecke untersucht die Wirkung bestimmter Substanzen auf das Wanderungs- und Teilungsverhalten von Darmkrebszellen.
In der Krebsforschung gibt es eine goldene Regel: Nicht der Primärtumor selbst ist meist lebensbedrohlich, sondern jene Zellen, die sich irgendwann aus ihm lösen und über die Blutbahn unkontrolliert auf Wanderschaft gehen. Dort, wo sie sich absetzen, bilden sie so genannte Metastasen, also Tochtergeschwülste. Dementsprechend ringen Forscher in vielen aktuellen Projekten mit der Frage, wie man verhindern kann, dass Krebszellen überhaupt auf Wanderschaft gehen und sich dabei weiter teilen? Und welche Zusammenhänge bestehen zwischen der Wanderung und der Teilung? Mit letzterer Frage beschäftigt sich seit drei Jahren Dr. Britta S. Kubens vom Institut für Immunologie der Universität Witten/Herdecke. Wie so oft bei Grundlagenforschern, kam sie durch Zufall auf die Idee, diesen Zusammenhang etwas genauer unter die Lupe, bzw. das Mikroskop zu nehmen. Zunächst pflanzte sie Darmkrebszellen in künstliches Gewebe und filmte ihr Verhalten mit einem Videomikroskop 15 Stunden lang. Dabei machte sie eine interessante Beobachtung: Wanderung und Zellteilung finden nicht etwa, wie noch in vielen Lehrbüchern beschrieben, nacheinander statt, sondern parallel: Denn bevor sich die Zelle zum Teilen gleichsam "hinsetzt", bereitet sie ihre Spaltung während des Wanderns schon vor. Die Frage ist also, wie man schon während der Wanderung eingreifen kann um eine spätere Teilung zu verhindern?
Um das herauszufinden, experimentierte Kubens in einem zweiten Schritt mit verschiedenen Substanzen, die alle in verschiedenen Phasen des Zellzyklus eingreifen. Sie wollte damit herausfinden, an welcher Stelle dieses Kreislaufs welche Substanz die Wanderung und Vermehrung der Zellen am besten hemmt, wenn nicht sogar stoppt. Erstaunliche Ergebnisse erzielte sie dabei nicht mit chemischen "Bomben", sondern durchweg mit Substanzen, die in Nahrungspflanzen vorkommen. Mit Mimosin, einem Stoff aus den Blättern und Samen des in Asien, Süd- und Mittelamerika sowie dem Pazifischem Raum vorkommenden Wunderbaums, reduzierte sie die Wanderung um 50 Prozent und konnte die Teilung fast ganz stoppen. Besser als Mimosin kann es zur Zeit nur noch das Apigenin - eine Substanz aus der heimischen Petersilie. Apigenin trifft die Zelle in ihrem kritischsten Moment: Im Augenblick nach der Verdopplung der DNA, aber noch vor ihrer endgültigen Teilung. Auf der Liste der von Kubens noch nicht erforschten Substanzen stehen Derivate des Knoblauchs und der Zwiebel. Wenn sie mehr Aufschlüsse gewonnen hat über die Zusammenhänge von Wanderung und Teilung, möchte die Forscherin auch verschiedene Stoffe kombinieren. Der Vorteil: Ein solcher Mix würde - zeitlich gestaffelt - in verschiedenen Phasen des Zellzyklus eingreifen.
Kontakt: Institut für Immunologie, 02302/669-177, e-mail: bks@uni-wh.de
HINTERGRUND Petersilie bremst die Teilung von Darmkrebszellen
Von Thomas Meissner
Ein Drittel aller Krebserkrankungen sind wahrscheinlich auf schlechte Ernährungsgewohnheiten zurückzuführen. Bei Darmkrebs, an dem jedes Jahr 30 000 Menschen in Deutschland sterben, ist die Art der Ernährung wahrscheinlich ein noch wichtigerer Faktor. Zu den bisherigen Empfehlungen, viel Obst, Gemüse oder Vollkornprodukte zu essen, wird man künftig vielleicht noch ein Pflanze ergänzen müssen, die in jedem Garten steht: Petersilie. «Es klingt zwar naiv.Aber ich hab' mir gedacht - Kolonkarzinom-Zellen, da kommt die Nahrung dran vorbei» Dr. Britta S. Kubens, Witten/Herdecke
Das Kraut kann offenbar mehr, als Suppen und Fischgerichte zu verfeinern, wie Dr. Britta S. Kubens an der Universität Witten/Herdecke herausgefunden hat. Es hat eventuell auch einen medizinischen Nutzen. Vielleicht verhindern oder verzögern Inhaltsstoffe der Petersilie die Metastasierung eines Primärtumors. So hemme der Inhaltsstoff Apigenin die Wanderung von Darmkrebszellen und die Zellteilung, so Kubens.Die Wittener Wissenschaftler beobachten schon seit einiger Zeit mit speziellen Videokameras, wie sich Zellen in künstlichen Geweben fortbewegen. Eigentlich war es Zufall, der Kubens auf die Idee brachte, es könnte ein Zusammenhang zwischen der Zellwanderung und der Zellteilung bestehen: "Ich habe mal die Zellen über das ganze Wochenende gefilmt", erzählt sie.Dabei stellte sie fest, daß Wanderung und Zellteilung nicht, wie man bisher meinte, nacheinander ablaufen, sondern gleichzeitig. Bei der Auswertung des Zeitraffer-Filmes bemerkte Kubens, daß die humanen Kolonkarzinom-Zellen während der Wanderung ab und zu eine Pause einlegen, kugelrund werden und sich dann teilen. Das heißt, während der Wanderung müssen alle Vorgänge zur Vorbereitung der eigentlichen Zellteilung ablaufen."Wenn das so ist, kann ich die Migration dadurch beeinflussen, dass ich den Zellzyklus irgendwo blockiere", so Kubens' Arbeitshypothese. Ein solcher Blocker würde also Migration plus Mitose hemmen. Das Flavon Apigenin aus der heimischen Petersilie erwies sich als interessantester Wirkstoff von insgesamt vier Substanzen pflanzlichen Ursprungs, die alle in die Zellteilung eingreifen. Unter seinem Einfluß machten sich weniger Zellen auf den Weg als bei den anderen Substanzen, die Zellen liefen weniger lange und legten eine kürzere Strecke zurück. Dadurch, dass der Zellzyklus beeinträchtigt war, teilten sie sich auch weniger häufig als die Kontrollzellen. Allerdings greift Apigenin relativ spät in die Zellteilung ein: Die DNA ist bereits repliziert, wenn der Zyklus angehalten wird. Mimosin, ein Stoff aus den Blättern des etwa in Süd- und Mittelamerika vorkommenden Wunderbaums, wirkt wesentlich früher. Eine Kombination dieser pflanzlichen Wirkstoffe könnte sich daher günstig auswirken.
Wirkstoffe sollen gegen Chemotherapie getestet werden
Die Petersilie selbst enthalte noch ein weiteres Flavon, welches in der G1-Phase der Mitose eingreife, so Kubens. Diese Substanz will sie, wie auch sechs bis sieben weitere Substanzen, noch testen. Dazu gehören zum Beispiel auch Inhaltsstoffe des Knoblauchs und der Zwiebel. Wenn Kubens die optimale Substanzkombination gefunden hat, will sie deren Wirkung mit der der gängigen Chemotherapeutika vergleichen, die beim Kolon-Karzinom verwendet werden. Außerdem will die Immunbiologin noch einiges über die Wirkmechanismen herauskriegen. Warum sie ausschließlich pflanzliche Substanzen teste? "Es klingt zwar naiv. Aber ich hab' mir gedacht - Kolonkarzinom-Zellen, da kommt die Nahrung dran vorbei", sagt sie.So einfach kann Grundlagenforschung manchmal sein.
Über den therapeutischen Wert von Petersilie könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts Sicheres sagen, so Kubens. Doch wer es mit Spaß isst, hat mindestens einen psychologischen Vorteil in seinem Kampf gegen den Krebs. Übrigens: Petersilie passt hervorragend zu anderen gesunden Speisen wie Fisch, Geflügel, Pasta oder Gemüse.
STICHWORT Kolon-Karzinom
Kolorektale Karzinome sind die zweithäufigsten Karzinome bei Menschen. Auf sie entfallen 20 Prozent aller Todesfälle durch Tumoren. Die Inzidenz ist zwischen dem 50. und dem 70. Lebensjahr hoch. Als Risikofaktoren gelten bestimmte Essgewohnheiten: Fettreiche, ballaststoffarme Nahrung sowie im Sigma oder im Rektum lokalisierte adenomatöse Polypen. Gehäuft treten Kolon-Karzinome auch bei Colitis ulcerosa, Strahlenkolitis sowie bei familiärer Belastung auf. 70 Prozent aller Kolon-Karzinome kommen im sigmorektalen Bereich vor. Sie können also digital und rektoskopisch einfach erfasst werden. Nach der Primäroperation treten bei 50 bis 80 Prozent der Patienten Rezidive und Metastasen innerhalb von zwei Jahren auf.
Peter konnte am 21.3.2002 noch weitere Information liefern:
einige weitere Quellen zu Apigenin:
Flavonoid (myricetin, quercetin, kaempferol, luteolin, and apigenin) content of edible tropical plants http://www.ncbi.nlm.nih.gov:80/entrez/query.fcgi?cmd=trieve&db=bMed&list_uid s=410016&dopt=Abstract
Hesperidin and Other Bioflavonoids:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov:80/entrez/query.fcgi?cmd=trieve&db=bMed&list_uid s=410016&dopt=Abstract
Medline abstracts:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov:80/entrez/query.fcgi?cmd=trieve&db=bMed&list_uids#410016&dopt=Abstract
Flavonoide und andere pflanzliche Wirkstoffe: http://www.dgem.de/termine/ern2001/dia_gerh.pdf