Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Ernährung, Nahrungsergänzungen – Dichlorazetat

Berntt schrieb am 22.6.2007:
es gibt eine Internetseite, die sich mit Dichloracetat beschäftigt. Man findet viele Erfahrungsberichte von Krebspatienten, die DCA anwenden:
http://www.thedcasite.com/index.html
Interessant an der Seite ist, dass es hier nicht um die Vermarktung eines Produktes geht (DCA ist nicht patentiert und relativ preiswert im Chemiehandel zu bekommen), deshalb erscheinen die Informationen und Bericht glaubwürdig.
Dazu schrieb Oskar CH einen Tag später:
Trügerischer Hoffnungsschimmer
Von Sonja Kastilan
Dichloressigsäure war in Tierversuchen erfolgreich im Kampf gegen Krebs. Kranke schlucken nun die Substanz im Selbstversuch. Sie gefährden sich selbst und die weitere Forschung.
Sie ist von einfacher Molekülgestalt und preiswert in der Herstellung. Doch Dichloressigsäure (DCA) könnte sich in ihrer Schlichtheit als wirkungsvolles Krebsmedikament erweisen. Sie könnte sich aber ebenso zum qualvollen Fluch wandeln für all jene Krebspatienten, die das DCA-Pulver voreilig schlucken.
Mitte Januar veröffentlichte der kanadische Forscher Evangelos Michelakis seine Studie zu DCA. Er entdeckte in Zelltests und Tierexperimenten, dass die Substanz verschiedenen Krebserkrankungen Einhalt gebietet. Sie zerstörte die krankhaften Zellen von Brust-, Lungen- und Gehirngeschwülsten, gesunde Zellen blieben dagegen unversehrt. Bei behandelten Ratten wucherten Lungentumoren nicht. Diese überraschenden Ergebnisse sorgen seither für Wirbel. Michelakis und seine Mitarbeiter an der Universität von Alberta werden mit Zehntausenden Anfragen aus der ganzen Welt überschüttet.
Ohne umfassende Studien abzuwarten, tauschen Krebskranke im Internet bereits Tipps zur Einnahme. Fast 200 Mitglieder diskutieren im Forum der «DCA Site» über das Mittel, beschreiben vermeintliche «Osterwunder» nach Eigentherapie. Zum Entsetzen aller Mediziner: DCA ist nirgends als Medikament zugelassen.
«Eine Katastrophe», sagt Martin Fey, Onkologe am Inselspital der Uni in Bern. Der Wirkstoff sei zur Behandlung einer Stoffwechsel-Störung, aber nicht als Krebsmittel erprobt und seine Verabreichung völlig ungewiss. Zumal eine Studie bei Patienten Nervenschäden zeigte, bei Tierversuchen kam es zu Leberproblemen. «Angesichts des nahen Krebstodes probieren Betroffene alles», weiss Fey. Eine seiner Patientinnen erlitt Nierenschäden durch hoch dosierte Vitaminpräparate, die sie in ihrer Verzweiflung nahm. «Man muss Patienten vor solchen übereilten Schritten schützen.»
Zu viele unerforschte Faktoren
Auf der Internet-Site seines Labors warnt Michelakis eindringlich vor den Selbstversuchen mit DCA: zu gefährlich, schwere Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen. Zu viele Faktoren unerforscht, wie die Wechselwirkung mit anderen Medikamenten. Komplikationen könnten zudem, fürchtet er, Patientenstudien verhindern, wenn sich keine Teilnehmer mehr finden. Michelakis will bald damit beginnen und wirbt um Spenden für die teure Feuerprobe. Je nach Grösse kosten klinische Tests mehrere hunderttausend oder Millionen Franken.
Nur wenige Substanzen bestätigen ihre viel versprechende Laborwirkung in der Klinik. Etwa 95 Prozent der Krebsmittel fallen durch. Ein Risikogeschäft. «Die Auflagen für die Sicherheit eines Medikaments sind enorm», sagt Fey. Das treibt die Kosten für Studien an Menschen in die Höhe und macht sie nur für Pharmakonzerne erschwinglich. «Universitäten können sie nicht aus eigener Kraft umsetzen.»
Im Fall DCA müsste genau das geschehen: Das Molekül ist altbekannt und lässt sich nicht patentieren – die Industrie scheut daher Investitionen. Möglicher Trick: eine chemische Veränderung des Moleküls. Denn nur Patente bringen die Entwicklungskosten eines Medikaments von rund einer Milliarde Franken ein. «Aus marktwirtschaftlicher Sicht ist das verständlich», sagt Fey. «Leider bleiben aus diesem Grund oft Fragen zur Therapie offen, die für Ärzte relevant sind, nicht aber für Firmen.»
www.depmed.ualberta.ca/dca
DIE SUBSTANZ DCA
Wirkung im Zellkraftwerk
In Krebszellen ist der Energiestoffwechsel gestört. Ihre zelleigenen Kraftwerke, die Mitochondrien, können zahlreiche Funktionen nicht ausüben. Das führt dazu, dass Tumorzellen nicht zerstört werden wie andere krankhaft veränderte Zellen, sondern Bestand haben. Im Test konnte DCA in Krebszellen wieder den normalen Energieprozess herstellen. Die Mitochondrien wurden aktiv und übernahmen auch ihre wichtige Schutzfunktion: Sie schickten Tumorzellen in den Tod, Apoptose genannt.