Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS
SAGE-Methode
- Eva-Maria
übermittelte am 30.4.2002 den nachstehenden Artikel:
-
Informationsdienst
Wissenschaft (idw) Pressemitteilung, Max-Planck-Institut für
Biochemie, 30.04.2002
-
Einem zentralen
Regulator der Zellteilung und Tumorentwicklung auf die Schliche
gekommen
-
Krebs entwickelt sich
dort, wo die Teilung von Zellen außer Kontrolle geraten ist.
Die Zellteilung wird durch Proteine reguliert, deren Bildung durch
Gene gesteuert wird. Wesentliche Erkenntnisse in der heutigen
Krebsforschung liefern deshalb Studien zur Aktivierung oder
Inaktivierung von Genen in Tumorzellen. Wissenschaftler am
Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried haben nun 476
verschiedene Gene identifiziert, die alle durch ein Protein
reguliert werden. Das sogenannte c-MYC Protein bindet an die DNA der
Zelle und aktiviert Gene, die für die Synthese von Proteine zur
Unterstützung des Krebswachstums notwendig sind, z. B.
Proteine für die Zellteilung. In der neuesten Ausgabe des
renommierten Journals der Amerikanischen Akademie der Wissenschaften
(Proceedings of the National Academy of Sciences of the United
States of America, PNAS, 30. April 2002) veröffentlichen Antje
Menssen und Heiko Hermeking ihre Ergebnisse.
-
Zellen werden durch
Signalproteine, die an die Zelloberfläche binden, zur
Zellteilung angeregt. Dabei werden Signale über verschiedene
Signalketten bis in den Zellkern weitergeleitet, um dort die
Abschrift der Gene auf der DNA und damit auch die Synthese von
Proteinen zu initiieren, die bei der Neubildung und Neuorganisation
von Zellen benötigt werden. Dies können z. B. Gene
zur Regulation der Proteinsynthese sein oder Proteine, die dafür
sorgen, dass neugebildete Proteine die richtige drei-dimensionale
Faltung erhalten; eine Voraussetzung für einen fehlerfreien
Einsatz im Zellstoffwechsel. Schon länger ist bekannt, dass das
für die Bildung des c-MYC-Proteins verantwortliche c-MYC-Gen
bei Tumoren durch Signalketten aktiviert wird. Es ist in fast allen
menschlichen Tumoren aktiv. Es muss demnach eine Schlüsselrolle
in der Entstehung und Entwicklung von Tumoren haben. Einen wichtigen
Beitrag zum Verständnis dieser Schlüsselrolle lieferten
nun Menssen und Hermeking, indem sie die Gene ausfindig machten, die
durch das c-MYC-Protein aktiviert werden. Diese Gene dienen der
Entwicklung vieler Wirkstoffziele für die Behandlung von
Tumor-Erkrankungen oder für die Unterdrückung der
Neubildung von Blutgefäßen zur Versorgung von
Krebszellen. Mit Hilfe der sogenannten SAGE-Methode, konnten die
Wissenschaftler der Arbeitsgruppe "Molekulare Onkologie"
am Martinsrieder Institut für Biochemie 476 c-MYC-regulierte
Gene identifizieren. SAGE, die "Serielle Analyse der
Genexpression", ermöglicht den gleichzeitigen Nachweis
aller Genprodukte (mRNA) in einer Zelle siehe auch www.sagenet.org).
-
Entwickelt wurde die
SAGE-Methode 1995 am Oncology Center der Johns Hopkins Universität
in Baltimore, USA. Nach seiner Doktorarbeit erlernte dort Heiko
Hermeking während eines Forschungsaufenthalts bei Bert
Vogelstein und Ken Kinzler diese Technik und war einer ihrer ersten
Anwender. SAGE beruht auf einer quantitativen Analyse von kurzen
Nukleinsäure-Abschnitten, die aus Genprodukten isoliert werden
und durch Computermodelle mit bereits bekannten Gensequenzen
verglichen werden. Hermeking, seit knapp zwei Jahren wieder zurück
in Deutschland, gilt als einer der wenigen SAGE-Experten hierzulande
und wendet die Technik jetzt erfolgreich als Leiter einer eigenen
Forschergruppe am Max-Planck-Institut für Biochemie an.
Erstmals konnte er damit zusammen mit seiner Mitarbeiterin Antje
Menssen eine komplette Übersicht der Gene erstellen, die durch
das c-MYC-Protein aktiviert oder unterdrückt werden. Die
gesamte Liste aller Gene stellen die beiden Wissenschaftler nun der
Öffentlichkeit zur Verfügung (www.mpg.biochem.de).
Zudem konnte Dr. Menssen zeigen, dass das c-MYC Protein direkt an
regulatorische Bereiche der aktivierten Gene bindet. Einige der von
Menssen und Hermeking identifizierten Gene sind bereits bekannte
Ziele (Targets) für die Entwicklung von Tumortherapeutika. So
z. B. das Gen für die Cyclin-abhängige Kinase 4, die
verstärkt in Darmkrebszellen und anderen Tumorarten gefunden
wird. Zudem ist eine Substanz, welche Tumor-Neovaskularisierung
durch Hemmung eines der c-MYC-induzierten Genprodukte (MetAP/p67)
unterdrückt, bereits in der klinischen Erprobung als
Krebstherapeutikum. Durch ihre Veröffentlichung der 476 durch
c-MYC regulierten Gene haben die beiden Wissenschaftler viele
Möglichkeiten für die Erforschung von Krebstherapeutika
für die Wissenschaft zugänglich gemacht. Einige der Gene
könnten in Zukunft als Wirkstoffziele für die Behandlung
von Erkrankungen wie Tumore oder für die Unterdrückung der
Neubildung von Blutgefäßen zur Versorgung der Krebszellen
dienen.
-
Literaturhinweis:
-
Characterization of
the c-MYC-regulated transciptome by SAGE:
-
Identification and
analysis of c-MYC target genes (2002). PNAS 99 (9): 6274-6279.
-
Kontakt:
-
Dr. Heiko
Hermeking
Molekulare Onkologie
Max-Planck-Institut für
Biochemie
Am Klopferspitz 18a
82152 Martinsried
herme@biochem.mpg.de
www.biochem.mpg.de
-
Weitere Informationen
finden Sie unter:
-
http://www.biochem.mpg.de
-