Der Extrakt aus dem Prostatakrebs-Forum von KISP und BPS

Neue Ansätze – Enzyme

Horst MUC sandte am 15.1.2005 den folgenden, von der Seite http://www.krebstherapeuten.de/body_veranstaltungen.htm übernommenen Text ein:
Proteolytische Enzyme in der additiven Tumortherapie, Referent : Dr. Gaschler
Schon 1906 spritzte der schottische Arzt John Beard seinen Tumorpatienten frischen Pankreaspresssaft junger Schafe und Kälber und konnte Tumorreduktion und -stillstand erzielen. In den 50er Jahren entwickelte dann Max Wolf die systemische Enzymtherapie mit einer Kombination von proteolytischen Enzymen pflanzlicher (Papain, Bromelain) und tierischer (Trypsin, Chynotryspin) Herkunft.
Neben den deutlichen antientzündlichen und fibrinolytischen Effekten konnte er nachweisen, dass nach Zugabe der Enzyme zum Serum von Tumorpatienten dieses wieder Tumorzellen zerstören konnte.
In den letzten Jahren konnte gezeigt werden, dass ein wichtiges Wirkprinzip der Enzymtherapie in der Modulation des Immunsystemes besteht, insbesondere der Regulation der TH1- und TH2- (T~Helfer) Zellen (CD4) und deren Zytokine. Dabei hat sich in jüngster Zeit der Wachstumfaktor TGF-b (transforming growth factor b) als Schlüsselmolekül herausgestellt. Er ist in physiologischer Konzentration notwendig zur Kontrolle und Entfernung DNA geschädigter Zellen, regelt die Gewebereparatur, wirkt antiinflammatorisch und hemmt Autoimmun-erkrankungen. TGF-b wird daher auch von den entzündungshemmenden T2-Helferzellen gebildet, um so die Ausschüttung der inflammatorischen Zytokine von den Tl-Helferzellen zu kontrollieren. Diese Zytokine wie z. B. INF (Interferon ), TNF-a (Tumornekrosefaktor), IL-2, -12 (Interleukine) sind aber wichtig in der Tumorbekämpfung, denn sie aktivieren die zytotoxischen T-Zellen (CD8), Makrophagen und AK-Zellen (natürliche Killer-Zellen) neben der tumoriziden Wirkung des TNF-a.
Erhöhtes TGF-b ist daher einer der stärksten Immunsuppressoren. Es führt zu überschießender Bindegewebsbildung (Fibrosierung im Bestrahlungsfeld), Sklerosen (Arteriosklerose). Tumorzellen bilden und schütten daher oft gezielt TGF-b aus, um so die Abwehr durch Blockade der TH-1 Zellen auszuschalten. Selbst werfen sie ihre Rezeptoren für TGF-b ab, um so nicht im eigenen Wachstum gehemmt zu werden. Enzyme sind nun in der Lage, erhöhte TGF-b-Spiegel in den Normbereich zu regulieren. Gelangen proteolytische Enzyme ins Blut, werden sie an Antiproteinasen, die auch als Transportmoleküle dienen, gebunden, insbesondere an das a 2-MG (-Makroglobulin). Bei der Bindung von Hydrolasen/Proteasen an a 2-MG ändert dieses seine räumliche Struktur und Eigenschaften (s- zu f- Form) und bindet jetzt rasch und irreversibel verschiedene Zytokine. Dieser Komplex wird dann sofort von Makrophagen eliminiert, so auch erhöhte Spiegel von TGF-b .
Häufig liegt bei Tumorpatienten der TNF-a in inaktiver Form vor, Enzyme stellen seine tumorizide Wirkung wieder her. Enzyme spalten die tarnende und klebrige Schutzschicht (Fibrin, Schleim) von Tumorzellen ab, ebenso Adhäsionsmoleküle (z. B. CD44), mit denen sich die Tumorzelle am Gefäßendothel anhaftet, was somit einer Verringerung des Metastasierungsrisikos dient. Daneben wird durch die Enzyme die Fibrinolyse gesteigert (über Plasminaktivierung), was der erhöhten Thromboseneigung des Tumorpatienten entgegenwirkt. Enzyme spalten Immunkomplexe (abgeworfene Rezeptoren und Antigene binden sich an Zytokine und Antikörper), die das Immunsystem zusätzlich blockieren. Makrophagen können die Spaltprodukte jetzt rasch eliminieren.
Neben dieser hauptsächlich immunologischen Wirkung profitieren die Patienten von den antiödematösen, wundheilungsfördernden Wirkungen auf Haut und Schleimhäute, was bei der Chemo- und Strahlentherapie hilfreich ist und der Fibrosierung (Gefahr von Lymphoedem z. B. durch Bestrahlung bei Mamma-Ca.) vorbeugt. Die systemische Enzymgabe gilt inzwischen als wirksamkeitsgeprüfte additive Maßnahme in der komplementären Tumortherapie. In den USA wird sie beim Plasmozytom als "orphan drug" in Kombination mit Chemotherapie beurteilt, da hierdurch die Remissions- und Überlebenszeiten deutlich verbessert werden. Neben des additiven Nutzen bei den tumordestruktiven Standardtherapien dienen die Enzyme der Metastasenprophylaxe nach erfolgreicher Primärtherapie, aber auch der Verbesserung der Lebensqualität im palliativen Bereich.