Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Ernährung, Nahrungsergänzungen – Kalzium

[Zu dem folgenden längeren Beitrag sollte unbedingt die Antwort von Peter vom 20.8.2001 gelesen werden, da er eine ganz andere Meinung vertritt. Außerdem gibt es Hinweise auf eine Schädlichkeit von Milch und Milchprodukten. Ed]


Ludwig schrieb am 19.8.2001:
viele von uns nehmen Kalk gegen Osteoporose. Vielleicht findet der eine oder andere etwas für ihn Nützliches in dem Beitrag (aus dem Internet).
Kalzium gehört zu den zehn häufigsten Mineralien der Erdrinde und ist von seiner Menge her der wichtigste Mineralstoff des Körpers. Im Skelett und in den Zähnen sind 95 bis 98 Prozent des körpereigenen Kalziums gebunden - etwa ein bis eineinhalb Kilogramm. Der Knochen ist nach dem Zahnschmelz einer der härtesten Substanzen: Zugfest wie Kupfer, druckfest wie Sandstein und elastisch wie Eichenholz.
Kalziumphosphat sorgt als Baustoff für die Festigkeit von Knochen und Zähnen, ist aber gleichzeitig ein Speicher für eventuelle Mangelsituationen an Kalzium. Außer als Bau- und Gerüstsubstanz ist Kalzium wichtig für viele biochemische Reaktionen: Das in den Körperzellen vorhandene Kalzium sorgt für die Erregbarkeit von Nerven- und Muskelzellen, für die Muskelkontraktion, für einen gleichmäßigen Herzschlag, für eine funktionierende Blutgerinnung, aber auch für hormonelle und enzymatische Vorgänge im Zellstoffwechsel. Der Kalziumaustausch zwischen Zellen, Knochen und Blut wird geregelt über Hormone der Schilddrüse, der Wachstumsdrüse (Thymus), der Nebenniere und der Keimdrüsen.
Bilanzierungsversuche über die empfohlene Zufuhr von Kalzium sind schwierig, weil fast das gesamte Körperdepot in Knochen gebunden ist und von dort auch wieder freigesetzt werden kann. Zudem wird Kalzium über die Nieren, den Stuhl und den Schweiß ausgeschieden im Gegensatz zu den meisten anderen Mineralien, die über Schweiß und Urin abtransportiert werden. Das mit der Nahrung aufgenommene Kalzium wird zu 12 bis 40 Prozent aus dem Darm resorbiert, der Rest wird ausgeschieden. Daher kann alles, was zu einer schnelleren Darmpassage, führt wie Durchfälle oder der Gebrauch von Abführmitteln, auf die Dauer zu einem Kalziummangel führen.
Wird Kalzium zusätzlich zur Nahrung eingenommen, können maximal 250 Milligramm pro Gabe vom Körper verwertet werden. Von einem ganzen Gramm Kalzium werden also 750 Milligramm wieder ausgeschieden. Eine Kalziumtherapie mit einem Gramm pro Tag sollte also in vier Dosen von je 250 Milligramm erfolgen. Ein Kalziummangel äußert sich im Kindesalter im Knochenbau als Rachitisverformung ("Hühnerbrust"), im Alter als Osteoporose ("Witwenbuckel"), im Muskelstoffwechsel als Krampf (Tannine) oder Herzrhythmusstörung.
Muskelkrämpfe und Herzbeschwerden sind auch die ersten Vorboten einer beginnenden Osteoporose. Wechselwirkungen mit Kalzium gehen Phosphate aus Coca Cola und Kochkäse ein, Oxalate aus Rhabarber, Spinat, Mangold und roter Beete (Kochwasser verwerfen!) und Phytinsäure aus den äußeren Getreideschichten des Vollkorns (Hafer, Dinkel und Weizen enthalten weniger) ein. Sie binden Kalzium. Viel Eiweiß führt zur vermehrten Kalziumausscheidung über die Nieren. Zu einer Kalziumunterversorgung neigen Menschen mit starkem Stress, mit hohem Alkoholkonsum, ältere Menschen, Vegetarier (Kalzium aus pflanzlicher Kost wird nicht so gut verwertet wie aus tierischer Nahrung) und Menschen mit einer Störung oder nach Entfernung der Nebenschilddrüse. Überschüssiges Kalzium dagegen wird in den Knochen eingebaut. Es führt nach neusten Erkenntnissen nicht zu vermehrter Steinbildung in den Nieren oder gar zur "Aderverkalkung", der Arteriosklerose. Nur für Menschen mit schweren Nierenerkrankungen kann zu viel Kalzium gefährlich werden. Kalziumreiche Nahrungsmittel sind Milch und Milchprodukte (bis auf Quark), Sesamsamen, Sonnenblumenkerne und besonders Kräuter; Basilikum hat den höchsten Kalziumgehalt aller Kräuter. Die Wirkung des Kalziums im Körper wird positiv unterstützt durch Vitamin D, das die Kalziumaufnahme in die Knochen fördert, durch Vitamin C und durch Zitronensäure.
Peter schrieb daraufhin am 20.8.2001:
der Artikel zum Kalzium ist mit Vorsicht zu genießen. Gerade die Milch ist einer der größten Kalziumräuber, dies erfolgt durch das enthaltene Kaseineiweiß. Unter Magensäureeinfluss kommt es zu chemischen Reaktionen. 70 % des in der Milch enthaltenen Kalziums werden gebunden und per Urin ausgeschieden. Gerade die USA, Deutschland, Finnland und die Schweiz weisen auch die höchsten Erkrankungen an Osteoporose auf! Ich rate daher zur Einnahme von Grünalgen-Produkten, wie zum Beispiel Spirulina. Bitte macht Euch unter www.greenvalley.de schlauer. Es soll ein ähnlicher Effekt wie mit Kurkuma entstehen, das ich auch seit 1 Jahr einnehme, als Kapseln, pro Tag 5 Stück. Mir geht es seit 1 Jahr bestens, bin ja auch prostatektomiert, habe konstant PSA 0,0! Versucht es daher auch mal.

chrispa schilderte am 17.4.2005 ein Problem:
Ich soll tägl.1250 mg Kalziuim nehmen. Nun habe ich zwei Sorten.
1.) Kalzium Strada 500 mg, 1 Brausetablette enthält 1250 mg Kalziumcarbonat, entsprechend 500 mg ionisiertem Kalzium.
2.) Kalzium Santos forte 500, 1 Brausetablette enthält 0,30 g Kalziumcarbonat, entsprechend 500 mg Kalziumionen. 2,94 g Kalziumlactogluconat.
Nun meine Frage:
Pos. 1 + 2 haben je 500 mg Kalziumionen, aber ganz unterschiedliche Kalziumcarbonat. Pos. 1 hat 1250 mg = 1,25 Gr. Kalziumcarbonat. Pos 2 hat o,3 gr. Kalziumcarbonat.
Wieviel Tabletten muß ich von Pos. 1 oder Pos. 2 nehmen?
Guy antwortete ihm am selben Tag:
Weder noch ist wohl die richtige Antwort, denn Calciumcitrat scheint laut Studien besser zu sein als Calciumcarbonat.
Siehe dazu http://www.rheuma-online.de/news/358.html.
Neuen Studienergebnissen zufolge bietet die ergänzende Einnahme von Calciumcitrat in der Osteoporosebehandlung Vorteile gegenüber der Einnahme von Calciumcarbonat. Die Blutmarker, die den Knochenumsatz repräsentieren, konnten durch Calciumcitrat gesenkt werden, während Calciumcarbonat keinen wesentlichen Einfluss zeigte.
24. Jul. 2004, Dr. med. Gabriele Moultrie: Die Einnahme von Calcium und Vitamin D ist in der Vorsorge und in der Therapie der Osteoporose allgemein anerkannt. Auf dem Markt finden sich jede Menge Calciumpräparate. Je nach Präparat handelt es sich um Calciumcitrat (z. B. Calcitrat, usw...) oder Calciumcarbont (z. B. Calcium Sandoz, usw.).
Im Rahmen einer kleinen brandneuen Studie wurde untersucht, ob sich die beiden Calciumformen in ihrer Wirksamkeit unterscheiden.
40 Frauen nach der Menopause nahmen an der Studie teil. Alle Frauen hatten eine messbare Verminderung der Knochendichte. Die Studienteilnehmerinnen nahmen zunächst über 12 Wochen 1000 mg Calciumcitrat in Kombination mit Vitamin D ein. Nach einer kurzen Therapiepause wurde die Behandlung mit 1000 mg Calciumcarbonat über 12 Wochen fortgesetzt.
Verglich man die vier gängigen Marker des Knochenumsatzes im Blut, so zeigte sich eine messbare Senkung nach der Calciumcitrateinnahme, während sich die Blutmarker unter Calciumcarbonat nicht wesentlich veränderten. Andere Parameter wie zum Beispiel der Effekt auf die Calciumausscheidung im Urin oder den Parathormonspiegel waren unter beiden Calciumformen gleich.
Die Autoren vermuten, dass Calciumcitrat jedoch auf Grund der oben geschilderten Effekte auf die Blutmarker des Knochenumsatzes unterm Strich zu einer stärkeren Hemmung des Knochenabbaus führt als Calciumcarbonat. Zum gleichen Schluss kommt eine weitere Arbeitsgruppe, die nachweisen konnte, dass ein Abbau der Knochendichte vor allem im Bereich der Lendenwirbelsäule durch Calciumcitrat besser verhindert wird als durch Calciumcarbonat.
Inwieweit sich diese Entdeckungen letztendlich auf das Knochenbruchrisiko auswirken, muss Gegenstand weiterer größerer Studien sein. Zum derzeitigen Stand wäre es sicherlich überstürzt, alle Patienten auf Calciumcitrat umzustellen, zumal in Deutschland überwiegend Calciumcarbonat im Einsatz ist.
Literatur: 1. Kenny AM, Prestwood KM, Biskup B, et al. Comparison of the effects of calcium loading with calcium citrate or calcium carbonate on bone turnover in postmenopausal women. Osteoporos Int 2004 Apr;; 15(4):290-4. 2. Dawson-Hughes B, Dallal GE, Krall EA, et al. A controlled trial of the effect of calcium supplementation on bone density in postmenopausal women. N Engl J Med 1990 Sep 27;; 323(13):878-83.
[chrispa starb am 22. September 2008 an seinem Krebsleiden. - Ed]