Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Neue Ansätze – XL-184

Josef schrieb am 31.12.2010 unter dem Betreff "Hoffnungsmedikament für knochenmetastasierte Kollegen":

Beim Stöbern in amerikanischen Internetseiten bin ich auf ein interessantes neues Medikament gestoßen. Vor wenigen Wochen wurden auf dem 22. EORTC-NCI-AACR Symposium Phase I/II Daten vorgestellt zu dem neuen Kinaseinhibitor XL184, entwickelt vom amerikanischen Biotech-Unternehmen Exelixis, die alles in den Schatten stellen, was an Ergebnissen zum knochenmetastasierten Prostatakrebs bisher veröffentlicht wurde.

Von 20 Studienteilnehmern, deren Knochenmetastasen man in der Bildgebung erfassen konnte, hatten 19 Teilnehmer (95 %) eine Größenabnahme nach Einnahme von XL184. Selbst nach drei Monaten hatten immer noch 71 % der Männer kein Wachstum ihrer Knochenmetastasen. Allerdings könnte diese hohe Stabilisierungsrate – wegen der strengeren Studienbedingungen – bei einer Phase-III-Studie sinken.

Auch wird dieses Medikament Knochenmetastasen über einen längeren Zeitraum alleine nicht am Wachstum hindern können. Und ob dieses Medikament nach Abschluß einer Zulassungsstudie in einigen Jahren tatsächlich zu einer deutlichen Lebensverlängerung führt, ist auch noch nicht bewiesen.

Aber verglichen mit der relativ schwachen Wirkung von Taxotere oder der etwas besseren Wirkung von Abiraterone auf Knochenmetastasen scheinen diese Daten sensationell zu sein. XL184 hemmt hauptsächlich den VEGF-R2- und den HGF/Met-Signalweg, der große Bedeutung bei der Knochenmetastasierung besitzt – nicht nur beim Prostatakrebs.

Jürgen und Waltraud schrieben einen Tag später:

Ich glaube, dass das Medikament Alpharadin für die Knochenmetastasen schneller auf dem Markt ist. Hier laufen bereits seit einiger Zeit die Phase-III-Studien.

Und LowRoad schrieb zum Thema "Knochenmetastasen und deren Behandlung":

Knochenmetastasen sind eine häufig auftretende Komplikation bei fortgeschrittenem Prostatakrebs. Etwa 80 % der an PCA Verstorbenen haben zumindest mikroskopische Läsionen in den Knochen. Während des Wachstums dieser Metastasen verursachen sie erhebliche Schmerzen, die oft nur schwer therapierbar sind. Daher ist es nicht verwunderlich, dass versucht wird, neue Ansätze zu finden, dieses Krankheitsbild zu therapieren. Ich zweifele jedoch daran, dass es ein einzelnes Medikament, bzw. eine einzelne Therapieform geben wird, die sich als "magic bullet" erweisen wird. Die Signalwege, Botenstoffe der Knochenmetastasen sind komplex:

(Grafikadresse: http://clincancerres.aacrjournals.org/content/12/5/1395/F1.medium.gif)

Seit Jahren wird versucht, den Kreislauf aus Knochenabbau, Freisetzung von Wachstumsfaktoren, Metastasenwachstum und Osteoblasten-Aktivierung zu unterbrechen. Bisphosphonate, ursprünglich aus der Waschmittelforschung stammend, um Kalk zu binden, zeigen hier Wirkung. Sie besetzen die Knochenoberfläche und lassen die Osteoklasten absterben. Kein Knochenabbau -> keine Wachstumsfaktoren usw. Leider nur ein indirekter Weg der Hemmung der Metastasen mit einigen Nebenwirkungen, wie Nierenbelastung und Kiefernekrose (ONJ) bei Langzeittherapie. Besonders diese ONJ, die bei etwa zwei bis sechs Prozent der Langzeitanwender auftritt, ist schwer zu behandeln. Absetzen des Bisphosphonats hilft meist nicht. Ein etwas verbesserter Ansatz ist Denosumab. Dieser RANK/RANKL/OPG-Signalweghemmer ist zwar auch nur von inderekter Wirkung, belastet aber die Nieren nicht so stark und kann bei ONJ ggf. abgesetzt werden.

Wie man sieht, sind die Signalwege/Botenstoffe des Knochenstoffwechsels bei Metastasierung komplex. Verschiedene Ansätze werden erprobt um hier einzugreifen:

(Grafikadresse: http://up.picr.de/5991314.jpg)

(Grafikadresse: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2582164/bin/tlo0104_0158_fig003.jpg)

Langfristiges Ziel muss es sein, den Knochenumbau aktiv zu belassen, ohne dass davon das Metastasenwachstum stimuliert wird. Bis dahin müssen wir uns mit verfügbaren Substanzen bzw. komplementären Ansätzen wie Vit-D, Omega-3, ect. über Wasser halten. Hoffentlich noch lange, das wünsche ich allen Betroffenen!