Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Neue Ansätze – Roter Fingerhut (Digitalis)

[Über Digitoxin als Mittel gegen hormonrefraktären Prostatakrebs forscht der gebürtige Schwede Dr. med. Johan Haux, Oberarzt an der Krebsabteilung des St. Olavs Hospital Universitätskrankenhauses in Trondheim, Norwegen. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis zu dieser Forschung kann hier eingesehen werden – Ed]

Günter schrieb am 24.1.2002:
im neuesten Spiegel wird berichtet, dass Forscher der Universität Trondheim den Roten Fingerhut als Krebskiller, auch bei Prostatatakrebszellen, verifiziert hätten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/0,1518,178202,00.html. Als Betroffener habe ich das mit großem Interesse gelesen. Da ich den Spiegel für eine seriöse Zeitschrift halte, sollte man dem einmal nachgehen, um den wirklichen Wahrheitsgehalt herauszufinden. Deine Website KISP wäre sicher ein geeignetes Forum, das zu verfolgen.
Ralf fühlte sich angesprochen und reagiert am selben Tag:
die Meldung aus dem Spiegel klingt natürlich sehr interessant. Ich habe im Internet etwas, aber nicht viel, mehr darüber gefunden. Da wohl nicht allzu viele in dieser Runde Norwegisch verstehen (Uwe darf es gerne im Originaltext lesen), habe ich den Artikel mal übersetzt und füge ihn in der Anlage bei. Der betreffende Bericht ist bereits über ein halbes Jahr alt, aber eben in Norwegisch, und darum hat es gedauert, bis er bei uns publik wurde.
Am 28.1.2002 legte er nach:
wie Günter angeregt hat, bin ich der Meldung im Spiegel nachgegangen und habe Herrn Johan Haux in Trondheim angemailt (wo ich vor Jahrzehnten, in meiner Sturm-und-Drang-Zeit, auch zweimal war) und um weitere Information gebeten. Heute kam seine Antwort, die ich Euch sofort zur Kenntnis bringen möchte (ich habe sie aus dem Englischen übersetzt). Vielleicht bahnt sich hier etwas an, was für uns Anlass zur Hoffnung werden könnte. Natürlich werde ich das Angebot für weitere Information per Fax wahrnehmen. Ich halte Euch auf dem Laufenden.
danke, dass Sie mich auf den Artikel im "Spiegel" über unsere Forschung hingewiesen haben. Prostatakrebszellen sind mit die sensitivsten gegenüber Digitoxin (Digitoxin scheint in unseren Laborversuchen das Herzglykosid mit der potentesten Antikrebswirkung in relevanten (nicht-giftigen) Konzentrationen) zu sein. Ich bin der Deutschen Gesellschaft für Onkologie wirklich sehr dankbar, denn als ich die ersten Ergebnisse bezüglich des Auslösens von Apoptose bei leukämischen Zellen durch Digitalis hatte, wobei Digitoxin am potentesten war, wurde ich zu einer Präsentation zu diesem Thema im November 1998 nach Baden-Baden eingeladen (ich hielt sie auf Deutsch), und dann veröffentlichte ich den ersten Bericht in der Zeitschrift für Onkologie, siehe meine Webseite für Zusammenfassungen usw. www.cancerwire.com, wo Sie auch die Zusammenfassung zu unseren Ergebnissen zu Prostatakrebszellen finden. Siehe unten, ein Bericht von Dr. Anderson zeigt die gleichen Resultate und bestätigt, was wir herausgefunden haben.
Die Gruppe von Dr. Anderson beschäftigt sich mit Oleandrin, das auch ein Herzglykosid ist, und das in Extrakten der Pflanze Nerium Oleander enthalten ist, die seit alten Zeiten als Antikrebsmittel verwendet wird. Das war mir bekannt, als ich den Artikel schrieb, der in "Medical Hypotheses" veröffentlicht wurde (Verweis dazu auf meiner Webseite). Wir arbeiten gerade an einem klinischen Protokol für die Behandlung von Prostatakrebs mit Digitoxin, aber es ist noch nicht fertig.
Unsere Laborergebnisse sind von mehreren anderen Gruppen bestätigt worden, allerdings werden dringend klinische Studien gebraucht.
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Mit freundlichen Grüßen
Dr. Johan Haux
Und am 31.1.2002 schrieb Ralf:
Dr. Haux aus Trondheim hat mir dankenswerterweise weiteres Material zugefaxt. Das meiste sind Fachaufsätze, die für uns Laien schwer verständlich sind, aber auch ein Aufsatz, der die Grundlage zu dem bildete, den ich bereits am 28.1. hier verbreitete, aber ausführlicher ist. Ich habe ihn wiederum übersetzt und füge ihn als .pdf-Datei hier bei.
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Meine Einschätzung der Situation ist wie folgt:
Es gibt hier einen interessanten Ansatz, der aber derzeit nicht ohne weiteres als Therapieoption zur Verfügung steht, und bis es so weit ist, wird noch einige Zeit ins Land gehen. Die bisherigen Ergebnisse mit Digitalis bei unserem Krebs stammen aus Laborschalen, nicht von lebenden Menschen. Wie Dr. Haux in einer E-Mail schrieb, sind klinische Studien dringend nötig. Das hieße Doppelblindstudie usw. sowie natürlich eine Universitätsklinik, die daran interessiert ist, sie durchzuführen. Doppelblindstudie heißt aber auch, dass die teilnehmenden Männer wissen, dass sie mit fünfigprozentiger Wahrscheinlichkeit gar nicht das zu erprobende Medikament, sondern ein Plazebo oder gar nichts bekommen. Wer möchte sich in unserer Situation schon darauf einlassen?
Anders sieht es vielleicht aus, wenn ein Patient bereits "austherapiert ist", wie es so schön heißt, d. h. sein Arzt nicht mehr viel für ihn tun kann. Ein Urologe wird es sicher nicht allein auf sich nehmen, einem Patienten Herzmedikamente zu verabreichen, aber, wenn er wagemutig, engagiert und flexibel ist, vielleicht in Zusammenarbeit mit einem Kardiologen, der die Dosierung festlegen kann? Der Patient hat in der Situation nicht mehr viel zu verlieren.
Ich weiß nicht, ob Dr. Haux zu diesen Seiten findet, aber wir alle sollten ihm ausdrücklich danken dafür, dass er es neben seiner zeitlichen Belastung auf sich genommen hat, wildfremde Menschen in so zuvorkommender Weise mit dieser umfangreichen Dokumentation zu versorgen. Das letzte Fax von ihm kam um 0:45 Uhr in der Nacht!

Ludwig schrieb am 22.6.2002:
auch wenn der Fingerhuteinsatz (Digitoxin) unerprobt ist, Dr. Strum hat ihn einem anscheinend austherapierten Patienten als eine (letzte) Option unter anderem empfohlen.
Der nachstehende Auszug stammt aus einem p2p-Briefwechsel vom 19.6.2002 [Dr. Strum gibt darin einen englischsprachigen Aufsatz von Dr. Haux wieder - Ed].
Auch ohne Englischkenntnisse lässt sich sicher einiges entnehmen.
Meine Mutter hat 2 Brustoperationen 15 Jahre (starb mit 87) überlebt. Einzige "Chemotherapie" war ihr fürs Herz verschriebenes Digitoxin.